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grown up digital – Neues Buch von Tapscott erschienen

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Wikinomics-Autor Tapscott hat ein neues Werk auf den Markt gebracht. Habe es gerade bei Barnes & Nobles erworben. Im vergangenen Jahr hatte ich ja schon über seinen Auftritt bei der wichtigen New Yorker Konferenz Retail’s Big Show berichtet – siehe unten. Sein neues Buch werde ich demnächst besprechen. Google-Chef Eric Schmidt ist über den neuen Tapscott schon ganz aus dem Häuschen – mal sehen/lesen, ob das wirklich so ist:

Hier noch der Bericht aus dem vergangenen Jahr:
Die Generation der zwischen 1977 und 1996 geborenen jungen Leute ist größer als die Generation der Babyboomer und wird allein durch das schiere demografische Gewicht das 21. Jahrhundert beherrschen – auch wenn in den westlichen Ländern eine Überalterung der Gesellschaft zu verzeichnen ist. „Die Jugendlichen sind online aufgewachsen und sie bringen eine neue Ethik der Offenheit, Partizipation und Interaktivität in die Wirtschaftswelt. Sie sind Lernende, Konsumenten und Bürger einer neuen Art. Sie sind nicht passive Konsumenten einer Massenkultur, sondern verbringen ihre Zeit mit Suchen, Lesen, Durchforsten, Überprüfen, Kooperieren und Organisieren – vom Austausch von MP3-Musikdateien bis zur Planung von Protestdemonstrationen“, sagte Wikinomics-Autor Don Tapscott als einer der Hauptredner beim viertägigen Jahreskongress der amerikanischen National Retail Federation in New York. Die Tagung und die begleitende Fachmesse, die in diesem Jahr rund 17.000 Besucher verzeichneten, gelten in Branchenkreisen als wichtige Trendindikatoren für die Entwicklung des Einzelhandels.

Tapscott skizzierte den Vertretern des Handels und der Konsumgüterindustrie den Wandel der Konsumgewohnheiten: Die Netz-Generation gibt sich nicht mit der Rolle von passiven Konsumenten zufrieden. Sie erfüllt ihre Wünsche nach Auswahl, Annehmlichkeit, individueller Anpassung und Kontrolle zunehmend dadurch, dass sie Dinge selbst entwirft, herstellt und vertreibt“, so Tapscott. Bulletin Boards, Websites für Preisvergleiche, Blogs und Instant Messaging seien Instrumente, um Kaufgelegenheiten zu überprüfen. Zum ersten Mal seit der Marketingexplosion Mitte des 20. Jahrhunderts sei die virtuelle Mund-zu-Mund-Propaganda ein mächtiges Vehikel. Extrem wichtig sei zudem der Trend, Kunst, Fotos, Geschichten, Videos und Produkte mit anderen zu tauschen und neue Kreationen zu schaffen. „Fans von Künstlern des Labels Wind-up Records unterlegen mithilfe ihres PCs japanische Zeichentrickfilme mit populären Songs und schaffen so eine ganz neue Kunstform namens Anime Music Video (AMV). Wind-up Records verlangte allerdings die Entfernung der Videos und verpasste eine einmalige Gelegenheit, seine Kunden als Propagandisten seiner Künstler einzuspannen“, kritisierte Tapscott. Viele Firmen wüssten nicht, wie sie auf die ungezähmte Kreativität der Netz-Generation reagieren sollen. Abmahnungen seien der schlechteste Weg, um junge Leute in den Prozess der Produktentwicklung und Distribution mit einzubeziehen. Die Chance, Net Geners als Beteiligte an der Wertschöpfung einzubinden, sei wahrscheinlich der aufregendste langfristige Motor von Veränderung und Innovation, den die Wirtschaftswelt jemals gesehen habe.

