Europa am Kipppunkt der KI-Ära – Sam Altman und Mathias Döpfner eröffnen die politische Debatte über Souveränität, Freiheit und die Zukunft des Menschen

Mit der Premiere seines neuen Gesprächsformats „MD MEETS“ legt Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner die Latte hoch: Kein Politiker, kein Showgast – sondern Sam Altman, der mächtigste KI-Architekt der Gegenwart, CEO von OpenAI. In 45 Minuten sprechen die beiden über nichts Geringeres als das Schicksal Europas, den Sinn des Fortschritts und die Frage, ob der Mensch in der Ära künstlicher Intelligenz überlebt – moralisch, ökonomisch und kulturell.

Dieser Podcast ist mehr als Medienunterhaltung. Es ist eine politische Zäsur. Döpfner, einer der wichtigsten publizistischen Köpfe Europas, trifft den Entwickler jener Technologie, die unsere Demokratien, Arbeitsmärkte und Wahrheitsbegriffe zugleich beflügelt und bedroht. Der Springer-Chef fragt, Altman antwortet – und im Subtext steht die neue Weltordnung der Intelligenzsysteme.

Europas letzte Chance

„Europa darf nicht Weltmeister der Regulierung werden“, warnt Altman. Der Satz klingt technokratisch, ist aber Sprengstoff. In Wahrheit sagt er: Wenn Europa weiter bremst, wird es von der Landkarte der Innovation verschwinden. Altman kündigt den Aufbau einer „OpenAI-Souverän-Cloud für Deutschland“ an – gemeinsam mit SAP und Microsoft. Eine strategische Kampfansage an die digitale Abhängigkeit vom Silicon Valley und zugleich ein Testfall für Europas Selbstbehauptung im Zeitalter der KI.

Döpfner legt den Finger auf die Wunde: Europas Regierungen verteidigen Datenschutz, aber verlieren den Anschluss. Altman kontert höflich, aber bestimmt – KI sei längst weiter, als die meisten wüssten. „Wir haben Systeme, die unsere klügsten Menschen in den schwersten intellektuellen Disziplinen schlagen“, sagt er. Der Satz ist so beiläufig wie beunruhigend. Er beschreibt das Ende des kognitiven Monopols des Menschen – und den Beginn eines Wettlaufs zwischen technologischer Geschwindigkeit und politischer Trägheit.

Arbeit, Würde, Kontrolle

Döpfner fragt nach den Jobs der Zukunft. Altman antwortet, als sähe er in Zeitlupe zu, wie sich eine Zivilisation neu ordnet: „Kurzfristig wird KI viele Jobs zerstören. Langfristig werden völlig neue entstehen.“ Es ist die klassische Fortschrittsformel – und doch schwingt Skepsis mit. Die Frage, was bleibt, wenn Maschinen denken, berühren, komponieren, ist keine ökonomische mehr, sondern eine anthropologische. Altman glaubt an das „unerschöpfliche Bedürfnis des Menschen, gebraucht zu werden“. Eine tröstliche These, die aber zur Nagelprobe wird, wenn ganze Branchen automatisiert werden – von der Anwaltschaft bis zur Redaktion.

Gerade letzteres führt zum Kern des Gesprächs: der Zukunft des Journalismus. Altman erkennt die Paradoxie seiner eigenen Schöpfung: ChatGPT ist zugleich Werkzeug und Risiko für die Öffentlichkeit. „Ich wäre traurig, wenn KI den Journalismus zerstört“, sagt er. Aber er weiß auch, dass sie ihn verwandeln wird. Döpfner bringt das Prinzip auf den Punkt: „Ohne Vergütung für Inhalte trocknet das System aus – dann gibt es nichts mehr, was sich ‚scrapen‘ lässt.“ Eine präzise Beschreibung des neuen Urheberkriegs zwischen Maschine und Medium.

Der neue Prometheus

Philosophisch wird es, als Döpfner Harari und Oscar Wilde zitiert: Wird der Mensch zum Gott? Will Sam Altman ewig leben? Seine Antwort ist überraschend nüchtern: Nein. Ewigkeit sei kein Ziel, sagt er, sondern ein Irrtum. Fortschritt brauche Erneuerung, Sterblichkeit, Übergang. Altman träumt vom Leben als Landwirt, wenn die KI seine Arbeit übernimmt – der Schöpfer, der sich selbst abschafft. Das ist mehr als Anekdote. Es ist ein modernes Gleichnis: Der neue Prometheus will nach der Erleuchtung zurück in den Ackerboden.

Doch zwischen Technikglaube und Natursehnsucht bleibt die offene Frage: Wer kontrolliert die Schöpfung? Altman denkt in geopolitischen Kategorien. KI, sagt er, werde Kriegsführung, Propaganda und Machtbalance grundlegend verändern. Wenn „ein böser Akteur“ Zugang zu Superintelligenz habe, könne er ganze Systeme destabilisieren. Die Konsequenz: globale Governance, ähnlich der nuklearen Rüstungskontrolle. Der Vergleich ist nicht zufällig. KI ist längst eine strategische Waffe – unsichtbar, allgegenwärtig, unkontrolliert.

Freiheit im Zeitalter der Antwortmaschinen

Döpfner und Altman verhandeln schließlich, was auf dem Spiel steht: die Freiheit des Wortes. Für Altman ist sie „einer der schwierigsten, aber zentralsten Werte der westlichen Zivilisation“. Für Döpfner ist sie Geschäftsgrundlage und Überzeugung zugleich. Beide wissen: Wenn Wahrheit von Algorithmen berechnet wird, wird Journalismus zur Gegenmacht – oder verschwindet.

Altman plädiert für neue ökonomische Modelle: Mikropayments für Inhalte, faire Vergütung für journalistische Recherche, eine Rückkopplung von digitalem Nutzen und menschlicher Arbeit. Eine Idee, die Döpfner offen aufnimmt. Der Verleger und der Entwickler eint die Einsicht, dass Information eine Ressource ist, die sich nur dann erneuert, wenn sie einen Wert behält.

Der wahre Inhalt

Die Premiere von „MD MEETS“ ist deshalb mehr als ein Medienereignis. Sie markiert den Moment, in dem KI, Medien und Politik ihre gemeinsamen Bruchstellen öffentlich verhandeln. Altman und Döpfner sprechen über Technologie – und meinen Zivilisation.

