Garaus für Assessment Center: Neue Verfahren gefragt

Glaubt man Personalberatern und Wissenschaftlern, dann schwindet der blinde Glaube an die Vorhersagekraft des Assessment Centers (AC) bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter wenden sich in jüngster Zeit viele Unternehmen davon ab. „Über die Jahre hinweg ist die Gültigkeit von Assessment Center ständig gesunken“, konstatiert

Professor Lutz von Rosenstiel
Professor Lutz von Rosenstiel
, Organisationspsychologe an der Universität München, gegenüber dem Mittelstandsmagazin Wirtschaftsbild. Dafür gäbe es gleich drei gute Gründe. „Zum einen trainieren immer mehr Bewerber vorher und wissen in etwa, was kommt. Zum zweiten, und das halte ich für bedeutsamer, simuliert ein Assessment Center die künftigen Anforderungen an den Stelleninhaber. In Zeiten des schnellen Wandels aber kann man nicht wissen, was auf den Mitarbeiter zukommen wird. Folglich kann man heute nicht mit Bestimmtheit vorhersagen, was er und sie morgen können und wie er und sie morgen sein sollen.“

Doch erst Rosenstiels drittes Argument macht dem AC vollends den Garaus. „Um ein aussagekräftiges Assessment Center auf die Beine zu stellen, braucht man eine gründliche Analyse der Organisation. Viele Personalbereiche verzichten darauf. In der Not erweisen sich strukturierte Interviews oder Tests, die speziell auf eine bestimmte Organisation zugeschnitten sind, als kostengünstiger – bei ähnlicher Vorhersagekraft wie das AC.“ Dass mit aufwändigen Einzel- und Gruppen-Assessments keine hundertprozentige Erfolgsgarantie verbunden sein kann, ist allen Fachleuten klar. Doch dass genau dies von Psychologen ausgetüftelte Teststrecken leisten sollen, leuchtet auch nicht jedem ein. Gegen die sich selbst zugeschriebene Menschenkenntnis der Personaler und deren Bauchgefühl hat die Eignungsdiagnostik noch immer einen schweren Stand. „Die persönliche Sympathie in die Entscheidung einzubeziehen ist auch gut so“, überrascht Andreas Frintrup, Gründer und Chef der HR-Diagnostics AG in Stuttgart. Diese Aussage hätte man von einem Unternehmer, der Psychologen Einstellungstests entwickeln lässt und vertreibt, eigentlich nicht erwartet. Doch mit seiner Erklärung, dass von hundert Testverfahren allenfalls zehn den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen, macht die Zurückhaltung von Frintrup schon mehr Sinn: „Viele der auf dem Markt kursierenden Persönlichkeitstests erfüllen nicht die Anforderungen an die nötige Validität, also an die Gültigkeit“, kritisiert der Diplomökonom. „Während man mit den psychologisch fundierten und auf die beruflichen Anforderungen abgestimmten Tests die Prognosesicherheit tatsächlich erhöhen kann, führt das Gros der Persönlichkeitstest eher zu allgemeinen Aussagen, die selten etwas mit der konkreten Aufgabe des künftigen Stelleninhabers zu tun haben und daher keine Hinweise auf sein späteres Verhalten im Beruf geben.“

Trotzdem gehen Standard-Tests augenblicklich weg wie warme Semmeln. Besonders gut laufen die auf den Erkenntnissen und der Typenlehre von C.G.Jung beruhenden Testverfahren wie beispielsweise die Reiss-Profile und die Insights MDI Potenzial-Analysen. Um als Berater oder Personalabteilung die Tests anwenden zu dürfen, muss man eine Lizenz erwerben und Schulungen besuchen. Die Münchner Personalberatung Schuh-Eder hat sich im vergangenen Jahr darin ausbilden lassen.„Wir schwören auf Insights. Es ist ein perfektes Tool, das ganz pragmatisch anzuwenden ist und verblüffende Ergebnisse liefert. Diese helfen uns, Auswahlprozesse mit viel höherer Qualität durchzuführen“, so die Expertin. Billig ist die Lizenzierung und die Testauswertung nicht, aber der Markt ruft offenbar danach. „Auch die Kandidaten wissen sehr zu schätzen, dass man sich nicht nur auf den Bauch verlässt.“ Dass die fragebogengestützte Eignungsdiagnostik, auf breiter Front betrachtet, besser und billiger geworden sind, räumt auch Rosenstiel ein, dessen Institut ein bei Experten umstrittenes Testimonial für Insights MDI abgegeben hat. Gänzlich vorbehaltlose Zustimmung klingt freilich anders: „Die Resultate von Tests sind zwar anregend, bleiben aber spekulativ. „Insight arbeitet nicht schlechter als andere Verfahren. Man muss nur genau hinschauen, was dieser Test leistet.“

