Klimaanpassung und Neue Ökonomie – Expertenwissen endlich in #NRW nutzen @landnrw #Hochwasserkatastrophe

Vor drei Jahren diskutierte ich mit Professor Lutz Becker und Professor Dr. Mahammad Mahammadzadeh über Klimaanpassungsstrategien in allen Facetten. Von der Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Klimapolitik bis zu Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Insbesondere wurden die unterschiedlichen Arten und Auswirkungen von Klimabetroffenheit sowie Optionen zur strategischen Umsetzung diskutiert.

Damals ist diese Fachdiskussion nur auf ein mäßiges Interesses gestoßen. Auch bei einigen, die jetzt andere Töne anschlagen.

Jetzt sollten die politische Verantwortlichen auf Experten wie Lutz Becker und Mahammad Mahammadzadeh zugehen und deren Rat für die notwendigen Weichenstellungen in der Klimapolitik einholen.

http://lehreundforschung.hs-fresenius.info/klima-lo-klimaanpassung-und-neue-oekonomie-auf-der-neo18x?fbclid=IwAR2POrifDUaSew49rT4yKmmaj24k_5OlaXc8dDMMUL_fy0KlPg2Szc4yIpE

#Notizzettel Green Deal: Livetalk um 15 Uhr mit @GrimmVeronika @SVR_Wirtschaft

Investieren für den Green Deal

„Das Corona-Konjunkturpaket und der europäische Wiederaufbaufonds ermöglichen es, umfangreiche öffentliche Investitionen zu tätigen. Diese müssen in Infrastrukturen und Technologien fließen, die für ein klimaneutrales Land und Europa gebraucht werden“, fordert Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

„In der Krise brauch(t)en wir einen starken Staat, um die Lasten abzufedern und den Zusammenbruch von Existenzen und funktionsfähigen Strukturen zu verhindern. Im Frühjahr 2020 hat die Politik schnell, konsequent und zielgerichtet agiert.“

„Neben den kurzfristig wirksamen Maßnahmen sind das Zukunftspaket im Rahmen des Konjunkturprogramms aus dem Juli 2020 sowie die Einigung auf den europäischen Wiederaufbaufonds im Juli 2020 besonders bemerkenswert. Aus diesen Programmen stehen nun hohe Summen für öffentliche Investitionen zur Verfügung, um Wachstumsimpulse zu setzen und die Resilienz der europäischen Wirtschaft nach der Krise zu stärken.“

„Es gilt, die Digitalisierung voranzutreiben, das Bildungssystem zu stärken und vor allem die grüne Transformation zu beschleunigen. Schon zu Beginn der Krise gab es Befürchtungen, der Klimaschutz würde von der Coronakrise überrollt und der Zusammenhalt in Europa gefährdet. Beides hat sich nicht bestätigt.“ 

Siehe auch die Meldung auf DigitalX.

„Zentral für den Klimaschutz ist der rasche Ausbau der Energienetze sowie der Infrastruktur für die klimaneutrale Mobilität. Batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sollen in Zukunft unsere Straßen befahren. Kaufen werden sie die Menschen nur dann, wenn man sie auch laden oder betanken kann – und zwar überall in Europa.“

„Die Einrichtung rechtlich eigenständiger Investitionsfördergesellschaften könnte mittelfristig dazu beitragen, Planungs- und Verwaltungshemmnisse zu überwinden.“

„Eine umfassende Reformagenda muss die CO2-Bepreisung stärken und zum Leitinstrument der Klimapolitik machen, konsequent Abgaben und Umlagen in der Strombepreisung reduzieren, direkte und indirekte Subventionen fossiler Energien beseitigen, das Finanzierungsökosystem neu ausrichten – und vor allem globale Allianzen im Klimaschutz voranbringen.“

„Die intensiven Diskussionen um öffentliche Investitionen oder Förderung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Privatwirtschaftliche Investitionen müssen die tragende Säule der Transformation sein.“

Läuft es jetzt wie in den USA ab?

