„Da verlangt die Bundesregierung den flächendeckenden Breitbandausbau mit 50 MBit/s (was auch zu wenig ist, wenn Merkel auf dem IT-Gipfel von der Gigabit-Gesellschaft redet, gs). Die Länder stellen Fördermittel in Millionenhöhe bereit. Die Kommunen versuchen alles, damit bei Ausschreibungen möglichst viele Bürger schnelles Internet bekommen. Und die Telekom beruft sich in immer mehr Fällen auf eine Verfügung der Bundesnetzagentur, die es ihr erlaubt, den Ausbau zu verhindern, wenn in einem Ausbaugebiet 50 Prozent der Bevölkerung bereits mit einem (!) MBit versorgt sind. Dies ist häufig dann der Fall, wenn ein Investor auch solchen Kunden einen schnellen Internetanschluss anbieten möchte, die ganz besonders weit weg vom letzten Kabelverzweiger wohnen und aufgrund der langen Kupferleitung unter einer völlig unzureichenden Breitbandversorgung leiden. In diesen Fällen können neue Kabelverzweiger helfen, die mit Glasfaser versorgt näher an den Kunden heran gebaut werden als die alten der Telekom.“
Die Mindestversorgungsgrenze von einem MBit/s müsse unverzüglich aufgegeben werden, wenn gleichzeitig die Regierung der Wirtschaft das Ziel setzt, flächendeckend 50 MBit/s anzubieten.
„Noch unverständlicher ist aber, dass die Telekom sogar die Ausbaumöglichkeit bei unter einem MBit Versorgung für die investitionswilligen Wettbewerber kippen will“, kritisiert Alexander Lucke, Geschäftsführer der DNS:NET Internet Service GmbH.
Mit der Forderung nach Remonopolisierung aller Kabelverzweiger auf dem Land und einem Investitionsstopp für schnelleres Vectoring der Wettbewerber werde die Telekom ihrer Verantwortung nicht mehr gerecht.
„Die Bundesregierung als größter Anteilseigner muss diesem Spuk endlich ein Ende machen wenn ihre enorm ambitionierten Ausbauziele nicht zur Farce werden sollen“, fordert Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.
Wer beim virtuellen Blogger Camp über die „Krankenakte digitale Wirtschaft“ am 17. Dezember von 18,30 bis 19,00 Uhr mitmischen will, sollte sich kurzfristig bei mir melden.
Die amerikanische Crowdfunding-Plattform Indiegogo hat nach einem Bericht von WSJ Tech angekündigt, an einer deutschen und französischen Version zu arbeiten.
„Indiegogo gehört zu den weltweit führenden Crowdfunding-Anbietern. Der bekannteste darunter ist die US-Plattform Kickstarter, die erst vor zwei Monaten eine eigene Version für Großbritannien gestartet hat, bei der in britischen Pfund bezahlt wird“, schreibt WSJ Tech-Blogger Stephan Dörner.
Nach Angaben von Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de gebe es in Deutschland einen regelrechten Boom: „Es dürfte mittlerweile fast 30 Plattformen geben – und jede Woche kommen neue hinzu.“ Wie viele davon überleben werden, sei allerdings fraglich.
Mit Evaluations-, Controlling- und Buchführungs-Diktaturen kommt man nicht mehr weit.
„Im System der Delegationen oder Abtretungen von Souveränität, oder anders, im System der stillen Entmächtigungen, spielt die Evaluation eine entscheidende Rolle. An ihr drückt sich die spezifische Ohnmacht des gouvernemental gesteuerten Angestellten aus. Der Apparat ist mächtiger denn je, und kaum irgendwo äußert sich gegen ihn die Bürger- und Angestelltenwut“, schreibt Bartmann.
Die Graswurzel-Bewegungen des Netzes könnten das ändern. Etwa die Crowdfunding-Initiativen, die auch in deutschsprachigen Ländern wie Pilze aus dem Boden schießen, wie Dirk von Gehlen am Beispiel seines Buchprojektes „Eine neue Version ist verfügbar“ beim Digitalen Quartett darlegte.
Hier werde ein direkter Austausch zwischen Produzent und Konsument ermöglicht. Es sei keine Bettelei, wie Kritiker meinen, sondern es gehe um die Beteiligung der Crowd an innovativen Projekten. Normalerweise gebe man sein Buchmanuskript bei einem Verlag ab und kümmert sich nicht um den Rest. Beim Crowdfunding begleiten die Kunden den Entstehungsprozess und werden danach gefragt, was ihnen das Projekt wert sei. Und diese Werte entstehen nur durch die aktive Unterstützung – das sei das genaue Gegenteil von Bettelei.
