Call Center wollen ärgerliche Medienbrüche im Kundenservice vermeiden – Wird auch langsam Zeit

Vom 17. bis 19. Februar 2009 ist das Estrel Convention Center in Berlin-Neukölln wieder Treffpunkt der europäischen Call Center-Branche. In sieben Messehallen und auf über 8.000 qm präsentieren sich Anbieter für Telefonmarketing, Call Center-Ausrüstung, Beratung, Qualitätsmanagement, Telekommunikation, Internet, CRM-Lösungen und Personalmanagement. Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation erwartet der Messeveranstalter Management Circle einen erneuten Ausstellerrekord. Im vergangenen Jahr waren 230 Aussteller vertreten, 2009 werden rund 260 Unternehmen ihre Produkte, Dienste und Zubehör vorstellen. Nach der neuen Trendstudie der Softwarefirma Aspect, die von der Unternehmensberatung Strateco durchgeführt wurde, zählt Unified Communications zu den Kernthemen der Call Center-Branche. Der Trend weg von Einzellösungen hin zu integrierten Gesamtlösungen, der sich bereits in den Vorjahren abzeichnete, habe deutlich an Gewicht gewonnen. Fast 55 Prozent der befragten Unternehmen gaben zu Protokoll, bereits eine Lösung im Einsatz zu haben, bei der typische Call Center-Funktionen wie ACD, IVR und Dialer zu einer Lösung integriert sind; weitere fünf Prozent planen die Integration ihrer bestehenden Einzelkomponenten.

„Entsprechend wird Unified Communications (UC), allgemein definiert als die Integration aller wesentlichen Kommunikationsmedien in einer einheitlichen Anwendungsumgebung, als potenzieller Metatrend in der Kommunikation bestätigt: Über 50 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass UC ‚ganz sicher‘ die Kundenzufriedenheit erhöhen wird und rund 75 Prozent sehen darin ganz oder zumindest teilweise einen wichtigen Wettbewerbsvorteil für die Zukunft. Die Studie bestätigt somit, dass der Einführung von Unified Communications in Zukunft eine Schlüsselrolle für den Unternehmenserfolg beigemessen wird“, so die Aspect-Studie.

Die Verknüpfung der unterschiedlichen Kontaktkanäle zum Kunden auf einer elektronischen Plattform ist nach Auffassung von Peter Nowack, Geschäftsführer des Dortmunder Softwarehauses VoicInt, heutzutage unabdingbar. „Nur so können Missverständnisse und Dopplungen im Kundenservice verhindert und ärgerliche Medienbrüche vermieden werden. Etwa im Bankgeschäft: Überweisungen tätigen immer mehr Menschen online, bei Fragen nach Gebühren und Zinssätzen schicken die Kunden eine E-Mail, bei weiterem Informationsbedarf rufen sie an. Die Anforderungen an die Bank reichen von der einfachen Auskunft bis zur qualifizierten Beratung im persönlichen Gespräch. Alles das muss ein so genanntes Customer Interaction Portal heute bewerkstelligen“, erläutert Nowack.

Im Dezember 2008 konnte VoicInt ihr 100prozentiges Tochterunternehmen SDE Software Development Engineering an Genesys verkaufen, eine Tochtergesellschaft der US-französischen Unternehmensgruppe Alcatel-Lucent. SDE wurde als Spin-off ausgegründet, um das Genesys Customer Interaction Portal (GCIP) zu entwickeln, das mit dem Verkauf auch an Genesys übergeht. Hinzu kommen die damit in Verbindung stehenden Schutz- und Urheberrechte sowie die komplette Entwicklungsgruppe der SDE, die weiter in Dortmund für die weltweiten Kunden von Genesys arbeiten wird.

