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Intelligenter Kundendialog statt Call Center-Attacken

man wearing brown suit jacket mocking on white telephone
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Kundentreue, so eine alte Marketingbinsenwahrheit, ist die Basis für Rentabilität:

„In zahlreichen Branchen führt eine höhere Kundenbindungsrate von nur fünf Prozent zu Gewinnsteigerungen von 25 bis 100 Prozent“, weiß der amerikanische Managementexperte Frederick Reichheld.

Der entscheidende Punkt dabei sei nicht die Tatsache, dass Kunden zu gewinnen teurer ist, als bestehende Kunden zu halten, sondern dass loyale Kunden vor allem häufiger und mehr kaufen.

„Da die Kundengewinnung immer größere Anstrengungen erfordert, ist es überlebenswichtig, eine starke und treue Kundenbasis aufzubauen“, erklärt Michael-Maria Bommer bei der Vorstellung des Buches „Die Zukunft des Customer Service – Analysen, Strategien, Konzeptionen“ (Gabler Verlag).

So würden nach einer Umfrage des Softwareunternehmens Genesys 71 Prozent der Kunden bei einer positiven Call Center-Erfahrung wieder auf das Unternehmen zurückkommen, auch wenn das erworbene Produkt die Erwartungen nicht ganz erfüllt hat.

„Erfolgreiches Kundenmanagement bedeutet daher, zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme des Kunden oder vice versa die richtigen Dinge tun zu können und die Interaktionen intelligent zu steuern“, so Bommer.

Doch die Realität sieht nach seiner Erfahrung anders aus.

„Brav der Beziehungsthese folgend, haben Unternehmen mächtige Datenbanken aufgebaut und speichern darin Informationen über den Kunden: was er wann und wo gekauft hat, ob und wie oft er sich beklagt hat und was mit der Beschwerde passiert ist. Um einen Durchblick in diesem Datendickicht zu bekommen, stellen diese Firmen ausufernde Analysen an: Wer sind die guten Kunden, wer die schlechten Käufer. Was darauf folgt, sind teure Massen-Mailings, umfangreiche nervtötende abendliche ‚Call Center-Attacken’ sowie streuverlustbehaftete Werbemaßnahmen“, kritisiert der Service-Experte.

Das Problem dabei sei, dass die gesammelten Daten lediglich einen statischen Zustand wiedergeben, der sich in der Vergangenheit abspielte.

„Was nützt das rückwärtsgewandte Beziehungsmanagement, wenn zum Zeitpunkt des Kundenkontaktes alle vor Schreck den Füller fallen lassen, weil sie nicht wissen, was sie ihm verkaufen sollen, und nicht verstehen, wie Cross- und Up-Selling funktionieren“, sagt Bommer.

Deshalb müsse sich das gesamte Unternehmen als Servicecenter verstehen und organisatorische Brüche beseitigen. Das gelte für das Front- und Backoffice sowie für alle Zugangs- und Ausgangskanäle, ganz gleich ob Telefon, Brief, E-Mail oder Website.

„Kundendaten werden von den Firmen in Zukunft nicht nur über alle Kanäle gesammelt, sondern sie werden auch intelligent aufbereitet, um dem Kunden einen individuellen, pro-aktiven Kundenservice zu bieten und seine Kaufbereitschaft maximal auszuschöpfen. Dazu werden Kundenprofile entworfen, anhand derer die Kunden aus den bestehenden Daten automatisch ‚geclustert’ werden“, so die Vision von SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape.

Crosschannel Service ist nach Ansicht des Sprachdialogexperten Pape ein wichtiger Baustein für den Kundendialog:

„Daraus ergeben sich dann vorentworfene Dialogszenarien, die entweder beim Kontakt des Kunden vorgeschlagen werden oder die auch in Outbound-Dialogen über alle Medien abgewickelt werden. Der Berater im Call Center, der Mitarbeiter in der Filiale oder das Sprachdialogsystem werden mit einer Hypothese über das vermeintliche Anliegen des Kunden in den Dialog gehen und sie werden versuchen, dieses Anliegen persönlich und schnell zu lösen oder geschickte Vorschläge für Produkte und Services oder für die stärkere Kundenbindung einfließen zu lassen“, sagt Pape.

Mittels einer Gedächtnisfunktion könnte dabei der letzte Kundenkontakt aufgenommen und weitergeführt werden.

