Jetzt wäre die Bazooka für Innovationsförderung gefragt, Herr Habeck

Der Mittelstand und auch die gesamte Gesellschaft befinden sich seit drei Jahren im Stress: Pandemie, explodierende Preise für Energie und andere Rohstoffe, die wiederum eine galoppierende Inflation befeuern; gesprengte Lieferketten und einbrechende Märkte in China und – aufgrund der Sanktionen – in Russland. „Und nicht zuletzt fehlt es im Mittelstand an einem der wichtigsten Rohstoffe für den Innovationsstandort Deutschland: Köpfe, aus denen die Ideen für Morgen entspringen. Und alle diese Herausforderungen haben irgendwie irgendwas mit nachhaltigem Wirtschaften angesichts einer erschöpften Erde zu tun“, schreibt Heinz-Paul Bonn in seinem Blog.

Da könne man in der Tat ins Schwitzen kommen. „Aber ohne Transpiration keine Inspiration. Und darauf folgen Innovationen, die sämtlich nicht bahnbrechend und epochal sein müssen, aber jeden einzelnen mittelständischen Betrieb ein kleines Stück voranbringen. Deshalb rechnet die KfW auch mit einer deutlichen Antragsflut bei der ZIM-Förderung. Und das, obwohl die Bedingungen nach dem Pausenpfiff deutlich verschärft wurden: Die Frist zwischen zwei Anträgen pro Unternehmen wurde auf zwei Jahre verlängert. Auch wenn der Bund die Mittel für die ZIM-Förderung 2023 ausweislich des Haushaltsentwurfs erhöhen will, erscheint die Fristverlängerung auf den ersten Blick kontraproduktiv. Denn besonders innovative Mittelständler werden so bestraft. Sie müssen sich weitere Finanzierungsquellen suchen, um ihre Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsprojekte voranzubringen. Das sind in der Regel die Hausbanken, die dann das Innovationsprojekt vorfinanzieren sollen. Aber seit die Leitzinsen steigen, wird auch dieser Weg immer schmaler. Ohnehin greift der Mittelstand längst seine Rücklagen an. Auch die Aussicht auf Mittelkürzungen, die dann drohen, wenn die Antragswelle tatsächlich heranrollen sollte, klingt kontraproduktiv. Wäre es nicht vielmehr sinnvoll, jetzt die Bazooka für Innovationsförderung herauszuholen, um jeden Kubikmeter Gas, jede Kilowattstunde Strom, jeden Kilometer Lieferstrecke einzusparen und umgekehrt jede neue Produktidee, jede Prozessoptimierung, jedes innovative Geschäftsmodell zu fördern? Statt durch Steuersenkungen auf Energiekosten diejenigen zu belohnen, die weiter aus ihren fossilen Quellen schöpfen, sollte das Innovationstempo im Mittelstand durch mehr Anreize forciert werden und jeder Antrag im Sinne der Energiewende, der Mobilitätswende, der digitalen Transformation großzügig und positiv bewertet werden.

So werden die Fördersätze für den Einbau einer Wärmepumpe gekürzt, was meinen Schornsteinfeger an die Decke brachte. Er ist auch Energieberater und bekam die Info via Pressemitteilung.

Früher bekam man bis zu 30.000 Euro Förderung für den Einbau einer Wärmepumpe, nach der Reform bis zu 24.000 Euro. Für einen Fensteraustausch konnte man früher bis zu 15.000 Euro bekommen, nach der Reform seien es 12.000 Euro.

O-Ton meines Schornsteinfegers: Man nutze die Sorgen der Hauseigentümer vor der drohenden Gasknappheit im Winter aus.

Hier macht der Bundeswirtschaftsminister keinen guten Job.

Siehe dazu auch das Gespräch mit Heinz-Paul Bonn am Freitag vertiefen – #SchubkraftTV.

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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