Twitch und der Kampf für sauberes Livestreaming

Livestreaming mit Alkohol
Livestreaming mit Alkohol

Twitch kämpft mit Bekleidungsregeln für sauberes und moralisch einwandfreies Livestreaming.

Folgende Punkte sollten die Gaming-Moralhüter, die Richter und Staatsanwalt in Personalunion spielen, in ihre AGBs aufnehmen: Nicht mehr toleriert werden,

Stinkefüße und übel riechende Socken (hygienische Zumutung);

leise Fürze – gemeint sind rückwärtige Ausdünstungen durch eine verschämte Gesäßanhebung – im Volksmund auch “einen fahren lassen” genannt (gravierende Methan-Emissionen mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erderwärmung);

öffentlicher Hangout-Konsum von Mettbröttchen oder noch schlimmer von Mettigeln (Provokation für Vegetarier sowie Veganer und seelische Grausamkeit gegenüber Netzmenschen, die mit ihren Bloggerbäuchen hadern – also ich);

Livesendungen mit süß anmutenden Winkekatzen – die via Twitter mit dem Hashtag ‪#‎katzenlivestream‬ verbreitet werden. Noch ablehnungswürdiger sind jene Web-Zeitgenossen, die einen Blogbeitrag schreiben und dabei einen #katzenlivestream mit einer fetten und winkenden Glückskatze live übertragen (Tierquälerei und Propagierung von sinnlosem Glücks–Aberglauben, der in der Glücks-Themenwoche der ARD uns jeden Tag um die Ohren gehauen wurde);

Husten ins Mikrofon (Virenschleuder mit Pandemiepotenzial);
Interviews mit meinem Bloggercamp.tv-Kollegen Hannes Schleeh, die ihn als Henning oder Hans titulieren (üble Verleumdung).

Fallen Euch noch weitere Punkte ein, die man Twitch mit auf den Weg geben sollte?

Spurensuche: Der Selbstmord eines Bonner Gerichtspräsidenten

Ein Freund wies mich auf einen Welt-Leserkommentar hin, der sich zum Selbstmord eines Richters in Nürnberg äußerte. Und da wurde es heute bei meinen Recherchen richtig spannend: Welt-Leser corvus albus schreibt:

„Vermutlich ein Fall von Selbstjustiz um nicht selbst von Kollegen gerichtet zu werden. Ort und Zeitpunkt sprechen hierfür. Wenn jemand bedroht wird, dann erhängt er sich wohl nicht an der Stelle seines Wirkens. Der Suizid in vorliegender Form deutet angesichts des Tatortes mehr auf eine Art Abrechnung oder Schuldanerkenntnis hin. Vor etlichen Jahren hat sich der Präsident des LG Bonn selbst gerichtet, da er die Schmach nicht ertragen konnte, dass seine Überschuldung wegen Spielsucht an die Öffentlichkeit dringen könnte“. Ende des Leser-Kommentars.

Da machte es bei mir Ding-Dong. Ich wohne nun schon seit über 20 Jahren in Bonn – aber diese Geschichte war mir nicht bekannt. Also mit der Suche im Web begonnen. Suchbegriffe kombiniert, in Zeitungsarchiven gestöbert, unter GBI-Genios nachgeschaut – Fehlanzeige. Nichts. Null. Mein Freund konnte sich noch vage an den Namen erinnern: Krämer oder Kremer – aber er wisse es nicht genau. Gut, mit dem Namen kann man ja unter Google irgendwelche Treffer erzielen. Ergebnis: Nichts.

Dann aber ein Volltreffer im Printarchiv des Bonner Generalanzeigers: Ex-Gerichtspräsident hat sich erschossen. Der Artikel erschien am 23. September 1992. So schlecht war meine detektivische Arbeit also gar nicht.

Allerdings wundert mich die kümmerlich kleine Notiz in dem Bonner Lokalblättchen:

„Arnulf Krämer ist tot. Der am 16. September überraschend, vorzeitig und unter Angabe von ‚persönlichen Gründen‘ vom Amt zurückgetretene ranghöchste Bonner Richter erschoß sich gestern nachmittag im Wald auf dem Venusberg zwischen Waldau und Annaberger Hof. (das ist ja bei mir in der Nähe, GS) Das erfuhr der GA aus zuverlässiger Quelle. Zuvor hatte Landgerichts-Dezernent Hans Brenner gegen 17 Uhr mitgeteilt: ‚Der ehemalige Präsident des Landgerichts ist heute verstorben. Es gibt Anzeichen dafür, dass er freiwillig aus dem Leben geschieden ist.‘ Der Gerichtssprecher beschränkte sich auf diese knappe Mitteilung und gab keine weiteren Erklärungen ab. Krämer wurde nach dem Schuß noch in die Klinik gebracht, erlag dort aber wenig später seiner schweren Verletzung. Der seit zwei Jahren verwitwete Richter ist angeblich von seiner Lebensgefährtin gefunden worden. Seit 1982 war Krämer Präsident des Bonner Landgerichts. Seit seinem Rücktritt war er nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Es mehrten sich seitdem Gerüchte, er sei in finanziellen Schwierigkeiten und habe Schulden.“

Ende der Meldung. Mein Gott, da hätten doch damals die Redakteure des GA zur Hochform auflaufen müssen, um die Umstände des Todes und die Gründe für den Rücktritt zu beleuchten. Still ruht der See. Kein weiterer Artikel.

Ein Porträt zum 60. Geburtstag von Arnulf Krämer war ungefähr doppelt so lang ausgefallen.

Da konnte man Sätze lesen wie:

„In geradezu rasendem Tempo verlief auch der berufliche Aufstieg des Juristen Kraemer. In Duisburg geboren, wird er am dortigen Amtsgericht mit 25 Jahren Assessor. Fuenf Jahre spaeter sitzt er 1958 als Landgerichtsrat in Moenchengladbach, 1967 wird er Oberlandesgerichtsrat in Duesseldorf, und im Alter von nur 46 Jahren landet er am Landgericht in Krefeld: als Praesident. Seit Mai 1982 liegt die Fuehrung des Bonner Landgerichts in seinen Haenden. Und auch hier hat sein Motto fuer alle Mitarbeiter besondere Gueltigkeit: ‚Der Buerger steht im Mittelpunkt. Wir sind fuer ihn da und nicht umgekehrt.‘ Ein daraus resultierendes Verhalten hat ihm jedoch bei besonders aufsehenerregenden Prozessen zumindest von Seiten der Medien heftige Kritik eingebracht: ein grundsaetzliches Film- und Fotografierverbot im ganzen Gerichtsgebaeude. Besonders im vielbeachteten sogenannten Flick-Spenden-Verfahren bissen sich die Medienvertreter an Praesident Kraemer und seiner Konsequenz die Zaehne aus. Ein anderes Prinzip ist dem engagierten Juristen, dem ein Arbeitstag von mindestens zwoelf Stunden nachgesagt wird, genauso wichtig: Alles muss seine Ordnung haben. Er selbst gibt dazu schmunzelnd eine Geschichte zum Besten: Als er waehrend des Flick-Prozesses in Italien Urlaub machte, sah er dort im Fernsehen die vor dem Gerichtsgebaeude gedrehten Filmaufnahmen. Zu seinem Unwillen lag in den Rabatten eine alte Zeitung, und er gab sofort telefonisch Anweisung, diese zu entfernen.“

Eine wahrhaft schillernde Figur. Wenn sich so ein Mann erschießt, fängt die Geschichte dieses Richters doch erst an! Über sachdienliche Hinweise zum Selbstmord des ehemaligen Gerichtspräsidenten würde ich mich sehr freuen. Fortsetzung folgt! Da bleibe ich am Ball.