Geschockte Mobilfunkmärkte, elektronische Helfer und die Omnipräsenz des Internets

Die Apple-Gemeinde hatte schon vor Jahren damit spekuliert, dass Steve Jobs ein eigenes Handy auf den Markt bringen wollte. Mittlerweile hat sich das kleine Multimediagerät iPhone als eines der innovativsten Produkte mit einer explosiven Wirkung entfaltet: „Mobilfunkhersteller und Netzbetreiber haben ihre Produkt- und Markenstrategie als Konsequenz aus dem iPhone-Schock im Grundsatz neu sortiert“, sagt Georg Stanossek, Herausgeber des TK-Dschungelführers 2008 http://www.portel.de. So hält es E-Plus-Chef Thorsten Dirks für möglich, dass der Mobilfunk künftig sein Geld mit Werbeeinnahmen und nicht mehr über Gesprächsgebühren verdient. Dirks ist davon überzeugt, dass die Netzbetreiber in spätestens fünf Jahren nur noch Datentransporteure seien. Spätestens dann müssten sich ihre Geschäftsmodelle komplett wandeln: „Der Kunde wird dann nur noch bereit sein, für eine Breitband-Anbindung zu zahlen – wie heute für den DSL-Anschluss zu Hause“, erklärte Dirks auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Telekommarkt Europa“ http://www.tk-europa.de in Düsseldorf.

 

Eine Option wäre, auf Einnahmen über geführte Gespräche gänzlich zu verzichten und stattdessen mit hoch personalisierter Werbung Geld zu verdienen. Auf de britischen Markt ging im Herbst des vergangenen Jahres mit Blyk bereits ein vollständig werbefinanzierter Anbieter an den Start. „Das Geschäftsmodell: kostenlose SMS-Nachrichten und Sprachtelefonie als Entgelt für das Ansehen von Werbung und die Preisgabe persönlicher Informationen, um gezielte Werbemaßnahmen zu ermöglichen“, weiß Portel-Chefredakteur Stanossek. Allerdings seien die Netzbetreiber nicht die einzigen, die über wertvolle Kundeninformationen verfügen. So habe Nokia mit der Übernahme von Enpocket mittlerweile einen Spezialisten für das so genannte „Targeted Advertising“ an Bord. „Enpocket soll den Nukleus für Nokia Ad Business bilden“, so Stanossek. Werbung sei somit integraler Bestandteil von Ovi, der Plattform für alle Webdienste des finnischen Handyherstellers.

 

Um in der Telekommunikation weiter zu kommen, brauche man nach Ansicht von Trendforscher Lars Thomsen von der Agentur Future Matters http://www.future-matters.com eine neues Verständnis von Künstlicher Intelligenz. „Erst wenn Geräte eine höhere Intelligenz bekommen, sind wirklich Systemsprünge möglich. Wir stehen jetzt noch am Anfang eines solchen Prozesses“, erläuterte Thomsen beim Handelsblatt-Kongress. Zur Zeit würde die Computerintelligenz noch auf dem Niveau einer Stubenfliege liegen. In fünf Jahren erreiche man die Intelligenz eines Hundes und in zehn Jahren ungefähr die Intelligenz eines Menschen. „Speicher und Bandbreite werden dann in einem für heute unvorstellbaren Bereich liegen – rund 200.000 mal höher als der heutige Standard. Der Zugang zum Internet wird so omnipräsent sein wie elektrischer Strom. Vor allem aber können wir die meisten organisatorischen Aufgaben an persönliche Assistenten delegieren und uns so auf die wichtigen Dinge konzentrieren“, bemerkte Thomsen.

 

Für das Fernsehprogramm ist diese Vision schon Realität. Zu wurde auf dem Zukunftskongress forward2Business http://www.forward2business.com in Halle die Software „TV Digital Personal“ vorgestellt. Nach den Interessen des Zuschauers stellt das System personalisierte TV-Kanäle auf Basis des konventionellen TV-Programms und aller verfügbaren Internet-Angebote zusammen. Das Programm wird automatisch generiert und spiegelt die Vorlieben und das Aufnahme-Verhalten des Zuschauers wider. „Meine Prognose ist, dass alle Branchen, deren Unternehmensprozesse sich im Internet darstellen lassen, alle Alltagssituationen, in denen internetbasierte Geräte zum Einsatz kommen, von elektronischen Assistenten bestimmt werden. Spätestens wenn alle Geräte um uns herum ständige Internetverbindungen haben, vom ICE-Sitz über das Auto, Handy, Wohnzimmerfernseher, Kinderbett bis zur Aktentasche, spätestens dann wird jeder von uns einen kleinen intelligenten Helfer haben“, bestätigt Sven Gábor Jánszky vom forward2Business-Trendbüro.

