#NordStream2, wirtschaftliche Sanktionen und die Russland-Geschäfte amerikanischer Unternehmen

„Die Unter­stüt­zung der Bundes­re­gie­rung für den Bau von Nord Stream 2 war von Anfang an ein poli­ti­scher Fehler. Die Unter­zeich­nung der Verträ­ge für die Gaslei­tung nur wenig mehr als ein Jahr nach der Anne­xi­on der Krim ist in Moskau als Signal verstan­den worden, dass sich in Deutsch­land die Aufre­gung über den Krieg gegen die Ukrai­ne wieder legen werde. Wirt­schaft­lich und sicher­heits­po­li­tisch ist die Pipe­line gegen die von der EU unter­stütz­te Ukrai­ne gerich­tet, und das Berli­ner Mantra, es handle sich um ein privat­wirt­schaft­li­ches und nicht um ein poli­ti­sches Projekt, geht so weit an der Wirk­lich­keit vorbei, dass sich im Kreml die Ansicht verfes­ti­gen musste, der Westen sei entwe­der schwach und inkon­se­quent oder genau­so zynisch wie man selbst – oder alles zusammen“, kommentiert Reinhard Veser in der FAZ. Und er hat recht.

Genauso fehlerhaft sind allerdings die Reaktionen im politischen Milieu, die nach dem Gift­an­schlag auf Alek­sej Nawalnyj die Gaspipeline als Drohpotenzial für wirtschaftliche Sanktionen ins Spiel bringen. Besonders fragwürdig ist dabei die Rolle der US-Regierung.

Die Einschränkung der Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau dienten der USA schon häufig als Instrument der Außenpolitik – merkwürdiger Weise in der Regel unter Ausschluss des Geschäftes mit Getreide. So hielt US-Präsident Ronald Reagan das Gas-Geschäft von Westeuropa mit dem Kreml Anfang der 1980er Jahre für einen „defätistischen Pakt mit dem hungernden Beelzebub“.

Die wirtschaftliche Verstrickung mit der damaligen Sowjetunion prädestiniere vor allem die Bundesrepublik Deutschland zum Erpressungsopfer Moskaus. Es sei ein mystischer Drall nach Osten, der so oft schon Deutschlands Geschichte bestimmt habe.

Damals war die Ausrufung des Kriegsrecht in Polen der Aufhänger, um den Export von Energietechnologie zu torpedieren. Im Dezember 1981 beschloss Reagan eine Reihe von Sanktionen gegen die Sowjetunion – ein Getreideembargo wurde allerdings ausgeklammert. Die Exportverbote konzentrierten sich auf technische Geräte, die europäische Unternehmen für den Bau der Gasleitung benötigten.

Damals lieferten die USA mehr als drei Viertel ihrer Getreideausfuhren in die UDSSR. Die Boykottmaßnahmen trafen vor allem den Maschinenbau und die Stahlindustrie. Schaut man sich die Exportbilanzen an, wird die Pharisäerhaftigkeit der USA deutlich. Innerhalb der US-Exporte nahmen die Rohstoffverkäufe – überwiegend Weizen – den größten Anteil ein, während bei den westeuropäischen Exporten verarbeitete Produkte und Zulieferungen für langfristig vereinbarte Kooperationsprojekte dominant waren.

Entsprechend störanfällig waren die Geschäfte der Westeuropäer – das galt vor allem für Deutschland. Alles nachzulesen in meiner VWL-Diplomarbeit aus dem Jahr 1988. Die Schlussbemerkung über die Wirkung der Embargo-Politik will ich Euch nicht vorenthalten, weil man sie recht schön mit der aktuellen Lage vergleichen kann.

Abhängigkeiten sind nicht notwendigerweise Verwundbarkeiten, und selbst Verwundbarkeiten bieten keine Gewähr für den Erfolg von Wirtschaftssanktionen. In der Politik wurden Anfang der 1980er Jahre die Möglichkeiten von Wirtschaftssanktionen überschätzt. Gerade durch die größten Rohstoffvorkommen der Welt besaß die Sowjetunion und besitzt Russland auch ein Stück Unabhängigkeit.

„Und wenn es darauf ankommt, vollzieht sich diese Unabhängigkeit und Selbständigkeit auch auf dem technologischen Sektor. Einige Erdgaspipelines hat die UDSSR ohne westliche Hilfe fertiggestellt“, schrieb ich 1988.

Der Ost-West-Handel eigne sich nicht als Reservespieler der Außenpolitik, er ist kein politisches Wundermittel und kein schlagkräftige Druckmittel. Geschädigt wurden vor allem Unternehmen wie Mannesmann, die Ruhrgas AG und viele mittelständische Unternehmen in Deutschland, die Spezialwerkzeuge, Maschinen und Komponenten für die Energieprojekte der Sowjetunion liefern sollten. Politisch ist das Embargo verpufft.

