Blogvernetzung in Paderborn, Hamburg und Hannover – Themen und Interessen matchen

Blog-Vernetzung

Welche Möglichkeiten gibt es für Bloggerinnen und Blogger, sich besser zu vernetzen? Etwa beim Start einer Blogparade, bei der Analyse wichtiger Themen, beim Anregen von Debatten, beim Matchen von Interessen, bei der Präsentation der Lieblingsblogs und, und, und. Wie sich das mit einer Analyse-Maschine umsetzen lässt, habe ich im Sommer mit der Plattform Juptr ausprobiert. Hier wurde ein Algorithmus aufgesetzt, der EM-Prognosen auf Basis einer Media- und Internet-Sentimentanalyse ausspuckte.

Unter Sentiment versteht man im Börsenhandel die Summe der Stimmungen der einzelnen Akteure eines Marktes.

„Wir werteten verschiedene Wettplattformen aus und errechneten über eine Simulation der Vorrunden- und Hauptrundenspiele eine Gesamtwahrscheinlichkeit für den Ausgang der EM. Dieses Grundgerüst wurde von uns modifiziert über eine fortlaufende Sentiment-Auswertung der Medienpublikationen, die auch Grundlage des Juptr-Feeds zu anderen Themen ist. Häufige Erwähnungen einer Mannschaft, der Ausgang der Spielbegegnungen, Verletzungen oder andere Einflussgrößen veränderten das relative Maß von Krake Paul 2.0″, erläutert der Juptr-Programmierer Rüdiger Möller in der von mir produzierten Meistermacher Morningshow, die fast täglich bis zum EM-Finale über Hangout on Air und Facebook Live übertragen wurde.

Was dann passierte, war nicht absehbar. Es entwickelte sich in kürzester Zeit eine enthusiastische Community:

Etwa Detlef Korus (Sparringspartner für die FB-Liveübertragungen), Katja Raasch (EM-Spielerfrauen-Beobachterin – da wurde extra ein Juptr-Newsfeed eingerichtet), Guido Bosbach (Planspiele für Jogi), Guido Schwan (Mettkönig der Meistermacher Morningshow), Johannes Mirus (wäre gerne Tippkick-Torwandkönig geworden), Ralf Volkmer (Fußballwissen vom Feinsten und Käsekuchen-Exporteur), Jan Steinbach, Adam Dreessen, Rüdiger Möller und Uwe Freese (die Mannschaft hinter Krake Paul 2.0, die mich im Tippspiel für Freunde auf einen Spitzenplatz brachte), Sybille Hubig (weltbester Livestreaming-Coach), Nikola Nidzo Romić (für schauspielerische Talente als deutsch-serbischer Nachwuchstrainer);Christian Bredlow (Interviewgast über zerfetzte Trikots und die Auswirkungen auf den Standort Deutschland — Stichwort Puma-Wegwerfware), Norbert Nordbergh Diedrich (nächster Anwärter als Torschützenkönig an der Tippkick-Torwand) und, und, und.

Ein kleines Beispiel für das Matchen von Themen und Interessen in der Blogwelt. Um das zu vertiefen, hab ich für Juptr ein Workshop-Programm entwickelt. Damit wollen wir jetzt auf Tournee gehen.

Wie kann man Inhalte mit Anderen matchen? Spricht der Blog-Content vielleicht die Werbewirtschaft an, ohne selbst für die Finanzierung der Inhalte zu sorgen? Wie bildet man mit anderen Bloggerinnen und Bloggern eine Community zu bestimmten Themen, Events, Debatten oder sonstigen Aktionen?
Will man Lieblingsblogs besser in Szene setzen als über tote Link-Listen? Was passiert in Eurer Stadt und in Euren Communities?

Grober Ablauf:
Begrüßung und Vorstellungsrunde
Vorstellung der Startup-Idee Juptr
Aus der Praxis für die Praxis – Entwickler und Beta-Tester zeigen Anwendungen
Do-it-yourself – Tools ausprobieren, Lieblingsblogs kreieren, Foren einrichten, Usability-Test der Plattform, Verbesserungsvorschläge für die Entwickler
Pizza und Plausch zum Ausklang

Wir starten, wie kann es anders sein, mit OWL. Die sind halt gut organisiert.
Ort: VegaSystems GmbH & Co. KG Karl-Schurz-Str. 35 33100 Paderborn
Zeit: Donnerstag, den 17. November von 18 bis 21 Uhr. Ansprechpartner Thorsten Ising – bitte bei ihm anmelden.

Dann kommt Hamburg.

Zeit: Donnerstag, den 24. November von 18 bis 21 Uhr. Ansprechpartnerin Katja Raasch – Anmeldung über die Facebook Eventseite.
Ort: betahaus – coworking hamburg, Eifflerstraße 43, 22769 Hamburg. Teilnehmerlimit in Hamburg liegt bei 15 – first come, first serve.
Dort geht es um den Start einer Blogparade.

Und dann folgt Hannover.

Zeit: Dienstag, den 29. November von 18 bis 22 Uhr. Ansprechpartner Christian Bredlow – Anmeldung über die Faceook Eventseite.
Ort: Hafven, Kopernikusstr. 14,
Teilnehmerlimit liegt auch bei 15 – first come, first serve.

Im Dezember passiert nichts – da wird die Zeit bis Weihnachten zu knapp.

Im Januar gibt es schon Überlegungen für Stuttgart und Dortmund (Dennis Arntjen).

Weitere Städte interessiert? Dann bei mir melden – einfach hier einen Kommentar schreiben. Ich koordiniere das mit Jan Steinbach von Juptr.