 

In zehn Jahren werden dann die meisten Servicewünsche über Spracheingabe mit einem Satz erledigt, meint Sprachdialogexperte Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de in Berlin: „‚SMS an Anne: Der Flug ist verspätet, ich komme erst um 21:00 Uhr an’ und die SMS wird sofort verschickt. ‚Reservier mir einen Platz für den nächsten Zug nach Berlin“ und die Backendsysteme des persönlichen Assistenten übernehmen die Online-Buchung und schicken eine SMS mit den Verbindungsdaten, dem reservierten Platz und einem Reservierungscode. ‚Ich brauche noch drei Liter Milch, drei Stück Butter und ein Kürbiskernbrot’ und der Einzelhändler an der Ecke stellt etwas zum Abholen zusammen oder liefert die Ware ins Haus. Beim persönlichen Assistenten stellt jeder selbst die Services zusammen, die er nutzen möchte. Für die Unternehmen wird es wichtig sein, sich auf diesen Trend einzustellen und eine Präsenz in der personalisierten Zusammenstellung der Dienste zu haben“, so der Ausblick von Pape.

„Jedes Mal, wenn ein Kunde online geht, wächst sein Service-Anspruch beim Kiosk an der Ecke“

Obwohl die Softwaretechnologie heute alles automatisiert und Routineprozesse abwickelt, sind nach Ansicht des amerikanischen Marketingexperten Don Peppers die meisten Call Center noch zu wenig mit entsprechenden Lösungen ausgestattet – sie sind „unter-automatisiert“:

„Das ist schlecht. Wenn die verfügbare Software aber irgendwann zum Einsatz kommt, passiert Folgendes: Immer mehr Aufgaben und Prozesse, die sich automatisieren lassen, werden online abgewickelt, sie wandern ins Internet. Warum sollte ein Kunde darauf warten, mit jemandem sprechen zu dürfen, wenn er sich auf einer Internet-Seite selber helfen kann? Heute nutzt auch jeder den Geldautomaten und niemand geht mehr an den Geldausgabeschalter zum Bankangestellten. Call Center werden in Zukunft also zunehmend gebraucht, um Ausnahmefälle zu klären, also solche Dinge, die sich im Vorfeld nicht automatisieren lassen, oder Anfragen, die durch das normale Raster fallen“, sagt Peppers im Interview mit der Fachzeitschrift isreport.

Bei den Call Center-Agenten sei deshalb ein gesundes Maß an Urteilsvermögen und Kreativität vonnöten. Man brauche motivierte und entschlussfreudige Mitarbeiter.

„Die Softwaretechnologie kann dabei nur unterstützen. Zukünftig wird es im Call Center weniger Mitarbeiter geben, von denen jeder einzelne aber wichtiger wird“, so der Autor des Buches „Rules to break and laws to follow“ (VCH Wiley-Verlag).

Der steigende Anteil der Automatisierung und die immer intelligenter werdenden Self Service-Angebote werden sich nach Ansicht von Peppers auf die gesamte Wirtschaft auswirken:

„Jedes Mal, wenn ein Kunde online geht und großartigen Kundenservice von Amazon, eBay oder Google bekommt, wächst auch sein Service-Anspruch beim Kiosk an der Ecke.“

Ein Kunde ertrage keinen Verkäufer mehr, der nicht weiß, wo die Ware liegt oder der nicht in seiner Pause gestört werden will.

„Die Exzellenz im klassischen Kundenservice und beim Servicedesign muss in den nächsten Jahren deutlich verbessert werden, sonst werden viele Jobs über die Klinge springen“, prognostiziert Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days.

Der Fachmann für automatische Spracherkennung hält Unternehmen für zukunftsfähig, die komplexe Technik möglichst simpel nutzbar machen, das Plug-and-Play-Prinzip beherrschen, auf Produktästhetik achten und im Kundenservice auf persönliche und individuelle Wünsche eingehen.

