Crowdfunding-Kampagne: Shift als Staffelmagazin – Zeitschrift nach Netflix-Prinzip

Das Gesellschaftsmagazin Shift will den Printjournalismus weiterentwickeln – und seine Ausgaben erstmals als Staffel veröffentlichen. Dabei sollen die Ausgaben ineinandergreifen und aufeinander aufbauen. Finanzieren will Gründer und Chefredakteur Daniel Höly dieses Konzept per Crowdfunding.

„Es ist für uns ein großes Wagnis, Shift vom klassisch monothematischen Magazin hin zu einer Staffel mit mehreren Episoden umzubauen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass man es sich in der heutigen Zeit nicht leisten kann, nicht zu experimentieren“, begründet Höly diesen Schritt.

„Warum nicht auch Impact Journalismus?“

Die Idee zum Magazin als Staffel kam dem 31-Jährigen bei zwei Fragen: „Wann habe ich das letzte Mal etwas in den Medien gesehen oder gelesen, das mich verändert hat? Und warum konsumiere ich eigentlich Journalismus? Die ehrliche Antwort auf diese beiden Fragen fiel bei mir eher ernüchternd aus“, gesteht Höly. Und so stellte er sich die Frage, wie solch ein Journalismus aussehen müsste, der wirklich etwas bewirkt. „Das wäre dann ein nachhaltiger Journalismus mit Wirkung.“ Im Finanzbereich etwa sei zunehmend von Impact Investing die Rede. „Warum also nicht auch Impact Journalismus?“, fragt der gebürtige Südhesse.

Weg von Hollywood-Filmen, hin zu Netflix-Serien

Konkret stellt Höly sich unter anderem vor, die einzelnen Ausgaben enger miteinander zu verzahnen – und ähnlich wie bei einer Filmserie auf einen zusammenhängenden Erzählstrang zu setzen. „Ich will weg davon, Magazine wie singuläre Hollywood-Blockbuster zu konzipieren und stattdessen lieber die Netflix-Schiene in den Printjournalismus holen“, erklärt Höly.

Dass er damit nebenbei auch ein alternatives Vertriebsmodell im Abonnement-Bereich entwickelt hat, war zunächst gar nicht beabsichtigt. So werden die Ausgaben nur noch als Staffel angeboten. Das gilt auch fürs Crowdfunding, das für Höly weit mehr ist als eine reine Vorfinanzierung. „Im Kern geht es nach wie vor um Beziehungen – zwischen uns und unseren Lesern. Alles andere hat sich dem unterzuordnen und nicht umgekehrt“, sagt Höly. Ob das die Crowd auch so sieht?

Endlich: WC-Literatur auf der Klorolle und eine Session-Idee: Payback-Punkte mit Zwirbler-Crowdfunding verbinden #Streamcamp14

Literatur fürs Klo
Literatur fürs Klo

Zwirblers Schwester hat abgetrieben und ist verschwunden. Ist sie in die Hände von Abtreibungsgegnern einer katholischen Sekte geraten, um in einem geheimen Schweigekloster in der Nähe von Köln Abbitte zu leisten, was in einem Schweigekloster nur schwer möglich ist? Steckt ein reaktionärer Kardinal hinter der Aktion von bigotten Saubermännern? Alles reine Spekulation. Eine Indizienkette, die ich ganz persönlich aus dem bisherigen Geschehen abgeleitet habe. Zwirbler zwirbelt zusammen mit seinen abertausenden Facebook-Fans Gedankenblitze, Wortkaskaden, Gesprächsfetzen und Fantasien in die Statusmeldungen, um das zerzwirbelte Dasein literarisch zu verarbeiten.

Zwirbler

Das Ende ist noch offen und doch scheint irgendein Ende so nah. Welche Rolle spielt dabei die erigierte Traurigkeit und die in den Statusmeldungen gepressten Zuneigungen, die Zwirbler bei seiner Suche begleiten? Wir lesen und posten auf Facebook, weil uns eine Welt alleine nicht genügt. TG als Zwirblers Alter Ego hat uns in der gestrigen Bloggercamp.tv-Sendung ein wenig in die Lebenswelt des Protagonisten eingeführt und erläutert, warum man Zwirbler aus den Untiefen des Zuckerberg-Imperiums befreien sollte.

Das solltet Ihr über die Crowdfunding-Plattform Startnext in den nächsten 15 Tagen unbedingt mit kleinen und großen Beträgen unterstützen.

Zwirbler braucht Eure Unterstützung
Zwirbler braucht Eure Unterstützung

Wer gar seine Geldbörse weit öffnet und 5.555 Euro in den Topf wirft, bekommt vom Autor des weltweit ersten Facebook-Romans den Hintern abgewischt. TG ist zu allem bereit.

Wie man die literarischen Klorollen mit Payback-Punkten und dem Startnext-Projekt verbinden könnte, wollen wir gemeinsam mit TG am Samstag auf dem Streamcamp erörtern, schließlich findet das Streamcamp am Samstag und Sonntag in der Firmenzentrale von Payback statt 🙂

Siehe auch:

Zwirbler im ARD-Nachtmagazin.

Der Atomausstieg ist übrigens teurer als das Zwirbler-Projekt….

Glücksversprechen werden im Roman nicht zurückgenommen.

Ob Eizellen im Facebook-Roman eingefroren wurden, kann ich nicht genau sagen. Da habe ich den Überblick verloren.

Jetzt live: #Bloggercamp.tv Update über Nachkriegskinder

Legendäre Langzeitstudien
Legendäre Langzeitstudien

Wie findet man 4000 Kriegs- und Nachkriegskinder wieder, die an einer Studie von 1952 bis 1961 teilgenommen haben? Die „Deutschen Nachkriegskinder“ (geb. 1945-1946) wurden 10 Jahre lang medizinisch und psychologisch untersucht. Für eine neue Studie über die Lebensspanne dieser Menschen benötigen wir eine Datenbank, die uns bei der Suche nach den heute etwa 70-Jährigen hilft. Mit Ihrer Unterstützung kann diese Datenbank weiter programmiert werden, damit eine Nachfolgestudie beantragt werden kann.

Sascha Foerster stellt ab 11 Uhr das Projekt in Bloggercamp.tv Update vor. Rund 7000 Euro müssen in sechs Tagen noch eingesammelt werden, vielleicht finden sich einige Großspender, die ein Herz für interdisziplinäre Forschung haben und hauen den fehlen Betrag direkt die Kasse.

Sobooks oder: Das Buch als Website #fbm13 #StreamCamp13

Lobo

Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, wie Hannes Schleeh und ich mit dem Crowdfunding-Buchprojekt über die Streaming Revolution “Hangout on Air” gnadenlos gescheitert sind.

Es sollte ein fließendes Un-Buch sein, um bei einem so dynamischen Technologiethema zum Erscheinen des Werkes nicht sofort wieder hinter dem Mond zu landen. Die Erscheinungsform wollten wir bewusst in der Schwebe halten, um Neuigkeiten sofort aufnehmen zu können. Aber uns war nicht ganz klar, ob das als eBook möglich sein würde.

Entsprechend zweifelnd reagierte die Netz-Community auf unsere Projektbeschreibung. Beim Social Media Club in Bonn gab es bei der Vorstellung unserer Startnext-Idee eine Frage, die mich grübelnd zurückließ: Warum macht Ihr das Buchprojekt nicht in Form einer Website? Anfänglich hielt ich das für Blödsinn.

Streaming Revolution

Etwas später waren wir davon überzeugt, eine Melange aus App, Website und eBook auf den Markt zu bringen. Es gibt einen Startpunkt aber kein Ende des Werkes. Wir halten unser Opus bewusst in der Schwebe, um Neuheiten, die sich bei Streaming-Technologien ereignen, sofort aufzunehmen. Leider kam die Erkenntnis zu spät – der Finanzierungszeitraum war schon fast abgelaufen.

Inspiriert hat uns vor allem Dirk von Gehlen mit seinem Startnext-Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“.

“Es geht nicht mehr einzig um das Werkstück, das früher auf analoge Datenträger gebannt wurde. Ein Film, ein Song, ein Text (und alle digitalisierten Werkstücke) werden ihren besonderen Zauber künftig immer mehr aus dem Prozess ihres Entstehens ziehen, denn einzig aus dessen Resultat.“

Crowdfunding-Buchpionier Dirk von Gehlen

Gehlen sieht die Analogie zum Fußball: Die Fans im Stadion wollen mitfiebern, reinrufen, teilnehmen, jubeln und sich ärgern.

“Und das tun sie nicht nur wegen der Resultate. Das tun sie, weil Fans, Spieler und Öffentlichkeit gemeinsam ein Erlebnis schaffen können, das mindestens ebenso wichtig sein kann wie das Ergebnis. In einer Welt, in der die Ergebnisse kopierbar und kaum zu halten sind, könnte der Blick auf das Erlebnis neue Perspektiven öffnen.”

Um so überraschter bin ich jetzt von dem programmatischen Konzept des neuen Verlages „Sobooks“, das am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse von Sascha Lobo und Christoph Kappes vorgestellt wird.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat Sascha Lobo die Idee der Firmengründung ausführlich erläutert. So doof waren wohl unsere Gedanken über das Buch zur Streaming Revolution gar nicht:

„eBook, wie wir sie heute kennen, sind nur das, was die Digitalisierung aus dem Buch gemacht hat – was aber machen Internet und soziale Medien aus dem Buch? Mit Sobooks versuchen wir, das zu beantworten, was allerdings dazu führt, dass jedes Buch, das man auf Sobooks kaufen kann, vollständig im Netz steht.“

Und jetzt kommt es: Bücher seien bei uns eigentlich Websites, schon um die Kraft des Internets zu nutzen. Ein Buch könne verschiedene Formen annehmen – jenseits von Kopierschutz-Systemen wie DRM.

Auch ein Buch könne – rein technisch betrachtet – die Form einer speziellen Website annehmen.

„Vielleicht muss es das sogar, um mit dem Netz seinen vollen wirtschaftlichen und kulturellen Mehrwert auszuschöpfen.“

Wenn das Buch im Browser stattfindet, könne man auch die vielen Instrumente nutzen, mit denen sich hervorragend Informationen verbreiten lassen. Und das gilt auch für die Interaktion. „Sobooks-Leser können im Buch selbst über das Buch diskutieren. Das ist wichtig, weil Bücher das Gesprächsthema Nummer eins sind, und wir glauben, dass es keinen organischeren Ort für diese Diskussion gibt als das Buch selbst.“

Lobo spricht von einem bereichernden Diskussionstrubel und knüpft damit nahtlos an das Dirk von Gehlen-Credo an.

Vielleicht sollten wir unser Streaming-Buchprojekt noch einmal bei Sobooks starten. Wir könnten das auf dem StreamCamp13 am 16. und 17. November in einer Session diskutieren.

Siehe auch:

Dirk von Gehlen: “…das unkopierbare Erlebnis der Teilhabe.”

Drei spannende Buch-Startups abseits des Selfpublishing.

WDR-Bonn fragt nach: Warum hast Du das @shiftmagazin unterstützt?

Fernsehinterview

Ein Fernsehteam des WDR interviewt mich gleich im Bonner Hofgarten über das erfolgreich finanzierte Crowdfunding-Projekt von Daniel Höly. Ihr wisst schon, Nerd macht Print. Ein junger Online-Journalist schwimmt gegen den Strom und hat den Mut, eine gedruckte Zeitschrift für 20 bis 35jährige zu machen, die sich doch in Scharen von Printmedien wegbewegen. Warum habe ich das Projekt unterstützt? Diese Frage stellt mir gleich das WDR-Team.

Daniel sprach im Bloggercamp.tv-Interview vom Bedürfnis der jungen Leute nach Slow Media. Nicht als Abgrenzung von der digitalen Sphäre, sondern als Ergänzung. Sich vom Nachrichtenstrom des Social Web abkoppeln und in aller Ruhe sich ausführlichen Reportagen, Interviews und Hintergrundartikeln widmen. Und das Ganze ohne Verlag, ohne Werbebudget, allein finanziert durch die potentiellen Leser, die er in der Crowdfunding-Kampange direkt angesprochen hat, um sie von seinen Ideen zu überzeugen. Keine Werbe-Dampfwalze, die man von neuen Printprojekten sonst gewöhnt ist.

Erst das Publikum für sich gewinnen, ausführlich diskutieren, viele Rückmeldungen erhalten und dann sehen, ob das von der Crowd angenommen wird. Das ist ein unglaubliches Pfund von Funding-Plattformen wie Startnext.

Und es hat ja geklappt. Über 7.000 Euro sind in die Kasse gekommen, 5.000 waren das Ziel. Das erste Heft ist auf dem Markt und ich wünsche Daniel ein erfolgreiches Gelingen seines Vierteljahres-Magazins. Gespannt bin ich auf die Verzahnung mit dem Netz:

„Zahlreiche Links führen zu Audio-Versionen, ergänzenden Videos, weiterführenden Artikeln und einem 34-seitigen Online-Add-on mit zusätzlichem Lesevergnügen. SH!FT zeigt, wie sich Print und Online nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.“