Technologie außer Kontrolle: CIOs brauchen neues Rollenverständnis

Technik außer Kontrolle

Der Anteil der von Mitarbeitern genutzten Technologien, der von der IT-Abteilung nicht mehr beeinflusst werden kann, ist in den vergangenen drei Jahren von zehn auf 40 Prozent gestiegen. Das ergibt eine weltweite CIO-Umfrage von Harvey Nash.

„Was in sozialen Netzwerken unter dem Stichwort ‚Kontrollverlust’ diskutiert wird, breitet sich auch in Unternehmen aus. Die geschäftliche und private Nutzung von Geräten verschwimmt, Tablets, Smartphones und der Einsatz von Apps werden auch im Arbeitsalltag immer populärer, entsprechend sinkt die Relevanz von abgeschirmten IT-Systemen“, so Udo Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash in Deutschland.

Fast jeder zweite CIO geht davon aus, dass der Anteil von privaten Geräten, die Mitarbeiter am Arbeitsplatz einsetzen, steigen wird. Entsprechend muss sich das Rollenverständnis der IT-Führungskräfte wandeln.

„Die direkte Steuerung der Technologie steht nicht mehr im Vordergrund. Eher geht es um die Förderung der Zusammenarbeit und den Anstoß von Innovationen“, sagt Nadolski.

Der Schub zu externen und offenen Systemen geht vor allem von den jungen Mitarbeitern aus. Die nötige Offenheit müssten auch die Anbieter von Kommunikationstechnologie mitbringen.

„Es wird immer mehr Mitarbeiter in Unternehmen geben, die mobil arbeiten und höchst unterschiedliche Endgeräte einsetzen. Für unsere Lösungen ist es daher unabdingbar, hier eine Integrationsleistung zu bringen. Ein CIO tut sich in Zukunft keinen Gefallen, wenn er versucht, sich auf ganz wenige Standard-Endgeräte zu konzentrieren. Das wird er nicht durchhalten können gegen die Anwender. Es rücken viele junge Mitarbeiter nach, die technologisch das nachfragen, was sie auch privat schon lange nutzen. Ein CIO sollte diese Dienste in seine IT-Infrastruktur einbauen, sonst entstehen Probleme bei der Rekrutierung von neuem Personal“, erklärt Aastra-Deutschlandchef Jürgen Signer.

Die Veränderung des IT-Managements macht sich an einem weiteren Ergebnis der CIO-Umfrage fest, an der sich mehr als 2.000 IT-Führungskräfte und Technologie-Manager in zwanzig Ländern beteiligt haben. 33 Prozent der digitalen Projekte kommen mittlerweile aus den Vertriebs- und Marketing-Abteilungen – ohne Beteiligung der IT-Abteilung. Und 42 Prozent der digitalen Projekte laufen in Kooperation zwischen IT, Marketing und Vertrieb.

„Um sich als Partner für neue Projekte zu profilieren, reicht es für IT-Führungskräfte nicht mehr aus, nur Fachkenntnisse der Informatik vorzutragen. Ein tiefes Verständnis für die Geschäftsfelder des eigenen Unternehmens ist unverzichtbar, um in der betrieblichen Organisation ein begehrter Ansprechpartner zu bleiben. Oder zu werden“, resümiert Nadolski.

Die Realität in den Unternehmen sieht allerdings noch anders aus. Oder hat sich seit dem lesenswerten Beitrag von Fiete Stegers zur Schatten-IT, der vor gut zwei Jahren erschienen ist, irgendetwas gewandelt?