„Die Stützung der Konjunktur, die Komplettsanierung der Infrastruktur, der Kampf gegen den Klimawandel – und vor allem der Ausbau von Sozialleistungen kosten zunächst einmal sechs Billionen Dollar. Das sind fast 30 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Der Staat rückt in den USA wieder ins Zentrum von Gesellschaft und Wirtschaft. Statt der Ökonomisierung des Politischen, die Amerika in den vergangenen 40 Jahren erlebte, strebt Biden nun die Politisierung des Ökonomischen an. Setzt sich der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama durch, könnte er Amerika stärker verändern als der erste schwarze Präsident. Bidens disruptive Kraft ließe sich dann durchaus mit der seines Vorbilds Franklin D. Roosevelt vergleichen“, schreibt das Handelsblatt.

Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt im Handelsblatt-Interview vor mehr Staat:

Frage: „Mazzucato schlägt auch vor, der Staat solle wie bei der Mondlandung 1969 „Missionen“ ausrufen, um so die Privatwirtschaft zu Höchstleistungen und damit zu Innovationen zu treiben. Eine berechtigte Forderung?“

Antwort von Schnitzer: „Solch ein Missions-Ansatz hat funktioniert, wenn es darum ging, einen Rückstand aufzuholen. Japan und Südkorea haben so ihre Autoindustrie vorangebracht. Auch bei großen Herausforderungen wie dem Klimawandel macht eine Mission Sinn, um Kräfte zu bündeln. Schwierig wird es aber, wenn der Staat Neues entwickeln und darüber entscheiden will, welche Firmen welche Aufgaben übernehmen sollen. Ein deutsches Google wird realistischerweise aus keinem der Unternehmen erwachsen, die es schon 100 Jahre gibt.“

Habt Ihr Fragen für das Livegespräch um 15 Uhr? Wir übertragen via YouTube, Facebook, Twitter und LinkedIn. Die Comments & Reactions Funktion von Ecamm Live fängt alle Postings auf den unterschiedlichen Plattformen im Multistream ein. Man hört, sieht und streamt sich am Nachmittag. Bis gleich.

Ökointelligenz in der #Kreislaufwirtschaft – Die neuen Labore und Technologien des @Fraunhofer_IWKS

In Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie und Forschung arbeitet und forscht das Fraunhofer IWKS an den Standorten Alzenau (Bayern) und Hanau (Hessen). IWKS steht für Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie, Zwei Gebäude wurden und werden jetzt eingeweiht, um die Forschungsarbeit in neuen Laboren und mit neuen Technologien voranzutreiben.

Da die Region über naturwissenschaftlich, materialwissenschaftlich und ingenieurtechnisch ausgerichtete Universitäten und Hochschulen verfügt, wurde mit dem Fraunhofer IWKS ein Zentrum eines Kompetenznetzwerkes für Ressourcenstrategie, Wertstoffkreisläufe und Substitution entwickelt, womit auch eine strukturelle Stärkung der Forschungslandschaft erreicht werden soll.

Zur Thematik Kreislaufwirtschaft findet Ihr ja auf ichsagmal.com einiges – sozusagen berufsbedingt.

Einen Ansatz beim IWKS finde ich besonders interessant: Die materialwissenschaftliche Komponente, die schon bei der Produktion ansetzt. Wiederverwertung und Wiederverwendung ist ja nur ein kleiner Teil der Kreislaufwirtschaft. Den anderen Teil hatte ich mal als Ökointelligenz der Produkte bezeichnet. Und da könnte auch die Digitalisierung helfen: Was passiert, wenn Produkte mit digitaler Öko-Intelligenz aufgeladen werden?

In der netzökonomischen Debatte sollten wir es nicht versäumen, uns auch mit dem Kern der Ökologie zu beschäftigen: Oikos war in der Antike die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Orientierung an der Nachbarschaft – verbunden mit dem Verzicht auf Supersysteme, die das Himmelreich auf Erden versprechen, sich aber kaum steuern lassen. Konzentriere Dich auf das, was Du selbst gestalten kannst. Übernehme Verantwortung für Dein eigenes Handeln und delegiere es nicht auf kommende Generationen.

