3sat-Sendung „neues“ über Blogging

Ist zwar schon vor einer Woche gelaufen, hat aber gute Einblicke gegeben über die Arbeit von Tech-Blogger in den USA. So wurde die Arbeit von Priya Ganapati von Wired digital vorgestellt. Noch interessanter aber ist Harry McCracken. Der langjährige Computer-Journalist der Zeitschrift „PC World“ hat sich erst vor sechs Monaten entschlossen, sein eigenes Blog „Technologizer“ zu starten mit beachtlichen Zugriffszahlen.

Eins Tagesstatistik lag bei rund 300.000 – wenn ich die Grafik richtig entziffert habe. Blogger werden in den USA viel ernster genommen als hierzulande. „Blogger haben sich zu einer unglaublich guten Quelle für Technik-Informationen entwickelt. Konsumenten lesen heute nicht mehr Zeitschriften oder Zeitungen. Sie suchen ganz speziell auch nach einzelnen Bloggern und lesen deren Meinungen vorm Kaufentscheid. Die Informationssuche hat sich deutlich verändert“, so Oliver Karven vom Festplattenhersteller Buffalo. Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt.

Jobmaschine Steve Jobs

Wenn es mit dem Aufschwung funktionieren soll, geht es nur mit einer geballten Kraft Unternehmertum und Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. Die Dinge des Lebens, auch die relevanten wie die Energiewende, geschehen nur nach der Versuch und Irrtum-Methode. Entdeckerlust und Vermarktungsfähigkeiten sind gefragt. Wie man Arbeitsplätze schafft, hat der kongeniale Apple-Chef Steve Jobs geschaffen, allein durch die Erfindung des iPhones? Das hat die NZZ heute schön beschrieben: „Es sind ästhetisch ansprechende Produkte, technisch zu Ende gedacht, intuitiv zu benutzen; es sind Produkte, die sich von der Masse der Konkurrenz abheben, die etwas Rebellisches an sich haben, etwas Unangepasstes. Ein Hang zu Eleganz, Perfektion, Benutzerfreundlichkeit, zum Besonderen – das ist es, was Jobs Arbeit als Computerunternehmer auszeichnet. Es ist nicht einzusehen, warum nicht auch andere Führungspersönlichkeiten Produkte entwickeln lassen könnten, die sie gerne auch selber für sich oder ihre Angehörigen kaufen würden“, soweit die NZZ. Es ist eigentlich sehr traurig, dass diese Selbstverständlichkeiten von anderen Unternehmen so häufig vernachlässigt werden. Wir müssen uns auf die Forschung und Entwicklung konzentrieren, auf die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, auf die Veredelung von Produkten, auf die Verbesserung der Produktvermarktung und auf smarte Servicekonzepte, wie es der Apple-Chef praktiziert. Wir müssen massiv den ökonomischen Wandel von der klassischen industriellen Produktion zu Dienstleistungen und Wissen sowie zur Informations- und Kommunikationstechnik vorantreiben. Wir können nur als Wissens- und Dienstleistungsökonomie überleben.

Klinsi als Kanzler – Wir brauchen jemanden, der Teamgeist beschwört

Der Soziologe Stephan Grünewald hat es in der Sendung Scobel in 3sat am 22. Januar auf auf den Punkt gebracht: Vor allen Dingen die Eliten in Wirtschaft und Politik versagen zur Zeit bei der Vermittlung von Leitbildern und Aufbruchstimmung. „Was mit der Finanzkrise in der Wirtschaft geschieht, ist die bekannte self-fulfilling prophecy. Man fürchtet die Rezession und tut dummerweise das, was sie begünstigt: Investitionen aussetzen, Arbeitsplätze abbauen“, sagte er in einem Interview mit dem Stern.
Wenn sich die staatlichen Eingriffe auszahlen, die Konjunktur sich nur abschwächt und die Arbeitslosenzahlen halbwegs stabil bleiben, könnte der Optimismus zurückkehren.
Was die Deutschen brauchen, um wieder guter Stimmung zu sein, sei ein „Klinsi“, jemanden der Teamgeist beschwört, Gemeinschaft, Gerechtigkeit. „Der Ziele formuliert, die wir gemeinsam stemmen können“, so Grünewald, Autor des sehr lesenswerten Buches „Deutschland auf der Couch – Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft“ (Campus-Verlag, 2006 erschienen). Deckt sich auch mit meinen Beiträgen!!!