Als schlechtes Beispiel für berufliche Eignungsuntersuchungen zieht Frintrup Tests heran, in den von Bewerbern Aussagen wie „Ich mag große Frauen“ zu beurteilen sind. „So etwas fällt eindeutig ins Privatleben und hat in einem berufsbezogenen Persönlichkeitstest nichts zu suchen“, bemängelt Frintrup. „Berufsbezogene Diagnostik erfordert auch berufsbezogene Tests – nicht nur im Interesse der Akzeptanz bei den Bewerbern, sondern auch weil sich gezeigt hat, dass entsprechend formulierte Tests bessere Vorhersagen über die berufliche Leistung ermöglichen.“ Was die Testentwickler mit der Frage nach den großen Frauen herauszukitzeln hoffen, sind allenfalls Anhaltspunkte für einen gewissen Reizhunger. Aus dieser Hintergrundvariablen könnte man unter Umständen Anzeichen für eine unzureichende persönliche Integrität ableiten. Aber das ist, erstens, nur ein Indikator von vielen möglichen, und zweitens sagt es überhaupt nichts darüber aus, wie sich der Kandidat später im Job bewähren wird. Wissenschaftlich betrachtet, haben die Psychologen bei der Eignungsdiagnostik die Lufthoheit.

Jobsuche mit dem iPhone – Personaldienstleister positionieren sich mit Online-Angeboten

dsc_0009Personaldienstleister in Deutschland erwarten „goldene Zeiten“, so das Handelsblatt in einer aktuellen Meldung: „Nach der Krise werden mehr Zeitarbeiter beschäftigt sein als zuvor“, wird Randstad-Chef Ben Noteboom zitiert. Mittelfristig geht Randstad von einer Million Menschen aus, die in Deutschland bei Personaldienstleistern unter Vertrag stehen werden – das entspräche einer Steigerung der Beschäftigtenzahl in der Branche um gut 30 Prozent.

Zeitarbeitsunternehmen, die sich auf Personaldienstleistungen mit qualifiziertem Fachpersonal wie kaufmännisches oder IT-Personal spezialisieren, seien von der Rezession derzeit kaum betroffen, so Reiner Pientka, Geschäftsführer der tecops personal GmbH: „In der Krise gewinnt eine Flexibilisierung der Personalstruktur in den Unternehmen enorm an Bedeutung. Unternehmen versuchen vor dem Hintergrund schrumpfender Auftragsbücher zunächst, Kosten zu drücken, indem sie ihre internen Prozesse und Workflows optimieren. Durch die in verschiedenen IT-Projekten erforderlichen zeitlich befristeten Personalressourcen entsteht eine Nachfrage an ‚Wissenszeitarbeitern’, die für einen festen Projektzeitraum klar umrissene Aufgaben übernehmen”, berichtet Pientka.

Gleichzeitig scheuten sich aber viele Unternehmen in Deutschland noch, bei Zeitarbeitsfirmen Personal anzufragen: „Mangelnde Transparenz der Konditionen und Kosten der Arbeitnehmerüberlassungen schufen in der Vergangenheit Entscheidungsvorbehalte und ein schlechtes Branchenimage, weiß der tecops-Chef. Um Vertrauen bei Kunden und Bewerbern zu schaffen, sollten die Anbieter von Personaldienstleistungen daher neben qualifiziertem Personal vor allem Transparenz zu Gehältern, Kosten und Margen schaffen, so Personalexperte Pientka. Dazu eigne sich insbesondere das Internet und die Neuen Medien: „In unserem neuen Webauftritt, den wir unter http://www.tecops.de gelauncht haben, bieten wir beispielsweise bewusst einen Kostenkalkulator an, der interessierten Unternehmen und Bewerbern auf einen Blick die Kostenbestandteile aufschlüsselt – bis hin zu unserer eigenen Marge legen wir jeden Pfennig offen.“

Auch Michael Zondler vom Personaldienstleister Harvey Nash sieht in intelligenten Serviceangeboten auf Basis der Neuen Medien den Schlüssel für ein besseres Branchenimage und spannende Wachstumspotenziale: „Mit Online-Diensten oder mobilen Angeboten wie unsere iSuite für iPhone-Nutzer können sich Kandidaten wie Kunden jederzeit zu offenen Positionen und dem Status ihrer Bewerbungen informieren“, erläutert Zondler. Attraktive Self Services würden zusätzlichen Kundennutzen schaffen, der gerade in Zeiten mit hohem Wettbewerbsdruck einen echten Vorteil darstellt.

Schwurbeloverflow im Hirn: Warum Topmanager in die Sterne schauen

Topmanager in Wirtschaftsunternehmen sind seltsam glatt, durchschnittlich und wenig eigenwillig. Zu diesen Erkenntnissen gelangte in den 1990er Jahren der Kölner Soziologe Erwin K. Scheuch in einer umfangreichen empirischen Studie. Ihre Mittelmäßigkeit versuchen Manager wenigstens durch originelle Managementkonzepte zu kompensieren. Große Unternehmen leisten sich deshalb ein skurriles Netzwerk an Beratern, Managementgurus, Esoterikern, Wirtschaftsastrologen, Trainern und Agenturen: „Der Hang zum Esoterischen in allen Spielarten hat sich verstärkt. Personalauswahl mit graphologischen Gutachten oder Schamanismus sind keine Ausnahmen. Es zeigt, dass viele dieser Unternehmer in ihrem Arbeitsumfeld sehr einsam, auch misstrauisch sind und wenig Gesprächspartner haben. Das halte ich für eine Fehlentwicklung und für eine ernsthafte Gefahr“, so Fredmund Malik, Chef des Malik Management Zentrum St.Gallen. So genannte Reflexionsgespräche mit Führungskräften verhelfen akademisch gestrandeten Philosophen noch zu einer ansehnlichen Einkommensquelle in philosophischen Beratungspraxen.