Für Europa ist das Gespräch eine Einladung, die eigene Zukunft nicht länger als Beobachter, sondern als Akteur zu gestalten. Wenn Döpfner Altman fragt, was er Europa rät, antwortet der nüchtern: „Reguliert die großen Risiken, aber lasst die kleinen zu.“ In diesem Satz steckt eine Doktrin für die neue Epoche – und vielleicht das letzte Zeitfenster, um nicht endgültig Zuschauer im Theater der Superintelligenz zu werden. Für Sohn@Sohn wäre es wichtig, auf eine granulare Regulierung zu verzichten. Die trifft in der Regel die Kleinen und nicht die Großen, gell Herr Voss…..

Automatisiertes Headhunting mit KI: Ein Interview mit Simon Tschuertz #ZPSued

Willkommen in Stuttgart, wo die Zukunft Personal Süd in vollem Gange ist. Inmitten des geschäftigen Treibens steht Simon Tschuertz, ein Vertreter von Psychological AI. Sein Thema? Automatisiertes Headhunting durch Künstliche Intelligenz (KI).

Früher, als Führungskraft in großen Unternehmen, war es üblich, dass Headhunter anriefen. Sie lebten von ihren Kontakten und Gerüchten. Doch jetzt, mit über 60 Jahren, sind diese Anrufe selten geworden. Also bei mir. Was kann KI in diesem Bereich automatisieren?

Heutzutage ist der Headhunting-Prozess stark plattformbasiert, mit LinkedIn als führender Recruiting-Plattform. Für Unternehmen, insbesondere den Mittelstand, und Headhunter selbst, ist es eine Herausforderung, die richtigen Leute zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten. Hier kommt die KI-Lösung von Psychological AI ins Spiel.

Die KI analysiert Stellenanzeigen und sucht auf LinkedIn nach passenden Kandidaten, basierend auf verschiedenen Kriterien. Sie kontaktiert diese Kandidaten auf individuelle Weise. Was früher manuell gemacht werden musste, kann heute durch KI automatisiert werden. Der Unterschied ist kaum spürbar, ob ein Mensch oder eine KI schreibt. Dies zeigt sich auch in den Rückmeldequoten, die bei der KI genauso hoch sind wie bei einem echten Menschen, jedoch ohne den Aufwand.

Früher lebte ein Headhunter von seinen Kontakten und seinem Gespür dafür, ob jemand nach fünf Jahren in einem Unternehmen wechselwillig sein könnte. Aber welche Indikatoren für Wechselwilligkeit nutzt die KI?

Die KI lernt aus den Daten, wer sich zurückmeldet und wer nicht. Sie erkennt eine grundsätzliche Wechselwilligkeit und bevorzugt diese in den Ergebnissen. Aber letztendlich ist es wie früher: Man muss arbeiten, Leute kontaktieren. Es ist ein Zahlenspiel. Vielleicht müssen 100 Leute kontaktiert werden, um am Ende 3-6 passende Kandidaten zu finden. Dieser Prozess ist nun vollständig automatisiert.

Die KI erweitert auch die Matching-Möglichkeiten. Ein klassischer Headhunter war auf sein Netzwerk beschränkt, aber bei Psychological AI gibt es diese Beschränkung nicht. Die einzige Einschränkung ist LinkedIn als Plattform. Aber mit 23 Millionen Nutzern bietet LinkedIn mehr Möglichkeiten als eine Telefonliste mit 1000 Kontakten.

Die Erfolgsquote? Kunden berichten, dass sie innerhalb von zwei bis vier Wochen genug Kandidaten für Interviews haben. Sobald jemand Interesse bekundet, übernimmt der Mensch und die Kommunikation findet auf menschlicher Ebene statt.

Psychological AI hat bereits Referenzkunden wie Lidl, Siemens, Carl Zeiss und Boehringer Ingelheim, sowie Personalagenturen wie Karriereweg und Brenner HR. Diese Unternehmen nutzen die KI nicht nur für das Headhunting, sondern auch zur Optimierung von Stellenanzeigen.

Simon Tschuertz ist auf LinkedIn unter seinem Namen zu finden. Er freut sich auf einen Erstkontakt.

Kant, Karger und der kategorische Imperativ der künstlichen Intelligenz

Im Interview mit Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beleuchten Sohn@Sohn facettenreiche Themen der Künstlichen Intelligenz (KI). Karger, der die Sprachmodelle als zentralen Forschungsbereich des DFKI identifiziert, diskutiert über die Potenziale und Herausforderungen von Entwicklungen wie ChatGPT, maschinelle Übersetzungen und ethische Grundsätze. Er betont die Wichtigkeit von verlässlichen und transparenten Systemen sowie die Notwendigkeit einer Alphabetisierung, um die effiziente und sichere Nutzung von KI-Werkzeugen zu gewährleisten.

Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Bezugnahme auf den Philosophen Immanuel Kant und seinen kategorischen Imperativ. Karger schlägt vor, dass KI-Systeme nach ethischen Überlegungen gestaltet werden sollten, die sich an Kants Prinzipien orientieren. Dies impliziert, dass KI-Systeme in einer Weise agieren sollten, die ihre Maximen als allgemeine Gesetze taugen lassen könnten, wobei die Menschenwürde und Gleichheit als fundamentale Werte berücksichtigt werden. Können wir Kants kategorischen Imperativ für eine zukunftsfähige KI-Ethik nutzen? Eine faszinierende Frage. Kant, geboren 1724, feiert seinen 300. Geburtstag am 22. April 2024, zufällig der erste Tag der Hannover Messe. Ein interessantes Zusammenkommen von Technik, Industrie, Europa und Kant.

Darüber hinaus hebt Karger die Bedeutung des kreativen und kritischen Denkens in der Entwicklung und Anwendung von KI hervor. Er sieht Deutschland und Europa als Orte der Aufklärung, die durch ihre kulturellen und ethischen Werte einen einzigartigen Beitrag zur globalen KI-Landschaft leisten können. Dies betont die Notwendigkeit einer ausgewogenen Herangehensweise, die technologische Innovationen fördert, während sie gleichzeitig ethische Überlegungen und die menschliche Dimension der KI berücksichtigt. Karger ist optimistisch, dass solche Systeme dazu beitragen könnten, Verschwörungstheorien auszutrocknen und so einen wichtigen Beitrag zum sozialen und kulturellen Frieden und zur Demokratie leisten könnten. Er spricht über die Differenzierung als deutscher Anbieter und wie man sich strategisch positionieren könnte. Der DFKI-Sprecher ist davon überzeugt, dass die Tatsache, dass man ein Anbieter aus Deutschland oder der Europäischen Union ist, ein Differenzierungsmerkmal sein könnte.

