Professor Lutz Becker wird in diesem Jahr wieder mit einem studentischen Team bei der Next Economy Open #NEO17x mitmachen und zwar schon im Juni als Pre-Konferenz-Format. Er hat das Satelliten-Konzept der NEOx prima auf den Punkt gebracht:
„Im Jahre 2015 fand die Konferenz Next Economy Open erstmals in Bonn als stationäres Konferenzformat als ein Mix aus Barcamp und traditionellen Konferenzelementen statt. Im Jahr 2016 hat der Initiator, der Volkswirt, Blogger und Journalist Gunnar Sohn, der auch Lehrbeauftragter an der Hochschule Fresenius ist, die Konferenz erstmals als verteiltes digitales Format weiterentwickelt. Im Rahmen eines virtuellen Konferenzformates gab es mehrere digitale Konferenzstreams sowie regionale und stationäre Konferenz-Satelliten, die unter dem Dach der #NEO16x live ins Internet übertragen („gestreamt“) wurden. Es ging und geht dem Veranstalter um Paarbildungen zwischen Netzszene und Wirtschaft, um Brücken für neue Ideen, Kombinatorik, überraschende Verbindungen und Erkenntnisse, dauerhafte und fortlaufende Gespräche sowie offene Begegnungen. So werden Netzwerk-Effekte durch dezentralen Subevents initiiert, die man mit einer Präsenz-Veranstaltung an einem einzigen Ort nicht hervorrufen könnte.
Um den Studierenden zu ermöglichen, erste Erfahrungen mit Konferenzen und insbesondere Livestreaming
sowie narrativen (dialogischen) Zugängen zu Innovation (Becker/Müller 2010) zu sammeln und gleichzeitig die im Kontext des von Professor Becker gelehrten Moduls „Leadership & Strategy“ erarbeiteten Kompetenzen zu verwerten, wurde entschieden, mit Unterstützung des Kölner Startplatzes, der Räumlichkeiten und entsprechende Netzzugänge bereitstellte, ein Pre-Konferenz-Format für eine #NEO16x Session zu entwickeln und live zu streamen.
Die Studierenden haben sich für einen Konferenzbeitrag zum Thema „Smart Home“ entschieden: Sie entwickelten ein gemischtes Format aus einem vorab produzierten Interview mit Live-Elementen . Eine besondere Herausforderung sind dabei die Rückkanäle. Das heißt, die externen Teilnehmer können sich beispielsweise über Twitter und Facebook in das Format einschalten, kommentieren oder Fragen stellen, was wiederum – trotz des vorproduzierten Interviews (Konserve) – eine hohe Flexibilität der Akteure und
der Interaktionen erfordert. Die Veranstaltung wurde so für die Studierenden, insbesondere bei den beiden studentischen Moderatoren, eine ganz besondere persönliche Herausforderung, die selbstverständlich nicht in allen Phasen ganz problem- und konfliktfrei bleiben konnte, aber eben sehr tief gehende Lernerfahrungen in der Gruppe und über die Gruppe ermöglichte, was insbesondere auch in der anschließenden Manöverkritik („Lessons Learned“) von den Studierenden betont wurde.“
Soweit die Erläuterungen von Lutz Becker.
In einigen Tagen starte ich offiziell die diesjährige Kampagne der Next Economy Open #NEO17x, die am 9. und 10. November stattfindet. Bin gespannt, was wir wieder für spannende Subevents realisieren. Da ist Ideengewimmel gefragt. Habt Ihr Lust, bei der #NEO17x mitzumachen?
Hier wird am Donnerstag der netzökonomische Käsekuchen-Diskurs übertragen (also auf YouTube – zum Mitdiskutieren die Chatfunktion benutzen oder Hashtags #D2030 #NEO17x):
„Wenn wir wirklich eine inklusive, nachhaltige und verantwortliche Gesellschaft und Ökonomie wollen, müssen wir unsere Bilanzen und Logiken ändern. Ich halte das für fundamental. Was sind die grundlegenden Paradigmen und Theorien der Ökonomie? Die sind implizit normativ. Am Ende ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es gibt auch keinen Determinismus* (*=Die Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt, Anm. des Autors). Wir haben gestalterische Freiheiten. Wohin führen unsere Denkansätze?“, fragt sich Winfried Felser in der netzökonomischen Ideenrunde.
Die Ökonomik sollte etwas zu möglichen und wünschenswerten Szenarien in der Zukunft sagen. Sie muss wieder Möglichkeitswissenschaft werden: Wie kann eine Ökonomie aussehen, die die Produktivitätsfortschritte der Informationswirtschaft für einen Wohlstand nutzt, der bei möglichst vielen Menschen ankommt?
„Sind Postwachstumsgesellschaften denkbar, die dennoch eine hohe Lebensqualität für zehn Milliarden Menschen innerhalb der planetaren Grenzen schaffen? Wie sehen Perspektiven für einen zeitgemäßen Kapitalismus aus? Ein solches Zielwissen ist normativ, die zugrunde liegenden Normen bedürfen der Explizierung und der Begründung“, so Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts.
Tschakka-Weisheiten im Killermodus
Im Silicon Valley ist davon wenig zu spüren. Da findet man eher eine Menge Donald Trump-Ideologie, auch wenn die kalifornischen Protagonisten der Netzökonomie das empört zurückweisen würden: Das Dasein sei ein Dschungel, in dem man bereit sein muss, zu kämpfen – das ist das Credo von Trumps „kontrollierter Paranoia“. Überleben werde nur der Stärkere. Für den neuen Präsidenten der USA gibt es nur zwei Sorten von Menschen: Gewinner und Verlierer, man ist entweder das eine oder das andere. „Sei ein Killer“, so der „pädagogische“ Leitspruch seines Vaters.
Den ideologischen Überbau für den donaldistischen Siegeszug lieferte der evangelikale Tschakka-Wanderprediger Norman Vincent Peale, Autor des Bestsellers „The Power of Positive Thinking“: „Formuliere und präge deinem Verstand ein mentales Bild von dir selbst als jemand ein, der Erfolg hat. […] Halte hartnäckig daran fest. Lass es niemals verblassen. Denk nie von dir selbst als jemand, der versagt“, so die anarcho-kapitalistischen Phrasen von Peale. Bei Trump wird das Prinzip zur Manie: „Ich gewinne, ich gewinne, ich gewinne immer. […] Am Ende gewinne ich immer, ob nun beim Golf, beim Tennis oder im Leben, ich gewinne einfach immer. Und ich sage den Leuten, dass ich immer gewinne, weil ich eben immer gewinne.“ Und wenn er nicht gewinnt, straft er die Leute eben ab, die nachweisen, dass er nicht immer gewonnen habe. Oder er empfiehlt gar die Übernahme oder gar Schließung von Institutionen, die seinem Siegeswahn im Wege stehen.
Hütchenspieler im Tal der Zukunft
Plappern die Papageien im „Tal der Zukunft“ einen anderen Sound? Hinter der sektenhaften New-Age-Wir-verbessern-die-Welt-Fassade steckt doch sehr viel Sieger-Gequatsche und Aufgeblasenheit á la Trump. Ein Großteil der Silicon-Valley-Gründergeneration besteht aus ziemlich unangenehmen Typen, schreibt der Journalist und Drehbuchautor Dan Lyons in seinem Opus „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“.
„Frühere Hightech-Unternehmen wurden von Ingenieuren und MBAs gegründet, heutige von jungen, moralfreien Hütchenspielern, von der Art Jungs (und es sind fast alles junge Männer), die sich im Kino ‚The Social Network‘ angesehen haben, in dem Mark Zuckerberg als diebischer, heimtückischer Lügner dargestellt wird, und die danach genauso werden wollen wie er. Viele haben gerade erst das College abgeschlossen – oder sich nicht einmal die Mühe gemacht, es abzuschließen.“
In ihren Unternehmen gehe es zu wie im Hauptquartier einer Studentenvereinigung. Twitter habe wirklich einmal eine Betriebsfeier mit dem Thema Fraternity (Studentenverbindung) gegeben.
Frauen begrapschen und Wasserpfeifen mit Bier befüllen
„Seit 2012 gibt es im Silicon-Valley-Wörterbuch den Begriff brogrammer – ein Programmierer vom Typ bro, ein jugendlicher Macho, der seine Wasserpfeife mit Bier füllt und Frauen begrapscht. Bald kommen die unvermeidlichen Skandale und Prozesse, die Geschichten über schleimige Gründer, die weibliche Angestellte belästigen oder, in einem extremen Fall, ihre Freundin zusammenschlagen. Solche Leute stehen an der Spitze der neuen Generation Hightech-Unternehmen, solchen Leuten vertrauen viele Menschen sehr viel Geld an. Man möchte sich ja gerne vormachen, dass die Zeche, wenn diese Blase platzt, von den Risikokapitalgebern der Sand Hill Road in Menlo Park gezahlt wird, aber ein Großteil des Geldes, das man diesen Kids jetzt nachwirft, stammt aus Pensionsfonds“, warnt der frühere Newsweek-Technologieredakteur.
Die Zeche werden sehr viel mehr Leute zahlen müssen als nur ein paar Berufsinvestoren, die Risiken gewohnt seien.
Gierige Investoren und unmoralische Gründer
„Wenn ich mich in San Francisco umsehe, fürchte ich, dass das alles nicht gut gehen kann. Diese Kombination aus Wunschdenken, billigem Geld, gierigen Investoren und unmoralischen Gründern ist das Rezept für eine Katastrophe“, so Lyons.
Gute Gründe, um auch den netzökonomischen Diskurs mit normativer Brille zu führen. Fernab von den Hurra-Meldungen über neue Gadgets, Apps und Plattformen. Das Silicon Valley ist ethisch betrachtet kaum hübscher als die Wall Street, mit deren Milliarden aus dem Derivatenhandel es reich geworden ist, bemerkt Zeit-Autor Alard von Kittlitz. Wenn es nicht sogar noch unangenehmer sei, wegen seiner grell geschminkten Bubblegum-Hippie-Fassade.
Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten
Virus, Frame oder Mem – hier geht es nicht um lustige Geschichten oder Anekdoten, es geht um die Orientierung der Menschen, die zu massiven Veränderungen der Volkswirtschaften führen können. Etwa die Story vom anarchischen Sillicon Valley, die in Wahrheit nur ein lauwarmer Hipster-Scheiß zur Rechtfertigung von unentgeltlich geleisteter Arbeit ist. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Philip Mirowski sei das eine der wirksamsten Erzählungen zur Simulation von Rebellion. Man erzeugt eine blumige Fata Morgana, um den Menschen das Gefühl eines vollständigen Ausstiegs aus dem Marktsystem zu geben, um dieses Gefühl dann für Marktprozesse in Dienst zu nehmen. Das Aufbegehren gegen das kapitalistische Establishment mit einer frechen Hacker-Kultur ist ein gigantisches Täuschungsmanöver. Dieses eigentümliche Hybrid aus freiwilliger unbezahlter Arbeit, hierarchischer Kontrolle und Kennzahlen-Orientierung in den Silicon Valley-Konzernen sowie kapitalistischer Aneignung sei in der gegenwärtigen Ära der Netzökonomie so vorherrschend geworden, dass manche darin eine neuartige Wirtschaftsordnung sehen. Der freiwillige Verzicht auf die Vergütung wertvoller Leistungen sorgt für satte Renditen bei den kalifornischen Technologie-Champions. Man bekommt als Gegenleistung das vage Versprechen, „Reichweite“ zu ernten und Netzwerke knüpfen zu können.
„Für weniger als eine Hungerlohn erfüllen überqualifizierte Bittsteller die niedrigsten Aufgaben“, moniert Mirowski.
Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung
Das färbt auch auf die traditionelle Wirtschaft ab. Man baut auf die Freelancer-Ökonomie und lässt die Freiberufler im Geist der Selbstbestimmung und Freiheit mit mickrigen Honoraren vor die Wand laufen. Hauptsache, alle haben ein gutes Gefühl im Duz-Modus. Hier sehe ich die Notwendigkeit, diesen Teil der Geschichte neu zu erzählen. Etwa über den Haudrauf-Unternehmer Oliver Samwer, der sogar sterben würde, um zu gewinnen. Think big hat er seinen Leuten als Losung aufgegeben. Execution now, lautet einer seiner Lieblingsbefehle. Da hilft nur weglaufen und den Mittelfinger zeigen:
„Mir widerfuhr die traurige Ehre, dass ich nur drei Tage Personalchef von Groupon war und mit den Samwer-Brüdern zusammen gearbeitet habe, bis ich mich mit einem dieser Typen so anlegte, dass ich in der Mittagspause gegangen bin“, erläutert Heiko Fischer von Resourceful Humans.
Den Führungsstil solcher Karrieristen müsse man aufbrechen. Nicht nur das. Man muss ihnen in der Öffentlichkeit die Leviten lesen und sie entlarven. Etwa die Geschichten im Jungunternehmer-Pornoheft Business Punk, in dem die neue Unanständigkeit gefeiert und Arschlöcher wie Uber-Gründer Travis Kalanick abgejubelt werden. Es ist ja auch abgefahren, wenn jemand Gesetze für sinnlos hält, Steuerhinterziehung predigt und staatliche Regeln mit exterritorialen Insel-Pseudostaaten aushebeln will. Öffentliche Kontrolle, anstrengende und zeitraubende Gesetzgebungsverfahren stören die Business Punker. Als Ergebnis bekommen wir repressive Toleranz, wie es Herbert Marcuse formulierte. Repräsentiert von Vulgär-Kapitalisten wie Donald Trump. Antidemokratische Systemzersetzung im Geiste egozentrischer Machtspiele á la Peter Thiel.
Genügend Stoff für den Käsekuchen-Diskurs 😉 Hashtag für die Diskussion #NEO17x
Oder die Chatfunktion auf YouTube nutzen. Man hört, sieht und streamt sich heute ab 16 Uhr.
Wir sprechen von Cloud-Belegschaften, Konzepte für dezentrale Arbeit, von den Möglichkeiten der digitalen Werkzeuge für die vielen Ich-Verleger, von Ortsunabhängigkeit, Echtzeit-Reaktionen und Echtzeit-Dialogen. Wenn es um Veranstaltungen geht, ist davon nicht viel zu sehen. Da regiert die Klassik. Einzelvortrag mit Powerpoint-Folien und ein zuhörendes Auditorium in Präsenzveranstaltungen. Das ist immer noch die Regel.
Mit der NEO16x wollten wir das ändern. Ein virtuelles Open Space-Konzept mit vielen Satelliten, die Sessions an unterschiedlichen Orten in Deutschland organisieren. Es wurde dann sogar international mit der Schweiz und Frankreich. Subevents gab es in Köln, Dortmund, Berlin und Bonn.
„Das Format ist toll und sollte ausgebaut werden. Theorie und Praxis interagieren, Lösungsdenken, Visionär, Strategisch, Operativ, Denken und Machen. Kompetenzplattform von Menschen für Menschen“, so die Reaktion Franz-Peter Staudt auf Facebook.
Wer ist im nächsten Jahr dabei? Was sollen wir an Themen und Satelliten aufnehmen?
David Brych im Bonner Sendezentrum
Sollte sich jedes Subevent als Sendezentrum positionieren, wie in Bonn-Duisdorf (halte ich für sinnvoll)? Was passiert im Vorfeld?
Wollen wir Ideenrunden im Netz machen via Hangout on Air? Und, und, und.
Hier haben wir ein paar Ideen besprochen:
Man hört, sieht und streamt sich sicherlich in nächster Zeit 🙂