Die mildeste Esoterikform ist die Verwendung eines rasch wechselnden Insiderjargons. Umstrukturierung, Neuorganisation oder Downsizing gehören zum täglichen Management-Geblubber wie die semantischen Speerspitzen Effizienz, Effektivität, Innovation oder Kreativität. Manager wollen zu jeder Zeit kreativ, innovativ und effizient an ihrer Effektivität arbeiten. Das geht am besten mit ganzheitlichen Konzepten, die in speziellen Kreativitätsseminaren gelernt werden. Manager stellen sich im Kreis auf, greifen zum feuchten Händchen des Nachbarn und rufen im Chor: „Es beginnt ein kreativer Tag und ich fühle mich gut. Just great.“ Vielleicht ergehen sich die gestressten Führungskräfte auch in albernen Rollenspielen oder ruinieren ihr schwarz-graues Outfit durch untrainiertes Gefummel mit Knetmasse. Da fehlt dann nur das kollektive Einüben der Hechelatmung zwecks Unterstützung kreativer Presswehen in holistischen Trauma-Bewältigungs-Workshops.

Die Hardcore-Esoteriker werden in einem herrlichen Blog aufs Korn genommen: Der Wahrsagercheck’s Blog.:

Zitat: „Dass sich manche Unternehmen tatsächlich auf solchen Nonsens verlassen ist wenig überraschend, denn an den entscheidenden Stellen sitzen Menschen, die eben auch der einen oder anderen esoterischen Lehre erliegen können. Offen zugegeben wird das eher selten – welches Unternehmen möchte sich schon nachsagen lassen, dass seine Personalauswahl zumindest teilweise auf pseudowissenschaftlichem Humbug beruht?“

Ich befürchte, dass in Krisenzeiten die barfüßigen Propheten, Schamanen und Sternen-Gucker Hochkonjunktur bekommen.

Die Bluff-Gesellschaft – Leitfaden der Niedertracht

Die vielen Skandale, Klüngelaffären, Korruptionsfälle und dilettantischen Fehlentscheidungen in Politik und Wirtschaft haben häufig eine simple Ursache: Nach oben gelangen nicht die besten und klügsten Köpfe, sondern die ehrgeizigsten, raffiniertesten, intrigantesten, servilsten und verlogensten. Wer nach oben will, muss keine herausragenden geistigen Fähigkeiten haben, er muss sich nur verstellen können, die Interessen und Schwächen seiner Mitmenschen richtig einschätzen und ausnutzen, Seilschaften mobilisieren und im geeigneten Moment das Lager wechseln können.

„Im Spiel der gesellschaftlichen Kräfte wird alles Schwache unvermeidlich niedergedrückt. So will es das Gesetz des Kampfes, das fatum der modernen Zeiten. Unter den Füßen seiner Konkurrenten wird der Fallende wertlos, ein Kadaver, der vom Schlachtfeld zu verschwinden hat. Sein Ächzen gehen im Lärm der Menge unter, und im Getümmel hört man nur einen Schrei: Aufsteigen! Erfolgreich sein!“, schreibt der Anwalt und Journalist Maurice Joly in seinem satirischen Exkurs „Handbuch des Aufsteiger“ – ein Leitfaden der Niedertracht in sechs Kapiteln, der als Voraussetzung für Erfolg nur eines erkennen mag: den beschränkten Geist. Joly verfasste seine ätzende Schrift vor rund 130 Jahren im französischen Gefängnis. Amüsanter geschrieben als die Managementliteratur, die uns vom Fließband präsentiert wird. Joly verbüßte eine Haftzeit von 18 Monaten wegen seiner voraufgegangenen Veröffentlichung „Ein Streit in der Hölle. Gespräche zwischen Machiavelli und Montesquieu über Macht und Recht“ (1864). Mit Scharfsinn, Ironie und Spott beschreibt er in seinem Handbuch die auch heutzutage noch gültigen Imperative für den Erfolg der mediokren Akteure des öffentlichen Lebens: „Berühmtheit gibt es aufgrund von Vorurteilen, übertriebenem Ansehen und konventioneller Bewunderung.“

Durch die richtige Anwendung der Verlogenheit und der kalkulierten Anbiederei kann jeder die schnelle Karriere machen. Joly deckt eine anthropologische Grundkonstante auf. „Es ist Gott recht klar, dass wir ein Volk von eitlen Gecken sind, die sich vor Neid verzehren.“ Er geht davon aus, dass in der menschlichen Gesellschaft ein dauernder, durch das Gesetz geregelter Kriegszustand herrscht, und zieht daraus, im parodistischen Stil eines Leitfades, die Konsequenzen.

