Sohn@Sohn auf der #DigitalX über Flugtaxis, Cloud Gaming, Kundenwünsche in Echtzeit, Daten-TÜV, Next Economy, Digitalrat, Digitalgipfel, KI im Handwerk, Digitaler Mittelstand und einiges mehr

Doku der Gespräche auf der DigitalX:

Ist doch einiges zusammen gekommen – hoffe, ich habe nichts vergessen. Berichte folgen noch.

#Schumpeter war bestrebt, die Wirtschaftstheorie zu revolutionieren – Ist es ihm gelungen?

Die dynamische Analyse von innovationsbedingten Ungleichgewichtsperioden ist eine der herausragenden Theorie-Leistungen des Sozialökonomen Joseph Schumpeter. Sein Werk eignet sich mitnichten für reduzierte Betrachtungen in Richtung der schöpferischen Zerstörung. Schumpeter sieht Gefahren der Instabilität. Der innovationsfördernde Wettbewerb werde zunehmend durch durchrationalisierte Monopole und Trusts zerstört. An die Stelle persönlicher Verantwortung trete allmählich eine bürokratische Verwaltungslogik, an die Stelle von Erfindungsgabe die Dominanz technischer Kontrolle. Wie Friedrich Nietzsche und Max Weber hatte Schumpeter ein Gespür für paradoxale Zuspitzungen. Er war der festen Überzeugung, dass eine angemessene Erforschung der kapitalistischen Entwicklung nur bei Einbeziehung aller dafür ausschlaggebenden Faktoren von der Ökonomie über die Kultur bis zum Recht oder den persönlichen Wertorientierungen möglich sei. Innovationen, die „Durchsetzung neuer Kombinationen“ in Wirtschaft und Gesellschaft, seien „die überragende Tatsache in der Wirtschaftsgeschichte der kapitalistischen Gesellschaft“, schreibt Schumpeter in seiner erstmals 1911 veröffentlichten Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie sind die Ursache von wirtschaftlichem Auf- und Abschwung, von Konjunkturzyklen, sogenannten Juglars, von Lagerhaltungszyklen, sogenannten Kitchins, und – ab der zweiten, merklich revidierten Auflage (1926) – auch von langen Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung, sogenannten Kondratieffs oder Wachstumszyklen. Die Weltwirtschaftskrise in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren sei nur unter Berücksichtigung dieses Moments zu verstehen. Bei ihr handele es sich um eine „Kondratieff-Rezession“, lesen wir in den Business Cycles, ausgelöst durch die Erschöpfung der innovativen Potenziale in der Elektro-, der chemischen und der Automobilindustrie und deren Zulieferer.

Die Krise sei nicht, wie vielfach behauptet, Ausdruck eines fundamentalen Funktionsversagens des Kapitalismus, sondern nur das Resultat des unglücklichen „Zusammentreffens der Depressionsphasen aller drei Zyklen“. Konjunkturzyklen und Krisen ergeben sich „notwendig aus dem Wesen der wirtschaftlichen Entwicklung“.

Zyklen seien nicht wie Mandeln Dinge, die abtrennbar wären und für sich behandelt werden könnten, formuliert er in den Business Cycles, „sondern vergleichbar dem Schlag des Herzens ein Teil des Wesens des Organismus, der sie aufweist.“

„Wie werden westliche Demokratien mit ökonomischer Stagnation bei gleichzeitiger Verschärfung der Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung umgehen, wie mit der Flucht von Millionen Menschen aus Krisen-und Kriegsgebieten? Wird an die Stelle der Demokratie ein patrimoniales System treten, früheren feudalistischen Systemen nicht unähnlich, in dem soziale Stellungen vererbt und nicht durch Leistung erworben werden, wie Piketty meint?“, fragt der Schumpeter-Forscher Heinz D. Kurz.

Welche Wirkung hat die schleichende Machtzusammenballung auf Märkten, die Konzentration des Kapitals in großen Trusts und die Bürokratisierung von Unternehmungen?

„Schumpeter war bestrebt, die Wirtschaftstheorie zu revolutionieren, ihr einen Weg aus der Enge der ökonomischen Statik zu weisen und sie in Richtung Dynamik zu öffnen. Dies verlangte die Aufgabe zahlreicher überlieferter Denkgewohnheiten und Glaubenssätze. Wie der Keynes der General Theory versuchte er die Mainstream-Doktrin seiner Zeit zu überwinden und an ihre Stelle eine Analyse zu setzen, die das Bewegungsgesetz der kapitalistischen Ökonomie aufspürt und analytisch erfasst. Dies ist ihm nur sehr partiell gelungen – der größte Teil der Profession hängt immer noch der Auffassung an, Gegenstand der Ökonomik sei hedonistisches, nicht aber unternehmerisches, das heißt innovatives Verhalten, sei Optimierung unter wohl bekannten Nebenbedingungen, nicht aber die Überwindung derartiger Bedingungen durch Neuerungen, sei ein Studium ökonomischer Gleichgewichte, nicht aber von Entwicklung und schöpferischer Zerstörung. Den Ideen Schumpeters ist damit (ähnlich wie denjenigen Keynes’) bislang der von ihrem Urheber gewünschte Erfolg weitgehend versagt geblieben. Die Wirklichkeit indes hält sich nicht an die gleichgewichtigen Vorgaben der Mainstream-Ökonomen, sondern stellt ein ums andere Mal unter Beweis, dass es sich bei der Ökonomie um ein komplexes dynamisches System handelt, krisenanfällig und regulierungsbedürftig. Schumpeter gebührt das Verdienst, tastende Schritte in die richtige Richtung gemacht zu haben. Es ist ergiebig, sich mit seinen Überlegungen kritisch auseinanderzusetzen und die von ihm vorgestellten Ideen weiterzuentwickeln“, resümiert Kurz.

Wie werden das bei unserem Schumpeter-Abend ansprechen.

#SPDVorsitz – Stichwahl zwischen Geywitz/Scholz und Esken/Walter-Borjans – Hier noch einmal das Interview mit @EskenSaskia

Was für ein toller Erfolg des Teams Esken/Walter-Borjans im Mitgliederentscheid über den SPD-Vorsitz.

Das anfänglich favorisierte Team Klara Geywitz / Olaf Scholz erhielt 48.473 Stimmen – das sind 22,68 Prozent. Das Team Saskia Esken / Norbert Walter-Borjans belegte mit 44.967 Stimmen (21,04 Prozent) den zweiten Platz. Keines der Teams hat die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten. Damit ist eine weitere Abstimmung zwischen den beiden Teams mit den meisten Stimmen notwendig. Die Mitgliederbefragung dazu findet zwischen dem 19.11.2019 und dem 29.11.2019 statt.

Im Vorfeld hatte ich ja die Gelegenheit, mit Saskia Esken über ihre Vorstellungen für den SPD-Vorsitz zu sprechen. Das Interview hat jetzt wohl an Nachrichtenwert gewonnen. Denn Insider gehen davon aus, das die Landesverbände BaWü und NRW Esken und Walter-Borjans den Wahlsieg bescheren werden.


Demokratisierung in Unternehmen durch digitale Tools – Eine Recherche

Gabriel Rath diskutierte auf dem IOM Summit in Köln mit Fabian Schütz (Otto), Harald Schirmer (Continental), Julia Wieland (SMA) und Alexander Kluge (Kluge Konsorten) über die Entwicklung des Digital Workplace. Seine These dabei war, dass man durch den konsequenten Einsatz von digitalen Collaboration-Tools eine Demokratisierung in Unternehmen anstoßen könnte.

„Mein Punkt ist, dass Social Media sowohl im Bereich der internen als auch der externen Kommunikation für mehr Beteiligung sorgen – wenn sie richtig genutzt werden. Denkt man zurück an den arabischen Frühling erkennt man die Kraft, die sozialen Medien entfalten können. Auch eine Greta hätte es ohne Social Media vermutlich nicht gegeben. Auch im Bereich Marketing und Werbung hat der Kunde seit Facebook, Twitter & Co endlich ein demokratisches Mitspracherecht“, erläutert Gabriel Rath.

Durch Social Tools erlebe man einen deutlichen Shift in der Kommunikationskultur. „Früher liefen Informationen gefiltert von oben nach unten und der Mitarbeiter war nur Empfänger. Heute sind Mitarbeiter auch Sender, können Ideen einbringe, Feedback geben und Initiativen starten. Wir erleben das bei der OstseeSparkasse Rostock auch in unserem Enterprise Social Network ‚OSPA Connect‘. Seit gut vier Jahren gibt es die Möglichkeit für jeden Mitarbeiter, Communitys zu starten, Blogs und Wikis zu starten, zu kommentieren und zu empfehlen. Diese neue Freiheit, sichtbar zu werden und eigene Impulse zu setzen, möchten die Kollegen nicht mehr missen. Leider ist dieser Fall in der Sparkassenwelt (noch) eine Seltenheit.“

Den Demokratisierungseffekt über Tools hatte ich in meiner Angestelltenzeit bei o.tel.o als Leiter der Unternehmenskommunikation getestet. Das war 1997/98.

So glaubte der Vorstand von o.tel.o, mit dem Intranet könne man nur die Informationen streuen, die von der Kommunikationsabteilung zugelassen werden. Dabei hatten wir ein wenig anarchisch mit dem Produkt „Backweb“ elektronische Agenten eingeführt, mit denen jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eigene Informationsmenüs festlegen konnte. Vom Betriebsrat bis zu Spiegel Online wurden die Inhalte automatisch zur Verfügung gestellt, wie auf einer Menükarte. Dazu gehörten auch Meldungen von Presseagenturen. Trotzdem wollte der Vorstand Agenturmeldungen über Verkaufsgerüchte nicht ins Intranet stellen. Begründung:

„Das könnte die Mitarbeiter verunsichern.“

Die o.tel.o-Belegschaft war dann aber verunsichert, weil die Meldungen nicht direkt von der internen Kommunikation verbreitet wurden. Spätestens auf der Rückfahrt ins eigene Heim trällerten die Hiobsbotschaften über WDR 2 oder waren am Frühstückstisch in den Lokalzeitungen nachzulesen. Der Vorstandschef hätte das direkt über Backweb kommentieren können, dann wäre die Belegeschaft etwas weniger zornig gewesen.

Taktstock-Kommunikation

In einem Arbeitskreis für Unternehmenskommunikation, in dem ich das Programm Backweb vorstellte, gab es einen heftigen Streit über die Möglichkeiten der Belegschaft, ohne Filter und Weichzeichner direkt externe und interne Informationen zu erhalten. Einige witterten bei dieser Tagung in den Räumen der Deutschen Bank Anarchie und Revolution (jetzt könnt Ihr raten, wer da ausgerastet war….). Andere sahen ihren Arbeitsplatz gefährdet, weil sie ihrer Funktion als Schönredner nicht mehr nachkommen konnten und pochten auf die Bewahrung ihres Informationsmonopols. Mich hat nicht gewundert, dass in der Mitarbeiter-Zeitschrift der Deutschen Bank der damalige Vorstandschef Breuer grinsend mit Taktstock abgebildet wurde mit der sinnigen Unterzeile: „Breuer gibt den Takt an“.

Die PR-Chefin von Mannesmann-Arcor reagierte nach der Übernahme von o.tel.o etwas entgeistert auf meine kritische Würdigung ihrer internen Propagandafibeln. Die Dame hatte eine Vorliebe für Firmenjubiläen, Rätselecken und Passfotos ihres übergewichtigen Vorstandsvorsitzenden. Das seien Management-Konzepte von vorgestern, sagte ich in der ersten Besprechung. Sie erwiderte, man habe halt viele Mitarbeiter der Bahn-Tochter übernommen und da seien eben Jubiläen wegen der Betriebszugehörigkeit an der Tagesordnung. Ich sagte, so etwas könne man auch digital abbilden. Die Dame verließ mein Büro und ich konnte bis zu meiner Freistellung am Werder-Bremen-Profi-Kicker spielen und mit Kolleginnen und Kollegen über die Abfindungskonditionen sinnieren. So eine Fusion hat ja auch positive Seiten – meine Leistungsfähigkeit am Kicker war Ende der 1990er Jahr auf dem Höhepunkt. Mittlerweile bin ich froh, wenn ich überhaupt den Ball treffe.

Ich würde das Tool-Thema gerne vertiefen und suche weitere Beispiele sowie Interviewpartnerinnen und Interviewpartner. Bitte bei mir melden.