Auch jetzt entwickelt sich ein ähnliches Szenario: Die Sanktionspolitik der USA gegenüber Moskau achtet sehr genau darauf, wie Drittstaaten gegenüber Russland handeln und droht mit Strafen, wie beim Streit um die Ostssee-Pipeline.

Schaut man sich die wirtschaftlichen Verflechtungen der USA mit Russland etwas genauer an, so zählen amerikanische Unternehmen zu den größten Investoren in Russland mit einem Wert von rund 39 Milliarden Dollar.

Diese Geschäfte würde Trump nie in Frage stellen. Er weiß, wie schwach die Exportgeschäfte seines Landes laufen. Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Wenn die USA Sanktionen gegen Russland fordert, dann immer auf Kosten europäischer Firmen. So war es in den 1980er Jahren und so ist es heute.

„Awesome, terrific! That’s great“ – Kasse machen mit Bullshit-Bingo im Digitalen

„Meine Vorgesetzten wollten vor allem Leads, also Inhalte, die zu Umsatz führten: Blogposts, Listicles, Katzen-Content – jeden Scheiß, solange er Leute anlockte, denen sie Hubspots Software verkaufen konnten“, so Techjournalist Dan Lyons im Interview mit Business Punk. Je länger er dabei war, desto klarer wurde ihm, dass es so ein Gruppending ist und ein wenig wie Gehirnwäsche. Es gehe um etwas, das es auch bei anderen Startups gibt, den „cultural fit“. Über deinen Erfolg entscheidet allein, ob du dazwischenpasst und keiner, der anders denkt. Die Leute bei Hubspot waren so unbedarft. „Sie haben alles geglaubt, was man ihnen erzählt hat. Vollkommen egal, was ihr Vorgesetzter ihnen erzählt hat, selbst wenn er am Vortag das komplette Gegenteil behauptet hatte. Sie sagten zum einen wie zum anderen: ‚Awesome, terrific! That’s great.'“ Es sei eine sehr seltsame, homogene Kultur junger, weißer Leute. „Der gleichen Art junger, weißer Leute. In den USA gibt es eine ziemlich große Bandbreite von ‚weißen Leuten‘, aber Hubspot hatte nur eine Sorte.“

„Diese Firmen sind gar keine richtigen Firmen. Sie sind Finanzprodukte. Eine kleine Lore, die man runter in die Salzmine schickt und die gefüllt mit Geld wieder rauskommt. Nur aus diesem Grund gibt es diese Firmen. Das veränderte meine Sicht auf den Ort, an dem ich arbeitete, komplett. Mir wurde klar: Unser Produkt ist nicht die Software. Das Produkt ist die Firma selbst. Am Ende bestand mein Job darin, dazu beizutragen, eine Geschichte zu erfinden, die hilft, der Wall Street Aktien anzudrehen. Eine Geschichte, auf die nicht nur Investoren reinfallen, sondern auch die Angestellten“, erläutert Lyons.

Man holt sich Typen, die am College Lacrosse spielen, steckt sie in einen Raum und sagst Ihnen: Du bekommst 35.000 Dollar, Pizza Bier und fangt an zu verkaufen. In der Startup-Welt gebe es viele solcher Arbeitsplätze, die im Grunde Sweatshop-Jobs sind. Die anderen werden mit Storys von Weltfrieden, besseren Orten und Purpose versorgt. Opium für jene, die etwas Sinnvolles in ihrem Leben erreichen wollen.

Die wahren Gläubigen machen schnell Karriere. Alle anderen sortiert man aus. Wer den ganzen Tamtam mitmacht, hat Erfolg.

Die Erkenntnisse des früheren Newsweek-Redakeurs Dan Lyons sind ein Vademekum zur Überprüfung von digitalen Heizdecken-Verkäufern:

„Im Online-Marketing gibt es eine Reihe von Euphemismen, die beschönigen sollen, dass wir Spam verschicken. Wir bekommen zum Beispiel eingeschärft, dass wir mit unseren E-Mail-Kampagnen die Menschen nicht etwa belästigen oder stören, sondern sie vielmehr ‚pflegen’.“ Das „Lead Nurturing“, die Pflege möglicher Kundenkontakte, sei sehr wichtig. Angesichts dieser Dreistigkeit bleibe einem wirklich der Mund offen stehen. „Es ist Doppelsprech wie bei Orwell: Nacht ist Tag, schwarz ist weiß, schlecht ist gut. Unser Spam ist kein Spam, sondern das Gegenteil von Spam, geradezu Anti-Spam. Er ist ein Abwehrschild gegen Spam, ein Spam-Kondom“, resümiert Lyons.

Bei einem Berliner Startup konnte ich übrigens ähnliche Erfahrungen sammeln. Da ging es um Avatar-Welten im Business. Viele CEOs von DAX-Konzernen gaben sich damals die Klinke in die Hand und fielen auf die hohlen Sprüche und tollen Präsentationen im Partystil herein. Man wollte einfach so cool und so partygeil sein, wie die Firmengründer. Erwin Staudt und Co. können ein Lied davon singen – gelle.

Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, bläst sich auf

Vor Jahren schrieb ich ein beratendes Gedicht-Fragment über das Ich-Syndrom im Netz:

Deine tägliche Powerpoint-Folie gib uns heute,
Projektionsflächen mit Wald- und Wiesenweisheiten,
Phrasen im Dreiviertel-Takt,
Nervensäge der Expertokratie.

Hohlräume unter der gelackten Fassade,
Keynote-Speaker der Irrelevanz,
Bulletpoints mit Bullshit im Designer-Outfit,
Semantischer Brei im Zufallsmodus.

Geheiligt ist Dein Wichtigtuertum,
Gesegnet Deine Excel-To-Do-Listen,
Gepriesen sind Deine Budapester Schuhe von der Kö oder roten Edel-Sneaker,
Du predigst Lösungen für erfundene Probleme.

Dein Gedankenreich ist geklaut,
Dein Wille für den nächsten Auftrag ungebrochen.

Demütig schreibst Du an Deiner Autobiografie mit dem Titel „ICH“ und der Unterzeile „Und nur ICH“.

Auf Deinem Grabstein ist zu lesen:
„Hier liege ICH und kann nicht anders“.

Ruhe in Frieden auf dem Friedhof Deiner Eitelkeiten.
Amen.

Leider hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Im Gegenteil. Es ist schlimmer geworden, wie Georg Franck im brandeins-Interview konstatiert. Er prägte vor rund 20 Jahren den Begriff der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“: „Es geht nicht um ein persönliches Anliegen oder um einen bestimmten Inhalt, es geht einzig darum, eine möglichst große Resonanz zu erzielen. Hier wird Aufmerksamkeit zum Selbstzweck.“

Claqueure und Seifenblasen

Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, bläst sich auf oder kauft sich gleich ein ganzes Imperium an Sendeformaten und Claqueuren, um der Welt die Wichtigkeit des eigenen Daseins zu demonstrieren. Zu den Meistern der kommunikativen Seifenblasen zählt die Firma Andreessen Horowitz (gegründet von Marc Andreessen und Ben Horowitz), die ihr Kapital in einigen der höchstbewerteten Silicon-Valley-Unternehmen angelegt hat. Dahinter steht eine „Publicity-Maschinerie“ mit eigener PR-Abteilung und befreundeten Journalisten in der Hightech-Presse. Im Frühling 2014 erlebten die Aktien von Softwareabonnement-Anbietern – im Fachjargon SaaS für ‚Software as a Service’ – einen Kurseinbruch.

„Andreessens Content Factory machte sich an die Arbeit. Das Unternehmen stellte Blogposts und Podcasts ins Netz, die erklärten, wie missverstanden doch SaaS-Unternehmen seien. Die Anleger begriffen einfach nicht, wie ungeheuer ertragreich sie einmal sein würden. Die Podcasts quollen über vor verwirrenden Fachbegriffen, Abkürzungen und Messwerten, die sich die SaaS-Branche ausgedacht hat, um ihre eigene Leistung darzustellen. SaaS ist immer noch ein ganz junges Geschäftsfeld und es ist schwer, wenn nicht unmöglich, die Unternehmen aussagekräftig miteinander zu vergleichen“, so der frühere Newsweek-Redakteur Dan Lyons. Im Juni 2014 stoppten die SaaS-Aktien ihre Talfahrt und arbeiteten sich langsam wieder nach oben.

Freibier, Shrimp-Cocktails und Geschlechtskrankheiten

Aber gegenüber Salesforce-Chef Marc Russell Benioff sind wohl selbst Andreessen und Horowitz noch Waisenknaben. Das Forbes Magazine schätzte vor ein paar Jahren sein Vermögen auf vier Milliarden US-Dollar. Entsprechend gigantisch wird die Hausmesse „Dreamforce“ aufgeführt. Benioffs Auftritte seien Großtuerei und seine Kundentagung würde einer viertägigen Orgie ähneln. „Caligula wäre begeistert über diesen Triumph der Vulgarität und Verschwendung mit Freibier, endlosen Shrimp-Cocktails und einer Geschlechtskrankheiten-Ansteckungsquote, bei der die Fleet Week der US Navy kaum mithalten kann. Ich komme mir vor, als schaue ich ins Land Mordor hinab. So viele verlorene Seelen! Diese aufgewerteten Gebrauchtwagenhändler, diese Leute, zu deren Job es gehört, die Kunden zu überrumpeln und zu beschwindeln, deren Lebenssinn es ist, ihre Vorgabe zu erfüllen.“ Jeden Monat, jedes Quartal, jedes Jahr: verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Das seien die Leute, die sich das Internet, eine der wunderbarsten und meistversprechenden Erfindungen aller Zeiten, unter den Nagel gerissen, es mit Reklame verdreckt und es zu einem großen Versandhandel gemacht haben. „Kein Wunder, dass diese Zombies einmal im Jahr ihre Woche in San Francisco brauchen, um bei Deepak Chopra, einer Prise Kokain und vielleicht einer kanadischen Prostituierten auszuspannen und sich toll vorzukommen“, erläutert Lyons.

