Die neue Sat.1-Vorabendserie „Die Landarztpraxis“ mit Caroline Frier habe dem Sender noch keinen Aufschwung beschert: „Marktanteile von 3,4 Prozent im Gesamtpublikum und 4,5 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen sind zu wenig. Immerhin: In der Prime Time lief es für ‚Hochzeit auf den ersten Blick‘ besser. Top-TV-Programm des Montags: ZDF-Krimi ‚Das Mädchen von früher‘.“
Mit diesen Einschaltquoten-Meldungen wird man täglich von Meedia und Co. berieselt. Schon bei der statistischen Abgrenzung der Alterskohorte müssten Journalisten nachdenklich werden. Wat hat ein 14-Jähriger mit einem 49-Jährigen am Hut? Dahinter steckt ein Vermarktungstrick des ehemalitgen RTL-Chefs Helmut Thoma.
Thoma habe es mit seiner Eloquenz geschafft, diese so genannte werberelevante Zielgruppe im Markt zu verankern, berichtete vor Jahren das NDR-Magazin Zapp. „Die Kukidents überlasse ich gern dem ZDF“, so der legendäre Ausspruch des Österreichers.
In den vergangenen Jahrzehnten sind Milliarden Euro für Fernsehwerbung ausgegeben worden auf völlig willkürlichen Grenzziehungen eines Fernsehchefs. Hochbezahlte Mediaplaner, Kommunikationschefs und Werbeexperten fielen darauf rein. Selbst ARD und ZDF rannten und rennen dieser Schimäre hinterher. „Dabei hatte unsere Argumentation von Anfang an enorme Lücken“, gab Thoma in einem Interview mit dem Spiegel zu. Er habe der Werbewirtschaft suggeriert: Ihr müsst an die Jungen ran, die „Erstverwender”; deshalb braucht ihr auch keine alten Zuschauer, denn die seien markentreu. Aber ab 29 brauche man wirklich nicht mehr von „Erstverwendern” zu sprechen. Außerdem: Wer ist denn zählungskräftig? Die über 50-Jährigen. Geändert hat sich nichts. Bis heute hält man an dieser dümmlichen Einschaltquote fest.
„Unter dem Motto ‚The Big New‘ bietet die Zukunft Personal Europe vom 12. bis zum 14. September in Köln einen wegweisenden Erlebnisraum der Arbeitswelt von morgen. Denn die fundamentalen Veränderungen in Business sind untrennbar mit dem Faktor Mensch verbunden. Neues auf höchstem Niveau erwartet die Besucher:innen in 750 Sessions, auf 20 Stages und bei über 600 Ausstellenden und Partnern“, teilt das ZP-Management mit.
The Big New der Themen
Zweimal bereits lud Zukunft Personal in diesem Jahr ihre große HR- Community dazu ein, sich live für Inspiration, Impuls, Austausch und konkrete Lösungen zu treffen. In Hamburg und Stuttgart zeugten die durchweg positiven Reaktionen sowohl von Qualität vor Ort als auch enormer Relevanz des Themas. Zum HR-Happening in Köln führt Zukunft Personal nun die spannende Reise der Transformation von HR konsequent fort.
„Es lebe der Mensch! People Centric Companies – Konzepte, Praxistipps und Nutzen“: Bereits das Eröffnungspanel lenkt den Blick auf die neue Ganzheitlichkeit von HR-Arbeit. Keine isolierten Disziplinen mehr, sondern eine das ganze Unternehmen durchdringende Haltung soll sowohl den Menschen in der Organisation als auch dem ökonomischen Erfolg guttun. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen als Treiber von Big New – Prof. Dr. Karlheinz Schwuchow talkt mit Lucas Kohlmann (Global Head of HR-Strategy, Talent Management & Diversity, Henkel AG & Co. KGaA) und Kerstin Rücker (Director Human Resources & Organization Development, Eckes-Granini Group GmbH) über Demografie, Digitalisierung und Diversität als die neuen Herausforderungen von HR. Um die großen Challenges geht es auch in der Keynote „Mastering the Revolution: In fünf Schritten zum Vorreiter im Zeitalter künstlicher Intelligenz“ von Dr. Tobias Zimmermann (Head of Insights & Creation, StepStone Group Evangelist).
Mit dem Dauerbrenner-Thema Fachkäftemangel setzen sich Barbara Wittmann, (Country Manager DACH und Senior Director Talent Solutions, LinkedIn) Kristin Keveloh (Senior Lead Manager, Public Policy & Economic Graph, LinkedIn) und Antonio Gniel (Global Director of Talent Attraction and Acquisition, Lidl) im Panel „Skills-First: Die Lösung für unseren Arbeitskräftemangel?“ auseinander. Fränzi Kühne, Chief Digital Officer bei der edding AG, Aufsichtsrätin und Autorin, teilt im Talk mit Moderatorin Janine Mehner ihre Erfahrungen, wie Jobsharing auf C-Level-Ebene im Alltag aussieht, was innovative Unternehmensstrukturen ausmacht und wo die Unterschiede bei der Akzeptanz von digitalem Wandel bei Blue- und White-Collar Workern liegen. Über kreatives Recruiting mit Social Media spricht LinkedIn-Top-Voice Ivana Tadić. Sie ist auf TikTok auch als @bewerbungsqueen bekannt und gibt Tipps, wie Arbeitgeber mit der Kurzvideo-App die Zielgruppe zwischen 16 und 24 erreichen. Für den Impuls out of the box sorgt Highlight Speaker Veit Lindau mit seiner Keynote über Peace and Peak Performance durch angewandte Flowprinzipien. Für Programme Director Heike Riebe steht die Aktualität und Tiefe von Inhalten im Vordergrund: „Wir freuen uns sehr über eine Vielzahl an hochkarätigen Expert:innen, die ihr Wissen aus der Praxis mit der Community teilen. Ich bin mir sicher, dass eine so hohe C-Level-Dichte im Konferenz-Programm in Europa ihresgleichen sucht.“
The Big New der Lösungen
Das große Interesse und die Zusagen führender Anbieter der HR-Szene unterstreichen die Bedeutung der europaweit wichtigsten Plattform rund um die Themen der Arbeitswelt. „Erst unsere starken Partner und innovativen Aussteller machen die Kombination aus Community, Wissen, Inspiration und konkreten Lösungen für alle drängenden Fragestellungen von HR-Schaffenden zu einem sinnvollen Ganzen“, betont Event Director Sandra Reis. 2023 in Köln unter anderen mit dabei: Branchenführer wie LinkedIn Talent Solutions, rexx systems, Stepstone, Workday, Funke Works, G-P Global Made Possible, meinestadt.de, B.A.D, Urban Sports Club, SAP, Indeed, HeyJobs, Personio.
The Big New der Formate
Im internationalen Wettlauf um marktfähige Produkte rückt die Innovationsfähigkeit der Workforce in den Fokus. Großkonzerne bauen Learning-Organisation-Units auf, die in iterativen internen Coaching- und Trainingsprozessen Agilität und Kundenzentriertheit fördern. Vertreter:innen dieser Units, allen voran aus der Siemens AG, Digital Industries, Factory Automation, werden in Köln erstmals im neuen Innovative People Lab von Zukunft Personal ihre Arbeitsweisen, Coachingansätze und Impulse vorstellen. Und das konsequent interaktiv: Die Teilnehmer:innen der Sessions werden von den High Professionals zum Mitdenken und Mitarbeiten eingeladen. Dabei dreht sich alles um die Spezialthemen der Agilisten wie zum Beispiel Positive Leadership, People over Methods, Creativity oder Learning Organizations.
Das Innovative People Lab wird als nachhaltige Einrichtung der Zukunft Personal ganzjährig im Web sowie auf den Live- Events erlebbar sein. Ebenfalls erstmalig in Köln dabei ist der Corporate Influencer Club, initiiert und kuratiert von Klaus Eck. Der Autor und Keynote Speaker beleuchtet das Phänomen Corporate Influencing im Rahmen von Vorträgen, Podiumsdiskussionen und neuen Formaten. Best Practices für Corporate Influencer aus unterschiedlichen Branchen präsentieren der ZP-Community effektive Strategien für maximale Wertschöpfung bei gleichzeitiger Risikominimierung – der Grat zwischen nutzenstiftendem Personal Brand und kontraproduktiver Selbstdarstellung ist bekanntlich schmal.
Innovation und Pleasure ist traditionell ein perfektes Match auf der Zukunft Personal Europe: erst die Würdigung von Unternehmen, die mit frischer Denkweise und zukunftsweisenden Produkten ganz neue Wege im HR-Bereich gehen – mit dem HR Innovation Award. Neu in diesem Jahr: die Kategorie Sustainable HR. Dann Networking und Community- Vibes bei der HR:Motion Party im Tanzbrunnen am Rhein. Genussvoll geht es auf dem Expo Event weiter: Am letzten Veranstaltungstag bieten Ausstellende und Partner im Rahmen des Apero Walks Kulinarisches an. Die Macher:innen der Zukunft Personal legen Wert auf die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Produkte – live vor Ort, live digital sowie ganzjährig im Web. „Wir stehen für die größte europäische HR- Community. Das ist Verantwortung und Auftrag, Innovationen nicht nur abzubilden, sondern selbst getrieben zu sein von innovativem Spirit. Wir sind davon überzeugt, in Köln gemeinsam die Zukunft der Arbeit zu gestalten“, sind sich CMCO Martina Hofmann und Geschäftsführerin Astrid Jaeger einig.
Die ZP Europe findet vom 12.–14. September 2023 in den Hallen 4.1, 4.2 und 5.1 der Koelnmesse statt.
Google sei zwar eine hervorragende Antwortmaschine auf alle möglichen Fragen des Alltags. „Aber um die besten Antworten zu bekommen, muss man, wenn man genau hinschaut, immer noch sehr Suchmaschinen-spezifische Wortkombinationen eingeben“, schreibt Sascha Lobo.
Und da kommt dann ChatGPT ins Spiel, mit dem ich mich ja schon prächtig über Joseph Schumpeter unterhalten habe: „Die immer stärker spürbaren Schwächen der Suche resultieren zu einem Teil aus dem Geschäftsmodell selbst, weil Google davon lebt, nicht ein Ergebnis auszuspielen, sondern immer eine Liste inklusive Anzeigen. Eine gesprächsfähige KI-Technologie ist wahrscheinlich schwieriger zu vermarkten – weil sie versucht, im Zweifel dialogisch das Ergebnis einzuengen, um nicht in 0,34 Sekunden zwölf Millionen Ergebnisse zu bekommen, sondern eine sinnvolle Antwort.“ Die Suchmaschine von Google sieht die Welt als Liste an, eine KI in der Bauart von ChatGPT sucht einzelne, gute Antworten. „Dieser technokulturelle Unterschied lässt Google als Maschine erscheinen und ChatGPT als digitalen Gesprächspartner.“ Die Welt als Liste kann übrigens sehr viel Charme besitzen im Sinne von Umberto Eco. Das schrieb ich vor 10 Jahren in meiner Kolumne für die Netzpiloten. Siehe den Beitrag, den ich ganz unten noch einmal eingefügt habe.
Ob die Folgeversionen der Chat-Maschine nun den ersehnten Sprung ins Wunderland der KI-Kommunikation bringen werden, bleibt abzuwarten. Angeblich soll 2023 das Jahr der KI werden. So formuliert es Lobo:
„Je nachdem also, wie sehr Google sich in Gefahr wähnt, könnte 2023 tatsächlich das spannendste Jahr in Sachen KI werden – mit einem beginnenden Zweikampf zwischen ChatGPT/OpenAI/Microsoft und LaMDA/Google um die Herrschaft der digitalen Antworten auf die Fragen der Menschheit.“
Davon war man auch im Dezember 2007 überzeugt. Mein Artikel damals:
Der von Tim O’Reilly geprägte Begriff Web 2.0 hat sich zum Inbegriff des neuen Internet-Booms entwickelt. Nun arbeitet man an Konzepten für eine Weiterentwicklung. „Wenn wir über unseren Umgang mit Computern reden, verbinden wir das immer noch damit, vor einem Bildschirm zu sitzen und auf einer Tastatur zu tippen. Aber Computer werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Die offensichtliche Veränderung ist zunächst, dass auch mobile Endgeräte oder Mobiltelefone als Plattform dienen. Damit ist auch verbunden, dass Spracherkennung immer besser wird. Oder dass Fotoapparate mittlerweile mit GPS ausgestattet sind“, erklärt Tim O-Reilly. Wenn das Handy mit intelligenter Sprachtechnik ausgerüstet wird, könnte es sich nach Expertenmeinung zu einem sehr nützlichen persönlichen Assistenten entwickeln. „Solche Visionen einer Antwortmaschine geistern seit einiger Zeit unter dem Schlagwort Web 3.0 beziehungsweise Semantic Web durch das Internet“, schreibt die Nachrichtenagentur ddp.
Dialogsysteme seien nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge, geeignet, den Zugriff auf das vernetzte Weltwissen zu verbessern: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären sofort ‚er-googlen‘ würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und der Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus“, so der Sprachdialogexperte Pape. Die fehlenden Bausteine dafür seien jetzt schon verfügbar, so dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die Menschen weltweit an dieses neue Interface gewöhnt haben. „Die Spracherkennung im personalisierten Diktiermodus ist schon sehr ausgereift, die mobilen Datenzugriffe werden immer schneller und auch Flatrates im Mobilfunk werden vermutlich bald genauso verbreitet sein wie im DSL-Geschäft“, prognostiziert Pape.
Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen. „Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‚Voicewebs‘, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, so Pape.
Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Professor Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI): „Das Web 2.0 ist ein primär syntaktisches Web mit Layout-, aber ohne Bedeutungsannotationen“, so Wahlster gegenüber ddp. Das führe zu einer Informations- beziehungsweise Linküberflutung, da beispielsweise Textdokumente letztlich auf eine sinnfreie Kombination aus Buchstaben reduziert werden, Fotos und Videos sind nur Ansammlungen von verschiedenfarbigen Pixeln.
Die semantische Wende führe zu einem hochpräzisen Antwortverhalten in einem Web, das Sinnzusammenhänge in den Mittelpunkt stellt. „Wenn es also gelingt, die Semantik von Texten, Bildern, Gesten und künstlerischen Darbietungen durch standardisierte Begriffe so zu formalisieren, dass die so gewonnenen Daten maschinenlesbar sind, dann könnte die Vision der Antwortmaschine Realität werden. Eine Suchmaschine wie Google wäre dann überflüssig“, spekuliert ddp.
Für den Sprung ins Web 3.0-Zeitalter sei Deutschland gut gerüstet, weiß Wahlster und verweist auf das Projekt Theseus: Bundeswirtschaftsministerium, Forschungsinstitute und Firmen wie Bertelsmann, Siemens und SAP wollen in den kommenden fünf Jahren rund 200 Millionen Euro investieren, um beim Internet der Zukunft die Nase vorn zu haben.
Wenn man sich die deutsche Forschungslandschaft für Künstliche Intelligenz betrachtet, sei man nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business, auf einem guten Weg. „Im Gegensatz zu anderen Ländern verfolgen wir einen sehr pragmatischen und anwendungsbezogenen Ansatz. Unsere Wissenschaftler entwickeln in enger Kooperation mit der Wirtschaft Technologien für den Alltag, die wir als Errungenschaften der KI-Forschung gar nicht mehr wahrnehmen – etwa bei der Analyse natürlicher Sprache. Mit rund 120 Unternehmen, die Dialogsysteme für Navigationsgeräte, Fahrkartenautomaten, Logistiksysteme oder Diktiersoftware entwickeln und marktfähig machen, liegen wir international an der Spitze. So zählt der Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch das SmartWeb-Projekt von Professor Wahlster zu den 100 Produkten der Zukunft , die unser Leben verändern werden – das ist sicherlich kein Zufall“, resümiert Steimel.
Und hier noch die Kolumne über die List der Auflistung:
Die List der Auflistung: Ein Jahresrückblick
Der Schriftsteller Umberto Eco und viele andere Menschen hatten wohl schon immer den Drang, Ordnung in ihr Leben und ihre Welt zu bringen, indem sie versuchten, mithilfe von Katalogen, Verzeichnissen und Listen die Unendlichkeit der sie umgebenden Dinge überschaubar zu machen. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Man muss schon ein wenig listig sein wie Eco, um auch nur in Ansätzen etwas Orientierung mit einer Liste aller Listen zu geben. Angefangen beim Schild des Achill über den Stammbaum von Jesus Christus bis zum World Wide Web. Da habe ich es schon etwas einfacher, auf die wichtigsten medialen Ereignisse des Jahres hinzuweisen, die auf unserer Agenda standen. Und auch diese Liste ist nur fragmentarisch.
Das Energienetz der Zukunft („Smart Grid“) wird über das Internet gesteuert. Einen Stromausfall, weil zu viele Youtube-Videos die Netze verstopfen, will kein Mensch. Einen Zwei-Klassen-Zugang allerdings auch nicht. Das berichtet NeueNachricht in einer Vorabmeldung. „Bei der Netzneutralität geht es letztlich um Freiheit: Jeder Bürger hat das Recht, Informationen zu konsumieren und zu veröffentlichen. Aus politischer Sicht muss die Netzneutralität also erhalten bleiben. Es stellt sich aber auch die Frage, wie dies technisch möglich ist, wenn das Internet in Zukunft auch ein Smart Grid enthält“, sagt Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies mit Sitz in Stuttgart und Nürnberg.
Das Smart Grid muss stabil laufen – so, wie es auch Cyber-Attacken standhalten muss. Denn am „intelligenten“ Energienetz hängen zukünftig mit Solarenergie und Windkraft schwankende Energieträger. Das Netz muss in Sekundenschnelle reguliert werden, auch weil auf der anderen Seite die Verbraucher ihren Strom per Smart-Meter-Geräte steuern oder per Elektro-Auto massenhaft neuen Strom benötigen. Im Gegensatz zum Youtube-Video dürfen die Energienetze nicht ruckeln – sonst gehen etwa im Krankenhaus die Lichter aus. „Das Prinzip Best Effort – vereinfacht gesagt: wir versuchen es so gut wie wir können – reicht für das Smart Grid definitiv nicht aus“, sagt Stahl. Das Thema wird uns wohl in den nächsten Jahren weiter beschäftigen.
Mit der Überalterung unserer Gesellschaft wird auch den Personalchefs in den Unternehmen der Welt älterer Mitarbeiter immer deutlicher. Das gilt auch für IT-Fachkräfte. http://www.pressetext.com/news/20120210023
So blicken wir als Beratungshaus mittlerweile auf eine über 20-jährige Erfahrung in Deutschland zurück. Wir kennen die Systeme und Anwendungslandschaften. Und uns war trotz des Internet-Hypes klar, dass sich die Datenverarbeitung auf absehbare Zeit auf altbewährte Systeme abstützen wird. Wir haben deshalb frühzeitig angefangen, eine spezielle Gruppe von Seniorberatern und Managern aufzubauen. Wer auf neue Technologien setzt, muss auch auf die Altbestände zurückgreifen und sich mit der Migration dieser Daten beschäftigen.
Wir haben die Situation, dass es nicht unerheblich viele Rechenzentren mit alten Technologien gibt und dass wesentliche Teile von geschäftswichtigen Anwendungen nach wie vor auf diesen sogenannten alten Technologien ablaufen. Das muss gewartet werden, ein Service erfolgen und eine Weiterentwicklung stattfinden.
Hier sorgen wir dafür, dass diese alten Technologien möglichst lange weiter laufen und keine Daten verloren gehen. Das zweite Thema ist die Migration auf andere Technologien und Plattformen. Das gestaltet sich langwierig und schwierig. Da redet man dann schon häufig über Projektlaufzeiten von drei bis sieben Jahre. Und auch in diesem Umfeld kann man so eine Migration nur auf Basis der alten Welt starten. Auch das wird in Zukunft auf der Agenda vieler CIOs stehen.
Small Cells haben nur eine kleine geographische Abdeckung. Aber diese Kleinheit hat auch einen großen Vorteil: der Netzbetreiber weiß auf einmal sehr genau, wo sich ein Smartphone befindet, und zwar an Orten, wo das bisher nicht möglich war, weil es beispielsweise in Gebäuden keinen GPS-Empfang gibt. Wenn potenziell jedes kleine Geschäft in der Innenstadt seine eigene Small Cell haben kann, sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Eine neue Art von Location Based Apps wird möglich, weil es dafür ein Geschäftsmodell gibt. Durch neue Apps gibt es zusätzlichen Verkehr im Netz und damit neues Wachstum. Damit dieses Wachstum auch in der Übergangsphase von UMTS nach LTE möglich wird, ist der UMTS-LTE-Hybrid entscheidend.
Wer gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene nur in Aggregatzuständen wahrnimmt und berechnet, vernachlässigt die Wirkung von Innovationsrevolutionen. Technologien und Geschäftsmethoden können über Nacht wertlos werden. Etablierte Branchen gehen unter und neue entstehen. Der Routineunternehmer gehört zu den ersten Opfern. Anders sieht es bei den IT-Fachkräften aus, die nach wie vor händeringend gesucht werden. http://www.business-on.de/saarlorlux/fachkraeftemangel-jobsuche-wechselwillig-unternehmen-personalmarketing-maximilian-nobis-_id13936.html
Man muss längst nicht mehr so aktiv sein wie noch vor zehn oder 15 Jahren. Es reicht, die eigenen Kompetenzen richtig im Netz darzustellen.
Viele Personalverantwortliche suchen nach spezifischen Fachkenntnissen in Kombination mit einem Ort oder beruflichen Positionen. So gerät man automatisch in die richtigen Filter. Man kann sich auch in die Situation der Suchenden hineindenken: Wie würde jemand suchen, der eine bestimmte Stelle zu besetzen hat? Dann kann man schnell sehen, ob man in der Suche der Social Networks wie Xing und LinkedIn vorkommt.
Der jüngste Trend: 2011 standen die empirischen Befunde noch unter dem Eindruck der Rezession. Auch davor hat man in vielen Branchen die IT in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion betrachtet. Im Zuge dieses Blickwinkels ist der CIO nur damit beauftragt worden, das vorhandene Rüstzeug zu optimieren und die IT als Dienstleistung so günstig wie möglich bereitzustellen. Das ändert sich nun erfreulicher Weise. Die Weichen sind wieder auf Wachstum gestellt. 56 Prozent der CIOs konzentrieren sich auf Projekte, um Geld zu verdienen, statt zu sparen.
Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Innovative CIOs sind Möglichmacher für neues Geschäft und geben sich nicht damit zufrieden, die IT nur auf Kosteneffizienz zu trimmen. Zukunftsprojekte wie digitale Medien und soziale Netzwerke dominieren derzeitig die Innovationsprojekte. In Deutschland haben wir da allerdings noch Nachholbedarf. Entsprechend habe ich meine Ratschläge für Bundeskanzlerin Angela Merkel formuliert.
Man muss die Kraft der Ideen und Stärke der Forschungslandschaft besser vermarkten. Weitere SAPs zu schaffen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Aber was mir zuvorderst hier einfällt, wäre eine sehr pragmatische und unbürokratische Innovationsförderung. Es mangelt in Deutschland und Europa nicht an Ideen. Es fehlt uns die Kraft, diese Ideen umzusetzen. Das bedeutet Innovationsförderung und Kapital sowie eine gezielte Unterstützung von kleinen Organisationen.
Fraunhofer und MP3 sind ein gigantisch schönes Beispiel für die Schwächen bei der Eroberung neuer Märkte. In einer kürzlich veröffentlichten Studie geht hervor, dass sich Fraunhofer in Fragen der Management-Kompetenz im unteren Drittel eingruppiert. Die bescheinigen sich selbst eine hohe Innovationskraft aber nur eine sehr begrenzte Umsetzungskraft. Und da liegt der Hebel. Man sollte einen Steve Jobs an die Spitze der Fraunhofer-Gesellschaft stellen. http://www.marketing-boerse.de/News/details/1223-Ratschlaege-fuer-Merkels-Internet-Gipfel-Wunderkinder-bringen-noch-keine-digitale-Wende/36545
Am Ende entsteht eher Frustration beim Management-Nachwuchs. Organisationen, die das nicht verhindern können, verlieren hoffnungsvolle Talente und verspielen über kurz oder lang ihre eigenen Zukunftschancen. Über die Erfahrungswelten, die vor allen Dingen die jungen Menschen aus sozialen Netzwerken und der Anwendung von Web 2.0-Technologien mitbringen, werden nicht nur das Zusammenspiel von Verbrauchern und Unternehmen radikal verändert. Es verändern sich auch die Spielregeln in den Organisationen von Staat und Wirtschaft. Wer hier weiter auf starre Kommandostrukturen setzt, verliert als Arbeitgeber an Attraktivität und bekommt auf dem Arbeitsmarkt nicht die besten Köpfe. Jedes Verbot von Facebook, Twitter oder Youtube am Arbeitsplatz geht durch die Autarkie bei der Nutzung der eigenen mobilen Geräte zunehmend ins Leere. Das dokumentierte sehr eindrucksvoll talkabout-Geschäftsführer Mirko Lange bei unserem Social Media Breakfast in München mit einem Einspieler. Es geht um das Statement von Professor Peter Kruse bei einer Bundestagsanhörung der Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“. Kruse sprach von der Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager, die mit der Systemarchitektur zusammenhängt. Das Internet habe ja schon die Vernetzungsdichte extrem nach oben gejagt. Mit dem Social Web ist noch etwas dazu gekommen. Ein deutlicher Anstieg der unberechenbaren Spontanaktivität und kreisende Erregungen im Netzwerk etwa über Retweets auf Twitter. „Die Systeme werden mächtig, ohne vorhersagen zu können, wo das Ganze passiert”, so Kruse.
Soweit ein kurzer Rückblick auf 2012.
Ich selbst bin nicht davon überzeugt, dass das Jahr 2023 ein besonderes Jahr der KI wird. Es wird wieder ein ganz normales Jahr mit einigen Weiterentwicklung in der Interaktion von Mensch und Maschine jenseits der Marketingbotschaften, die über den Atlantik zu uns nach Europa rauschen.
Die Verwaltung könnte ein wenig KI gebrauchen. In den Behörden fehlt es an Kompetenz, um den Digitalen Staat auf den Weg zu bringen. Auch das ist ein Thema, mit dem ich mich nun schon seit Ende der 90er Jahre beschäftige.
Die Cluetrain-Autoren Doc Searls und David Weinberger kritisierten vor einigen Jahren die Online-Marketing-Strategien der Unternehmen massiv: Anbieter betreiben Tracking und Targeting, sie fangen und akquirieren, managen und verwalten „ihre“ Kunden, als ob wir Sklaven oder Vieh wären. „Das meiste sogenannte Conversational Marketing ist genau genommen peinlich“, so David Weinberger. Vieles sei roboterhaftes Gefasel. Netzunterhaltungen werden verfälscht und verseucht.
Es dominieren konstruierte Statistiken über Views, Likes und Reichweite. Es geht leider nicht um Relevanz.
„Ebenso wie sich die Finanzindustrie in weiten Teilen von der Realwirtschaft abgekoppelt hat, geht es in der Ökonomie der Aufmerksamkeit nur noch um Traffic. Große Agenturen machen nichts anderes, als zu beobachten, welche Webseiten gerade eine hohe Wachstumsrate an Zugriffen haben. Es zählt nur das Ausnutzen dieser Fluktuation. Es geht ganz sicher nicht um Substanzwerte oder Inhalte, es geht nicht einmal um Information“, so der Wissenschaftler Georg Franck, Autor des Buches „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin brandeins.
Der Content ist nur Mittel zum Zweck, Aufmerksamkeit einzutreiben, ohne Rücksicht auf Verluste. Um das zu erreichen, zumindest im Controlling, messen die Verantwortlichen im Management unerbittlich jeden Pups im Social Web.
„Alle Manager und Mitarbeiter werden von den Mess- oder Tracking-Systemen des Unternehmens zur Leistungsmessung so hart in die Mangel genommen, dass sie unter allen Umständen ihre Zahlen bringen wollen. Die Drohungen des Chefs bei zu schlechten Zahlen sind in den letzten Dekaden so massiv geworden, dass es schon fast um das persönliche ‚Überleben‘ zu gehen scheint“, so die Erfahrung des früheren IBM-Cheftechnologen Gunter Dueck.
Als Ergebnis entsteht ein Zahlen-Fantasie-Regime wie bei der Erfüllung der Fünfjahres-Pläne in der Sowjetunion. Das Controlling-Reich will sogar beschissen werden, damit man dem Vorgesetzten bessere Ergebnisse serviert. Alle großen Firmen tun das: Place your blame, please. Laber, Rhabarber.
Diese Milliarden- oder gar Billionen-Blase im Netzgeschäft könnte bald platzen. Davon ist der Social Media Watchblog überzeugt. Dabei geht es nicht nur um die schon viel beschriebene Cookiekalypse, die Apple und Co. befördern.
„Mit Sicherheit halten Tim Cook und Sundar Pichai Datenschutz und Privatsphäre für wichtig (und ein Großteil ihrer Angestellten ebenfalls). Allerdings bezweifeln wir, dass sie die aktuellen Entscheidungen getroffen hätten, wenn sie nicht überzeugt gewesen wären, dass ihre Unternehmen davon langfristig profitieren“, führt der Social Media Watchblog aus.
Apple habe wenig zu verlieren und viel zu gewinnen: Der Konzern verkaufe nicht Aufmerksamkeit, sondern in erster Linie Hardware. Auch Google könne die Drittanbieter-Cookies killen, weil sein eigenes Geschäftsmodell nicht mehr davon abhängt. „Der Schritt könnte Googles Dominanz sogar stärken, weil er den Wert von First-Party-Data erhöht – und diese Daten sammelt Google wie kaum jemand sonst.“
Warum die Marketing-Online-Blase platzt? Weil sie auf dümmlichen und verzerrten Kennzahlen beruht. Nachzulesen im Buch von Tim Hwang, der den Werbemarkt im Netz mit der Immobilienbranche vor der Pleite von Lehman Brothers vergleicht. “Wir haben lange gedacht, dass gezielte Werbung Menschen immer besser beeinflussen kann”, sagt Hwang.
Das sei ein Irrglaube, der auf falschen Daten und Betrug beruhe. Im Online-Werbemarkt stecke so viel Geld, dass es sich lohne, Aufmerksamkeit etwa durch Bots zu simulieren und dann zu verkaufen. Das Wettbieten um Werbeplätze beim Programmatic Advertising baue auf algorithmisch gesteuerten Echtzeit-Transaktionen auf, die an die Hochgeschwindigkeits-Trades an der Börse erinnerten, mit denen Kredite angekauft und verkauft wurden. Hier zirkulieren hunderte von Milliarden Dollar und Euro, die für unterirdisch schlechte Daten ausgegeben werden. Antreiber sind Media-Agenturen, Adtech-Anbieter und schlichtweg Schmierlappen-Verkäufer, die eine gewaltige Aufmerksamkeitsblase produzieren, die nur aus heißer Luft besteht.
Warum lassen sich die Marketing- und Werbefachleute mit diesem miserablen Zahlen-Salat hinters Licht führen? Glauben sie irgendwann selbst an dieses Lügengebilde mit falschen Metriken und gigantischen Erfolgszahlen? Werbung ist wichtig. Das sehen auch die Autoren des Social Media Watchblogs.
Sie plädieren für kontextbasierte Werbung. Die Anzeigen orientieren sich am Inhalt der Webseite, nicht an den Menschen, die sie lesen. „Dahinter steckt die recht simple Annahme: Wer ein Briefing über Social Media und Journalismus liest, interessiert sich vermutlich für dieses Thema. Du könntest also Werbung für Weiterbildungen, Newsletter oder Social-Media-Suites sehen. Dafür müssen keine Daten gesammelt und keine Nutzerïnnenprofile gebildet werden. Es braucht keine Tracker, keine Adtech-Anbieter und keine Zwischenhändler, die teils mehr als die Hälfte des investierten Werbebudgets schlucken.“
Also Rückkehr zum Brot- und Butter-Geschäft. Wenn wir beispielsweise ein Video-Magazin für Zukunft Personal produzieren, kann doch dort auch Werbung aus der HR-Branche erscheinen. Mit Einspielern, Overlays, Textanzeigen und so weiter und so fort. Direkt als Werbung deklariert. Wird von allen akzeptiert, denn solche Projekte müssen ja auch irgendwie finanziert werden.
Nächste Woche zeigen wir mal, wie das aussehen könnte.
Was auf einer Südsee-Insel begann, endet jetzt ikonisch: Die Zerstörung der #NextAct2020 und jeglicher Cargo Kulte. In der Hauptrolle die kafkaeske, dystopische und clusterhafte Heldenfigur Winfried Felser bei seinem Job-to-be-done.
Es wird ja bemängelt, dass es keine regionalen Plattformen gibt, um lokale oder regionale Produkte besser zu vermarkten. Bei #9vor9 hatten wir das thematisiert.
Dabei gibt es eine Plattform, die wohl über bessere Infos zur Regionalwirtschaft verfügt als Google: Es sind die Gelben Seiten. Warum stützen wir uns nicht auf diese Plattform etwa in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen, den kommunalpolitischen Entscheidungsträgern im Verbund mit den Mitgliedsfirmen des vdav. Wäre übrigens auch ein gutes Projekt fürs BMWi.
Es gelingt uns in Deutschland zunehmend, die Corona-Krise zu meistern – im Vergleich zu anderen Ländern. Um so mehr sollten wir jetzt darüber nachdenken, wie wir auch die ökonomische Krise meistern können. Viele Unternehmen reduzieren ihre Engagements und konzentrieren sich auf Kosteneinsparungen. Wer setzt jetzt auf Innovationen, unkonventionelle Ideen? Wer haut nicht einfach Aufträge weg, wer stößt nicht Dienstleister ab, sondern überlegt neue Wege – beispielsweise beim Aufbau von Kundenbeziehungen?
Zum Start der NextCRM-Offensive konnten wir für das große Bild Ralf Korb von Korb & Kollegen und den Customer-Care-Unternehmer Marc Schmid von Novadoo gewinnen.
Die typische Reaktion in Krisenzeiten ist Defensive und ein „Cash is King“-Ansatz, bei dem vor allem an allen Stellen gespart wird und man in einen Winterschlaf-Modus eintaucht. Dabei kann man gerade in der Krise besondere Erfolge bei der Kunden- und Mitarbeiterbindung sowie Zugewinne bei den Marktanteilen gewinnen. Wie nehmen Analysten und Unternehmen den Status-Quo wahr? Ist Deutschland im Aufbruchs-Modus oder noch abwartend? Strategien und Lösungen in Corona-Zeiten? Mit welchen Strategien sollten Unternehmen jetzt reagieren, welche Lösungen helfen? Welche Bedeutung haben CRM-Systeme als integrative Plattformen, welche Bedeutung aber auch Einzelmaßnahmen in „Moments that matters“?
Mitdiskutieren um 15 Uhr via YouTube, Periscope/Twitter, Facebook und LinkedIn.
Bei uns stehen Kunden und Mitarbeiter im Mittelpunkt-Blabla
Jeden Tag vollbringen Service-Unternehmen eine gute Tat. Daran hat sich wohl nichts geändert. Jedenfalls nicht in der Hochglanz-Kommunikation der Service-Branche. Ich beschäftige mich nun schon seit Ewigkeiten mit diesem Thema und immer noch bekommt man die immer gleichen Plattitüden in der Werbung und in der PR an den Kopf geworfen. Es sind die Helden unseres Alltagslebens: Champions, Dienstleistungsakrobaten, weltweit führende Glücksbringer und Kundenversteher. Abgesichert und bewiesen durch Umfragen, Ranglisten, Awards, Studien und sonstigen Selbstbeweihräucherungen. Je länger man an diese selbstreferentiellen Jubelarien glaubt, desto mehr hält man diese Zahlenspiele für die Realität: „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt, er ist der König, der Umworbene, der wahre Boss und wir sind seine Untertanen“. Klar. Solche Kalenderweisheiten passen in jedes Unternehmensleitbild. Es wäre ja auch eine gewaltige Überraschung, wenn Firmen das Gegenteil anstreben würden. Dumm nur, dass es die Kundschaft manchmal gar nicht merkt, welche Exzellenz sich in der Servicewelt tummelt.
Was soll man denn auch sagen, wenn ein Meinungsforschungsinstitut folgende Frage formuliert: „Denken Sie doch bitte jetzt an die Mülltrennung in Deutschland. Sind Sie der Auffassung, dass die Mülltrennung in Deutschland im Prinzip eine gute Sache ist oder eher nicht?“ Da kommt man direkt zu fantastischen Ergebnissen, um in irgendwelchen Kundenbarometern auf Platz 1 der Serivce-Hitliste zu landen. Dass rund zwei Drittel der fein säuberlich getrennten und „restentleerten“ Kunststoffverpackungen in der Hitze des Hochofens enden oder via Sortierrest im Müllofen landen, könnte als Akt der Volksverdummung gewertet werden. „Grundsätzlich“ ist das aber kein Einwand gegen das Müll-Monopoly zur ökologischen Gewissensberuhigung.
Warum fragen mich die Marktforscher nicht, ob ich prinzipiell an jedem Wochenende sechs Richtige im Lotto gewinnen will? Das Antwortverhalten dürfte auf einem noch höheren Niveau rangieren.
Ähnliches wird uns von Anbietern des Hotline-Irrsinns suggeriert: FRAU MÜLLER FREUTE SICH SCHON BEIM INS-BETT-GEHEN DARAUF, AM NÄCHSTEN MORGEN IHREN NETZBETREIBER ANZURUFEN!
So könnte man die These auf die Spitze treiben, wenn Experten der Call Center-Branche immer noch behaupten, Kunden würden den persönlichen Kontakt mit Agenten an der Hotline bevorzugen. Danach ist aber bei einer häufig zitierten Umfrage gar nicht gefragt worden. Gefragt wurde lediglich, mit welchem Medium man in der Vergangenheit mit einem Unternehmen kommuniziert habe. Als Verbraucher bleibt mir häufig gar nichts anderes übrig, als die Hotline anzurufen und in der Warteschleife zu schmoren. Automatisierter Kundenservice via Chat im Messenger? Fehlanzeige. Da ist noch nichts sinnvolles auf dem Markt.
Den meisten Kunden sind übrigens die auswechselbaren Hotline-Agenten völlig wurscht. Die Telefonate verlaufen in der Regel nach dem Alzheimer-Prinzip. Egal, wie häufig ich bereits zu einem Servicefall angerufen habe – nehmen wir mal an, meine DSL-Leitung ist platt – kann ich das jedem „persönlichen Telefonpartner“ immer wieder neu schildern. Die erinnern sich an gar nichts – auf der Call Center World (die nennt sich ja nur noch CCW – man will aus der Call Center-Ecke raus) laufen diese Dienstleistungen dann hochtrabend unter dem Schlagwort „Multi-Channel-oder-Touchpoint-Management“.
Generell scheint man heutzutage der Erforschung von geeigneten Umfragemethoden nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie früher. Viele Umfragen sind überfrachtet und drangsalieren den Interviewten mit monotonen Fragebatterien.
Was für Kundenstrategien sind denn nun erfolgreich? Wir diskutieren das im #NextTalk am Dienstag, um 15 Uhr.
In der externen Kommunikation wird wird häufig mit abstandhaltenden Mogelpackungen der Sprache geblendet. Das schrieb ich vor knapp 20 Jahren: „Wettbewerbstool mit Fokussierung der Komponenten der Implementierungsbreite“, meldet ein Unternehmen der Informationstechnik. Fünf Euro fürs „Phrasenschwein“ wären für solche verbalen Quälereien noch die geringste Strafe. Für „variable Sequentierungsstrukturen und deren hardwareunterstützte Realisierung“ legen sich selbst Fachidioten die Karten. Harmlos klingt da noch der tägliche Wortschwall von adretten Vorstandschefs: Man müsse sich neu aufstellen, umstrukturieren, aufs Kerngeschäft fokussieren, Synergien nutzen, effizient und effektiv an dem Alleinstellungsmerkmal seiner eigenen semantischen Verblödung arbeiten. Schon vor Jahren legte ein Beamter des US-Geheimdienstes eine verdienstvolle Reihe sorgfältig recherchierter Schlüsselworte zusammen – eine multifunktionale Anleitung für das inhaltsleere Wortgeklingel von Managern. Man springt beliebig von links nach rechts über die Spalten und erwirbt den Ruf einer zitierfähigen Autorität.
Von „konzentrierte Führungs-Ebene“ bis „ambivalente Interpretations-Kontingenz“. Die Liste ließe sich auch berufsspezifisch erweitern, um den „ganzheitlichen Ansatz“ der „synthetischen Prozess-Kommunikation“ zu untermauern und die „systematische Prozessanalyse von CRM- Maßnahmen auf die „zielgruppenspezifische Evaluationspräzision“ im Bereich und auf Ebene der „Cross-Selling-Aktivitäten“ zu integrieren. Wem das noch nicht reicht, kann jetzt auf einen inhaltsschweren Werkzeugkasten des Publizisten Andreas Rother zurückgreifen.
Die inflationären Satzgirlanden des Marketing-Dummdeutsch bekommen mit der Anleitung des früheren „Division Managers“ der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) den nötigen programmatischen Tiefgang. Das Rother im „Bereich“ Kommunikationsforschung tätig war, darf in dem redundanten Werbejargon des Verlages nicht fehlen. Unverzichtbar ist der Hinweis auf dem Waschzettel von „Redline Wirtschaft“, dass der Autor ein Baukastensystem mit „elf klassischen Plots“ liefert, aus denen problemlos die Darstellung des eigenen Unternehmens gebastelt werden kann. Nun sucht der Verlags-Senior-Manager für „External Affairs“ sicherlich für die Buchvorstellung von „Unternehmensphilosophie in Textbausteinen“ noch eine feine „Location“, um das Publikum eventmäßig zu beglücken und mit Finger Food und Soft-Drinks bei Laune zu halten. Im Direct-Mailing findet man auch einen Hinweis auf einen anderen Mega-Seller: „Troubleshooting im Projektmanagement“. Erst mir der dualen Rezeption performt man das globale „Corporate Image“ für die ersehnte Business- Power.
„Die einzelnen Steine unseres Baukastens enthalten alle Elemente, die wir für eine schicke Selbstinszenierung benötigen. Was am Ende dabei herauskommt, ist ein veritables Drama in drei Akten“, schreibt Rother.
Präambel, Schauplatz, Held, Mission, Vision, Entwicklung, Aktionen gehören dabei zum unternehmerischen Schauspiel. Der frühere Marketingmann will die Kunst vermitteln, wie man eine simple Botschaft möglichst hochtrabend klingen lässt und kann dabei wohl auf seine Powerpoint-Präsentationen als GfK-Division-Manager zurückgreifen. Wer sich dem unternehmensphilosophischen Schnellkurs unterziehen möchte, kommt an einer Selbstfindung nicht vorbei. Zählt man zu den Forschernaturen, Draufgängern, tapferen Helden, harten Jungs, Schlaumeiern, Kämpfern, Außenseitern, Evolutionären, Schwärmern, Sinnsuchern oder Gipfelstürmern?
Hier entscheidet sich die sprachliche Ausformung. Auch diese Aufteilung ist ziemlich blödsinnig. Beim Durchblättern in den verschiedenen Typologien ergeben sich beliebig sinnlose Kombinationen, die lächerlich sind aber nicht, wie vom Autor beabsichtigt, laute Lachattacken bewirken. So kommt der Naturforscher zu folgendem Leitbild: „Klare Ziele verlangen sachgemäßes Management. Nur wer handelt, kann seine Ziele erreichen und Akzeptanz seiner Produkte und die Zufriedenheit seiner Kunden nachhaltig sichern. Wir sind ein handelndes Unternehmen. Die Erreichung unserer Ziele entscheidet über den Erfolg jedes Einzelnen. So bleiben sie uns ständiger Antrieb für außerordentliche Leistungen zum Wohle unserer Kunden“.
Für den „Schlaumeier“ bietet Rother die Empfehlung unter der Überschrift „Hauen Sie auf die Pauke“: „Wir glauben an unsere Ziele. Wir sind überzeugt von unseren Ideen. Sonst hätten wir auch keinen Erfolg damit. Nur wenn wir von unseren Produkten überzeugt sind, können wir auch unsere Kunden überzeugen. Das ist nicht immer leicht. Aber es lohnt sich. Für alle“. So geht das über 311 Seiten weiter. Sehr lustig soll auch die „Satzluftpumpe“ am Ende des Buches sein – eine „Toolbox“. Tools dürfen in keiner Unternehmensdarstellung fehlen. Für „schnell“ findet man „beschleunigt“, „rasch“, zügig“, „dynamisch“, „umgehend“, „zusehends“, „schleunigst“ oder „zielstrebig“. Im Nachwort macht Rother dem Leser in selbstironisch verbrämter Weise ein Angebot: „Hallo Leser! Jetzt haben wir so viele Seiten miteinander verbracht – wollen wir nicht ‚du’ zueinander sagen? Okay, ich mach’s!“
Nein, Rother, lassen Sie es sein. Auch das ist nicht witzig – den verbalen Dünnpfiff der Unternehmen überbieten Sie mit gebündelter Langeweile. Dabei stehen im Literaturverzeichnis so hoffnungsvolle Titel, die leider auf den Buchautor nicht oder in anderer Form abfärben: „Dummdeutsch“ von Eckhard Henscheid oder „Erkenntnis für freie Menschen“ von Paul Fey- erabend. Geheimnisvoll bis unerklärlich sind die biografischen Angaben über Rother auf dem Klappentext: Er „ist“ Dozent für Marktforschung/Marketing und freier Autor, u.a. für media & marketing, (das kann hinhauen) und für Die Woche – schreibt er fürs Archiv der eingestellten Wochenpostille? Für die TV- Formate „Was guckst du?“ und „Olm!“ soll Rother ebenfalls tätig sein – als Coach, Lean- Manager, Media-Planer, Controller, Consulter oder gar als Gagschreiber? Der Leser wird mit überflüssigen Fragen allein gelassen.
Geschrieben 2003. Viel hat sich ja nicht geändert.
Wir hatte viel Spaß, sehr viele anregende Debatten, brillante Vorträge, überaus wertvolle Anregungen für weitere Recherchen und am Schluss gar ginlose Gedanken für die Weiterführung der #NextAct bis zum Oktober – da werden dann rosarote Fähnchen eine große Rolle spielen.
Hier das gesamte Geschehen auf den unterschiedlichen Plattformen.
#NewSpaces – Odyssee zu Galaxien der Chancen Das neue große Bild einer wirklich „neuen“ Sozialen Marktwirtschaft und eine Aufbruchs-Offensive präsentiert Thomas Sattelberger. Die Doppeldeutigkeit seiner „New Spaces“ steht nicht nur für ein neues Weltraum-Engagement, sondern für neue Erfolgsräume (Domes!)! Sein Bild vor den Dom-Zelten einer Mondlandschaft könnte nicht ikonischer sein!
#NextGermany – Neue Beiräte für die Deutschland AG. Mit Sabine Kluge von der Deutschen Bahn und Professor Dr. Heinrich Arnold, Inhaber, Chairman, DXG Deutsche Digital, Beirat in diversen Organisationen und Ex-CEO Detecon.
#NextDigital – German IoT goes Unicorn Am Ende des Tages sind es unternehmerische Köpfe, die zu neuen Ufern aufbrechen. Deutschland hofft vor allem auf neue Erfolge im Internet der Dinge. Wer könnte dies besser symbolisieren und reflektieren als Josef Brunner, CEO relayr, und Dr. Myriam Jahn, CEO Q-Loud. Beide sind wichtige Ikonen der deutschen IoT-Community. Josef Brunner hat mit seinem 300-Millionen-Deal mit der Münchner Rück deutlich gemacht, wie ökonomisch relevant das Thema ist. Myriam war schon beim Hidden Champion ifm Vordenkerin und vor allem Vormacherin für Industrie 4.0 und ebnet jetzt für QSC den Pfad in die IoT-Zukunft.
Seit der Gründung seiner Genussboutique im Sommer 2017 hat sich so viel getan, dass Eric Kletti gar nicht weiß, wo er anfangen soll zu erzählen. Egal ob ein Kochkurs 2.0 oder die Chefs (Round) Tables: mit seiner Kochboutique by Eric lädt er immer wieder seine Gäste auf gemeinsame geschmackliche Weltreisen ein. Sein Gin wird nach dem London Dry Gin Verfahren gebrannt und ist von Geschmäckern aus der Heimat und der Ferne geprägt.