Zu den Projekten des DFKI in diesem Jahr sagt Karger: „Wir haben ein neues Transferlab in der Eifel eröffnet. Dort arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, die Transfer benötigen. Wir arbeiten auch an Projekten zur Reduzierung des Energiebedarfs von Rechenzentren und zur Verkleinerung von KI-Modellen, um den Energieaufwand für das Training zu reduzieren.In der Robotik geht es weiter. Wir haben einen Prototyp eines Erdbeerpflück-Roboters vorgestellt. Und wir arbeiten an der Mensch-Roboter-Kollaboration. Ein weiteres spannendes Projekt sind autonome Unterwasserroboter, die in der Ostsee Phosphorgranaten bergen sollen.“

Deutschland hinkt beim Wachstum hinterher

Dieses deutsche KI-Startup will Apple wohl kaufen

Den täglichen Bürostress mit Krankenkasse und Co. gib mir heute: Erlebnisse eines Solo-Selbständigen

Jeden Tag vollbringen Organisationen eine gute Tat. Es sind die Helden unseres Alltagslebens: Champions, Dienstleistungsakrobaten, weltweit führende Glücksbringer und Kundenversteher. Abgesichert und bewiesen durch Umfragen, Ranglisten, Awards, Studien und sonstige Selbstbeweihräucherungen. Je länger man an diese selbstreferentiellen Jubelarien glaubt, desto mehr hält man diese Zahlenspiele, Powerpoint-Floskeln auf Fachkonferenzen und Werbesprüchlein für die Realität: „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt, er ist der König, der Umworbene, der wahre Boss und wir sind seine Untertanen.“ Klar. Solche Kalenderweisheiten passen in jedes Unternehmensleitbild. Es wäre ja auch eine gewaltige Überraschung, wenn Organisationen das Gegenteil anstreben würden.

Wenn ich der Techniker Krankenkasse telefonisch mitteile, dass ich nicht mehr mit Brief-Orgien konfrontiert werden will, bekomme ich als Antwort per Post eine Flut von fünf oder sechs Briefen mit doppelseitig eng beschriebenen Ergüssen zugeschickt. Schon die ersten Schreiben hatten mir doppelseitig auf acht Seiten irgendetwas nachberechnet und in der letzten Zeile dann einen Nachzahlungsbetrag genannt auf Grundlage von irgendwelchen Schätzungen des Finanzamtes, die für mich nicht nachvollziehbar sind. Ein Passwort mit TAN-Funktion hatte ich schon vor Monaten beantragt, damit ich das wenig nutzerfreundliche elektronische Postfach nutzen kann. Schreibe ich da etwas rein, bekomme ich Bestätigungen via E-Mail und via Post. Ständig wird man telefonisch belehrt, was alles nicht geht oder was der Gesetzgeber so vorschreibt.

Das ständige Auf und Ab meiner Einnahmen, seit 1998 kenne ich das gar nicht anders, müsse über Gewinneinbrüche dokumentiert werden. Meine Replik geht dabei ins Leere: Ich habe gar keine Gewinneinbrüche, sondern nur Monate, die ich als Saure-Gurken-Zeit bezeichne…. Das interessiert die TK am Telefon nicht. Denn in den nachfolgenden Brief-Orgien steht irgendetwas von Gewinneinbrüchen, die ich nachweisen müsse. Am Telefon bin ich entnervt gescheitert und wurde mehr oder weniger vom TK-Personal belächelt – ist keine Tatsachenbehauptung, habe ich so empfunden. Mit Banken, Postfilialen, Rentenversicherung und vielen anderen Instanzen erlebe ich nix anderes.

Kundenbelehrungen: „Schnauze“

Meine verstorbene Frau ergänzte das mit einem eigenen Erlebnis. Wer nicht wie Sprintstar Usain Bolt im Bruchteil einer Sekunde nach einem Klingelzeichen des Paketzustellers an der Haustür ist, findet in schöner Regelmäßigkeit eine Paketkarte vor. Meine Frau war so nett, in den Mittagsstunden einen der vielen ausgelagerten DHL-Paketshops aufzusuchen und überreichte der Dame am Schalter pflichtbewusst mit ihrem Personalausweis die Benachrichtigungskarte. Es folgte eine Belehrung. Die Zustellung ist zwar explizit an den Ehemann unter derselben Adresse gerichtet und es ist kein Zufall, dass meine Frau mit mir unter einem Dach wohnen würde, aber ohne eine Vollmacht des Ehegatten könne das Amazon-Paket nicht ausgehändigt werden. Warum eine Zustellung beim Nachbarn ohne Vorlage von Ausweis, beglaubigter Geburtsurkunde und polizeilichem Führungszeugnis machbar ist, eine Übergabe ohne Vollmacht am DHL-Schalter an meine Ehefrau unmöglich sei, konnte die Outsourcing-Angestellte nicht beantworten. Meine liebe Frau musste mit leeren Händen den Rückweg antreten. Also schnappte ich mir die Karte und noch eine weitere vom Konkurrenten GLS, die sich mittlerweile angesammelt hat, und ging abermals zu den Geschäften, um meine Amazon-Bestellungen in Empfang zu nehmen. Die GLS-Herberge mit dem programmatischen Namen „Schnauze“ (inzwischen ist der Laden Pleite gegangen) und einer Tatze als Logo (wenn das mal keinen Ärger mit Jack Wolfskin gibt) versprühte den Charme einer ländlichen Bahnhofskneipe. Entsprechend freundlich wird man bedient: „Unser Fahrer ist natürlich noch unterwegs. Vor 18 Uhr können Sie Ihre Zustellung nicht erhalten. Wir haben aber bis 19 Uhr geöffnet.“ Danke, Herr Franke. Ein paar Hausnummern weiter konnte ich bei DHL dann mein Büchlein „Als wir Gangster waren“ (Autor Olvier Storz) entgegennehmen. Am Schalter gab es dann noch eine Belehrung in Form eines Pappschildes: „Wir sind kein GLS Paket-Shop“. Auch schriftlich spart man sich Höflichkeitsfloskeln. Das kostet unnötig Zeit und weiterführende Erklärungen.

