
Wo doch Standort-Patriotismus jetzt so gefragt ist. Hier Geschichten aus der Beethoven-Stadt, an denen Sohn@Sohn engagiert beteiligt waren. Gemeint sind die fundierten und ambitionierten Projekte von Dr. Ingrid Bodsch zum Beethoven-Jubiläum 2020 – also zum 250. Geburtstag des Komponisten. In dieser Zeit entstand folgender Film in Bonn-Kessenich:
In Bonn erinnert man sich an Johann Joseph Eichhoff, den visionären Wegbereiter des europäischen Binnenmarktes. Unter französischer Herrschaft steigt er zum Generaldirektor der Rheinschifffahrts-Verwaltung auf. 1815 erfüllt er sich einen Traum: Er wird zum Wiener Kongress hinzugezogen. Dort nutzt die Fluss-Schifffahrts-Kommission seine Expertise. Nach Abschluss der Arbeit trifft er seinen Jugendfreund Beethoven, der ihn bittet, einige Erinnerungsstücke für Freunde im Rheinland mitzunehmen.
Eichhoff kann man als Vorreiter der freien Rheinschifffahrt bezeichnen. Man muss sich den Rhein zur Zeit des Ancien Régime als Handelsweg vorstellen, der immer wieder frequentiert wurde. Aber gerade weil er ein Handelsweg war, versuchte jeder kleine Fürst am Rhein, mit einer Zollstation oder einer Burg abzukassieren. Im Zweifelsfall musste ein Schiffer 32 Mal Zoll oder Gebühren zahlen. Es wurde viel geschmuggelt, die Schiffer wurden unter Druck gesetzt. Der Rhein konnte sein Potenzial als Verkehrsweg nicht entfalten. Eichhoff sah das früh, ebenso wie andere. Aber er sah auch, dass es sehr schwierig war, diesen Weg zu öffnen.
Dann kamen die Franzosen. Sie ignorierten mit einem Federstrich diese Grenzen und setzten einen Verwaltungsakt in Gang, der den ganzen Rhein regulierte. Sie vereinheitlichten die Gebühren, nahmen die Zollstationen weg und so weiter. Als Direktor war das für Eichhoff ein gefundenes Fressen. Schon in der ersten Rezension von 1802 wurde seine Übersicht über die vier französischen Departements auf der linken Rheinseite und seine ausgezeichneten Kenntnisse der Rheinschifffahrt hervorgehoben. Eichhoff blieb nicht lange Oberbürgermeister von Bonn, er wurde Präfekt des Arrondissements Bonn.
Beide, Eichhoff und Beethoven, starben 1827. Aber ihre Verbindung reichte über ihren Tod hinaus: Peter Joseph (von) Eichhoff, Johann Josephs erfolgreichster Sohn, spendete 1836 1000 Gulden für die Errichtung des Bonner Beethoven-Denkmals. Die „Allgemeine Zeitung“ (Augsburg) wies damals auf die ungewöhnliche Höhe der Summe hin. „Unter den einzelnen ausgezeichneten Privatpersonen […] verdient eine besondere ehrenvolle Erwähnung die über alle Erwartung ansehnliche Gabe des (in Bonn geborenen) Herrn [ehemaligen, D. A.] Hofkammerpräsidenten v. Eichhoff“.
Was hat Ludwig van Beethoven zu einem der größten Komponisten aller Zeiten gemacht? War es nur sein außergewöhnliches musikalisches Talent oder spielte auch sein Umfeld eine entscheidende Rolle? Die Ausstellung „Bonns Goldenes Zeitalter: Beethovens kurfürstliche Residenzstadt“ gab dazu fundierte Antworten. Sie erstreckte sich über fünf Räume und bot einen umfassenden Überblick über Beethovens Zeit in Bonn. „Wir haben eng mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zusammengearbeitet, um eine beeindruckende Sammlung von Exponaten zusammenzustellen“, so Bodsch.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung lag auf Beethovens enger Beziehung zur Familie von Breuning. Als Jugendlicher fand er hier eine zweite Heimat. Durch seinen Freund Wegeler wurde Beethoven regelmäßiger Gast im Hause der Hofrätin von Breuning. Hier konnte er nicht nur seine musikalischen Fähigkeiten weiterentwickeln, sondern auch von der literarischen und intellektuellen Atmosphäre profitieren. Die Familie von Breuning hatte enge Verbindungen zu anderen gebildeten Kreisen in Bonn und war bekannt für ihre Leidenschaft für Musik und Literatur.
