Wir können mit Medien immer nur das tun, was ihre technische Ausstattung uns erlaubt. Das gilt besonders fürs Fernsehen – vor allem bei Sendungen, die live ausgestrahlt werden. Übertragungen liefen in der Vergangenheit nur mit hohem technischen Aufwand und entsprechend hohen Kosten – von aufwändiger Kameratechnik bis zum Ü-Wagen. Im Internet wird auch diese letzte Bastion der Massenmedien angegriffen, wo der Zuschauer nur passiver Konsument ist.
Mit dem Google-Dienst „Hangout on Air“ kann jeder sein eigener TV-Produzent werden. Die Technologie ermöglicht Liveübertragungen von fast jedem Ort der Welt. Man braucht nur einen Internet-Zugang, ein Google Plus-Konto und ein Youtube-Konto, eine halbwegs vernünftige Web-Kamera, ein solides Mikrofon mit USB-Anschluss und eine gute Beleuchtung. Fertig ist das Fernsehstudio. Vereine, Verbände, Firmen, Hobbybastler, Bauern, Sportler, Briefmarkensammler, Schachfreunde, Künstler, Schriftsteller oder Maler können sich im Netz über Live-Videos präsentieren und mit der Netzöffentlichkeit in Kontakt treten. Direkt nach der Live-Sendung liegt das Video auf dem eigenen Youtube-Kanal als Aufzeichnung vor und kann im Netz dauerhaft abgerufen und geteilt werden. Auf Websites, Blogs, Facebook, Google Plus, Twitter und Co. Kein Live-Ereignis geht verloren.
Im Bloggercamp-Gespräch mit Dennis Schenkel von der Plattform rally.org haben wir diskutiert, was man beim Start eines Crowdfunding-Projektes so alles beachten muss.
Das Ganze ist arbeitsintensiver als man denkt. Das spüren wir auch bei unserem Un-Buch-Projekt zur Popularisierung des Streaming-Dienstes „Hangout on Air“ von Google.
Da müssen wir noch einige Stellschrauben verändern, um über den jetzigen Unterstützerkreis hinaus noch weitere Menschen zu begeistern, mit kleinen oder großen Beträgen unser Vorhaben zu finanzieren.
Aber das macht ja auch den Charme unserer der Kraut-Ökonomie aus. Man muss als Anbieter von Ideen, Dienstleitungen und Produkten seine potentiellen Kunden erst einmal überzeugen, bevor eine Finanzierung unter Dach und Fach ist. Planungen im stillen Kämmerlein reichen da nicht aus. Wir erkennen sehr genau, wie wenig bekannt der Dienst von Google Plus ist. Bei fast allen Gästen, die wir bislang in unsere Gesprächsrunden eingeladen haben, ist es eine Premiere. Und alle sind danach von den Möglichkeiten für die Liveübertragung von Videokommunikation – in Kombination mit der Aufzeichnung auf Youtube – begeistert und planen eigene Formate.
So auch unser heutiger Gast Dennis Schenkel, der überlegt, eine Live-Talkshow zum Thema Crowdfunding auf die Beine zu stellen. Und natürlich werden wir sein Vorhaben unterstützen und in unser Un-Buch mit aufnehmen. Schließlich wollen wir ja Anregungen für Hangout on Air-Experimente geben und darüber auch berichten. Gute Gründe, um unser Startnext-Projekt kräftig zu unterstützen 🙂
Im gestrigen Werkstattgespräch über unser Un-Buch (es erscheint als Website und als eBook) zur Streaming Revolution mit und über Hangout on Air – also Videokommunikation, die live ins Netz übertragen wird – wurde uns empfohlen, die Projektidee etwas kürzer und verständlicher zu vermitteln. Hier ein Versuch:
Es gibt Textstrecken, Youtube-Videos mit Demos, Experteninterviews in Hangouts on Air, Lesungen von fertigen Texten in Hangouts on Air mit Unterstützern und Interessenten (um direkt die Verständlichkeit der Texte mit den Lesern zu überprüfen), Vorstellung von neuen HOA-Projekten und, und, und. Ist halt ein fließendes Buch oder Un-Buch mit einem Starttermin aber keinem Endpunkt. Es soll ein Projekt des Teilens und Zusammenarbeitens sein sowie neue Entwicklungen der Videokommunikation immer wieder aufgreifen. Das ist mit einem gedruckten Buch nicht möglich – vielleicht mit Zeitverzögerung in weiteren Auflagen – aber das passiert ja nur mit Bestsellern ;-)
Alles weitere kann man sich in der Aufzeichnung unserer gestrigen Live-Diskussion anschauen. Da braucht man allerdings mehr Zeit. Etwas für die Abendstunden:
Und hier ein Erklärvideo von Hannes Schleeh für die ersten Schritte zum Livestream:
Begleitet werde das Ganze mit einem Blog, der in Kürze startet und sich nicht auf das Ausspeien von Nachrichten im Stile eine Aggregators reduzieren soll.
