Wie seltsam das alles ist: Schwenk von der großen Tragödie zur alltäglichen Farce um US-Wahlkampf

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Ein eigenartiger, eigenartig treffender Artikel von Politico, „How Trump and Vance went from a ‘threat to democracy’ to ‘weird’“, der den Wandel der Demokratensprache im aktuellen Wahlkampf seziert. Weg von Biden’s gravitätischen Reden, hin zu Kamala Harris’ bodenständigem, unverblümtem „weird“. Einfach seltsam.

Trump und Vance, einst als „Gefahr für die Demokratie“ gebrandmarkt, nun reduziert auf das Alltägliche, das Fremde. Eine rhetorische Kehrtwende, fast wie ein Schwenk von der großen Tragödie zur alltäglichen Farce. „I’m telling you: these guys are weird“ – Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota, schießt diesen Satz hinaus in die Welt und er trifft. Viral. 4.6 Millionen Views. Die Menschen nicken, lachen, teilen.

In dieser neuen, reduzierten Sprache liegt eine Macht. „Es ist, wie man mit seinem Nachbarn über die verrückte politische Lage spricht,“ sagt Tim Hogan. Kein hohes Ross mehr, keine „inflection points“, keine „Momente nationaler und generationeller Bedeutung“ (Politico). Einfach ein Gefühl, ein kollektives Unbehagen, ein instinktives „weird“.

Und Harris greift es auf, formt es, prägt es. Trump ist „weird“, Vance ist „weird“. Die MAGA-Bewegung, ein einziges „weird“. Kein tiefes Analysieren, kein Sezieren, einfach ein Schlagwort, das alles erfasst, das alles sagt. Ein Wort, das die Komplexität der Absurdität einfängt und in einer einfachen, verständlichen Form wieder ausspuckt.

Diese Einfachheit, die so effektiv ist, zeigt auch, wie sehr die Menschen nach Klarheit dürsten. In einer Zeit, in der alles komplex, alles verworren scheint, bietet „weird“ eine greifbare, unmittelbare Antwort. Es ist, als ob die Demokraten endlich eine Sprache gefunden haben, die die Menschen erreicht, die tief in ihr Unbehagen greift und es auf den Punkt bringt.

Die Resonanz ist da. Walz‘ Interviews, die sozialen Medien, die Reaktionen. Die neue Strategie funktioniert. Eine Transformation der politischen Kommunikation, weg von den hohen Reden hin zu den einfachen, instinktiven Beschreibungen. „Weird“ – ein Wort, das die Zeit einfängt, das die Absurdität und das Unbehagen unserer Ära beschreibt.

„Joe Biden, Präsident der Vereinigten Staaten und 81-jähriger Mann, kann seine Opposition nicht authentisch als ‚weird‘ bezeichnen. Und der Ton seiner Kampagne spiegelte dies wider“ (Politico). Die Menschen wollen keine großen Reden mehr. Sie wollen das „weird“. Sie wollen das, was sie fühlen. Und das ist, in dieser seltsamen, absurden Zeit, vielleicht das Ehrlichste, was es gibt.

Wäre wohl auch ein probates Mittel für Deutschland. Weg von der großen Geste.

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