
Der folgenschwere Krieg in der Ukraine, zunehmende autoritäre Tendenzen in einigen europäischen Ländern und epochale Herausforderungen: Angesichts der Dichte und Parallelität von Krisen und Transformationen, vor denen Europa derzeit steht, wird der Austausch und der Zusammenhalt über Grenzen hinweg immer wichtiger.
Die Europa-Konferenz im Berliner Grunewald nimmt die Erinnerungs- und Aufarbeitungsprozesse in den Ländern Mittel- und Osteuropas in den Blick. Wie geriet der „Osten“ in Bewegung und was ist von den Demokratiebewegungen dieser Epochenwende 30 Jahre danach geblieben? Was ist aus den damaligen Hoffnungen und Visionen geworden? Wo wird auch heute noch für diese Freiheit gekämpft? Wo sind heute neue Demokratiebewegungen sichtbar, die neue Impulse für Europa geben können?
Mit den Revolutionen des Jahres 1989 und den darauffolgenden Umbrüchen setzte in den zentral- und osteuropäischen Staaten eine tiefgreifende Umwälzung der Systeme ein. Anfangs löste der Fall des Eisernen Vorhangs im Westen Faszination und Euphorie aus, doch im Laufe der Zeit wich diese Begeisterung allmählich einer zunehmenden Ignoranz. Die Länder des Ostens müssten modernisiert und verwandelt werden, und sich den westlichen Staaten Stück für Stück anpassen – so eine weit verbreitete Auffassung. In den post-sozialistischen Ländern wiederum führten die Bemühungen vor Ort oft auch zu Enttäuschungen. Die neoliberalen „Landnahmen“ nach den Revolutionen von 1989/1991 ermöglichten in einigen Staaten das Aufkommen von mafiösen Strukturen, die in Zusammenarbeit mit neuen Regierungsvertretern Bündnisse schlossen. So begannen sie, besonders im „Osten“, effektiv die Ressourcen ihrer Länder auszubeuten.
Trotzdem sind die Gewinne an Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung einzigartig. Doch auch sie sind in Gefahr: Die nach 1989 entstandenen Institutionen sind in sozialstaatlicher, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht nicht solide verankert. Konflikte und anhaltende Unsicherheiten, die aus der frühen Phase der Transformation resultieren, verstärken Ängste vor der Zukunft. Der dadurch begünstigte Aufstieg von Demokratiefeinden und Autokraten stellt eine existenzielle Bedrohung für die demokratische Entwicklung in den post-sozialistischen Staaten dar. Aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen in den westeuropäischen Demokratien mit kapitalistischer Prägung und den sich demokratisierenden mittel- und osteuropäischen Staaten wurden neue Entwicklungen in Europa nicht von allen gleichermaßen akzeptiert und verinnerlicht.
Die Transformationen im Osten wirkten aber auch auf den Westen zurück: Es vollzieht sich bis heute eine Art von „Ko-Transformation“, die noch nicht vollständig realisiert wurde, da uns Denkgewohnheiten und Konventionen den Blick versperren. Neoliberalismus im Westen und eine damit einhergehende Schocktherapie im Osten, Privatisierungen und auch Korruptionsskandale lassen sich nicht getrennt voneinander verstehen. Wertekonflikte, etwa mit Regierungen in Polen und Ungarn, prägen die Wahrnehmung, und mit der Invasion Russlands in die Ukraine kehrte der Großkrieg nach Europa zurück und macht Spannungen unübersehbar, die zu lange ignoriert wurden. Manche Hoffnungen blieben auch Blütenträume und führten auf beiden Seiten der einstigen Blockgrenzen zu Enttäuschungen und zu einer gesellschaftlichen Übellaunigkeit. Heute liegt die Sicherheitsarchitektur der Post-1989er-Jahre in Trümmern. Müssen wir also ganz neu auf die politische Geografie des „Neuen Europa“ blicken?
Uns ist allen bewusst, dass wir in einer Zeit großer Umbrüche leben. Wir stehen an einem Punkt, der für die Zukunft unseres Kontinents entscheidend ist. Die multiplen Transformationen müssen wir aktiv gestalten. Unsere Konferenz „Wende in Europa: Ausblick auf eine neue Zeit“ soll durch spannende Diskussionen, anregende Panels und Networking-Möglichkeiten dazu einen Beitrag liefern.
Interesse geweckt? Dann sehen wir uns in meener alten Heimat in Berlin. Aber nich in Neukölln, sondern im duften Grunewald. Da durfte ick an der FU-Berlin studieren. Jewohnt hab ick in der Fritz-Erler-Allee 16 in der Gropiusstadt. Did nur am Rande. In den Sessions sind folgende Protagonisten zugegen:













