Gaming: Der unterschätzte Kulturfaktor in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – Interview zur #Gamescom2014

Gamescom

Der Mensch ist ein Spieler – und ohne seine Lust und Fähigkeit zum Spielen hätten sich viele Kulturformen nicht entwickelt: Dichtung, Recht, Wissenschaft, bildende Kunst oder Philosophie. Das hat der Kulturphilosoph Johan Huizinga schon vor rund 75 Jahren in seinem Buch „Homo Ludens“ konstatiert. Keine neue Erkenntnis also. Wenn man sich Schulen, Universitäten, Unternehmen und die Politik in unserer heutigen Zeit anschaut, ist davon nicht sehr viel übrig geblieben – in Deutschland. Gibt es einen Lehrstuhl für Ludologie? Fehlanzeige. Den findet man aber an der dänischen Kunstakademie, wo sich Jesper Juul wissenschaftlich mit Spielen und besonders mit Videogames auseinandersetzt. Gibt es Unternehmen, die sich im Management mit den Vorzügen des Spiels beschäftigen? Die muss man mit der Lupe suchen. Gibt es politische Initiativen, die die Gaming-Branche als Katalysator für die Digitalisierung nutzen? In Südkorea mit ihrem Framework Act on Information schon. Dort wurden und werden staatliche Milliarden-Beträge in die Hand genommen, um die Digitalisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Auch in anderen Ländern findet man sehr schöne Beispiele, Gaming und Gamification als Wirtschaftsfaktor zu nutzen. Wenn aber Dorothee Bär als parlamentarische Staatssekretärin des Bundesverkehrsministeriums auf der Gamescom mit dem Statement aufwartet, Gaming als Impulsgeber für die Digitale Agenda der Bundesregierung zu sehen, kann das nur als Lachnummer gewertet werden.

All das habe ich in einem ichsagmal.com-Gespräch mit Roman Rackwitz, Gründer und Vorstandschef von Engaginglab, diskutiert. Ein längerer Bericht folgt nächste Woche. Weitere Statements zum Hangout-Diskurs sind hoch willkommen. Bis Dienstagvormittag habt Ihr Zeit, hier Kommentare zu posten oder mir via E-Mail etwas zu schicken, die ich dann für meine Mittwochskolumne verarbeite. E-Mail: gunnareriksohn@gmail.com

Vielleicht sollten wir auch Streitigkeiten im Social Web spielerischer angehen 🙂

Heute um 19:30 Uhr #Bloggercamp-TV: Gamification und Netzpolitik

Bloggercamp

Als Reaktion auf meinen gestrigen Blogpost schrieb Klaus Eck:

„So langsam scheint das Thema #Gamification doch seinen mühsamen Weg in die Öffentlichkeit zu finden und das ist gut so…“

Dem wollen wir weitere Taten folgen lassen und natürlich nicht bis zur Gamescom im August warten.

Siehe etwa meine heutige The European-Kolumne mit dem Titel: Spielende Veränderung – Gaming statt Hierarchien: Wie Computerspiele das politische System verändern könnten. Das Opus wird hoffentlich ordentlich im Social Web verbreitet und gibt Denkanstöße für den netzpolitischen Diskurs.

Heute Abend, von 19:30 bis 20:00 Uhr, geht es dann weiter mit einer Bloggercamp-Sendung, in der wir über „Gamification statt Hierarchien“ sprechen und auch Überlegungen anstellen, wie die Gaming-Community im Schulterschluss mit der Netzgemeinde aktiviert werden könnte etwa zur Drosselpolitik der Telekom. Meine Gäste sind Roman Rackwitz „Engaginglab – regime of competence“ sowie der Powergamer und Informatikstudent Constantin Sohn – also der Sohn vom Sohn. Hashtag für Zwischenrufe während der Livesendung wie immer #Bloggercamp.

Hannes Schleeh ist diesmal nicht dabei – er genießt seinen wohlverdienten Urlaub. Neid.

Roman wird auch beim GameCamp in München Ende Juni eine Session über Gamification anbieten.

Wer heute Abend noch spontan in der Hangout-Sendung dabei sein und mitdiskutieren möchte, kann sich gerne bei mir melden.