Lieben Blogger Brahms? #Bloggercamp-Runde heute um 18:30 Uhr

Kinoklassiker "Lieben Sie Brahms?"

Ob Blogger Brahms lieben, ist wohl eher meiner Freude an der Alliteration geschuldet und dem alten Kino-Klassiker mit Ingrid Bergman, Yves Montand sowie Anthony Perkins. Man könnte ja auch Wagner, Mozart, Verdi oder Beethoven lieben. Oder generell klassische Musik. Und darum geht es in unserer heutigen Bloggercamp.tv-Sendung um 18:30 Uhr.

Orchestrasfan-Bloggerin Ulrike Schmid stellt ihr Projekt „Ab auf die Konzert-Couch“ vor. Sie war schon auf der Auto-Couch von Robert Basic, zu der er Blogger einlädt, um mit ihnen während einer Probefahrt mit einem Testwagen über Blogs, Technik und die Zukunft zu reden.

„Seit ich auf der Auto-Couch Platz nehmen durfte, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie kurzweilig und interessant der Austausch während so einer Autofahrt sein kann. Roberts Initiative, neuartige und teils komplizierte Technik durch gemeinsames Erleben und Austausch ‚erfahrbar‘ zu machen und sich über mögliche zukünftige Entwicklungen zu unterhalten, brachte mich auf die Idee, dieses Prinzip auch auf mein Lieblingsthema klassische Musik und Sinfonieorchester anzuwenden.“

Deshalb startete Ulrike die Konzert-Couch-Idee.

„Meine ‚Mission‘ ist es, möglichst viele Leute für klassische Musik zu begeistern, weil sie mich selber auf vielfältige Weise inspiriert. Dabei bin ich selbst nur ein Laie, allerdings ein sehr wissbegieriger.“

Was natürlich etwas untertrieben ist. Schließlich ist Ulrike einmal im Monat bei hr2 Kultur in der Sendung „Treffpunkt hr-Sinfonieorchester“ zu hören, wo sie dem Moderator Christoph Werkhausen alias Orchestrasvoice Fragen rund ums hr-Sinfonieorchester und zur klassischen Musik stellt.

Wie funktioniert nun die Konzert-Couch?

„Wenn mir Veranstalter für meine regelmäßigen Konzertbesuche Blogger-Karten zur Verfügung stellen, berichte ich hier über meine Konzerterlebnisse. Da ich meistens zwei Karten bekomme, möchte ich mit dem zweiten Ticket zukünftig jemanden mitnehmen, der oder die Lust auf ein Konzert hat, aber alleine vielleicht nicht hingehen würde. Das könntest zum Beispiel du sein. Einzige Bedingung auf die Konzert-Couch zu kommen ist, dass du anschließend über deine Eindrücke berichtest.“

Wie das Projekt seit dem Frühjahr angelaufen ist und welche Erfahrungen gesammelt wurden, werden wir heute Abend in unserer Sendung erfahren.

Fragen und Zwischenrufe via Twitter sollten während der Livesendung wie immer mit dem Hashtag #bloggercamp versehen werden.

Um 19:30 Uhr wird Andreas Graap unser Gast sein und sein neues Buch über „Hangout on Air“ vorstellen. Wir selbst waren ja nicht dazu in der Lage, unser Opus über die Streaming Revolution aufs Gleis zu bringen, wie ich jüngst beim Crowdfunding Roundtable in Kölle ausführte.

Ali-Reza Mokhtari hat das sehr schön zusammengefasst. Er wird morgen um 15 Uhr seine Video-Blogging-Aktivitäten auf zoomm.me in unserer Sendereihe Bloggercamp.tv Update präsentieren.

Also volles Programm. Man hört und sieht sich 🙂

Beethoven und die Frage der ePartizipation in der Stadtplanung

Bekommt Beethoven 2020 im Jahr seines 250. Geburtstages in Bonn noch eine würdige Spielstätte oder nicht? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Und die Pläne für den Neubau eines Festspielhauses, das angeblich nur 80 Millionen Euro kosten soll, sind mehr als wacklig. Wann sind solche Schätzungen eigentlich eingehalten worden? Beispiel Elbphilharmonie: Statt den geplanten 100 Millionen Euro, die anfänglich der Öffentlichkeit als Beruhigungspille präsentiert wurden, pendelt man sich mittlerweile bei satten 350 Millionen Euro ein. Soweit entfernt liegt der ursprüngliche Preis des Hamburger Konzerthauses von der Schätzung für den Bonner Wundertempel gar nicht. Und Fehlplanungen sind bei solchen Vorhaben wohl eher die Regel.

Und selbst die Baufinanzierung in Höhe von 80 Millionen Euro ist nach wie vor ungeklärt. Der Förderkreis von Herrn Grießl (da es ja auf einem privaten Engagement des Bonner IHK-Chefs beruht, braucht man in der Berichterstattung nicht ständig seine Funktion kommunizieren, dass macht der doch als Privatmann, wie mir Michael Pieck von der IHK bestätigte) kommt auf 2,7 Millionen Euro.

„Die Deutsche Post DHL hat 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt“, wie es der General Anzeiger sibyllinisch ausdrückt.

So richtig entschieden haben sich die Postler wohl noch nicht. Dann sollen noch zwei Unternehmer bereit sein, jeweils eine Million Euro zu geben. Sie wollen anonym bleiben, sagt der Herr Grießl. Die Suche der Stadtverwaltung nach weiteren Sponsoren bei großen Unternehmen blieb bislang erfolglos. Ganz anders als bei der Investitionsruine WCCB, wo man mit dem Investor SMI Hyundai Corporation sofort auf eine Goldader stieß…..

Also steht ja die Baufinanzierung des Festspielhauses, die nicht die Kasse der Stadt belasten soll, auf einem wirklich soliden Sockel. Was beim Betrieb des Honoratiorenbaus jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, so der GA.

Klingt irgendwie nach einer neuen Köpenickiade. Nach einem Gutachten der Stadtverwaltung soll übrigens die Sanierung und der Umbau der Beethovenhalle zu einem hochwertigen Konzertsaal rund 43 Millionen Euro kosten. Ob diese Summe nun künstlich aufgebläht wurde und der Preis für das Festspielhaus nach unten gedrückt wird, kann ich nicht beurteilen. Das Gutachten für die Beethovenhalle sollten sich neutrale Experten noch einmal anschauen.

Aber unabhängig von der Notwendigkeit, die Beethovenhalle wieder im alten Glanz erscheinen zu lassen: Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass die Beethovenhalle so herunter gewirtschaftet wurde? Schließlich wurde nicht nur die Architektur des Hamburgers Siegfried Wolske international bejubelt, sondern auch das Akustik-Konzept des Göttingers Erwin Meyer. Wer garantiert eigentlich, dass das beim Festspielhaus anders läuft, wenn nicht ausreichende Finanzmittel für den Unterhalt des Gebäudes zur Verfügung stehen – wo Bonn doch finanziell aus den Vollen schöpfen kann? Zitat aus dem GA:

„Bei den Bädern (die man schließen will, gs) geht es nach GA-Informationen weniger um das Einsparen von Betriebskosten, sondern um Millionen, die für eine überfällige Sanierung dieser Bäder benötigt würden – Millionen, die die Stadt nicht hat. Folgt man den Hunderten Seiten zum Haushaltsentwurf 2013/14, so zittert das Rathaus inzwischen bereits vor einigen 100.000 Euro, die die Stadt vom Haushaltssicherungsgesetz oder gar dem Nothaushalt trennen.“

Der Stadtkämmerer ist echt zu beneiden. Irgendwie logisch, dass er für das Festspielhaus keinen Businessplan auf den Tisch legt. Könnte ja Badebegeisterte, Sportler und Rheinkultur-Fans etwas aus der Fassung bringen.

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten verdoppeln oder verdreifachen?

Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich?
Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich? Fragen über Fragen, die mich mir als Bonner Bürger stelle. Und Antworten möchte ich nicht nur von irgendwelchen ehrgeizigen Privatleuten, die sich lautstark für einen neuen Prachtbau ins Zeug legen. Die Antworten erwarte ich von der Stadtverwaltung, die hier politisch die Verantwortung trägt.

Und ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich diese Fragen stellt. Deshalb wäre es doch höchst spannend, etwas mehr ePartizipation und liquide Demokratie zu wagen. Wie das funktionieren kann, wurde bei einer Veranstaltung vom Haus der Architektur in Köln vorgestellt. Hannes Schleeh und meine Wenigkeit sorgten für die Liveübertragung im Internet via Hangout On Air.

Die beiden Hauptredner Sally Below und Julian Petrin sprachen von den Möglichkeiten der kollaborativen Wende für die Planungskultur in Städten, die das Netz bietet. Das Desaster mit Stuttgart 21 sei so etwas wie der Turning Point, so Petrin. Es gebe auch in Hamburg eine aufgeheizte Stimmung mit vielen kritischen Initiativen, die es fast unmöglich machen, nach der alten Top Down-Devise zu handeln.

Crowdsourcing the City sei ein guter Hebel, um eine neue Kultur der Beteiligung zu ermöglichen.

„Die Menschen wollen mitreden und verlangen Transparenz“, erklärt Below, die das Beispiel „Dresdner Debatte“ vorstellte.

Petrin verwies auf das Projekt nexthamburg, mit dem man neue Wege in der Planungskommunkation geht. Das Social Web biete dafür die besten Voraussetzungen, weil jeder sowohl Sender als auch Empfänger sein könne. Im Gegensatz zur üblichen Gesprächskultur von Stadtverwaltungen, politischen Gremien, Verbänden, Förderkreisen und Stiftungen.

Gleiches sollte auch in Bonn praktiziert werden. Diktate von Honoratioren gibt es genug. Bislang kommen mir die Festspielhaus-Freunde wie Kleinkinder vor. Bekommt das Lieblingsspielzeug einige Kratzer, landet es in der Ecke und man malträtiert Mutti und Vati solange, bis ein neues funkelndes Spielzeug angeschafft wird. Könnte für die Bürgerinnen und Bürger in Bonn ein teurer Spaß werden. Man sollte sie einfach mal fragen, ob sie das wirklich wollen. Die Lautsprecher Grießl und Co. sind mir einfach nicht repräsentativ genug.

Aber vielleicht wollen diese „Freunde“ auch nur eine neue faustische Sonate inszenieren.

Siehe auch:
Jeder kann ein Sender werden.

Kulturpolitischer Provinzialismus.