Suche CEOs, die im Social Web aktiv sind – Es gilt das gesprochene Wort

Angst vor der Öffentlichkeit - Angst vor der Realität
Angst vor der Öffentlichkeit – Angst vor der Realität

Führungskräfte der Wirtschaft sollten sich stärker mit der Omnipräsenz der Ereignisse beschäftigen – also mit dem Strukturwandel der Öffentlichkeit im Sinne des Soziologen Jürgen Habermas. CEOs agieren zunehmend unter ständiger Beobachtung ihrer Stakeholder.

„Alle Handlungen und unternehmerischen Entscheidungen werden von Mitarbeitern, Investoren und weiteren Interessengruppen kommentiert, diskutiert und interpretiert“, bemerkt der DAX-Flüsterer Alexander Geiser.

Es gibt kaum noch Ruhezonen. Schon gar nicht in sozialen Medien, wo jeder Empfänger von Botschaften gleichzeitig Sender sein kann. Das passt allerdings nicht zur DNA der Führungskräfte in Deutschland, die sich als Betriebswirte, Ingenieure und Juristen in klassischen Laufbahnen hochgearbeitet haben.

Das passiert unter Ausschaltung der Öffentlichkeit. Wer wagt denn schon den direkten Diskurs mit Kunden oder Bloggern? Wer zeigt sich ohne Entourage auf Twitter oder Facebook? Wer schreibt Beiträge im Corporate Blog mit der Möglichkeit für Kommentare? In Deutschland setzen sich Top-Leute im Management vor allem in internen Zirkeln durch – das gilt bei der Vorbereitung des Wechsels als auch für die Politik in der eigenen Organisation. Siehe meine heutige Netzpiloten-Kolumne. Unkontrollierbare Kontakte mit der Netzöffentlichkeit, Live-Interviews oder sonstige Kommunikationsformen, die man nicht über Sprachregelungen oder Autorisierungen in einen aseptischen Sprachbrei umformen kann, meiden CEOs.

Das ist selbst beim Opel-Chef Karl-Thomas Neumann so, der ständig erwähnt wird, wenn nach Chefs Ausschau gehalten wird, die auf Twitter aktiv sind.

Was Neumann oder seine Ghostwriter da praktizieren, hat mit interaktiven Gesprächsformaten nichts zu tun. Da werden Schönwetter-Tweets losgelassen.

Generell verschanzt sich das Top-Management lieber hinter PR-Abteilungen, Beratern und den Mitarbeitern im Vorzimmer. Häufiges Argument: Chefs haben Besseres zu tun. Motto: „Ich habe Meetings, also bin ich.“

Wie soll eine Führungskraft in dieser Komfortzone ein Gespür für die Wirklichkeit bekommen?

Wie kann man denn überprüfen, ob die eigenen Botschaften in der Öffentlichkeit gut ankommen oder nicht?

Wer als CEO den Schritt wagt, im Netz als unverwechselbare Persönlichkeit mit Ecken und Kanten wahrgenommen zu werden, der bereichert auch das eigene Unternehmen.

Daher suche ich CEOs, die mit mir über dieses Thema diskutieren – via Hangout on Air. Also live gestreamt über den Google-Dienst. Ohne Absprache der Fragen, ohne nachträgliche Bearbeitung des Videos. Es gilt das gesprochene Wort!

Wie das abläuft, zweigt das Gespräch mit Peter Stämpfli von der Stämpfli AG.

Siehe auch:

Eigenmarketing im Netz: Was CEOs wissen müssen.

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Geht Twitter über die (T)Wupper? Über das Krisenmanagement von @jack

Twitter am Ende

Der Aktienkurs rauscht in den Abgrund und das Führungspersonal macht den Abflug. Twitter ist in keiner guten Verfassung:

„Mit Produktchef Kevin Weil, Medienveteranin Katie Stanton, Alex Roetter (Software) und Brian Schipper (Human Resources) verliert der angeschlagene 140-Zeichen-Dienst gleich vier Manager der obersten Führungsebene auf einen Schlag – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang“, schreibt Nils Jacobsen in Meedia.

Twitter-Chef Jack Dorsey konnte nur hilflos hinterher rudern, um das Desaster einigermaßen zu erläutern. Mit 140-Zeichen kam er dabei nicht aus:

Gutes Krisenmanagement sieht anders aus.

„Nach der vierfachen Manager-Demission drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass Dorsey schon knapp sieben Monate nach seiner Ernennung zum Interims-CEO komplett gescheitert ist. Was ist von einem Teilzeit-CEO in schwersten Krisenzeiten zu halten, dem fluchtartig das Personal wegläuft und der diesen Massenexodus nicht einmal mehr selbst zuerst kommunizieren kann“, fragt sich Jacobsen.

