NGOs als Kontrollinstanz für den nachhaltigen Einkauf des Staates: Mit den Betonköpfen der Industrie wird das nicht funktionieren

Textil-Lobbyist Christoph Schäfer

Im Einkauf von Unternehmen und Staat stecken erhebliche Potenziale, um die sozial- und umweltpolitischen Standards der Produktion zu verbessern – in Deutschland und vor allen Dingen im Ausland. Da ist es nur konsequent, wenn das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums mit seinem Einkaufsvolumen von über einer Milliarde Euro neue Wege gehen will, wenn Bundesbehörden Güter und Dienstleistungen nachfragen. Für deutsche Industrielobbyisten ist das eine schwer verdauliche Kost. Es gibt das Vergaberecht und im Vordergrund habe die Beschaffung zu stehen und nicht irgendein Wünsch-Dir-was-Gutmenschen-Denken (das sagte ein Verbandsmann in seinem Vortrag und auch in der Abschlussrunde in Richtung der NGOs). So könnte man die Positionen der Verbandsvertreter der Wirtschaft auf der Fachkonferenz des Vergabenetzwerkes im Beschaffungsamt in Bonn zusammenfassen (Titel der Veranstaltung: Der schöne Schein der Nachhaltigkeit). Wie solle man den eineindeutig in einer komplexen Lieferkette unter Beweis stellen, dass auch hohe ökologische und soziale Standards eingehalten werden.

Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen sei das nur schwer möglich. Von der Rohstoffgewinnung bis zum Verkauf des Produktes gebe es eine Vielzahl von Wertschöpfungsstufen, die nicht vollständig kontrollierbar seien. OK – Verbandsjuristen müssen wohl so argumentieren. In den Vorträgen wurde deutlich, dass die Industrielobbyisten ein ziemlich schnoddriges Verständnis von Nachhaltigkeit haben und sich darauf zurückziehen, was so alles nicht funktionieren kann nach dem Vergaberecht. Alles sollte am besten so bleiben wie es ist. Man lagert fleißig in Billiglohnländer aus und schert sich einen Teufel um die dortigen Produktionsbedingungen. Wo diese Mentalität hinführt, kann man am Beispiel des Discounters KIK sehr gut nachvollziehen.

Erhellend sind auch die Skandale bei der Produktion von Jeans in der Türkei.

Sind das jetzt komplexe Lieferketten, die man nicht kontrollieren kann oder doch sehr einfach zu recherchierende Tatbestände, die man herausbekommt, wenn man bereit ist, etwas genauer hinzuschauen? Wenn Journalisten so etwas aufdecken können, ist es für die Heerscharen an Industrielobbyisten ein leichtes, gleiches zu tun.

Dabei geht es nicht darum, anderen Ländern irgendwelche Dinge zu diktieren oder die gleichen Standards wie in Deutschland zu verlangen. Allerdings ist es nicht akzeptabel, Industriebedingungen des 19. Jahrhunderts hinzunehmen: Also Kinderarbeit, Ausbeutung, unzumutbare und gesundheitsschädliche Arbeitsplätze. Wenn es der deutschen Industrie ernst ist mit der Nachhaltigkeit, dann sollten sie auch bei ihren Partnerfirmen im Ausland für humane, ökologische und moderne Arbeitsplätze sorgen.

Hier könnte der Staat einiges ändern, sagte Dr. Evelyn Hagenah vom Umweltbundesamt auf der Bonner Konferenz. Bund, Länder und Gemeinden haben in Deutschland mit einem jährlichen Einkaufsvolumen von etwa 260 Milliarden Euro eine erhebliche Marktmacht. Eine umweltorientierte Beschaffung könnte die Treibhausgase um rund 30 Prozent reduzieren. Hier die entsprechende Studie.

Einen interessanten Vorschlag für die Sicherstellung einer nachhaltigen Beschaffung in dem komplexen Gefüge von internationalen Lieferketten machte vorgestern Klaus-Peter Tiedtke, Direktor des Beschaffungsamtes.

