Recherchethema: Wie soziale Medien vertikale Hierarchien untergraben

Wenn eine Organisation wüsste, was eine Organisation weiß – ich möchte das gar nicht nur auf Firmen beschränken, wenn es um die Möglichkeiten geht, die Weisheit der Vielen anzuzapfen.

Aber dieser knapp sechsminütige Film des elektrischen Reporters fasst die Vorteile der internen und externen Vernetzung sehr schön zusammen. Auch wie soziale Medien vertikale Hierarchien untergraben.

Würde ich im Laufe der Woche gerne zu einer Story verbraten. Bitte Statements bis Mittwochabend mailen (gunnareriksohn@gmail.com) oder hier als Kommentar posten. Ich werde dann am Donnerstag zur Feder greifen. Telefoninterviews würden auch gehen.

Die Weisheit der Vielen im Netz gegen die Schreihälse in Wirtschaft und Politik

In meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin „The European“ bin ich noch einmal auf das Markenimage von Firmen im Social Web eingegangen. Titel: Einsame Schreihälse.

Im Internet verlieren Firmen die Hoheit über ihre Markenbotschaft. Gut so – denn die absolute Kontrolle über Mitarbeiter und Konsumenten ist illusorisch. Diese Lektion haben die Ziegelstein-Diktatoren, Brüller und Schreihälse in den Führungsetagen von Wirtschaft und Politik immer noch nicht gelernt. Mitarbeiter, Wähler oder Konsumenten kann man nicht mehr für dumm verkaufen und zentralistisch von oben nach unten steuern. Selbstorganisation steht auf der Web-Agenda an erster Stelle und nicht mehr der Taktstock von Positionseliten. Das hat der italienische Schriftsteller Alberto Savino treffend zusammengefasst: „Der Grad von Menschlichkeit eines Unternehmens, einer Tat, einer Lage, ist messbar an dem Mehr oder Weniger an Freiheit, die sie uns gewähren, über uns selbst zu verfügen.“

Entsprechend ist es, endlich auf die Weisheit der Vielen zu achten, wie ich in meinem Vortrag auf dem Marketingforum während der Hannover Messe ausführte.

Und in Doppelfunktion in einer Diskussionsrunde über Datenschutz:

An der vernetzten Gesellschaft und Ökonomie werden sich jedenfalls die vorgestrigen Kommandeure von Befehl und Gehorsam die Zähne ausbeißen. Auch die Abmahn-Gichtlinge der GEMA, wie Heinrich Rudolf Bruns in seinem Blog berichtet:

„Derzeit scheint es, dass die GEMA regelrecht um einen Shitstorm bettelt. Falls der nicht schon längst da ist. Bands wie Porter suchen sich das Geld für eine CD-Produktion im Netz zusammen und produzieren unter Creative-Commons-Lizenz. Viele Künstler publizieren schon gema- und auch lizenzfreie Musik. Die Musikpiraten veröffentlichen eine solche CD und wegen eines Pseudonyms, das nicht offengelegt wird, zieht die GEMA vor den Kadi. Weil es die GEMA-Vermutung gibt. An anderer Stelle bemühen sich Musikschaffende, eine alternative Verwertungsgesellschaft, die C3S auf die Beine zu stellen. Das Problem: Sobald C3S um Zulassung beim Patentamt ersucht, wird die Satzung des Vereins öffentlich sein und von den Justiziaren der GEMA sicher nicht unkommentiert bleiben. Und jede Unklarheit, jeder indifferente Ansatz, jeder nicht juristisch wasserdichte Satz wird Schreiben um Schreiben, Eingabe um Eingabe, Widerspruch um Widerspruch auslösen. Monopolisten lassen sich ungern in die Ecke drängen und – mehr Anwälte haben sie auch. Und wohl auch das Geld, sie zu zahlen. Aber sei’ s drum: Was die letzten 20 Jahre in der Politik seinen Anfang nahm, durchdringt nun auch gesellschaftliche Bereiche: Die Abschaffung von Diktaturen wird zur Auflehnung des Volkes der Musiknutzer und -schaffenden gegen einen Monopolisten, der sich selbst überlebt zu haben scheint. 2012 ist das Jahr der GEMA.“ Da hat Heinrich wohl recht.