Am letzten Tag, der von Lyons besuchten Dreamforce, hält Chopra einen Vortrag. „Er ist ein guter Freund Benioffs. Chopra faselt vor sich hin; irgendwie geht es um Freude, Sinn, Zusammengehörigkeit und wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Der alte Spruch des Komikers W. C. Fields kommt mir in den Sinn: ‚Wenn du sie nicht mit Genialität blenden kannst, überwältige sie mit Geschwätz.’ Er könnte nicht nur Chopras Vortrag, sondern der ganzen Konferenz als Motto dienen. Benioff und seine karitative Angeberei, der Trockeneisnebel, die Konzerte und Comedians: All das hat nichts mit Software oder Hightech zu tun. Es ist eine Show, mit der die Gäste unterhalten, der Verkauf gefördert und der Aktienkurs hochgetrieben werden soll.“

Wer hat den Größten?

Motto: Meiner ist größer! Meiner ist der größte! Benioff habe eine Art Finanzalchemie erfunden, bei der man Geld nicht nur aus dem Nichts, sondern aus Verlusten schafft. „Je mehr er für Partys zum Fenster hinauswirft, desto reicher wird er“, schreibt Lyons.

Das Zauberwort zur Entzauberung des netzmedialen Trumpismus heißt nach Auffassung von Wolf Lotter Diskursfähigkeit. Also das, woran es nicht nur dem Gebrüll von Trump, Benioff und Co. mangelt, sondern auch der Gesellschaft und den zahlreichen, nur nach Selbstbestätigung gierenden Menschen. Bohrende Fragen stellen, hinter die Kulissen und unter die Motorhaube des Marketing-Nebels schauen, das wären wohl erste Maßnahmen, um wieder klarer in der Netzöffentlichkeit sehen zu können. Nicht Mitklatschen und alles bejubeln, sondern kritische Debatten führen.

Dem USA-Kurs gegen China sollte Europa nicht folgen

„US-Außenminister Mike Pompeo will die Europäer für einen harten Kurs gegenüber der aufstrebenden Großmacht China gewinnen. Die EU und die USA müssten im Interesse „der Erhaltung unserer freien Gesellschaften, unseres Wohlstandes und unserer Zukunft“ zusammenarbeiten, um den Herausforderungen zu begegnen, sagte Pompeo in einer Videokonferenz der US-Stiftung German Marshall Fund“, berichtet der Spiegel.

„Die Herausforderung, die wir gemeinsam versuchen zu lösen, besteht darin, wie wir Freiheit und Demokratie auf beiden Seiten des Atlantiks bewahren und unsere Bürger schützen können“, sagte Pompeo.

Das ist rührend formuliert von Pompeo. Aber das ist ja nicht der Beweggrund für die Aktivitäten gegen China.

Der amerikanische Konfrontationskurs soll die hausgemachten Schwächen im eigenen Land kaschieren – ein klassisches Wag-the-Dog-Szenario.

Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Deshalb setzt Trump im Handelskonflikt mit China auf Strafzölle, die wohl auch Biden bei einem Wahlsieg nicht zurücknehmen wird. 

Wir sollten in Europa nicht so blind sein, dieser Leimspur zu folgen. Egal welcher Kandidat das Präsidentschaftsrennen für sich entscheidet – Trump oder Biden.

#bpbforum Warum @realDonaldTrump und auch die Demokraten auf Protektionismus setzen

Im digital hat Professor Andreas Falke einige superwichtige Fakten über die Lage der Volkswirtschaft in den USA dargelegt, die wir uns in Deutschland und Europa noch einmal genauer anschauen sollten.

Vor allem die Schwachpunkte der amerikanischen Wirtschaft:

Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Deswegen setzen Trump, die Republikaner und auch die Demokraten auf Protektionismus, um die Schwächen der heimischen Wirtschaft zu kaschieren. Deshalb setzt Trump im Handelskonflikt mit China auf Strafzölle, die wohl auch Biden bei einem Wahlsieg nicht zurücknehmen wird. Das vermutet zumindest Professor Falke. Ich teile diese Einschätzung. Biden wird eine Charme-Offensive in Europa starten, um gemeinsam gegen China vorzugehen. Europa sollte eigene Wege gehen.

Wer sind die Profiteure der wirtschaftlichen Gemengelage in den USA?

  • Besitzer von geistigen Eigentumsrechten (Tech Companies, Google, Amazon, Facebook, Apple)
  • Und die, die vom Export von Schuldtiteln profitieren

Politische Konsequenzen:

  • USA hat zu wenig getan, um Güterexporte zu stärken.
  • Folglich haben auch die Arbeitnehmer in diesen Bereichen nicht profitiert, sondern nur die, die in Steueroasen „investiert“ haben – also die Superreichen.
  • Über diese Verwerfungen müsste eigentlich die innenpolitische Debatte gehen – weder Biden noch Trump haben das auf ihrer politischen Agenda.

