Neue Ideen für die netzpolitische Agenda gesucht!

hangout_snapshot_0 Netzpolitik

Im Bloggercamp-Gespräch mit Matthias Schwenk haben wir darüber sinniert, wie die netzpolitische Agenda erweitert werden könnte – also Themen, die über Datenschutz, Staatstrojaner, Netzneutralität oder Urheberrecht hinaus gehen. Wie steht es mit Netzökonomie? Kommt wenig in den Debatten vor.

Ab der 19. Sendeminute:

Siehe auch: http://ichsagmal.com/2013/03/23/alte-machtelite-verweigert-die-digitale-transformation-wir-schon-war-die-zeit-ohne-faxgerate/

Schnelles Internet. Bundes CIO mit Ministerrang. Öffentliche WLANs in den Kommunen. Digitale Heimvernetzung. Netzintelligenz für die Energiewende. Dezentrale Netzstrukturen. Vernetzungsgrad der Unternehmen (die meisten Branchen sind unter-digitalisiert). Krankenakte digitale Wirtschaft – internationale Wettbewerbsfähigkeit. Netzkompetenz des Nachwuchses. Schule – Uni.

Das sind nur die ersten Stichworte, die mir dazu einfallen. Wie kann man das mit Leben füllen? Was sollte konkret verhandelt werden? Am Ende soll ein Internet-Masterplan herausspringen, der Anfang Mai in Berlin dann weiterdiskutiert werden soll – am Rande der republica.

Dazu möchte ich heute und morgen ein paar Interviews via Hangout on Air (Videointerviews, die live über den Google Dienst übertragen werden) machen. Nicht länger als 10 bis 15 Minuten. Wer hat Lust? (einiges davon kommt verwende ich für meine The European-Mittwochskolumne – Abgabetermin morgen um 18 Uhr – am Dienstag kann ich also nur bis 14 Uhr Interviews führen). Das Thema will ich bis Ende April weiterführen. Wer also jetzt keine Zeit hat, könnte in den nächsten Wochen mit mir etwas vereinbaren. Telefoninterviews mache ich zu diesem Themenkomplex n i c h t.

Wer in der Nähe von Bonn-Duisdorf ist, kann gerne auch zu mir vorbeikommen.

Der Masterplan Internet – recherchiert mit dem Werkzeug Hangout on Air – kommt natürlich auch ins Un-Buch zur Streaming Revolution.

Siehe auch:

Die Netzgemeinde muss sich ihre Konflikte besser aussuchen.

„Die Deutschen gehen die Sache falsch an“.

PIRATEN zeigen BKA wegen Einkauf verfassungswidriger Spähsoftware an.

Kurze Durchsage an die üblichen Verdächtigen.

Steinbrücks Leistungsschutzleihstimmen für die Piraten.

Warum Lobo recht hat || Eine Analyse des Social Media Buzz zum LSR und Domian.

Zu den AGB-Dikatoren: Geert Lovink: „Facebook ist eine Firma ohne Eigenschaften”

Die FDP und das Verlegerschutzgesetz: Otto, find ich nicht gut! #lsr #Bloggercamp

Otto sagt Ja zum Verlegerschutzgesetz

Was hat der FDP-Medienpolitiker Hans-Joachim Otto in seiner Funktion als parlamentarischer Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums in unserer Bloggercamp-Sondersendung noch für kritische Töne zum Leistungsschutzrecht gespuckt:

„Ich denke, die Bundesregierung sollte durchaus mit den Verlegern darüber reden, ob wir nicht doch einen Weg finden, der gewährleistet, dass sie ihre berechtigten Interessen durchsetzen und ihren Qualitätsjournalismus auch für die Zukunft retten, ohne in die Gefahr zu laufen, dass neue Business-Modelle damit erschwert oder abgewürgt werden (ab Sendeminute 25).“

Ein Konzern wie Google wäre noch in der Lage, sich die notwendigen Lizenzen für die Veröffentlichung von Nachrichten zu kaufen. Für junge Unternehmen, die Nachrichtenportale oder News-Aggregatoren betreiben wollen, sehe das anders aus. Der Gesetzentwurf, der von der Bundesregierung eingebracht wurde, habe eine Menge Kritik und Fragen aufgeworfen:

„Diese Fragen müssen wir seriös beantworten. Es könnte deshalb im Interesse aller Beteiligten sein, wenn wir statt der Gesetzesmaschinerie zu einer Lösung kommen, die einvernehmlich ist“, betonte Otto.