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor in Beethovens Leben war Maximilian Franz, der Kurfürst von Köln und Hochmeister des Deutschen Ordens. Maximilian Franz war nicht nur Beethovens Arbeitgeber, sondern auch ein großer Musikliebhaber. Er erkannte früh das außergewöhnliche Talent des jungen Komponisten und unterstützte ihn in seiner Karriere. Durch seine finanzielle Unterstützung ermöglichte er Beethoven sogar ein Stipendium in Wien.
Die Ausstellung präsentierte auch Beethovens berühmtes Porträt, das zu Lebzeiten des Kurfürsten Maximilian Franz entstand und in ganz Deutschland bekannt wurde. Es zeigt, wie Beethoven bereits zu dieser Zeit als herausragender Komponist gefeiert wurde.
Die Ausstellung „Bonns Goldenes Zeitalter: Beethovens kurfürstliche Residenzstadt“ bot einen faszinierenden Einblick in Beethovens Leben und sein künstlerisches Schaffen. Sie dokumentierte, wie sein Umfeld und seine Beziehungen zu einflussreichen Persönlichkeiten seine Karriere maßgeblich beeinflusst haben.
Gerne erinnern wir uns an die Publikation, die sich mit Beethovens Bild im Manga auseinandersetzte.
„Vor mir liegt ein prachtvolles Buch, groß, farbenprächtig und imposant, bedruckter Leineneinband und Schutzumschlag, und mit 2, 7 Kilo auch sehr gewichtig! Ebenso gewichtig wie sein Inhalt, denn ‚Wirres Haar und rotes Halstuch. Beethovens Bild im Manga‘ ist ein Referenzwerk zum Thema. Eigentlich sollte es zusammen mit einer ebenso einzigartigen Ausstellung erscheinen, aber deren ‚körpernahe Ausrichtung‘ mit Spielkonsolen, vielen Tablets und ähnlichem zu interaktiven Agieren aufrufenden Präsentationsformen versagten uns in Zeiten der Pandemie die Realisierung. Dafür rückte der schon immer als opulent illustriertes Begleitbuch konzipierte Katalog in den Mittelpunkt. Er wurde zum realen Katalog einer virtuellen Ausstellung, mit besonderem Blick auf Japan, dem mit Abstand hungrigsten Markt für derartige Publikationen. Der schon früh gefundene Titel orientiert sich an den vom berühmten Stieler-Porträt ausgehenden Merkmalen, die zum Charakteristikum für Beethoven-Darstellungen wurden, auch wenn der Meister in sonst ganz unkenntlicher Form erscheint“, sagte Bodsch.
Mit Dr. Kazuko Ozawa und Dr. Matthias Wendt konnte die Herausgeberin und Initiatorin Dr. Ingrid Bodsch schon früh zwei kompetente und von ihr für die Thematik zu begeisternde Bearbeiter gewinnen, die es großartig verstanden, die überwältigende Fülle von Beethoven-Bildern ikonographisch zu erfassen und zu systematisieren. Ihrer Überzeugungskraft ist auch die Gewinnung der Professoren Monika Schmitz-Emans, Tsuchida Eizaburo und Kim Sung-hwa für drei herausragende Aufsätze zu verdanken, von denen zwei sich exemplarisch dem Komplex Anime und Videospiel widmen, während Monika Schmitz-Emans mit Tezuka Osamus berühmtem Mangazyklus Ludwig B. eine zentrale Schöpfung der „bildlichen Beethovenrezeption“ umfassend beleuchtet. Und als künstlerisches Highlight enthält das Buch einen extra für die Publikation angefertigten Manga von Acato Ao, einer international bekannten jungen Künstlerin, die 2019 eine eigene Fernsehserie bekommen hat, und vor wenigen Wochen eine besondere Würdigung in Asahi Shinbun, eine der größten und seriösesten japanischen Zeitungen. Und dieses Prachtwerk, 446 Seiten, erschienen im Verlag des StadtMuseum Bonn, hg. von Ingrid Bodsch, bearbeitet von Kazuko Ozawa und Matthias Wendt, als Projekt im Rahmen und gefördert von BTHVN2020, ist für 35 Euro zu erwerben.




















