Dezentrale Produktion und Autarkie in der Wirtschaft: Die Visionen von Frithjof Bergmann für Neue Arbeit #NewWork @Bueronymus @DrLutzBecker1 @DerJopen #EconTwitter

@DerJopen beim Barcamp Bonn – Der Mann mit Rücken.

Das Konzept von Frithjof Bergmann „Die Neue Arbeit, Neue Kultur“ sei mitnichten ein Maßnahmenpaket für die HR-Abteilung (ein bisschen Homeoffice hier, ein bisschen Shared Desk da) – sondern eine gesellschaftliche Utopie, eine kühne Vision eines alternativen Wirtschaftssystems, schreibt Lydia Krüger aka Büronymus in ihrem Blog. „Sie war nie dazu gedacht, Unternehmen als Feigenblatt zu dienen in Kombination mit modischen Schlagworten wie Agilität, Selbstorganisation, Holokratie oder Scrum. So etwas mag für Unternehmen sinnvoll sein – hat aber nichts mit New Work zu tun.“

So habe ich ihn auch in Bonn erlebt, wo er vor 16 Jahren seine Thesen vorgestellt hat:

Der amerikanische Philosoph Bergmann, der 1930 in Sachsen geboren wurde und an den renommierten Universitäten Princeton, Stanford und Chicago lehrte, reist ja als Emeritus rund um den Globus, stellt sein Know-how Regierungen und Projektgruppen zur Verfügung und stellt auf Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen sein Konzept der „Neuen Arbeit“ vor.

Bergmann hat sich einst als Preisboxer, Hafenarbeiter und Bühnenautor durchgeschlagen. Mit 24 Jahren war er schon Professor in Princeton. Eine Karriere, wie sie wohl nur in den Vereinigten Staaten möglich ist.

Seine zentrale These:

Durch mobile Fabriken und dezentrale Produktion sei es möglich, die Arbeit neu zu verteilen. „Obwohl ich Professor der Philosophie bin, habe ich mich mein ganzes Leben über bemüht, etwas Sinnvolles zu tun“, sagte Bergmann in Bonn.

Die gute alte Zeit der industriellen Massenproduktion und damit auch die Zeit der Großkonzerne sei vorbei oder gehe ihrem Ende entgegen. Die Tendenz gehe hin zu dezentraler Produktion. Selbst Großkonzerne, so Bergmann, hätten erkannt, dass es sinnvoll ist, bestimmte Produktionsabläufe und Dienstleistungen an kleine Anbieter auszugliedern.
„Große Betriebe sind teuer. Denken Sie an die Infrastruktur, den Parkwächter, das Reinigungspersonal. Dagegen müssen Sie sich diese Selbstbau-Werkstätten wie Copyshops vorstellen: Die benutzen Sie auch für wenig Geld, um etwas selbst herzustellen. Heute kann man sich ja schon Bücher oder Briefmarken selbst drucken.“ Seine Überlegungen sind im Kern Werkstätten für die Eigenproduktion.

Technologisch rücken wir immer näher an diese Visionen von Bergmann heran, etwa durch 3D-Druck oder durch den Obst- und Gemüseanbau auf Dächern.

Sie passen sehr gut zu den Thesen, die der Unternehmer Werner Koch auf der Next Economy Open vorgestellt hat:

Am Donnerstag, den 6. März, um 16:15 Uhr gibt es dazu auch ein interessantes Gespräch mit dem 3D-Druck-Kenner Michael Jopen:

Ein Gedanke zu “Dezentrale Produktion und Autarkie in der Wirtschaft: Die Visionen von Frithjof Bergmann für Neue Arbeit #NewWork @Bueronymus @DrLutzBecker1 @DerJopen #EconTwitter

  1. gsohn

    Kommentar von Professor Frank H. Witt
    Chairman of the Administrative Board SCI Holding Ltd, Professor Dr.

    Die wiederkehr einer ‚kleinbäuerlichen‘ Produktions- und Lebensweise, (Dezentralität, Autonomie oder Autarkie, orientiert am guten, selbstbestimmten Leben)hatten wir schon mal: Frei nach Hesiod galt als ideal: „Erst einmal ein Gehöft (oikos), eine Frau, einen Ochsen zum Pflügen.“ – Der mit Autarkie verbundene Freiheitsbegriff ist ein überkommenes Ideal der antiken Philosophie; kaum zu erkennen ist wie sich das sinnvoll und geradezu zwangsläufig aus der technologischen Entwicklung, ergeben soll. Die ‚New Work Bewegung‘ stützt sich doch eher, nach allem was man im Westen oder Osten sieht, nicht auf ein realistisches Verständnis moderner Wissenschaft und Technologie. Das Gegenteil scheint mir der Fall: In der Wirtschaft herrscht die Tyrannei der Automatisierung, algorithmic and surveillance capitalism; in der Politik droht damit eine Automatisierung der Tyrannei oder eine weitere Aushöhlung eines nur scheinbar demokratischen Systems. Richtig mag der Grundgedanke sein, dass es in einer Gesellschaft der ökonomischen Abhängigkeit auch keine wirkliche politische Freiheit gibt. https://www.linkedin.com/posts/gunnarsohn_dezentrale-produktion-und-autarkie-in-der-activity-6630059587636604928–1HI

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