Entschuldigungsfolter

Nach meiner Rückkehr aus dem Niemandsland der Dienstleistungsökonomie musste ich dann feststellen, dass nach dem Vertragsende zum 1. Juni der frühere Gasanbieter nicht in die Pötte kam, eine längst fällige Gutschrift auf unser Konto zu überweisen. So etwas nennt man im Controlling „Revolvierende Finanzoptimierung“. Jeder Monat mit Zahlungsverzögerung bringt Zinserträge – vor allem bei hoher Inflation. Im Einzelfall sind das nur Kleckerbeträge. Aber wer das systematisch betreibt, kommt auf stattliche Summen. Der freundliche Dauerton in den Entschuldigungsschreiben wirkt dabei wie eine zusätzliche Foltermethode. Gefoltert wird man durch das prinzipielle Ignorieren von konkreten Anliegen. Liebe Bank XY, es ist ja schön, dass Sie so schnell mit einer automatisierten E-Mail auf unsere Wünsche reagieren. Sie haben mit Ihrer Antwort vom 24. September aber am Ziel vorbeigeschossen. Meine Frau heißt nicht „Herr Gutschmidt“. Sie wollte auch keinen Kontoauszug, sondern einen Online-Banking-Zugang. Bei solchen Rückmeldungen ist man als Kunde geneigt, das Geldinstitut nebst Filialen großräumig zu meiden. Zudem plädiere ich dafür, den Naturalien-Tausch als Zahlungsmittel einzuführen.

Der Versicherte, Steuerpflichtige und Kunde ist immer mindestens doppelt gefordert

So langsam erschließt sich mir der „Dopplungseffekt in Deutschland, den der Scones20-Blogger entdeckt hat. Ungewollt stand ich für diese Forschungsarbeit Pate. Gunnar Sohn berichtete von seinem Versuch, mit einem Netzbetreiber eine Klärung herbeizuführen. Ein Schreiben genügte nicht, nein, es mussten mindestens zwei sein. Oh ja. Schlappe drei Monate brauchte der Provider, um eine profane Vertragsumstellung zu realisieren. Zwischendurch waren wir vom Kundenservice per E-Mail beschuldigt worden, die eingereichten Unterlagen in einer zu schlechten Qualität kopiert zu haben. Als Reaktion auf meine öffentlichen Empörungsbekundungen gab dann das Social-Media-Team des Betreibers zu, dass die Digitalisierung im eigenen Hause zur Unlesbarkeit führte. An unseren Kopien lag es nicht. Wie erfreut war ich, als zwei Schreiben in unserem Briefkasten lagen. Wurde der Vollzug einer Vertragsübernahme bestätigt? Weit gefehlt. Beide Briefe richteten sich an eines meiner Kinder. In einem Schreiben bedauerte man die Unstimmigkeiten, weist uns aber noch daraufhin, dass wir die bis zur Umschreibung entstandenen Kosten und eventuelle Zahlungsrückstände termingerecht ausgleichen müssen. Ah ja. Termingerecht. Was passiert eigentlich mit Kunden, die das nicht termingerecht machen? Die bekommen dann wohl termingerecht eine Mahnung. Da geht dann alles ganz fix. Erstattungsbeiträge für Bürokratie-Irrsinn lassen sich wahrscheinlich juristisch nur schwer durchsetzen. Im zweiten Schreiben gibt es dann noch einen Willkommensgruß: „Ab sofort können Sie entspannt telefonieren.“ Witzischkeit kennt keine Grenzen … Ihr liebwertesten Gichtlinge von TK und Co., lest die Zeilen von Bill Price, Autor des Buches „The Best Service Is No Service“:

Man sollte vor allen Dingen „dumme Kontakte“ vermeiden. Sie sind für die Organisation schädlich und für die Anwender sehr ärgerlich. Als Kunde sehe ich mich in diesen Konstellationen nicht, sondern als Untertan im Bürokratie-System.

Ich fange jetzt wieder an, diesen Horror zu thematisieren.

Wenigstens die Abozahlen von ichsagmal.com entwickeln sich positiv. Würde mich freuen, Weitere Abonnenten begrüßen zu dürfen.

Siehe auch:

Digitale Prozesse? Medienbrüche!

Die öffentliche Hand liebt Medienbrüche und sie liebt vor allem analoge Briefe und Umlaufmappen: Hier dominieren nach wie vor der Postweg oder das Faxgerät. Was war das für ein Schwachsinn bei der Neuberechnung der Grundsteuer. Alle Daten liegen dem Staat vor – nur werden sie von unterschiedlichen Stellen verwaltet. Folge: Die Hauseigentümerin bekommt die A-Karte zugeschoben, die nötigen Unterlagen zu suchen, mit Androhung von Bußgeldern. Steuerbescheid scannen und der Rentenversicherung per E-Mail schicken? Nee, nee. „Da kommt erst ein Formular per Post und da heften Sie dann den Steuerbescheid dran und schicken uns das wieder zu.“

Grandios dokumentiert: Digitales Entwicklungsland Deutschland – Nicht die BRD, sonder DED muss es heißen:

Siemens-Chef Roland Busch und die Visionen für ein industrielles Metaverse

„Der CEO von Siemens, Roland Busch, hielt während der CES-Keynote eine beeindruckende Rede. Er präsentierte das Konzept des ‚Industrial Metaverse‘, das auch aus Deutschland kommen soll und verschiedene Anwendungsbereiche bietet. Das Industrial Metaverse ist eine Weiterentwicklung des digitalen Zwillings, der die analoge und digitale Welt miteinander verbindet“, schreibt Sascha Pallenberg in seinem Newsletter mit einer sehr spannenden Rückschau auf die CES in Las Vegas.

Tenor des Auftritts von Siemens:

Technologie hat das Potenzial, unser Leben in vielerlei Hinsicht zu verbessern. Sie kann uns unterhalten, heilen, verbinden und schützen. Technologie verändert die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, miteinander interagieren und die Zukunft gestalten. Mit Technologie können wir die größten Herausforderungen unserer Zeit bewältigen, wie zum Beispiel die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung, den Zugang zur medizinischen Versorgung, die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz.

Die CES 2024 ist eine Feier all dessen, was die Technologie der Menschheit zu bieten hat. Es herrscht eine positive Energie und wir bewegen uns mit Hoffnung und Zuversicht vorwärts. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Das industrielle Metaverse ist eine virtuelle Welt, die die reale und die digitale Welt miteinander verbindet. Es ermöglicht uns, das Tempo des Fortschritts zu beschleunigen und dringende Probleme anzugehen. Mit dem industriellen Metaverse können wir Innovationen vorantreiben, Nachhaltigkeit fördern und den Zugang zu neuer Technologie erleichtern. Es ist ein Ort, an dem die reale und die digitale Welt kombiniert werden, um industrielle Innovationen zu schaffen.

Der digitale Zwilling ist ein zentraler Bestandteil des industriellen Metaversums. Er ist keine einfache 3D-Darstellung, sondern eine physikalisch basierte Simulation. Mit dem digitalen Zwilling können wir komplexe Systeme wie Flugzeuge, Stromnetze und Fabriken simulieren und optimieren. Dadurch können wir Probleme frühzeitig erkennen und Lösungen entwickeln, bevor ein physisches Produkt hergestellt wird.

Die softwaredefinierte Automatisierung ist ein weiterer wichtiger Baustein des industriellen Metaversums. Sie ermöglicht es uns, Fabriken effizienter und nachhaltiger zu machen. Durch den Einsatz von softwaredefinierten Automatisierungssystemen können wir Produktionsprozesse optimieren und Energie sparen.

Daten und KI sind entscheidend für das industrielle Metaverse. In hochautomatisierten Fabriken werden enorme Datenmengen generiert. Diese Daten werden mit Hilfe von Edge-Geräten und KI analysiert, um wichtige Muster zu erkennen und verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Dadurch können wir Prozesse optimieren und in Echtzeit auf Veränderungen reagieren.

Die Integration von generativer KI in Low-Code-Entwicklungsplattformen wie Mendix ermöglicht es jedem, KI-Funktionalitäten in seine Anwendungen einzubinden. Dadurch können auch Nicht-Programmierer von den Vorteilen der KI profitieren und intelligente Anwendungen entwickeln.

Das industrielle Metaverse bietet uns die Möglichkeit, die reale Welt zu verbessern und Probleme anzugehen. Es ermöglicht uns, Innovationen zu beschleunigen, Nachhaltigkeit zu fördern und den Zugang zu neuer Technologie zu erleichtern. Das industrielle Metaverse ist eine aufregende Entwicklung, die uns helfen wird, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

So kann es in diesem Jahr weitergehen.

Meine Bewertung. Über die industriellen Anwendungen wird es den entscheidenden Schub für das Metaverse geben. Das thematisierten wir schon auf der Zukunft Personal im Jahr 2022 im Interview mit Markus Herkersdorf von der Firma TriCAT. Unser Thema: Das Metaverse – ein Balanceakt zwischen Hype und Realität im Unternehmensumfeld.

Wie viel Hype steckt im Metaverse? Wie viel Realität lässt sich bereits erkennen? Facebooks Umbenennung in Meta, um ein Metaverse zu erschaffen, ist allgemein bekannt. Doch die Realität zeigt, dass auf operativer Ebene bereits viele Elemente existieren, die dem Konzept des Metaversums entsprechen.

Viele ziehen Parallelen zu Second Life, einem Projekt, das letztendlich scheiterte. Herkersdorf sieht jedoch die Möglichkeit, eine neue Qualitätsebene in aktuellen Formaten zu erreichen. Die Pandemie hat gezeigt, dass viele Dinge über Zoom, WebEx oder andere Tools laufen können. Doch es muss mehr kommen.

Herkersdorf stellt eine provokante These auf: Mit Ausnahme von Montage und Fertigung könnte jeder Bereich potenziell virtualisiert werden. Und er wird es auch, aus Gründen wie Zugänglichkeit, Skalierbarkeit, Kosten, Ressourcenschutz, Umweltschutz, Work-Life-Balance und New Work. Die externen Treiber sind so stark, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Auch Hybridarbeit wird stark mit virtuell immersiven Umgebungen zu tun haben.

Im industriellen Umfeld sehen wir digitale Zwillinge, mit denen gearbeitet wird. Selbst die Meisterausbildung kann virtuell ablaufen. Ein Projekt des Fraunhofer IAO in Stuttgart zeigt, dass dies auch das industrielle Umfeld erfasst.

TriCAT hat Lösungen entwickelt, die Schulungen für Unternehmen weltweit virtualisieren. Physische Anlagen, die irgendwo auf der Welt stehen, werden in Echtzeit mit digitalen Zwillingen in einer virtuellen Umgebung verknüpft. Die Manipulation im digitalen Zwilling wird auf die echte Anlage übertragen, dort sieht man die Effekte. Dies könnte die Zukunft sein.

Die Kombination von Airbus-Wartung und Protokollierung bei technischen Überprüfungen ist ein weiteres Beispiel. Dies könnte eine enorme Kostenersparnis bedeuten. In einem Forschungsprojekt im Bereich Biotech-Reaktoren wird die Ausbildung entlang des regulatorischen Prozesses an der Anlage VR-brillenbasiert durchgeführt.

Die Automatisierung durch digitale Technologien ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, mit dem demografischen Wandel fertig zu werden. Selbst Robotik, KI und Einwanderung werden nicht ausreichen.

In wenigen Jahren werden wir in einer Welt leben, in der viel durch KI unterstützt wird. Entscheidungsfindung, Automatisierung – der Mensch wird nur noch orchestrieren. Um in dieser Welt als aktive Akteure bestehen zu können, müssen wir viel tun, insbesondere im Bereich der Kompetenzen.

Wir müssen uns von wissenszentriertem Lernen in Schule, Hochschule und teilweise im Betrieb verabschieden und hin zu Umgebungen, in denen von Anfang an am Arbeitsplatz gehandelt werden muss. Virtuelle Umgebungen, in denen Kompetenzen am Arbeitsplatz im Arbeitsumfeld erlernt werden.

Dazu passt auch das Gespräch mit Marius Grathwohl vom Maschinenbau-Unternehmen Multivac zu den Industrie 4.0-Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Industrie 4.0-Initiative, die ursprünglich als Wachrüttler für die deutsche Industrie gedacht war, hat laut Grathwohl zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Digitalisierung geführt. Er sieht in der Digitalisierung eine große Chance für deutsche Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle neu zu erfinden und weiterzuentwickeln. Dabei betont er die Notwendigkeit einer langfristigen Vision und einer schrittweisen Umsetzung von Innovationen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die internationale Wahrnehmung der deutschen Industrie. Während Länder wie China und die USA in bestimmten Bereichen der Digitalisierung führend erscheinen, verfügt Deutschland über ausgeprägte Stärken, beispielsweise in der Mensch-Maschine-Kommunikation und in der Entwicklung von Industriestandards. Grathwohl mahnt zu mehr Selbstbewusstsein und Eigeninitiative in derdeutschen Industrie und plädiert für die Entwicklung einer eigenständigen Agenda, die sich nicht nur an internationalen Vorbildern orientiert, sondern eigene Stärken und Potenziale in den Vordergrund stellt.

Ein zentrales Thema in der Diskussion ist die Kreislaufwirtschaft und das damit verbundene Konzept des digitalen Produkt-passes. Hier sieht Grathwohl erhebliche Chancen für den deutschen Maschinenbau, als Treiber und Gestalter von Nachhaltigkeitsinitiativen zu agieren. Die Fähigkeit, effizient und ressourcenschonend zu produzieren, ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, den deutsche Unternehmen nutzen können.

Trotz der Herausforderungen, die Industrie 4.0 mit sich bringt, sind die Chancen und Potenziale enorm. Grathwohl betont die Bedeutung von Kooperationen und Ökosystemen, in denen Unternehmen nicht mehr isoliert agieren, sondern als Teil eines größeren Netzwerks. Die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg wird immer wichtiger, um komplexe Herausforderungen zu meistern und innovative Lösungen zu entwickeln.

Die Zukunft der Industrie 4.0 in Deutschland hängt maßgeblich davon ab, wie Unternehmen und Politik die Weichen stellen. Die aktuelle Energiekrise kann als Katalysator dienen, um die Digitalisierung in den Bereichen Energiemanagement und Smart Grid voranzutreiben. Grathwohl ist überzeugt, dass Deutschland die Fähigkeit besitzt, auf globaler Ebene eine führende Rolle in der Digitalisierung der Industrie einzunehmen, sofern die vorhandenen Stärken gezielt genutzt und weiterentwickelt werden.

Insgesamt zeigt das Gespräch mit Marius Grathwohl, dass Industrie 4.0 weit mehr ist als nur ein Schlagwort oder eine technologische Spielerei. Es handelt sich um einen tiefgreifenden Transformationsprozess, der die Art und Weise, wie Unternehmen produzieren, kommunizieren und interagieren, grundlegend verändert. Der Weg dorthin mag steinig und mit Herausforderungen gespickt sein, doch die Chancen für Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit sind unübersehbar. Es liegt an den Akteuren in Wirtschaft und Politik, diese Chancen zu ergreifen und die Zukunft der deutschen Industrie aktiv zu gestalten.

Rezension: Durchbruch der Künstlichen Intelligenz – Auch beim Prompt Engineering gilt: Shit in, Shit out

Der Gastbeitrag von Peter Buxmann in der FAZ beschäftigt sich mit dem Thema des Durchbruchs der Künstlichen Intelligenz (KI) und den Auswirkungen, die dieser auf die Gesellschaft hat. Der Universitätsprofessor für Wirtschaftsinformatik analysiert die aktuellen Entwicklungen und stellt die Frage, wer von der KI-Revolution profitiert und was die Zukunft bringen wird.

Im Jahr 2023 wurden täglich neue Produkte und Dienstleistungen im Feld der KI angekündigt und auf den Markt gebracht. Unternehmen wie Open AI haben eine beeindruckende Geschwindigkeit vorgelegt und kontinuierlich neue Modelle und -Anwendungen entwickelt. Die KI hat auch den Elfenbeinturm verlassen und ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen. KI-basierte Sprachassistenten, autonomes Fahren und medizinische Diagnoseunterstützung sind nur einige Beispiele für den Einfluss der KI auf unseren Alltag.

Neben den großen Technologieunternehmen setzen auch immer mehr Start-ups auf KI und integrieren sie in ihre Geschäftsmodelle. Sowohl große Softwareanbieter als auch kleinere Unternehmen nutzen KI, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern. Die Integration von KI in Software wird in Zukunft zur Normalität werden, so SAP-Produktvorstand Thomas Saueressig.

Die Gewinner der KI-Entwicklungen im Jahr 2023 waren unter anderem Open AI und Microsoft, die maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren. Aber auch andere Unternehmen wie Nvidia profitierten vom Boom. Es gab jedoch auch Enttäuschungen, wie zum Beispiel fehlerhafte Demos und bizarre interne Konflikte bei Open AI und Google.

Die wirtschaftliche Bedeutung der neuen KI-Sprachsysteme ist noch nicht abschließend zu bewerten. Studien zeigen jedoch, dass der Einsatz von KI-Modellen wie ChatGPT zu Zeitersparnis, besserer Textqualität und höherer Mitarbeiterzufriedenheit führen kann. Unternehmen nutzen KI auch, um ihre Prozesse zu verbessern, insbesondere im Wissens- und Servicemanagement.

Es gibt jedoch auch Herausforderungen im Umgang mit KI. Anwendungen wie ChatGPT können „halluzinieren“ und unsinnige Inhalte generieren, ohne dass die Entwickler den genauen Grund dafür kennen. Das liegt allerdings häufig an idiotischen Eingaben. Auch beim Prompt Engineering gilt: Shit in, Shit out.

Im Jahr 2023 gab es eine Vielzahl von Produkten und Start-ups, die das Label „Künstliche Intelligenz“ für sich beanspruchten, ohne einen klaren Zusammenhang zur KI zu haben. Dies führte zu einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Geld. Die Angst vor einer Superintelligenz und deren Auswirkungen auf die Menschheit erlebte eine Renaissance. Es gibt jedoch unterschiedliche Meinungen dazu, wie realistisch diese Bedenken sind.

KI kann grundsätzlich für gute und problematische Zwecke eingesetzt werden. Es gibt Diskussionen über den Einfluss von KI auf Diskriminierung und die Frage, ob KI böse ist. Dabei liegt die Verantwortung nicht nur bei den Algorithmen, sondern auch bei den von Menschen bereitgestellten Trainingsdaten.

Im Jahr 2024 werden wir weiterhin eine rasante Entwicklung der KI erleben. Multimodale Sprachmodelle, die Bilder, Videos und Audiodateien verstehen und generieren können, eröffnen neue Möglichkeiten und erhöhen gleichzeitig die Risiken des Missbrauchs. Die Entwicklungsgeschwindigkeit der KI war in den letzten Jahren beeindruckend und wird wahrscheinlich auch in Zukunft hoch bleiben.

Abschließend lässt sich sagen, dass die KI gekommen ist, um zu bleiben. Die Zusammenarbeit von Mensch und KI wird in vielen Bereichen zu besseren Entscheidungen führen. Es ist wichtig, die Chancen und Risiken der KI zu erkennen und verantwortungsvoll damit umzugehen.

Liveinterview mit Rafael Laguna de la Vera: Insights zur Bedeutung von Sprunginnovationen im Mittelstand #SchubkraftTV

Direkt aus der Station Berlin, während des Zukunftstages des BVMW, spricht Rafael Laguna de la Vera von der Bundesagentur für Sprunginnovationen über die Bedeutung von Innovationen und Digitalisierung. „Sprunginnovationen sind genauso wichtig für den Mittelstand wie für die Großindustrie.“

Er warnt vor der Gefahr der Disruption, die durch neue KI-Sprachmodelle wie Chat GPT und Co. droht. „Jeder sollte sich damit beschäftigen, denn diese Technologie wird in vielen Bereichen Sprunginnovationen auslösen. Sie birgt große Chancen, aber auch Risiken. Wer sich nicht damit auseinandersetzt, wird überrascht sein, und das ist nicht gut.“

Laguna de la Vera erzählt von seiner kürzlichen Reise nach Ostwestfalen-Lippe, wo er „Champions“ traf, die bereits intensiv an Modellen für TBT in der Kundenkommunikation arbeiten. Er betont die Bedeutung von Open Source Modellen, die kostenlos sind und von jedem erweitert werden können. „Das Tolle an Open Source ist, dass man auf dem bisher Entwickelten aufbauen und seine Innovation vorantreiben kann, ohne sich in Abhängigkeiten zu begeben.“

Er spricht auch über die Wichtigkeit von Partnerschaften zwischen großen und kleinen Unternehmen. „Große Unternehmen sollten mit diesen innovativen kleinen Unternehmen zusammenarbeiten. Das kann eine Motivation sein, aber auch eine Möglichkeit, Innovation ins Haus zu bringen.“

Zum Schluss äußert er sich zur Kritik der Expertenkommission Forschung und Innovation. „Wir müssen neue Wege in der Umsetzung von öffentlichen Mitteln gehen. Wir müssen Zuwendungen anders machen. Wir müssen die Verwaltung innovieren und leichtere Instrumente schaffen, die den Mittelstand mitnehmen.“

Er schließt mit der Hoffnung, dass die Bundesagentur für Sprunginnovationen ein Vorbild für andere sein kann. „Wir reden nicht nur, wir tun auch. Und beim Tun entwickeln wir die Werkzeuge selbst. Wir sind ein Flugzeug, das im Flug gebaut wird. Das macht es spannend und interessant. Und ich glaube, dadurch werden wir auch als Innovator in der Verwaltung wahrgenommen.“

Potenziale im Mittelstand: ChatGPT als Game Changer für Unternehmen #SchubkraftTV

Im Livetalk von Schubkraft TV mit Oliver Gürtler und Daniela Todorova von Microsoft thematisierten wir auf dem Zukunftstag des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) das Zusammenspiel von Mensch und Künstlicher Intelligenz.

Der KI-basierte Chatbot , entwickelt von OpenAI, hat in der Technologiewelt große Begeisterung ausgelöst. Das Ganze repräsentiert eine Form von „generativer künstlicher Intelligenz“, die auf menschliche Anfragen mit scheinbar menschlicher Intelligenz reagieren kann. Die Einsatzmöglichkeiten von ChatGPT sind vielfältig und können Geschäftsmodelle grundlegend verändern. Es ist jedoch klar, dass Unternehmen eine angemessene Strategie für Ideenfindung, Prototyping, Testing und Umsetzung benötigen, um ChatGPT erfolgreich einzusetzen. Auch das nötige technische Wissen über die Interaktion mit der Schnittstelle von ChatGPT ist unerlässlich.

Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft, betont die Potenziale von ChatGPT für den Mittelstand: „Der Mittelstand kann sehr schnell davon profitieren.“ Ein Beispiel: Ein schwäbischer Maschinenbauer, der weltweit seine Produkte liefert, könnte ChatGPT nutzen, um Kundenanfragen zu beantworten. ChatGPT, der mit produktspezifischen Daten trainiert wurde, kann als virtueller Agent einen Teil der Fragen des Kunden beantworten. Was die KI nicht beantworten kann, wird an den Dispatcher weitergeleitet. Dieser kann dann entsprechend reagieren, beispielsweise indem er eine VR-Brille mit Reparaturinstruktionen verschickt, sodass kein Servicetechniker vor Ort sein muss. ChatGPT kann also als Game Changer betrachtet werden.

Autonome KI-Agenten wie ChatGPT, die Benutzereingaben aufnehmen und in kleinere Aufgaben unterteilen können, eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Sie können komplexe Aufgaben bewältigen und auf verschiedene Grundmodelle zugreifen, die nicht nur auf Sprache beschränkt sind. Dadurch können sie auch komplizierte Fragen lösen, was bisher nur begrenzt möglich war. KI-Agenten wie ChatGPT könnten das Spiel radikal verändern und es ist höchste Zeit, dass wir uns ernsthaft mit dem Zusammenspiel von Mensch und KI auseinandersetzen. Dabei geht es nicht nur um die technologische Umsetzung, sondern auch um die Gestaltung neuer Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse. Unternehmen, die sich bereits jetzt aktiv mit diesen Fragen auseinandersetzen, können sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern.

Das passt gut zu einer Episode von Sohn@Sohn-Adhoc mit Professor Wolfgang Wahlster, dem ehemaligen Chef des Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), über den rapiden Fortschritt in der KI-Welt. Wahlster sieht in der steigenden Aufmerksamkeit für künstliche Intelligenz sowohl überraschende als auch erwartete Trends.

Er betont, dass die Möglichkeit, Systeme wie Chat GPT zu testen – dank Open Access – zu einer erhöhten Interaktion bei den Nutzern geführt hat. Journalisten haben das System mit extremen Fragen herausgefordert, was teils erstaunliche, teils bedenkliche Ergebnisse lieferte.

Wahlster weist darauf hin, dass trotz des aktuellen Hypes die Technologie, die dem Ganzen zugrunde liegt, solide ist und sich über 40 Jahre entwickelt hat. Es handelt sich nicht um Magie, sondern um harte Arbeit, unterstützt durch enorme Rechenkapazitäten. Das heutige System basiert auf Daten, Mustererkennung und Kombinatorik.

Zu den entscheidenden Entwicklungen im Bereich KI zählt laut Wahlster die Einführung von riesigen Modellen mit Milliarden von Parametern, der Einsatz sogenannter “Embedings” und “Attention-Mechanismen”, und das sogenannte “Finetuning”.

Wahlster erinnert sich an eine Pressekonferenz im Jahr 2006, bei der er die Vision einer Antwortmaschine im Gegensatz zur Linküberflutung, wie sie bei Google vorherrscht, vorstellte. Wahlster argumentiert, dass die Nutzer konkrete Antworten auf ihre Fragen suchen und nicht durch unzählige Links navigieren möchten, um diese Antworten zu finden. Es ist nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der Effizienz und Relevanz.

“Wir brauchen keine Suchmaschinen, sondern Findemaschinen”, sagt Wahlster. Statt einer Liste von Links möchte er eine klare Antwort.

In Anbetracht der monumentalen Investitionen, die Giganten wie Microsoft in den USA tätigen, scheint Europa in einem Wettrennen um technologische Dominanz zu liegen. Doch während einige behaupten, Europa könne nicht mithalten, betont Wolfgang Wahlster, dass nicht allein die Finanzkraft den Unterschied ausmacht.

“Wir in Europa müssen uns auf Ressourceneffizienz und innovative Algorithmen konzentrieren.” Er hebt hervor, dass Europa zwar nicht die finanziellen Mittel hat, um in allen Sprachen zu konkurrieren, aber die Region kann sich durch qualitativ hochwertige und ethisch verantwortungsbewusste KI-Systeme auszeichnen. Er vergleicht dies mit dem Sicherheitssektor, wo viele Länder Technologien aus den USA oder China vermeiden und sich stattdessen auf europäische Produkte verlassen, weil sie den hohen Standards vertrauen.

In einem früheren Gespräch reagiert Wahlster auf die Kritik von Thomas Sattelberger, dem früheren Personalchef der Deutschen Telekom und Ex-Politiker, an der angeblich verfehlten KI-Forschung in Deutschland. Allein das DFKI könne sich vor Aufträgen aus dem staatlichen und industriellen Sektor kaum noch retten, führte Wahlster aus. Die Kritik von Sattelberger sei nicht nachvollziehbar.

“Er ist ja nicht der absolute Spezialist für KI und war doch eher für Personalpolitik zuständig. Ich kenne ihn nicht als KI-Experten. Das soll er mal gründlicher anschauen. Wir haben 80 Spin-Off-Firmen generiert. Wir haben Firmenwerte von über einer Milliarde Euro generiert. Wir haben gerade in den vergangenen zwei Jahren Firmen für über 100 Millionen Euro verkauft. Das ist nun wirklich ein Witz, was Thomas Sattelberger behauptet. Da müsste er etwas genauer recherchieren”, so die Replik von Wahlster.

Das #DFKI habe allerdings auch Forschungsaufgaben. “Wir bilden die nächste Generation von Hochschullehrern aus und bringen KI-Talente hervor. 96 Professoren für KI, die in Deutschland tätig sind, wurden bei uns ausgebildet”, betont der frühere DFKI-Chef. Man sollte bei der Beurteilung der Forschungsarbeit nicht nur auf Spin-Off-Firmen schauen. Auch die etablierten Unternehmen in Deutschland würden die Relevanz der KI erkennen und sich erfolgreich innovieren. Etwa Bosch und Siemens, denen das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gelungen sei. “In den USA sind viele große Unternehmen den Abgrund runter gestürzt. Man hat dort zwar erfolgreiche Spin-Offs, es werden in der Öffentlichkeit allerdings immer die gleichen Beispiele genannt. Siemens, Bosch und andere Unternehmen in unserem Land waren und sind über Generationen hinweg Flaggschiffe. Das muss man erst einmal können. Diese Unternehmen haben KI-Abteilungen errichtet und setzen lernende Systeme bis in die Produktentwicklung ein”, erläutert Wahlster. 

Kaum KI-Weiterbildung in Deutschland – Wir diskutieren das auf der Zukunft Personal #ZPEurope

„HR-Abteilungen müssen jetzt mehr denn je in die Offensive gehen: Weiterbildung, neue Rekrutierungsansätze und Mitarbeiterbindung sind das Gebot der Stunde, um die raren KI-Fachleute entweder zu finden oder zu halten. Tatsächlich verfügt Deutschland über eine gute Hochschul-Ausbildung, kann diese Fachkräfte aber oft nicht halten. Gut zu erkennen ist das Problem im Silicon Valley, wo in vielen KI-Unternehmen deutsche Experten an wichtigen Stellen sitzen. Wie der Dresdener Richard Socher, der You.com gegründet hat, oder Jan Leike, der seit 2021 das Alignment-Team bei OpenAI leitet, oder der Bonner Christian Szegedy, der nach 13 Jahren bei Google nun für Elon Musks xAI arbeitet. Mehr Risikokapital, unbegrenzte Ressourcen und Rechenpower und nicht zuletzt deutlich höhere Gehälter locken viele KI-Forscher ins Valley“, schreibt Holger Schmidt in seinem Newsletter.

Nur 8 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bekam KI-Weiterbildung. Das ist zu wenig. Wir thematisieren das auf der Zukunft Personal in Köln:

Gespräch mit Miriam Meckel:

Super wichtig: Keine Transformation ohne Zukunftskompetenzen. Session mit Philipp V. Ramin:

Habt Ihr ChatGPT im operativen Einsatz?

ChatGPT und andere Anwendungen können das Spiel radikal verändern, aber dazu müssen wir endlich aufhören mit „dümmlichen Selfie-Fragen und albernen Kichereien über vermeintlich falsche Antworten der KI-Maschine“, schreibt Gunnar Sohn.

Insbesondere der Mittelstand sollte sich mit neuen Geschäftsmodellen und Anwendungsfällen beschäftigen.

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Übrigens: Vielen, vielen Dank für die Resonanz auf meine Beiträge, die seit Ende 2022 jeden Monat bei Haufe New Management erscheinen.

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