Mit der GCIP-Technologie sei es möglich, diese Leistungsmerkmale über das Web anzubieten, als „Hosting-Lösung“: „Die Tatsache, dass die technische Planungsgruppe der SDE ab jetzt für Genesys tätig sein wird, ist für unser Dortmunder Unternehmen der Ritterschlag und ein Beleg, dass exzellente Software nicht nur aus Silicon Valley kommt“, sagt Novack. Sein Unternehmen könne sich nun auf die Weiterentwicklung der eigenen GAdvance Produktlinie fokussieren, die auf der Call Center World vorgestellt wird. Angesichts der immer härter werdenden Leistungsbemessungskriterien, seien Kennzahlen und deren Kontrolle ein Muss im Call Center Betrieb. VoicInts Web Enterprise Monitoring ermögliche Managern, Team-Leadern und Supervisoren die Darstellung und Überprüfung von Kennzahlen in Echtzeit. So könne je nach Wert korrigierend in das Tagesgeschäft eingegriffen werden, um wichtige Kennzahlen zu erfüllen und Kunden zufrieden zu stellen.

„GAdvance Agent-Dektop bietet nach Firmenangaben alle erforderlichen Funktionen wie Konferenzschaltung, Weiterleitung, Email. Das System trägt zur besseren Vorbereitung von Kundengesprächen bei und verschafft den Mitarbeitern im Call Center einen Informationsvorsprung beispielsweise über den Grund des Anrufs, den Anrufe, über den voran gegangenen Brief- oder Faxverkehr, über bisherige Gespräche mit dem Kunden oder Produktinteressen“, sagt Nowack.

Die Anwendung GAdvance Control Center funktioniere wie ein Cockpit, um Daten effizient managen zu können. „Man kann imHandumdrehen Schablonen zur effizienten Konfiguration von Gruppen- und Agententätigkeiten erstellen, auch zeitgesteuert und im Voraus für bestimmte Stunden oder Tage: Das vereinfacht die tägliche Routine enorm, da sich Konfigurationswechsel, beispielsweise für die Wochenenden, an denen weniger Agenten verfügbar sind, komplett automatisieren lassen“, so Nowack. Nuance geht davon aus, dass bis 2010 rund siebzig Prozent der Anrufe bei Call Centern über Mobiltelefone erfolgen. „Schon bald wird es möglich sein, dass der Verbraucher einfach die Nummer eines Kundendienstes wählt, dieser Anruf von Nuance Mobile Care angenommen und dem Anrufer im Display seines Handys eine Self-Service-Option angezeigt wird“, teilt Nuance mit. Der Verbraucher könne dann mit einem intuitiven Display-Interface Probleme selbst lösen, wie die Diagnose und Behebung von Konfigurationsfehlern. Möglich seien auch Konto- oder Rechnungsanfragen über das Handy.

Mit Spracherkennung Politikern auf den Zahn fühlen – Neue Google-Suchfunktion „Elections Video Search“ soll amerikanischen Wahlkampf transparenter machen

Wer kennt das nicht: Gerade zu Wahlkampfzeiten verlieren sich Politiker in ihren Reden oftmals in Floskeln, Endlosschleifen und rhetorischen Leerformeln – die wichtigen Informationen werden darunter verschüttet.. Um dem zu entgehen, bietet Google eine neue Suchfunktion an. Google Elections Video Search wandelt die Reden der Politiker in Texte um und synchronisiert sie mit den Videos auf YouTube. Der Zuschauer muss sich nicht mühevoll die langatmigen Reden ansehen, sondern kann den Politikern gezielt auf den Zahn fühlen, indem er über Suchbegriffe die Rede eingrenzt. Die gewünschten Teilbereiche werden gelb markiert, vorspulen wird somit kinderleicht. Parallel zum gesprochenen Wort werden zudem die Texte eingeblendet.

 

Möglich wird diese Suchfunktion durch die so genannte Speech-to-Text-Technologie. Dafür wandelt ein Algorithmus jedes gesprochene Wort in Text um. Eine bislang nicht fehlerfreie Anwendung, wie die Google-Produktmanager Arnaud Sahuguet und Ari Bezman im Unternehmensblog http://googleblog.blogspot.com/2008/07/in-their-own-words-political-videos.html bestätigen: „Spracherkennung ist ein schwieriges Problem, das noch nicht vollständig gelöst ist. Wir arbeiten jedoch ständig daran, die Genauigkeit der Algorithmen und die Transkriptionsresultate zu verbessern“, führen die beiden Manager aus.

 

Bis dahin könne es vorkommen, dass einzelne Wörter oder Phrasen nicht richtig erkannt werden und Kauderwelsch auf dem Monitor erscheint. „Die menschliche Sprache ist einfach ein unglaublich komplexes System. Sobald man sie analysiert und nachzubilden versucht, offenbart sich eine Unzahl von Tücken. Allein die Koartikulation bringt Algorithmen leicht ins Schleudern. Darunter versteht man das Phänomen, dass Laute und Worte immer etwas anders ausgesprochen werden, je nachdem in welcher lautlichen Nachbarschaft sie vorkommen. Der gleiche Laut und das gleiche Wort existieren also in zahlreichen Aussprachevarianten“, erklärt Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de, im Gespräch mit dem Onlinemagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 

Bei einem geschätzten englischen Wortschatz von 600.000 bis 800.000 Wörtern, so der Duden http://www.duden.de, muss der Computer demnach mit einer fast unüberschaubar großen Menge an sprachlichem Input umgehen können. „Noch komplizierter wird es bei verschiedenen Rednern, wenn sich der Algorithmus den Eigenheiten des Sprachapparates des jeweiligen Sprechers anpassen muss“, so Steimel weiter. „Die Tage der ersten Generation der so genannten ‚Sprachcomputer’ sind glücklicherweise gezählt. Die Technologie ist inzwischen reif für Sprachdialoge, die die Erwartungen des Menschen besser verstehen. Gestützt auf eine neue Technologie-Generation entwickeln wir modulare, natürlich-sprachliche Dialogsysteme, die den Nutzer als Dialogpartner betrachten und natürlich-sprachliche Dialoge in höchster Qualität ermöglichen“, sagt Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

 

Die Produktmanager von Google wollen mit Google Elections Video Search nicht nur die Transparenz des US-Wahlkampfes erhöhen, sie erhoffen sich auch mehr Informationen darüber, wie Anwender mit Videos und eingebundenen Sprachapplikationen umgehen. „Auch wenn die transkribierten Texte noch nicht zu 100 Prozent genau sind, hoffen wir, dass die Suchfunktion für die Anwender nützlich ist“, so Sahuguet und Bezman.

Spracherkennung/Sprachcomputer: Google Maps hört aufs Wort – Automatischer Sprachdialog im Auto am attraktivsten

Besitzer eines Smartphones können den Kartendienst Google Maps ab sofort auch per Spracheingabe bedienen. In einer Testphase können zwar nur Nutzer eines Blackberry Pearl (8110, 8120 und die US-Version 8130) den neuen Service in Anspruch nehmen, Experten rechnen aber damit, dass auch andere Geräte diesen mobilen Dienst bald unterstützen. Der Anwender muss Adressen oder andere Zielorte wie Restaurants nun nicht mehr eintippen, was beispielsweise beim Autofahren die Suche erheblich vereinfacht.

Die neue Google Maps Funktion scheint konsequent, hatte der Suchmaschinengigant doch schon seit Längerem einen experimentellen Sprachservice unter dem Namen Google Voice Local Search angeboten. Unter der Nummer 1-800-GOOG-411 fragt man hierbei den Namen eines Unternehmens oder einer Unternehmensbranche in allen Teilen der USA an. Und die Möglichkeiten der Spracherkennung werden immer öfter genutzt.