„Crowdfunding ist eine Methode, um Projekte zu finanzieren. Aber nicht durch einen einzigen Geldgeber, wie es Startups in der Regel machen über Risikokapitalgeber, sondern durch viele Investoren. Man sucht sich eine breite Masse, die bereit ist, eine Idee zu unterstützen. Das müssen nicht 1000 Euro pro Person sein. Es sind vielleicht nur fünf Euro. Entsprechend geringer ist die Hemmschwelle bei den Geldgebern. Entscheidend sind die Internet-Plattformen, die das organisieren“, erläutert Schenkel.
Es könne ein soziales Anliegen sein, etwa der Bau eines Kindergartens, oder technische Produkte, Musik, Literatur sowie Kunst.
„Man bekommt also eine Gegenleistung. Das können auch Anteile an einer Firma sein. Bei Spendenaktionen ist es eher ein gutes Gefühl. Bei Wahlkämpfen kann es die Unterstützung eines Kandidaten oder einer Partei sein.“
So wurde Rally vom Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney genutzt, um Spenden online einzusammeln – rund 300 Millionen Dollar.
Das alles klingt einfach, sollte aber in der Umsetzung nicht unterschätzt werden. Etwa bei der Auswahl der richtigen Plattform, bei der Kommunikation der Idee, bei der richtigen und verständlichen Präsentation über Videos und Projektblogs, bei der Ansprache von Communities sowie bei viralen Kampagnen im Netz.
„Das ist ein zeitaufwändiges Unterfangen. Es geht um die nötige Aufmerksamkeit, die ich meinen Unterstützern entgegenbringen muss – egal, ob sie mir fünf oder fünftausend Euro geben. Man muss zuvorkommen und ehrlich sein. Aufkommende Fragen müssen direkt beantwortet werden. Wer etwas verschweigt, muss mit dem Scheitern seiner Kampagne rechnen. Also sollte man offen mit Problemen umgehen“, rät Schenkel.
Auch nach der Finanzierung müsse man mitteilen, was mit dem Geld gemacht wurde. Das könnte sich sonst auf Folgeprojekte negativ auswirken.
„Networking ist alles. Man geht zu Events, man redet mit den Leuten, man redet über die eigene Kampagne und animiert andere, die Crowdfunding-Idee weiterzutragen. Wenn meine Kampagne nicht bekannt wird und auf einer Plattform herumdümpelt, kommt auch kein Geld rein“, sagt Schenkel.
Bin auf seinen Vortrag gespannt. Denn wir laufen ja jetzt beim Projekt über die Streaming Revolution Hangout on Air in eine entscheidende Finanzierungs- und Konzeptionsphase.
„Ab jetzt kannst du alle erdenklichen Kommunikationskanäle nutzen, um dein Crowdfunding-Projekt bekannt zu machen. Veröffentliche am besten gleich einen Beitrag in deinem Projektblog, um deine Fans zu informieren.“
Die Finanzierungsmöglichkeiten haben wir in unserer ersten Schreibwerkstatt erläutert.
Jetzt geht es also richtig los und wir freuen uns über jeden Unterstützungsbeitrag – ob klein oder groß.
Einen sehr einfallsreichen Unterstützungsbeitrag leistete übrigens Andreas Prokop mit einem Echtzeit-Mashup unserer Live-Sendung.
Die Netzbetreiber erhoffen sich hohe Umsätze aus der digitalen Transformation der deutschen Wirtschaft. Doch diese Hoffnungen könnten sich als Blütenträume erweisen. Die Wirtschaft ist seltsam lustlos auf dem Weg in eine vernetzte Ökonomie. Sie suhlt sich in ihren Erfolgen als Exportnation aus den guten alten Tagen der industriellen Massenproduktion und spekuliert auf eine industrielle Renaissance. Die Politik ergeht sich in aktionistischer Symbolpolitik (als jährlicher Höhepunkt sichtbar auf dem Altherren-IT-Gipfel) und bringt noch nicht einmal die eigenen eGovernment-Projkte erfolgreich auf den Weg (Bund Online als Stichwort: Die digitale Kompetenz der Bundesregierung – Placebo-Lutschpastillen). Deutschland verliert international den Anschluss und gleitet ins digitale Mittelmaß ab, wie Dr. Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company konstatiert. Er spricht sogar von einer technologiefeindlichen Einstellung der Wirtschaft.
Morgen geht es in meiner The European-Kolumne natürlich auch um das Thema „Lustlos im Netz“. Anregungen, Kommentare, Meinungen, Studien kann ich heute noch so bis 16 Uhr verarbeiten. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe zu unseren beiden Sendungen #bloggercamp
„Die Kunden betrachten uns nicht als Anlaufstelle für E-Reader, dafür gehen sie ins Netz oder zum Elektronikmarkt“, bringt es ein Buchhändler auf den Punkt. Es müsse deutlicher kommuniziert werden, dass E-Books und E-Reader in jeder gut geführten Buchhandlung erhältlich seien.
Zwar seien E-Reader fast täglich ein Gesprächsthema, doch der Beratungsaufwand sei zu hoch und münde eher selten im Kauf vor Ort.
„Die meisten Kunden wanderten ab zu Amazon oder zu Elektronikfachgeschäften mit günstigeren Preisen und einem breiteren Sortiment. Sollte der Kunde den E-Reader dennoch im Buchhandel kaufen, verdiene der Sortimenter aufgrund der unterdurchschnittlichen Margen zu wenig“, schreibt Buch.
Stammkunden würden verloren gehen, weil sie sich einen E-Reader gekauft haben und sich andernorts mit Lesestoff versorgen, aus Händlersicht vor allem bei Amazon. Möglicherweise sei man dem E-Book-Trend zu spät gefolgt und habe so Amazons Kindle das Feld überlassen. Gegen Amazons Übermacht könne der Handel nicht allein ankämpfen. Die Branche müsse die Nutzungsbedingungen vereinheitlichen, Hersteller bessere Lesegeräte frei von „Kinderkrankheiten“ anbieten. Auch mehr Unterstützung durch die Barsortimente werde gewünscht.
Ist das die Antwort auf die Krise des stationären Buchhandels? Klingt ein wenig nach reiner Abwehr. Vielleicht sollten auch die Buch-Geschäfte mal überlegen, wie sie die Bindung zwischen Autoren und Lesern auf eine neue Stufe bringen – etwa mit der Live-Übertraung von Lesungen via Hangout On Air. Oder die Unterstützung von Autoren der Region beim Schreiben von E-Books. Mehr experimentieren, weniger lamentieren.
Im zweiten Halbjahr möchte ich eine Biografie über eine Persönlichkeit schreiben, die in Literaturkreisen sehr bekannt ist. Verrate aber noch nicht, wer das ist 🙂 Der Entstehungsprozess läuft über Interviews und die möchte ich in der Buchhandlung der Remmel-Brüder in Siegburg via Hangout On Air führen – unter Einbeziehung der Gäste, die in die Buchhandlung kommen und natürlich unter Einbeziehung der Netzöffentlichkeit. Jeden Monat eine Interview-Session, bis genügend Stoff zum Schreiben der Biografie vorliegt. Wird wohl einige Monate in Anspruch nehmen, da ich das nicht jeden Tag bearbeiten kann. Andreas und Paul Remmel sind von der Idee begeistert!
Rein virtuell über Hangout on Air-Sessions läuft der Schaffensprozess des Streaming-Revolutions-Buches, das ich zusammen mit Hannes Schleeh schreibe – finanziert als Crowdfunding-Projekt über die Plattform Startnext. Jede Woche gibt es dann eine Blogger Camp-Schreibwerkstatt.
Offizieller Start ist in der nächsten Woche. Bis zur Republica im Mai wollen wir die erste Version des Werkes fertig haben. Hier schon mal unser Pitch-Video.
Vielleicht gibt es ja Buchhandlungen in der Region, die uns begleiten wollen, um auch eigene Ideen zu entwickeln. Denn unser Projekt möchte auch neue Hangout On Air-Projekte anregen, die natürlich dann wieder Bestandteil des Buches werden. Wir sind für alles offen. In der nächsten Woche folgen noch weitere Infos, wie man uns unterstützen kann. Wir hören und sehen uns.
Mit seinem neuen Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“ will der Autor Dirk von Gehlen aufzeigen, wie das Ablösen der Daten von ihrem Träger auch ihre Form verändert. „Sie tauen dadurch auf, verflüssigen sich“, schreibt er im ersten Kapitel „Ergebnis plus Erlebnis: Geht raus und spielt!“ Als Unterstützer des Werkes über die Crowdfunding-Plattform Startnext werde ich über jeden Fortgang des Schreibens informiert. Gehlen lässt seine Leser nicht nur partiell entscheiden, „sondern am gesamten Prozess des Buchschreibens teilhaben. Die Leser werden zu Experten für seine Sache und der Autor übernimmt die Rolle eines Salon-Betreibers, der Vorschläge macht, moderiert und der am Ende ein Werk zusammenbindet, das im Idealfall ein aus den Diskussionen entstandenes Gemeinschaftsprodukt ist“, erläutern die Zeit-Redakteure Maximilian Probst und Kilian Trotier, die ein schönes Stück das über kollektive Bücherschreiben im Netz verfasst haben.
