KKR, Boos und die Suche nach einer zweiten SAP: Was Gurus für Künstliche Intelligenz so alles treiben

Es sind häufig völlig überdrehte, anmaßende und werbegetriebene Thesen, die man mit Big Data, Künstliche Intelligenz und Neurowissenschaften verbindet. Das wirkt sich vielleicht positiv auf den Verkauf von Büchern aus, die über das Ende des Zufalls schwadronieren oder über die Wunderwirkung von Neuro-Leadership, Neuro-Marketing und Maschinen-Intelligenz herumlabern.

Es ist auch eine beliebte Methode, um milliardenschwere Forschungsbudgets und Beratungsaufträge zu kapern, wie beim Human Brain Project. Beim öffentlichen Diskurs sollte man die wirtschaftlichen Interessen dieser Akteure nicht aus den Augen verlieren. Diese Sätze schrieb ich vor etlichen Jahren.

Erinnert sei an dieser Stelle an die KI-Heizdecken-Verkäufer, die sich in der Öffentlichkeit mit geheimnisvollen Andeutungen über ihre Welterklärungs-Maschinen in Szene setzen, aber sofort zu lichtscheuen Subjekten schrumpfen, wenn man ihre Systeme live in der Öffentlichkeit präsentieren möchte. 

So geschehen bei einer kleinen Disputation auf Facebook über selbstgewisse „Neuro-Experten“, die Abläufe des menschlichen Gehirns noch nicht einmal in Ansätzen erklären können. Ein Systemingenieur warnte vor zu großem Pessimismus. Man werde sich noch wundern, was in der Hirnforschung und beim künstlichen Nachbau der Gehirne in den nächsten Jahren so alles passieren werde.

Über die „Intelligenz“ seiner eigenen Prognose-Maschine äußerte sich dieser Geschäftsführer eines Softwareunternehmens ähnlich euphorisch. Ist ja völlig in Ordnung. Jeder Krämer lobt seine Ware. Als ich nachfragte, ob er sein System live vorführen wolle, wechselte der virtuelle Werkzeugmacher direkt in den privaten Modus und sagte mir klar, dass er gegenüber der Öffentlichkeit keine Bringschuld habe.

„Nur so viel: Wir setzen unsere Software im Klinikbereich ein, um gute von schlechten Patienten zu trennen. Als Auswertungstool, um aufzuzeigen, wo Ärzte Geld verballern.“

Und was ist mit den Patienten, fragte ich nach. Müsste so etwas nicht öffentlich verhandelt werden? Antwort: Offenlegungspflichten sieht er nur gegenüber seinen Auftraggebern und beendete die Diskussion mit mir – zumindest im nicht-öffentlichen Chat. Seine Großspurigkeit im öffentlichen Teil setzte er fort.

Nach der anonymisierten Veröffentlichung seines Patienten-Zitats auf meinem ichsagmal.com-Blog verfiel er in eine Panikattacke, löschte alle Facebook-Kommentare und proklamierte pauschal, man könne Bloggern einfach nicht vertrauen. Jetzt geht es also um „Vertrauen“ – es geht wahrscheinlich auch um seine Reputation.

Wahrscheinlich besteht das System des KI-Lautsprechers nur aus heißer Luft. Und da kommen wir zu einem aktuellen Fall. Es handelt sich um Chris Boos, seines Zeichen Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung. Mal wird er als Visionär, Seher und KI-Pionier gefeiert oder zum „Christian Drosten der künstlichen Intelligenz“ geadelt. 

Hans-Christian „Chris“ Boos sei „Deutschlands Antwort auf Elon Musk und Jeff Bezos“, schrieb euphorisch die Wirtschaftswoche. Der Titel lautete: „Auf diese Leute sollte die neue Regierung hören“. Nach den Recherchen des Stern bleibt von der KI-Herrlichkeit aber nicht mehr viel übrig. 

„Inzwischen hat der Stern eine Fülle interner Unterlagen ausgewertet und mit etwa 20 Menschen gesprochen, die den Unternehmer kennen oder für ihn gearbeitet haben. Das Ergebnis passt schlecht zum öffentlichen Bild des angeblichen Digitalpioniers. Sein Unternehmen Arago in Frankfurt gibt es schon seit 1995. Heute lässt er auf der Website der Bundesregierung erklären, dass die Firma ‚für die Erforschung und Kommerzialisierung allgemeiner künstlicher Intelligenz gegründet‘ wurde. Tatsächlich war sie eine Abspaltung der Dresdner Bank – so erzählte es noch vor einigen Jahren Boos’ Onkel Bernhard Walther, ein früherer Bankmanager. Beides sei ‚zutreffend‘, lässt Boos heute antworten.“

Und was machte Arago? Das Unternehmen war ausgerichtet auf IT-Wartung, den Betrieb von Websites und entwickelte ein Automatisierungssystem für Rechenzentren. Gähn. Also das Brot- und Butter-Geschäft vieler IT-Unternehmen in den 1990er Jahren. Ein Autopilot namens Hiro sollte einfache Aufgaben bei der IT-Wartung übernehmen. Nach Angaben des Stern sei es mit einigen Weiterentwicklungen noch heute das Kernprodukt der Firma. 

Spektakulär verlief 2014 der Einstieg des Private Equity-Giganten Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Leser meines Blogs kennen ja meine besondere Zuneigung zu diesem mehr als diskussionswürdigen Finanzinvestor.

6,5 Millionen Euro kassierte Boos persönlich, 8,5 Millionen sein Onkel, so der Stern. „27 Millionen Euro steckte KKR in die Firma selbst, die erst zu 34 Prozent und ab 2017 so-gar mehrheitlich den Amerikanern gehörte. ‚Das wird die zweite SAP‘, prognostizierte KKR-Manager Philipp Freise im Oktober 2014: ‚Das hat ein Riesenpotenzial, wir reden hier von Milliarden.‘ Jetzt werde KKR Arago helfen, ‚das explosive Wachstum zu organisieren'“, schreibt der Stern.

Beim Namen Philipp Freise klingeln doch direkt meine Ohren. Ich sage nur Metro, Erich Greipl, Otto Beisheim, Grüner Punkt und dergleichen mehr. 

Welche Expertise KKR und Freise auf dem Geschäftsfeld für Künstliche Intelligenz haben, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht konnte man wertvolle Erfahrungen sammeln beim Portal Geschenk24, das mit einer Metro-Tochter zu PrimusGeschenk24 fusionierte. Freise wird wissen, auf welche Recherchen ich hier anspiele 😉

Was das mit smarten Hühnerställen, Quantensprüngen, geplatzten Projekten, Futterzusätzen, Angela Merkel, Kanzleramtschef Helge Braun und dem Ausstieg von KKR zu tun hat, solltet Ihr in der fein recherchierten Stern-Story nachlesen. Heftnummer 24.

Frage: Wie ermittelt man KI-Expertisen? Lasst sie Euch vorführen – live. Oder dem Beispiel von KKR folgen…..Scherzchen. 

Neulich am Altkleider-Container in Bonn: Mit Fast Fashion zum Sondermüll

Altkleider-Container am Meßdorfer Feld in Bonn

Ich habe ja schon einige Male auf das Kollabieren der Altkleider-Sammlung hingewiesen und auf die Ursachen. Wenn man diesen Zustand als Indikator unserer Einstellung zum Klimaschutz und zur Umweltverschmutzung nimmt, dann gibt es doch ein gigantisches Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit.

Meine Fotos aus Bonn-Duisdorf und Poppelsdorf sind bei weitem nicht repräsentativ. Aber sehr wohl die Studie des bvse, die ja deutschlandweit die Konsequenzen des Fast Fashion-Trends beleuchtet. Wie sieht es in Eurem Kiez oder in Eurer Wohngegend aus? Schickt doch mal Fotos an mich unter gunnareriksohn@gmail.com. Ich würde sie dann hier auf ichsagmal.com veröffentlichen.