KI, Plattformen und die durchlöcherte Innovationstheorie von #Schumpeter: Autorengespräch mit @thomasramge @MurmannVerlag

Dystopische Szenarien können helfen, den Blick für die Gefahren durch den Missbrauch von KI von Menschen gegen Menschen zu schärfen. „Doch nur ein gut begründetes, optimistisches Zukunftsbild, in der KI zum Wohl von allen Menschen in pluralen Gesellschaften wirkt, kann konstruktive Hinweise geben auf die Frage: Wie können wir KI-Technologien so einsetzen, dass sie viel mehr Menschen viel mehr nützen als schaden?“, fragt sich Thomas Ramge, Autor des Buches „postdigital“. Beide Szenarien werden in dem Opus von Ramge ausführlich beleuchtet.

Etwa die Rolle von Feedbackdaten für lernende Systeme: „Die Skaleneffekte des Industriekapitalismus haben Produkte günstiger gemacht und damit zugänglich für mehr Kunden. Die Netzwerkeffekte der Informationswirtschaft haben die erste Phase des digitalen Kapitalismus geprägt, indem sie den Aufstieg von datenreichen Marktplattformen begünstigten, aus denen die heute wertvollsten und profitabelsten Unternehmen der Welt hervorgingen. Beide Effekte beschleunigten die von Marx vorhergesagte Konzentration der Märkte, doch gegen beide gab es jenseits des Kartellrechts immer ein Mittel, Oligopole zu brechen: die kreative Zerstörung mithilfe guter Ideen. Das war nie leicht, schon gar nicht bei gut etablierten Plattformen, aber Facebook löste MySpace nahezu über Nacht ab, Apple verdrängte Nokia mit einem einzigen Produkt, und wer kennt heute noch den Namen Netscape? Die bessere Idee schlug auch in der IT-Industrie in bester Tradition von Joseph Schumpeters Innovationstheorie zu“, erläutert Ramge, Research Fellow am Weizenbaum-Institut in Berlin.

Die Feedbackeffekte durchlöchern die Innovationstheorie von Schumpeter. Sie haben etwas Alchimistisches: Sie schaffen den Rohstoff selbst, mit dem sie sich verbessern. KI teilautomatisiert die Innovation. Die Start-up-Davids mit den guten Ideen werden die datenreichen Goliaths immer seltener schlagen können. Die Innovationsrate sinkt. Fehlende Vielfalt im Markt wiederum heißt weniger Wettbewerb. Und weniger Wettbewerb heißt weniger Anreiz zu Innovation. Die vergangenen zehn Jahre war die digitale Regulierungsdebatte von der Frage bestimmt: Wie schützen Gesetze die Privatsphäre von Nutzern und Bürgern? In den kommenden zehn Jahren wird die große Frage lauten: Wer darf welche Daten nutzen?

Im Buch bezieht sich Ramge auf den Blogger und Plattform-Kenner Michael Seemann: „Der blinde Fleck des Datenschutzes ist folgender: Facebook ist nicht so mächtig, weil es so viele Daten hat. Es ist mächtig, weil es die Daten exklusiv hat, sie exklusiv auswerten darf und damit exklusive Inhalte erstellen kann.“

Die Plattformen der Internet-Giganten sind in der Lage, durch Internalisierung bestimmter ökonomischer und gesellschaftlicher Übereinkünfte, Regeln und Prozeduren, sowie deren Unterwerfung unter die eigenen Geschäftsmodelle (nennen wir es „take-over“), die Spielregeln von Angebot und Nachfrage, von Märkten und Branchen, von Kultur und Gesellschaft, von Arbeit und Kapital, substanziell und radikal zu verändern und damit den Markt und in der Folge Gesellschaften digital zu kolonialisieren, nämlich spätestens dann, wenn die Plattformen faktische Voraussetzung zur Teilnahme an Markt oder Gesellschaft werden.

Plattformen vernichten Märkte

Professor Lutz Becker spricht gar trefflich von der Marktfiktion, die die digitalen Plattformen erzeugen. Der Markt als sozio-kulturelle Veranstaltung verschwindet in den Untiefen der Plattform-Algorithmen. Man mag nun angesichts des gerne beschworenen Begriffes vom ‚Digital Marketplace‘ meinen, dass Plattformen, wie Amazon, Facebook und Uber, die Funktionen des Marktes reproduziert und dazu noch zu einem größeren Angebot (durch Vergrößern des Marktes und Senken von Marktschranken), Effizienz (durch Senkung von Transaktionskosten und mehr Transparenz) geführt hätten.“ Das ist Mimikry.

Auf Chatbot- und KI- basierten Plattformen, insbesondere unter den Bedingungen von (Big-) Nudging sieht das anders aus. Es dominieren mehr oder weniger fest verdrahtete Sequenzen von Regeln, die sozio-technische Abläufe präzise strukturieren, automatisieren und/oder bewerten, um bestimmte ökonomische Ziele zu erreichen.