Freu mich auf die Tour. Man hört, sieht und streamt sich 🙂

Blogger Relations ohne Clickbaiting-Attacken und Reichweiten-Gedöns #NEO16

Sehr große Runde beim netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs
Sehr große Runde beim netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs

In der Blogosphäre gibt es unendlich viele Beiträge, die auch für Unternehmen interessant sein könnten. Und umgekehrt bieten Blogs viele Schnittmengen, die sich für Kooperationen mit der Wirtschaft eignen: Studien, Überlegungen zur Verbesserung des Kundenservice, How-to-Beiträge über Produkte, Hinweise auf Probleme beim Interface, Experten-Diskurse, Empfehlungen für den Einsatz von Technik und, und, und.

„Von Agenturen und Marketingabteilungen werden Blogs häufig nur als Werbeträger gesehen. Es wird über Reichweiten diskutiert. Dabei steckt in Blogger Relations ein ganz anderes Potenzial: Der persönliche Austausch mit digitalen Vorreitern und die dauerhafte Vernetzung mit Innovatoren“, so die Erfahrung Benjamin O’Daniel, Redakteur für Content Marketing-Projekte. Klickraten, Zielgruppen-Segmentierung, „Platzierungen“ von Werbebotschaften, Mediapläne oder gar bescheuerten Key Performance Indikatoren verseuchen das Verhältnis zu Blogs.

Es geht um thematische Anschlussmöglichkeiten, die nach der Matching- und Hashtag-Logik organsiert werden könnte. So bleiben die Conversion-Schwätzer außen vor und es ergeben sich dennoch neue Geschäftsmodelle für Bloggerinnen und Blogger. Es geht nach Ansicht des Soziologen Klaus Janowitz um vernetzten Individualismus und nicht um ferngesteuerte Clickbaiting-Attacken mit Überschriften, die den Vorgaben der Suchmaschinen-Optimierer folgen:

„Kennzeichnend für die Digitalisierung ist die individualisierte Ansprache: von einer Gesellschaft der Massenmedien zu einer der personalisierter Medien; von breitgestreuter Werbung zum personalisierten Marketing. Es ist das, was Michael Seemann als die Organisationsmacht der Query bezeichnet.“

Die Query ist die Abfrage an eine Datenbank, die Übereinstimmungen auswirft. So können Ressourcen verknüpft und koordiniert werden.

AirBnB-Modell für Blogs

„Etliche der neueren Geschäftsmodelle beruhen darauf: So funktionieren Uber und AirBnB, Dating Apps und unzählige andere. Diese Plattformen vermitteln standardisierte Transaktionen von Anbieter zu Abnehmer, jeder kann Sender und Empfänger, Verkäufer und Kunde sein. Ähnlich ist die Verknüpfung über gemeinsame Merkmale, Interessen, Leidenschaften – in der Sprache des Social Web ein gemeinsamer #Hashtag“, erklärt Janowitz.

Dieses Verbindungsglied fehlt bislang in der Blogosphäre.

„Der Markt für Blogger, Journalisten und alle die mit Content (auch) Geld verdienen möchten, wäre viel größer, wenn er transparenter und einfacher organisiert wird. Gerade weil die Szene so vielschichtig ist, braucht es, eine Plattform, auf der sich Anbieter und Käufer auf Augenhöhe begegnen. So etwas wie Parship für Blogger“, sagte Jan Steinbach vom Startup-Unternehmen Juptr beim netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs in Düsseldorf.

Für den Marketing-Spezialisten Babak Zand ist es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Parteien zu organisieren.

„Das ist natürlich etwas naiv zu glauben, dass das so hundertprozentig eintreffen wird. Aber es sollte wenigstens bei der Gestaltung von Plattformen darauf geachtet werden.“

Eine Zusammenarbeit funktioniert generell nur auf Augenhöhe, meint die Journalistin Sabine Hockling:

„Wer mir als Blogger, Plattformbetreiber oder Journalist die Arbeit abnimmt, ist mir im Zweifel egal. Hauptsache, beide Seiten haben die gleichen Vorstellungen von Professionalität, Qualität und Zuverlässigkeit. Auch ist es für mich eine Frage des Know-hows: Welche Möglichkeiten gibt es? Was ist rechtlich sinnvoll und notwendig? Wie sieht eine Bezahlung aus, die den Markt nicht ruiniert? Zudem ist es aber auch eine Frage der Zeit. Wer mit seinem ‚Geschäft’ gut zu tun hat, dem fehlt doch am Ende die Zeit, sich um die Vermarktung zu kümmern.“

Bislang konzentrieren sich Vermarkter nur auf große Blogs mit mehr als 1000 bis 2000 Besuchern pro Tag, weiß Sozial-PR-Berater Christian Müller: „

Alles, was unter diesem Wert liegt, ist für die Werbebranche irrelevant. So arbeiten zumindest Agenturen, die ich kennengelernt habe. Flattr und Co. funktionieren in Deutschland nur für eine Handvoll Menschen und das sind primär Podcaster. Für Blogger kenne ich kein funktionierendes Beispiel mit signifikanten Einnahmen. Höchstens in Kombination mit Podcasting.“

Auch Diensten wie LaterPay würde die Masse und Verbreitung fehlen. Und die Sponsored Post-Offerten der Agenturen sind meistens Schrott. Warum sich der Plattform-Gedanke, den man vom Autokauf bis zu Immobilien kennt, nicht auch in der Blogosphäre etabliert hat, ist mir schleierhaft. Ein gutes Feld für Gründer. Ausführlich nachzulesen in meiner Gichtlings-Kolumne für The European.

Damit das Bloggen auch endlich in der Bahn funktioniert: WLAN für alle im ICE muss 2016 kommen