Er hält es für sinnvoll und machbar, die weltweit sehr gut vernetzten NGOs einzubinden, um die Güte der Nachhaltigkeit bei der Rohstoffgewinnung, Produktion und dem Transport von Produkten sicherzustellen. Ein entsprechendes Dialogangebot soll demnächst an die NGOs gerichtet werden.

Resümee: Der Direktor des Beschaffungsamtes erwähnte in seiner Rede ja die berühmt-berüchtigten dicken Bretter von Max Weber, die man wohl bohren müsse, um im Vergabeprozess auch für einen nachhaltigen Einkauf zu sorgen. Meine Einschätzung: Es wird zu massigen politischen Machtkämpfen und Gerichtsverfahren kommen, wie wir sie auch beim Atomausstieg erleben. Man wird sich wohl warm anziehen müssen. Vorschläge über das Machbare im Einkauf des Staates will Tiedtke mit dem Wissenschaftler Ernst von Weizsäcker erörtern. Man wolle die Wirtschaft nicht überfordern aber fordern. Richtig so!

Balkan statt Irland: Absturz des Wirtschaftswunderlands – Attraktive Firmenstandorte in Slowenien

Kaum ein europäisches Land ist nach einem Bericht der Kölnischen Rundschau (KR) stärker von der Krise getroffen als Irland. „Nach dem EU-Beitritt wurde aus dem bitterarmen Inselstaat die Boomregion Europas; nun drohen Irland erneut schwere Zeiten“, so die KR. Der keltische Tiger sei zum kranken Kätzchen mutiert. „Ich bedauere, dass es für einige schwer wird, aber wir müssen harte Maßnahmen ergreifen“, kommentierte Premierminister Brian Cowen kürzlich den Nachtragshaushalt.

„Ausländische Investoren hatten – angelockt vom englischsprachigen Standort in der Euro-Zone mit niedrigen Steuern – dem Ex-Armenhaus Europas den Weg geebnet. Arbeitsplätze entstanden, Immigranten strömten ins einstige Auswandererland. Doch aktuell verlagert zum Beispiel der US-Computerkonzern Dell seine Produktion mit 1.900 Arbeitsplätzen aus Limerick nach Osteuropa“, schreibt die KR. Zwar planen nach einer DIHK-Umfrage 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihren grenzüberschreitenden Kapitaleinsatz im Vergleich zum Vorjahr zu senken. Aber Experten sind davon überzeugt, dass attraktive Standorte beispielsweise in den Balkan-Ländern gut vermittelbar sind.

So habe ich den Hinweise auf ein attraktives Objekt in Slowenien bekommen, das an der Grenze zu Kroatien liegt. Der Ort Semic ist infrastrukturell sehr gut gelegen, die Flughäfen Zagreb und Rijka sind in einer Autostunde erreichbar, außerdem liegt Semic direkt an der Autobahn Ljubljana-Belgrad.

Das Gebäude wurde vor fünf Jahren erbaut, verfügt über 3700 qm Produktionsfläche bzw. Büroräume und wurde in hochwertiger Bauweise erstellt. Das dreigeschossige Gebäude steht auf einem 7000 qm Grundstück, weitere Anbauten sind möglich. Der Betrieb hat Kabelkonfektionen hergestellt, meist für die Automobil-Branche.
Für Produktionsbetriebe also eine nette Sache.

In Slowenien oder Kroatien beträgt der Bruttoarbeitslohn rund 680 Euro monatlich, inklusive aller Nebenkosten für den Unternehmer. Kontaktmöglichkeit für das Objekt in Slowenien: miliana.romic@web.de

IT-Auslagerung kein Allheilmittel in der Krise – cioforum: „Wer sein Handwerk beherrscht, braucht externe Dienstleister nicht zu fürchten“

„Insource core, outsource context“, so lautete das Motto der IT-Branche in den vergangenen zehn Jahre. Die Erklärung ist klar: Der Context ist austauschbar. Wer würde heute ein Textverarbeitungsprogramm selbst schreiben oder eine Anwendungssoftware für Enterprise Resource Planning ( ERP). „Wir müssen uns die Frage stellen, aus welchem Grund wir bestimmte Leistungen nicht mehr selbst machen wollen. Und die Gründe sind vielfältig: Sind es die Kosten, die uns ein Service kostet? Oder muss eher formuliert werden: Ist es einem Unternehmen möglich, alle notwendigen Services optimiert und effizient durchzuführen“, fragt sich Andreas Rebetizky, Sprecher des cioforums in München.

Das Betreiben eines Servers sei „commodity“ – hier komme es auf Effizienz an, auf Kosten pro Server. Der Betrieb eines Geschäftsprozesses, dessen Optimierung, Gestaltung, Re-Engineering – das könne „Core“ sein, also zum Kern gehören: „Ein Logistik-Unternehmen tut gut daran, eigene Experten für die Themen rund um das Supply Chain Management zu haben. Ein Fertigungsunternehmen sollte Kenntnisse in Fertigungsprozessen, Variantenkonfigurationen und Materiallogistik haben. Das ist ihr Core-Business. Wir erleben eine Transformation dessen, was als ‚Core‘ bezeichnet wird. IT gehört für viele Unternehmen dazu. Ohne IT werden keine neuen Produkte entworfen. Die Produktion ist optimiert mit Hilfe von Produktionsplanungs- und Steuerungssystemen (PPS), der Vertrieb hat mit CRM eine 360 Grad-Sicht auf seine Kunden. IT ist in vielen prozessbezogenen Aufgabenstellungen nicht nur ein ‚Muss‘, sondern eine überlebenskritische Komponente geworden“, so die Erfahrung von Rebetzky, CIO des Balinger Technologieanbieters Bizerba.

Es sei zu kurz gegriffen, wenn Analysten den Outsourcing-Markt als Gewinner der Wirtschaftskrise ausrufen. „Viele CIOs sind skeptisch – sie rechnen eher mit einer Stärkung der internen Ressourcen. Klar ist nur: Projekte mit schnellem Sparpotenzial haben dieses Jahr Priorität. Anwender sollten hier auch ihre Lieferanten in die Pflicht nehmen“, berichtet die Computer Zeitung. „Selten lässt sich ein Problem dadurch lösen, dass man es per Outsourcing an Dritte vergibt. Wir sollten besser Wege finden, die internen Strukturen zu verändern und die Effizienz zu erhöhen“, bestätigt Rebetzky.

Die IT im Untenehmen müsse sich emanzipieren. Der CIO habe die Aufgabe und Verantwortung, sinnvolle Schritte zum Outsourcing einzuleiten, aber noch mehr die Motivation dafür zu liefern, dass die IT zum Kerngeschäft wesentlich beiträgt. „Dazu muss sich die IT zu einem Businesspartner mit hoher Kompetenz in den zugrundeliegenden Geschäftsprozessen wandeln“, fordert Rebetzky. Wenn das erfolgt sei, werde beispielsweise die Debatte über das Outsourcing eines Servers obsolet. „Diese Commodity ist die Pflichtübung für die IT. Wer sein Handwerk beherrscht, braucht den Wettbewerb mit den externen Dienstleistern nicht zu fürchten. Wer seine Core Business-Aktivitäten auslagert, verliert die Fähigkeit der Transformation. Denn auslagern lassen sich nur die Services, die zu keinem Wettbewerbsvorteil mehr führen“, sagt der Bizerba-Manager. Fatal sei es, nur wegen der Fehlerträchtigkeit der IT an Auslagerung zu denken. Die Software habe eine Komplexität erreicht, dass sie kurz davor steht, ein Eigenleben zu beginnen: Sie tue sonderliche Dinge – unerwartete Ereignisse führen zu unerwarteten Aktionen. Es si doch viel leichter, einen Outsourcing-Partner zur Verantwortung zu ziehen, als den Mitarbeiter und Kollegen. „Damit kannibalisiert man allerdings den Status der IT im Unternehmen“, so die Warnung von cioforum-Vorstand Rebetzky.