Dann folgte gar noch die Wechselmeldung von Vine-Chef Jason Toff, der bei Google anheuert, um das Zukunftsthema Virtual Reality zu beackern.

„Auf technischer Seite wurschtelt Twitter weiterhin mit Features rum, die Clients von Drittanbietern nicht ermöglicht werden (Multi-User DM) und hat jeglichen Fortschritt, der mal aus dem Ökosystem um das Produkt kam, kaputt gemacht. Ich würde es ziemlich übel finden, wenn Twitter nen kompletten Abgang machen würde, weil’s mein bevorzugtes Kommunikationsmedium ist, aber sie haben gut drauf hingearbeitet“, kommentiert Sebastian Greiner auf Facebook.

Die lächerliche Herzchen-Innovation ist letztlich das Einzige, was in der Vergangenheit als Änderung präsentiert wurde. Ärmlich. Was also muss Twitter tun, um wieder auf die Beine zu kommen?

Was denkt Ihr?

Ich würde es sehr bedauern, wenn Twitter auf dem Friedhof der Social Web-Plattformen landet. Als News-Aggregator ist der Dienst für mich sehr wertvoll.

Manager sollten in der Netzwerk-Ökonomie wie Architekten arbeiten – Abgesang auf die Macho-Elite #dieselgate #NEO15

Auch eine Möglichkeit des Krisenmanagements
Auch eine Möglichkeit des Krisenmanagements

Welche Management-Kompetenzen sind in Krisen wichtig? Mitnichten die Macho-Sprüche von Freenet-Chef Christoph Vilanek, der im Interview mit der Süddeutschen Zeitung den allwissenden Entscheider auf der Chefetage simulierte. Sätze wie „Das ist mit allen abgestimmt“ lösen bei ihm körperliche Beschwerden aus. Etwa mehr Harndrang? Egal. Er glaubt, dass das ganze Gefasel von Teambildung nicht „mehr“ funktioniert.

„Das stammt aus einer Zeit, in der Mitarbeiter deutlich breitere Aufgabenfelder hatten. Inzwischen sind alle Spezialisten. Wir überfordern die Menschen maßlos damit, einzuschätzen, welche Auswirkung eine fachlich richtige Entscheidung in einem Bereich auf alle anderen Bereiche hat. Diesen Überblick muss derjenige haben, der auch die Führungsverantwortung hat. Deshalb muss ein Manager heute autokratischer führen als vor 15 Jahren“, glaubt Vilanek.

Ein BWL-Sprücheklopfer aus dem Bilderbuch, der wahrscheinlich breitbeinig den Redakteuren erklärte, warum er Porsche fährt und warum er vor seiner Managerkarriere als 27jähriger auch schon Porsche gefahren ist. Solche Sympathieträger sind mir auch bei meinem VWL-Studium an der FU-Berlin über den Weg gelaufen – es waren meistens Betriebswirte, die mit schnellen Wagen unterwegs waren und am Freitag schon das Surfbrett aufs Dach schnürten. Sicher ein Klischee, aber bei manchen Zeitgenossen eben doch kein Klischee.

Autokraten sind schlechte Krisenmanager

Wäre Vilanek ein guter VW-Krisenmanager? Weit gefehlt. Er wäre genauso in die Affäre hinein gestolpert wie das autokratische Winterkorn-Regiment. Testosterongesteuerte Schönwetter-Chefs, die bei Gegenwind zu Zwergen schrumpfen und dümmliche Ehrenwort-Pressestatements vom Teleprompter ablesen.

Wer fachliche Entscheidungen und deren Auswirkungen nicht transparent diskutiert, beitreibt Seilschaften-Politik und demontiert nötige Gegengewichte, um Fehlentscheidungen zu minimieren.

„Ein Despot wie Piëch und seine despotischen Vasallen Winterkorn et al produzieren eine Kultur kalter Gier und Macht“, kommentierte Personal-Experte Thomas Sattelberger auf Twitter.

Sattelberger Demokratisierung

Alleinherrscher erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen. In Anlehnung an den Philosophen Karl Popper könnte man auch sagen: Es kommt darauf an, Institutionen so zu organisieren, dass es schlechten oder inkompetenten Herrschern unmöglich ist, allzu großen Schaden anzurichten. Das gilt für Demokratien, für Unternehmen und sonstige Organisationen. Besonders in einer Zeit, wo selbst Produkte mit der Außenwelt vernetzt sind. Dort würde die Digitalisierung jene Zusammenarbeit erzwingen, die der Gewerkschafter Osterloh bei VW einfordert.

