
Karl Kraus meinte einst, es genüge nicht, nur keine Gedanken zu haben, man müsse auch unfähig sein, sie auszudrücken. So mancher Zeitgenosse, der mit PowerPoint arbeitet, kommt diesem Diktum des großen Spötters aus Wien schon recht nahe. Hier eine Erweiterung:
Die „Überstrukturierten“
Sie beginnen ihre Präsentation mit einer Folie, die den detaillierten Ablauf der nächsten 45 Minuten skizziert. Jede Phase ist minutiös geplant, jeder Übergang exakt getimed. Es folgt die Folie mit den Lernzielen, die jeder am Ende erreicht haben soll. Dabei wirken sie wie Roboter auf Schienen, unfähig, von ihrer vorgegebenen Route abzuweichen. Das Resultat? Jeder im Raum spürt die mechanische Kälte, die die Interaktion erstickt.
Die „Eloquent-Leeren“
Ihr Auftritt ist eine Meisterklasse in der Kunst des Redens ohne Inhalt. Sie sprechen fließend, mit einer beeindruckenden Wortwahl, die das Publikum kurzzeitig in den Bann zieht. Doch am Ende bleibt nichts Greifbares zurück. Ihre Folien sind minimalistisch, oft nur ein Bild und ein Schlagwort. Doch unter der Oberfläche lauert die Leere – viel Rauch, kein Feuer.
Die „Technophil-Zerstreuten“
Diese Typen sind besessen von der Technik. Sie beginnen mit einer PowerPoint-Präsentation, doch schnell wechseln sie zu einem Live-Demo, einem interaktiven Quiz, und vielleicht einem YouTube-Video. Jede technische Spielerei muss eingebaut werden. Doch das alles verwirrt mehr, als es nützt. Die eigentliche Botschaft geht im Technikgewitter unter, und die Zuhörer verlieren sich in der Flut der Eindrücke.
Die „Bulleted-List-Fetischisten“
Ihre Präsentationen sind eine endlose Aneinanderreihung von Aufzählungspunkten. Jeder Gedanke, jede Idee wird in einem Bullet Point zusammengefasst. Sie lesen jeden Punkt vor, als ob die Zuhörer nicht selbst lesen könnten. Die Folien sind überladen, die Schriftgröße winzig. Das Publikum ertrinkt in einem Meer von Text, während der eigentliche Inhalt untergeht.
Die „Animation-Süchtigen“
Keine ihrer Folien kommt ohne Animationen aus. Text fliegt herein, Bilder zoomen heraus, Graphen bauen sich Stück für Stück auf. Jede Folie ist eine kleine Show für sich. Doch während das Publikum noch dem letzten Effekt hinterherblickt, sind sie schon drei Animationen weiter. Der Inhalt bleibt auf der Strecke, das Publikum wird erschlagen von der visuellen Reizüberflutung.
Die „Selbstverliebten Anekdotenerzähler“
Diese Redner lieben es, von sich selbst zu erzählen. Jede Folie ist eine Gelegenheit, eine weitere persönliche Anekdote einzuflechten. Ihre Geschichten sind langatmig, oft irrelevant und lassen das eigentliche Thema in den Hintergrund treten. Das Publikum wird zur passiven Zuhörerschaft ihrer Lebensgeschichte, während die eigentlichen Inhalte unter einer Lawine von Ego begraben werden.
Die „Daten-Masochisten“
Diese Präsentierer lieben Zahlen. Jede Folie ist ein Diagramm, eine Tabelle oder eine Statistik. Sie glauben, dass je mehr Daten sie präsentieren, desto überzeugender ist ihr Vortrag. Doch die Flut von Zahlen und Daten überwältigt das Publikum. Ohne Kontext und Erklärung verlieren die Zahlen ihre Bedeutung, und das Publikum schaltet mental ab.
Die „Zitate-Sammler“
Ihre Präsentationen sind durchzogen von Zitaten berühmter Persönlichkeiten. Sie glauben, dass die Worte von Einstein, Churchill oder Steve Jobs ihre Argumente stärken. Doch oft bleiben sie bei den Zitaten hängen, ohne eigene Gedanken zu formulieren. Das Publikum wird mit einer Fülle an Fremdmeinungen konfrontiert, ohne dass eine klare eigene Linie erkennbar ist.
Die „Gedankenleser“
Diese Typen gehen davon aus, dass ihr Publikum denselben Wissensstand hat wie sie selbst. Sie springen von Punkt zu Punkt, setzen Fachwissen voraus und erklären nichts. Ihre Folien sind oft kryptisch, mit Abkürzungen und Fachjargon überladen. Das Publikum bleibt verwirrt und fühlt sich ausgeschlossen, während die Redner in ihrer eigenen Welt verweilen.
Aus meinem Zettelkasten. Erweiterungen?