„Alles andere läuft über Maschinen besser. Es dauert nicht mehr lange, dann können Automaten auf die Stimmungslage des Benutzers reagieren, einen Griesgram mit Humor freundlich stimmen, den Gestressten zügig bedienen und den Ratsuchenden mit ausführlichen und genauen Informationen versorgen – muffelnde Call Center-Agenten, dümmliche Beratung von der Stange, bürokratische Organisationen, überflutete Wartezimmer beim Onkel Doktor, Terminschlampereien von Kfz-Betrieben, Warteschleifen am Telefon oder genervtes Verkaufspersonal kann sich niemand mehr leisten“, warnt Steimel.

Der Kölner Wissenschaftler Bernd Vorwinkel geht in seinen Analysen sogar noch weiter. Er sieht die künstliche Intelligenz im Alltag und Arbeitsleben unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

„Da die künstliche Intelligenz noch nicht über ein eigenes Bewusstsein verfügt, ist sie der menschlichen Arbeitskraft besonders dort überlegen, wo die Tätigkeit auf die Abarbeitung festgelegter Abläufe zurückgeführt werden kann. Damit sind die Bereiche betroffen, in denen keine große Kreativität gefordert wird“, schreibt er in seinem Opus „Maschinen mit Bewusstsein – Wohin führt die künstliche Intelligenz“.

So seien praktisch alle Berufe im Bankenwesen und in der Industrieproduktion im Prinzip schon jetzt durch künstliche Intelligenz ersetzbar. „Selbst bei so anspruchsvollen Tätigkeiten wie der Verwaltung von Aktienfonds haben Computerprogramme in der Regel größeren Erfolg als Menschen…Die Massenproduktion in der Industrie wird schon in naher Zukunft ausschließlich von Computern und Robotern ausgeführt werden können. Auch in der Landwirtschaft werden computergesteuerte Maschinen die Bearbeitung der Nutzflächen bis hin zur Ernte übernehmen“, so die Vorausschau von Vorwinkel. Ähnlich sieht es Steimel:

„Früher brauchte man die Produktion nur auf Masse trimmen, um die Produktivität zu erhöhen. Im Zeitalter der Dienstleistungsökonomie funktioniert das nicht mehr. 70 Prozent der Führungskräfte im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft verbringen ihre Arbeitszeit mit dem Rücken zum Kunden. Das müssen wir umkehren. Heute liegt die Aufgabe darin, im Kundenservice klüger zu arbeiten und sich vom alten Denken des industriekapitalistischen Zeitalters der Massenproduktion zu verabschieden“, fordert Steimel.

Produktivitätssteigerungen könne man bei Dienstleistungen nur über eine Bildungs- und Wissensoffensive erreichen. Wer diese Transformation am besten und schnellsten bewältige, werde das 21. Jahrhundert wirtschaftlich dominieren.

„Das haben viele in unserem Land immer noch nicht begriffen. Erst vor sieben Monaten bescheinigte die OECD dem deutschen Bildungssystem dramatische Mängel. Deutschland war unter 30 Industrienationen abgerutscht von Platz 10 auf Platz 22, viel zu wenig junge Leute studierten. Die heute 45- bis 64-Jährigen weisen bessere Bildungsabschlüsse auf als die 25- bis 34-Jährigen. Der Bildungsstand der Bevölkerung wird in den nächsten Jahrzehnten zum wichtigsten Faktor für Wohlstand und Wirtschaftswachstum“, resümiert Steimel.

Die Autoren Stefan Bonner und Anne Weiss beschreiben den Bildungsabstieg in ihrem Buch „Generation Doof“ noch drastischer. In der jungen Generation gebe es immer mehr geistige Totalschäden: „Grazile Models, deren Gehirn anscheinend so schlank ist wie ihr Körper, und Schüler, die hart auf eine Hartz IV-Karriere hinarbeiten, sind nur die Ausläufer einer großen Intelligenzschmelze. Die Dummheit geht um in Deutschland.“

Mit Mausklick und Spracherkennung ins Rathaus – Automatisierung soll Behördengänge vereinfachen