Vernetzung erfordert Zusammenarbeit

„Aber auch hier scheint es bei Volkswagen erhebliche Defizite zu geben. Wenn im Konzern die Transparenz herrschte, die moderne IT möglich macht, müsste man sich nicht darüber streiten, wann die Information eines Mitarbeiters über das Softwareproblem an einen Chef der Motorenentwicklung und danach vielleicht an den Vorstandsvorsitzenden weitergegeben worden ist. Man wüsste es einfach“, schreibt FAZ-Redakteur Knop.

Ausführlich in meiner The European-Kolumne nachzulesen.

Ein Manager sollte in der Netzwerk-Ökonomie eher wie ein Architekt arbeiten, fordert Professor Martin Kornberger „Management Reloaded – Plan B“, erschienen im Murmann-Verlag:

„Denn beide greifen nicht direkt in das Leben der Menschen ein, aber schaffen Strukturen – Orte des Austausches, Zonen der Konzentration, Übergänge und Verbindungen – und damit Möglichkeitsräume.“

In einer vernetzten Wirtschaft liegt die Aufgabe des Managers eher bei der Bereitstellung einer Infrastruktur, die Dritten erlaubt, miteinander zu arbeiten, ohne auf einen über ihnen stehenden Manager als allwissenden Koordinator angewiesen zu sein.

„Der Netzwerkmanager gleicht eher einem Diplomaten, der Beziehungen zwischen Systemen mit Eigensinn und -logik auslotet, als dem Ingenieur, der die Zahnräder einer Maschine festschraubt.“

Wie man die geschlossenen Kasten der Wirtschaftselite durchbricht, thematisiert der ehemalige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger in seiner Keynote am ersten Tag der Next Economy Open. Thema: “Unternehmensbürger, digitale APO und Offline-Rebellen – Zusammen für Pluralismus und Transformationsfähigkeit von Organisationen”.

Live-TV aus jeder Lebenslage: #Meerkat App rockt zur Zeit das Social Web

Merkat

Mein Credo bei Videos lautet ja bekanntlich quick-and-dirty. Ohne großen technischen Aufwand, ohne High-End-Geräte und ohne aufwändige Nachbereitung in jeder Lebenslage Bewegtbilder produzieren. Das ist einer der Vorteile von Diensten wie Hangout on Air. Nachteil des Google-Dienstes: Man kann als Operator keine Livestreams via Hangout-App starten – oder nur mit einigen Tricks. Deshalb eignet sich für den mobilen Einsatz die Bambuser-App. Man aktiviert die Applikation und kann sofort mit einem Klick via Tablet oder Smartphone live senden.

Nachteil: Wenig Interaktion, weil kaum einer die Anwendung kennt. Die Entwickler der Meerkat-App (in Anlehnung an die putzigen Erdmännchen) haben einen besseren Weg gewählt: Login erfolgt mit dem Twitter-Account. Will man das Livestreaming sofort starten oder für später planen, reicht ein kurzer Titel, der sofort als Tweet in der eigenen Twitter-Timeline erscheint. Jeder Zuschauer wird am oberen Rand des Videos mit dem Account-Foto von Twitter angezeigt. Jeder Kommentar im Chat erscheint wiederum als Tweet der zuschauenden Follower und erhöht somit die Netzwerk-Wirkung sowie die Wahrscheinlichkeit, auf Twitter wahrgenommen zu werden.

Dank des Beitrages von Daniel Fiene im Zeitgeist-Blog der Rheinischen Post bin ich auf den knuffigen Livestreaming-Service gestoßen und habe direkt einen kleinen Versuch unternommen. Erster Eindruck: Ton und Bild sind exzellent. Die Interaktion mit den Zuschauern war sehr intensiv – das erreicht man mit dem Fragebutton auf der Google Plus-Eventseite bei Hangout on Air bislang nicht so richtig.

Bei Meerkat zählt das Echtzeit-Erlebnis, was man direkt mit anderen teilen kann. Nach der Liveübertragung ist es wohl möglich, einen kleinen Ausschnitt des Videos runterzuladen. Das hat bei mir allerdings nicht geklappt. Die App ist ja noch nicht so lange auf dem Markt und muss wohl erst kräftig getestet sowie verbessert werden.

Da ich Live-Videos mit der Möglichkeit der Speicherung sehr schätze, würde ich mir eine Wahlmöglichkeit bei Meerkat für die Archivierung wünschen. Aber da scheiden sich die Geister.

Test von Roman Rackwitz
Test von Roman Rackwitz

Roman Rackwitz betont den Live-Charakter und die direkte Dialogmöglichkeit über die Chatfunktion. Ich selbst sehe auch spontane Einsätze, die aber auch als Flaschenpost für die Zukunft noch Nachrichtenwert besitzen. Also das, was Hangout on Air auszeichnet und der Kommunikation ein Gedächtnis gibt.

Klar ist auch, das für jeden Livestream, der über die eigene Twitter-Timeline rauscht, ein interessanter Anlaß vorhanden sein muss. Sonst langweilt man sehr schnell die eigene Community. Das sieht Life On Air-Firmenchef Ben Rubin ähnlich:

„Vielmehr sollen Übertragungen dann stattfinden, wenn jemand glaubt, dass etwas Interessantes zu sehen ist. Dass er eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Es geht also nicht darum, wer Meerkat nutzt, sondern warum er es tut“, sagt Rubin im kress.de-Interview.

Durchs Planen von Streams müssten sich die Nutzer im Vorfeld Gedanken darüber machen, wann sie live gehen wollen und was sie dann sagen. In der nächsten Woche werde ich das noch mehr ausprobieren, direkt aus der Cebit-Mittelstandslunge in Halle 5. Mal schauen, ob hier der nächste heiße Scheiß im Social Web aus dem Boden gestampft wird.

Ach ja, die Videos laufen nur hochkant. Aber das kennt man ja schon von der Vine-App und macht die Sache nicht schlechter.

ichsagmal-Interview mit @Peter_Staempfli um 11:30 Uhr: Wenn der Chef twittert……

Twitter-Prosa für Fortgeschrittene
Twitter-Prosa für Fortgeschrittene

Die oberste Führungsetage in großen Unternehmen gehört in die erste Reihe und sollte mit der Nase in die Belange des Kunden gedrückt werden, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nicht Monologe, die allein dem Ego des Top-Managements dienen, wären plötzlich Maß aller Dinge, sondern Dialoge mit Stammkunden, „mit den Begeisterten und den weniger Begeisterten. Gespräche. Respekt. Empathie“, so Koch. Etwas, was in Bäckereien, Kneipen oder Friseurläden jeden Tag praktiziert wird – ohne infantiles und weltweit führendes Werbesprech.

Warum Chefs mit gutem Beispiel vorangehen sollten

Wenn sich Unternehmen nach innen und außen in Richtung Partizipation, Offenheit und Dialogorientierung ändern wollen, muss der Chef mit gutem Beispiel vorangehen, so die Erfahrung von Willms Buhse, Autor des Buches „Management by Internet“. Als Beispiel erwähnt er die Social Software, die bei Bayer Material Science eingeführt wurde. Der damalige CIO Kurt de Ruwe war der Erste, der auf der Plattform sein Wissen teilte.

„Er bloggte und er las selbst in den Nachrichtenströmen auf der Plattform, akzeptierte sie als verbindliche Informationsquelle. Zugleich brachte er auch weitere Mitglieder der Führungsetage dazu, offen und transparent über das neue Netzwerk nach allen Seiten zu kommunizieren und über eigene Blogs auch ihr Wissen zu teilen“, so Buhse.

Das interne Facebook-Experiment entwickelte sich zum Selbstläufer.

„Führungskräfte, die die Plattform nutzten, sendeten die Botschaft aus, dass das Management hinter dem Ganzen stand und es nicht als Zeitverschwendung begriff“, konstatiert Enterprise 2.0-Experte Buhse.

Wie sich Chefs im Social Web positionieren, ist Thema des ichsagmal.com-Interviews mit Peter Stämpfli von der Stämpfli AG. Über die Frage-Antwort-Funktion auf Google Plus könnt Ihr während der Liveübertragung mitdiskutieren.

Twitternde Chefs sind herzlich eingeladen, weitere Interviews mit mir zu führen 🙂

Bei den Dax-Konzernen wird man da wohl nicht fündig, oder? Gibt es eigentlich eine Übersicht, welche Vorstandschefs im Social Web aktiv sind? Mir ist bislang keine derartige Statistik über den Weg gelaufen. Für Medienchefs hatte Thomas Knüwer ja was schönes gepostet: Eine unvernetzte Gesellschaft.

Für Springer-Chef Döpfner wären Social Web-Aktivitäten jetzt vonnöten: „ICH SCHÄME MICH, HERR DÖPFNER!“ ­ – SO STREITEN SICH EIN SPRINGER-MITARBEITER UND MATHIAS DÖPFNER ÜBER DAS LEISTUNGSSCHUTZRECHT.