Mit ironischer Distanz seziert Joly die Laufbahnen der Eitelkeit, die kalkulierten Kabalen jener „dicken, fetten“, von grundlosem Ruhm sich nährenden Parvenüs, die früher wie heute zu den Schaumschlägern der prominenten Gesellschaft zählen. Eine Kombination aus Borniertheit, Besessenheit und Zynismus bringt selbst die dümmsten Gestalten in den Olymp des Starkultes. Am Rollenspiel der hohlköpfigen Aufsteiger sind in erster Linie die Massenmedien beteiligt. Auch dieses Zeitgeistphänomen beschrieb Joly schon im neunzehnten Jahrhundert. „Diese universelle Ruhmsucht kann offensichtlich nur durch den Journalismus befriedigt werden. Er allein hat die Macht, diese Begierde zu demokratisieren, indem er sie ein wenig in die Reichweite von jedermann rückt“.

Man braucht sich nur die erfolgreichsten Buchautoren unserer Tage anschauen. „Die Journalisten, die bei der Lektüre von Abscheu geschüttelt wurden, brechen in bewundernde Rufe aus. Man ist gönnerhaft bis an die äußerste Grenze. Es ist nun einmal ein Erfolg, man wird ihn schlucken, hinunter damit!. Die literarischen Freundschaften, die Kumpanei, der wohlklingende Name, die Popularität, der Wunsch, gefällig zu sein, alles ergibt zusammen einen schier unmöglichen Erfolg“, führt Joly aus, obwohl er mit den Qualitätsergüssen schriftstellerischer Naddelei noch gar nicht konfrontiert war. Die Öffentlichkeit verlangt nach jemandem, den sie bewundern kann, Journalismus dagegen bewundert nur, wen und wann er will. Joly: „Das muss so sein, schließlich ist es seine Auswahl, die das Signal für den Applaus gibt, eine neue Welle schafft, die Besucherströme ins Theater, zum Buchhändler, zum Kaufmann lenkt…Die Gewohnheit des Publikums, sich nur noch unter den Einpeitschungen einer wildgewordenen Reklame in Bewegung zu setzen, löst einen perfekten mechanischen Ablauf aus. Kein Geschmack, keine Vorliebe kann der Kraft eines aufgedrängten Erfolgs standhalten. Es gibt sogar eine Art fassungsloser, abgestumpfter Faszination, die sich aus dem Zynismus der Werbung ergibt.“

Maurice Joly: Das Handbuch des Aufsteigers. Aus dem Französischen von Hans Thill; Eichborn Verlag, Die Andere Bibliothek, Frankfurt am Main 2001, ISBN 382184194X Gebunden, 384 Seiten, 27,61 EUR

Der Pressesprecher der Uni Köln war von der Meldung nicht so ganz angetan, dann zur Präzisierung folgende Änderung: Jeder Student sollte ein iPhone bekommen – Vorschlag als Gegenleistung für Studiengebühren

Das hier von einem Vorschlag die Rede ist, war doch klar. Mal sehen, wie sich die Uni Köln entscheidet:

 

Studenten, die sich mit ihren Laptops an WLAN-Hotspots drängeln, gehören an der Abilene Christian University (ACU) http://www.acu.edu schon längst der Vergangenheit an. Jeder Erstsemester-Student wurde mit einem iPhone oder einem iPod Touch ausgestattet. Ähnliches soll nach den Plänen von Professor André Bresges, Leiter des Instituts für Physik und Didaktik der Universität Köln http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/didaktiken/physik/Menschen/Bresges.html, auch in der Domstadt Realität werden: „Für die Hochschule könnte das iPhone ein phantastisches Gerät sein. Die Einsatzmöglichkeiten für das Studium sind nahezu unbegrenzt“, sagte Bresges auf der iPhone developer conference http://www.iphonedevcon.de in München.

Der ACU-Lehrbetrieb sei dafür ein gutes Beispiel. Hier sei der Einsatz von Podcasting, eBook-Lesegeräte und Abstimmungsgeräte (Clickers) schon selbstverständlich. Taschenrechner, elektronisches Wörterbuch, Laptop, Organizer und Handy gehören an der ACU zur Standardausrüstung. „Die Dozenten haben mit dem iPhone Zugang zu einem neuen mobilen ‚Lehrraum’, der überall verfügbar und mit allen Funktionen ausgestattet ist, während die Studierenden auf alle Campus-Dienste und Lernmaterialien zugreifen können – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort. Jeder Student sollte auch in Köln ein iPhone mit einem Flatrate-Mobilfunkvertrag als Gegenleistung für seine Studiengebühren erhalten – pro Jahr nimmt die Universität immerhin rund 38 Millionen Euro ein“, schätzt Bresges.

Als größte Hochschule in Deutschland hätte das Signalwirkung. Für das mobile Lernen, für die Zufriedenheit der Studenten und für innovative Lehrkonzepte wäre das eine bahnbrechende Entscheidung. „Die Hörsäle sind überfüllt, die Gebäude ausgelastet und die Lehrräume breiten sich wie Schimmelpilze in Köln aus. Da könnte das iPhone wertvolle Dienste leisten, etwa bei Simulationen von Experimenten, Informationen über Raumbelegungen via GPS, Terminänderungen, für die Förderung der Gruppenarbeit und bei der besseren Betreuung von Übungsgruppen. So könnten wir genau ermitteln, wo Studenten noch Schwächen haben und beispielsweise gezielt Vorlesungsinhalte über Podcast-Beiträge wiederholen“, sagte Bresges, der sich in verschiedenen Forschungsprojekten mit der Frage beschäftigt, wie man mit mobilen Lösungen Wissen, Medien und Informationen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort bekommt. Für die Entwicklung einer Trainingssoftware zur sicheren Einschätzung der eigenen Fahrgeschwindigkeit, die bei mobilen Verkehrskontrollen der Polizei zum Einsatz kommt, wurde er 2004 mit dem „Safety Star“ von Renault, STERN und dem Bundesfahrlehrerverband ausgezeichnet.

