Wer zweimal in die gleiche Grube fällt, ist …. – Überlegungen zur Versteigerung der UMTS äh 5G-Lizenzen

Im Juli 2002 schrieb ich folgenden Artikel:

Seit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland ist die Stimmung in der Telefonbranche von Euphorie in Katzenjammer gekippt. Auch den Firmen, die jeweils zwischen 16 und 17 Milliarden DM für ihre Lizenzen bezahlt haben, ist unwohl geworden angesichts der enormen Kostenbelastung, die nicht nur aus dem Lizenzerwerb, sondern auch aus dem Aufbau der Netzinfrastruktur resultiert. So sind seit einiger Zeit ‚Netz-Ehen’ im Gespräch. Aktuell haben E-Plus und Group 3G eine Vereinbarung zur gemeinsamen Nutzung von Antennenstandorten und Netzelementen vereinbart. Eine Absichtserklärung ähnlicher Art existiert zwischen der Deutschen Telekom und Viag Interkom (O2).

Doch mobiles Internet ist auch ohne eine UMTS-Netzinfrastruktur möglich. Das Konzept des Virtual Mobile Network Operator (VMNO) baut meist auf eigener Vermittlungstechnik auf, sowie eigenen Plattformen für Value Added Services. Der Anschluss selbst wird bei den UMTS-Netzbetreibern eingekauft. Seinen Kunden gegenüber tritt der VMNO wie ein eigener Netzbetreiber auf. Der Enhanced Service Provider wiederum geht über den heutigen Service Provider hinaus, in dem er stärker eigene Mehrwertdienste anbietet. Gegenüber der noch existierenden, sehr stark auf Sprachübertragungsminuten fokussierten Mobilfunkwelt bieten derartige Konzepte für mobile Daten- und Internetanwendungen eine vielversprechende Grundlage.

Gelingt es den VMNO’s und ESP’s sich als profiträchtige Mehrwertdienste zu positionieren, können die darüber erzielbaren Umsätze schnell interessanter sein als die Umsätze über die Netztransportdienste der eigentlichen Netzbetreiber. Aktuell heiß diskutierte Anwendungen wie Instant Messaging Systeme oder Location Based Services sind auch ohne eigenen UMTS-Netzbetrieb realisierbar.

„Es sind der Service und die Dienste, die für den Kunden zählen und für die er auch zahlt“, so IT-Experte Marek Wojcicki. „Den Kunden interessieren keine hochkomplexen technischen Infrastrukturen, die er auch gar nicht verstehen kann. Er möchte einen greifbaren, anwenderfreundlichen Service zu fairen Preisen. Dies wird auch im mobilen Internet das Geheimnis des Erfolgs sein“, führt Wojcicki weiter aus.

Noch interessanter werden Alternativ-Szenarien, wenn man hinter die Kulissen von UMTS schaut. Die UMTS-Netze sind auf der IP-Netzseite im Grunde GPRS (Global Packet Radio Service) Netze, die UMTS im wesentlichen als Radio Access einsetzen. GPRS ist längst in der Umsetzung in den heutigen GSM-Netzen. Höhere Bandbreiten für Internet-/Datenanwendungen sowie eine volumenorientierte Abrechnung sind schon durch GPRS möglich. Brechen wir die hohen, theoretisch möglichen Übertragungsbandbreiten von UMTS, im urbanen Stationärbetrieb bis 2 Mbit/s, auf realistische Werte bis 256 kBit/s oder maximal 384 kBit/s herunter, so ist der Unterschied zu GPRS im Access Bereich, wo durchaus gute 100 kBit/s möglich sind, nicht mehr sehr groß. Unter suboptimalen Alltagsbedingungen werden mit UMTS kaum höhere Bandbreiten als durch GPRS erreicht werden können. Hier stellt sich also die Frage, ob der enorme Ersteigerungspreis der UMTS-Lizenzen sich für die UMTS-Lizenznehmer rechnet, ob sie einen entsprechenden Return-on-Invest haben werden. Für Peter Záboji von der TK Firma Tenovis ist die Antwort klar:

