Über Promo-Viren und unheilbare Politfunktionäre

Promo-Virus oder: Inszenierung als Beruf

Für die Neuauflage des therapeutischen Buches „Promo-Viren“ bin ich von Professor Thomas Meuser gebeten worden, einen kleinen medizinischen Beitrag beizusteuern. Dieser Bitte komme ich gerne nach, obwohl ich ja nur ein Diplom vorweisen kann.

Hier mein aktualisierter Beitrag:

Pandemiegefahr: Weltgesundheitsorganisation (WH2O) warnt politische Klasse vor der Ausbreitung von Promo-Viren

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Pandemiewarnung ausgegeben. Es handelt sich um die so genannten Promo-Viren, die zu promotionalen Infekten und chronischer Doktoritis führen können. Von den WH20-Gesundheitsexperten sind die Promo-Viren als besonders gefährlich eingestuft worden, da weltweit noch kein Impfmittel gegen die Krankheit verfügbar ist und wahrscheinlich nie verfügbar sein wird – im Gegensatz zu Rinderwahn, Schweinegrippe, Mums, Fall- und Geltungssucht. Als einziges Gegenmittel taugt bislang die Demission und der Rückzug ins Private: Rekonvaleszenz durch Schweigen im Kreise der eigenen Familie.

Als Entdecker der Viren gilt ein Forscherteam um den deutschen Wissenschaftler Thomas Meuser.

„Erst in jüngster Zeit wird ein Phänomen näher untersucht, das bisher als reflexartiger Automatismus angesehen wurde: Der Drang vieler Menschen, durch den Namenszusatz ‚Dr.‘ die tatsächliche Bedeutung der damit genannten Person für jeden sofort erkennbar zu machen. Die Untersuchung dieses auffallenden Zwanges ließ ein neues Forschungsgebiet entstehen, das als Promotionswissenschaft immer mehr Freunde und Anhänger findet“, schreibt Meuser in dem Kompendium „Promo-Viren – Zur Behandlung promotionaler Infekte und chronischer Doktoritis“.

Endlich könnten bisherige Theorien über unfassbare Phänomene auf dem Weg zum Doktortitel, wie plötzliche Nervenzusammenbrüche, anhaltende Schlaflosigkeit, potentielle Suchtgefahren und ähnliche beunruhigende Erscheinungsbilder wissenschaftlich fundiert verifiziert werden.

Die Pandemiewarnung der WH2O bezieht sich auf eine besonders resistente Gattung der Promo-Viren, die landläufig auch als „Guttenberg-Virus“ bezeichnet wird. Sie tritt in Kombination mit Plagiats-Amnesie sowie verzweifelten Entschuldigungs- und Rechtfertigungsarien auf und gilt als unheilbar. Benannt wurde der Virus nach einem berühmten Schriftsteller in Bayreuth, bei dem als Erster die Viruserkrankung diagnostiziert wurde. Guttenberg wurde durch einen dadaistischen Collage-Roman bekannt, der allerdings nur noch auf dem Schwarzmarkt und in gut sortierten Antiquariaten verfügbar ist. Es handelt sich um die einzige Publikation, die der bayerische Dadaist jemals verfasst hat. Seit dem Bekanntwerden seiner Krankheit leidet Guttenberg unter Schreibhemmung und Sprachstörungen.

Der Guttenberg-Virus ist nur schwer zu erkennen. Bei Barfuß-Läufern besteht allerdings eine kleine Chance, Spuren von Fußnoten-Pilz auszumachen. Erfolgsversprechender für die Diagnose sind die semantischen Spuren, die man durch Anwendung hoch spezialisierter Analyse-Tools ans Tageslicht befördern kann. So neigen die infizierten Patienten zu arroganten, pseudo-demütigen und wirren Verbeugungsreden.

Sie verwechseln berufliche Tätigkeiten mit Praktika und verlieren in kritischen Situationen häufig den Überblick. Um von der Krankheit abzulenken, neigen Menschen mit Guttenberg-Virus zu Beschwichtigungsargumenten, wie sie die FAZ beschrieben hat: Da gibt es das “‚Die-paar-Fehler‘-Argument, das ‚Alles-Vorverurteilung‘-Argument, das ‚Gibt-es-denn-nichts-Wichtigeres?‘-Argument und das ‚Wir-brauchen-den-Mann-die-Frau‘-Argument.“

Besonders die Frage, ob es denn nichts Wichtigeres gibt als Fußnotenschwindel und akademische Unehrlichkeit, gilt als beliebter Verniedlichungsschachzug, um die Gefahr des Guttenberg-Virus herunterzuspielen, warnen die Virologen der FAZ:

„Selbstverständlich gibt es Wichtigeres. Es gibt auch Wichtigeres als Steuerhinterziehung, Fahren im angetrunkenen Zustand, das Heraustelefonieren von Lustmädchen aus Untersuchungsgefängnissen durch Ministerpräsidenten, Vulgarität und was nicht noch alles. Soll man darum nicht mehr sagen dürfen, worum es sich handelt? Hier um Täuschung großen Stils, um Unehrlichkeit also“, schreibt die FAZ.

Für die Früherkennung von Fußnoten-Pilz und Plagiats-Amnesien hat der Rechtswissenschaftler Volker Rieble in seiner Abhandlung „Das Wissenschaftsplagiat“ wichtige Vorarbeiten geleistet. So gibt es bei Guttenberg-Patienten eine Melange aus unterschiedlichen Krankheitsbildern: Beinharte Plagiatstätigkeit, die Wort für Wort abkupfert; „butterweiche ‚Vorlagenausbeutung‘, bei der eine oder mehrere Vorbildveröffentlichungen in eigenen Worten ‚nacherzählt‘ werden“ (Malen nach Zahlen); Bauernopfer-Referenz: Ein kleiner Teil werde als Ergebnis fremder Geistestätigkeit gekennzeichnet, damit die Eigenautorschaft des übrigen Textes plausibler wird; Kettenabschreiben und Zitat-Weiterfresserschaden; Mehrfachverwertung und Bearbeiterwechsel würden in der Kombination zwangsläufig zum Plagiat führen.

Die Lektüre des Rieble-Opus wird von Virologen empfohlen. Es dient der schnelleren Diagnose des Krankheitsbildes und vor allem der Prophylaxe. Chancen für eine Therapie haben nach Angaben der WH2O nur jene Patienten, bei denen die Symptome des Guttenberg-Virus im Frühstadium diagnostiziert werden. Sie sollten sofort den Doktorvater ihres Vertrauens aufsuchen und auf eine Promotion verzichten.

Unter Pandemie versteht man nach Ausführungen von Wikipedia eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit, im engeren Sinn einer Infektionskrankheit. Im Gegensatz zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt.

„Auch bei Pandemien gibt es Gebiete, die nicht von der Krankheit betroffen werden. Durch ihre abgeschiedene Lage können manche Gebirgstäler, Völker im Urwald oder Bewohner abgelegener Inseln von einer Infektion verschont bleiben”, so die Erläuterungen von Wikipedia.

Warum sich die Promo-Viren so hartnäckig in der politischen Klasse ausgebreiten konnten, ist noch unklar. Die betroffenen Patienten erweisen sich als lichtscheu und wortkarg. Medizinische Diagnosen und Therapien werden durch die Abschottung der erkrankten Persönlichkeiten erschwert.

Kommt es zur Aberkennung der akademischen Weihen, fallen die Dr. a. D.-Politfunktionäre in ein tiefes Loch und verändern radikal ihr soziales Verhalten. Plaudertaschen mit rhetorischen Leeformeln neigen plötzlich zur semantischen Askese und lassen nur noch beauftragte Dritte zu Wort kommen – in der Regel handelt es sich dabei um Juristen, die sich zutrauen, auch auf dem Gebiet der Promo-Viren schlaue Bemerkungen machen zu können. Besser wäre ein Psycho-Therapeut, um die gebeutelten Persönlichkeiten über die ausbleibenden Talkshow-Auftritte, Homestorys, Plakatkampagnen und Parteitags-Jubelarien hinweg zu helfen. Ende.

Sobald die Neuauflage der „Promo-Viren“ im Buchhandel erhältlich ist, wäre ich über die pandemische Ausbreitung des Buches hoch erfreut 🙂

Update: Über die Nebenwirkungen von Vorbestellungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker und kontaktieren danach einfach Amazon.

Elektronische Nasen erschnüffeln Krankheiten, Plagiate, Parodontose und Sprengstoff – Mikrosensoren als Alleskönner

Elektronische Nasen“ halten Einzug in das Geschäfts- und Wirtschaftsleben. Die Lebensmittelbranche ist nach einem Bericht des Bonner Fachdienstes Zukunftsletter http://www.zukunftsletter.de ebenso brennend an Geruchsgeräten interessiert wie die pharmazeutische Industrie einschließlich der Kosmetikfirmen, der Automobilhersteller, der Bauindustrie und des Umweltschutzes. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Schnüffeln nach verstecktem Sprengstoff bis zur Kasse im Supermarkt. Sensoren, die auf Gase in der Luft chemisch reagieren und die Reaktion elektrisch weiterleiten, sind seit den 90er Jahren auf dem Markt und im industriellen Einsatz.

„Jetzt aber werden die E-Nasen immer billiger und für jeden Kühlschrank verfügbar. 2020 könnten die Preise für durchaus anspruchsvoll arbeitende Geruchs-Sensoren bei unter einem US-Dollar liegen. Der Grund dafür liegt in der Weiterentwicklung von Drucktechnologien. Als Basis für die Geruchssensoren dienen elektrisch leitfähige Polymere. Sie lassen sich durch neue Technologien schneller, einfacher und billiger auftragen – vor allem auf einem Chip. Ein spezieller Mikrochip wird uns beispielsweise schon morgens beim Zähneputzen sagen, ob wir von Parodontose, Mundfäule oder einer Zahnfleischinfektion befallen sind“, so Zukunftsletter-Chefredakteur Matthias Horx.

Möglich wird das durch die „Karlsruher Mikronase” von Joachim Goschnick vom Forschungszentrum  Karlsruhe (FZK) http://www.fzk.de: ein Chip so groß wie eine Cent-Münze mit 38 graduell unterschiedlichen Gas-Sensor-Segmenten. Für eine interessante Anwendung hat sich der amerikanische Kassen-Hersteller NCR ein Patent gesichert. Das Unternehmen will E-Nasen in Supermarktkassen  einbauen. Produkte, die nicht verpackt und mit Preisen ausgezeichnet sind, also beispielsweise Früchte und Gemüse, werden kurz in eine Kammer gelegt. Dort werden sie nicht nur gewogen, sondern eine  elektronische Nase erschnüffelt auch ihre Identität. Ein Computer zeigt anschließend den Preis an und  verbucht die Ware.

Als erster Automobilhersteller überprüft Ford die Ausdünstungen der Innenraum-Materialien mithilfe einer elektronischen Nase und setzt sie auch für die Routinekontrolle im  Produktionsprozess ein. Eingearbeitete Mikrokapseln melden über Duftsignale die Abnutzung von Maschinenteilen. So müssen Produktionsmaschinen nicht mehr regelmäßig angehalten werden, um deren Abrieb zu  kontrollieren. Solche „intelligenten“ Sensor-Schichten können auf Scharniere, Lager, Kugellager oder  Motorenteile aufgetragen werden. CDs und Designermode werden bald mit Duftstoffen besprüht, die sie von Piratenware unterscheiden. Die Bundesdruckerei in Berlin hat eine „elektronische Nase“ vorgestellt,  mit deren Hilfe Originale von Fälschungen unterschieden werden können. „Die verfeinerten E-Nasen sind mittlerweile sogar in der Lage, unterirdische Stoffe zu erschnüffeln: Landminen oder versteckte Kampfstoffe, aber auch versickertes Altöl oder andere Verunreinigungen“, weiß Trendforscher Horx. Im Krankenhaus sollen E-Nasen in Zukunft „Superbugs“ erspüren, also lebensgefährliche  Infektionen mit resistenten Bakterien wie etwa Staphylokokken. Der Geruchstest soll helfen, eine  drohende Infektionswelle schneller einzudämmen, denn die Geruchsanalyse dauert nun nicht mehr Tage,  sondern nur eine Viertelstunde.

E-Nasen könnten in Zukunft auch als Schlüsselkomponente eines  telemedizinischen Systems dienen. Via Computer und Datenleitung könnten nicht nur Töne und Bilder,  sondern auch Gerüche von einem Krankenhaus zum anderen zu übertragen werden. Die E-Nase erschnüffelt außerdem bösartige Veränderungen der Haut. Wenn die Tumore sehr früh erkannt werden,  bestehen meist gute Heilungschancen. Die Diagnose wird heute durch eine Untersuchung von  entnommenem Gewebe gestellt. Das könnte sich künftig ändern, denn Wissenschaftler haben ein  Verfahren entwickelt, um Basaliome anhand ihres charakteristischen Geruchs aufzuspüren. „Verfeinerte Sensortechnik und neue Messprinzipien sind nicht der einzige Grund für die großen Fortschritte beim apparativen Schnüffeln. Wesentlichen Anteil hat die Computertechnologie. Sie wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren einen Riesenschub bei der E-Technologie auslösen“, so der Ausblick von Horx.