So ist auch das politische Ziel zu verstehen, vollständig aus der Beseitigungswirtschaft auszusteigen und alle Deponien zu schließen. Damit verabschieden wir uns endgültig vom menschlichen Archetypus, Dinge nach dem Verlust individueller Wertschätzung einfach zu vergraben, zu verbrennen oder vor Altkleider-Container auszuschütten nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ökologische Anforderungsprofil für das 21. Jahrhundert hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) trefflich formuliert:

„Funktional, langlebig und damit kostengünstig, ressourcenleicht und emissionsarm, reparaturfreundlich, wiederverwertbar, risikoarm, fehlerfreundlich und rückholbar.“

Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um Dienstleistungen und soziale Innovationen wie Carsharing oder Repair Cafés. Wenn es gelingt, dass alle Gegenstände des Alltags im „Internet der Dinge“ digital vernetzt werden, könnte man sie auch mit ökologischer Intelligenz aufladen. Dann würden sie über ihre Herkunft und Ökobilanz informieren sowie Empfehlungen über eine sinnvolle Weiterverwendung zum Ende ihres Lebenszyklus geben.

So fänden die Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zur Kundschaft und wieder zurück zum Recycling oder zur Wiederverwendung. Dann würden 99 Prozent der mobilen Endgeräte nicht mehr in der klassischen Müllentsorgung verschwinden, sondern spezialisierten Logistikern signalisieren, wo man sie findet und wie man ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin, Kupfer, Aluminium und seltenen Metalle heben kann.

Man darf gespannt sein, wie der Gesetzgeber die hoheitlichen Aufgaben der Müllentsorgung gestalten wird, wenn gar kein Müll zur archaischen Beseitigung mehr anfällt. Das ist nur ein kleiner Aspekt, der in den Debatten über Digitalisierung stärker beachtet werden sollte.

Hier nun die von Sohn@Sohn produzierte Eröffnubngsfeier des IWKS in Alzenau:

Siehe auch:

Über Schafe, Roboter und das Lieferkettengesetz – Eine Antwort auf Dalia Marin @LMU_Muenchen #EconTwitter

Hatte gerade kein Schaf griffbereit 🙂

Ein Herr Dr. Schäfer, Lobbyist der Textilindustrie, hat ein sehr metaphorisches Verhältnis zum Schaf. Denn in seinem ermüdenden Powerpoint-Vortrag im Bonner Beschaffungsamt  stellte er sich vor einigen Jahren mit dem Foto eines Schafes vor (oben wählte ich eine Kuh – da bin ich an der Hand meiner Mutter abgebildet). Wie originell.

Früher weidete das Schaf in Deutschland und die Wolle wurde im eigenen Land verarbeitet. Von der Spinnerei, über die Weberei und Färbung bis zum Nähen. Dann wurden die Endprodukte verkauft. Heute sei ja alles so komplex, kompliziert und internationalisiert, sagte der Herr Schäfer.

Es seien so viele Akteure mit im Spiel, dass es sehr schwierig sein wird, einen nachhaltigen Einkauf sicherzustellen. Und wenn NGOs mit ihren Wünsch-Dir-was-Vorstellungen kommen, dann gewinnt man den Eindruck, hier gehe es gar nicht mehr um Wirtschaftlichkeit. Mit dem bunten Strauß an Vorschlägen, den die NGOs für die Nachhaltigkeit machen, bleibe der Gewinn auf der Strecke. Zudem sei das mit dem Vergaberecht auch so eine problematische Sache. Wenn der Staat das Anspruchsniveau anhebt, fallen die deutschen Anbieter weg. 

Beim überfälligen Lieferkettengesetz, das Ende September vom Bundestag beschlossen werden soll, argumentiert man jetzt genau andersherum: Es stehe nicht für den Schutz der Menschenrechte, sondern ist purer Protektionismus, behauptet die VWL-Professorin Dalia Marin in einem Gastbeitrag für die Welt. 