„Die Informatisierung des Einzelhandels ist eine gute Grundlage, um auf die neuen Lebensstile und die Individualisierung des Konsums zu reagieren. Wenn Märkte gesättigt sind, wenn wir an vielen Stellen einkaufen können und wenn weltweit die gleichen Produkte angeboten werden, kommt es darauf an, dass man dem Kunden etwas ganz besonderes bietet. Mit den neuen und genauen Analysetools, die inzwischen für Business Intelligence-Strategien zur Verfügung stehen, kann man mittlerweile sehr gut auf die Bedürfnisse der Konsumenten eingehen. Bei den Fachbeiträgen in New York ist deutlich geworden, dass sich die Einzelhändler als unverwechselbare Marke profilieren müssen. Beispielsweise bei den Themen gesundes Essen, frische Lebensmittel, Fitness, Kalorien, oder der Herkunft der Produkte. Hier will der Konsument sehr genau informiert und beraten werden“, so Peter Laudien-Weidenfeller, Head of Retail Systems beim Technologiehersteller Bizerba. So bietet sein Unternehmen spezielle Content-Kits für PC-Waagen an, die warenkundliche Informationen zu Fleisch, Wurst, Obst und Käse vermitteln, Details zu Herkunfts- und Inhaltsstoffen darlegen, auf Allergene hinweisen und Tipps zur gesunden Ernährung und Empfehlungen für ergänzende Produkte geben. Mit den vielfältigen Interaktionsmedien könne man den anonymen Selbstbedienungskunden wieder besser kennen lernen und auf seine Bedürfnisse reagieren. Eine gut organisierte und strukturierte IT-Landschaft habe elementare Auswirkungen auf die Erlebniswelt des Kunden.

Semantisches Web und die Zukunft der Medien – Jeder wird sein eigener Programm-Manager

Semantische Webtechnik könnte man auch bei Nachrichtenportalen anwenden. Das berichtet die NZZ http://www.nzz.ch. Der Schlüsselbegriff dazu heiße Web 3.0. Gemeint ist ein Verfahren, das die Bedürfnisse der Nutzer, etwa auf Grund des Klickverhaltens, erfasst. „So bietet etwa der Online-Buchhändler Amazon den Kunden jeweils eine maschinell generierte Liste weiterer Bücher an, die sie interessieren könnten. Die Daten errechnen sich in Sekundenschnelle aus Hunderttausenden von Kundenprofilen und die Trefferquote, das heißt die Wahrscheinlichkeit, dass noch ein zusätzliches Buch gekauft wird, ist hoch. Der Vorteil eines solchen Verfahrens ist, dass auch Marginalien gefördert oder gefunden werden“, so die NZZ. Tobias Trevisan, Geschäftsführer der FAZ, übersetzt das für die Medien so: Es sei besser, wenn tausend Artikel je einmal gelesen würden, als wenn ein einziger Artikel tausendmal gelesen werde.

Mit dem Web 3.0 werden intuitive Nutzerschnittstellen auf den Markt kommen, die aus den Suchmaschinen nutzerfreundliche Antwortmaschinen machen. Dabei werde die Spracherkennung eine größere Rolle spielen, so die Einschätzung von Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin: „Die Informationen werden viel besser aufbereitet und verschlagwortet sein, so dass man konkrete Fragen stellen kann. Je nach Bedarf bekommt man Texte zum Lesen oder auch Audiofiles zum Anhören. Fragen wie ‚Wer war der 43. Präsident der Vereinigten Staaten?‘ werden dann direkt beantwortet. Bei Informationsanfragen wie ‚Ursachen der Wirtschaftskrise 2008′ wird man Text, Audio- oder Videofiles zur Auswahl erhalten, die sehr viel genauer das Thema betreffen als die aktuelle Ergebnisliste bei Google.“ Das Semantische Web mache Text, Audio und Video zu gleichberechtigten Medien. „Die Redaktion einer Zeitung oder einer Zeitschrift wird nicht substituiert. Der Medienkonsum ändert sich allerdings. Jeder wird sein eigener Programmmanager und steuert autonom seinen Informations- und Unterhaltungsbedarf“, prognostiziert Sprachdialogexperte Pape.

Auf Multimedia und publizistische Inhalte auf allen Kanälen setzt VÖZ-Präsident Horst Pirker für die Zukunft der Medien. Man müsse die Inhalte von der Verbreitungsplattform lösen. „So, wie es aber verschiedene Vertriebsmöglichkeiten gibt, lassen sich andererseits auch die Empfangsgeräte unterschiedlich nutzen. Ein Gadget könne heute GPS, Personal Computer, Musikladen, Telefon, eine Zeitung oder ein MP3-Player sein“, führt die NZZ aus. Daneben gebe es auch eine Konvergenz der Industrien: Telefongesellschaften, Suchmaschinen, Fernsehsender kommen im Internet im gleichen Outfit daher wie Nachrichten-Websites. Deshalb müsse man sich von den einzelnen Plattformen lösen und den Fokus auf die Zielgruppen richten. Die Frage sei, welchen Nutzen man anbieten könne und wie man diesen herstelle.