Die Autonomen kommen – Über Logistik, Zalando und Schwarm-Mobilität

Zusammen mit meinen Redaktionsassistenten Yoda und Steve Jobs führte ich eine interessantes Live-Interview mit Holger Rieth von Stute Logistics über autonomes Fahren, KI, Robotik und Automatisierung.

Das Ganze läuft unter dem Format-Titel #CIOKuratorLive

Habt Ihr Anregungen? Geht das in die richtige Richtung?

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Die Internetblase des Otto-Versandkonzerns

Alte Zeiten ohne Online-Handel

Hans-Otto Schrader, Chef des Hamburger Versandkonzerns Otto, weist Kritik an zu geringeren Wachstumsraten seines Unternehmens im Vergleich mit Online-Händlern wie Amazon und Zalando zurück:

„Wir machen diesen Hype um die größten Umsatzzuwächse im Netz ganz bewusst und gezielt nicht mit“, sagt Schrader im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Die Goldgräberstimmung im Online-Handel erinnere ihn fast schon an die Zeiten der Internetblase. Es müsse sich aber erst noch zeigen, ob sich die hohen Erwartungen erfüllen und hinter dem schnellen Umsatzwachstum auch ertragreiche Geschäftsmodelle stehen.

Wenn der Schrader sich da mal nicht einreiht in die Garde der liebwertesten Gichtlinge mit ihren legendären Fehlprognosen: Etwa von Bill Gates:

„Mehr als 640 Kilobyte Speicher werden Sie niemals benötigen.“

Audi-Chef Rupert Stadler ist da schon einen Schritt weiter:

“Nur wer bereit ist, auch das eigene Geschäftsmodell ständig zu hinterfragen, wird überleben.”

Am Beispiel des Buchhandels hat Trendforscher Professor Peter Wippermann das deutsche Lamento über den digitalen Wandel recht gut auf den Punkt gebracht: So fragen sich die Verlage, ob es gerecht sei, dass Amazon eBooks einführt.

“Gleichzeitig brechen die Großflächen-Kaufhäuser für Bücher zusammen, weil es sich wirtschaftlich einfach nicht mehr lohnt. Redaktionen werden abgebaut, weil das Vertriebssystem Papier nicht funktioniert. Hier gerät die analoge Industriewelt in den nächsten zehn bis 20 Jahren stärker unter Druck als es in den vergangenen 20 Jahren der Fall war.”

Warum diese Wendemarken in der deutschen Wirtschaft nicht erkannt oder in Abrede gestellt werden, hat Wippermann auch recht plausibel geschildert.

“Diejenigen, die jetzt Mitte 40 sind, haben eine lange Zeit gebraucht, um in Entscheidungspositionen zu kommen. Diese Führungskräfte sind in einer Welt aufgewachsen, die sich von der Welt der Jüngeren deutlich unterscheidet. Sie verteidigen ihre Positionen.”

Die Robotik habe zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen in der Produktion geführt. Die vernetzte Ökonomie geht jetzt auch dem Management ans Leder. Und das ruft Widerspruch und Widerstand hervor. Am Ende bleibt dann vielleicht nur noch die Botschaft übrig:

Neckermann machte es möglich – aber nicht im Online-Handel.

Wie es um die digitale Transformation von deutschen Unternehmen bestellt ist, untersucht gerade eine Studie von Mind Business in Kooperation mit der Fachzeitschrift absatzwirtschaft. Die Befragung geht noch bis zum 30. April.

Zalando und die Heizdeckenverkäufer des Social Web

Auf der Versandhandelstagung NEOCOM waren sich die Experten nach Beobachtungen von Smart Service-Blogger Bernhard Steimel einig: Social Media taugt nicht als Verkaufsinstrument. Und selbst Zalando, der aktuelle Star des Online-Handels, stellt klar, dass Social Media im Marketing-Mix keine tragende Rolle spielt.

„Auf Social Commerce will derzeit niemand eine Zukunftswette abschließen. Nachdem einige Misserfolgsmeldungen die Runde machen, scheint die erste Euphorie-Welle verpufft und man will zur Tagesordnung übergehen“, so Steimel.