Über die Hälfte der Deutschen hat einer Forsa-Umfrage zufolge schon einmal die Homepage der eigenen Stadt- oder Gemeindeverwaltung genutzt. 44 Prozent davon hat spezielle Informationen benötigt, 15 Prozent war zum Download von Dokumenten online im Amt. Weitere 9 Prozent haben direkt online Formulare ausgefüllt. Vieles lässt sich inzwischen mit wenigen Mausklicks online erledigen, aber vieles ist auch noch verbesserungsfähig. Fragt man den Deutschland-Chef von Microsoft http://www.microsoft.de, Achim Berg, welche Weiterentwicklung in der Informationstechnik (IT) er herbeisehnt, fällt die Antwort im Sinne vieler Bürger aus: „Dass Verwaltungs- und Behördengänge allesamt online zu erledigen wären“, betont Berg im Interview mit dem Mittelstandsmagazin Impulse http://www.impulse.de.  „Was gestern noch Technikfreaks vorbehalten war, ist morgen für weite Teile der Gesellschaft nutzbar“, so die Erwartung von Berg in Bezug auf die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft, durch die immer mehr Geräte – Handy, Kamera, Internet, Fernsehen – verschmelzen. Er ist zudem der Meinung, dass die Gerätesteuerung über Sprache in einigen Jahren zur Regel wird. Ein Computer würde sich dadurch wesentlich intuitiver bedienen lassen. „Nach dem Einschalten ist er sofort einsetzbar. Außerdem ist er die Medienzentrale im Haushalt“, so die Vision des Microsoft-Managers.  Viele Unternehmen, Länder und Kommunen stellen sich unter dem Aspekt der Vereinfachung und Einsparung die Frage nach der Automatisierung von Auskunftsdiensten und Dienstleistungen. Sprachgesteuerte Telefonservices in Berlin oder Augsburg zum Beispiel bieten verschiedene Möglichkeiten wie Informationen zu Kfz-Zulassungen, Ausweisen, Meldewesen und Führungszeugnissen, Lohnsteuerkarten sowie die Weiterleitung zu Sachbearbeitern der Verwaltung. „Die Diskussion um den Einsatz von Sprachcomputern im telefonischen Kundenservice wird häufig auf das Kostenargument verkürzt. Dabei richtet kein Unternehmen und keine Behörde diese Dienste ein, um Geld zu sparen, sondern um den eigenen Service für die Bürger zu verbessern“, so die Erfahrung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.com.  Mittlerweile ließen sich immer mehr Dienste und Geräte über Sprache steuern. Nach Ansicht von Marktexperten wird sich die Sprachtechnik mit natürlicher Spracherkennung in fast allen Wirtschaftsbranchen etablieren. Das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA http://www.ipa.fraunhofer.de in Stuttgart beschäftigt sich mit dem industriellen Einsatz der Sprachtechnik. Möglichkeiten sieht man bei Instandhaltung, Logistik, Qualitätsmanagement, Reklamationsbearbeitung, Facility-Management und der Unternehmensorganisation. Mit Hilfe von Sprachapplikationen kann der Nutzer freihändig und konzentriert arbeiten. Weil die heutigen Systeme eine natürlich-sprachliche Eingabe erlauben, können Arbeitsprozesse gestrafft werden. So sind Techniker beim Luft- und Raumfahrt-Giganten EADS http://www.eads.com mit einem kleinen Computer und Headset mit Mikrofon ausgestattet. Per Spracheingabe können sie während der Arbeit etwa in einem engen Triebwerk durch das Menü des Rechners steuern und bekommen Anweisungen auf dem PDA angezeigt oder durchgesagt.  Sprachdialogexperte Lupo Pape prognostiziert, dass sich die Intelligenz der Sprachcomputer immer mehr verbessert: „In beruflichen und privaten Angelegenheiten werden sie bald unverzichtbar sein“. Sein Unternehmen arbeitet an entsprechenden Software-Lösungen. Virtuelle persönliche Assistenten sollen dabei nicht nur per Spracherkennung Telefonverbindungen herstellen und das SMS-Diktat auf dem Handy ermöglichen, sondern in Verbindung mit einem Service wie Wikipedia oder Google auf anspruchsvollere Fragen wie „Wer war Simone de Beauvoir?“ oder „Wo ist das nächste Starbucks-Cafe?“ Antwort geben.

Fünfte Webrevolution bringt Systeme, die über Sprache und Gesten gesteuert werden – Handys als virtuelle Alltagsbegleiter

Wer kennt das nicht: Unterwegs im Auto wäre es eigentlich an der Zeit, einen wichtigen Anruf zu tätigen. Die Nummer ist allerdings gerade nicht verfügbar oder ein Zugriff auf das Adressbuch des Handys nicht gefahrlos möglich – der Anruf wird daher verschoben. Unter dem Strich nicht nur ärgerlich, sondern für Firmen auch teuer. Denn zusammengerechnet entstehen für mobile Mitarbeiter durch vergleichbare Versäumnisse jährlich beträchtliche Zeitverluste. Durch moderne Sprachdialogsysteme soll sich das ändern. „Innovative Sprachanwendungen werden in Zukunft ein ständiger virtueller Begleiter des mobilen Menschen sein“, prognostiziert Lupo Pape, Sprachdialogexperte und Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.com.  
Sein Berliner Unternehmen arbeitet an Software-Lösungen, um mobile Endgeräte über Sprache steuern zu können. Virtuelle persönliche Assistenten sollen dabei nicht nur per Spracherkennung Telefonverbindungen herstellen und das SMS-Diktat auf dem Handy ermöglichen, sondern in Verbindung mit einem Service wie Wikipedia oder Google auf anspruchsvollere Fragen wie „Wer war Simone de Beauvoir?“ oder „Wo ist das nächste Starbucks-Cafe?“ Antwort geben. 
 
Bereits heute ist ein Teil dieser Vision Realität: Der persönliche Assistent, wie er Daimler entwickelt wurde, ist eine Vermittlungs- und Assistenzanwendung für die Mitarbeiter des Konzerns. „Das System liest während der Fahrt E-Mails vor oder sucht den nächsten Zug für die Weiterfahrt mit der Bahn. Es kennt sowohl das private als auch geschäftliche Adressbuch seines Nutzers und baut nach einer Spracheingabe wie etwa ‚Martin Meyer Handy’ sofort die entsprechende Verbindung auf“, erläutert Pape.
 
Grundlage dafür sei die Verbundworterkennung. So könne das System nicht nur einzelne Wörter, sondern auch Wortkombinationen identifizieren. „Diese Fähigkeit ist eine weitere Stufe auf dem beschwerlichen Weg zum Ziel: Die Erkennung menschlicher Sprache ohne Einschränkung des Vokabulars“, weiß Pape.
 
Das System ist an einen Least-Cost-Router angeschlossen, entscheidet sich daher automatisch für die günstigste Telefonverbindung und verwirklicht zudem ein so genanntes One-Number-Konzept für die ständige Erreichbarkeit der Mitarbeiter. „Sie sind überall unter einer Durchwahl erreichbar und bieten Ihren Kunden und Partnern einen perfekten Service“, skizziert Pape die Vorteile der Anwendung, die nach Auffassung von Microsoft-Chef Steve Ballmer zukunftsweisend ist: „Zig verschiedene Telefonnummern oder Adressen werden überflüssig“, betonte Ballmer in seiner Cebit-Eröffnungsrede. Nach seiner Einschätzung stehen wir vor einer fünften Web-Revolution. Sie werde geprägt von enormen Rechenkapazitäten und einem quasi unendlichen Speicherplatz. „Hochgeschwindigkeitsverbindungen sind allgegenwärtig und die Systeme können mit Sprache und Gesten bedient werden“, sagte Ballmer.
 
Unter dem Motto „Mit Sprache mehr erreichen“ wird auch der Fachkongress Voice Days http://www.voicedays.de vom 15. bis 16. Oktober Entwicklungen in Wiesbaden präsentieren, die alle relevanten Gebiete und Medien der Sprachverarbeitung einschließen: „Es geht um Spracherkennung als Eingabe- oder Ausgabemedium für Handys, um Stimmerkennung, die Suche von Audioinhalten, den Zugang zu Internet-Informationen oder den Einsatz im Mitmach-TV“, sagt Veranstalter Jens Klemann von der Bad Homburger Unternehmensberatung Strateco http://www.strateco.de. Im Trendforum der Voice Days werden die wichtigsten Innovationsgebiete vorgeführt: „Mobile Services powered by Voice oder Diktierfunktionen und Voicemail-Reader, Multichannel-Lösungen und Sprach-Biometrie für sicheres Telefon- und Online-Banking. Auch Analyse-Tools zur Qualitätssicherung, Perspektiven für Voice Web 3.0 und das semantisches Web gehören zu den Zukunftsthemen, die wir thematisieren“, so der Ausblick von Klemann.

Kostenlos-Mentalität der Internetnutzer wird sich auch im Mobilfunk durchsetzen

Mobile Internetdienste werden nach Ansicht von Branchenexperten darüber entscheiden, wer den Wettlauf in der digitalen Kommunikationswelt gewinnen wird. Hier stehen nicht nur Konzerne wie Microsoft unter Druck, sondern auch die Handyhersteller. „Wer sich heute noch auf den Verkauf von Mobiltelefonen fokussiert, wird ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Konzerne Grundig oder Telefunken, die im Fernsehgeschäft den Kampf gegen die japanische Billigkonkurrenz verloren haben und von der Bildfläche verschwunden sind“, warnt Mobilfunkexperte Michael Sander, Geschäftsführer der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de.  Das Geschäft mit mobilen Diensten biete neue Ertragspotenziale und werde auch das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und Netzbetreibern verändern. „Nokia hat das erkannt und entwickelt auf der Plattform Ovi http://ovi.nokia.com mobile Internetdienste für Musik, Fernsehen, Spiele und Navigation“, sagt Sander. Die Bündelung verschiedener mobil verfügbarer Inhalte und Dienste auf einer Plattform ist auch nach Einschätzung von Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung des Bonner Mehrwertdienste-Anbieters NEXT ID http://www.next-id.de, vielversprechend: „Der Trend geht klar hin zu hybriden Geschäftsmodellen, die ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle über alle Medien hinweg integrieren und so die entscheidenden Verbundeffekte und Preisbündelungen, aber auch eine übergreifende Kundenbindung ermöglichen. Strategisches Ziel ist die Diversifikation der Erlösquellen, um sich langfristig im Markt behaupten zu können“, so Zilles.  Ovi ist nach Meinung von Bernhard Steimel, Autor des Praxisleitfadens Mobile Marketing http://www.absatzwirtschaft.de/mobile-marketing, auch eine strategische Antwort auf das iPhone von Apple: „Ich bin allerdings skeptisch, ob eine vergleichbare Erfolgsstory wie bei iTunes noch ein zweites Mal geschrieben werden kann. Mittelfristig werden sich weder Hersteller noch Netzbetreiber erfolgreich als Türsteher zum mobilen Internet behaupten können. Vielmehr wird sich eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Internet vollziehen: von einer BTX-Welt über Dienste wie AOL zum World Wide Web“, sagt Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de. Mit steigenden Werbeausgaben für das mobile Internet komme es zu einer Veränderung der Geschäftsmodelle. „Ich rechne im Mobilfunk mit einer Entwicklung wie beim klassischen Internet. Werbefinanzierte Inhalte führen zu einer stärkeren Nutzung des mobilen Internets – auch hier wird sich die ‚Kostenlos-Mentalität’ durchsetzen“, prognostiziert Steimel. Das iPhone belege eindeutig, dass ein neues „vertikales“ Geschäftsmodell nur funktioniert, wenn ein attraktives Online-Portal kombiniert werde mit einem attraktiven Multimedia-Endgerät und einer nahtlosen Integration. „Die wahren Konkurrenten der Handyhersteller sind deshalb die Suchmaschinen-Giganten Google und Yahoo“, erläutert der Internetkenner Steimel.

Internet der Zukunft wird von Sprachtechnologie beherrscht – Microsoft, Google und Yahoo setzen auf intuitive Mensch-Maschine-Kommunikation

Die Internetsuche wird sich nach Ansicht von Webexperten immer mehr in Richtung Spracherkennung bewegen: „Wir finden es sehr wichtig, dass man seine Fragen in einer natürlichen Sprache eingeben kann. Ich rechne damit, dass das noch fünf oder zehn Jahre dauert“, prognostiziert die Google-Strategin Marissa Mayer im Gespräch mit der FAZ http://www.faz.net Bedeutsam werde zudem die Suche in Audiodateien. „Wir haben schon verschiedene Varianten untersucht, mit denen wir zum Beispiel die Texte aus Podcasts herausschreiben und durchsuchbar machen können. Aber das ist sehr schwierig. Musikaufnahmen interessieren uns dagegen nicht so sehr. Denn da sind die rechtlichen Fragen sehr schwierig“, so Mayer gegenüber der FAZ. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Microsoft-Gründer Bill Gates: „Der Wandel wird sich umso schneller vollziehen, je mehr die Technik sich den Bedürfnissen der Menschen im Umgang der Menschen miteinander anpasst. Durch den Einsatz kostengünstigerer und leistungsstärkerer Computer konnten Forscher bereits viele Probleme lösen, zum Beispiel kann die Technik jetzt Sprache und Handschrift verstehen. Gerade erst entstehen Möglichkeiten, den Computer intuitiv zu nutzen – indem wir sehen, sprechen, etwas berühren, von Hand schreiben und gestikulieren“, glaubt Gates. Dass man dem Computer Dinge so einfach mitteilen und seine Antworten so einfach verstehen könne, werde enorme Auswirkungen auf unseren alltäglichen Umgang mit Technik haben, aber auch auf den Umgang der Menschen untereinander.

 

Den Durchbruch erwarten Branchenkenner allerdings wesentlich früher: „Die Google-Strategin Mayer stapelt bewusst tief. Fünf bis zehn Jahre wird es auf keinen Fall dauern, bevor wir mit natürlicher Sprache auch Suchmaschinen steuern können. So bietet Google in den USA schon jetzt einen experimentellen Sprachservice unter dem Namen ‚Google Voice Local Search’ an. Unter der Nummer 1-800-GOOG-411 kann man den Namen eines Unternehmens oder einer Unternehmensbranche in allen Teilen der USA anfragen. Das erfolgt nach der Eingabeaufforderung. Man kann Stadt und Bundesstaat oder wahlweise die Postleitzahl in einem Satz nennen: Nachdem der Anrufer einen Eintrag gewählt hat, hat er in nächster Instanz die Möglichkeit, den Anruf direkt zu tätigen“, weiß Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de. Das lokale Suchsystem sei vollständig automatisiert und liefere die gleichen lokalen Geschäftsinformationen wie Google Maps. „Die Ergebnisse werden über das Text-to-Speech-System wiedergegeben und können zudem als SMS auf den Mobiltelefonen abgerufen werden“, sagt Sprachdialogexperte Pape. Auch Bernhard Steimel, Sprecher des Fachkongresses „Voice Days“ http://www.voicedays.de, geht davon aus, dass der Suchmaschinengigant schon in den nächsten Jahren ausgereifte Konzepte für Sprachtechnologie präsentiert: „Die Rekrutierung von Mike Cohen als Manager der Speech Technology Group ist ein untrügliches Zeichen für die Google-Strategie. Nachdem Cohen bei SRI International ein volles Jahrzehnt aktiv in der Forschungsarbeit für Spracherkennung tätig war, hat er als Mitgründer die damalige Nuance Communications aufgebaut. Letztere ist mittlerweile durch ScanSoft, die den Namen Nuance übernommen hat, aufgekauft worden“. Google wisse sehr genau, dass eine große Anzahl von Informationen in der Welt gesprochene Informationen seien. Hierzu gehörten auch die Audio-Angebote, die sich immer stärker im Internet ausbreiten. „Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit von Cohen sehe ich bei Dialogsystemen für mobile Endgeräte“, spekuliert Steimel. Auf den diesjährigen Voice Days im Oktober zähle die Endgerätesteuerung durch Spracherkennung zu den wichtigsten Trendthemen: „Und da will Google in der ersten Liga mitspielen. Sie werden das Ziel verfolgen, die Interaktion mit Endgeräten so einfach und kurz wie möglich zu gestalten, dabei allerdings nicht so kurz, dass der Nutzer sein Ziel verfehlt. Die Nutzererfahrung zu vereinfachen, ist selbst im Web von Bedeutung und Google ist bekannt für das knappe Interface seiner Suchfunktionen. Bei mobilen Geräten ist das Streamlining von noch größerer Bedeutung, besonders dann, wenn die Interaktion komplett von einem Sprachsystem getragen wird, da die Sprachausgabe als Serie verläuft und langsamer als eine Textmitteilung ist“, erklärt Steimel.  

Auch der Konkurrent Yahoo arbeite fieberhaft an besseren Input-Vorrichtungen für mobile Engeräte. „Es ist sehr schwierig, eine lange URL in das Telefon einzugeben. Ebenso problematisch ist es, längere Texte einzutippen und Dinge anzuklicken und dann, nachdem man etwas angeklickt hat, noch auf die Antwort zu warten. Aspekte wie Dringlichkeit, das Bedürfnis nach Schnelligkeit und eine leichte, komfortable Handhabung spielen für Yahoo eine größere Rolle als dies beim PC der Fall ist“, so Steimel. Der Sprachtechnologie-Wettkampf des Dreigestirns Microsoft, Google und Yahoo werde nach seiner Meinung wie ein Katalysator wirken und die digitale Kommunikation revolutionieren.