Mittelstand aus der Kreditklemme befreien

Mittelständische Unternehmen gehen durch ein Wechselbad der Gefühle. „War es im Juli noch der hohe Ölpreis, der alle schockte und die positive Entwicklung der letzten Jahre dämpfte, hält nun das Schreckgespenst der internationalen Finanzkrise die deutsche Wirtschaft in Atem. Weltweit sind die Kredit- und Finanzierungssysteme aus den Fugen geraten, weil die Banken einander nicht mehr vertrauen und gegenseitig kaum Geld leihen. Stattdessen sind die Finanzinstitute stark darauf bedacht, ihre Liquidität möglichst nicht zu schmälern. Dies hat zur Folge, dass Banken Gelder nur noch sehr zögerlich locker machen. Mittlerweile erfolgt die Kreditvergabe äußerst restriktiv und ausschließlich gegen hohe Sicherheiten sowie teure Zinssätze. Für viele Unternehmen mit geringem Eigenkapital und Bonität wird es deshalb immer schwieriger an Fremdkapital zu kommen, das sie dringend für neue Investitionen in Projekte sowie Forschung und Entwicklung benötigen. Längst ist die Hausbank nicht mehr der gewohnte Kreditgeber früherer Zeiten und müssen sich Firmen nach anderen Geldquellen umsehen“, berichtet die Computerwoche http://www.computerwoche.de.

 

Die Problematik ist allerdings nicht neu. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmw.de hatte schon Ende vergangenen Jahres eine rigorosere Kreditpolitik der Geldhäuser gegenüber dem Mittelstand ausgemacht und diese Tatsache im Frühjahr erneut angeprangert. Schon damals attestierte er nach Umfragen im Mittelstand eine zunehmende Verknappung und Verteuerung der Firmenkredite in Folge der Bankenkrise. Um die Kreditengpässe zu überbrücken, seien Notfallpläne unabdingbar. Als Ersatz für klassische Bankkredite benennt Ohoven zum Beispiel Gesellschafterdarlehen, Lease-back-Verfahren, Factoring, Leasing, Mezzanine oder die Ausgabe von Genussscheinen. „Während der BVMW-Chef im Frühjahr fast noch wie der einsame Rufer in der Wüste erschien, und andere Institutionen die Gefahr der Banken- und Kreditkrise eher klein redeten, hat die Realität nun alle eingeholt und schlägt die Knappheit an Fremdkapital mit voller Wirkung auf deutsche Unternehmen durch. Mögliche Folgen sind Investitionszurückhaltung, Arbeitsplatzabbau sowie eine Eintrübung der wirtschaftlichen Lage durch weniger Aufträge und Umsatzschwund“, so die Computerwoche. Um volkswirtschaftlich negative Folgen abzuwenden, seien nach Auffassung von Ohoven konjunkturpolitische Maßnahmen der Bundesregierung notwendig. Konkret schlug der Mittelstandspräsident vor: Verzicht auf den Gesundheitsfonds; der einheitliche Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung bedeutet eine Steigerung der Lohnzusatzkosten in 2009 von rund zwei Milliarden Euro – Verzicht auf die Erbschaftsteuer; dadurch würden Mittel, die Betriebe für etwaige Steuerzahlungen nach der Übergabe vorhalten müssen, für Investitionen frei – Beseitigung oder zumindest Minderung der kalten Progression; von den Steuermehreinnahmen des Staates zwischen 2004 und 2007 in Höhe von 91 Milliarden Euro sind beim Arbeitnehmer nur 18 Milliarden Euro angekommen – Absenkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung auf 2,3 Prozent; zur Finanzierung könnten entbehrliche Leistungen im Umfang von rund 6 Milliarden Euro abgebaut werden.

 

Ohoven sprach sich zugleich gegen ein klassisches Konjunkturprogramm aus. „Spätestens seit den 70-er Jahren wissen wir, dass solche Milliardenspritzen kurzfristig allenfalls Strohfeuereffekte auslösen, langfristig aber die Verschuldung des Staates nach oben treiben.“ Ein Aufschwung auf Pump nutze niemandem. Im Kontext des Finanzmarktstabilisierungsfonds der Bundesregierung warnte Ohoven vor der Annahme, Milliardenbürgschaften und -hilfen allein würden automatisch die Kreditfinanzierung des Mittelstands als Konjunkturmotor sichern. „Die Banken können jetzt zwar nominell oder tatsächlich wieder mehr Eigenkapital zur Besicherung von Krediten nach Basel II ausweisen. In Folge der Krise werden sie aber auch ihre Kredite an Großschuldner mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Für den Mittelstand dürfte da wenig übrig bleiben.“ Er fordert die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass die restriktiven Vorschriften von Basel II für einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt werden. „Die USA, denen wir ja Basel II und letztlich auch die weltweite Finanzkrise verdanken, messen Basel II seit längerem ohnehin kaum noch Bedeutung bei“, so das Resümee von Ohoven.

Mobiles Internet als Bindeglied zur Medienbranche: Netzinfrastruktur muss sich verbessern – Nachholbedarf auch bei Abrechnungssystemen und Datentarifen

Das mobile Internet steht für RTL Mobile-Vice President Robert Fahle als Synonym für die Verbindung zwischen Medien- und Mobilfunkbranche. Eine Analyse der Mediennutzung zeige, dass am Wochenende am wenigsten stationäre Medien wie Fernsehen oder Internet genutzt würden. Mit entsprechenden mobilen Inhalten könnte sich dies ändern. Allerdings weist er auf den notwendigen Nachholbedarf bei der Netzinfrastruktur hin:

„Wer die Fachmagazine liest, der bekommt ja wirklich den Eindruck, dass da draußen für den Kunden die gesamte Netzinfrastruktur steht und wir können jetzt eigentlich mit Mobile TV, aber auch mit Mobile Internet und Mobile Video kommen. Aber das stimmt natürlich einfach nicht. Denn über die Netze hinweg in Deutschland haben wir als Anbieter von Inhalten natürlich schon sehr starke Serviceunterschiede“, sagt Fahle.

Leider sei es Realität, dass die deutschen Mobilfunknetze längst noch nicht als Multimedianetze ausgelegt seien.Für Jens Uwe Bornemann von der UFA Film- und TV-Produktion GmbH wird es immer wichtiger, zielgruppengerechte Angebote zu etablieren. Begleitend beispielsweise zu TV-Soaps setzt er auf Brand Extension, die Programmmarkenverlängerung. Damit würden die Nutzer in anderen Communities abgeholt. Für diese wie für Mobile Gaming-Angebote sieht er nach wie vor Potenzial. Wichtig sei vor allem die Benutzerfreundlichkeit der jeweiligen Geschäftsmodelle für den Massenmarkt:

„Komplizierte Registrierungs- und Abrechnungsmodelle wirken dabei eher abschreckend“, erklärt Andreas Dippelhofer, Mitglied der acoreus-Geschäftsleitung und verantwortlich für den Vertrieb. „Die Abrechnung selbst ist keine Innovation.“

Aber eingebettet in das Geschäftsmodell beeinflusse sie den wirtschaftlichen Erfolg, so das Fazit von Dippelhofer.

Nachholbedarf sehen Experten auch bei den Datentarifen. „Studiert man das ‚Kleingedruckte’ vermeintlicher Flatrate-Angebote der Betreiber, so findet man dort in viele Fällen Limitierungen im Datenvolumen, bei deren überschreiten entweder die Kosten exponentiell ansteigen oder in anderen Fällen die Nutzungsbandbreite reduziert wird“, moniert Jens Klemann, Geschäftsführer der Bad Homburger Unternehmensberatung Strateco und Co-Autor der Studie „Mobile Marketing“. Solche Angebote dennoch als Flatrate zu titulieren sei irreführend und trage nicht zu einer stärkeren Nutzung des mobilen Internets bei. „

Gleiches gilt für Datenverbindungen im Ausland, bei denen exorbitante Kosten entstehen können, wenn man beispielsweise im Auslandsnetz vergisst, die regelmäßige Synchronisation zu deaktivieren und im Rhythmus von fünf Minuten für jede einzelnen Verbindungsaufbau kräftig zur Kasse gebeten wird. Mit einer derartigen Preispolitik werden die Wachstumsphantasien der Netzbetreiber sicherlich nicht aufgehen“, vermutet Klemann.

Auch die Endgeräte und Inhalte seien für mobile Internetanwendungen bislang nicht geeignet.

„Selbst auf dem großen iPhone-Screen ist es mühsam, schnell komplette Internetseiten zu überfliegen, die für den heutigen Mindeststandard von 1024 x 768 Punkten Auflösung aufgelegt sind. Multimediale Inhalte wie Real Audio, Flash Player oder Java-Anwendungen stellen weitere Hemmnisse für die mobile Nutzung dar. Internetseiten, die für leistungsfähige Rechner mit großen Flatscreens ausgelegt ist, werden den kleinen, mobilen Endgeräten zwangsläufig ständig davonlaufen“, so Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Unternehmens Aastra.

Es würde zudem an wertvollen Anwendungen mangeln.

„Die Situation entspricht dem mobilen TV. Für Geschäftsanwendungen sieht die Sache anders aus. In vielen Unternehmen und Branchen sind Push E-Mail-Lösungen bereits üblich, dazu auch Clients auf dem Mobiltelefon, die das Endgerät zur vollwertigen Nebenstelle der TK-Anlage machen und mobilen Zugriff etwa auf das Unternehmenstelefonbuch bieten oder den Anwesenheitsstatus des Mitarbeiters über sein Handy mit der Unternehmenszentrale abgleichen. Auch 3G-Datenkarten für den mobilen Intranetzugang sind in vielen Unternehmen Standard“, erläutert Latzel.

Generell baue die zusätzliche Wertschöpfung von modernen Unified Communications-Konzepten der Unternehmen auf der Mobilitätsintegration auf, daher nenne Aastra das Konzept „Mobile Unified Communications“:

„Für Privatkunden gibt es häufig mobile Lösungen, die isoliert vom sonstigen Nutzungsverhalten angeboten werden. Unsere Strategie sieht anders aus. Für Unternehmen bieten wir mobile Anwendungen, die in die bestehenden, nicht-mobilen Prozesse und Systeme integriert sind“, so Latzel.

Mobilfunk meets Modemarkt: Handelskette New Yorker startet Handyangebot

Fragt man den Mobilfunktrends 2008, dann kommen ganz unterschiedliche Ansichten. Sprachsteuerung und das mobile Internet werden eine gewaltige Rolle spielen, meinen die einen. Andere erwarten zur Fußball-Europameisterschaft im Sommer endlich den Durchbruch von Fernsehen über das Handy. Ästheten haben längst das Handy als Schmuckstück und Modeaccessoire entdeckt und lassen es beispielsweise mit Edelsteinmosaiken verzieren, wie es das Berliner Unternehmen Bling My Thing http://www.bling-my-thing.de anbietet. Jedes Handy, aber auch Visitenkartenhüllen, iPods, Spielekonsolen sollen so eine individuelle Note bekommen. Ein eigenes Mobilfunkangebot haben die Berliner dazu noch nicht auf den Markt gebracht, aber dafür viele andere: Kaffeeröster, Discountmarktketten, Fußballclubs – immer mehr Unternehmen haben in den letzten Jahren den Mobilfunk als Geschäftsmodell für sich entdeckt. Kundenbindung heißt das Ziel. Mit der Braunschweiger Bekleidungsmarktkette New Yorker http://www.newyorker.de kommt nun ein neues Angebot mit dem Namen New Yorker Mobile auf den umkämpften Markt. Im Monatspreis von 9,95 Euro sind bereits 100 Gesprächsminuten in alle deutschen Netze enthalten. Die brand mobile GmbH http://www.brand-mobile.de, eine Tochter der E-Plus Gruppe, realisiert im Verbund mit der Düsseldorfer acoreus AG http://www.acoreus.de das Mobilfunkangebot für das Young Fashion Unternehmen. brand mobile bietet als virtueller Mobilfunkanbieter (MVNO) die kompletten Leistungen für das Mobilfunkangebot: Tarifierung, Einkauf der Netzkapazitäten, Einkauf der Abrechnungsdienstleistungen und letztendlich die gesamte Abwicklung der Logistik für die Zulieferung der SIM-Karten. Als Markenpartner und Anbieter gegenüber den Endkunden tritt in diesem Fall New Yorker auf. Die Abrechnung erfolgt im Namen von brand mobile und wird über acoreus abgewickelt. „Mit der Gewinnung von brand mobile haben wir unsere Erfahrungen und unser Know-how im Umfeld der MVNOs erneut unter Beweis stellen können“, freute sich Omar Khorshed, Vorstandsvorsitzender von acoreus gegenüber pressetext. Sein Unternehmen übernimmt für das neue Postpaid-Angebot die gesamte Prozesskette von der Auftragsannahme über Rechnungsstellung bis hin zum Inkasso. Allerdings tritt das Unternehmen nur als Dienstleister im Hintergrund auf, im Rahmen einer so genannten White Label-Lösung.

Nach Einschätzung des Eco-Verbandes http://www.eco.de schwindet die Dominanz der klassischen Anbieter, die bislang die gesamte Wertschöpfungskette im Mobilfunk abdeckten. „Die alten Konzepte haben keine Chance mehr. Niemand glaubt mehr an die alten Portalstrategien oder dass sich mit der Finanzierung teurer Features auf dem Handy die Nutzung bestimmter Dienste schneller vorantreiben lässt“, betont Bettina Horster, Leiterin des Arbeitskreises M-Commerce bei Eco. Die Anforderungen, um im Telekommunikationsmarkt erfolgreich neue Geschäftsmodelle im Umfeld der „Mobile Virtual Network Operators“ (MVNO) zu platzieren, seien hoch und scheiterten meist an der hohen Komplexität der Lösungen, so die Erfahrung des acoreus-Chefs. Die Düsseldorfer haben ihre Dienstleistungen und Services besonders auf diese speziellen Anforderungen hin ausgerichtet. „Maßgeblich für uns und unsere Kunden ist die Reduktion der Komplexität“, so Omar Khorshed. Der Düsseldorfer Dienstleister im Bereich Kundenmanagement, Abrechnung und Zahlungsverkehr hat eine Lösung entwickelt, die es MVNOs ermöglicht, innerhalb von kurzer Zeit im Markt zu starten – auch mit einem vergleichsweise geringen Kundenstamm, im Gegensatz zu alternativen Anbietern, die wesentlich größere Kundenzahlen benötigen, damit sich Aufwand und Investition rechnen.

Weltmacht China nur ein Scheinriese?

Chinas und Indiens Wirtschaft lehrte in den letzten Jahren nicht nur die Deutschen das Fürchten. Die Konkurrenz aus Asien erschien übermächtig. Doch neue Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) http://www.imf.org beziffern den Anteil der beiden Volkswirtschaften deutlich geringer als bisher angenommen. „Diese Daten könnten noch zum Problem werden“, sagt der Düsseldorfer Emerging Markets-Fachmann Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Die Auguren gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in den USA verschlechtern wird. Alle Anzeichen deuten darauf hin. Bisher hatte man darauf gesetzt, dass die so genannten Schwellenländer – und dabei natürlich insbesondere China und Indien – diesen Negativtrend zumindest teilweise kompensieren würde. Jetzt hat es aber den Anschein, dass andere Schellenländer wie Brasilien und Russland, aber auch Japan und die Ölexporteure, hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft bisher zu schlecht einschätzt wurden.“

Nach den neuen IWF-Schätzungen hat der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft im Jahr 2007 nicht 15,8 Prozent, sondern „nur“ 10,9 Prozent betragen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net. Der Anteil Indiens wurde von 6,4 auf 4,6 Prozent zurückgenommen, derjenige der amerikanischen Wirtschaft hingegen von 19,3 auf 21,4 Prozent hochgesetzt. Insofern ist fraglich, ob der Abschwung in Amerika spurlos an den Märkten in Europa und Asien vorbeigehen wird. „China ist zwar von dem IWF nicht als Scheinriese Tur Tur aus den Romanen Michael Emdes entlarvt worden, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Doch die Überbewertung Chinas sollte all denen eine Lehre sein, die in den vergangenen Jahren nur noch Blicke für dieses Riesenreich hatten und dabei anscheinend nicht richtig hingesehen haben“, so Peisert.

Arbeiten ohne Stechuhr – Das Ergebnis zählt und nicht die Nine-to-Five-Mentalität

Das Wort Flexibilität wird oft formelhaft wiederholt. Der klassische Nine-to-Five-Job passt nicht so recht in die schöne neue Arbeitswelt. Nach der Studie „Flexible Working 2007“ von Johnson Controls Global Work Place Solutions http://www.johnsoncontrol.com wird flexible Büroarbeit zur Norm. Mehr als 60 Prozent der 200 internationalen Studienteilnehmer arbeiten nämlich regelmäßig an verschiedenen Orten – im Büro, zu Hause oder unterwegs. Im Vergleich zum 2006, so die Autoren der Studie, verbrachten die Befragten in 2007 weniger Arbeitszeit im Unternehmen (18 Prozent), dafür mehr Zeit im Homeoffice (36 Prozent) sowie beim Kunden oder auf Reisen (46 Prozent).„Bisher stand für Arbeitnehmer vor allem freie Zeiteinteilung im Vordergrund. Die aktuelle Studie von Johnson Controls zeigt hingegen, dass die flexible Wahl des Arbeitsumfeldes zunehmend wichtiger wird“, kommentierte Paul Barlett, Vorsitzender des Office Productivity Network http://www.officeproductivity.co.uk, die Resultate der Befragung. Das Büro werde vorwiegend zum Ort der Interaktion, an dem sich Mitarbeiter austauschen und zusammenarbeiten. Es reiche nicht mehr aus, Mitarbeitern „nur“ einen Büroarbeitsplatz im Unternehmen bereitzustellen.

„Die technischen Voraussetzungen für räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten sind durch die moderne Telekommunikation gegeben. Wer die besten Köpfe für sein Unternehmen gewinnen will, muss ihnen mehr bieten als nur eine angemessene Bezahlung. Dazu gehört auch ein möglichst flexibles Arbeitsumfeld. Zudem kommt dieses Modell berufstätigen Müttern und Vätern entgegen. Allerdings verhindert eine konservative, ja starre Kultur in manchen Unternehmen, dass Telearbeit oder Gleitzeitmodelle auch wirklich zum Einsatz kommen“, sagt der Personalexperte Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung in Köln http://www.kirchconsult.de.

In einer globalisierten Arbeitswelt müssten sich auch die Arbeitszeiten internationalen Standards anpassen, so Emde. „In Europa klammern sich einige noch viel zu stark an die 35-Stunden-Woche oder den geregelten Arbeitstag von neun bis 17 Uhr. Das gehört der Vergangenheit an. In den Vereinigten Staaten geht man teilweise schon viel radikalere Wege“, weiß der Personalexperte. Er verweist auf den größten amerikanischen Elektronikhändler namens Best Buy http://www.bestbuy.com, den die Wochenzeitung Die Zeit http://www.zeit.de als das „Kaufhaus der Freiwilligen“ beschrieben hat. Dort gibt es weder vorgeschriebene Stundenzahlen für die Beschäftigten, noch Anwesenheitspflicht bei Besprechungen und auch keine Kernzeit. „Statt Stunden nachzuweisen, zählt nur das Ergebnis: erledigte Aufgaben, abgearbeitete Projekte“, schreibt Zeit-Autorin Heike Buchter.

„So ganz schlecht scheint das Unternehmen damit nicht zu fahren“, meint Emde. „Schließlich erwirtschaftete die Elektronikkette im dritten Geschäftsquartal 2007 einen satten Gewinn. Es ist ja auch ein Trugschluss, dass Arbeiten ohne Kernzeit und Stechuhr weniger produktiv oder leistungsbezogen sei. Ganz im Gegenteil: Die Führungskräfte haben in einem solchen System die Aufgabe, ihre Mitarbeiter anhand der tatsächlich geleisteten Arbeit zu beurteilen. Entscheidend ist die Produktivität, und nicht, ob von neun bis fünf die Schreibtischlampe brennt.“

Die Arbeitsmarktpolitik von Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden hat nach Auffassung des Dienstleistungsexperten Michael Müller diese neue Lebenswirklichkeit noch nicht erfasst. „Vor allen Dingen der Einstieg in die digitale Ökonomie hat Menschen und Märkte verändert, Ansprüche an Produkte und Service individueller gemacht. In einer von so genannten E-Lancern beherrschten Ökonomie wandelt sich die Rolle des Wirtschaftsmanagers, der nichts mehr gemeinsam hat mit dem Industriekapitän vergangener Tage. An die Stelle eines Unternehmens industrieller Prägung tritt ein Netz von freischaffenden und weitgehend selbstbestimmten Arbeitskräften, die über die gesamte Welt verstreut und auf elektronischem Wege verbunden zusammenarbeiten können“, meint Müller Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o http://www.aogroup.de. Und hier werde nach Leistung bezahlt und nicht nach Löhnen und Arbeitszeiten, die Tarifkartelle am Grünen Tisch festlegen.