10 Jahre alt und schon am Ende? Untergangsprognosen als Indikator für die Facebook-Vitalität

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subtile Jagd Mark Zuckerberg 053

Warum ich Facebook weder hasse noch liebe: Egal, welche Neuerungen Mark Zuckerberg vorstellt oder nicht vorstellt – der Erregungspegel in Deutschland geht in schöner Regelmäßigkeit nach oben, wenn Facebook im Spiel ist. Etwa beim Re-Design der „Timeline“: Das löste einen gigantischen Kulturschock in der Netz-Elite aus. Von Stasi-Methoden, Entmündigung, Zwang zum Teilen und Stalking war die Rede. Da mutete es schon grotesk an, wenn man öffentlich mit großer Geste den Ausstieg aus dem Facebook-Datenwahn und den Übertritt zu Google Plus verkündete. Was ist aus den Umsteigern eigentlich geworden? Leiden sie unter Einsamkeit, Hospitalismus oder sozialer Isolation?

Jedes Mal, wenn Facebook ein Update ankündigt, prophezeien die Meinungsmacher des Internets das Ende des blauen Web-Imperiums. Aktuell wird von Implosion wegen Aushöhlung und Silodenken gemurmelt. Wie viele Tode soll Facebook eigentlich noch sterben? Zuckerberg folgt wie viele andere Silicon Valley-Größen der Obsession, zur zentralen Instanz der virtuellen Aufmerksamkeit zu werden. Stichwort Open Graph und Applikationen, die jede Lebensregung dokumentieren. Jeder Anbieter will sich unverzichtbar machen und ist es am Ende doch nicht. So war es bei AOL, Yahoo, T-Online und vielen anderen. Alle haben sie versucht, zur zentralen Anlaufstelle und Eingangstür des Internets zu werden. Auch die Features von Google Plus sollen möglichst in jeder Ritze des Netzes auftauchen und andocken, was bis zur Fusion mit Youtube reicht.

Ob Facebook nun den Bach runter geht oder nicht, ist mir wurscht. Für meine Netzwerkpflege ist der Laden immer noch nützlich. Morgen kann das schon anders aussehen. Erst wenn die selbst ernannten Netzpropheten den apokalyptischen Niedergang des Zuckerberg-Konzerns nicht mehr predigen, sollte man sich über das Wohlergehen von Facebook Gedanken machen. Happy Birthday, Mark.

Wie fallen denn Eure Glückwünsche zum zehnjährigen Bestehen von Facebook aus?

Siehe auch:

Facebook-Lamento, Klickbomben und barfüssige Propheten.

Facebook forever!

10 Jahre Facebook: Dein Hund ist tot? Gefällt mir.

Von wegen Abwanderung: Facebook verachtfacht seinen Gewinn.

Und ganz wichtig: 10 Jahre Facebook: Warum deine Community dich liebt und hasst.

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Ist die Facebook-Party jetzt vorbei? Basic Thinking über die Wahl zwischen Pest und Cholera

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“Kehrt Facebook den Rücken!”. Kurz, trocken und ohne Schnörkel kommt Basic Thinking-Blogger Jürgen Vielmeier in seinem Aufruf zur Sache:

“Ganz ehrlich, ich habe mit den Schultern gezuckt. Noch bis Freitag könnt ihr über Facebooks neue Datenschutzrichtlinien abstimmen. Tun solltet ihr das nicht. Ganz einfach deswegen, weil es Zeitverschwendung ist: Ihr opfert Minuten eurer wertvollen Lebenszeit für eine Farce: 30 Prozent der Facebook-Mitglieder müssten an der Abstimmung teilnehmen, damit Facebook sich überhaupt damit befasst. Eine Abstimmung zwischen neuen und alten Regelungen, die der österreichischen Anti-Facebook-Aktivist Max Schrems als Wahl zwischen ‘Pest und Cholera’ bezeichnet. Egal, wofür ihr abstimmen würdet: es wäre eine schlechte Wahl. Schon die Voraussetzungen stimmen nicht.”

Das Social Network habe in den vergangenen Monaten viele Sympathien verspielt.

“Die neue Chronik begeistert höchstens einen Bruchteil der Nutzer (ich finde sie gut, gs), die Aktivitäten der Freunde haben spürbar abgenommen (in meinem Freundeskreis nicht, gs), die Ladezeiten der mobilen Apps werden immer länger (werde ich noch einmal überprüfen, gs), Nutzerfreundlichkeit stimmt hier wie in der Weboberfläche schon lange nicht mehr (ist Geschmackssache). Facebook hält jetzt nur noch einen einzigen Trumpf in der Hand: Und das ist die Vernetzung”, schreibt Vielmeier.

