Gaming und Politik: Wie man mit Starcraft die digitale Wende schafft #rp13

Starcraft änderte alles

Nur nicht in Deutschland – so müsste ich eigentlich die Überschrift ergänzen, wo wir doch in kulturpessimistischen Endlos-Debatten wertvolle Zeit verplempern, um Millionen von Computerspielern als Suchtkranke zu stigmatisieren (Methode Manfred Spitzer) oder als potenzielle Serienkiller zu diskriminieren.

Dabei gibt es weltweit mehr weiblicher Gamer im Alter von über 55 Jahren als Gamer im Teenager-Alter.

„Die ganze Idee, dass Computerspieler kleine, männliche, picklige und weißgesichtige Wesen sind, die im Dunklen sitzen und keinen Kontakt zur Außenwelt haben, gehört ins Reich der Märchenerzählung“, so Christoph Deeg in seinem Vortrag über die asiatische Gaming-Kultur auf der republica in Berlin.

Beim vielgescholtenen Spiel World of Warcraft handelt es sich um eine komplexe Welt mit eigenem politischen System, einer eigenen Wirtschaftsordnung, speziellen Strategiesystemen und Tools zur Informationsverarbeitung, die kontinuierlich weiterentwickelt wird.

„Bei Hauptschülern, die World of Warcraft spielen und in Deutschland keinen Abschluss bekommen, versagen nicht die Schüler, sondern die Schulen“, kritisiert Deeg.

Wie könne es sonst sein, dass Unternehmen wie Starbucks explizit nach Mitarbeitern suchen, die Gildenführer bei World of Warcraft sind. Über ein Spiel wie Pokemon würden Kleinkinder schneller Lesen und Schreiben lernen als in der Schule. Der große Unterschied zum Alltag in der Schule ist dann noch der Spaßfaktor. Bei Pokemon lernen Kinder Wortbedeutungen wesentlich schneller, weil sie sonst im Computerspiel nicht weiterkommen – aber ohne Druck und Zeigefinger von außen. Sie haben einfach Spaß am Lernen.

Einer der größten Wikis der Welt, wahrscheinlich der größte nach Wikipedia, ist der von World of Warcraft. Gamer nutzen alle möglichen Formen von Social Media-Plattformen für Recherchen, Wissensmanagement, Kooperation und Interaktion.

„Die sind von dem, was in der Schule geboten wird, komplett unterfordert. Gamer lieben es, eine neue Sache zu finden, sie zu posten und mit anderen zu teilen“, betont Deeg.

Das Potenzial der Gaming-Szene in Deutschland sei zudem wesentlich größer als die Netzbewegung, die sich auf der republica in Berlin versammelte. Auf der Gamescom in Köln kommen Hunderttausende – dort könne man sehen, was eine digitale Gesellschaft wirklich ist.

Gleiches gilt für die Wirtschaft. Die besten Community-Manager kommen aus der Gaming-Industrie. Immer mehr Unternehmen möchten gerne Mitarbeiter für bestimmte Managementaufgaben rekrutieren, die neben ihrer beruflichen Qualifikation vor allem Gamer sind. Es gibt nach Erkenntnissen von Christoph Deeg mittlerweile Headhunter, die sich darauf spezialisiert haben, Gamer zu finden, die Gildenführer bei World of Warcraft sind und einen guten BWL-Abschluss haben. Gaming hat eben sehr viel mit Lernen zu tun.

„Und dann haben wir aber noch eine andere Zahl. 15 Prozent!. Das ist die Anzahl der Schüler, die in Deutschland täglich den Computer nutzen dürfen. Allerdings nicht für die Entwicklung von coolen Social Media-Tools oder komplexen Netzstrategien. Sie dürfen ab und zu eine Recherche im Internet machen oder eine Powerpoint-Präsentation bauen“, kritisiert Deeg, der im Frühjahr eine längere Asien-Reise absolviert hat.

Dabei hätten wir gute Voraussetzungen, um Gaming zum elementaren Bestandteil der Arbeit in Schulen und Universitäten zu machen. Bildungspolitiker, Kultusministerien und selbst Feuilleton-Redakteure sehen so eine Forderung eher als Kriegserklärung. Sie würden wohl lieber eine Sonderauflage des Manfred Spitzer-Buches über Digitale Demenz in Auftrag geben als Freikarten für die Gamescom zu organisieren.

Aber Christoph Deeg hat einen interessanten Aspekt in die Diskussion geworfen, mit dem wir auch die Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Ganzen analysieren können:

„Der Umgang einer Gesellschaft mit Gaming ist ein wunderbarer Indikator für die Digitalisierungs-Stufe einer Gesellschaft.“

Und da befinden wir uns noch im digitalen Mittelalter, wie es Deeg im Bloggercamp-Interview auf der republica pointiert zum Ausdruck brachte.

Gaming habe in Asien den gleichen Stellenwert wie Besuche in der Oper oder im Theater. In Südkorea seien die Pro-Gamer – also die Profispieler, Superstars. Bei uns ein Randphänomen unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit.

Pro-Gamer in Aktion

Gaming ist in Ländern wie Japan, Südkorea und verstärkt auch in China fester Bestandteil der Alltagskultur. Es wird als Katalysator begriffen, um die gesamte Gesellschaft mitzunehmen auf dem Weg zur Digitalisierung. Ein Spiel wie Starcraft wird von der Regierung als Instrument gesehen, um die Voraussetzungen für eine digitale Gesellschaft zu schaffen. Entsprechend werden von Regierungsorganisationen alle Ressourcen zur Verfügung gestellt, damit möglichst jeder an die Gaming-Kultur herangeführt wird. Das wäre derzeitig in Deutschland undenkbar, moniert Deeg.

Konzerne wie Samsung sind ein fester Bestandteil dieser Strategie. Entsprechend wichtig ist die Gaming-Industrie als Wirtschaftsfaktor.

Bis 1995 zählten Wirtschaftszweige wie die Schwerindustrie und die chemische Industrie zu den Grundpfeilern der südkoreanischen Volkswirtschaft. Dann kam die Asienkrise und führte zu einem Aderlass bei den industriellen Arbeitsplätzen. Was machte die Regierung? Sie entschied sich für eine Zäsur und digitalisiert die Gesellschaft. Sie sorgte dafür, dass alle Menschen Zugang zum Internet haben und auch wissen, wie das funktioniert. Es ist eine Entscheidung getroffen worden, wie wir in Deutschland bis heute noch nicht gemacht haben: Ob wir nun eine digitale Gesellschaft sein wollen oder nicht?

„Deshalb passieren bei uns so komische Sachen wie mit der Drosselkom“, bemerkt Deeg.

In Südkorea drosselt man nicht, sondern investierte über den „Framework Act on Information“ zweistellige Milliarden Beträge in den Bau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes und in die Entwicklung von Software sowie Hardware.

Alle Klassenräume sind entsprechend umgebaut worden. Wir hingegen ergehen uns in Labereien, ob denn nun Computer in Schulen sinnvoll sind oder nicht.

Aber auf die Infrastruktur beschränkte sich Südkorea nicht. Die Regierung formulierte das Ziel, allen Menschen zu helfen, um Teil der digitalen Welt zu werden.

Rund zehn Millionen Koreaner haben spezielle Internet-Schulungen bekommen in einem Land mit 50 Millionen Einwohner. Das Ergebnis kann sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihren IT-Gipfeln hinter den Spiegel stecken. 95 Prozent der Haushalte hatten schon 2008 Anschlüsse mit 20 MBit pro Sekunde. Aktuell sind es sogar schon 100 MBit. Über 20.000 Internet-Cafés wurden gebaut. Und, und, und.

Also ist die Gaming-Szene wohl netzpolitisch ebenso interessant für die Netzbewegung wie die Youtube-Stars – manchmal gibt es hier ja auch eine Schnittmenge.

Bis zur Gamescom, die vom 21. bis 25. August in Kölle stattfindet, will ich dieses Thema vertiefen. Und natürlich auch auf der Gamescom. Am Pressetag – schon traditionell mit meinem Sohn Constantin Sohn. Und dann am ersten oder zweiten Messetag über Live-Interviews mit einem mobilen Studio.

Siehe auch meinen Aufruf auf Youtube:

MANGELNDER POLITISCHER EINFLUSS DER NETZGEMEINDE.

Zwei Sichtweisen · #rp13: Zeit für re:alpolitik?

So. Und jetzt habe ich Hunger und gehe zum China-Wok-Mann in Bonn-Duisdorf.

Bloggercamp auf dem Weg zur #rp13 #rpStory13

Hannes rp13-Mobil

Hannes Schleeh ist mit dem Bloggercamp-Mobil schon auf dem Weg nach Berlin. Ich folge nachmittags mit dem Flieger.

Das Equipment für das mobile Bloggercamp-Studio:

Mobiles Bloggercamp Studio

Und natürlich ein Erkennungszeichen für die Interviews am Dienstag von 15 bis 18 Uhr im ersten Stock des Veranstaltungsgebäudes.

Bloggercamp Branding

Wir sehen und hören uns auf der republica 🙂

Meine Programmplanung.

Ein Beitrag in der Reihe: Visuelles Storytelling: Blogparade zur re:publica 2013

Meine #rp13 Planung #rpStory13

Klein-Gunni sondiert

Damit man nicht vollends die Orientierung verliert, bei den vielen interessanten Sessions, die die republica in diesem Jahr wieder bietet, habe ich mir mal die Mühe gemacht, eine personalisierte rp13 vorzuplanen.

Eröffnung der rp12

Beginnt natürlich mit der Eröffnung am 6. Mai mit Andreas Gebhard, Markus Beckedahl, Tanja Haeusler, Johnny Haeusler von 10:15 bis 11:00 Uhr, Stage 1.

Hurtig zur Stage 3 sprinten, denn von 11:00 bis 12:00 berichtet Lorenz Matzat über die maschinenlesbare Regierung.

Von 12:15 bis 13:15 kann man sich wohl wieder über einen launigen Vortrag von Gunter Dueck freuen, der in Stage 1 zum metakulturellen Diskurs aufrufen möchte.

Kleine Mittagspause und dann geht es weiter in Stage 2 von 14:00 bis 14:45 weiter mit Kathrin Passig zum Thema „Mass Customization: Da geht noch mehr“.

Dann schnell wieder rüber sprinten in Stage 1, um meinem Kumpel Wolf Lotter zu lauschen, der über „Informationen rein, Wissen raus. Wie wird das Netz zur Lernmaschine?“ redet. Von 14:30 bis 14:45 Uhr. 15 Minuten so am Nachmittag sind sicherlich zu verkraften.

Kleine Kaffeepause, um von 16:00 bis 17:00 in Stage 2 etwas über Youtube-Stars zu erfahren.

17:15 bis 17:30 noch einmal Wolf Lotter und seine herrlichen Thesen zum Ende des alten Kapitalismus und das in Stage 2 – kann also sitzen bleiben.

Praktisch. Wieder geht es in Stage 2 weiter mit Mercedes Bunz und Diedrich Diederichsen, die sich mit den deutschen Diskussionen über das Internet auseinandersetzen, die vor allem von einem geprägt ist: ganz viel Angst. Von 17:30 bis 18:15 Uhr.

Hof-Geflüster

So, nun wohl ein Bierchen schlürfen – richtig tanken, um von 19:45 bis 20:45 Uhr den Überraschungsvortrag II von Sascha Lobo zu hören. Natürlich Stage 1. Ehre, wem Ehre gebührt.

Mal schauen, ob ich das durchziehe.

Am 7. Mai besuche ich wohl in Stage 4 von 10:00 bis 11:00 Uhr die Session über: „Das kleine Digitale und das große Ganze. Internetaktivismus, Netzbewegung und Politik“.

In Stage 7 dann von 11:15 bis 12:15 Uhr „Goldene Zeiten für Entrepreneurial Science Journalism?“.

Kurze Pause, dann weiter mit „Digital Labor: New Opportunities, Old Inequalities“, hier geht es in Stage 2 mit Trebor Scholz von 12:30 bis 13:30 Uhr.

Von 13:45 bis 14:45 in Stage 1: „Das vernetzte Auto – wie verändert sich unsere Mobilität? Ein Gespräch mit Dieter Zetsche.“

Merkel-Hangout-Mashup

Von 15:00 bis 18:00 Uhr mache ich mit Hannes Schleeh einige Kurzinterviews, die wir live via Hangout ins Netz streamen wollen. So fünf bis zehn Minuten. Wahrscheinlich im ersten Stock des Tagungsgebäudes – da gab es zumindest im vergangenen Jahr LAN-Anschlüsse. Mit dem W-LAN der republica wird das auf keinen Fall funktionieren. Wer also von uns interviewt werden möchte, sollte sich einfach in den ersten Stock begeben und auf ein Plakat mit Bloggercamp.tv achten.

Bin gespannt, ob ich danach noch irgendetwas besuche oder direkt zum Gerstensaft übergehe.

Am 8. Mai erst einmal meiner Mutti zum 84. Geburtstag gratulieren, wohne ja bei ihr im Seniorenstift. Dann in Stage 6 den Soziologen mit dem Künstlernamen Klaus Kusanowsky von 10:30 bis 11:00 Uhr erleben. Unser Hangout-Interview litt vor ein paar Wochen an Leitungsproblemen. Klaus hat wohl nicht genügend Bandbreite 🙂

Von 12:30 bis 13:00 interessiert mich in Stage 7 die Session über „Die Vermessung der Social Media-Welt: Multiplikatoren im Netz, ihre Themen und Resonanz im Bundestagswahlkampf.“

Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow werden in Stage 2 von 13:45 – 14:45 Uhr mit Sicherheit eine provokative Stinkbombe zünden mit „Die Digital Natives ziehen in den Krieg“. Vielleicht besuche ich aber doch eher die Präsentation von Christoph Deeg, der seine Erfahrungen zur Gaming-Kultur in Asien vortragen wird in Stage 6.

Von 15:00 bis 16:00 Uhr muss man in Stage 1 natürlich Cory Doctorow erleben mit „It’s not a fax machine connect to a waffle iron“.

Und dann mache ich mich auf den Weg zur Geburtstagsfeier meiner Mutti. Am 9. Mai geht es wieder nach Hause.

Eine richtige gute Fotostory zur rp13 ist das natürlich noch nicht. Da folgt dann nächste Woche was.