Geist, Geld und verschwurbelte Ansichten über Blogger – Über das neue Buch des sueddeutsche.de-Chefs

Thomas Knüwer hat in seinem Blog die richtige Antwort auf das neue Buch von Hans-Jürgen Jakobs, Chef von sueddeutsche.de, gegeben. „Geist und Geld“ heißt das Werk und wird wohl sehr schnell ins moderne Antiquariat wandern. Warum sollten festangestellte Redakteure wie Knüwer oder Niggemeier nicht bloggen? Gibt es ein Reinheitsgebot für Blogger? Hier sieht Jakobs einen Unterschied zu den USA: „Auffällig ist, dass einige der bekanntesten deutschen Blogs von ausgewiesenen Journalisten gemacht werden, die bei fest etablierten Medienunternehmen arbeiten oder dort zumindest doch regelmäßig schreiben können.“

Was ist mit den US-Bloggern von großen Wirtschaftszeitschriften, von Fachmagazinen, von Publikationen wie Wired etc.? Querverbindungen von Printjournalisten zu anderen Formaten gab es doch schon zu allen Zeiten. Vor allen Dingen in den USA: Print-Chefredakteure mit eigener Fernsehsendung etc.

Jeder kann einen Blog aufmachen – das erweitert den Horizont.

Nochmal: Innovatoren für den Aufschwung – Deutschland braucht mehr Quertreiber und den Sputnik-Effekt

Trendforscher Matthias Horx hat es bereits Ende vergangenen Jahres treffend analysiert: Es beginnt eine neue Ära für Innovatoren. Nie waren die Chancen besser. Allerdings müssen wir uns abwenden von den klassischen Massenanwendungen, von der industriekapitalistischen Denkweise, vom Fordismus des vergangenen Jahrhunderts. „Alle unsere Kernbranchen – die Banken, die Automobilbranche, die Energiebranche, die Pharmaindustrie, die Medien – tun seit vielen Jahren immer nur das Gleiche. Sie verbessern ihr Marketing. Sie steigern den Absatz, weil die Märkte global geworden sind. Wirkliche Innovationen im Sinne von klugen, smarten intelligenten Lösungen: Mangelware“, so Horx, Chefredakteur des Bonner Fachdienstes Zukunftsletter. Unternehmen und Branchen die sich nach wie vor so definieren, entwickeln sich zu den Stahlbranchen der kommenden Jahre und verschwinden vom Markt. „Alte Messlatten taugen halt nicht für Neuerungen”, schreibt der Strategieplaner Andreas Frank in seiner Studie „Deutschland ein Land der Innovationen?“. 43 Prozent aller Geschäftsführer haben die Verantwortung für Innovationen schlicht wegdelegiert, etwa ans Marketing oder an die Personalabteilung. Fast ein Viertel erklärte ausdrücklich, vor lauter Arbeit keine Zeit für Innovationen zu haben. Schlimmer noch sind jene Firmenvertreter, die meinen, ohnehin schon produktiv und innovativ genug zu sein.

„Basisinnovationen kommen daher eher von Außenseitern, Quertreibern oder sind Zufallsprodukte. Wir brauchen deshalb weniger Barrieren, weniger Restriktionen und weniger Steuerung”, fordert Dr. Johannes Bussmann von der Beratungsfirma Booz & Co.. Die Ideen müssten bei wenigen generiert werden. Dafür müsse eine Kultur vorhanden sein, um mit den Ideen auch voran zu kommen. Man sollte sich generell von der Planungshybris verabschieden. Mit mechanistischen Dogmen komme man in der Geschäftswelt nicht weit.

