
Die Premierensendung „Systemfrage KI“ setzte einen klaren Akzent: Es geht nicht um Spielereien mit Chatbots, sondern um die tektonischen Verschiebungen, die Künstliche Intelligenz in Wirtschaft und Gesellschaft auslöst. Gastgeber Professor Frank H. Witt stellte heraus, dass KI nicht nur Werkzeuge bereitstellt, sondern eine Systemfrage stellt – vergleichbar mit den Umbrüchen der frühen Neuzeit.
Industrie 4.0 war das große Versprechen des Gründungsdirektors Wolfgang Wahlster: die Vision, industrielle Fertigung bis hinunter zur Losgröße 1 zu flexibilisieren. Ein Produkt, so individuell wie der einzelne Kunde. Doch die Wirklichkeit der KI, wie sie in der Sendung von Professor Jörg Müller-Lietzkow skizziert wurde, geht weit darüber hinaus.
Losgröße 1 ist nicht das Ende, sondern der Anfang. KI bricht die Fixierung auf das einzelne Produkt auf. Sie ermöglicht eine Wirtschaft, die nicht nur reproduziert, sondern permanent neu entwirft. Statt Fertigung in „Stückzahl 1“ rückt die „Neuentwicklung 1“ in den Fokus: eine Produktionslogik, in der jedes Ergebnis ein neues Experiment ist – emergent, adaptiv, vernetzt.
Damit entsteht eine ökonomische Tektonik, die tiefer reicht als klassische Produktionsparadigmen. Organisationen selbst beginnen, fluide zu werden. Hier berührt sich Müller-Lietzkows Diagnose mit der Metastudie „Die große Transformation: Fünf Thesen zur Neuerfindung von HR und Organisationen“ des ZP Think Tanks Innovation (2025), die am Dienstag, den 9. September, von 11:30 bis 12:30 Uhr im Press & Peer Pavillon, Halle 5.2, auf der Zukunft Personal Europe in Köln vorgestellt wird.
Die Studie beschreibt drei neue Organisationsarchetypen, die durch KI und Transformation entstehen:
• Plattform-Organisationen schaffen Infrastrukturen, auf denen unterschiedliche Akteure Wert schöpfen können. Sie verdienen nicht mehr an Produkten, sondern am Ermöglichen von Austausch und Zusammenarbeit.
• Missionskollektive entstehen als zeitlich begrenzte Bündnisse, die sich um spezifische gesellschaftliche Herausforderungen formieren. Sie kombinieren die Beweglichkeit junger Unternehmen mit der Schlagkraft etablierter Organisationen.
• Hybride Organisationen verbinden Gewinnorientierung und Gemeinwohl in neuen Rechtsformen. Transparenz und datenbasierte Steuerung machen diese Integration überprüfbar und wirksam.
Damit verschiebt sich auch die Rolle von HR. Aus der Verwaltung von Routinen wird ein strategisches Betriebssystem für kollektive Intelligenz: vom Kostenfaktor zum Wertschöpfungstreiber. Datenanalyse, personalisierte Lernpfade und algorithmische Entscheidungshilfen sind nicht bloß technische Erweiterungen, sondern Bausteine einer neuen Organisationslogik.
Die Konsequenz: Losgröße ∞. Jede Organisationseinheit, jedes Team, jeder Mensch kann zum Prototypen einer neuen Kombination werden. KI erlaubt es, Kompetenzen, Aufgaben und Kontexte in Echtzeit neu zu verbinden. Organisation wird zum lernenden Organismus – antifragil, anpassungsfähig, schöpferisch.
Damit erfüllt sich, was die Metastudie als Geburt kollektiver Intelligenz beschreibt: Innovationen, die weder allein durch Menschen noch allein durch Algorithmen möglich wären, sondern nur durch ihre Symbiose.
Die historische Pointe liegt darin, dass ausgerechnet eine Technologie, die zunächst als Automatisierungsbedrohung wahrgenommen wurde, zum Motor einer digitalen Renaissance wird. So wie die Nelkenrevolution 1974 Portugal ohne Blutvergießen veränderte, verändert die KI unsere Ökonomien nicht durch Zwang, sondern durch die stille, aber unaufhaltsame Transformation von Routinen zu Resonanz.
Losgröße 1 war das Paradigma der Industrie 4.0.
Losgröße ∞ ist das Paradigma der Systemfrage KI.
⏳ Von den sprechenden Ringen zu Losgröße ∞
In H.G. Wells’ Time Machine erzählen die sprechenden Ringe das Wissen der Vergangenheit – konserviert, abgespeichert, abrufbar.
Mit Künstlicher Intelligenz erleben wir das Gegenteil: Wissen wird nicht mehr nur archiviert, sondern produktiv. Jeder Prototyp, jedes Team, jede Entscheidung kann in Echtzeit neu entstehen.
👉 Das ist der Schritt von Losgröße 1 – der Individualfertigung der Industrie 4.0 – zu Losgröße ∞:
Jede Organisation wird zum lernenden Organismus.
Jede Kombination von Kompetenzen, Aufgaben, Kontexten kann ein Unikat sein.
Aus konservierter Information wird kollektive Intelligenz.
Darum sprach Gastgeber Prof. Frank H. Witt in unserer Premierensendung Systemfrage KI von einer stillen, aber tiefgreifenden Systemfrage. Und Prof. Jörg Müller-Lietzkow zeigte: Losgröße ∞ ist kein Traum, sondern das Paradigma der KI-Ökonomie. Idee von Winfried Felser
Wir und insbesondere auch Jörg Müller-Lietzkow machten deutlich: KI-Agentensysteme revolutionieren künftig auch Wissenschaft, Forschung und Entwicklung. Sie analysieren DNA-Sequenzen, simulieren Experimente und entdecken oder entwickeln neue Wirk- und Werkstoffe sowie Produkte – schneller, präziser und individueller als je zuvor. Das Ergebnis: maßgeschneiderte Therapien, kürzere Innovationszyklen und Produkte, die uns viel früher erreichen. KI ermöglicht Produkte und Dienstleistungen mit individuellem und sozialem Nutzen, die weit über klassische Maßanfertigung hinausgehen – Lösungen, die ohne sie weder denkbar noch machbar wären. Bedenkt man die Verfahrene Situation der deutschen und europäischen Regionalgesellschaft im Vergleich zur Skalierung von KI und der sich daraus ergebenden Anwendungsbreite nicht nur in den USA und China, wo die Durchdringung des Bildungssystems staatlich verordnet und gefördert wird – in den USA erfolgt dies ohne harten Steuerungseingriff eher freiwillig und die Situation ist in anderen Weltregionen eher ähnlich, dann bleibt in der Tat Frustration über den Strukturkonservativismus der das Hauptaugenmerk auf Regulierung legt.