Ideen für die digitale Schule #DigitalXAdhoc – Interview mit @krafts_werk

Gespräch mit Daniel Kraft. Er ist Vater von zwei Kindern im Grundschulalter und hauptberuflich Sprecher der in Bonn ansässigen Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Seit dem ersten Lockdown „unterrichtet“ er digital in der Politikstunde der bpb: www.bpb.de/politikstunde

Social-Media-Trends 2020 vor dem Corona-Schlamassel #MediaCampNRW @ruhrnalist @heddergott @MediaLabNRW @prexclusiv @p_ahrendt @gestalterhuette @Pixelkurier @F_Michna @KlausMJan @C_Q_

Die Barcamp-Saison ist mit dem #MediaCampNRW am 11. Januar so schön losgegangen. Es war dann doch das einzige Barcamp, dass ich besuchen konnte – also als Präsenzveranstaltung.

In meiner Session beschäftigte ich mit Social Media-Trends für 2020 – also mit den Prognosen. Da war ja von den Einschränkungen durch die Pandemie noch nicht die Rede. Das ist nicht in Ansätzen erwartet worden.

Am 23. Januar ist es dann wieder soweit für MediaCamp NRW – als Online-Barcamp. Da mache ich dann eine Session zu den Social Media Trends 2021 mit einem kleinen Rückblick auf meine Session im vergangenen Jahr.

Ratschläge für die Wirtschaftspolitik, Homeoffice, Coworking auf dem Land und 5G-Ökonomie – Themen im #DigitalXStudio mit @D_Langenmayr @AchimTruger @arbeitXpunkt0 @Isarmatrose @servicerebell @HermannSimon @winfriedfelser @constantinsohn @holzgespuer

So kann es weitergehen mit den DigitalX-Themen, Gästen und Netzdebatten.

Homeoffice und Coworking:

5G-Ökonomie, Handelskriege und miserable US-Infrastruktur:

Ratschläge für die Wirtschaftspolitik:

Weitere Nachberichte folgen.

Eure Vorschläge für 2021?

Siehe auch:

#Podcast im Livestream: Schlendern und Staunen – Über Mittelstand, Museen und Tonwelten #DigitalXStudio

Kleines Audio-Experiment im Livestream:

Die Museen sind geschlossen, die Sehnsucht nach Kultur aber bleibt. Hans von Seggern von TONWELT sieht in der gegenwärtigen Krise die Chance für einen digitalen Push. Gerade der Mittelstand vermag seine besonderen Stärken, Schnelligkeit, Flexibilität und individuelle Beratung, unter Beweis zu stellen.

Von Seggern spricht im Interview mit der DigitalX-Autorin Ute Cohen bei Caponata und Sauerteigbrot mit römischem Olivenöl über Schlendern und Staunen, Loriot und multisensorische Erfahrungen.

Ute Cohen: Die Museen sind geschlossen. Ist eine Welt ohne Museen vorstellbar? Entwöhnen wir uns? Gewöhnen wir uns das Schlendern durch Museen, das Staunen vor Bildern und Skulpturen ab?

Hans von Seggern: Eine Welt ohne Museen ist vorstellbar, aber sinnlos, wie Loriot gesagt hätte. Museen erfüllen wichtige Aufgaben, vergleichbar mit Schulen und Universitäten, die wir ebenso brauchen – auch wenn wir uns in einer Pandemie befinden, deren Ende noch nicht absehbar ist. Museen sind die Hüter unseres kulturellen Erbes, und nirgendwo sonst können wir so viel über dieses lernen: Ihre wichtigsten Aufgaben sind das Sammeln und Konservieren historischer Objekte, die Erforschung der Geschichte eben dieser Objekte und ganzer Sammlungen sowie des Kontextes in denen sie entstanden. Und last not least die Vermittlung dieses akkumulierten Wissens an die Besucherinnen und Besucher. Die Vermittlungsarbeit kann durch speziell geschultes Personal in Führungen und Workshops erfolgen oder durch kundig konzipierte Audioguides, Multimediaguides und Apps. So können Sie Ihren Rundgang durch das Ernst Ludwig-Kirchner-Museum Davos erweitern, indem Sie mithilfe einer App Rundgänge um Davos machen sowie durch die Stadt, in der der Künstler vor seinem Exil lebte: Berlin.

Sehen Sie in der Corona-Zeit eine Chance für einen digitalen Push einer doch eher konservativen Branche?

Dieser „digitale Push“ ist sofort spürbar geworden, nachdem wir alle im März 2020 von einem radikalen Shutdown überrascht wurden. Nach einer kurzen Schockstarre gingen die Museen überwiegend über die Social Media in die Offensive und zeigten der Öffentlichkeit: Wir sind noch da! – über Instagram, Twitter, Facebook & Co. Bei uns wiederum häuften sich die Anfragen nach Apps und virtuellen Touren. Dadurch werden Sammlungen und Mitarbeitende weltweit sichtbar. Dennoch lassen sich Bildungsangebote im Internet nicht vergleichen mit einem Besuch vor Ort. Der Unterschied ist vergleichbar mit dem Anhören eines Klavier- oder Orchesterkonzerts auf dem Bluetooth-Lautsprecher zuhause und dem Besuch der Philharmonie. Das Beste an einem Museum kann und soll durch digitale Angebote zwar unterstützt und gefördert werden, ist aber am Ende des Tages nicht digital „verfügbar“: die ästhetische Erfahrung. Also die Erfahrung im Angesicht eines bewegenden Kunstwerks, dass Sinnlichkeit und Verstand miteinander kommunizieren. Dies ist der Grund, warum das Schlendern und Staunen, von dem Sie sprechen, so unverzichtbar ist. Wenn Sie das „konservativ“ nennen mögen, dann: Bitte!

Wie hat sich die digitale Transformation der vergangenen Jahre gestaltet?

Die Planung von Ausstellungen hat sich tatsächlich grundlegend verändert. Digitale Angebote sind nicht länger nur ein „add on“ zu angestaubten Vitrinen, sondern werden von Beginn an in die Konzeption von Ausstellungen mit einbezogen. So ist das historische Objekt mit seiner „Aura“ vielfach noch das Herz einer Ausstellung, jedoch werden multimediale Komponenten wie interaktive Touchtables und über Gesten steuerbare Screens als zeitgemäße Instrumente wahrgenommen, um die Besucher*innen zu involvieren und an komplexe Themata heranzuführen – schauen Sie hierzu mal in die aktuelle Impressionismus-Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart hinein, wenn die Situation es wieder zulässt.

Unsere neuen Multimediaguide-Systeme leisten in diesem Zusammenhang viel mehr als herkömmliche Audioguides. Sie eröffnen den Museen die Möglichkeit, die Mediensteuerung in die Hände der Besucher*innen zu legen. Das bedeutet, die Besucher*innen in die Lage zu versetzen, ihren Rundgang nach eigenen Interessen und Bedürfnissen „maßzuschneidern“. 

Sehen Sie diese Entwicklung als Chance auch für mittelständische Unternehmen?

Das ist definitiv eine große Chance, da die Museen von der Expertise mittelständischer Unternehmen auf vielen Ebenen profitieren können: Die Beratung durch mittelständische Unternehmen ist so individuell, wie es sich die Museen wünschen. Konzepte für Museums-Medien werden von Ausstellung zu Ausstellung in enger Rücksprache mit den Häusern entwickelt. Dies gilt für die Entwicklung der Inhalte wie für die Medienplanung insgesamt. Mittelständische Unternehmen erweisen sich hier immer wieder als besonders flexibel und schnell.

Was ist derzeit State-of-the-art in der Digitalisierung der Museen?

Die Interaktivität digitaler Medien hat neue Chancen der Partizipation eröffnet. Ein gutes Beispiel hierfür ist die „Cité du Vin“ – eine Wein-Erlebniswelt, wo es gelungen ist, das im Rahmen von Ausstellungen eher abstrakte Thema „Wein“ einem großen Publikum medial zu erschließen. Die Besucherinnen und Besucher erhalten hierzu am Eingang einen Multimediaguide, der es ihnen erlaubt, gezielt die je nach eigenem Interesse und Hintergrund spannendsten Inhalte aufzurufen und zu erleben. Film-Material über Weinproduktion, Interviews mit Winzern wurden von uns in 8 Sprachen synchronisiert und können in der gewünschten Sprache auf dem Multimediaguide verfolgt werden. Es gibt Riech-Stationen mit einem interaktiven Quiz, und die Besucherinnen und Besucher können die sie interessierenden Inhalte „liken“ und zuhause über die Webseite der „Cité du Vin“ erneut einsehen. Wer mag, kann über den Multimediaguide seine Email-Adresse eingeben und so mit der „Cité du Vin“ in Kontakt bleiben.

Eine weitere Bedeutung der Digitalisierung liegt in der Schaffung barrierefreier Zugänge zu Bildung. So gehören heute audiodeskriptive Führungen, Audioführungen in Leichter Sprache sowie Führungen in Gebärdensprache zum festen Repertoire des Besucherangebots. Schauen Sie mal in die App des Kunstmuseums Bonn hinein.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für Tonwelt?

Neben den gewohnten hochwertigen Inhalten in allen gewünschten Sprachen liegt ein Schwerpunkt auf der Verzahnung von Multimediaguides mit den fix installierten Ausstellungsmedien. Wir haben hierzu beispielsweise ein System entwickelt, das es Besucherinnen und Besuchern erlaubt, in ihrer gewünschten Sprache Filmen zu folgen, die über Touchtables aufgerufen werden können. Es spielt hierbei weder eine Rolle, wie viele Filme gleichzeitig gestartet werden, noch in welcher Sprache der Film auf dem Screen gedreht wurde.

Ebenso einzigartig ist unser Content Management System, das in Form einer Multiplattform-Lösung konzipiert ist: Mit dieser Anwendung ist es möglich, Inhalte auf Audio- oder Multimediaguides zu deployen ebenso aber dieselben Inhalte als App im AppStore oder GooglePlay verfügbar zu machen. Besucherinnen und Besucher können so selbst entscheiden, ob sie einen Mediaguide an der Kasse buchen oder ob sie lieber über ihr eigenes Smartphone die Inhalte der Führung herunterladen. Die Kommerzialisierung dieser online verfügbaren Inhalte steht dabei noch ganz am Anfang und ist zweifellos ein Trend der nächsten Jahre.

Welche Impulse erwarten Sie von der Wirtschaftspolitik?

Die Bundesregierung hat in diesem Krisenjahr 2020 bereits nach Kräften Impulse zur Stärkung von Unternehmen und Selbständigen gegeben. Hierzu wurden Milliarden bereitgestellt und ausgeschüttet, gleichzeitig Steuern gesenkt. Das ist ebenso notwendig wie bewundernswert – wo aber der Staat an seine Grenzen kommt, werden irgendwann Transferleistungen von denjenigen fällig, die von der Krise profitieren. Dies sind Online-Unternehmen wie Amazon, Facebook, Google & Co. Die können ja auch mal Steuern zahlen.

Querlüfterbewegung an Schulen geht die Luft aus: Daniel Kraft aka @krafts_werk plädiert für digitale Schulpflicht #DigitalXAdhoc-Livegespräch

Der „Querlüfterbewegung“ an deutschen Schulen sei die Luft ausgegangen, moniert Daniel Kraft in einem Gastbeitrag für den General Anzeiger in Bonn. „Die ‚Präsenzunterrichtsfraktion‘ um jeden Preis‘ führte ganz oder teilweise in die Quarantäne. Es braucht eine Instrumentenbatterie aus verschiedenen digitalen und hybriden Maßnahmen, damit Schule in den kommenden Monaten (wieder) – zumindest etwas geregelter – stattfinden kann. Es braucht mehr als didaktische und pädagogische Modelle des letzten Jahrhunderts, und es braucht mehr als Schul-Server und Zoom-Runden. Es braucht nicht mehr und nicht weniger als eine digitale Schulpflicht.“

Aber reicht das? „Sechs Schulstunden Video-Call? Abfilmen des Unterrichts und auf YouTube einstellen? Nein, auch digital gibt es kein Schwarz oder Weiß. Die digitale Didaktik hat alles, was man braucht, um einen lebendigen, spannenden und abwechslungsreichen Unterricht – auch auf Distanz – zu gestalten und zu leben. Auch der schönste montessoripädagogischste Klassenraum, die rundesten Waldorf­ecke oder die tollsten Wandplakate machen noch keinen guten Unterricht“, so Kraft.

Was es braucht, sei ein Unterricht, der sich als „Digital Experience“ versteht, als ein Mehrwert zum Schiefertafelunterricht und zum ausgedruckten Arbeitsblatt. „Es braucht Lehrerinnen und Lehrer, die bereit sind, sich auf dieses Wagnis einzulassen. Es braucht eine Reform der Ausbildung für alle, die da kommen werden, es braucht Übung und Fortbildung für alle, die schon da sind, und es braucht Leidenschaft für diese Form zu unterrichten von allen“, betont der GA-Gastautor.

Einen Widerspruch zum Präsenzunterricht sieht Kraft nicht. „Der digitale Unterricht bietet sogar eine sehr große Chance auf ein Wiedersehen im wirklichen Leben. Aber auch hier gibt es kein Reset auf einen Zustand mit 28 Schüler/innen-Klassen ohne Masken, wie wir sie bis vor Weihnachten in den meisten Grundschulklassen erlebt haben. Schichtmodelle, weniger Kinder im Klassenraum, Tische mit Abstand und Trennwänden, feste kleine Lerngruppen mit höchstens 15 Kindern in einem Raum, gute Lüftungsanlagen in allen Räumen, die das Lüften unterstützen und Lehrerinnen und Lehrer, die damit mindestens besser vor Infektionen geschützt werden“, resümiert Kraft.

Eine Rückkehr zum „normalen“ Präsenzunterricht reicht nicht aus. Die alte 45-Minuten-Taktung nach dem preußischen Modell im Setup einer Maschinen-Näherei habe keine Zukunft, meint Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius: „Präsenz kann durchaus digital sein – nicht selten sind digital Lernende sogar präsenter. Zudem bedeutet physische Präsenz nicht zwingend gelungene soziale Interaktion zum Zwecke des gemeinsamen Lernens. Es gibt hybride Formen des Lernens und Lehrens, bei dem die Möglichkeiten der digitalen Formate noch lange nicht ausgeschöpft sind.“

Ähnlich wie Daniel Kraft fordert auch der Bitkom-Verband ein Recht auf digitale Bildung:

„Wohl noch nie haben Deutschlands Bildungspolitiker eine ähnlich große Enttäuschung und Entfremdung ausgelöst – bei Schülern, Eltern und Lehrern, aber auch in Wirtschaft und Gesellschaft. Zu wenig ambitioniert und zu altbacken sind ihre Vorschläge, zu erratisch sind ihre Entscheidungen, zu chaotisch ist ihre Kommunikation. Jeder hatte Verständnis, dass zu Beginn der Corona-Krise auf Sicht gefahren werden musste. Jetzt, fast ein Jahr nach den ersten Einschränkungen, darf man Vision, Strategie und zukunftsgerichtetes, entschlossenes Handeln erwarten. Vor diesem Hintergrund fordert Bitkom einen Rechtsanspruch auf digitalen Unterricht für Schüler aller Schulformen – jetzt in der Corona-Krise, aber auch darüber hinaus, um zum Beispiel Schüler in den Unterricht einbeziehen zu können, die etwa aufgrund von Erkrankungen oder persönlicher Einschränkungen die Schulgebäude nicht immer aufsuchen können“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Weiterhin seien viele Schulen nicht in der Lage, ihren Schülern ein funktionsfähiges digitales Bildungsangebot zu machen. „Statt Lernplattformen zum Laufen zu bringen, konzentrieren sich viele Bundesländern darauf, so schnell wie möglich zum Präsenzunterricht zurückzukehren. Dies ist angesichts des Infektionsgeschehens unverantwortlich und schreibt die pädagogischen Standards des vergangenen Jahrhunderts fort. Solange Schulen nicht breitflächig wieder geöffnet werden können, muss jeder Schüler digital unterrichtet werden können. Funktionsfähige Lernplattformen zur Verfügung zu stellen, das ist kein Hexenwerk. Die betroffenen Bundesländer müssen nun kurzfristig ausreichende Serverkapazitäten und IT-Support bereitstellen, damit die Plattformen auch von allen Schülern und Lehrern genutzt werden können. Schulen, Schüler und Lehrkräfte, die noch keine Zugänge zu den Plattformen haben, müssen diese kurzfristig und unbürokratisch von den zuständigen Stellen in den Ländern erhalten. Viele Schulen, Lehrer und Schüler haben bereits erfolgreich bewiesen, dass digitales Lernen möglich ist – ohne überlastete Server und mit digitalem Know-how“, erklärt Berg.

Darüber diskutieren wir in #DigitalXAdhoc live mit Daniel Kraft am Dienstag, den 12. Januar, um 15 Uhr. Mitdiskutieren im Multistream über die Chat- und Kommentarfunktionen von YouTube, Facebook und Co.