Mein Bericht vom Mobile Gipfel in Bonn #mob11

Ich Idiot hatte mich heute als Journalist akkreditiert für den Bonner Mobile Gipfel des Management Forums der Verlagsgruppe Handelsblatt. Da saß ich – wie immer – in der ersten Reihe mit meinen Aufzeichnungsgeräten für Audio und Video, wollte Berichte schreiben und Vorträge in Ton und Bewegtbild bringen – wie immer. In der Kaffeepause kam dann eine etwas gestresste Dame des Managementforums an meinen Tisch und fragte mich mit strenger Miene, was ich denn mit diesen Geräten machen wolle? Gute Frage. Ich wollte mir von den Powerpoint-Orgien eine DVD brennen und mit meiner Familie einen netten Kinoabend gestalten. Die Dame ging raus, um sich zu erkundigen, ob eine Berichterstattung für Journalisten in Bewegtbild und Ton überhaupt gestattet sei. Nach einer Minute flitzte sie wieder an meinen Tisch und verkündete ein Berichterstattungsverbot. Erlaubt seien nur Printberichte. Gute Dame, in welchen Offline-Welten leben Sie?

Ich packte meine Sachen und machte mich auf den Weg zurück ins Büro. Als Dank für die freundliche Unterweisung sendete ich noch ein paar Tweets. Denn beim Mobile Gipfel ist man ja ach so fortschrittlich und erfreut die Kongressteilnehmer mit einer Twitter-Wall. Warum gehe ich auch zu solchen Old-School-Veranstaltungen überhaupt noch hin? Das Ganze passt zu meinem gestrigen Blogpost: „Machen Sie mal irgendwas auf Facebook“ – Das große Social Media-Geschwafel der Firmen. Erste Reaktionen liefen bereits über Facebook und Twitter.

Anschwellende Floskeln in der Pressearbeit

In Bilanzpressekonferenzen, Broschüren, Pressemitteilungen und Vorstandserklärungen wird zu häufig mit Leerformeln gearbeitet. „Wettbewerbstool mit Fokussierung der Komponenten der Implementierungsbreite“, meldet ein Unternehmen der Informationstechnik. Bei „variable Sequentierungsstrukturen und deren hardwareunterstützte Realisierung“ legen sich selbst Fachleute die Karten. Harmlos klingt da noch der tägliche Wortschwall: Man müsse sich neu aufstellen, umstrukturieren, aufs Kerngeschäft fokussieren, Synergien nutzen, effizient und effektiv an seinem Alleinstellungsmerkmal arbeiten. Diese Erklärungen sind leider kein Alleinstellungsmerkmal. Mit Formulierungen wie „der weltweit führende Anbieter“ (ein Klassiker in fast jeder Pressemitteilung) oder „mit unserer neuen Applikation wollen wir uns auf neue Kundensegmente fokussieren“ bewirkt man in den Redaktionen nur ein müdes Lächeln. Eine Journalistenumfrage des Kölner Marktforschungsunternehmens Smart-Research im Auftrag der PR-Agentur Storymaker http://www.storymaker.de unter 900 Journalisten von Wirtschafts-, Fach- und Publikumsmedien bestätigt die wachsende Aversion gegen die anschwellenden Floskeln bei Unternehmen der Telekommunikation und Informationstechnik.

Fast jeder zweite Befragte bemängelt, dass es der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit selten gelänge, wirklich spannende Informationen zu vermitteln. 42 Prozent kritisieren eine zunehmende Betriebsblindheit, da es immer nur um Produkte der Unternehmen gehe. 37 Prozent der Journalisten klagen über uninteressante Pressetexte mit zu viel Marketing-Blabla und Fachchinesisch gespickt mit unverständlichen technischen Details und Anglizismen. Knapp ein Drittel moniert, dass zu langsam auf Anfragen reagiert werde und die Pressearbeit zu passiv sei.