“Einen Drucker anschließen? Den Büro-Kalender mit dem Handy synchronisieren? Oder gar Shareware installieren? Ohne Segen der IT-Abteilung ist da in Großunternehmen nichts zu machen. Zumindest offiziell nicht. Denn die sogenannte Schatten-IT ist schon längst Realität. Selbst programmierte Excel-Anwendungen, eigenmächtig beim Discounter gekaufte Hardware, Kommunikation mit Außendienstkollegen via Facebook-Chat oder Dateiversand über Skype: Im Schatten der offiziellen Computer-Infrastruktur blühen in Firmen kreative IT-Lösungen. Belastbare Zahlen gibt es zwar nicht – aber wer einmal ein Großunternehmen von innen gesehen hat, weiß, wie solche Schatten-IT entsteht. ‘Die Fachabteilung hat bestimmte Wünsche, die die IT-Abteilung des Unternehmens nicht oder nicht schnell genug erfüllen kann. Also wird die Fachabteilung selbst aktiv’, sagt der Informatiker Christopher Rentrop, der sich wissenschaftlich mit dem Phänomen beschäftigt. ‘Und die IT-Abteilung schweigt, weil sie keine Zeit zur Bearbeitung hätte und gegenüber den Kollegen nicht als ‘Stasi’ erscheinen möchte’.”

Das wäre doch mal ein schönes Thema für eine Bloggercamp-Sendung in den nächsten Wochen. Wer sich für eine solche Diskussion begeistern kann, ist herzlich eingeladen, an der Hangout-Talkrunde mitzumachen. Morgen diskutieren wir über Social Sharing, nächste Woche über Müll und Monopole. Übernächste Woche könnten wir die Schatten-IT auf die Agenda nehmen.

Auch wenn externe Geräte wie das iPhone cooler sind, wäre es nicht schlecht, wenn Apple dem Rat von Giga folgend würde: iOS 7: Bessere Dienste wären wichtiger als neues Design.

IT im Schatten und überforderte CIOs


Fiete Stegers beschäftigt sich in einem lesenswerten Beitrag für Hyperland mit dem Phänomen der Schatten-IT in Firmen.

„Einen Drucker anschließen? Den Büro-Kalender mit dem Handy synchronisieren? Oder gar Shareware installieren? Ohne Segen der IT-Abteilung ist da in Großunternehmen nichts zu machen. Zumindest offiziell nicht. Denn die sogenannte Schatten-IT ist schon längst Realität. Selbst programmierte Excel-Anwendungen, eigenmächtig beim Discounter gekaufte Hardware, Kommunikation mit Außendienstkollegen via Facebook-Chat oder Dateiversand über Skype: Im Schatten der offiziellen Computer-Infrastruktur blühen in Firmen kreative IT-Lösungen. Belastbare Zahlen gibt es zwar nicht – aber wer einmal ein Großunternehmen von innen gesehen hat, weiß, wie solche Schatten-IT entsteht. ‚Die Fachabteilung hat bestimmte Wünsche, die die IT-Abteilung des Unternehmens nicht oder nicht schnell genug erfüllen kann. Also wird die Fachabteilung selbst aktiv‘, sagt der Informatiker Christopher Rentrop, der sich wissenschaftlich mit dem Phänomen beschäftigt. ‚Und die IT-Abteilung schweigt, weil sie keine Zeit zur Bearbeitung hätte und gegenüber den Kollegen nicht als ‘Stasi’ erscheinen möchte'“.

Laut einer Studie des Marktforschers IDC würden Angestellte verstärkt private Geräte wie Smartphones oder Tabletts auch beruflich nutzen: Wer privat ein iPhone oder Android-Handy, bestimmte Apps oder Online-Dienste schätzen gelernt hat, komme eher auf die Idee, wie er diese für den Job einsetzen könnte und will auf deren Komfort nicht zugunsten eines von den IT-Experten der Firma in langwierigen Prozessen abgesegneten Geräts verzichten. Entsprechend wächst die Ungeduld der Nutzer – nicht nur wegen der IT-Restriktionen in Unternehmen, sondern auch beim Einsatz von sozialen Netzwerken während der Arbeitszeit. Das hatte ich an anderer Stelle bereits thematisiert.

Generell steigen dadurch die Anforderungen an CIOs. Vonnöten wäre mehr Offenheit bei den IT-Chefs für technologische Veränderungen, die das Web 2.0 losgetreten hat, fordert der Silicon-Blogger Siegfried Lautenbacher. „Statt auf Bedürfnisse zu schauen, bügelt die IT ein Standardmodell drüber. Das führt naturgemäss zu Frustrationen. Bis nämlich das neue Smartphone durchgetestet und auf Sicherheit überprüft ist, hat es der Anbieter schon längst wieder gekündigt. Bindet man das iPhone in die Standardprozesse des Unternehmens ein, ist der Spass auch gleich wieder vorbei. In solchem Denkraster sind Cloud & SaaS, Skype & Social Media, Tablets und ähnliche aus der Consumer IT importierten Werkzeuge die natürlichen Feinde der IT-Abteilung. Sie gelten als verwerfliche Schatten-IT. Umgekehrt schimpfen die Endanwender auf die starre unflexible IT“, führt Lautenbacher aus. Das anbrechende „Post-PC-Zeitalter“ werde indes alle zwingen, neu über die Beziehung zwischen der Kommunikationstechnologie in Unternehmen und dem Nutzer nachzudenken. Der Biergarten als lichter Ort der lockeren Liberalität wäre kein schlechtes Vorbild für die Zukunft der Unternehmens-IT. „Viel Self Service, viel Freiheit und alles an Infrastruktur, was der Nutzer braucht“, so das Credo von Lautenbacher.

Die nötige Offenheit müssten auch die Anbieter von Kommunikationstechnologie mitbringen, sagt Deutschland Jürgen Signer vom ITK-Spezialisten Aastra. Der Siegeszug von Smartphones und Tablet-PCs wirke sich auch auf die Geschäftswelt aus. „Es wird immer mehr Mitarbeiter in Unternehmen geben, die mobil arbeiten und höchst unterschiedliche Endgeräte einsetzen. Für unsere Lösungen ist es daher unabdingbar, hier eine Integrationsleistung zu bringen. Ein CIO tut sich in Zukunft keinen Gefallen, wenn er versucht, sich auf ganz wenige Standard-Endgeräte zu konzentrieren. Das wird er nicht durchhalten können gegen die Anwender. Es rücken viele junge Mitarbeiter nach, die technologisch das nachfragen, was sie auch privat schon lange nutzen. Ein CIO sollte diese Dienste in seine IT-Infrastruktur einbauen, sonst entstehen Probleme bei der Rekrutierung von neuem Personal“, erklärt Signer.

Und nicht nur das. Der Stellenwert der CIOs im Unternehmen könnte weiter sinken, wie eine Studie von Harvey Nash Hauses belegt.

Morgen schreibe ich übrigens eine Story über den Geist im Smartphone. Kleiner Vorgeschmack: Für den Philosophen David Chalmers ist das iPhone zu einem Teil seines Geistes geworden, berichtet die neue Philosophie-Zeitschrift „Hohe Luft“ in ihrer ersten Ausgabe: Die Auslagerung unseres Gedächtnisses ins Internet wird allerdings nicht so kulturpessimistisch interpretiert wie von dem FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. Eher werde der Geist erweitert. „Menschen haben Denkvorgänge zu allen Zeiten ausgelagert. Wir machen uns Notizen auf einem Blatt Papier, wir benutzen Taschenrechner, speichern Informationen in Büchern oder Archiven. Und doch gehen wir zumeist davon aus, dass das alles nur Werkzeuge sind. Es ist doch unser Geist, der denkt“, schreibt der Hohe Luft-Autor Thomas Vasek. Was das Ganze mit der Servicebranche zu tun hat, steht morgen auf wwww.ne-na.de.

Update: Morgen ist heute. Hier die NeueNachricht-Story: Der Geist im Smartphone und die Tipping Points der Servicebranche.