Manfred Pinkal, Professor am Institut für Computerlinguistik und Phonetik an der Universität des Saarlandes, sieht vielfältige Einsatzmöglichkeiten „in allen Anwendungsfällen, in denen die Benutzung anderer Ein-Ausgabe-Wege unmöglich oder lästig ist. Dazu gehört natürlich das Feld der Telefonie-Anwendungen. Da ist die kommerzielle Umsetzung am weitesten fortgeschritten.“

Großes Potenzial macht er außerdem in allen Fällen aus, in denen Hände und Augen für eine andere Aufgabe gebraucht werden, beispielsweise bei operierenden Chirurgen, die Spiegel und Beleuchtung nachsteuern möchten. Der wirtschaftlich derzeit mit Abstand attraktivste Anwendungsfall sei der Sprachdialog im Auto: „Navigation, Telefon und Radio, mitgebrachte Elektronikgeräte – wie iPod oder Organizer – und Zugriffsmöglichkeiten auf externe Informationsdienste und Internet erlauben dem Fahrer, seine Zeit im Auto für immer reichhaltigere Infotainment-Angebote zu nutzen. Er braucht aber die Hände am Steuer und die Augen auf der Straße.“

Deshalb habe Sprache hier eine echte Chance und durchschlagende Funktion, prognostiziert der Wissenschaftler. Für den Berliner Sprachdialogexperten Lupo Pape, Geschäftsführer von Semanticedge, wird sich die Intelligenz der Sprachcomputer weiter verbessern:

„Die Sprachtechnologie ist einer der wichtigsten Technologien des 21. Jahrhunderts. In einigen Jahren werden wir unsere Bedürfnisse zu jeder Zeit einem sprachgesteuerten persönlichen Assistenten mitteilen können“, sagt Pape im Gespräch mit der Zeitschrift Direktmarketing.

Sein Unternehmen arbeitet an entsprechenden Software-Lösungen. Die virtuellen persönlichen Assistenten sollen dabei nicht nur per Spracherkennung Telefonverbindungen herstellen oder das SMS-Diktat auf dem Handy ermöglichen, sondern in Verbindung mit einem Service wie Wikipedia oder Google anspruchsvolle Fragen beantworten. Für die Spracherkennung im Auto spreche auch der Sicherheitsaspekt der „hands-free-Bedienung“, ebenso die Limitation des Armaturenbretts, deren Funktionalitäten und Anzeigen immer umfangreicher werden.

Spracherkennung ist nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung „in den vergangenen Jahren deshalb immer besser geworden, weil die Computer leistungsfähiger wurden. Sie können in erheblich kürzerer Zeit als früher erheblich mehr Varianten vergleichen und so die Wahrscheinlichkeit berechnen, welches Wort gemeint ist.“ Die Technik habe sich bereits „überall dort mit Erfolg ausgebreitet, wo es möglich ist, die zu erwartenden Muster einzuschränken, beispielsweise beim Auskunftssystem der Bahn – oder in Krankenhäusern. Radiologen hatten dort das Problem, dass sie gleichzeitig Texte eingeben und auf Röntgenbildern herumdeuten sollten.“

Kunden wollen keinen Service, sondern selbsterklärende und zuverlässige Produkte

Der beste Service ist kein Service. Bill Price, der frühere Kundenservice-Manager des Online-Buchhändlers Amazon, hat diese provokante These formuliert:

„Der durchschnittliche Kunde hat einfach keine Lust, seine Bank anzurufen oder seinem Online-Händler eine E-Mail zu schicken, wenn eine von ihm in Anspruch genommene Sachleistung weiterer Erklärungen bedarf oder Defizite aufweist. Stattdessen sollte alles von Anfang an klar strukturiert und problemlos verlaufen“, so seine Analyse der Servicewünsche auf Kundenseite.

Mit dem Kauf eines Produktes soll der Kunde zufrieden sein und gar keinen Anlass finden, wieder mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten, bestenfalls für weitere Käufe. Bei Amazon ist daher die Zahl der Kontakte pro Kundenauftrag längst eine wichtige Steuerungsgröße.

Hat der Kunde dennoch einen Grund, sich beim Unternehmen zu melden, sei es wichtig, intelligente Selbstbedienungs-Konzepte zu entwickeln, so Price in seinem gemeinsam mit David Jaffe verfassten Buch „The best service is no service“.

„Die These von Bill Price ist verlockend und einleuchtend zugleich: Kunden wollen keinen Service, sondern selbsterklärende und zuverlässige Produkte, die möglichst den Servicefall ausschließen bzw. mit schnell und einfach zu bedienenden Self Service- Angeboten kombiniert sind“, bewertet Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business (IVB), die Empfehlungen des ehemaligen McKinsey-Beraters Price gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht.

Die Praxis zeigt, dass es vielen Unternehmen nicht gelingt, diesen Maßstäben gerecht zu werden.

„Sie schlagen sich anscheinend lieber in ihre Kundendienst-Abteilungen mit den Auswirkungen und Symptomen schlecht konzipierter Produkte und Services herum und betätigen sich in der Brandbekämpfung, ohne die Ursachen wirklich zu beheben“, weiß Steimel, der vor allem die Servicekultur im hart umkämpften Telefonmarkt kritisch unter die Lupe nimmt. „Insbesondere bei den Festnetzanbietern bekommt man zuweilen den Eindruck, dass sie alles tun, um möglichst viele Servicevorfälle zu generieren.“

Schlechte Erreichbarkeit, unzureichend geschultes Hotline-Personal, Tarifdschungel und abmahnfähige Geschäftsbedingungen führt er als Beispiele für schlechte Serviceerlebnisse an.

„All das führt schnell zu Kundenfrust. Mitarbeiter sind oftmals nicht in der Lage ein Problem am Telefon zu lösen, da sie lediglich für einfache Auskünfte, die so genannten FAQs, geschult sind, und über keine oder geringe Vollmachten verfügen, um ein Kundenanliegen schnell und unbürokratisch zu lösen,“ berichtet Steimel.

Kann einem Kunden nicht geholfen werden, werde dieser versuchen, über andere Kanäle das Unternehmen zu erreichen.

„Diese Mehrfach-Kontakte, der von Price zitierte ‚Schneeballeffekt’, werden dann zum echten Problem, wenn Anfragen über unterschiedliche Eingangskanäle nicht einem Vorgang zugeordnet werden können. Diese Fähigkeit besitzen leider die wenigsten Unternehmen. Zudem gibt es oftmals keine adäquate Möglichkeit einfache Vorgänge schnell selbst zu erledigen. Wer es gewohnt ist, seine Flüge online zubuchen, den telefonischen Quick Check-In bevorzugt und Sitzplatzreservieren per SMS liebt, der hat wenig Spaß bei den meisten Angeboten der Telefonfirmen zur Selbstadministration per Telefon oder im Internet“, so Steimel.

Telekommunikationsunternehmen müssten sich Gedanken machen, wie sie ihre Service-Intelligenz verbessern. Dazu zähle auch die Entkomplizierung von Produkten. Zudem müssten die Telefonfirmen ihre Service-Units als Profit- und nicht als Costcenter betrachten. Seine Prognose:

„Es spricht einiges dafür, dass ähnlich wie bei den Fluggesellschaften gut gemachte Self-Service Angebote auch angenommen werden, die Anzahl der Kundenanfragen sinkt und damit die Kunden-Zufriedenheit steigt.“

Positive Beispiele sind für ihn automatisierte Erinnerungsanrufe und aktive Informationen bei Serviceausfällen wie bei der Telekom Austria oder Sprachportallösungen wie sie T-Mobile nutzt, bei denen einfache Transaktion am Telefon schnell und ohne Warteschleife erledigt werden können.

„Die Exzellenz im klassischen Kundenservice und beim Servicedesign muss in den nächsten Jahren deutlich verbessert werden, sonst werden viele Jobs über die Klinge springen“, prognostiziert Steimel.

Der Fachmann für automatische Spracherkennung hält Unternehmen für zukunftsfähig, die komplexe Technik möglichst simpel nutzbar machen, das Plug-and-Play-Prinzip beherrschen, auf Produktästhetik achten und im Kundenservice auf persönliche und individuelle Wünsche eingehen.

„Alles andere läuft über Maschinen besser. Es dauert nicht mehr lange, dann können Automaten auf die Stimmungslage des Benutzers reagieren, einen Griesgram mit Humor freundlich stimmen, den Gestressten zügig bedienen und den Ratsuchenden mit ausführlichen und genauen Informationen versorgen – muffelnde Call Center-Agenten, dümmliche Beratung von der Stange, bürokratische Organisationen, überflutete Wartezimmer beim Onkel Doktor, Terminschlampereien von Kfz-Betrieben, Warteschleifen am Telefon oder genervtes Verkaufspersonal kann sich niemand mehr leisten“, warnt Steimel.

„Wir müssen die Self Service-Intelligenz viel stärker im Kundenservice verankern – vor allen Dingen im Call Center“, bestätigt Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin. Ein Automatisiertes System müsse fähig sein, eine Kommunikation einfach und über viele Kanäle führen zu können. Es sollte Vorschläge unterbreiten, die auf dem Verständnis und Kontext der Situation beruhen. „Die Absichten, Hintergründe und der ‚Leidensdruck’ des Kunden müssen antizipiert werden“, resümiert der Sprachdialogexperte Pape.

Das Thema Servicekultur in Deutschland beleuchtet bei den diesjährigen Voice Days am 15. Oktober in Wiesbaden auch eine Fachdiskussion, unter anderem mit Elke Wieczorek (Vizepräsidentin des Deutschen Hausfrauenbundes), Dr. Andreas Albath (Vorstandschef der telegate AG), Gülabatin Sun (Managing Direktor HVB Direkt GmbH), Gerald Schreiber (Geschäftsführender Gesellschafter der defacto.gruppe) und Renatus Zilles (Vorsitzender der Geschäftsführung des Mehrwertdienste-Anbieters Next ID).

Warum der beste Service kein Service ist: Amazon und die Kampfansage an Call Center

Der ehemalige McKinsey-Berater Bill Price kam 1999 zu Amazon und revolutionierte den Kundenservice des Online-Buchhändlers. Seine radikale Philosophie: Der beste Service ist kein Service. „Der durchschnittliche Kunde hat einfach keine Lust, seine Bank anzurufen oder seinem Online-Händler eine E-Mail zu schicken, wenn eine von ihm in Anspruch genommene Sachleistung weiterer Erklärungen bedarf oder Defizite aufweist. Stattdessen sollte alles von Anfang an klar strukturiert und problemlos verlaufen“, sagt Price. Er verweist auf eine vor kurzem veröffentlichte Umfrage, die zu seinem Konzept erhellende Ergebnisse offenbart. Demnach behaupten 75 Prozent aller befragten Geschäftsführer, dass ihre Unternehmen einen überdurchschnittlich positiven Kundendienst anbieten würden. Auf der Kundenseite sieht das Bild jedoch ganz anders aus. So monierten fast 60 Prozent aller befragten Kunden, dass sie „extrem unzufrieden“ mit ihrem zuletzt erlebten Kundenservice waren.
 
„Hier liegt ganz offensichtlich eine klaffende Diskrepanz vor. Um diese Schieflage zu beseitigen, müssen wir alles daran setzen, die Kundenkontakt-Frequenz dahingehend einzuschränken, dass ineffiziente Kontakte von vornherein vermieden werden. Dafür sollten wir aktive Selbstbedienungs-Services anbieten. Und erst dann, wenn Dinge außer Kontrolle geraten, ist es unsere Aufgabe, den Kunden durch einen perfekt funktionierenden Kundenservice zu einer uneingeschränkt positiven Erfahrung zu verhelfen“, erläutert Price.
 
Bei Amazon sei schon in der Aufbauphase der Einsatz von Software zur Selbstbedienung maximiert und die gebührenfreie Telefonnummer fast unauffindbar versteckt worden. So würden sich viele der dummen Fragen von selbst erledigen, sobald man den Zustelltermin klar und deutlich anzeigt. Ebenso rechne sich der automatische Versand von E-Mails, wenn eine Bestellung eingeht, wenn sie verschickt wird oder sich verzögert. Die Zahl der Kontakte pro Kundenauftrag zählt zur wichtigsten Steuerungsgrößen bei Amazon. Man ist dem Grund für jeden Kontakt genau nachgegangen – und hat dann Vorkehrungen getroffen, diesen überflüssig zu machen.
 
So konnte der Jeff Bezos-Konzern seine Kundenkontakte in den vergangenen fünf Jahren um 90 Prozent verringern. Nach Analysen von Price sind 80 Prozent der Kundenkontakte unproduktiv. Rund 15 Prozent der Anrufer sagen: „Etwas funktioniert nicht.“ Jeder vierte Kunde äußert: „Können Sie mir erklären, wie…..“ 40 Prozent fragen: „Wo bekomme ich…? „Einige Unternehmen scheinen es einfach nicht begreifen zu wollen, wie viel Geld und Kunden-Wohlwollen sie durch ihr Verhalten aufs Spiel setzen. Und anstatt sich auf den Ausbau des optimalen Kundenservices zu konzentrieren, lassen sie sich durch ineffiziente Kontrollinstrumente und Prozesse fehlleiten. Die meisten Firmen sind unfähig, ihren Service entsprechend der Kundenbedürfnisse neu auszurichten und zu optimieren. Sie lassen alles schleifen, korrigieren reaktiv nur das Notwendigste, und zwar dann, wenn ein Problem auftritt anstatt an der Basis grundlegende Veränderungen durchzuführen. Und von diesen indifferenten ‚mir-doch-egal-Unternehmen’ gibt es so einige, vor allem dort, wo kurzfristige Rentabilitätsmotive dominieren oder wo eine techniklastige Kultur vorherrscht“, weiß Price, der mittlerweile als freier Berater tätig ist.
 
In vielen Industrien gehe es überhaupt nicht um „gute“ oder „schlechte“ Angebote. So werde es in der Finanz- oder TK-Branche eher als vorteilhaft im Sinne des Marketings oder Produkt-Designs gesehen, wenn sich Produkte oder Dienstleistungen durch hohe Komplexität auszeichnen. „Die Unternehmen glauben, dass sie dadurch bessere und hochwertigere Produkte herstellen, während eine große Anzahl der Kunden Produkte und Dienstleistungen präferiert, die einfach und unkompliziert in der Anwendung sind, wie beispielsweise iPhone von Apple oder Amazon’s 1-click“, so Price.Alaska Airlines, Amazon, CheckFree, Citibank Card, eBay, First Direct, USAA und Zappos sind nach seiner Analyse gute Beispiele für einen „verbindlichen Selbstbedienungs-Service”. Die Firma Nordstrom sei schon fast legendär für ihren Kundendienst und habe bereits zwei wichtige Prinzipien des „Best Service” etabliert: „Mache es Deinen Kunden leicht und unkompliziert, Dich zu kontaktieren“ und „Höre genau auf die Kundenanfragen und -wünsche und agiere sofort“. „Ein anderes Beispiel ist die Restaurantkette ‚The Palomino’, die Reservierungen auf ihrer Website entgegennimmt, sich verpflichtet in einer Mindestzeit Anrufe zu beantworten und somit jegliche Art von Frustration seitens der Gäste von vornherein vermeidet“, sagt Price, der im Frühjahr zusammen mit seinem Partner David Jaffe das Buch „The Best Service Is No Service“ veröffentlicht hat. Die Thesen von Price stoßen auf Zustimmung: „Wir müssen die Self Service-Intelligenz viel stärker im Kundenservice verankern – vor allen Dingen im Call Center“, fordert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin. Ein Automatisiertes System müsse fähig sein, eine Kommunikation einfach und über viele Kanäle führen zu können. Es sollte Vorschläge unterbreiten, die auf dem Verständnis und Kontext der Situation beruhen. „Die Absichten, Hintergründe und der ‚Leidensdruck’ des Kunden müssen antizipiert werden“, resümiert Pape.