350 Menschen, die das Gehlen-Buch finanziell unterstützen, sind live dabei, wenn der Autor sein Buch schreibt, Kapitel für Kapitel.
„Interviews stellt er auf eine Google-Docs-Plattform, sodass alle die Texte lesen können; und immer wenn er selbst etwas schreibt, schickt er per Mail herum, wartet auf Kommentare, ändert Stellen, fügt Links hinzu, die ihm seine ‚Crowd‘ zusendet“, so die Zeit.
Der Autor werde zum Leiter einer Künstlervilla, stellt seine Textfragmente vor und diskutiert mit den Gästen den Schaffensprozess. Nicht das Endprodukt ist der Fixstern, auf den alles hinausläuft, der Sinn liegt im fortlaufenden Prozess.
Gehlen formuliert eine sehr schöne Analogie zum Sport und erwähnt den Sportmoderator Marcel Reif, der von einem seiner ersten Spiele erzählt, die er fürs Fernsehen kommentierte. Ein EM-Eishockeyspiel von 1985, an das ich mich auch noch gut erinnern kann. Es spielten die Tschechen gegen die Russen – oder besser gesagt Sowjets. Ein Nachklang des Prager Frühlings mit den Mitteln des sportlichen Wettkampfs. Klein gegen Groß, Macht gegen Ohnmacht, Gut gegen Böse. Und die Tschechoslowakei gewann sensationell mit 2 zu 1.
Aber das Ergebnis war für Reif gar nicht so entscheidend. Was von einem Spiel bleibt, sei häufig nicht das Resultat, sondern nur ein Klang, ein Bild.
Und genau um diese Klänge und Bilder geht es Gehlen in seinem neuen Buch. Er versteht den Sport als Metapher für die Art und Weise, wie Kulturprodukte entstehen:
„Ich glaube, dass die Digitalisierung es erstmals in der Geschichte der kulturschaffenden Menschheit möglich macht, diese Klänge und Bilder darstell- und miterlebbar zu machen.“
Es geht um das gemeinsame Erlebnis, das mindestens genauso wichtig ist, wie das Ergebnis.
Und genau an diesem Punkt wollen Hannes Schleeh, Mitorganisator des Bloggercamps, und ich ansetzen. Klänge und Bilder sind für unser Vorhaben die richtigen Stichworte. Wir starten in der nächsten Woche ein Buchprojekt mit dem „Arbeitstitel“: Die Streaming-Revolution – Ein fließendes Buch über Hangout on Air.
Es ist eine Idee, wie man das lineare Buch weiter aufbrechen kann – neben den bekannten Methoden, die bei E-Books als Zusatzmaterial zum Einsatz kommen wie Videos, Audiomaterial und Bilder. Ihr könnt Euch vielleicht denken, was wir da bei unserem Schaffensprozess in den Vordergrund stellen….:-) Vielleicht wird der Unterstützerkreis noch aktiver eingebunden und vielleicht entstehen aus einem Hangout On Air-Projekt völlig neue Hangout On Air-Projekte, die wiederum Teil des verflüssigten Buches werden 🙂
In der Blogger Camp-Runde gab es ja schon einige Anregungen:
Mehr dazu in der nächsten Woche. Wir sehen und hören uns.
„Mit dem Internet kommen neue Möglichkeiten und Aufgaben hinzu. Media Literacy hat hier eine völlig neue Bedeutung. Denn jetzt geht es nicht mehr nur um eine Schlüsselkompetenz. Es geht um eine neue literarische Artistik. Autoren schreiben neben Büchern, Erzählungen und Essays auch Blogeinträge. Sie twittern. Sie bedienen die eigene Seite und die Seiten anderer bei Facebook mit Einfällen, Aphorismen und Kommentaren und laden kleine Videobeiträge von sich bei youtube hoch, die sie dann wiederum auf anderen Plattformen und im eigenen Blog verlinken.
Erfolgreiche Schriftsteller verwandeln sich deshalb in Transmedia Storyteller. Im Mittelpunkt ihrer die alten Grenzen überschreitenden Erzählungen stehen sie selbst. Und weil sie wissen, dass sie dafür gut vernetzt sein und selber laufend neue Netze knüpfen müssen, wissen sie auch: Es geht darum, so smart zu sein wie das Telefon, das man in der Tasche trägt. Immer erreichbar, anschlussfähig, multitasking-fähig, beliebig zu erweitern und zu transformieren.“