Es ist das Jahr, in dem die Schreihälse in Wirtschaft und Politik zerlegt werden. Übrigens steht jetzt der Termin für das Blogger Camp 12 in Nürnberg. Terminfindung mit dem bloggenden Quartett Bernd Stahl, Heinrich Rudolf Bruns, Hannes Schleeh und meiner Wenigkeit zog sich etwas hin. Termin und erste Überlegungen für den Ablauf kommen in Kürze.

Siehe auch:

GEMA verklagt Musikpiraten e.V. wegen Nutzung eines Creative Commons-Songs.

Social Media Benchmark – Wie und warum setzen Marken auf soziale Netzwerke.

Privatsphäre günstig abzugeben? Disputation auf der Hannover Messe am 25. April #marketingforum

„Es wird hohe Zeit, dass wir ein neues, zeitgemäßes und europäisiertes Urheberrecht bekommen zwischen purer Anarchie (was hat er nur gegen Anarchie? gs) und den verschrobenen und zumeist lobbyistischen Positionen vieler staatlich bestellter Datenschützer“, meint Klaus Stallbaum in einem Kommentar zu meiner Montagskolumne: Die Rückzugsgefechte der Alt-Verleger. Das ist auch das Thema der Podiumsdiskussion am 25.04.2012 im marketing forum hannover zwischen 11 und 13 Uhr: „Privatsphäre günstig abzugeben? Der Umgang mit dem Datenrohstoff des 21. Jahrhunderts“.

Es diskutieren – nach ihren jeweiligen Vorträgen – Dr. Stefan Groß-Selbeck (CEO Xing AG, Hamburg), Tom Noeding (Community Manager evangelisch.de, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH, Frankfurt) , Dr. Carsten Ulbricht (Rechtsanwalt M.C.L., Diem & Partner Rechtsanwälte, Stuttgart) und der Wirtschaftspublizist und Blogger Gunnar Sohn (Bonn) – also ich. Moderation: Dr. Klaus Stallbaum, bei dem es auch Freikarten für die Veranstaltung gibt.

Einen kleinen Vortrag halte ich dort auch: Außer Kontrolle: Die Macht ist nicht mehr mit Dir – Die Stimme der Vielen im Netz. Und der dazu gehörige Text zur Ankündigung:

Es geht im Schwarm des Netzes nicht um Hierarchisierungen und Positionierungen im Machtgefüge, sondern um schnell vermittelte Informationen, die immer in der Ebene des Schwarms bleiben, um beispielsweise eine effektivere Abwehr größerer Feinde zu gewährleisten. Im Internet wird es für die Funktions- und Positionselite in Unternehmen, Parlamenten und Parteien immer schwerer, den Dirigentenstab zu schwingen, um Kunden, Bürger und Wähler zu orchestrieren.

Die Dialogformen der sozialen Medien seien nichts anderes als die demokratisierte Form der Salonkonversation, die früher nur in elitären Kreisen geführt wurde – heute ist es ein Jedermann-Phänomen, so Professor Peter Weibel vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. Das Internet habe das Gespräch als politische Kraft zu einem Instrument der gemeinsamen Lebensgestaltung gemacht. Diese Dialoge müsse man als Philosophie des Sprechaktes sehen.

„Hier werden Dinge mit Worten gemacht”, sagt Weibel.

Mal schauen, was so auf dem marketingforum gemacht wird.

Das ganze Programm unter http://www.stapag.com/marketingforum2012.pdf

Kommet in Scharen nach Hannover und befruchtet die Disputation 🙂