Wenn ihr schon lange mit dem Gedanken gespielt habt, Facebook den Rücken zu kehren, dann wäre es nach seiner Auffassung jetzt der perfekte Zeitpunkt dazu.

Das Unternehmen habe wiederholt bewiesen, dass ihm eure Wünsche egal sind. Ist das bei Google anders?

“Es will über eure Köpfe hinweg ein neues Werbenetzwerk einführen”. Was für ein neues Werbenetzwerk? Es ist ein Werbenetzwerk – wie Google auch.

Es zeige eure Statusmeldungen nicht allen euren Freunden – es sei denn, ihr zahlt künftig dafür. Hm. Ist das jetzt eine Behauptung oder habe ich irgendetwas nicht bekommen? In meinem Alter kann das schon mal passieren.

Der Zuckerberg-Konzern sei durch seinen Börsengang angreifbar geworden – das ist Google auch.

“Wenn ihr nicht mehr mitspielt, dann kann bei dem Unternehmen der Ofen schneller erlöschen, als ihm lieb ist. Gäbe es ein Netzwerk, das besser ist als Facebook – die Nutzer würden schon heute flüchten, wie damals von StudiVZ.”

Dieser Rant kommt mir irgendwie bekannt vor. Stimmt. Ist noch gar nicht so lange her. Bei der Einführung der Timeline Ende des vergangenen Jahres. Facebook, Google Plus und das Wechselspiel der Social Web-Nerds.

Siehe auch: 80 Millionen Vollidioten.

Eine Abwanderungsbewegung hat damals nicht eingesetzt. Wird es diesmal anders? Eure Meinung interessiert mich. Werde das am Mittwoch noch einmal aufgreifen. Statements also bis morgen Abend hier als Kommentar posten oder per E-Mail an: gunnareriksohn@googlemail.com

Datenschutz, Datenschatz und der Rausch der Tiefe: Überlegungen zu Facebook

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Der Facebook-Aktienkurs befindet sich “im Rausch der Tiefe”, wie es heise.de so schön ausdrückt. Heute erreichte das Papier einen neuen Tiefstand. “Gegen Mittag (Ortszeit) rutschte das Papier im New Yorker Handel unter die Marke von 30 US-Dollar, bewegte sich auf die 29 US-Dollar zu und liegt zur Stunde noch auf diesem Niveau. Das bedeutet einen weiteren Verlust von rund 7 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der vergangenen Woche. Auch verschiedene Berichte über mögliche Aktivitäten des sozialen Netzwerks vermochten den Kurs nicht zu befeuern. Die bereits vergangene Woche gemeldeten Spekulationen zur einer Übernahme von Opera ließen laut Financial Times lediglich die Aktie des schwedischen Software-Unternehmens steigen. Und die am Dienstag berichteten Pläne für ein eigenes Facebook-Smartphone konnten die Börsianer offenbar ebensowenig erwärmen wie die vom Blog Techcrunch kolportierte Übernahme des Gesichtserkennungs-Dienstes Face.com”, so heise.de.

Ist damit die Talsohle bald erreicht? Experten gehen davon aus, dass sich der Aktienkurs bei 25 bis 30 Dollar stabilisieren wird. Mal schauen. Etwas weniger aufgeregt als die Medienberichte der vergangenen Tage hat Marketing-Professor Ralf Kreutzer von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht im Interview mit mir ausgedrückt:

„Wenn man alle Phantasie schon einpreist, wohin soll sich ein Kurs dann entwickeln? Dann ist die Phantasie raus und es ist keine weitere Erwartung absehbar. Bis neue, innovative Konzepte präsentiert werden, die wirklich deutlich machen, dass es Facebook in Zukunft in viel höherem Maße wie bisher gelingen wird, ihren Datenschatz konsequent zu monetarisieren. Da sind jetzt die Manager von Facebook gefragt.“

Schaut man sich den Status quo der Geschäftsausrichtung an, sei Facebook gut positioniert, betont Professor Kreutzer: „Wir brauchen maßgeschneiderte Werbung. Mit der berühmten Gießkannenmethode kommen Unternehmen heute nicht weiter. Das ist viel zu kostenintensiv. Jetzt sind wir auf dem Weg, dass man an vielen Stellen One-to-One- Angebote machen kann. Ein Unternehmen spricht seinen einzelnen Kunden mit relevanten Angeboten sehr gezielt an. Das uns nicht alle Werbemaßnahmen gefallen, ist klar. Aber wenn ich pro Tag Werbung bekomme, für die ich ein Opt-in gegeben habe, dann signalisiere ich damit ja die Relevanz. Wenn ein Unternehmen das überstrapaziert, weil es mir drei E-Mails am Tag schickt, dann bin ich relativ frei, das auch wieder abzubestellen. Von daher haben wir schon viele Handlungsmöglichkeiten und ich würde mir von Seite der Politik wünschen, dass gesagt wird, Werbung ist genauso wertschöpfend, wie die Produktion eines Produktes. Wenn ich ein Produkt produziere und nicht werben darf und keiner mein Produkt kauft, dann bin ich als Unternehmen nicht erfolgreich“, so Kreutzer, der zum Thema „Marketing as a Service: Privacy and One-to-One Solutions – Two Sides of the Same Coin“ auf der Social Media Marketing-Konferenz in Amsterdam am 11. Juli einen Fachvortrag halten wird.

Was jetzt wichtig sei: Über die Verwendung des Datenschatzes müsse Facebook eine gesunde Sensibilität herbeiführen. Hier müsse der Nutzer für sich erkennen, wo er für alle sichtbar sein möchte oder wo nicht. Nachdem die ganze Börsenphantasie im Einstiegskurs schon enthalten war, sei Facebook jetzt gefordert, zu liefern.

„Es müssen zwei Sachen sichergestellt werden. Facebook muss in der Lage sein, für werbende Unternehmen relevante Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Und das muss gelingen, ohne Fans zu verlieren. Ich weiß nicht, ob wirklich die Aktionäre die großen Fans von Facebook sind. Ich glaube, es sind momentan eher die Nutzer. Hier ist der Zuckerberg-Konzern gut beraten, Vertrauen als zentrale Währung im Alltagsleben und im werblichen Umfeld immer wieder neu zu verdienen. Um deutlich zu machen, lieber Nutzer, du vertraust mir viele Daten an und du kannst mir auch vertrauen, dass ich mit diesen Daten vertrauensvoll umgehe. In beiden Feldern muss sich das Facebook-Management als guter Anwalt beweisen. Für Unternehmen und Kunden“, resümiert Marketingprofessor Ralf Kreutzer.

Bleibt spannend. Hier geht es zum gesamten Facebook-Opus aus meiner Feder.

Meine Service Insiders-Kolumne erscheint jetzt immer am Dienstag und die The European-Kolumne immer am Mittwoch. Dann kann ich an den Wochenenden mehr in den Biergarten pilgern, weniger sparen und den Euro stabilisieren. Stichwort Nieder mit dem Spardikat :-)

Interessant auch: Pipe macht Echtzeit-Filesharing über Facebook möglich, erschienen bei golem.de.

Facebook dominiert Social Media Marketing: Da könnten die Sterbeglöcklein von Weichert und Co. zu früh läuten

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Beim Social Media Marketing dominiert nach einem Bericht von t3n (E-Commerce-Studie 2012: Wie deutsche Onlineshops SEO, SEA und Social Media einsetzen) wenig überraschend weiterhin Facebook. “Mit großem Abstand folgen dann Twitter und Google+. Hier sind die Unterschiede in der Herangehensweise der einzelnen Shops aber auch noch sehr deutlich. Während beispielsweise Elektronikshops wie Apple oder TomTom sehr stark im Social Web präsent sind, ist die Sichtbarkeit in anderen Branchen wie Kosmetik, Arzneimittel oder Heimwerker noch sehr gering.”

t3n beruft sich auf die E-Commerce-Studie mit dem Titel „SEO, SEA und Social Media bei deutschen Online-Shops 2012“.

Warum kurz nach dem Börsenstart von Facebook schon die Sterbeglöcklein für den Zuckerberg-Konzern ertönen, ist nicht nachvollziehbar. Selbst die Kursrückgänge in den vergangenen Tagen sind kein Grund, in den Jammer-Chor von Bild und Co. einzustimmen. Mit was hat man denn gerechnet? Kurzfristige Rendite einheimsen in Daytrading-Zocker-Manier? Das ist doch in den vergangenen drei Jahren immer kritisiert worden.

Der Börsengang wird von Kritikern mit Spott und Häme bedacht, die schon vorher mit dem weltweit größten Social Network auf Kriegsfuß standen, wie der Datenschützer Thilo Weichert (Weichert, nicht Facebook hat ein Problem).

Kurz vor dem Niedergang der New Economy vor 12 Jahren schrieb übrigens die Bild-Zeitung noch, dass man Aktien kaufen solle.

„Wenn die eine ‚Kaufempfehlung‘ abgeben, sollte man das Gegenteil tun. Jetzt publiziert das Boulevardblatt das Gegenteil und wertet den Börsengang bereits als Flop. Das ist natürlich Unsinn. Genau das Gegenteil ist der Fall. Facebook konnte die Kassen füllen, was auch für die Aktionäre gut ist. Jetzt kann der Konzern nachhaltig seine Geschäftsstrategie entwickeln. Mark Zuckerberg hat von Anfang an gesagt, dass er den Börsengang umsetzen wolle, um die Weiterentwicklung seines Unternehmens als soziales Netzwerk sicherzustellen. Deshalb sind auch die eingereichten Aktionärsklagen wegen des Kursrückganges in den vergangenen Tagen nicht sachgemäß. Zuckerberg hat selbst vor dem Hype gewarnt und noch Tage vor dem Börsenstart klar auf die langfristige Ausrichtung seines Konzerns hingewiesen. Die Kurzfrist-Spekulanten fallen jetzt auf die Nase. Wer für die Aktie für 40 Dollar gekauft hat, erlebt ein böses Erwachen. Facebook ist kein Zockerpapier für schnelle Gewinne. Der Kursverlust ist eine gute Option, um Aktien zu kaufen für eine langfristige Perspektive“, sagt Karl-Heinz Land von Microstrategy.

Ähnliches konnte man auch beim Börsenstart von Google beobachten. Auch da hätten die Analysten von einem Kauf abgeraten und vor dem Google-Gaga-Effekt gewarnt. Mittlerweile habe sich der Wert der Google-Aktie verfünffacht. Das sei auch nicht über Nacht entstanden und brauchte seine Zeit. Im Konzert des Wehklagens habe ich die Gegenmeinung von Land etwas ausführlicher eingefangen.

Zu lesen unter: Facebook-Aktie nichts für Kurzfrist-Spekulanten: Aktionäre sollten auf die langfristigen Strategien des kalifornischen Konzerns setzen.

Facebook, Google Plus und das Wechselspiel der Social Web-Nerds

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Die Karrierebibel führt drei Gründe an, warum man nicht ausschließlich auf Facebook setzen sollte:

Fehlende Kontrolle und unerwartete Veränderungen werden als Argumente ins Feld geführt.

Die Ankündigung des neuen Timeline-Designs zeigt es eindrücklich: Änderungen im Aufbau und der Funktionsweise von Facebook können jederzeit statt finden. Die neuen Entwickler-Schnittstellen werden beispielsweise viele bestehende Facebook-Apps ausschließen. Und nicht alle Neuerungen werden so rechtzeitig und öffentlich angekündigt wie Timeline.

Nicht ganz so nachvollziehbar ist die eingeschränkte Reichweite:

Auch wenn Facebook gerne mit seinen 800 Millionen Nutzern – davon mehr als 20 Millionen in Deutschland – wirbt: Die Reichweite ist eingeschränkt. Gerade netzaffine Nutzer die auf Twitter und Google+ aktiv sind, meiden Facebook teilweise bewusst. Die Kommunikation rein über Facebook schließt daher einen wichtigen Nutzerkreis mit großer Multiplikator-Wirkung aus.

Mal abgesehen, dass es ziemlich dumm wäre, auf maximale Netzwerk-Effekte zu setzen, ist die bewusste Vermeidung kein Argument, Facebook zu meiden und deshalb beispielsweise auf Google Plus zu setzen. Das von Mark Zuckerberg vorgestellte Re-Design von Facebook hat so eine Art Kulturschock in der deutschen Netz-Elite ausgelöst. Von Stasi-Methoden, Entmündigung, Zwang zum Teilen und Stalking ist die Rede. Da mutet es schon grotesk an, wenn man öffentlich mit großer Geste den Ausstieg aus dem Facebook-Datenwahn und den Übertritt zu Google Plus verkündet. Für den Marketingexperten Felix Holzapfel bewegt sich der kritische Diskurs im Kreis.

Jedes Mal, wenn Facebook ein Update ankündigt, prophezeien die Meinungsmacher des Internets das Ende des Web-Imperiums. Holzapfel muss schon etwas Schmunzeln, wenn jemand sagt, dass er bei Facebook aussteigt, weil es datenschutztechnisch zu heikel wird und fortan seine Postings beim Suchmaschinen-Giganten unter die Leute bringt. Das sei nicht ernst zu nehmen. Da springt man von einem Übel ins andere. Auch der Vergleich mit AOL würde hinken. „Da war es für mich egal, ob meine Freunde Compuserve benutzen. Es war kein Mehrwert und auch kein Nachteil. Facebook hingegen ist so eine Art Schwarzes Loch im Social Web. Es saugt alles an. Je mehr Leute mitmachen, umso interessanter wird das Ganze. Google Plus ist spannend und gut gemacht. Da sind allerdings nur die Social Web-Nerds unterwegs. Lieschen Müller marschiert dort nicht hin“, so Holzapfel in einem Interview, das ich am Freitag mit ihm führte.

Weiteres heute in meiner The European-Montagskolumne nachzulesen: FACEBOOK UND DIE VERFÜHRBARKEIT: 80 Millionen Vollidioten.