„Die Reden und Kommentare von Wirtschaftsführern, Geschäftsberichte und Pressemitteilungen stehen allzu häufig mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß. Die Folge ist, dass man wirtschaftliche Zusammenhänge der Öffentlichkeit schon deshalb nicht erklären kann, weil es an der Sprachkompetenz mangelt, das heißt, an der Fähigkeit, Sachverhalte unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades in schlichten Worten auszudrücken“, so der FAZ-Autor Erhard Glogowski. Statt ständig zu kommunizieren, wie innovativ doch das neue Produkt sei, sollten Firmen lieber so konkret wie möglich erklären, worin die Innovation besteht. Bei IT-Unternehmen wimmelt es von Bekundungen wie „Kundenorientierung“, „kompetente Teams“, „innovative und maßgeschneiderte Lösungen“, oder „anwenderorientierte Applikationen“: Semantik-Müll werde in Redaktionen mit Nichtbeachtung bestraft.

Medienstudie: Marketing-Kampagnen gehen am Interesse der Konsumenten vorbei – Schnittstelle zwischen Offline- und Onlinemedien wird häufig ausgeblendet

Unternehmen unterschätzen nach einem Bericht des Fachmagazins absatzwirtschaft http://www.absatzwirtschaft.de die Potenziale und Wirkung ihres crossmedialen Medien- und Marketingmanagements. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Nils Andres von der Macromedia Fachhochschule in Hamburg http://www.macromedia-fachhochschule.de. Andres befragte in einer Panelstudie mehr als 1 200 Konsumenten zu Werbeerinnerungen und Kaufbereitschaften.
Viele Marketingkampagnen gehen gerade bei den Neuen Medien am Interesse der Konsumenten vorbei. „In unserer Forschungsarbeit haben wir herausgefunden, dass sich Konsumenten zwar noch immer von Werbeinhalten in klassischen Medien angesprochen fühlen. Vielfach werden den interessierten Konsumenten in Online-Medien aber die gleichen Inhalte präsentiert und auf kontextbezogene und weiterführende Informationen und Funktionen verzichtet“, erklärt der Experte gegenüber absatzwirtschaft. Gerade bei der heutigen Mündigkeit der Konsumenten stoße dieser Umgang mit den Online-Medien auf Ablehnung und reduziere die Kaufbereitschaft signifikant. Andres beobachtet bei seiner Forschung nicht nur unangemessene Inhalte: „Unsere Studien haben gezeigt, dass Unternehmen sich für ihre Marketinginhalte vornehmlich auf einen Medienbereich konzentrieren“, erklärt der Wissenschaftler ein weiteres Problem. 
Das professionelle Management der Schnittstellen zwischen Online- und Offline-Medien werde in den meisten Fällen einfach ausgeblendet. Als Folge sieht Andres, dass nicht nur die Effektivität der Marketingaktivitäten leidet. Auch die Mediabudgets könnten seiner Auffassung nach durch ein professionelleres Crossmedia-Management bis zu 30 Prozent entlastet beziehungsweise effektiver verteilt werden.
Für Planer von Marketingaktivitäten und Werbekampagnen ist der Einsatz interaktiver und crossmedialer Kampagnen ein Muss, um Kunden zu binden, Kaufbereitschaft und Identifikation mit einer Marke zu erhöhen“, sagt Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung von NEXT ID http://www.next-id.de, im Vorfeld der Düsseldorfer Kongressmesse OMD http://www.online-marketing-duesseldorf.de, die vom 17. bis 18. September 2008 wichtige Trends im digitalen Marketing behandelt. „Das Dialog-Potenzial wird häufig noch nicht ausreichend ausgeschöpft. Im Fokus vieler Kampagnen steht zunächst die Generierung von Markenkontakten, Adressen und Opt-Ins, statt den Ball aufzunehmen und in den direkten, interaktiven Dialog mit dem Kunden einzusteigen“, kritisiert der Bonner Mehrwertdienste-Experte Zilles gegenüber dem Magazin NeueNachricht http://www.ne-na.de. An dieser Stelle könne der telefonische Kontakt seine Stärken ausspielen. Eine wirklich integrierte und crossmediale Kampagne sollte daher auch immer den Sprachkanal mit berücksichtigen. Zur OMD siehe auch: http://194.9.89.212/IGEDO/downloads/deutsch/onma/online-marketing-duesseldorf_2008_Programm.pdf.