Die vernetzte, kollaborative und digitalisierte Welt reduziert die Eintrittsbarrieren, um als Produzent tätig zu werden. Es fördert die Autonomie und schwächt das Regime der Fremdbestimmung. Das spüren nicht nur die Zeitungsverlage….
Beispielsweise morgen. Da organisiert die EU-Kommission zwei Videokonferenz-Schaltungen live aus Dubai, an denen auch die europäische Bürgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi) teilnehmen wird.
„EDRi organisiert jetzt eine öffentliche Fragerunde und ermöglicht damit einen direkten Einblick in das Geschehen in Dubai: Stellt einfach Eure Fragen über Twitter an @edri_org und/oder verseht Eure Tweets mit dem hashtag #askthecom. Fragen und Antworten werden dann in Updates drüben veröffentlicht“, teilt netzpolitik.org mit.
Over the next two weeks, EDRi will participate in two video conferences, on the 7 and 12 December, organised by the European Commission in order to get live feedback from the ITU’s World Conference on International Telecommunications (WCIT) in Dubai.The video conferences are an opportunity to get answers on the discussions taking place regarding some of the proposals that have been put forward and shed more light on the negotiations that could profoundly change the internet as we know it. Some ITU members states have tabled proposals that could indeed mean the end of the open, neutral and free internet. Issues of cybersecurity, limitations on access to infrastructure and sovereignty raise serious concerns about their impact on fundamental rights such as the right to freedom of expression and to privacy.
Send your tweets with the hashtag #askthecom to @edri_org and we will publish your questions and the answers we receive in updates of this post.
Ich selbst werde aber morgen leider nicht aktiv mitmischen. Bin auf der Skipiste 🙂
„Nun beginnt eine Ära, in der Unternehmen streitbare und wehrhafte Kunden nicht länger ignorieren können. Das erste Mal in der Geschichte finden Gespräche zwischen Konsumenten und Konzernen vor aller Augen statt. Die neue Transparenz ist neben einem guten Rechtsanwalt der größte Hebel, den wir Service-Guerilleros besitzen. Wir sollten ihn nutzen, so oft es geht“, schreibt König. Wie das geht, wird in einzelnen Schritten genau erklärt.
Insofern ist es dann völlig wurscht, ob Firmen den Dialog im Social Web suchen oder nicht. Klar ist nur: An der zu niedrigen Nachfrage liegt es nicht, wie ich heute in einer NeueNachricht-Story dargelegt habe.
Kontaktpunkte für Services werden von Kunden so wahrgenommen, wie sie von Unternehmen dargeboten werden. Die mangelhafte Social Web-Präsenz von Anbietern mit der geringen Nachfrage zu rechtfertigen, stößt auf Widerspruch:
„Wenn man sich die entsprechenden Angebote in sozialen Medien anschaut, so werden sie von vielen Firmen doch nur sehr unterschwellig präsentiert und sind vielleicht nur einigen wenigen Nerds bekannt“, so Matthias Ledig, Geschäftsführer und Gründer von Social Touchpoint, im ichsagmal-Interview.
Das sei kein Zufall. Dahinter stecke System. Dem Kunden werden die klassischen Kanäle wie Hotline-Dienste förmlich aufgedrängt. Soziale Medien und selbst Web-Services fristen ein eher stiefmütterliches Dasein.
„In Massenmärkten ist sogar eine Verweigerungshaltung festzustellen, Kundenservice überhaupt im Social Web zu etablieren. Nur wenige Unternehmen vermarkten ihre Angebote wirklich offensiv“, erklärt Ledig.
Mit einer zu geringen Nachfrage habe das Ganze nichts zu tun. Es werden auch nicht die Chancen für Marketing und Vertrieb gesehen. Da regieren eher die Controller, die generell den Service nur als Kostenfaktor betrachten und die Relevanz des Social Webs für die gesamte Organisation unterschätzen.
Teilweise baue man für Kunden absichtlich Hürden ein, Anliegen im Internet schnell zu erledigen.
„Da gibt es sogar Vermeidungsstrategien, um Kunden von bestimmten Handlungen abzuhalten – etwa bei Vertragskündigungen. In der Call Center-Branche wird diese sehr hässliche Taktik ‚churn prevention’ genannt“, weiß Ledig.
