Erinnerungsrituale als Vergewisserung #fürMiliana #Ostern

„Die Zeit heilt alle Wunden“ oder „das Leben geht weiter“ waren und sind Standardaussagen, die ich häufig höre, die aber nichts verändern und mit meiner Lebensrealität nichts zu tun haben.

Schnell gesagt im Vorbeigehen. Floskeln.

„….ich wüsste nicht, ob und wie ich das ertragen könnte, die große Liebe gefunden zu haben und dann verlieren zu müssen. Das ist furchtbar. Ich habe sie noch nicht gefunden und kann noch hoffen. Das zu verlieren mag ich mir gar nicht vorstellen“, schrieb mir jemand in diesen Tagen. Das trifft es eher.

Es gibt die offizielle Seite, die den Seelenzustand nicht wirklich sichtbar macht. Berufliche Projekte, Unterhaltungen, Beiträge auf Twitter und Co. Da steckt wohl noch eine große Portion preußischer Pflichterfüllung in mir drin, die mich immer wieder antreibt.

Gezeigt wird eine Gesellschaftsmaske im Sinne von Johannes Wiele, die für mich entlastend wirkt und zugleich ein Gebot der Höflichkeit ist. Warum sollte die Agentur Kommunikation & Politik oder gar meine Familie existenziell leiden wegen einer privaten Befindlichkeit.

Ich bin mir bewusst, dass ich eine Rolle spiele. Das bewahrt mich vor Aktionismus oder der Burnout-Gefahr. Es zählt der spielerische Umgang mit den Dingen des beruflichen Lebens.

Rollenspiel und Ehrlichkeit schließen sich dabei nicht aus, wie die Schriftstellerin Felicitas Hoppe in der Literarischen Welt ausführt. Das Schauspiel oder tägliche Theater ist auch ein geeignetes Vademekum, um nicht in eine permanente „masochistische Selbstumkreisung“ (herrliche Formulierung von F. Hoppe) zu fallen.

In der 3000 Kilometer langen Europareise, die ich mit einem mopedhaften E-Bike zurücklegte, verspürte ich immer dann eine tiefe Verbundenheit mit Miliana in den Momenten absoluter Einsamkeit. Auf Waldwegen, auf den Bergetappen in den Vogesen, in den Alpen, im Bayerischen Wald, im Böhmerwald und den vielen weiteren Berg- und Tal-Fahrten.

Aber auch in den Kirchen, wenn ich Kerzen anzündete und einige Zeit innehalten konnte. Von den Ritualen der Großkirchen bekomme ich diese Anregungen nicht – außer vielleicht von jenen Persönlichkeiten, die für den Bau der Kirchengebäude Verantwortung trugen. Vieles in den Kirchen sei auf Besitzstandswahrung angelegt, ritualisiertes beamtetes Christentum, kritisiert zurecht Felicitas Hoppe.

„Man müsste mit den Texten ganz anders umgehen, anders sprechen, über das fromme Wünschen hinausgehen.“

Nur das mechanische Herunterbeten irgendwelcher Sinnsprüche kann die Fragen von Tod und Vergänglichkeit nicht bewältigen. Auch die Vermittlung von Fantasien der Erlösung oder Wiederauferstehung reicht nicht aus. Das sind brüchige Gewissheiten.

Erinnerungsrituale als Vergewisserung werde ich immer wieder neu vollziehen. Nicht nur am Ostersonntag.

Was tun, wenn die Online-Marketing-Blase platzt?

Marketing-Schreihälse

Die Cluetrain-Autoren Doc Searls und David Weinberger kritisierten vor einigen Jahren die Online-Marketing-Strategien der Unternehmen massiv: Anbieter betreiben Tracking und Targeting, sie fangen und akquirieren, managen und verwalten „ihre“ Kunden, als ob wir Sklaven oder Vieh wären. „Das meiste sogenannte Conversational Marketing ist genau genommen peinlich“, so David Weinberger. Vieles sei roboterhaftes Gefasel. Netzunterhaltungen werden verfälscht und verseucht.

Es dominieren konstruierte Statistiken über Views, Likes und Reichweite. Es geht leider nicht um Relevanz.

„Ebenso wie sich die Finanzindustrie in weiten Teilen von der Realwirtschaft abgekoppelt hat, geht es in der Ökonomie der Aufmerksamkeit nur noch um Traffic. Große Agenturen machen nichts anderes, als zu beobachten, welche Webseiten gerade eine hohe Wachstumsrate an Zugriffen haben. Es zählt nur das Ausnutzen dieser Fluktuation. Es geht ganz sicher nicht um Substanzwerte oder Inhalte, es geht nicht einmal um Information“, so der Wissenschaftler Georg Franck, Autor des Buches „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin brandeins.