Branchenlösungen seien der bessere Weg als starre Antworten des Gesetzgebers, die den technologischen Entwicklungen stets hinterherhinken. Allerdings müsste das jetzt schnell gehen, denn die Legislaturperiode endet im Sommer. Es sei jetzt fünf vor zwölf.

Und dann hat dieser Mann es noch nicht einmal für nötig gehalten, sich wenigstens zu enthalten. Otto stimmte mit Ja. So etwas nenne ich Kadavergehorsam.

Verscheißern kann ich mich auch alleine. Gerade mal sechs Bundestagsabgeordnete der Regierungskoalition konnten sich durchringen, gegen das Gesetz zu stimmen.

Soweit zur digitalen Kompetenz dieser Regierung.

Siehe auch:

Der Staat als Steigbügelhalter für Abmahn-Gichtlinge: Als Quellen-Angabe künftig nur noch “Totholzgemeinde”.

Jeff Jarvis hat es auf den Punkt gebracht:

„Aber heute mache ich mir Sorgen um Deutschland. Es ist schon ein industrielles Wunder in einer postindustriellen Zeit, wenn Regierung und Medienunternehmen sich gegenseitig umarmen, um alte Institutionen gegen neue Herausforderungen und Chancen zu verteidigen.“

Der Staat als Steigbügelhalter für Abmahn-Gichtlinge: Als Quellen-Angabe künftig nur noch „Totholzgemeinde“

Gesternbranchen

Liebwerteste Absahn- Abmahn-Gichtlinge der Verlage. Es könnte doch im Streit um die wertvollen Inhalte der hochlöblichen Qualitätsmedien, die von bösen Suchmaschinen und News-Aggregatoren zum Vollstopfen ihrer Kassen missbraucht werden, eine ganz einfache technologische Brandmauser errichtet werden. Mit sehr wenig Aufwand kann verhindert werden, dass Google und Co. die Texte der Redaktionen übernehmen.

Aber darum geht es in dem Streit gar nicht. Die Verlage scharren vor den horrenden Werbeeinnahmen der amerikanischen Netzkonzerne mit den Füßen und wollen ein ordentliches Stück vom Kuchen abbekommen, weil sie selbst zu dämlich sind, tragfähige digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit dem Leistungsschutzgesetz gibt der Staat ihnen dafür das nötige Druckpotenzial, um fette Lizenzverträge wie auf dem Jahrmarkt auszuhandeln.

Auf welcher Basis dieser Kuhhandel laufen soll, hat der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf eine Anfrage von Stefan Niggemeier deutlich gemacht:

Der Wille des Gesetz­ge­bers sei unver­kenn­bar dar­auf gerich­tet, kleinste Text­aus­schnitte wie zum Bei­spiel Über­schrif­ten und ein­zelne Wör­ter, nicht vom Leis­tungs­schutz­recht erfas­sen zu las­sen; die län­gen­mä­ßig dar­über hin­aus gehen­den Aus­züge jedoch schon.

„Die Äuße­run­gen der Koali­ti­ons­ver­tre­ter in der Bun­des­tags­de­batte dazu waren heute unmiss­ver­ständ­lich. Die Google-Suchergebnisse gehen über die nicht erfass­ten Län­gen hinaus“, so der BDZV, der den Willen des Gesetzgebers nach seinem Gusto auslegt.

Aber vielleicht hat der Gesetzgeber gar keinen eigenen Willen mehr und tanzt einfach nach der Pfeife der massenmedialen Willenserklärer. Der Tenor in ersten Reaktionen nach dem Gesetzesbeschluß ist wohl falsch, dass aus der „Lex Google“ nunmehr eine „Lex Garnichts“ entstanden sei. Dafür werden schon die Abmahnkanzleien und Justiziare der Verleger sorgen. In der FDP war noch die Legende verbreitet worden, dass jetzt die so genannten Google-Snippets ausgenommen seien. Die Begründung des Änderungsantrages, der am Dienstag eingebracht wurde, spricht gegen diese Interpretation. Erlaubt seien Schlagzeilen wie „Bayern schlägt Schalke“. Das reicht gerade mal für eine kleine Überschrift. Die Snippets bei Google, Google News und News-Aggregatoren wie Rivva sind wesentlich länger.

Es wird wohl daher nicht ausreichen, nur den Anriss eines Artikels in der Darstellung wegzulassen, wie es Frank Westphal in einem Blogposting andeutete.

Konsequenter ist da schon die Position von Thomas Knüwer: „Stoppt Verlinkung auf Verlagsinhalte.“

„Behandeln wir Verlage doch so, wie sie das Internet behandeln. Geht es darum, einen Verlag zu kritisieren, ist das Nennen von Ross und Reiter unumgänglich. Doch warum sollte man sie loben oder zitieren? Sie wollen doch gar nicht, dass ihre Inhalte verwendet werden. Also schreiben wir uns doch künftig Meldungen aus Quellen zusammen, so wie es hunderte von Online-Redaktionen in der Republik tun. Gibt es einen klaren Urheber, so reicht als Quellenangabe doch ‚Zeitungsbericht‘, ‚Medienszene‘ oder ‚Totholzgemeinde‘. Machen Verlage doch auch so.“

Zudem sollten Blogger künftig stärker an die Primärquellen rangehen. Darüber sprach ich mit Wirtschaftsbloggern schon im vergangenen Jahr. Was die klassischen Redaktionen täglich über uns ergießen, sind selten eigene Recherchen. So wird der Wirtschaftsteil des Bonner General Anzeigers überwiegend mit Agenturmeldungen gefüllt, die schon auf allen anderen Medienkanälen rauf und runter genudelt wurden. Exklusivität sieht anders aus.

Warum sollte man zudem die unsäglichen Beiträge eines digitalen Blindfisches wie Ulrich Clauss von der Welt noch zitieren? Er wertet das Leistungschutzgesetz als „Stoppschild für Enteigner“. Mist, jetzt habe ich seine dümmliche Überschrift zitiert. Cläusschen wertet das Lobbyisten-Opus jedenfalls als Rettungsanker für Altverleger, denen nun nicht das gleiche Schicksal ereilt, wie der von „Raubkopierern“ ruinierten Musikindustrie.

Hausgemachte Fehler der etablierten Medienkonzerne blendet Claussi einfach aus. Ist ja auch nur ein kurzer Kommentar. Zudem gilt generell das Motto der Gestern-Manager: Wer seine Kunden nicht kennt, muss sie härter bestrafen.

Dann galoppiert der Federkiel-Journalist noch über Themen wie Big Data, linksgewirkte Internet-Utopisten und die Daten-Großindustrie, die sich in einer unheiligen Allianz zusammengetan haben, um Ansprüche auf unbezahlte Nutzung fremder Köpfe Arbeit durchzusetzen.

Wenn aber der Kopf hohl ist, warum soll ich da irgendetwas beanspruchen? Beim Springer-Qualitätsschreiberling sollte man sich über die Ausfälle nicht weiter aufregen. Siehe: Das Meldegesetz und die Pöbeleien eines Welt-Redakteurs – Claussimaus rastet aus.

Aber Zeit-Online ist auf dem richtigen Weg: „Falls das Gesetz nun also auch noch vom Bundesrat bestätigt wird, werden Anwälte ein Vermögen damit verdienen, darüber zu diskutieren, wie kurz noch immer zu lang ist.“