Es handelt sich wohl um ein großes Missverständnis im Umgang mit sozialen Netzwerken. Die liebwertesten Gichtlinge der Heizdecken-Verkaufsabteilung sollten mehr über die Worte „Social“, „Partizipation“, „Kultur der Beteiligung“, „Offenheit“, „Liquid Democracy“ und „Open Data“ nachdenken, bevor sie ihre Couponing-Orgien im Social Web fortsetzen und sich über die kollektive Nichtbeachtung im Netz wundern. Das Couponing-Syndrom brachte ja Acquisa-Chefredateur Christoph Pause bei der Netzintelligenz-Runde des Blogger Camps ins Spiel.

Die aalglatten Verkaufsmanager hängen immer noch an der Marketing-Ideologie des 19. Jahrhunderts, wie Steimel in seinem Blog ausführt:

„Das von Elmo Lewis im Jahre 1898 entwickelte AIDA-Modell bildet noch heute die Basis der meisten Marketing-Programme und Kampagnen. Es basiert auf der Idee, durch gezielte Information Konsumenten Schritt für Schritt zum eigenen Produkt zu führen. Jedoch spiegelt das Modell immer weniger den tatsächlichen Kaufentscheidungsprozess wider.“

Laut einer McKinsey-Studie aus dem Jahre 2009 werden zwei Drittel der Informationen im Kaufprozess durch Empfehlungs-Kommunikation bestimmt und nur noch ein Drittel durch die Hersteller-Kommunikation.

Und das wird sich weiter verschieben zugunsten der Kunden verschieben. Beispiel E-Plus-Base…..

„Unsere Untersuchungen bestätigen den Trend und untermauern die Bedeutung des sozialen Filters bei Kaufentscheidung. Damit verlieren die Marken die Kontrolle über die Kundeninteraktion und damit über die Marken-Wahrnehmung und die Kaufentscheidung“, erläutert Unternehmensberater Steimel.

Wie social beispielsweise der „Star des Online-Handels“ wirklich ist, der fast auf keiner Folie bei Tagungen über Trends der digitalen Wirtschaft fehlt, kann man an der ZDF-Zoom-Reportage betrachten:

Es werden zwar Millionen für die Suchmaschinen-Optimierung, für Adwords-Kampagnen und Fernsehwerbung ausgegeben. Wer hinter die Kulissen der bunten frauenkreischenden Zalando-Welt blickt, entdeckt Arbeitsverhältnisse, die ich nicht als sozial werten kann. Man braucht sich nur die Container in dem Logistik-Zentrum und den Kommandoton der Vorarbeiterin anschauen, um sich einen Eindruck von der „Unternehmenskultur“ zu verschaffen.

Wie offen hat denn das Zalando-Management auf die ZDF-Undercover-Reportage reagiert? Diese Frage habe ich Zalando kurzerhand auf Facebook gestellt und darum gebeten, die Antwort im Lichte der Netzöffentlichkeit zu posten – also schön social.

Eigentlich wollen die Unternehmen weiter in Ruhe ihr Ding machen und nicht von Konsumenten gestört werden.

Man merkt das auf Konferenzen bei kritischen Zwischenfragen oder eben auch bei öffentlichen Diskursen, die nicht nach den Regeln der Schönwetter-Propaganda des Marketings ablaufen. So wird das nichts im Social Web.

Vielleicht brauchen die Heizdeckenverkäufer in den Top-Etagen auch eine „Industrialisierung der Fantasie“, wie es Thomas Sedlaczek in einem Beitrag für die erste Printausgabe des Online-Debattenmagazins „The European“ zum Ausdruck brachte: Gehandelt werde nicht mehr mit Gegenständen, sondern mit Gefühlen.

Wie sich die Unternehmenskultur ändern sollte, ist auch Thema meiner morgigen Service Insiders-Kolumne. Über Meinungsäußerungen würde ich mich wieder sehr freuen. Per Mail (gunnareriksohn@gmail.com), über Blogkommentare oder vielleicht auch spontan über einen Live-Hangout. Das würde morgen so gegen 10 Uhr gehen.

Wie Schein und Sein in der Wirtschaftswelt auseinander fallen, kann man übrigens sehr schön an den neuen Ergo-Skandalen ablesen.