„Der Nutzer reagiert einseitig auf die Plattform, während auf der Plattform nur ein algorithmisches System, also in einem einseitig kontrollierten Prozess, eine Illusion wechselseitiger Kontingenz erzeugt wird, die mit einem ‚Verlust von Partitäten‘ einhergeht“, führt Becker aus.

Entscheidend ist also das Geschäftsmodell und nicht mehr, dass sich die Preise über Angebot und Nachfrage bilden, sondern von einem Algorithmus die Profitraten der Plattform durch Werbeeinnahmen oder Vertriebsprovisionen und am Ende den Shareholder-Value maximiert. Man könnte auch sagen, dass die Plattformen wie ein Schwarzes Loch den Markt ansaugen und verschlucken.

Es dürfte für jeden eine Plattform dabei sein, um sich die Aufzeichnung des Autorengesprächs mit Thomas Ramge anzuschauen:

Gibt es Viren im Weißen Haus? @realDonaldTrump – @bpb_de #Politikstunde um 11 Uhr mit Christoph Bieber @drbieber

Gibt es Viren im Weißen Haus? Wer zieht gegen Donald Trump in den teuersten Wahlkampf der US-Geschichte? Wie wirkt sich die Ausbreitung des Coronavirus auf die weitere Organisation der Kampagne, die Nominierungsparteitage und die Wahlen im November aus?

Fragen über Fragen, die auch der Politikwissenschaftler Christoph Bieber sicher nicht beantworten kann – aber vielleicht hat er einige Ideen, wie insbesondere die Nutzung digitaler Formate in den kommenden Wochen ein Ersatz für das sonst sehr reise-und kontaktfreudige US-Campaigning darstellen können.

Einschalten um 11 Uhr und mitdiskutieren.

2005 im Deutschlandfunk @DLF: Frithjof Bergmann und die Neuorganisation der Wirtschaft

Bei meinen Recherchen über FB ist mir doch glatt auch noch ein eigener Beitrag aufgefallen, den ich für den Deutschlandfunk angefertigt habe – vor 15 Jahren. Hatte ich nicht mehr im Gedächtnis – man wird alt. Hier ist noch einmal die Textversion:

Im November 1904 erklärte Max Weber in seiner Abhandlung „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ den Glauben als Triebfeder des Handelns auch in der Wirtschaft. Diese Triebfeder hat ihre Spannkraft verloren, die Kraft des Visionären fehlt, der große überzeitliche Spannungsbogen des Lebens ist zu einer kleinen Matratzenfeder verkommen, man will einfach nur weiter gemütlich und bequem liegen bleiben.

Max Weber ist genauso vergessen wie Nell-Breuning oder Müller-Armack. Es ist symptomatisch, dass ein Amerikaner, Frithjof Bergmann, Ideen für eine neue Kultur der Arbeit entwickelt hat und sie nun in Deutsch vorliegen – und hierzulande vielleicht auch die Reformdebatte beeinflussen könnten. Immerhin basieren diese Ideen auf Beobachtungen der Wirtschaftswelt.

Ein bisschen mehr arbeiten. Ein bisschen mehr Bildung. Ein bisschen mehr Innovation. „Diese Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu benutzen, ist das Gleiche, als würde man eine Tasse Wasser zu einem Waldbrand bringen,“ so der Philosoph Frithjof Bergmann. Der Geisteswissenschaftler muss es wissen, denn er hat sich theoretisch und praktisch sein ganzes Leben mit der Beziehung zwischen Mensch und Arbeit beschäftigt. Zum ersten Mal war es in den Wäldern von New Hampshire. Dorthin hatte Bergmann sich zurückgezogen, nachdem er sich als Tellerwäscher, Preisboxer, Hafenarbeiter und Bühnenautor in den USA durchgeschlagen hatte. Er suchte ein alternatives Leben, wollte unabhängig sein und hatte beschlossen, sich selbst zu versorgen. Nach zwei Jahren gab er auf. Denn statt frei, fühlte er sich als Sklave der harten körperlichen Arbeit, die er mit einfachen Werkzeugen zu verrichten hatte, um sein karges Dasein zu sichern. Er fing an, Philosophie zu studieren, promovierte und lehrte in Princeton, Stanford, Chicago und Berkeley. Und während um ihn herum immer mehr Arbeitsplätze abgebaut wurden, analysierte Frithjof Bergmann das klassische Lohnarbeitssystem und entwickelte ein Alternativmodell. Er nannte es neue Arbeit. Das war vor mehr als 20 Jahren. Bergmann hat seine Erkenntnisse jetzt für den deutschen Markt aufbereitet in dem Buch „Neue Arbeit, Neue Kultur“.

Seine zwei wichtigsten Arbeitshypothesen werden uns jeden Tag in der Wirtschaftspresse präsentiert. In Zukunft werden weltweit noch viel mehr Arbeitsplätze abgebaut, als wir uns heute vorstellen können. Grund sei weniger die Verlagerung in Niedriglohnländer, sondern die zunehmende Automatisierung von Arbeitsprozessen (ein Dauerbrenner auch heute).

Ein wachsender Dienstleistungssektor könne niemals hier Ersatz schaffen, da gerade hier die Automatisierung noch schneller Platz greife als in der Industrie. Die Lösung von Bergmann klingt zunächst simpel: Die Arbeitszeit eines Menschen wird gedrittelt: Ein Drittel der Zeit verbringen wir mit der bisherigen Lohnarbeit. Das zweite Drittel gehen wir einer Beschäftigung nach, die wir „wirklich, wirklich wollen“. Und ein Drittel unserer Zeit nutzen wir dazu, uns selbst zu versorgen, und zwar mit „High-Tech-Eigen-Produktion“.

Wir könnten eine Reihe von Geräten, Apparaten, Materialien, Maschinen und Herstellungsarten entwickeln, die es uns ermöglichen würden, 60 bis 80 Prozent von dem, was wir zum Leben brauchen, selbst herzustellen. Dann könnten wir das fabelhafte, unabhängige Leben führen, von dem ich einen Vorgeschmack erhalten habe – ohne im Schweiße unseres Angesichts mit einer Bogensäge Holz schneiden zu müssen.

Das klingt sehr nach Sozialromantik im Sinne des Dichters Henry David Thoreau. Davon ist Bergmann allerdings weit entfernt. Seine Vorschläge sind pragmatisch, und die Analyse des klassischen Arbeitsmarktes können auch Wirtschaftswissenschaftler nicht von der Hand weisen. Die gute alte Zeit des Industriezeitalters ist vorbei. Die Massenproduktion reicht nicht mehr aus, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen.

Es ist eine Tatsache, dass die Fabriken, wie wir sie heute kennen, auf geradezu absurde Weise ineffizient sind – innovativere und ideenreichere Ingenieure werden das jederzeit bestätigen, und sie meinen dabei keine Kleinigkeiten. Nein, sie meinen damit die grundlegendere, sozusagen ‚archetypische‘ Tatsache, dass wir immer noch kilometerlange Fließbänder haben und entlang dieser Fließbänder Hunderte von einzelnen Robotern, die im Grunde nur eine einzige, eng begrenzte Funktion erfüllen. Für viele Ingenieure erscheint dies heute plump und offensichtlich überholt. Die Planung kleiner Produktionswerkstätten wird also nicht nur von der Neuen Arbeit vorgeschlagen.

Dieser Trend zeichnet sich selbst in Großkonzernen ab. Auch große Unternehmen haben erkannt, wie vorteilhaft es sein kann, „klein“ zu sein, Produktion und Dienstleistungen auszulagern und von Spezialisten übernehmen zu lassen. Renault baut in Rumänien ein Auto, das alle westlichen Standards erfüllt und nur 5000 Euro kostet. Bei der Produktion setzt man nur wenige Roboter ein: Man konzentriert sich auf das Wesentliche, vereinfacht die Produktionsschritte und kombiniert die handwerklichen Fähigkeiten der Arbeitskräfte mit flexiblen High-Tech-Verfahren.

So kann man sich den Veränderungen von Märkten schneller anpassen, in Kundennähe produzieren und sorgt für neue Arbeit. Nach Ansicht von Bergmann ist die Zeit der Riesenunternehmen vorbei: Ein Aspekt, der für die „alten“ Industrien besonders schmerzlich, für die „neuen“ Industrien jedoch besonders viel versprechend ist. Er besteht, kurz gesagt, darin, dass die machtvollen sich gegenwärtig entwickelnden Technologien ganz eindeutig auf der Seite der „neuen“ Unternehmen sind, während sie genauso eindeutig die „alten“ und großen Unternehmen benachteiligen. Was sind die drei modernen Erscheinungsformen der Technologie mit der größten Signalwirkung für Modernität? Viele würden wohl darin übereinstimmen, dass es das Internet, das Mobiltelefon und der Laptop sind. Wenn wir auch nur einen Augenblick nachdenken, so wird sofort deutlich, dass alle drei dezentrale Strukturen fördern.

Neue Techniken forcieren die Entwicklung, die sich von der überholten, ineffizienten industriellen Massenproduktion wegbewegt und kleine, agile und computergesteuerte Handwerk-Shops aufkommen lässt. Es entstehen mobile Fabriken, die sich per Baukastensystem aus vielen Einzelelementen zusammenstecken und ebenso schnell ab- wie aufbauen lassen können. In verschiedenen Größen und je nach Bedarf an verschiedenen Orten. Mit „Plug and Produce“ könnten damit Unternehmen sich rascher als bisher an Veränderungen im Markt anpassen, preiswerter produzieren und eine kostengünstige Logistik zum Kunden realisieren. So bietet etwa die Pegnitzer Firma Belland Vision für Großveranstaltungen wie dem Kölner Marathon Einweg-Getränkebecher an, die sofort nach Gebrauch zusammen mit den restlichen Abfällen eingesammelt werden. Die Belland-Becher werden anschließend in einem Recyclingmobil verwertet. Den Kunststoff kann man selbst aus vermischten und verschmutzten Abfällen maschinell herauslösen und molekular reinigen. Aus dem Material kann man wieder neue Becher herstellen – im Gegensatz zum klassischen Plastikrecycling (das Belland-System hat sich wohl nicht so richtig durchgesetzt, die Grundidee finde ich nach wie vor gut).