Weitere Informationen über die iPhone-Entwicklerkonferenz in den nächsten Tagen.

Willkommen in den 50er Jahren: Personalentwicklungskonzepte aus dem letzten Jahrhundert lassen Unternehmen alt aussehen – Netzwerkeffekte verändern die Arbeitswelt

Die meisten deutschen Unternehmen versprühen noch den Charme der 50er Jahre, wenn es um Arbeitsstrukturen geht. Hoch qualifizierte Fachkräfte können sie damit in Zukunft nicht mehr halten: „Mit den gängigen Konzepten können Unternehmen keinen Blumentopf mehr gewinnen, und schon gar keine Top-Kandidaten“, so Uwe Zirbes, Chef von der Firma „hunting heads International“ www.huntingheads.de in Wetter an der Ruhr. Die Firmen sollten erst mal ihre Hausaufgaben machen und zeitgemäße Arbeitsplätze schaffen, doch fast alle meinen, das fängt beim Gehalt an und hört auch dort schon wieder auf , sagt Zirbes. So berichtet das CIO-Magazin http://www.cio.de, dass mindestens 90 Prozent des Arbeitsmarktes noch immer auf das Familienleben und den Lebensrhythmus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugeschnitten seien. Ein Konzept der Beratungsfirma Deloitte http://www.deloitte.com soll die Unternehmen nun ins 21. Jahrhundert befördern: In jeder Phase des Arbeitslebens werden Arbeitspensum, Arbeitszeit, Arbeitsort und die Position des Mitarbeiters mit dem Tempo der Karriere verbunden. In ihrem Buch „Individualisierte Karriereplanung“ (Campus Verlag) resümieren die Deloitte-Beraterinnen Cathleen Benko und Anne Weisberg: In einer wissensorientierten Wirtschaft ähnele die Karriereentwicklung einer Sinuskurve, einer Wellenbewegung von steigenden und fallenden Phasen. Sechs gesellschaftliche Trends machen sie als Ursache dafür aus. Die sinkende Zahl qualifizierter Mitarbeiter, veränderte Familienstrukturen, mehr weibliche Arbeitnehmer und andere Erwartungen der Männer. Zudem spielte die Internet-Generation und die Informationstechnik eine Rolle. Die jüngere Generation habe ein höheres Technik-Verständnis und beschleunige den Wandel des Arbeitslebens: Von zu Hause aus zu arbeiten, während der Woche blauzumachen und dafür samstags ins Büro zu gehen, in der Arbeitszeit private E-Mails zu verschicken – das werde zur Selbstverständlichkeit. Hierarchien und Status verlieren an Bedeutung. Sind Kinder geplant, ist es auch für die jungen Männer wichtig, sie nicht nur am Sonntag zu sehen.

Als Fazit dieser Entwicklung zitieren die Beraterinnen den ehemaligen Dekan der Harvard Business School Kim B. Clark. Er fordert Unternehmen auf, sich so zu verändern, dass sie begabten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv und loyal verbunden bleiben. Dazu ein Beispiel: Gary ist 27, ledig und hat einen MBA-Abschluss, als er seinen ersten Job als Assistenzproduktmanager antritt. In den ersten drei Jahren drückt der junge Mann auf die Tube: Bei Geschwindigkeit, Pensum und Arbeitszeit zieht er alle Register, während seine Position und Verantwortlichkeit nicht stark ausgeprägt ist. Wenige Jahre später wird Gary Vater und schraubt Geschwindigkeit und Pensum zurück. Noch später, als die Kinder alt genug sind für die Uni, fährt er seine Karriere wieder hoch. Jetzt zeigt auch der Pegel im Feld Position und Verantwortung nach oben.

Der Job muss sich also auch den Lebensbedingungen anpassen. Gelingt es dem Unternehmen, gemeinsam mit dem Mitarbeiter flexible Lösungen zu finden, bleiben dessen Kompetenz und Erfahrung im Haus. Der materielle und immaterielle Verlust durch Fluktuationen sinkt. „Hoch qualifizierte Manager kann man nicht mehr mit der alten industriekapitalistischen Denkweise beeindrucken. Die traditionellen Konzepte von Henry Ford und Frederick Taylor gehören in die Mottenkiste“, bestätigt Uwe Zirbes. Die Netzwerkeffekte des Internets, der mobilen Kommunikation und die Intelligenz der Vielen im Web 2.0 würden auch vor der Arbeitswelt nicht halt machen. „Feste Arbeitszeiten, Abteilungsgrenzen, beschränkte Kompetenzen, Befehl und Gehorsam, Controlling-Zahlenfetischismus, Meetingterror und die Bewahrung von Herrschaftswissen gehören der Vergangenheit an“, sagt Zirbes. Wer das im Top-Management nicht begreife, verliere den Wettbewerb um die besten Köpfe.