Wirtschaftsexperten wie Bussmann predigen schon seit einigen Jahren, dass die Voraussagbarkeit der Zukunft abnehmen und unübersichtliche Ereignisse zunehmen. Innovationen, neue Produkte, Märkte oder Trends lassen sich nur schwer prognostizieren und die Bedürfnisse der Verbraucher von heute sind kein aussagekräftiger Indikator für die Produkte von morgen. Deshalb braucht man Menschen, die Erwartungen durchbrechen und etwas tun, womit zuvor niemand gerechnet hat. Ein Innovator ist derjenige, der sieht, dass man in turbulenten Situationen mit einem stoischen Verhalten in Probleme gerät: „Der Wandel zu Neuem geschieht nicht kontinuierlich. In der Wissenschaft nennt man das ‚Paradigmenwechsel’, treffend und umfassend beschrieben von Thomas S. Kuhn in ‚Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen’. Der wesentliche Zug seiner Theorie ist der diskontinuierliche Wandel von Methoden, Beschreibungen, Theorien und Erkenntnissen. Und genau dieser Wandel findet derzeit in der globalen Kommunikation statt, ein Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Internets: Die Art und Weise, wie wir künftig innovative Produkte und Dienstleistungen erfinden, hat sich schon gewandelt und wird sich weiter in Richtung Cyberinnovation entwickeln”, glaubt Andreas Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba und Sprecher des cioforums in München.

Der Düsseldorfer Personalexperte Udo Nadolski vermisst allerdings den dafür notwendigen mentalen Umschwung in Deutschland. „Politiker beschäftigen sich mehr mit der Technikfolgenabschätzung als mit den Technologien selbst. Was kann Bundeskanzlerein Angela Merkel denn vorweisen bei der Umsetzung der Lissabon-Strategie. So sollte doch Europa bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt gemacht werden. Bislang existiert diese Vision nur auf dem Papier“, bemängelt Nadolski, Chef des Beratungshauses Harvey Nash.

Wer in der Krise seine Stellung behaupten wolle, müsse seine Ressourcen und die Geisteskraft seines Landes bündeln und in einer gesellschaftlichen Kampagne für Innovationen mobilisieren. „In den USA wird die aufrüttelnde Antrittsrede von US-Präsident Barack Obama eine ähnliche Wirkung haben, wie der Sputnik-Schock Ende der 1950er Jahre. Amerika investierte damals massiv in die Bildung, brachte die Lehrpläne in Mathematik und Naturwissenschaften auf eine hohes Niveau und sorgte mit staatlichen Mitteln dafür, dass die Apollo-Mission zum Mond erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Obama wirkt ähnlich mitreisend wie John F. Kennedy, um eine neue Innovationsoffensive zu starten. Davon können wir in Deutschland nur träumen“, resümiert Nadolski.

Würde mich über Eure Anregungen für eine Innovationsoffensive sehr freuen!!!!

Kollektive Intelligenz für den Aufschwung – Gute Zeiten für Innovatoren

Trendforscher Matthias Horx hat es bereits Ende vergangenen Jahres treffend geschrieben. Es beginnt eine neue Ära für Innovatoren. Nie waren die Chancen besser. Allerdings müssen wir uns abwenden von den klassischen Massenanwendungen, von der industriekapitalistischen Denkweise, vom Fordismus des vergangenen Jahrhunderts. „Alle unsere Kernbranchen – die Banken, die Automobilbranche, die Energiebranche, die Pharmaindustrie, die Medien – tun seit vielen Jahren immer nur das Gleiche. Sie verbessern ihr Marketing. Sie steigern den Absatz, weil die Märkte global geworden sind. Wirkliche Innovationen im Sinne von klugen, smarten intelligenten Lösungen: Mangelware“. Unternehmen und Branchen die sich nach wie vor so definieren, entwickeln sich zu den Stahlbranchen der kommenden Jahre und verschwinden vom Markt. „Alte Messlatten taugen halt nicht für Neuerungen“, schreibt der Strategieplaner Andreas Frank in seiner Studie „Deutschland ein Land der Innovatoren?“. 43 Prozent aller Geschäftsführer haben die Verantwortung für Innovationen schlicht wegdelegiert, etwa ans Marketing oder an die Personalabteilung. Fast ein Viertel erklärte ausdrücklich, vor lauter Arbeit keine Zeit für Innovationen zu haben. Schlimmer noch sind jene Firmenvertreter, die meinen, ohnehin schon produktiv genug zu sein.

„Basisinnovationen kommen daher eher von Außenseitern, Quertreibern oder sind Zufallsprodukte. Wir brauchen deshalb weniger Barrieren, weniger Restriktionen und weniger Steuerung“, fordert Dr. Johannes Bussmann von der Beratungsfirma Booz Allen. Die Ideen müssten bei wenigen generiert werden. Dafür müsse eine Kultur vorhanden sein, dass die Leute, die Ideen haben und mit den Ideen auch vorankommen. Man sollte sich generell von der Planungshybris verabschieden. Mit mechanistischen Dogmen kommt man in der Geschäftswelt nicht weit.

Die Voraussagbarkeit der Zukunft nimmt ab und unübersichtliche Ereignisse nehmen zu. Innovationen, neue Produkte, Märkte oder Trends lassen sich nur schwer prognostizieren und die Bedürfnisse der Verbraucher von heute sind kein aussagekräftiger Indikator für die Produkte von morgen. Wir brauchen Menschen, die Erwartungen durchbrechen und etwas tun, womit zuvor niemand gerechnet hat. Ein Innovator ist derjenige, der sieht, dass man in turbulenten Situationen mit einem stoischen Verhalten in Probleme gerät. „Der Wandel zu Neuem geschieht nicht kontinuierlich, sondern in Stufen. In der Wissenschaft nennt man das ‚Paradigmenwechsel‘, treffend und umfassend beschrieben von Thomas S. Kuhn in ‚Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen‘. Der wesentliche Zug seiner Theorie ist der diskontinuierliche Wandel von Methoden, Beschreibungen, Theorien und Erkenntnissen. Und genau dieser Wandel findet derzeit in der globalen Kommunikation statt, ein Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Internets: Die Art und Weise, wie wir künftig innovative Produkte und Dienstleistungen erfinden, hat sich schon gewandelt, und wird sich weiter in Richtung Cyberinnovation entwickeln“, glaubt Andreas Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba. Welche Cyberinnovationen werden das sein? Welche Außenseiter, Quertreiber und Erfinder sind bereits am Start? Das werde ich hier weiter berichten. Vielleicht habt Ihr ja Anregungen?

Warum wir Obama-Spirit in der Wirtschaftspolitik brauchen

Erwartungen sind nach Erfahrungen von Mario Ohoven der Lotse für die Wirtschaft. „Geschäftserwartungen bestimmen Investitionen, Einkommenserwartungen den Konsum. In dem derzeitigen Wunschkonzert der Konjunkturhilfen werden viele Partikularinteressen deutlich, ein konsistenter Plan fehlt aber“, moniert Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“. Dabei sei eine plausible Gesamtstrategie aber aus zwei Gründen notwendig: um die Dauer der Rezession so kurz wie möglich und die Belastungen für den Staatshaushalt in einem erträglichen Rahmen zu halten. Wenn schon im keynesianischen Sinne die Konjunktur angekurbelt werden, müssten die Maßnahmen zielgerichtet und wahrnehmbar sein.

„Einfach und wirkungsvoll ist es, einbehaltene Gewinne steuerfrei zu stellen. Dann können die Betriebe aus eigener Kraft weiter investieren, Arbeitsplätze schaffen und Eigenkapital aufbauen. So wurde schon in den 50er-Jahren das Wirtschaftswunder ohne Fremdkapital finanziert. Zudem müssen in der heutigen Phase der Unsicherheit und der düsteren Prognosen die Einkommensteuersätze für mittlere Einkommen gesenkt werden. Damit Mittelstand und Mittelschicht merken, dass sie nicht allein die Last der Finanzkrise zu tragen haben. Die für 2009 diskutierte Anhebung des Grundfreibetrags um drei Prozent reicht dazu nicht aus“, so Ohoven.

Auch nach Auffassung des Wirtschaftswoche-Chefredakteurs Roland Tichy http://www.wiwo.de sei nur eine Steuer- und Abgabensenkung hilfreich, um aus dem Konjunkturtal wieder herauszukommen. „Nur so werden die Leistungsträger der Gesellschaft entlastet, die letztlich die Pfade zu einem neuen Wirtschaftswachstum finden. Wir müssen die Aktiven belohnen, statt die Passivität und das Nichts-Tun noch höher zu subventionieren“, führt Tichy aus. Steuersenkungen seien schnell zu haben, sie könnten in die Vorauszahlungsprogramme und Lohnsteuerberechnung schneller eingearbeitet werden als staatliche Planungsprozesse für Bauvorhaben. „Die Bürger, das muss man den Politikern der CDU und SPD immer wieder sagen, wissen selbst am besten, wofür sie ihr Einkommen ausgeben. Ohnehin stranguliert die Abgabenbelastung, die unter dieser Regierung angestiegen ist, die Nachfrage“, bemängelt Tichy.

Trendforscher Matthias Horx fordert eine neue Ära der Innovation. Man brauche jetzt flexiblere, erfinderischere und mobilere Unternehmen, die auf neue Weise profitabel sind. So könnten neue Märkte entstehen: Energienetze, Care-Systeme, Humanressourcen, neue Bildung oder Gesundheit Plus. Soweit die Experten. Wir brauchen allerdings auch Vision, Spirit und Optimismus, wie ihn US-Präsident Obama in seiner Antrittsrede vermittelt hat. Auf Härten hinweisen und gleichzeitig große Ziele formulieren. Nicht verzetteln, sondern Groß-Projekte angehen, wie bei der Apollo-Mission.
Kluge Grundlagenforscher und Ingenieure haben wir genug. Themen wie Gezeitenkraftwerke, semantisches Web (beispielsweise Projekte der Deutschen Forschungsgesellschaft für Künstliche Intelligenz), Biogaskraftwerke, geothermische Energiegewinnung, komplette Abkopplung von fossiler Energie. Nicht kleinlaut daherreden Frau Merkel. Machen Sie es wie Ludwig Erhard, mit klaren Botschaften (damals: Wohlstand für alle) für Chorgeist sorgen und keine Schmalspurdebatten über Abwrackprämien, Kindergelderhöhung und lächerlichen Abgabenentlastungen führen.

Meine Umfrage zum Crash: Untergangspropheten werden von Wirtschaftsrealität überholt

Fast jeder Zweite ist der Meinung, dass die Untergangspropheten schneller Wirtschaftsrealität überholt werden als es von der veröffentlichten Meinung suggeriert wird. 27 Prozent gaben zu Protokoll, dass die Krise nur einzelne Branchen treffen wird und nur jeder vierte Umfrageteilnehmer geht von einer lang anhaltenden weltweiten Rezession aus.
Meine Umfrage ist sicherlich nicht repräsentativ. Ein Indikator für die verzerrte Krisenberichterstattung ist das Votum auf alle Fälle.

Der Einzelhandel in Zeiten der Ernüchterung: Lokale Intelligenz und Kundennähe werden wichtiger

In schwierigen Wirtschaftszeiten sollte man wieder näher an die Kunden rücken und lokale Märkte wieder entdecken: Das verkündeten Jamey Wojciechowski von Best Buy und Chris Kneeland von Rapp Collins Retail auf der New Yorker Fachkonferenz Retail’s Big Show. Das alte Modell der Standardisierung und Einheitlichkeit von Produktangeboten funktioniere nicht mehr. Hier definiere sich der Wettbewerb nur über den Preis und alle Händler verkaufen das Gleiche.

Handelsmanager müssten lokale Intelligenz entwickeln, ihre Kunden genau kennen und mit ihnen stärker ins Gespräch kommen. „Der lokale Wettbewerb wird wichtiger. Ein Einzelhändler muss in seinem Umfeld die Nase vorn haben“, so Will Ander von McMillan Doolittle, Co-Autor des Buches „greentailing“ (Wiley Verlag). Das alleine werde aber nicht ausreichen. Der Konkurrent könne aus der benachbarten Stadt, Region oder von einem anderen Fleck der Erde kommen. „Weit beängstigender für Platzhirsche sind E-Commerce-Wettbewerber oder Direktvermarkter, die die Spielregeln des Einzelhandels radikal ändern“, erklärte Ander.

Die nächsten sechs Monate werden sehr schmerzhaft für den Einzelhandel verlaufen, so das fast einhellige Resümee von Analysten, Vertretern der Konsumgüterindustrie und des Handels zum Abschluss der NRF-Convention. Einzelhändler sollten sich auf das Überleben konzentrieren. „Nur die Besten werden durchkommen und in Zukunft eine starke Position einnehmen, um zu wachsen“, sagte Christopher Donnelly von Accenture in der Paneldiskussion „The Sky Has Fallen. Now what?“.

Nach Ansicht von Matthias Harsch, Mitglied der Geschäftsführung beim Technologiespezialisten Bizerba, beginnt jetzt für den Einzelhandel die Zeit der Umsetzung von technologischen Innovationen. „Wichtig sind strategische Investitionen für die Interaktion mit Kunden. Dazu zählen Multichannel-Konzepte, um die Kommunikation mit den Verbrauchern zu vernetzen über Ladengeschäfte, Call Center, Internet und mobile Endgeräte“, sagte Harsch in New York. Informationen müssten zeitnah und stets aktuell an Kunden vermittelt werden, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.

Retail-Spezialist Tudor Andronic von Bizerba ergänzte, dass sich in einer Periode der Ernüchterung jene System- und Lösungsanbieter durchsetzen werden, die den Einzelhändlern sowohl Kostenreduzierung als auch besseren Kundenservice und Kundenzufriedenheit garantieren: „Das müssen Technologiefirmen und Provider schwarz auf weiß nachweisen“. Optimierungsbedarf sieht er in der Logistikkette von frischen Lebensmitteln. Allein von der Produktion bis zum Supermarkt verschwindet fast die Hälfte der Lebensmittel. „Rund fünf bis zehn Prozent gehen verloren durch den Verderb der Ware im Laden. Eine entscheidende Komponente ist dabei die Koordination und ein flexibles Management. Wenn ich weiß, dass das Haltbarkeitsdatum von frischen Lebensmitteln abläuft, muss ich in der Lage sein, mit Sonderangeboten die Ware schnell zu verkaufen. Entsprechend dynamisch sollten beispielsweise Etikettiersysteme funktionieren“, erläuterte Andronic.

Generell wichtig sei eine Reduktion der Komplexität für Kunden und Verkaufspersonal. „Deshalb bringen wir die Informationen mit Touchscreens dorthin, wo sie gebraucht werden. Sie brauchen keine Ordner zum Abheften mehr, sondern können die Informationen on demand abrufen“, so Harsch. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.

Deloitte-Studie bestätigt meinen Beitrag zur Technik-Skepsis der Deutschen

Das habe ich mit Deloitte aber nicht abgesprochen…... Interessant auch Mobile Zeitgeist.

Die Deutschen gelten generell als Skeptiker, wenn es um die Adaption und Nutzung neuer Medienangebote geht. Die repräsentative weltweite Deloitte-Studie „The State of Media Democracy“ beweist: Deutsche sind wirklich zurückhaltender als Briten, US-Amerikaner, Japaner und Brasilianer. Sie verbringen am wenigsten Zeit mit medialen Aktivitäten und halten nicht viel von Werbung. Auch weisen deutsche Haushalte die geringste Unterhaltungselektronikdichte auf. Insgesamt besteht somit noch ein erhebliches Potenzial für den Ausbau von „Multimedia“ in Deutschland.

„Für die Studie wurden über 8.800 Verbraucher in fünf Ländern zu ihren Mediennutzungsgewohnheiten befragt, 1.882 davon in Deutschland. Elektronisch am besten ausgestattet sind die Amerikaner und Briten, den meisten Enthusiasmus findet man bei Brasilianern und Japanern. Obwohl die Deutschen den technologischen Fortschritt in puncto Medien routiniert und pragmatisch einsetzen, sind sie doch in nahezu allen Bereichen eher zurückhaltend. Wer die deutschen Konsumenten überzeugen will, braucht gute Argumente“, erklärt Klaus Böhm, Director Media bei Deloitte.

Jedes der untersuchten Länder weist in einem bestimmten medialen Bereich Spitzenwerte vor: So verfügen die US-Amerikaner über die meisten Digital-Videorecorder, die Briten haben die meisten Notebooks, Flachbildschirm-Fernseher und Digitalradios, die Japaner haben die größte Erfahrung in der Anwendung von Mobiltelefonen und die Brasilianer verbringen die meiste Zeit mit Medien aller Art. Letztere fühlen sich auch von allen Befragten am wenigsten von Online-Werbung gestört. Jedoch beschränkt sich das allgemeine Medieninteresse hier vorwiegend auf die jüngere, urbane Bevölkerung, während in den USA, Großbritannien und Deutschland auch die Älteren immer stärker von den technologischen Entwicklungen im Medienbereich profitieren. Erstaunlicherweise legen die als technologieversessen geltenden Japaner wenig Wert auf die jeweils maximal verfügbare Bandbreite. Sie sind auch die Einzigen, die eigenen Content statt in sozialen Netzwerken lieber als Blog ins Netz stellen.

In Deutschland gehört die Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren wie auch in Japan zu den ältesten weltweit – davon sind hierzulande 64 Prozent online. Entsprechend ihrem Ruf zeigten sich die Deutschen reserviert gegenüber Trends und Entwicklungen auf dem Medienmarkt, Faktoren wie „Faszination“ und „Lifestyle“ spielten für sie im Zusammenhang mit Technologie kaum eine Rolle. Die Deutschen verwenden im Vergleich am wenigsten Zeit für mediale Aktivitäten (63 Stunden/Woche), lehnen personalisierte Werbung ab und legen keinen großen Wert auf Breitbandinternetanschlüsse – was allerdings auch an der flächendeckenden DSL-Versorgung liegt. Ganze 57 Prozent finden jedoch, dass Online-Werbung nach TV-Werbung am einflussreichsten ist.

Doch sind die Deutschen in ihrem Alltagsverhalten keinesfalls technikfeindlich. Zwar lesen sie im Vergleich mehr Bücher, hören konventionelles Radio und sehen „normales“ TV. Jedoch nutzt mehr als die Hälfte ihren Computer häufiger zur eigenen Unterhaltung als den Fernseher, über ein Viertel verwendet das Mobiltelefon als Entertainment-Plattform. Auch wird viel Zeit mit Online-Gaming verbracht. Und die Deutschen sind sendungsbewusster als angenommen: 41 Prozent nutzen „eigene“ Medien, um ihren individuellen Content zu veröffentlichen, 38 Prozent stellen mithilfe aktueller Technologie eigene Unterhaltungsprogramme aus Musik, Fotos und Videos zusammen.

Die in Deutschland befragten Studienteilnehmer lassen sich in drei Altersgruppen aufteilen: „Millenials“ (14 – 25 Jahre), „Xers“ (26 – 42 Jahre) und „Older Adults“ (43 – 75 Jahre). Während die junge Zielgruppe statt auf TV-Konsum und vorgefertigte Angebote auf eigenen Content setzt und das Internet vorwiegend als soziales Medium nutzt, sind die Älteren eher online-abstinent und informieren sich durch klassische Medien („Paper Generation“). Die mittlere Altersgruppe tut beides: Sie setzt den PC als Allzweck-Instrument ein (vorwiegend auch in Social Networks), liest aber lieber Zeitungen und Magazine.

„In Deutschland besteht nach wie vor eine deutliche Dominanz traditioneller Medien wie TV, Bücher und Zeitungen. Andererseits erkunden gerade die Jüngeren verstärkt die technischen Möglichkeiten von Internet- und Multimedia-Applikationen bei Endgeräten wie Smartphones. Generell sind die Deutschen aber schwerer zu begeistern als beispielsweise Anglo-Amerikaner oder Brasilianer. Da der Sättigungsgrad bei zahlreichen Geräten und Technologien noch lange nicht erreicht ist, gibt es hier noch Potenzial – was klug genutzt werden kann“, resümiert Klaus Böhm.