„Verstärkt werden die Anreize zur Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland noch dadurch, dass die Verwendung von Robotern heute billiger ist als jemals zuvor. Die Rechnung ist einfach: Ein Unternehmen in Deutschland müsste einem deutschen Arbeiter viel mehr zahlen als beispielsweise einem aus China. Aber ein deutscher Roboter fordert überhaupt keinen Lohn, ganz zu schweigen von Sozialleistungen wie Krankenversicherung oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, schreibt Marin. 

Warum gab und gibt es denn eine Deindustrialisierung in der Autoindustrie? Hier gibt es schon seit langer Zeit eine hohe Automatisierung in der Produktion durch Roboter und spezielle CIM Fertigungslinien. Dennoch wächst der Druck, die Produktion in Billiglohn-Länder zu verlagern. 

In Indien arbeitet ein CAD-Entwicklungsingenieur für rund fünf Prozent des deutschen Gehaltsniveaus und zusätzlich ohne Arbeitszeitbegrenzung. Darüber hinaus erfolgt die Produktion der meisten Werkzeuge und Maschinen ohnehin schon in Asien. Das Roboter-Argument der Ökonomin geht also ins Leere. 

Mit dem Lieferkettengesetz müsste auch international für eine internationale Durchsetzung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation gesorgt  werden. Wenn der Druck aus Deutschland und anderen Ländern zunimmt, nimmt natürlich auch der Druck auf die Zulieferer der Zulieferer zu. Zudem gibt es in den vielen armen Ländern bereits NGOs, die Lieferketten durchleuchten und transparent machen. 

Aber da gibt es ja noch das Schaf von Herrn Schäfer, das unter Kontrollverlust leidet. Gehen wir einmal von der These aus, dass man für das Schaf eine ordentliche Kostenrechnung in der Textilkette aufstellen könnte, etwa bei der Herstellung eines T-Shirts. Was wäre, wenn sich die bislang nicht berücksichtigten ökologischen und sozialen Kosten genau quantifizieren und zuordnen ließen? Das günstigste T-Shirt wäre dann jenes, dessen Produktion Umwelt und Gesellschaft am wenigsten schadet. Schnäppchen-Jäger würden dann, ohne es zu wollen, einen positiven Beitrag für die Nachhaltigkeit leisten. Es gibt mittlerweile internationale Indizes, die es möglich machen, diese Standards durchzusetzen. Ein Mausklick reicht heute aus, um soziale und ökologische Fehltritte öffentlich zu machen.

Wenn man sich das Lohnniveau in Indien und vielen anderen Ländern anschaut, bleiben die Kostenvorteile erhalten, auch wenn die Standards für ökologische und soziale Nachhaltigkeit angehoben werden. Frau Marin kann ja mal bei einem Zulieferer der Autoindustrie anrufen. Ich könnte ihr ein paar Telefonnummern geben. 

Neulich am Altkleider-Container in Bonn: Mit Fast Fashion zum Sondermüll

Altkleider-Container am Meßdorfer Feld in Bonn

Ich habe ja schon einige Male auf das Kollabieren der Altkleider-Sammlung hingewiesen und auf die Ursachen. Wenn man diesen Zustand als Indikator unserer Einstellung zum Klimaschutz und zur Umweltverschmutzung nimmt, dann gibt es doch ein gigantisches Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit.

Meine Fotos aus Bonn-Duisdorf und Poppelsdorf sind bei weitem nicht repräsentativ. Aber sehr wohl die Studie des bvse, die ja deutschlandweit die Konsequenzen des Fast Fashion-Trends beleuchtet. Wie sieht es in Eurem Kiez oder in Eurer Wohngegend aus? Schickt doch mal Fotos an mich unter gunnareriksohn@gmail.com. Ich würde sie dann hier auf ichsagmal.com veröffentlichen.