NeueNachricht/medienbüro.sohn/ZEW-Studie: Junge High-Tech-Firmen mit internationaler Ausrichtung wachsen schneller

Junge deutsche High-Tech-Unternehmen wagen schnell den Schritt auf internationale Märkte: Bereits in den ersten Jahren nach ihrer Gründung erzielen 31 Prozent Umsätze im fremdsprachigen Ausland. Das belegt eine Studie, die das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) http://www.zew.de in Zusammenarbeit mit Microsoft Deutschland durchgeführt hat. So generieren exportierende High-Tech-Unternehmen höhere Umsätze und wachsen schneller. Im ersten Geschäftsjahr liegt der Umsatz von exportierenden High-Tech-Unternehmen um etwa drei Viertel höher als der Umsatz von nicht-exportierenden Unternehmen. Auch die Wachstumsrate der Umsätze liegt mit durchschnittlich 66 Prozent pro Jahr 14 Prozentpunkte über der Wachstumsrate von Unternehmen ohne Export.

 

Start-ups, die selbst intensiv Forschung und Entwicklung betreiben, sind dabei besonders erfolgreich und können ihren technologischen Vorsprung auch international ausspielen. Doch eine strategische Vorbereitung ist Pflicht: Bei 59 Prozent der untersuchten Firmen, die in das internationale Geschäft einsteigen wollen, verpuffen die Exportbemühungen. Entweder wird die Internationalisierung nur halbherzig umgesetzt oder schlecht geplant. Der wichtigste Markt für junge High-Tech-Unternehmen aus Deutschland ist dabei Europa. In Asien erzielen deutsche Start-ups heute bereits ähnlich hohe Umsätze wie in Nordamerika.

 

„Wichtig ist, dass die Internationalisierung strategisch angegangen wird. Das Management muss seinen Fokus auf die Exporttätigkeit richten, das richtige Know-How ins Unternehmen holen und die entsprechenden Ressourcen einplanen. Halbherzige Versuche, internationale Märkte zu erobern, werden scheitern“, sagte Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung des ZEW, bei der Vorstellung der Studie in München. Die deutschen High-Tech-Gründungen vertreiben ihre Produkte und Dienstleistungen überwiegend per Direktexport innerhalb der Europäischen Union oder in andere europäische Länder und erzielen hier rund 76 Prozent aller Exportumsätze. Beinahe gleichauf mit Nordamerika (7,5 Prozent) liegt Asien mit einem Anteil an den Exportumsätzen von 6,8 Prozent. Hier scheinen bereits viele Unternehmen, die Chancen des aufstrebenden asiatischen Marktes zu nutzen, so die Einschätzung der ZEW-Forscher.

 

„Die ZEW-Studie belegt wieder einmal, wo die Stärken unseres Landes liegen: In Forschung, Entwicklung und Technologieführerschaft, die sich international voll auszahlt. Allerdings reicht eine reine High-Tech-Orientierung nicht aus. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Managementwissen sind der Erfolgsgarant, wenn es darum geht, High-Tech ‚auf die Straße zu bringen’. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Viele Dotcom-Unternehmen sind in den Jahren 2000 bis 2002 an der fehlenden kaufmännischen Qualifikation kläglich gescheitert. Und das, obwohl die Geschäftsideen und die Technologien in vielen Fällen sehr gut waren“, weiß Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmens Harvey Nash http://www.harveynash.com/de,

 

Start-ups, die sich international ausrichten, sollten nach Ansicht von Matthias Harsch, Sprecher der Geschäftsführung von Bizerba http://www.bizerba.de, die Technologie-Trends in den Ländern mit dynamischem Wachstum sehr genau analysieren. „Bei typischen Produktentwicklungszeiten von zwei bis drei Jahren im Investitionsgüterbereich müssen junge Unternehmen genau planen, was sie entwickeln und mit welchen Vertriebskonzepten sie auf den Markt gehen. Oft erlebt man besonders in Asien eine unglaubliche Offenheit und Affinität zu modernen High-Tech-Produkten, die auch den menschlichen Spieltrieb ansprechen. Hier kann man ansetzen und oft sehr vernünftige Margen generieren“, so Harsch gegenüber NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 

Marketingprofi Günter Greff http://www.greff.de sieht Nachholbedarf bei Unternehmensgründungen: „Wir brauchen in Deutschland mehr High-Tech-Enthusiasten, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Wir benötigen junge und erfolgshungrige ‚Silicon Valley-Unternehmer’ mit einer hohen Risikobereitschaft, mit einer engen Verzahnung von Marketing und Produktentwicklung sowie einer stringenten Internationalisierungs- und Marktführerschaftsstrategie“, kommentiert Greff die ZEW-Studie.

Bewerbungen über iPhone: Internet als Karrieresprungbrett

Das Web 2.0 hat ein neues Bewerbungszeitalter eingeläutet. Business-Netzwerke machen herkömmliche Formen der Bewerbung mehr und mehr überflüssig. Harvey Nash http://www.harveynash.com/de ist nach eigenen Angaben der erste Personaldienstleister mit eigener i-Suite für das iPhone. „Kandidaten und Kunden können sich über alle Schnittstellen zu offenen Positionen und dem Status ihrer Bewerbungen für das iPhone updaten“, erläutert Michael Zondler, Sales Director bei Harvey Nash. „Unsere Kunden können später dadurch den Status des Harvey Nash Recruiting für ihre offenen Positionen in real time und überall abrufen.“

Harvey Nash stelle Interessenten RSS Feeds zur Verfügung, gespeist aus eigenen Blogs und Internetseiten http://www.harveynash.com/group/rss_feeds/index.asp. „Alle unsere Mitarbeiter verfügen außerdem über einen XING Premium Account“, erläutert Zondler und verweist auf sein eigenes Profil https://www.xing.com/profile/Michael_Zondler.

Besonders XING nimmt im Bewerbungsprozess eine immer größere Rolle ein, bestätigen auch Karriereberater wie die Autorin Svenja Hofert. Sie zeigt in ihrem Buch „Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0“ auf, wie Arbeitnehmer das Internet als Karrieresprungbrett nutzen können. Doch auch Arbeitgeber müssen stärker auf das Internet setzen. „Viele Firmen sind leider immer noch zu zögerlich, die neuen Medien für die eigene Darstellung und den Imageaufbau des Unternehmens zu nutzen. Wir agieren wesentlich offensiver. So betreiben wir unter anderem das Mobilfunk-Forum in XING unter https://www.xing.com/net/mobilfunk/“, betont Zondler. Auch Second Life werde mit einer eigenen Präsenz genutzt. Hier könnten sich Bewerber und Kunden virtuell zusammenfinden, aber auch Analystenkonferenzen werden dort durchgeführt.

Deutsche Universitäten bieten schlechte Karrierechancen – Studenten werden wie Bittsteller behandelt

Nicht nur Konzerne wie Siemens oder Robert Bosch gehen wieder zunehmend auf Mitarbeitersuche. Fast die Hälfte der deutsche Firmen will 2008 mehr Nachwuchskräfte rekrutieren als im Vorjahr. Allein die Top 50-Entscheider wollen 25.000 Stellen für junge Akademiker einrichten. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die der Recruiting-Dienstleister Hobsons http://www.hobsons.de für das Magazin „Junge Karriere“ gemacht hat. Während sich die Chancen in der Wirtschaft für Uni-Absolventen mit überdurchschnittlich guten Fähigkeiten wieder deutlich verbessert haben, sieht es in anderen Bereichen nicht so rosig aus. „Von einer universitären Karriere kann man einem jungen Forscher in Deutschland eigentlich nur abraten. Wer nur auf diese Karte setzt, muss damit rechnen, bis über sein 40. Lebensjahr hinaus in einer äußerst ungewissen Lage zu sein“, so die Einschätzung des Arbeitsmarkt- und Personalexperten Marc Emde, Geschäftsführer des Kölner Personaldienstleisters KCP Executives http://www.kcp-executives.de. Selbst die finanziellen Verhältnisse eines Privatdozenten, der auf eine Laufbahn als Hochschullehrer hoffe, seien oft prekär. „Wenn die Uni-Karriere dann doch nicht klappt, haben viele Bewerber mit Ende 30 oder Anfang 40 keine großen Chancen auf dem Arbeitsmarkt mehr. Wer nicht in die Wirtschaft will, sollte daher eine solche Laufbahn besser in Großbritannien oder den USA in Angriff nehmen“, rät Emde. Ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung (SZ) über das „Leben in der Warteschleife“ kommt zum selben Schluss. Die deutschen Hochschulen, so der Artikel, bieten dem Nachwuchs keine verlässliche Karriereperspektive. Nach einem neuen Bericht für das Bundesbildungsministerium gibt es im Ausland oft günstigere Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs. So biete Deutschland Promovierten im Vergleich zu Großbritannien, Frankreich und den USA die geringsten Aussichten, eine unbefristete Stelle als selbständiger Forscher zu bekommen. Nur ein Fünftel der Hochschullehrer erhalte Dauerstellen. In Großbritannien seien es zwei Drittel, in Frankreich drei Viertel und in den USA mehr als die Hälfte. „Unsere Zukunfts- und Hoffnungsträger werden in den Hochschulen wie Bittsteller behandelt“, sagt auch Bernhard Kempen, Präsident des Hochschulverbandes http://www.hochschulverband.de . Kritisch sieht der Kölner Personalexperte Emde die Aufstiegschancen von Hochschulabsolventen, die aus bildungsfernen Schichten kommen. „Auch hier versagt die deutsche Schul- und Hochschulpolitik. Seit Jahrzehnten hören wir in Sonntagsreden das Credo der Chancengleichheit. Aber nirgends ist der Zusammenhang ‚Herkunft gleich Zukunft‘ so ausgeprägt wie bei uns.“ Man brauche mehr Bildungsinstitutionen, die Talente frühzeitig entdecken, gezielt fördern und finanziell gut ausstattet. „Und was der Staat nicht kann, müssen halt private Initiativen übernehmen, wie es der Verein ‚Network For Teaching Entrepreneurship‘ (NFTE) http://www.nfte.de vormacht. Hier werden seit vier Jahren benachteiligte Schüler durch einen kreativen Wirtschaftsunterricht zum Unternehmertum ermuntert. In den USA gibt es das Netzwerk schon seit 1987 und hat dort rund 186 000 Schüler gefördert. Ein Drittel der amerikanischen Absolventen gründet nach dem Schulabschluss ein eigenes Unternehmen. Davon können wir in Deutschland nur träumen“, resümiert Emde.