Die Ideen von Bergmann sind keine weltfremden Spinnereien. Etliche nüchtern denkende Fachleute arbeiten bereits mit ihm zusammen. Die Zukunft, da sind sich viele Wissenschaftler einig, liegt in der Individualisierung der Massenproduktion. Das Grundlagenwerk von Bergmann liefert viele Anregungen, die Arbeitsgesellschaft neu zu organisieren und die Massenarbeitslosigkeit zu beseitigen. Im Gegensatz zu den Ritualdebatten über Lohnerhöhungen, Lohnkürzungen, Wochenarbeitszeit, Hartz IV, V oder VI.

Bergmann, Frithjof : Neue Arbeit, neue Kultur, Arbor-Verlag, Würzburg, 433 Seiten, Euro 24,80.

Siehe auch: Dezentrale Produktion und Autarkie in der Wirtschaft: Die Visionen von Frithjof Bergmann für Neue Arbeit #NewWork @Bueronymus @DrLutzBecker1 @DerJopen #EconTwitter

Industrie 4.0 – Wo stehen wir?

Dezentrale Produktion und Autarkie in der Wirtschaft: Die Visionen von Frithjof Bergmann für Neue Arbeit #NewWork @Bueronymus @DrLutzBecker1 @DerJopen #EconTwitter

@DerJopen beim Barcamp Bonn – Der Mann mit Rücken.

Das Konzept von Frithjof Bergmann „Die Neue Arbeit, Neue Kultur“ sei mitnichten ein Maßnahmenpaket für die HR-Abteilung (ein bisschen Homeoffice hier, ein bisschen Shared Desk da) – sondern eine gesellschaftliche Utopie, eine kühne Vision eines alternativen Wirtschaftssystems, schreibt Lydia Krüger aka Büronymus in ihrem Blog. „Sie war nie dazu gedacht, Unternehmen als Feigenblatt zu dienen in Kombination mit modischen Schlagworten wie Agilität, Selbstorganisation, Holokratie oder Scrum. So etwas mag für Unternehmen sinnvoll sein – hat aber nichts mit New Work zu tun.“

So habe ich ihn auch in Bonn erlebt, wo er vor 16 Jahren seine Thesen vorgestellt hat:

Der amerikanische Philosoph Bergmann, der 1930 in Sachsen geboren wurde und an den renommierten Universitäten Princeton, Stanford und Chicago lehrte, reist ja als Emeritus rund um den Globus, stellt sein Know-how Regierungen und Projektgruppen zur Verfügung und stellt auf Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen sein Konzept der „Neuen Arbeit“ vor.

Bergmann hat sich einst als Preisboxer, Hafenarbeiter und Bühnenautor durchgeschlagen. Mit 24 Jahren war er schon Professor in Princeton. Eine Karriere, wie sie wohl nur in den Vereinigten Staaten möglich ist.

Seine zentrale These:

Durch mobile Fabriken und dezentrale Produktion sei es möglich, die Arbeit neu zu verteilen. „Obwohl ich Professor der Philosophie bin, habe ich mich mein ganzes Leben über bemüht, etwas Sinnvolles zu tun“, sagte Bergmann in Bonn.

Die gute alte Zeit der industriellen Massenproduktion und damit auch die Zeit der Großkonzerne sei vorbei oder gehe ihrem Ende entgegen. Die Tendenz gehe hin zu dezentraler Produktion. Selbst Großkonzerne, so Bergmann, hätten erkannt, dass es sinnvoll ist, bestimmte Produktionsabläufe und Dienstleistungen an kleine Anbieter auszugliedern.
„Große Betriebe sind teuer. Denken Sie an die Infrastruktur, den Parkwächter, das Reinigungspersonal. Dagegen müssen Sie sich diese Selbstbau-Werkstätten wie Copyshops vorstellen: Die benutzen Sie auch für wenig Geld, um etwas selbst herzustellen. Heute kann man sich ja schon Bücher oder Briefmarken selbst drucken.“ Seine Überlegungen sind im Kern Werkstätten für die Eigenproduktion.

Technologisch rücken wir immer näher an diese Visionen von Bergmann heran, etwa durch 3D-Druck oder durch den Obst- und Gemüseanbau auf Dächern.

Sie passen sehr gut zu den Thesen, die der Unternehmer Werner Koch auf der Next Economy Open vorgestellt hat:

Am Donnerstag, den 6. März, um 16:15 Uhr gibt es dazu auch ein interessantes Gespräch mit dem 3D-Druck-Kenner Michael Jopen:

Wie Sprunginnovationen Deutschland verändern werden – #StudioZ Interview mit dem Ideengeber und Gründungsdirektor @Rafbuff

Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen