Huffington: „Herr Döpfner, Sie wollen Konsumenten umerziehen, die gerade die neuen Möglichkeiten der Online-Nachrichten entdecken. Das ist anmaßend.“

MMFSo langsam gewinnt die Debatte um die Zukunft der klassischen Medien an Fahrt und die Manager der großen Verlage sehen dabei ziemlich alt aus. Jüngstes Beispiel das Streitgespräch zwischen Springer-Chef Döpfner und Arianna Huffington. Siehe auch den NeueNachricht-Bericht. Social Media ist eben mehr als nur eine technische Spielerei. Wir erleben eine Epoche der Teilnahme, der Beteiligung, der Vielstimmigkeit, der Pluralität und der unterschiedlichen Lebensstile. Die Hohepriester und Taktgeber der öffentlichen Meinung verschwinden so langsam vom Bildschirm – im wahrsten Sinne des Wortes.

Jeff Jarvis hat nach seiner fulminanten Rede bei den Münchner Medientagen mit einem Namensartikel auf die Reaktionen der alten Medienwelt geantwortet. Auch diesen Beitrag können sich die industriekapitalistischen Großverleger hinter den Spiegel stecken: Jarvis sieht Unternehmen, die sich der neuen Realität des Internet-Zeitalters widersetzen, indem sie die alten Gesetze der alten Industrie bewahren. „Nehmen Sie zum Beispiel Rupert Murdoch, der seinen ganzen Medienbesitz hinter Bezahl-Mauern stecken will. Das ist ganz einfach selbstmörderisch“, schreibt Jarvis.

Die alten Unternehmen würden noch immer in der Ökonomie der Inhalte arbeiten, die vor 570 Jahren mit Gutenberg begann. Der Eigentümer des Inhaltes machte damit seinen Gewinn, dass er möglichst viele Exemplare verkaufte.

„Online braucht man nur ein Exemplar, der Link zu ihm bringt den Gewinn. Inhalte ohne Links sind wertlos. Wenn also Suchmaschinen, Aggregatoren, Blogger und Twitterer zu Inhalten verlinken, stehlen sie nicht. Sie schenken Aufmerksamkeit und Gehör. Verleger sollten dankbar sein, dass Google sie nicht für den Wert seiner Links zur Kasse bittet“, so Jarvis.

Die Ökonomie der Links bringe Verlegern drei Imperative mit: Es fordere sie auf, ihre Inhalte öffentlich zu machen, wenn sie gefunden werden wollen. „Sie haben die Wahl, aber wenn sie sich hinter ihre Bezahl-Mauern zurückziehen, versteckt für Suche und Links, werden sie nicht entdeckt. Zweitens fordert die Ökonomie der Links Spezialisierung. Mache das, was du tust richtig und verlinke zum Rest. Das bringt neue Effizienz und kann Verlage profitabler machen. Das dritte in der Link-Ökonomie ist der Empfänger der Links, der ihren Wert ausnutzen muss“, führt Jarvis aus.

Und eines ist nun mal nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Mit dem Web 2.0 und mit allen Möglichkeiten der Social Media-Kanäle entsteht eine neue Medienkultur der Partizipation – ohne das Ganze in den Himmel heben zu wollen. Das die Medienbarone eine solche Fragmentierung bekämpfen ist klar. Als Verlage noch Oligopole und Monopole waren, konnten wesentlich höhere Anzeigenerlöse erzielt werden. Mit Google Adwords ist das nun vorbei. Nachtrauern braucht man den „One-to-many-Medien“ nicht.

Nachtrag zum Abdruck des Jarvis-Artikel in der Welt-Kompakt und Welt Online. Die Medienjournalistin Ulrike Langer hat sich dankenswerter Weise die Mühe gemacht, die Jarvis-Passagen herauszufinden, die in der deutschen Übersetzung „einfach“ unter den Tisch gefallen sind.

Amazing Race: Diktiersoftware Dragon gewinnt gegen die Meisterin im Schnellschreiben

Meisterin im SchnellschreibenSpracherkennung ist nicht nur für Ärzte und Juristen ein heißes Thema. In vielen Berufen muss ein hohes Schreibaufkommen unter Zeitdruck bewältigt werden. „Kein Wunder, dass immer mehr Krankenhäuser und Gerichte nach neuen Wegen suchen. Da ist zunächst der Umstieg auf die Digitaltechnik, die das mühsame Hantieren mit Kassettenbändern ersetzt und zudem den elektronischen Transport der Diktate erlaubt. Dass die Akustik solcher Aufzeichnungen deutlich besser ist, kommt als angenehmer Nebeneffekt hinzu. Der zweite Schritt ist der Übergang zur elektronischen Spracherkennung am PC, wobei in der Regel die Standardsoftware Dragon Naturally Speaking für Windows zum Einsatz kommt. Kein anderes Programm hat eine vergleichbar hohe Erkennungsleistung“, schreibt beispielsweise Michael Spehr von der FAZ.

Wozu Maschinen schon jetzt in der Lage sind, stellte ein Amazing Race am 11. November 2009 in München auf dem Fachkongress Conversations DACH unter Beweis. In einem Mensch-gegen-Maschine-Wettkampf trat Martina Wichers, Deutsche Meisterin im Schnellschreiben, gegen das Spracherkennungssystem Dragon Naturally Speaking von Nuance an. Frau Wichers war unheimlich schnell. Das beweist mein Mitschnitt. Die Software brauchte allerdings nur die Hälfte der Zeit. Hier der Film.
Foto Amazing Race

Last Call – Horror per Handy: Werbeagentur Jung von Matt konzipiert sprachgesteuerten Kinofilm

Spracherkennung und die Sprachsteuerung von Geräten oder Suchmaschinen sind schon längst keine Zukunftsmusik mehr. Vor allen Dingen im Mobilfunk setzt man auf neue Steuerungsmöglichkeiten und Applikationen. „Wer die schlauesten Handy-Anwendungen anbietet, wird den Mobilfunkmarkt der Zukunft beherrschen“, berichtet beispielsweise Spiegel Online. „Stellen Sie sich eine Handy-Anwendung vor, die über einen Tastsensor Ihren Stresslevel misst und die zu ihrem Gemütszustand passende Musik abspielt. Dass Sie die Nummer des Notrufs wählen und ein Arzt, der sich zufällig in einem benachbarten Gebäude aufhält, automatisch darüber informiert wird. Oder dass Sie Ihr Smartphone in der Stadt auf Gebäude richten und das Telefon ihnen anzeigt, wie ihre Umgebung vor 50 oder 100 Jahren ausgesehen haben dürfte“, so Spiegel Online.

Augmented Reality, erweiterte Realität, heiße das Schlagwort für solche Tech-Visionen, die Wissenschaftlern zufolge in den kommenden Jahren die Mobilfunkbranche durcheinanderwirbeln könnten. Es gehe um Bilder und Videos, um Informationsschilder und Töne, die das Smartphone dem Nutzer an Ort und Stelle aus dem Internet saugt und auf dem Display mit dem Abbild der Wirklichkeit kombiniert. Das Handy werde so zu einer Art Sinneserweiterung. Was man mit Sprachsteuerung schon heute mit Handys veranstalten kann, beweist der interaktive Horrorfilm „Last Call“ von der Werbeagentur Jung von Matt. Hier können Kinobesucher aktiv ins Geschehen eingreifen. „Wir wollen zwei Grenzen aufheben: die eine zwischen Film und Game, die andere zwischen Handlung und Zuschauer“, erklärt Andreas Henke, Creative Director von Jung von Matt, im Interview mit NeueNachricht.

Die strikte Trennung von Leinwand und Handlung soll gesprengt werden. „Hier der passive Zuschauer hinter seinem riesigen Popcorn-Becher. Vielleicht sollte man den Erfolg unseres Films an der Zahl ungewollt umgestoßener Popcorn-Becher messen“, sagt Henke. Seine Agentur möchte dem Kunden 13th Street und den Zuschauern ein innovatives Markenerlebnis bieten: „Kurz gesagt: guten modernen Horror. Gerade das Horrorgenre hat in der Vergangenheit sehr innovative Projekte geliefert. Wie vor einigen Jahren ‚Blair Witch Projekt’ oder Paranormal Activity in diesem Herbst in den USA“, so der Ausblick von Henke, der den Film beim Nuance-Fachkongress Conversations DACH vorstellte. Die Präsentation von Henke war wirklich witzig und eindrucksvoll.