Arbeiten ohne Stechuhr – Das Ergebnis zählt und nicht die Nine-to-Five-Mentalität

Das Wort Flexibilität wird oft formelhaft wiederholt. Der klassische Nine-to-Five-Job passt nicht so recht in die schöne neue Arbeitswelt. Nach der Studie „Flexible Working 2007“ von Johnson Controls Global Work Place Solutions http://www.johnsoncontrol.com wird flexible Büroarbeit zur Norm. Mehr als 60 Prozent der 200 internationalen Studienteilnehmer arbeiten nämlich regelmäßig an verschiedenen Orten – im Büro, zu Hause oder unterwegs. Im Vergleich zum 2006, so die Autoren der Studie, verbrachten die Befragten in 2007 weniger Arbeitszeit im Unternehmen (18 Prozent), dafür mehr Zeit im Homeoffice (36 Prozent) sowie beim Kunden oder auf Reisen (46 Prozent).„Bisher stand für Arbeitnehmer vor allem freie Zeiteinteilung im Vordergrund. Die aktuelle Studie von Johnson Controls zeigt hingegen, dass die flexible Wahl des Arbeitsumfeldes zunehmend wichtiger wird“, kommentierte Paul Barlett, Vorsitzender des Office Productivity Network http://www.officeproductivity.co.uk, die Resultate der Befragung. Das Büro werde vorwiegend zum Ort der Interaktion, an dem sich Mitarbeiter austauschen und zusammenarbeiten. Es reiche nicht mehr aus, Mitarbeitern „nur“ einen Büroarbeitsplatz im Unternehmen bereitzustellen.

„Die technischen Voraussetzungen für räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten sind durch die moderne Telekommunikation gegeben. Wer die besten Köpfe für sein Unternehmen gewinnen will, muss ihnen mehr bieten als nur eine angemessene Bezahlung. Dazu gehört auch ein möglichst flexibles Arbeitsumfeld. Zudem kommt dieses Modell berufstätigen Müttern und Vätern entgegen. Allerdings verhindert eine konservative, ja starre Kultur in manchen Unternehmen, dass Telearbeit oder Gleitzeitmodelle auch wirklich zum Einsatz kommen“, sagt der Personalexperte Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung in Köln http://www.kirchconsult.de.

In einer globalisierten Arbeitswelt müssten sich auch die Arbeitszeiten internationalen Standards anpassen, so Emde. „In Europa klammern sich einige noch viel zu stark an die 35-Stunden-Woche oder den geregelten Arbeitstag von neun bis 17 Uhr. Das gehört der Vergangenheit an. In den Vereinigten Staaten geht man teilweise schon viel radikalere Wege“, weiß der Personalexperte. Er verweist auf den größten amerikanischen Elektronikhändler namens Best Buy http://www.bestbuy.com, den die Wochenzeitung Die Zeit http://www.zeit.de als das „Kaufhaus der Freiwilligen“ beschrieben hat. Dort gibt es weder vorgeschriebene Stundenzahlen für die Beschäftigten, noch Anwesenheitspflicht bei Besprechungen und auch keine Kernzeit. „Statt Stunden nachzuweisen, zählt nur das Ergebnis: erledigte Aufgaben, abgearbeitete Projekte“, schreibt Zeit-Autorin Heike Buchter.

„So ganz schlecht scheint das Unternehmen damit nicht zu fahren“, meint Emde. „Schließlich erwirtschaftete die Elektronikkette im dritten Geschäftsquartal 2007 einen satten Gewinn. Es ist ja auch ein Trugschluss, dass Arbeiten ohne Kernzeit und Stechuhr weniger produktiv oder leistungsbezogen sei. Ganz im Gegenteil: Die Führungskräfte haben in einem solchen System die Aufgabe, ihre Mitarbeiter anhand der tatsächlich geleisteten Arbeit zu beurteilen. Entscheidend ist die Produktivität, und nicht, ob von neun bis fünf die Schreibtischlampe brennt.“

Die Arbeitsmarktpolitik von Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden hat nach Auffassung des Dienstleistungsexperten Michael Müller diese neue Lebenswirklichkeit noch nicht erfasst. „Vor allen Dingen der Einstieg in die digitale Ökonomie hat Menschen und Märkte verändert, Ansprüche an Produkte und Service individueller gemacht. In einer von so genannten E-Lancern beherrschten Ökonomie wandelt sich die Rolle des Wirtschaftsmanagers, der nichts mehr gemeinsam hat mit dem Industriekapitän vergangener Tage. An die Stelle eines Unternehmens industrieller Prägung tritt ein Netz von freischaffenden und weitgehend selbstbestimmten Arbeitskräften, die über die gesamte Welt verstreut und auf elektronischem Wege verbunden zusammenarbeiten können“, meint Müller Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o http://www.aogroup.de. Und hier werde nach Leistung bezahlt und nicht nach Löhnen und Arbeitszeiten, die Tarifkartelle am Grünen Tisch festlegen.