„Für das Geld des UMTS-Lizenzpaketes wäre ein Invest in Mehrwertdienst-Plattformen und die Entwicklung von Anwendungen wesentlich sinnvoller und profitabler gewesen. Am Ende haben die Lizenznehmer gerade noch die Lizenzen und die Netzinfrastrukturen finanzieren können und stehen ohne wirklich interessante Anwendungen dar.“

Neben dem Alternativen aus den Mobilfunknetzen selbst treten aber weitere Lösungen in Wettbewerb. Schon existieren Konzepte, Campuslösungen mit mobilen V-LAN Techniken auf Basis 2,4 GHz zu installieren. In Frage kommen hierfür Flughäfen, Bahnhöfe, Messegelände, Business Parks etc. Zwar nicht als Alternative zum eigentlichen Mobilfunk, aber zur mobilen Datenübertragung von Notebooks. Hier stehen dann tatsächlich hohe mobile Bandbreiten zur Verfügung. Die Technik hierfür existiert längst und ist ausgereift und günstig, und sie ist frei von Lizenzauflagen. Zu lösen sind nur Techniken und Standards für Autorisierung, Accounting und Billing. Werden diese Standards überall eingehalten, ist also mit einem Account der Zugang für alle V-LAN Installationen Deutschland- und auch Europaweit möglich, muss nur eine entsprechende kritische Masse erreicht werden.

Die durchaus als Desaster zu bezeichnende Situation von WAP im Mobilfunk hat gezeigt, dass es nicht auf die bloßen technischen Möglichkeiten ankommt. Unzulänglich umgesetzt, ohne greifbaren Mehrwert für den Benutzer, und ohne die notwendige Penetration im Markt, also ohne die kritische Masse zu erreichen, kann auch UMTS für die Netzbetreiber ein Desaster werden. Oder mit den Worten Zábojis:

„Die zentrale Frage hat bislang noch niemand beantwortet: Wer braucht UMTS eigentlich noch?“

Zweifellos werden sich mobile Anwendungen ihren Markt erobern, aber ob davon die UMTS-Netzbetreiber profitieren, ist noch nicht sicher. Über das mobile Internet und die Flexibilität der IP-Adressen wird die Bindung an den Netzbetreiber wesentlich schwächer gegenüber der heutigen Situation, wo noch nicht einmal die Rufnummernportabilität des Festnetzes oder die Call-by-Call Netzauswahl bisher in den Mobilfunknetzen umgesetzt wurde.

Offenkundig ist, dass Erlöse ausschließlich für die Übertragung, also für Minuten oder Übertragungsvolumen, nicht mehr ausreichen. Das Festnetz-Geschäft ist zu einem low margin Geschäft geworden, und der Mobilfunkmarkt wird folgen. Auch die Netzbetreiber stehen daher vor der Aufgabe, andere Erlösquellen neben dem Geschäft mit Bandbreite zu suchen. Diese müssen über Inhalte und Anwendungen gefunden werden, somit im mobilen Datenverkehr/Internet. Mobile Commerce in allen Varianten ist also auch für die Netzbetreiber der Schlüssel zum Erfolg. Ende der Meldung. Bekanntlich hat das bei den Netzbetreibern mit Neugeschäft „fantastisch“ geklappt….

#Wenigeristmehr Wie kommen wir raus aus der Wegwerfgesellschaft? Live diskutieren mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesjustizministerin Katarina Barley

Es geht los um 15 Uhr auf Facebook.

Meine Fragen:

Hurra, das Schumpeter-Buch wird am 17. Dezember ausgeliefert – Euer Weihnachtsfest ist gerettet: Wünscht Euch das neue Ökonomie-Werk

Hans Frambach/ Norbert Koubek/ Heinz D. Kurz/ Reinhard Pfriem (Hrsg.):Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums. Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter
Lambert T. Koch:
Von Schumpeter lernen – Geleitwort

1. Innovationen und wirtschaftliche Entwicklung

Heinz D. Kurz:
Die Durchsetzung neuer Kombinationen, schöpferische Zerstörung und die Rastlosigkeit des Kapitalismus. Zur Aktualität Joseph A. Schumpeters

André Reichel:
Die Neuerfindung des Neuen. Soziale Innovationen in kollaborativen Innovationsprozessen

Birger Priddat:
Schumpeter und die modernen Marktdynamiken

Ekaterina Brandtner/ Jörg Freiling:
Dominante Logiken – Barrieren oder Wegbereiter für Schumpeters „schöpferische Zerstörung“?

Norbert Koubek/ Hermann Sebastian Dehnen/ Jan Hendrik van Dinther: Schwellenländer in der Weltwirtschaft. Von der Doppel-Triade zur Doppel-Helix

Bettina Kieselbach/ Marco Lehmann-Waffenschmidt:
Strategien zur schöpferischen Vermeidung von Monopolen in innovativen Branchen – eine neo-Schumpetersche Fallanalyse des Digitalisierungsprozesses in Sachsen

Marlies Schütz/ Rita Strohmaier/ Stella Zilian:
Vom Datenkapitalismus zum Datensozialismus? Zur Bedeutung der Werke J. A. Schumpeters und T. B. Veblens in Zeiten des digitalen Wandels

Christine Volkmann/ Wolfgang Kuhn):
Elektrisches Licht und Taschenlampen: historische und gesellschaftliche Dimensionen eines innovativen Phänomens

2. Geschichte und Zukunft des Unternehmertums

Hans Frambach:
Der Schumpetersche Unternehmer in der Geschichte des ökonomischen Analyse

Lars Hochmann:
Lebendiges Unternehmertum als revolutionärer Entwurf. Versuch einer radikalen Ökonomik im Zeitalter digitaler Revolutionen

Uwe Schneidewind/ Annika Rehm:
Unternehmen als strukturelle Kraft. Vom schöpferischen Zerstörer zum konstruktiven Schöpfer

Klaus Fichter/ Karsten Hurrelmann:
Climate Entrepreneurship. Von der schöpferischen Zerstörung zur Schöpfung gegen Zerstörung – Unternehmertum in Zeiten des Klimawandels

Ulrich Braukmann/ Daniel Schneider/ Dominik Bartsch:
Youth Entrepreneurship Education und ihr Potential für eine (Re-)Vitalisierung
des Schumpeter‘schen Unternehmertums in Deutschland

Stephanie Birkner/ Lisa Heinrichs:
Eine Frage der Zeit? Eine feministisch motivierte Reflektion
der historischen Bedingtheit des Schumpeter’schen Gedankengutes zum Unternehmertum

3. Gesellschaftstheoretische Dimensionen in Schumpeters Werk

Reinhard Pfriem:
Ökonomik als Gesellschaftswissenschaft. Zukunftsfähigkeit und Grenzen des Sozialökonomen Joseph A. Schumpeter

Lutz Becker:
Schumpeters blinder Fleck. Das Spannungsfeld zwischen Markt und Unternehmer im Zeichen der Plattform-Ökonomie

Richard Sturn:
Kapitalismus, Populismus, Demokratie

Harald Hagemann:
Schumpeter und die Weltwirtschaftskrise: Die Vorzüge schlechter Zeiten oder eine pathologische Depression?

Lars Immerthal:
Dionysische Störungen. Ein Kommentar zur Her- und Zukunft der Metapher der ’schöpferischen Zerstörung’

Eberhard K. Seifert:
Schumpeter über Marx als Ökonomen. Theoriegeschichtliche Anmerkungen zu seiner Kritik der Arbeitswerttheorie in ‚Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie’

Gunnar Sohn:
Wenn Volkswirtschaften in Routine ersticken. Schumpeters soziologische Analysen in seiner Bonner Zeit

Die Uni Bonn bringt so etwas nicht zustande – ist mir nach wie vor völlig unverständlich.

Habe bei den Herausgebern allerdings vorgeschlagen, in Bonn eine Buchvorstellung auf die Beine zu stellen. Vielleicht im Schumpeter-Saal des Uniclubs.

Wie wissenschaftlich sind Management-„Modelle“? – Beispiel: Das Viable System Model (VSM) von #StaffordBeer #Kybernetik

Mal schauen, ob wir da auf Facebook eine wissenschaftstheoretische Debatte hinbekommen:

Ich möchte an dieser Stelle nicht noch mal die kybernetische Debatte führen (eigentlich wäre da eine Debatte auf Basis von Fakten schon sinnvoll – siehe Ergänzung unten). Da kennt Mark meine Schriften. Aber ein wissenschaftstheoretisches Interesse treibt mich schon um: Der Modell-Platonismus in der BWL, VWL und in der Managementliteratur. Die Einordnung der ML-Bücher in eine der Kategorien kann ich gar nicht so richtig vornehmen. In Freiheit und Verantwortung schreibt Mark folgendes: Anstelle der Falsifizierbarkeit (die beim VSM-„Modell“ nicht möglich ist), sollte die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, ob eine noch untestbare Theorie (oder ein untestbares Modell, gs) zuverlässige Ergebnisse liefert.

„Leider hat sich bisher noch niemand an die Arbeit gemacht, die Wahrscheinlichkeit für das VSM zu berechnen – und ich werde wohl selber nicht mehr in diesem Leben die Bayessche Formel durchdringen.“

Warum sprichst Du dann noch von Modell oder von Theorie, lieber Mark? Wenn das Deine eigene Denk- und Begriffswelt erhöht, ist das ja prima. Bei mir ist es das Prinzip des Zettelkastens von Luhmann. Alles fein. Was aber ML schreibt, ist eine Immunisierungsstrategie.

Ich habe dazu gerade einen Buchbeitrag für einen Schumpeter-Sammelband verfasst.

Auszug: Was bleibt: Schumpeters Erkenntnis, dass eine exakte Ökonomie nicht möglich ist, auch wenn es die Modell-Platonisten der Mainstream-Ökonomik nicht wahrhaben wollen. Aufgrund der unendlich vielen Kombinationen von möglichen Einflüssen auf das menschliche Verhalten sind reale ökonomische Situationen niemals gleich. Es gibt zu viele Variablen, weil immer auch unvorhersagbares menschliches Verhalten eine Rolle spielt. Oder wie es Douglas North, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, im Hinblick auf Modellwelten der Ökonomik ausdrückt: „Der Preis der Präzision ist die Unfähigkeit, Fragen des realen Lebens zu behandeln“.

Und so präzise sind die ökonomischen Modelle gar nicht. Es sind häufig nur tautologische Aussagen, die sich einer empirischen Überprüfung (es muss kein Experiment sein, Mark) entziehen, kritisiert der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert. Ein beliebtes Instrument für diese Immunisierungsstrategie ist die so genannte ceteris-paribus-Klausel.
„Wenn ein ökonomisches Gesetz unter Anwendung dieser Klausel formuliert wird, dann ist der mehr oder weniger offenkundige Zweck dieser Einschränkung der, dieses Gesetz vor Falsifikation zu schützen.“ Genau das macht ML auf Seite 152 von Freiheit und Verantwortung.

An einer Disputation zur Wissenschaftstheorie wäre ich sehr interessiert. Ist doch auch ein schönes Thema für die Fresenius Hochschule Lutz Becker. Wir könnten doch mal ein Livestream-Kolloquium organisieren. Im Sommersemester 2019.

Kybernetik als Begriff zur Tarnung von militärischen Forschungen

Nun ja. Eine Frage zur Kybernetik könnte mir Mark vielleicht noch beantworten – auch das ohne Polemik: Der Mathematiker Norbert Wiener wird von ML als „Vater der Kybernetik“ benannt. Das stimmt aber nicht ganz. Der Erfinder ist das Mathematik-Genie John von Neumann: Bei der Entwicklung der Wasserstoffbombe hatten sich für ihn Berechnungsaufgaben ergeben, die sich nur mit verbesserten Rechenmaschinen für Geschütz-Tabellen bewältigen ließen.

„Der hochrangige Geheimnisträger, wissenschaftliche Berater fast aller geheimen Militärprojekte der USA im Zweiten Weltkrieg, durfte aber diesen Zusammenhang auf keinen Fall preisgeben. Schon deshalb musste er die gefundene Maschine tarnen. Dazu verhalf ihm die Metaphorik eines Diskurses, der später als Kybernetik bekannt wurde“, schreibt Wolfgang Hagen in dem Band Cybernetics – Kybernetik, The Macy-Conferences 1946 – 1953.

John von Neumann initiiert und fördert diese Camouflage umso mehr, als die wissenschaftsübergreifende Ausrichtung der Kybernetik dem Computer und den gewaltigen Investitionen zu seinem Bau eine ideale Friedenslegitimation bietet. Von Neumann konnte mit dieser Tarnung in der Nachkriegszeit sein Ziel der Super-Bombe ungestört und erfolgreich fortsetzen.

Generalisierung einer „Theorie“, die auf Täuschung beruht

Was er unterschätzte, war die Eigendynamik der kybernetischen Denker, die an einer Generalisierung der mathematischen Berechnungen für selbstkorrigierende Automaten arbeiteten. Zu ihnen zählte Norbert Wiener.

„Die Kybernetik im Wienerschen Sinne propagiert die These, dass in einem ganz konkreten Sinn alles, was Rückkopplung organisiert, als Medium begriffen werden kann. Kybernetik ist die erste Wissenschaft, die programmatisch darauf zählt, dass alles, was berechenbar ist, wie komplex es auch sei, in eine dem individuellen Menschen letztlich überlegene Hardware rückkoppelnder Maschinen gegossen werden könne“, führt Hagen aus.

Norbert Wiener war der bessere PR-Mann

Seinen Einspruch gegen die Kybernetik äußerte John von Neumann leider nur in persönlichen Gesprächen. Er bat seinen Freund Norbert Wiener in milden Worten, in öffentlichen Interviews alle Hinweise auf „reproductive potentialities of the machines of the future“ zu unterlassen. Leider verfügte von Neumann nicht über das Sendungsbewusstsein und die PR-Maschinerie seines Weggefährten:

„I have been quite virtuos and had no journalistic contacts whatever.“

Automatentheorie für die Konstruktivisten

Die psychophysikalischen Ableitungen der Kybernetiker lehnte von Neumann rigoros ab. In seiner eigenen Automatentheorie ging es ihm um ein auto-referentielles „Re-Entry“ des Messsystems in das gemessene System. Diese Integration des Messens ins Gemessene hat die Kybernetik später vorbehaltlos als auto-referentielle Rückeinführung des Beobachters in das beobachtete System verallgemeinert. Alle Systemversuche des Konstruktivismus von Glaserfeld, Bateson, Luhmann und Co. sind von diesem Fundament der Quantenmechanik geprägt. Die Interventionen von John von Neumann werden dabei schlichtweg ignoriert. Übertragungen auf das menschliche Nervensystem seien schlichtweg unsinnig: „Whatever the system is, it cannot fail to differ considerably from what we consciously and explicitly consider as mathematics.“

Zum Schluss hilft nur Spiritualität

Die Camouflage der Kybernetik konnte John von Neumann zu Lebzeiten nicht mehr enttarnen. Quantenmechanisch kann man selbstreproduzierende Systeme konstruieren. Deren logische Grundlage als Messsystem scheitert grundlegend, wenn man sie auf die Gehirn-Physiologie überträgt.

Das gilt auch für die sogenannte Kybernetik zweiter Ordnung. Sie schwebt im luftleeren Raum, weil wir über die statistischen Gehirnfunktionen schlichtweg nichts wissen. Das funktioniert nur dann, wenn man die Kybernetik zweiter Ordnung im Kontext einer universellen Spiritualität propagiert, wie es explizit George Spencer-Brown praktiziert: Ein Universum gelangt zum Dasein, wenn ein Raum getrennt oder geteilt wird. Alles klar?

Für Berater und kybernetische Wissenschaftler ist das eine höchst amüsante Gemengelage wie beim Gottesbeweis. Wenn ich die Nichtexistenz Gottes nicht beweisen kann, ist das der Beweis für die Existenz. Ein Zirkelschluss des Nichts, mit dem man aber weiterhin kräftig Geschäfte machen kann.

Liegt nun Wolfgang Hagen mit seinen wissenschaftshistorischen Recherchen falsch, lieber Mark?

Kickback-Verbot und der Paragraf 7 des neuen Verpackungsgesetzes – Wie wird das kontrolliert? #Recycling @bmu @SvenjaSchulze68 @markenverband @Markenartikler @AGVU_online @kartonnews @bhoffmann_mdb @vpw_online @kartellamt @tho_fischer @euwidrecycling @VR_Nachrichten

Bleibt die Kickback-Problematik beim Recycling auch im nächsten Jahr auf der Tagesordnung? Mir liegen zwei Handelsverträge vor, die dazu Indizien liefern. Was sagen die Experten? Wie wird Paragraf 7 des Verpackungsgesetzes umgesetzt? Wer wird kontrollieren, ob das Kickback-Verbot beachtet wird? Eine Story ist dazu in der Pipeline. Brauche noch O-Töne. Gibt es auch Möglichkeiten für Liveinterviews via Skype?

Bitte um Rückmeldungen – entweder hier über die Kommentarfunktion oder über Facebook.

Für vertrauliche Informationen: 0177 6204474.

Diese Problematik ist nicht nur wettbewerbspolitisch wichtig. Es geht auch um die ökologisch ehrlichen Preise beim Verpackungsrecycling. Welche Preissignale kommen bei den Herstellern an und welche Kriterien spielen dabei wirklich eine Rolle? Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap verweist im ichsagmal.com-Gespräch auf die „Vereinbarungen“ zwischen Handel und Industrie, die in den Herbstgesprächen getroffen werden. Da werfen die Händler bekanntlich ihre Nachfragemacht in die Waagschale und setzen mehrteilige Tarife durch von Regalmieten über Werbekostenzuschüsse bis zu Zahlungskonditionen. Für das Bundeskartellamt sei das nur schwer überprüfbar.

Gleiches gilt für den Vorwurf in Richtung Handel bei Kickback-Regelungen, die das neue Verpackungsgesetz verbietet: Inhalt von Paragraf 7 Absatz 6 des Verpackungsgesetzes im Wortlaut: Es ist Systembetreibern (also den Dualen Systemen, die Gelbe Tonnen und Säcke entsorgen, gs) nicht gestattet, Vertreibern (also den Handelsunternehmen, gs) ein Entgelt oder sonstige wirtschaftliche Vorteile für den Fall zu versprechen oder zu gewähren, dass die Vertreiber Hersteller von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen (also den Verkaufsverpackungen, die in unseren Tonnen und Säcken landen, gs) an ihr System vermitteln.

Handelskonzerne schließen nach Informationen von Insidern schon jetzt für rund 50 Prozent der Verpackungen Verträge mit „ausgewählten“ Dualen Systemen ab und „überreden“ dann weitere Hersteller/Lieferanten, Verträge mit diesem System abzuschließen. Für die wettbewerbspolitische Regulierung dieses Problems würde die Ölfleck-Theorie gelten, so Haucap.

„So richtig sauber bekommt man das nicht hin. Man verschmiert nur den Ölfleck.“

Ob die Gremien der Zentralen Stelle den Kickback-Ölfleck beseitigen, darf bezweifelt werden.

Bleibt noch einiges zu tun.

Siehe auch: #GelbeTonne #GelberSack Neues Verpackungsgesetz Goldgrube für Händler? Plastikvermeidung findet kaum statt