Der Content ist nur Mittel zum Zweck, Aufmerksamkeit einzutreiben, ohne Rücksicht auf Verluste. Um das zu erreichen, zumindest im Controlling, messen die Verantwortlichen im Management unerbittlich jeden Pups im Social Web. 

„Alle Manager und Mitarbeiter werden von den Mess- oder Tracking-Systemen des Unternehmens zur Leistungsmessung so hart in die Mangel genommen, dass sie unter allen Umständen ihre Zahlen bringen wollen. Die Drohungen des Chefs bei zu schlechten Zahlen sind in den letzten Dekaden so massiv geworden, dass es schon fast um das persönliche ‚Überleben‘ zu gehen scheint“, so die Erfahrung des früheren IBM-Cheftechnologen Gunter Dueck.

Als Ergebnis entsteht ein Zahlen-Fantasie-Regime wie bei der Erfüllung der Fünfjahres-Pläne in der Sowjetunion. Das Controlling-Reich will sogar beschissen werden, damit man dem Vorgesetzten bessere Ergebnisse serviert. Alle großen Firmen tun das: Place your blame, please. Laber, Rhabarber.

Diese Milliarden- oder gar Billionen-Blase im Netzgeschäft könnte bald platzen. Davon ist der Social Media Watchblog überzeugt.  Dabei geht es nicht nur um die schon viel beschriebene Cookiekalypse, die Apple und Co. befördern. 

„Mit Sicherheit halten Tim Cook und Sundar Pichai Datenschutz und Privatsphäre für wichtig (und ein Großteil ihrer Angestellten ebenfalls). Allerdings bezweifeln wir, dass sie die aktuellen Entscheidungen getroffen hätten, wenn sie nicht überzeugt gewesen wären, dass ihre Unternehmen davon langfristig profitieren“, führt der Social Media Watchblog aus.

Apple habe wenig zu verlieren und viel zu gewinnen: Der Konzern verkaufe nicht Aufmerksamkeit, sondern in erster Linie Hardware. Auch Google könne die Drittanbieter-Cookies killen, weil sein eigenes Geschäftsmodell nicht mehr davon abhängt. „Der Schritt könnte Googles Dominanz sogar stärken, weil er den Wert von First-Party-Data erhöht – und diese Daten sammelt Google wie kaum jemand sonst.“ 

Warum die Marketing-Online-Blase platzt? Weil sie auf dümmlichen und verzerrten Kennzahlen beruht. Nachzulesen im Buch von Tim Hwang, der den Werbemarkt im Netz mit der Immobilienbranche vor der Pleite von Lehman Brothers vergleicht. “Wir haben lange gedacht, dass gezielte Werbung Menschen immer besser beeinflussen kann”, sagt Hwang.

Das sei ein Irrglaube, der auf falschen Daten und Betrug beruhe. Im Online-Werbemarkt stecke so viel Geld, dass es sich lohne, Aufmerksamkeit etwa durch Bots zu simulieren und dann zu verkaufen. Das Wettbieten um Werbeplätze beim Programmatic Advertising baue auf algorithmisch gesteuerten Echtzeit-Transaktionen auf, die an die Hochgeschwindigkeits-Trades an der Börse erinnerten, mit denen Kredite angekauft und verkauft wurden. Hier zirkulieren hunderte von Milliarden Dollar und Euro, die für unterirdisch schlechte Daten ausgegeben werden. Antreiber sind Media-Agenturen, Adtech-Anbieter und schlichtweg Schmierlappen-Verkäufer, die eine gewaltige Aufmerksamkeitsblase produzieren, die nur aus heißer Luft besteht. 

Warum lassen sich die Marketing- und Werbefachleute mit diesem miserablen Zahlen-Salat hinters Licht führen? Glauben sie irgendwann selbst an dieses Lügengebilde mit falschen Metriken und gigantischen Erfolgszahlen? Werbung ist wichtig. Das sehen auch die Autoren des Social Media Watchblogs.

Sie plädieren für kontextbasierte Werbung. Die Anzeigen orientieren sich am Inhalt der Webseite, nicht an den Menschen, die sie lesen. „Dahinter steckt die recht simple Annahme: Wer ein Briefing über Social Media und Journalismus liest, interessiert sich vermutlich für dieses Thema. Du könntest also Werbung für Weiterbildungen, Newsletter oder Social-Media-Suites sehen. Dafür müssen keine Daten gesammelt und keine Nutzerïnnenprofile gebildet werden. Es braucht keine Tracker, keine Adtech-Anbieter und keine Zwischenhändler, die teils mehr als die Hälfte des investierten Werbebudgets schlucken.“

Also Rückkehr zum Brot- und Butter-Geschäft. Wenn wir beispielsweise ein Video-Magazin für Zukunft Personal produzieren, kann doch dort auch Werbung aus der HR-Branche erscheinen. Mit Einspielern, Overlays, Textanzeigen und so weiter und so fort. Direkt als Werbung deklariert. Wird von allen akzeptiert, denn solche Projekte müssen ja auch irgendwie finanziert werden. 