One-Stop-Shopping-Prinzipien in der Wirtschaftsförderung: #NextTalk mit Professor Lahner #EconTwitter

„One-Stop-Shopping“ in der staatlichen Wirtschaftsförderung ist in Deutschland immer noch ein hehres Ziel. Viele Gebietskörperschaften haben hier noch Luft nach oben. Behördengänge vereinfachen, Zuständigkeiten bündeln und unterschiedliche Disziplinen unter einem Dach vereinigen – das sind besonders bei der Gewerbeansiedlung, beim Aufbau neuer Unternehmen und bei der Expansion bestehender Firmen wichtige Aufgaben. Professor Jörg Lahner sieht Wirtschaftsförderungen im Wandel – weg vom Verwalter über den Service-Dienstleister hin zum Netzwerk-Partner.

Exzellente Services unterstützen Unternehmen, helfen Gründerinnen und Gründern und überzeugen ansiedlungswillige Firmen. Das reiche aber nicht mehr aus, so Lahner. Man benötige ein regionales Management von Ökosystemen.

Wirtschaftsförderungen müssten sich zum Initiator oder Katalysator von neuen Projekten aufschwingen, um die Stadt und Region nach vorne zu bringen. Als Beispiel nennt Lahner die diversen Fachkräftebündnisse.

Viele Wirtschaftsförderungen sind aber weiterhin eher im passiven Modus unterwegs. Gehandelt wird erst, wenn Anforderungen an die Behörde gestellt werden.

All das diskutieren wir live mit Professor Lahner am Dienstag, den 15. September, um 11 Uhr.

Über YouTube und just in time auf LinkedIn, Facebook und Twitter-Periscope. Mitdiskutieren über die Kommentar- und Chatfunktionen.

Was macht Unternehmen wirklich erfolgreich? #NextTalk mit Professor Hermann Simon

„Ein Hidden Champion ist ein Unternehmen, das zu den Top 3 in seinem Weltmarkt gehört oder die Nummer 1 auf seinem Kontinent ist, weniger als 5 Milliarden Euro Umsatz macht und im allgemeinen Publikum wenig bekannt ist.“ So lautet die Definition von Professor Hermann Simon. Deutschland habe mehr dieser Unternehmen als jedes andere Land.

„Die Hidden Champions bilden die Elite des deutschen Mittelstandes. Seit Anfang der 1990er Jahre bis 2019 haben wir zahlreiche Studien bei den Hidden Champions durchgeführt und fragten dabei nach der durchschnittlichen Gesamtkapitalrendite in den vergangenen zehn Jahren. Der resultierende Wert liegt bei 14 Prozent. Verknüpft man diese Gesamtkapitalrendite mit der Eigenkapitalquote der Hidden Champions von 42 Prozent und nimmt Fremdkapitalkosten von 6 Prozent an, so ergibt sich eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Macht man die für Industrieunternehmen realistische Annahme, dass das Kapital einmal pro Jahr umgeschlagen wird, dann bleibt nach Abzug der Fremdkapitalkosten (Annahme: 6 Prozent auf 58 Prozent Fremdkapital) eine Umsatzrendite vor Steuern von rund 11 Prozent. Wendet man darauf einen Körperschaftsteuersatz von knapp 30 Prozent an, so erhält man eine Umsatzrendite nach Steuern von 8 Prozent. Die Profitabilität der Hidden Champions stellt sich im Vergleich als hervorragend dar. Wie wir gesehen haben, liegt die langjährige durchschnittliche Nettoumsatzrendite in Deutschland bei 3,2 Prozent. Die Hidden Champions sind 2,5-mal so profitabel wie das typische deutsche Industrieunternehmen. Auch gegenüber den größten Unternehmen der Welt, den Fortune Global 500, brauchen sich die Hidden Champions gewinnmäßig nicht zu verstecken. Deren Nettoumsatzrendite liegt bei 6,3 Prozent. Die Hidden Champions übertreffen diesen Wert um 27 Prozent“, so Simon.

Es bleibe festzuhalten, dass die Hidden Champions im langjährigen Vergleich eine ausgezeichnete Profitabilität aufweisen. Diese liege, gemessen als Nettoumsatzrendite, bei mehr als dem Doppelten des deutschen Durchschnittswertes und übertrifft auch die Rendite der 500 größten Firmen der Welt deutlich.

„Auch die Eigenkapitalrendite der Hidden Champions liegt mit 25 Prozent deutlich höher als der deutsche Durchschnittswert von 15,4 Prozent, und zwar ohne dass dies durch eine höhere Fremdkapitalquote erkauft wird. Vielmehr unterschreitet die Fremdkapitalquote der Hidden Champions in Höhe von 58 Prozent den deutschen Mittelwert von gut 70 Prozent signifikant. Die Gewinne der Hidden Champions beruhen auf kontinuierlicher Innovation und Spitzenleistung“, resümiert Simon.

Es liegt wohl auch am fairen Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Robert Bosch sagte: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.“

Was zeichnet erfolgreiche Unternehmen aus? Gibt es Erfolgsmuster? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten: Nehmen wir beispielsweise das Buch “Immer erfolgreich” von Jim Collins und Jerry I. Porras. Es enthält eine gründliche Analyse von 18 konkurrierende Unternehmenspaarungen, bei denen eines erfolgreicher war als das andere. Jeder Vorstandschef, Manager oder Unternehmer sollte nach Auffassung der beiden Autoren dieses Buch lesen, um visionäre Firmen aufzubauen. Solche Scheinkorrelationen sind trügerisch. „Wenn der Zufall seine Hand im Spiel hat, können regelmäßige Muster nur Illusionen sein“, warnt Dan Kahneman.

Nach dem Erscheinen des Buches schwand der Abstand in Ertragskraft und Aktienrendite zwischen den herausragenden und den weniger erfolgreichen Firmen praktisch auf null. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren erzielten die Unternehmen mit den schlechtesten Bewertungen im weiteren Verlauf viel höhere Aktienrenditen als die meistbewunderten Kandidaten.

Auf was kommt es nun wirklich an? Das diskutieren wir mit dem Experten Professor Hermann Simon im #NextTalk.

#NordStream2, wirtschaftliche Sanktionen und die Russland-Geschäfte amerikanischer Unternehmen

„Die Unter­stüt­zung der Bundes­re­gie­rung für den Bau von Nord Stream 2 war von Anfang an ein poli­ti­scher Fehler. Die Unter­zeich­nung der Verträ­ge für die Gaslei­tung nur wenig mehr als ein Jahr nach der Anne­xi­on der Krim ist in Moskau als Signal verstan­den worden, dass sich in Deutsch­land die Aufre­gung über den Krieg gegen die Ukrai­ne wieder legen werde. Wirt­schaft­lich und sicher­heits­po­li­tisch ist die Pipe­line gegen die von der EU unter­stütz­te Ukrai­ne gerich­tet, und das Berli­ner Mantra, es handle sich um ein privat­wirt­schaft­li­ches und nicht um ein poli­ti­sches Projekt, geht so weit an der Wirk­lich­keit vorbei, dass sich im Kreml die Ansicht verfes­ti­gen musste, der Westen sei entwe­der schwach und inkon­se­quent oder genau­so zynisch wie man selbst – oder alles zusammen“, kommentiert Reinhard Veser in der FAZ. Und er hat recht.

Genauso fehlerhaft sind allerdings die Reaktionen im politischen Milieu, die nach dem Gift­an­schlag auf Alek­sej Nawalnyj die Gaspipeline als Drohpotenzial für wirtschaftliche Sanktionen ins Spiel bringen. Besonders fragwürdig ist dabei die Rolle der US-Regierung.

Die Einschränkung der Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau dienten der USA schon häufig als Instrument der Außenpolitik – merkwürdiger Weise in der Regel unter Ausschluss des Geschäftes mit Getreide. So hielt US-Präsident Ronald Reagan das Gas-Geschäft von Westeuropa mit dem Kreml Anfang der 1980er Jahre für einen „defätistischen Pakt mit dem hungernden Beelzebub“.

Die wirtschaftliche Verstrickung mit der damaligen Sowjetunion prädestiniere vor allem die Bundesrepublik Deutschland zum Erpressungsopfer Moskaus. Es sei ein mystischer Drall nach Osten, der so oft schon Deutschlands Geschichte bestimmt habe.

Damals war die Ausrufung des Kriegsrecht in Polen der Aufhänger, um den Export von Energietechnologie zu torpedieren. Im Dezember 1981 beschloss Reagan eine Reihe von Sanktionen gegen die Sowjetunion – ein Getreideembargo wurde allerdings ausgeklammert. Die Exportverbote konzentrierten sich auf technische Geräte, die europäische Unternehmen für den Bau der Gasleitung benötigten.

Damals lieferten die USA mehr als drei Viertel ihrer Getreideausfuhren in die UDSSR. Die Boykottmaßnahmen trafen vor allem den Maschinenbau und die Stahlindustrie. Schaut man sich die Exportbilanzen an, wird die Pharisäerhaftigkeit der USA deutlich. Innerhalb der US-Exporte nahmen die Rohstoffverkäufe – überwiegend Weizen – den größten Anteil ein, während bei den westeuropäischen Exporten verarbeitete Produkte und Zulieferungen für langfristig vereinbarte Kooperationsprojekte dominant waren.

Entsprechend störanfällig waren die Geschäfte der Westeuropäer – das galt vor allem für Deutschland. Alles nachzulesen in meiner VWL-Diplomarbeit aus dem Jahr 1988. Die Schlussbemerkung über die Wirkung der Embargo-Politik will ich Euch nicht vorenthalten, weil man sie recht schön mit der aktuellen Lage vergleichen kann.

Abhängigkeiten sind nicht notwendigerweise Verwundbarkeiten, und selbst Verwundbarkeiten bieten keine Gewähr für den Erfolg von Wirtschaftssanktionen. In der Politik wurden Anfang der 1980er Jahre die Möglichkeiten von Wirtschaftssanktionen überschätzt. Gerade durch die größten Rohstoffvorkommen der Welt besaß die Sowjetunion und besitzt Russland auch ein Stück Unabhängigkeit.

„Und wenn es darauf ankommt, vollzieht sich diese Unabhängigkeit und Selbständigkeit auch auf dem technologischen Sektor. Einige Erdgaspipelines hat die UDSSR ohne westliche Hilfe fertiggestellt“, schrieb ich 1988.

Der Ost-West-Handel eigne sich nicht als Reservespieler der Außenpolitik, er ist kein politisches Wundermittel und kein schlagkräftige Druckmittel. Geschädigt wurden vor allem Unternehmen wie Mannesmann, die Ruhrgas AG und viele mittelständische Unternehmen in Deutschland, die Spezialwerkzeuge, Maschinen und Komponenten für die Energieprojekte der Sowjetunion liefern sollten. Politisch ist das Embargo verpufft.

Auch jetzt entwickelt sich ein ähnliches Szenario: Die Sanktionspolitik der USA gegenüber Moskau achtet sehr genau darauf, wie Drittstaaten gegenüber Russland handeln und droht mit Strafen, wie beim Streit um die Ostssee-Pipeline.

Schaut man sich die wirtschaftlichen Verflechtungen der USA mit Russland etwas genauer an, so zählen amerikanische Unternehmen zu den größten Investoren in Russland mit einem Wert von rund 39 Milliarden Dollar.

Diese Geschäfte würde Trump nie in Frage stellen. Er weiß, wie schwach die Exportgeschäfte seines Landes laufen. Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Wenn die USA Sanktionen gegen Russland fordert, dann immer auf Kosten europäischer Firmen. So war es in den 1980er Jahren und so ist es heute.