Über die Düsseldorfer Gewerbeauskunft-Zentrale muss man eigentlich nicht mehr viel schreiben. Ihre Geschäftsmethoden sind hinlänglich bekannt. Man bekommt einen Brief, gedruckt auf amtlich anmutendem Recyclingpapier (also die billige Sorte, die man vom Finanzamt gewöhnt ist) und fühlt sich förmlich verpflichtet, das Schreiben auszufüllen und wieder an diese Firma zurückzuschicken. Und das kann bekanntlich teuer werden. Siehe mein Blogpost: Es war ja keine Behörde: Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale landet im Altpapier.
Beim Aussenden dieser Massenschreiben haben die Auskunfts-Gichtlinge auch eine Anwaltskanzlei in Dortmund bedacht. Dumm gelaufen. Der Anwalt hat sich die Geschäftsbedingungen genau durchgelesen und kam auf eine geniale Idee:
„Er unterzeichnete das Formular. Zuvor hatte er den Text an entscheidenden Stellen jedoch geändert. Anstelle einer Vergütung für die Gewerbeauskunft-Zentrale war nunmehr eine an die Kanzlei zu zahlende Vergütung für die Erteilung der Erlaubnis zur Veröffentlichung der Daten vorgesehen“, so die Ruhr Nachrichten.
Mit der Veröffentlichung der Kanzlei-Daten auf der Auskunfts-Website sei dann die schlüssige Annahme des Vertragsangebots erfolgt. Jetzt besteht die Anwaltskanzlei auf die Zahlung der im veränderten Kleingedruckten angegebenen Summe. Eine entsprechende Klage wurde beim Amtsgericht Düsseldorf eingereicht. Der Anwalt ist siegessicher. Coole Aktion.
Wie kann man das Schreiben verändern? Die ursprüngliche Formulierung lautet ungefähr so:
Basiseintrag:
Name, Adresse, Telefon, Telefax, Informationstext, E-Mail, Internetadresse inklusive Verlinkung auf Ihre Homepage und einem integrierten automatischem Routenplaner. Marketingbeitrag jährlich inkl. USt: EUR 596,06. Die Aktualisierung und Berechnung erfolgt einmal im Jahr (als Laufzeit sind in der Regel 2 Jahre festgeschrieben – da muss man also kräftig ablatzen, gs).
Und mit dieser Formulierung kann man dann selbst eine Rechnung schreiben 😉
Basiseintrag:
Für die Erlaubnis, unsere genannten Firmendaten unter Gewerbeauskunft-Zentrale.de veröffentlichen zu dürfen, einschließlich der Verlinkung auf unsere Homepage erhalten wir von der GWE GmbH eine Vergütung von jährlich inkl. Ust: Eur 569,06. Die Berechnung erfolgt einmal pro Jahr im Voraus.
Auf der Cebit-Pressekonferenz, die heute Vormittag live ins Netz übertragen wurde, hat die IBM-Deutschlandchefin Martina Koederitz das Motto ihres Unternehmens für die Cebit 2013 „Rethink your Business“ und ein paar interessante Daten einer Befragung von Vorstandsvorsitzenden vorgestellt.
„Wir sehen die Notwendigkeit, dass Unternehmen durch Hyperdigitalisierung und fortschreitende Vernetzung gefordert sind, ihre Geschäftsmodelle laufend zu ,überdenken‘ und zielgerichtet an veränderte Marktanforderungen anzupassen.“
Nahtlos füge sich hierzu auch das von der Deutschen Messe AG ausgerufene CeBIT-Motto ein, denn mit „Shareconomy“ wird die Entwicklung zu einer neuen Offenheit und partnerschaftlichen Zusammenarbeit in den Unternehmen aufgegriffen.
„Die Ergebnisse unserer jüngsten CEO-Studie untermauern den Gedanken von Shareconomy. Unterm Strich besagen sie, dass Offenheit gegenüber Märkten, in der Unternehmenskultur und in Bezug auf das Innovationsmanagement die neue Erfolgswährung für Chefs und Mitarbeiter ist“, so Koederitz.
„Social Business“ setze auf Teilen statt Herrschen. Denn Globalisierung, neue Technologien und immer kürzere Entwicklungszyklen erhöhen den Innovationsdruck in allen Unternehmen, mehr Transparenz ist notwendig. Der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts, auch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg, wird dabei immer wichtiger. Gerade für den expandierenden deutschen Mittelstand sind globale Vernetzung und Einbindung aller Mitarbeiter und Produktionsstätten ein wichtiges Thema. Das Stichwort hierfür lautet: Industrie 4.0
Vielleicht hat es mit der Globalisierung diesmal weiter weniger zu tun als es die IBM-Geschäftsführerin glaubt. Braucht man also nur eine neue Unternehmenskultur und dann wird alles gut. Erinnert mich ein wenig an die unglaublich zähen Debatten über Unternehmensleitlinien, die über die Wirkung von Kalendersprüchen nicht hinweg kommen.
Vielleicht scheitern auch im Ganzen die Evaluations-, Controlling- und Buchführungs-Diktaturen:
„Im System der Delegationen oder Abtretungen von Souveränität, oder anders, im System der stillen Entmächtigungen, spielt die Evaluation eine entscheidende Rolle. An ihr drückt sich die spezifische Ohnmacht des gouvernemental gesteuerten Angestellten aus. Der Apparat ist mächtiger denn je, und kaum irgendwo äußert sich gegen ihn die Bürger- und Angestelltenwut“, schreibt Christoph Bartmann in seinem Buch „Leben im Büro“.
Die Graswurzel-Bewegungen des Netzes könnten das ändern. Etwa die Crowdfunding-Initiativen, die auch in deutschsprachigen Ländern wie Pilze aus dem Boden schießen, wie Dirk von Gehlen am Beispiel seines Buchprojektes „Eine neue Version ist verfügbar“ beim Digitalen Quartett darlegte.
Hier werde ein direkter Austausch zwischen Produzent und Konsument ermöglicht. Es sei keine Bettelei, wie Kritiker meinen, sondern es gehe um die Beteiligung der Crowd an innovativen Projekten. Normalerweise gebe man sein Buchmanuskript bei einem Verlag ab und kümmert sich nicht um den Rest. Beim Crowdfunding begleiten die Kunden den Entstehungsprozess und werden danach gefragt, was ihnen das Projekt wert sei. Und diese Werte entstehen nur durch die aktive Unterstützung – das sei das genaue Gegenteil von Bettelei. Es könnten sich also die Gewichte der Ökonomie noch stärker ändern als es selbst die IBM-Chefin erahnt. Mehr dazu morgen in meiner The European-Kolumne.
Was die Wirtschaft auch noch falsch einschätzt: Unternehmen hoffen, dass ihnen Facebook und Twitter beim Marketing helfen. Doch Social Media erweist sich oft als fiese Falle. Denn die Internetdienste bieten Kunden die Möglichkeit, ihre Gegner nach Strich und Faden vorzuführen. Ein Leitfaden für Service-Guerilleros vom Warteschleifen-Kolumnisten Tom König.
Noch vor acht Jahren gab es nur den Grüne Punkt-Müllkonzern DSD, der die Alt-Verpackungen über Gelbe Tonnen und Säcke einsammelte sowie das Recycling organisierte.
„Dieses Monopol wurde durch zahlreiche kartellbehördliche Maßnahmen nach und nach in einen Wettbewerbsmarkt überführt. Die Konkurrenz zwischen mittlerweile neun Anbietern in Deutschland hat zu erheblichen Kosteneinsparungen und Qualitätsverbesserungen beim Recycling geführt. Durch den Wettbewerb sind die jährlichen Gesamtkosten von ehemals rund zwei Milliarden Euro auf inzwischen unter eine Milliarde Euro pro Jahr gesunken. Dies entspricht einer Ersparnis von 50 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie. Die Kosten der haushaltsnahen Verpackungssammlung und des anschließenden Recyclings werden über die Produktpreise letztlich vom Verbraucher getragen“, so die Bilanz von Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.
Mit der Wettbewerbsöffnung gingen Befürchtungen einher, dass dies negative Folgen für die Qualität und Verlässlichkeit des Recyclings haben könnte. Der Bericht des Bundeskartellamt weist das Gegenteil nach. Die Sammlung in gelben Tonnen und Glascontainern funktioniere nach wie vor zuverlässig und die Recyclingquoten sind nicht gesunken. Die Wettbewerbsöffnung habe neben der erheblichen Kosteneinsparung auch zu einem Innovationsschub bei der Sortiertechnik für das Sammelgemisch der Gelben Tonne geführt. Mit der modernen Trenntechnik gehe nicht nur eine Kostensenkung einher, sie schafft durch eine höhere Trenntiefe auch die Voraussetzung für ein höherwertiges Recycling.
Die Bundesregierung plant nun eine gesetzliche Änderung, wie ich hier schon mehrmals berichtet habe. Ablösung der Verpackungsverordnung und Ausweitung des Recyclings durch ein neues Wertstoffgesetz. Trotz der Erfolge der Wettbewerbsöffnung werde in diesem Zusammenhang von kommunalen Entsorgern und Teilen der privaten Entsorgungswirtschaft vermehrt eine Abschaffung des Wettbewerbs der dualen Systeme gefordert, führt das Bundeskartellamt aus.
Sie schlagen vor, die Verantwortung für die Vergabe der Entsorgungsleistungen von den dualen Systemen auf eine „Zentrale Stelle“ oder die Kommunen zu übertragen.
„Im Interesse der Bürger sollte der Gesetzgeber diesen Forderungen eine klare Absage erteilen. Eine erneute Monopolisierung der Vergabe der Entsorgungsleistungen würde nichts anderes bedeuten als eine Rückkehr zu früheren DSD-Zeiten unter einem neuen Etikett. Die Folge wären höhere Entsorgungskosten und ein Verlust an Innovationen. Die unternehmerischen Interessen der Kommunen sollten nicht über die Belange der Bürger gestellt werden“, so Mundt.
Das Bundeskartellamt werde sich weiter für eine wettbewerbliche Ausgestaltung der Rahmenbedingungen einsetzen.
Die Kritik an der Einrichtung einer Zentralen Stelle ist ein herber Rückschlag für einige „Strategen“ und selbst ernannte Berater der Abfallbranche, die schon Planspiele über die Besetzung der Pöstchen begonnen hatten.
Aber schon im Juni gab es auf dem Würzburger Verpackungsforum mahnende Stimmen, die die Zentrale Stelle als Einfallstor für eine Zerschlagung des Wettbewerbs einordneten. Man sollte die bestehende Verpackungsverordnung mit Leben füllen und nicht wertvolle Zeit verschwenden mit der Schaffung eines neuen Verwaltungsmonsters. Man brauche keine GEZ für Einwegverpackungen und keinen Zentralismus. Beides führe zu einer Verschlechterung des Wettbewerbs. Besser wäre es, mit den vorhandenen Instrumenten weiter zu arbeiten.
Einen Dämpfer bekommen die kommunalen Ambitionen beim Einstieg in das Recyclinggeschäft durch die kostenträchtigen Pilotversuche bei der Ausweitung der Wertstofferfassung. Mit der Einführung der so genannten O-Tonne ist im Umland von Hannover in den vergangenen zwei Jahren ein Verlust von 2,3 Millionen Euro „erwirtschaftet“ worden. Das berichtet die HAZ.
Der Fehlbetrag geht zu Lasten der Müllgebührenzahler. Aus dem Erlös für die gesammelten Kleinelektrogeräte, Metalle und Bekleidung habe der regionale Zweckverband nur 100.000 Euro kassiert. Dem stehen die hohen Kosten für den Modellversuch gegenüber.
„Allein die Leerung der Tonnen, die alle vier Wochen vorgesehen ist, schlug mit 1,2 Millionen Euro zu Buch“, schreibt die HAZ. Die Anschaffung der Tonnen habe knapp 750.000 Euro gekostet. Die Aufstellung der Tonnen und die Werbeaufwendungen werden mit 215.000 Euro beziffert. „Hinzu kommt noch die Sortierung der Wertstoffe, für die der Abfallwirtschaftsbetrieb in den vergangenen zwei Jahre 310.000 Euro ausgeben musste“, so die HAZ.
Angesichts dieser Negativbilanz fodert die CDU-Regionsfraktion, über das ganze Projekt O-Tonne gründlich nachzudenken. Man sei völlig überrascht von den verschwindend geringen Erlösen.
Abfallexperten, die Erfahrungen mit der Vermarktung von Sekundärrohstoffen gemacht haben, halten das Ergebnis für weniger überraschend. Im Recyclinggeschäft würden sich Kommunen nicht sehr gut auskennen. Es reiche eben nicht aus, sich nur ins gemachte Nest zu setzen und auf höhere Erträge zu schielen. So einfach sei die Vermarktung von Wertstoffen nicht.
Nicht erst seit dem Streit um das Wertstoffgesetz versuchen Kommunen, so der die Analysen des Bundes der Steuerzahler, Zugriff auf neue Erwerbsquellen zu bekommen und die Dualen Systeme aus dem Geschäft zu drängen – wie beim Altpapier. Das sei allerdings regelmäßig kläglich gescheitert. Denn es fehle an den nötigen Investitionen in moderne Sortier- und Recyclingtechnologien.
Hier hätten die mittelständisch geprägten Unternehmen klar die Nase vorn – auch was die Vermarkung der Sekundärrohstoffe anbelangt. Es wäre schade, wenn die Kommunen jetzt einen funktionierenden Markt zerstören und den Mittelstand gefährden würden, kritisiert der Verwaltungsrechtsexperte Harald Schledorn vom Bund der Steuerzahler.
Am Wochenende habe ich ja schon angedeutet, dass ich mich an einer Theorie der Sozialen Ökonomie abarbeite. Eher der fragmentarische Versuch, ein neues Verständnis für die Wirkungen des Digitalen und Social Webs zu entwickeln. Für meine Mittwochskolumne habe ich jetzt erst mal den Anfang fertig. Mein Titelvorschlag: Die neuen Autonomen – Über den Niedergang des homo hierarchicus.
Führungskräfte der Wirtschaft verfügen über zu wenig Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien und setzen weiterhin auf hierarchisch gesteuerte Entscheidungen. Das zeigt die Capgemini-Studie „Digitale Revolution“. Im Arbeitsalltag gehen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.
„Fest steht, dass der Erfolg von Transformationsprojekten heute in den Händen von Führungskräften liegt, die häufig nicht gewillt oder nur schlecht auf diese Herausforderung vorbereitet sind“, so die Studien-Autorin Imke Keicher.
Die Gründe für diese Abwehrhaltung sind vor allem die Angst um den Einfluss- und Statusverlust (47 Prozent) und die dichte Taktung der Veränderungsprojekte in den vergangenen Jahren, bestätigen 40 Prozent der Befragten.
74 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sich Veränderungen nur schwer von außen aufzwingen lassen, wenn die Mitarbeiter dazu innerlich nicht bereit sind. Für eine erfolgreiche Veränderung kommt es nicht nur darauf an, Fakten zu vermitteln (57 Prozent Zustimmung), erfolgskritisch ist es, Menschen emotional zu erreichen und für den Wandel zu begeistern (85 Prozent Zustimmung). Betrachtet man allerdings die in der Praxis angewandten Methoden, so überwiegt die fachlich-sachliche Ansprache entlang der etablierten Hierarchiestrukturen.
Einstellung und Wirklichkeit driften besonders auseinander, wenn es um den Einsatz sozialer Medien geht – den sogenannten Enterprise 2.0-Anwendungen. 65 Prozent der Befragten geben zu Protokoll, dass sie sich eine Arbeitserleichterung durch den Einsatz solcher Anwendungen versprechen. Aber nur für 15 Prozent spielen die vorhandenen 2.0-Anwendungen eine unverzichtbare oder große Rolle. Zwar werden bereits verschiedene „digitale“ Werkzeuge genutzt, jedoch sind Führungskräfte zögerlich, wenn es um den Einsatz „echter“ Enterprise 2.0-Anwendungen geht.
„Die digitale Transformation liegt noch in weiter Ferne, besonders wenn es darum geht, Mitarbeiter in den Veränderungsprozess einzubinden und einen Austausch über alle Hierarchiestufen hinweg zu ermöglichen“, betont die Capgemini-Beraterin Keicher.
Die Zurückhaltung gegenüber den neuen digitalen Anwendungen begründen 64,6 Prozent der Studienteilnehmer mit mangelnder Erfahrung. Es könnte natürlich auch etwas ganz Anderes hinter den Blockaden stecken.
Sind es wirklich „Change-Aversionen“, die dem „Wandel“ entgegenstehen? Vielleicht ist es das Substrat einer pseudo-modernen Organisation, entworfen auf dem Reißbrett von Planungs- und Prozessfanatikern, das man krampfhaft bewahren will.
Zum Lieblingsvokabular der Manager zählen doch Ziel, Optimierung, Strategie, Change, Projekt, Performance, Evaluation und der berühmte Prozess, wie Christoph Bartmann „Leben im Büro“ sehr schön ausgebreitet. Eine semantische Powerpoint-Brühe, die das bürokratisch-industrielle Büroleben prägt – angetrieben von einem Gemisch aus BWL und IT. Ein Regime der Standards, Formulare, Meetings, Organigramme und To-Do-Listen. Das Ganze wird von einem Mehltau an Sprachregelungen, Leerformeln, Zielen, Strategien und operativen Handlungsanweisungen überzogen. Wichtigtuerei, gesteuert von einem rhetorischen Autopiloten – programmiert von neunmalschlauen Consulting-Päpsten, die sich mit Binsenweisheiten über Wasser halten.
So langsam dämmert es den Controlling-Süchtigen, wie soziale Medien dieses Konglomerat des Prozess-Managements untergraben. Eine Kultur der Beteiligung, die in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik immer stärker eingefordert wird, entlarvt die Seifenblasen der Funktions- und Positionselite, die sich zur letzten Abwehrschlacht in Erdlöchern verkriecht. Ein Grabenkampf, um Pfründe zu retten, wie beim Leistungsschutzrecht. Soweit der Anfang, der noch mit schönen Beispielen verfeinert wird. Aber dazu mehr am Mittwoch. Meine Kolumne erscheint ja immer so gegen 9 Uhr. Ob daraus dann eine Theorie der Sozialen Ökonomie entsteht, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht machen wir daraus auch ein Buchprojekt und folgen dem Experiment des SZ-Redakteurs Dirk von Gehlen auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. Ich unterstütze dieses Vorhaben übrigens mit 30 Euro. Bin gespannt auf das Ergebnis im Frühjahr des nächsten Jahres. Wird Dirk von Gehlen doch bestimmt auf der republica vorstellen, oder?
Der IT-Unternehmer Jörg Friedrich hat sich für die Zeitung in Printform ins Zeug gelegt. Am Wochenende in einem Gastbeitrag für die FAZ und in seiner The European-Kolumne. Sehr löblich, würde er nicht ein Ideal kommunizieren, dass es so schon Ewigkeiten nicht mehr gibt und vielleicht in seiner Reinform nie gab. Die Krise der Zeitung beruhe darauf, dass das Internet das Medium Papier überflüssig mache. Aber wer Zeitung mit Printmedium gleichsetzt, habe das Wesen der Zeitung nicht verstanden, meint Friedrich:
„Viele Menschen, die eine Zeitung lesen wollen, tun dies zu einem bestimmten Zeitpunkt im Tagesablauf, und zu diesem wünschen sie sich das Paket der Informationen, Hintergrundanalysen und Kommentare. Durch den Verzicht auf zeitintensive Produktions- und Verteilungsprozesse einer Papier-Zeitung gewinnt die Zeitung in Zukunft zwar Zeit, so dass der Zeitpunkt des Redaktionsschlusses mit dem des Erscheinens dichter zusammenrücken kann, aber das Besondere der Zeitung wird immer eben dieser Redaktionsschluss sein und die Tatsache, dass er für das ganze Paket gilt, der – wie effektiv auch immer die Produktion einer Online-Zeitung einmal sein wird – einen gewissen Abstand zum Erscheinen der Zeitungsausgabe haben wird, ein Zeitraum, der Abstand schafft zwischen Ereignis und Bericht“, so Friedrich in der FAZ.
Das eigentliche Produkt einer Zeitungsredaktion sei die Ausgabe, die regelmäßig erscheint.
„Regelmäßig heißt, dass der Erscheinungstermin einer Regel folgt, auf welche die Leser sich mit ihrem Lebensrhythmus einstellen können, und dass der Produktionsprozess selbst, der im Erscheinen der Ausgabe mündet, bestimmten Regeln unterworfen ist. Dadurch werden die Qualität und die Individualität jeder Zeitung sichergestellt. Und das macht ihren eigenständigen Wert überhaupt nur möglich“, führt Friedrich weiter aus.
Wie wertet der Autor Zeitungen, die schon seit Jahren und auch vor der Popularisierung des Internets die abgestandene Nachrichtenbrühe der Tagesschau vom Vorabend servieren? Und Redaktionen für den Politik- und Wirtschaftsteil, die sich mit Agenturmeldungen über Wasser halten, die am Vortrag schon von morgens bis abends über Internet, Fernsehen und Radio runter genuldet wurden? Wie viele Artikel beruhen auf Primärquellen? Wie viele Nachrichten wurden von den Redaktionen recherchiert und nicht irgendwo kopiert? Mit Wirtschaftsbloggern war ich mir einig, dass es keinen großen Aufwand macht, Meldungen über Wirtschaftswachstum oder Eurokrise über die jeweiligen Primärquellen zu bekommen. Da muss man sich nur etwas von seiner eigenen Bequemlichkeit verabschieden und den direkten Draht zu Bundesbank, Statistischem Bundesamt, Instituten, Regierungsstellen und sonstigen Institutionen aufbauen.
Wie das Ideal einer Zeitung aussehen soll, hat WAZ-Verlagschef Bodo Hombach skizziert: Die klassischen Medien müssten Gelenkstelle zwischen allen Räumen des öffentlichen Lebens sein, Drehscheibe für Ideen, Arena, Forum, Nische und Nest, Rumpelkammer für Exkurse ins Fantastische, frech, präzise, zivil, Sendbote zwischen Ein- und Ausgeschlossenen, Dolmetscher zwischen oben und unten, Gestern und Morgen, Rand und Mitte, Vor- und Nachdenker, Instrument der Auseinandersetzung und des Zusammengehens, aktuell, flexibel, empfindsam und hart, mit Leidenschaft und Kühle, Katheter für sozialen Problemstau, Kompostecke für Kulturabfall, Schredder für Abgelegtes, Abgenutztes, Abgestandenes, Seismograf für feinste Beben auf der nach oben offenen “Richter-Skala” des Geistes, offen für jede Bitte, aber verschlossen für jeden Befehl.
Also all das, was man in der Blogosphäre schon wahrnehmen kann durch die Vielfalt, durch das kreative Chaos und der Inspiration der Basis. Kein Territorialverhalten, keine selektive Nachrichtenauslese, kein Auflagendruck, kein Bestreben nach dem absoluten Medienscoop.
Die klassischen Medien “jagen im Rudel”, so Hombach”.
“Kampagnenjournalismus muss nicht mehr organisiert werden. Es ergibt sich wie von selbst. Die Neidhammel umkreisen den Sündenbock.“
In vielen Blättern und Sendern werden Agenturberichte ungeprüft übernommen.
“Man hört und sieht und liest denselben Bericht. Das empfinden die meisten als Bestätigung. Mancher glaubt sogar dem selbst erfundenen Gerücht, wenn es zu ihm zurückkehrt.“
Was Zeitungen permanent als Aufmacher ins Blatt nehmen, ist eine bloße Erinnerung an den Fernsehabend zuvor. Nur noch halb so groß sollten die Tageszeitungen berichten über die Reden von Politikern und die Verlautbarungen von Parteien und Verbänden, forderte der große Journalistenausbilder schon vor einigen Jahren, als das Wort „Zeitungskrise“ noch gar nicht so richtig diskutiert wurde.
“Es gibt weder eine Journalistenpflicht noch ein heißes Leserinteresse, täglich groß gedruckt zu sehen, was da an Versprechungen und Verunglimpfungen abgelassen wird, an Retourkutschen, unseriösen Prognosen und durchschaubaren Lügen. Über politische Sprechblasen wahrheitsgemäß berichten heißt ja: In redlicher Absicht die Zeitung mit Schönfärbereien und Irreführungen füllen; je weniger sie davon druckt, desto höher steigt also ihr Wahrheitsgehalt”, erklärt Wolf Schneider.
Halbiert würde dabei auch die schiere Langeweile. Die Zeiten, in denen eine saturierte Abonnementszeitung durch journalistische Langeweile gar nicht ruiniert werden konnte, seien vorbei: “Omas Zeitung liegt im Sterben”. Wie gesagt, Wolf Schneider ist kein Nerd, sondern ein erfahrener Journalist, der das wohl ganz gut beurteilen kann, was in den Redaktionen abläuft. Mit Häme über den Niedergang des Zeitungsjournalismus hat das nichts zu tun – eher mit Trauer.
„Das Blatt fährt in diesem Jahr offenbar einen Verlust im zweistelligen Millionen-Bereich ein. Medien-Insider Kai-Heinrich Renner schreibt in seiner Abendblatt-Kolumne von 10 bis 20 Millionen Euro, die am Ende fehlen werden. Grund für den Verlust ist hauptsächlich der Einbruch im Stellenmarkt der FAZ, der für Umsatz und Gewinn des Blattes von immenser Bedeutung ist.“
Plädieren jetzt die FAZ-Herausheber für ein Schutzgesetz, um bei Monster & Co. abzukassieren?