Nächste Woche zeigen wir mal, wie das aussehen könnte. 

LinkedIn Live statt Periscope-Twitter: Livestreaming via Ecamm

Livestreaming via Periscope ist Geschichte. Twitter hat den eigenständigen Dienst eingestellt und bietet ab sofort eine Liveübertragung über die App an – vergleichbar mit Instragram. Überzeugt mich nicht. Geht eher in Richtung einer Instagramisierung. Für LinkedIn planen Sohn@Sohn jetzt erste Programmideen – beispielsweise….ne, dat wird nicht verraten 🙂

Wirres Haar und rotes Halstuch: Beethovens Bild im Manga – @acatoao マンガで見るベートーベンのイメージ

Der Förderverein des StadtMuseum Bonn freut sich, schon wieder auf eine herausragende Publikation des StadtMuseum Bonn aufmerksam machen zu können:

„Vor mir liegt ein prachtvolles Buch, groß, farbenprächtig und imposant, bedruckter Leineneinband und Schutzumschlag, und mit 2, 7 Kilo auch sehr gewichtig! Ebenso gewichtig wie sein Inhalt, denn ‚Wirres Haar und rotes Halstuch. Beethovens Bild im Manga‘ ist ein Referenzwerk zum Thema. Eigentlich sollte es zusammen mit einer ebenso einzigartigen Ausstellung erscheinen, aber deren ‚körpernahe Ausrichtung‘ mit Spielkonsolen, vielen Tablets und ähnlichem zu interaktiven Agieren aufrufenden Präsentationsformen versagten uns in Zeiten der Pandemie die Realisierung. Dafür rückte der schon immer als opulent illustriertes Begleitbuch konzipierte Katalog in den Mittelpunkt. Er wurde zum realen Katalog einer virtuellen Ausstellung, mit besonderem Blick auf Japan, dem mit Abstand hungrigsten Markt für derartige Publikationen. Der schon früh gefundene Titel orientiert sich an den vom berühmten Stieler-Porträt ausgehenden Merkmalen, die zum Charakteristikum für Beethoven-Darstellungen wurden, auch wenn der Meister in sonst ganz unkenntlicher Form erscheint“, sagt Dr. Ingrid Bodsch, Direktorin des StadtMuseum Bonn.

Mit Dr. Kazuko Ozawa und Dr. Matthias Wendt konnte die Herausgeberin und Initiatorin Dr. Ingrid Bodsch schon früh zwei kompetente und von ihr für die Thematik zu begeisternde Bearbeiter gewinnen, die es großartig verstanden, die überwältigende Fülle von Beethoven-Bildern ikonographisch zu erfassen und zu systematisieren. Ihrer Überzeugungskraft ist auch die Gewinnung der Professoren Monika Schmitz-Emans, Tsuchida Eizaburo und Kim Sung-hwa für drei herausragende Aufsätze zu verdanken, von denen zwei sich exemplarisch dem Komplex Anime und Videospiel widmen, während Monika Schmitz-Emans mit Tezuka Osamus berühmtem Mangazyklus Ludwig B. eine zentrale Schöpfung der „bildlichen Beethovenrezeption“ umfassend beleuchtet. Und als künstlerisches Highlight enthält das Buch einen extra für die Publikation angefertigten Manga von Acato Ao, einer international bekannten jungen Künstlerin, die 2019 eine eigene Fernsehserie bekommen hat, und vor wenigen Wochen eine besondere Würdigung in Asahi Shinbun, eine der größten und seriösesten japanischen Zeitungen.

Und dieses Prachtwerk, 446 Seiten, erschienen im Verlag des StadtMuseum Bonn, hg. von Ingrid Bodsch, bearbeitet von Kazuko Ozawa und Matthias Wendt, als Projekt im Rahmen und gefördert von BTHVN2020, ist für 35 Euro zu erwerben.

Vor einem Jahr starteten unsere sozio-ökonomischen Plaudereien in der Krise: #SohntrifftBecker

Zu den Themen zählten u.a.: Über die Wuppertaler Denkschule in der Ökonomik; Katastophen-Management in Taiwan; Corona, der Sachverständigenrat und die kosmetischen Maßnahmen aus dem VWL-Lehrbuchkanon; Über die kosmetischen Maßnahmen des @SVR_Wirtschaft – da muss mehr kommen; Corona-Virus als Katalysator für eine neue Weltwirtschaftsordnung; Schlechtes Unternehmertum; Vom Nutzen der Maskerade; Elend des Kapitalismus: Vierfache Krise mit Luhmann, Piketty und Frank H. Witt; Stehen wir vor einer Weltwirtschaftskrise?; Zeitgeist und Wirklichkeitskonstruktion in der Krise; Positivere Betrachtung von Heimarbeit und Videokonferenzen durch Corona-Pandemie: