Die große Frage lautet: Wem gehört die digitale Agenda im Unternehmen?

CIOs können sich nicht mehr als interne Dienstleister zurücklehnen und Anfragen abarbeiten.

„Der CIO muss intern ein Beziehungsnetzwerk aufbauen und pflegen. Das verlangt nach Lobbyarbeit in der eigenen Organisation“, betont Mark Hayes vom Beratungshaus Harvey Nash.

Also Kontakte zu Einkauf, Marketing, Vertrieb, Logistik und anderen Abteilungen. So dürfen Einkäufe nicht am CIO vorbeigehen, wie es Axel Oppermann beschrieben hat. Der CIO müsse sich hier als unverzichtbarer Tech-Experte verankern. Auch da wächst der Konkurrenzdruck, erklärt Hayes.

„Es gibt immer mehr CDOs mit eigenem IT-Budget. Das führt intern zu Konflikten.“

Um zukunftsfähig zu sein, müssen CIOs sich neu erfinden.

„Deutschland braucht neue CIOs. Im Vergleich zu den vergangen fünf bis zehn Jahren werden in Unternehmen andere Fähigkeiten nachgefragt“, sagt Hayes.

Technologische Kenntnisse sind die Basis. Dazu kommen neue Themen wie Data Science, Big Data, Open Source, Forschung und Entwicklung, digitale Expertise, Plattform-Strategien.

„Große Unternehmen legen eine digitale Strategie fest. Das allererste was sie machen: Sie tauschen die CIOs aus“, weiß Hayes.

Viele etablierte IT-Führungskräfte können mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten.

Wir werden uns die Wechselmeldungen genauer anschauen. Hier ausführlich nachzulesen.

Die Debatte um die künftige Rolle der CIOs wird fortgesetzt. Interesse an Interviews?

Siehe auch:

Die (notwendige) neue digitale Denke des CIOs.

Advertisements

Agile Sau rennt durchs Dorf

Stefan Pfeiffer vom CIO-Kuratorium hat einen interessanten Beitrag im Manager Magazin zur Agilität kommentiert:

„Ich weiß, ich bin jetzt nicht management-konform, aber dieser Beitrag von Andreas Seitz spricht mir in vielerlei Beziehung aus dem Herzen. Auch ich habe den Eindruck, dass mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben wird, statt an die Ursachen zu gehen.“

Die Unternehmen seien mittlerweile voll von agilen Coaches und agilen Führungskräften und alle sind in agilen Märkten mit agilen Wettbewerbern unterwegs.

„Agile Autoren schreiben agile Ratgeberbücher. Alles wird agilisiert, bis zur Verzerrung. Fast verzweifelt erzählen Konzernmenschen vom Agilitätsmantra ihrer Chefs, deren eigene Agilität sich aber zumeist auf Auftritte in Jeans und Turnschuhen beschränkt. Forever young kann tragisch sein – auch wenn in Berliner Cafés Mitfünfziger auf ihrem Macbook an der neuen digitalen Welt schrauben. Das ist allenfalls bieder. Bewahrend statt aufbrechend“, so Seitz.

Pfeifen im Walde könnte man das nennen, wie bei New Work. Das Ganze setzt zu spät an.

„Unternehmenskulturen haben ein extremes Beharrungsvermögen. Das sehe ich bei Firmen, die agile Methoden eingeführt haben. Da habe ich sehr stark das Gefühl, dass das Pendel wieder zurückschwingt. Nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern weil sich die Machtpositionen wieder verändert haben“, sagt Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius im CIO-Kurator-Interview.

Siehe auch:

CIO als Chefstratege im Unternehmen?

Über die digitale Entmündigung der Unternehmen #CIOKurator #CIODebatte

Sind Unternehmen wirklich noch Herr ihrer IT? Axel Oppermann bezweifelt das. IT und digitale Prozesse seien zwar elementar für bestehende und neue Geschäftsmodelle. Dennoch werde sich die IT-Wertschöpfungstiefe reduzieren.

„Aktuelle Beispiele sind Cloud-Computing und Analytics; in naher Zukunft werden es Microservices, Business-Process-Services sowie KI- und AI-Systeme sein“, schreibt Oppermann in einem CIO-Kurator-Beitrag.

Eine Vielzahl von Unternehmen werde nicht mehr in der Lage sein wird, die eigentlichen Kernleistungen zu produzieren – vergleichbar mit der Automobilbranche. „Besonders die polypolistischen und monopolistischen Strukturen der IT-Industrie werden eine solche Abhängigkeit verstärken. Der Public Cloud Markt ist auf dem Weg zum Oligopol“, so Oppermann.

CIOs, IT-Verantwortliche, Einkäufer, CFOs und Geschäftsführer haben es in den vergangenen 20 bis 25 Jahren nicht geschafft, sich von den IT-Herstellern zu emanzipieren. Auch der Paradigmenwechsel in Richtung Cloud-Computing konnte nach Auffassung von Oppermann nicht genutzt werden, um eindeutig vorhandene Asymmetrien abzubauen.

„Durch die sich wandelnden Geschäftsmodelle der IT-Anbieter wird es zunehmend zu einer noch größeren Abhängigkeit – und nicht nur in Einzelfällen – zu einer digitalen Entmündigung der Anwenderunternehmen kommen.“

Schöner Stoff für die Fortsetzung unserer CIO-Debatte 🙂

Wer macht mit? Führe dazu Audio- und Video-Interviews.

Siehe auch:

Der CIO als Futurist #CIODebatte #CIOKurator

Digitalisierung ist mehr als IT und der CIO darf sich nicht nur als Herr von Daten und Systemen verstehen. Das ist der Tenor meiner Interviews in der Debattenreihe zum CIO von morgen für das Blogprojekt CIO-Kurator.

Oder anders ausgedrückt:

Aufgrund der Schnellebigkeit mit Informationstechnologie muss der CIO in der Lage sein, sich abzeichnende Trends genauso wie Technologien, die keine Zukunft mehr haben, einstufen und beurteilen zu können…Daneben sind stete Beobachtung des relevanten Marktes und die Fähigkeit zur Einschätzung langfristiger Entwicklungslinien für Investitionsentscheidungen, mit denen hohe Beträge auf lange Zeit festgelegt werden, unerläßlich…Der CIO muss die Möglichkeiten, die die Technologie eröffnet, nicht nur ahnen und beurteilen, er muss sie auch aktiv im Unternehmen umsetzen…Er benötige bereichsübergreifende Kompetenzen und sei ein Generalist. Das bekräftigt die Forderung nach der Position eines CIO, der die technologische mit der betriebswirtschaftlich-unternehmerische Seite verbindet.

Wir könnten jetzt auch Digitalisierung statt Technologie in den Text reinschreiben.

Aber wann ist das erschienen?

Vor 30 Jahren – statt CIO sprach der Autor vom Informationsmanager. In der Dissertation von Lutz Martiny: Informationsmanagement auf der Basis gewachsener Unternehmensstrukturen – Zusammenhänge, Probleme, Lösungsansätze in der Organisation und Datenverarbeitung Diss. D83, TU Berlin 1987

So richtig ist man da nicht vorangekommen, wie die Gespräche mit Lutz Martiny und Lutz Becker belegen.

Heute folgt ein Interview mit Mark Hayes von Harvey Nash.

Siehe auch:

Brauchen wir überhaupt noch CIOs?

Entkoppelte CIOs und der zu teure IT-Einkauf

Digitale Innovatoren gesucht

IT mit digitalem Anstrich – Das wird nicht reichen

Auf der Suche nach dem CIO von morgen