Viele Führungskräfte sind neurotisch, aggressiv und machiavellistisch – Alles nur Hirngespinste? #Digitreff

Cemo‏ @kybernethik bei der Digitreff Disputation

Was als Kritik am Wertesystem der bürokratisch-bürgerlichen Gesellschaft in den späten siebziger Jahren über die Neuen Sozialen Bewegungen forciert wurde, reduzierten vulgär-kapitalistische Strömungen auf eine Demontage des Wohlfahrtsstaates.

„Mit völlig verschiedenen Motiven priesen beide Autonomie und Spontanität und lehnten die Disziplin in der hierarchischen Organisation ab. Anstatt Anpassung an vorgegebene Rollen verlangten sie Individualität und Diversität. Experimente, Offenheit für Neues, Flexibilität und Veränderung wurden nun als positiv besetzte Grundwerte etabliert. Beide Bewegungen operierten mit dem attraktiven Begriff der persönlichen Freiheit, wobei die Neuen Sozialen Bewegungen diesen in einem sozialen Sinn als Freiheit der Persönlichkeitsentfaltung und des Zusammenlebens verstanden, die neoliberale Politik ihn hingegen in einem ökonomischen Sinn als Freiheit des Marktes begriff“, so Felix Stalder in seinem Opus „Kultur der Digitalität.

Flache Hierarchien ohne Freiheitsgewinn

Ein Heer von Managementberatern, Umstrukturierungsexperten und neuen Unternehmern plädiert zwar für flache Hierarchien, Eigenverantwortlichkeit, Innovation und Flexibilität – ohne die Machtstatik auch nur in Ansätzen anzutasten.

„Größere Unternehmen wurden restrukturiert, so dass sich ganze Abteilungen als eigenständige ‚profit centers‘ wiederfanden. Dies geschah unter der Maßgabe, mehr Spielraum zu ermöglichen und den Unternehmergeist auf allen Ebenen zur Entfaltung zu bringen mit dem Ziel, die Wertschöpfung zu erhöhen und dem Management bessere Durchgriffsmöglichkeiten an die Hand zu geben“, schreibt Stalder.

Sozialstaatliche Absicherung Einzelner hält man für überholt. Kollektive Institutionen, die für eine gewisse Stabilität in der Lebensführung sorgen können, gelten als bürokratische Hindernisse. Um politische Freiheit, soziale Verantwortung und Autonomie geht es den Flexibilisierungsideologen ganz und gar nicht. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, so könnte man die rhetorische Farce der New Work-Adepten zusammenfassen.

Mitarbeiter meckern zu viel, reiben sich an den Umständen und betreiben Führungskräfte-Bashing – solche Beschwichtigungssätze fielen auch beim Bonner Digitreff in der New Work-Diskussion.

Sind also die kritischen Äußerungen des ehemaligen Personalvorstandes Thomas Sattelberger alles nur Hirngespinste? Warum kommen so viele Psychopathen in Top-Positionen? Dort sei das Klonen extrem ausgeprägt.

„Topmanager sind deutsche, weiße, männliche, ähnlich ausgebildete Konzerngewächse, meist mit einem ansehnlichen ‚McKinsey & Co‘-Hintergrund, die dann eine lineare, gleichförmig verlaufende Schnelldusche als Manager in Hauptverwaltungen absolviert haben. Die Topmanager heute sind zwar akademischer als früher, aber damit nicht unbedingt gebildeter. Statt vieler Patriarchen haben wir jetzt mehr Technokraten in den Konzernen.“

Viele von denen haben nach Erfahrungen von Sattelberger einen Schatten in der Birne: Sie sind neurotisch, aggressiv und machiavellistisch – also machtbesessen. Auch der Psychologe Robert Hare beschreibt die Einstellungen und Handlungen vieler Führungskräfte im Unternehmen als psychopathisch. Es gilt, „Konkurrenten zu vernichten oder auf die eine oder andere Weise zu schlagen. Sie zerbrechen sich nicht lange den Kopf darüber, wie sich ihr Verhalten auf die breite Öffentlichkeit auswirkt, solange die Leute die Produkte des Unternehmens kaufen.“ Nachzulesen in dem Joel Bakan-Opus „Das Ende der Konzerne“.

Große Unternehmen unterliegen komplett der Psychopathie-Diagnose von Hare. Sie handeln unverantwortlich, weil bei der Verfolgung ihrer Ziele jeder gefährdet ist, der ihnen in die Quere kommt. Sie versuchen, alles und jeden zu manipulieren, einschließlich der öffentlichen Meinung. Im Social Web wird das mit dem Weihrauch digitaler Coolness kaschiert. Hare verortet bei Konzernen – bei großen Mittelständlern ist das nicht anders – einen Hang zum Größenwahn, wenn sie ständig behaupten, die Nummer eins zu sein.

Zu beobachten bei jedem Messe-Kickoff mit Tschakka-Gebrüll. Asoziale Neigungen sind ebenfalls typisch und die Unfähigkeit, Schuldgefühle zu empfinden. Wenn sie wie VW bei einem Gesetzesverstoß erwischt werden, zahlen sie den Ablass und machen unbeirrt weiter. Bei Großunternehmen regieren oberflächliche Kontakte:

„Ihr einziges Ziel besteht darin, sich der Öffentlichkeit auf eine Weise zu präsentieren, die anziehend wirkt, aber nicht kennzeichnend für ihre wahre Natur sein muss“, so Hare.

Das zählt zu den herausragenden Kennzeichen von Psychopathen. Sie sind berüchtigt für ihre Fähigkeit, ihre egozentrische Persönlichkeit hinter einer einnehmenden Fassade zu verbergen. Man braucht nur auf die unrühmliche Geschichte des Energiekonzerns Enron blicken, die sich mit großzügigen Unterstützungen von Kommunen, Kunstprojekten, Museen, Bildungseinrichtungen und Umweltschutzgruppen hervortaten. Am Ende brach der Wohltätigkeitsaktionismus unter der Last von Habgier, Überheblichkeit und krimineller Energie zusammen.

Siehe auch:
Über das notwendig falsche Bewusstsein des #DigiTreff

Gallup: Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter zur inneren Kündigung treiben

Karriere im Kreisverkehr der Deutschland AG

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Wie viel #NewWork steckt denn nun in der Arbeitswelt? #DigiTreff Vorschau

Gesamtwirtschaftlich haben wohl die ganzen New Work-Initiativen nicht viel gebracht, auch wenn es hie und da ein paar Vorzeigeunternehmen gibt, die auf Konferenzbühnen gerne als schillernde Beispiele gezeigt werden. An einer entscheidenden Stellschraube ändert sich nichts:

„Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hängt sehr stark von Führungsqualitäten ab“, so Gallup-Studienleiter Marco Nink in einer Session auf der re:publica in der Watson Work Lounge von IBM.

Wie werden die emotionalen Bedürfnisse der Beschäftigten am Arbeitsplatz berücksichtigt? Da sieht es düster aus.

„Ist da jemand, der sich für mich als Mensch interessiert? Bin ich nicht nur ein Rädchen im Getriebe oder werde ich wirklich als Individuum behandelt? Die jährliche Engagement-Studie von Gallup fördert in den vergangenen 16 Jahren ein sehr drastisches Bild zutage. Den wenigsten Führungskräften gelingt es, diese Bedürfnisse zu adressieren“, erläutert Nink.

Die große Masse der Beschäftigten macht deshalb Dienst nach Vorschrift.

„Das ist keine Frage der Einstellung auf Seiten der Mitarbeiter, sondern eine Frage der Mitarbeiterführung“, betont Nink.

Was läuft also falsch in unserem Land, wo wir doch seit Ewigkeiten über New Work, Motivation, flache Hierarchien, Mitbestimmung, 360-Grad-Beurteilungen, rote und blaue Felder in Organisationen, kybernetische Steuerungsmethoden und Motivationsmethoden sinnieren?

97 Prozent der Führungskräfte finden sich toll

„Es beginnt beim Fremdbild und Selbstbild der Führungskräfte. Wir haben in der letzten Untersuchung gefragt, wie sich Führungskräfte einschätzen. Nahezu alle, also 97 Prozent haben uns gesagt, sie halten sich für eine gute Führungskraft. Wenn man das Fremdbild dagegen setzt, passt das überhaupt nicht zur Realität. Sieben von zehn Beschäftigten geben zu Protokoll, in ihrer beruflichen Karriere auf schlechte Führungskräfte gestoßen zu sein. Ein Fünftel denkt zur Zeit darüber nach, wegen des direkten Vorgesetzten das Unternehmen zu verlassen“, sagt der Gallup-Forscher.

Humankapital als Kostenfaktor

Es reicht wohl nicht aus, in hübschen Schaubildern und abstrakten Abhandlungen über die Veränderungen der Organisation zu fabulieren. Man muss grundlegender denken. Was macht gute Führung aus? Fast alle Vorgesetzten sind nach Erfahrungen von Nink fachlich hervorragend ausgebildet. Im Tagesgeschäft reicht das nicht aus. In MBA-Programmen, in der BWL oder in Business-Schools geht es in erster Linie um Kennzahlen, das Verwalten und um „Humankapital“ als Kostenfaktor. Der menschliche Umgang mit Mitarbeitern steht nicht auf der Agenda. „Wir müssen die Ausbildung verändern und die Beförderungslogik in Unternehmen durchbrechen. In Deutschland macht jemand Karriere, wenn er lange dabei ist oder etwas besonders gut in seinen fachlichen Aufgaben kann. Das sind keine belastbaren Indikatoren. In vielen Fällen befördern Unternehmen ihre qualifizierten Mitarbeiter zu einer ganz schlechten Führungskraft“, kritisiert Nink in Berlin.

Fehlanzeige bei digitaler Medienkompetenz

Besonders mangelhaft seien die digitalen Medienkompetenzen. Es gehe nicht mehr nur um Face-To-Face-Gespräche, sondern auch um virtuelle Teams, um Interaktion und um Matrix-Organisationen. „Man schaut auf Kennzahlen und missachtet dabei die weichen Faktoren, was wiederum zu Lasten der Kennzahlen geht“, moniert Nink. Ein Teufelskreis, der den Druck im Unternehmen weiter erhöht. Dabei haben Teams mit emotionaler Bindung 50 Prozent weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation, weniger Arbeitsunfälle und weniger Schwund in der Produktion. Sie kommen auch bei Kundenbewertungen besser weg. Wer sich um die qualitativen Kriterien der Arbeit nicht kümmert, versagt auch bei den quantitativen Kriterien. So einfach ist das.

Seit einigen Wochen gibt es dazu einen sehr kritischen New Work-Diskurs:

„Grundtenor der Diskussion ist, dass das, was ‚oberflächlich nach Emanzipation aussieht, in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln’ sein könnte, wie es die englische Philosophin Nina Power in Bezug auf das Neue Arbeiten schrieb“, so die DigiTreff-Moderatorin Inga Ketels.

Wie werden die emotionalen Bedürfnisse der Beschäftigten am Arbeitsplatz berücksichtigt? Da sieht es düster aus.

„Ist da jemand, der sich für mich als Mensch interessiert? Bin ich nicht nur ein Rädchen im Getriebe oder werde ich wirklich als Individuum behandelt? Die jährliche Engagement-Studie von Gallup fördert in den vergangenen 16 Jahren ein sehr drastisches Bild zutage. Den wenigsten Führungskräften gelingt es, diese Bedürfnisse zu adressieren“, erläutert Nink.

Die große Masse der Beschäftigten macht deshalb Dienst nach Vorschrift.

„Das ist keine Frage der Einstellung auf Seiten der Mitarbeiter, sondern eine Frage der Mitarbeiterführung“, betont Nink.

Was läuft also falsch in unserem Land, wo wir doch seit Ewigkeiten über New Work, Motivation, flache Hierarchien, Mitbestimmung, 360-Grad-Beurteilungen, rote und blaue Felder in Organisationen, kybernetische Steuerungsmethoden und Motivationsmethoden sinnieren?

97 Prozent der Führungskräfte finden sich toll

„Es beginnt beim Fremdbild und Selbstbild der Führungskräfte. Wir haben in der letzten Untersuchung gefragt, wie sich Führungskräfte einschätzen. Nahezu alle, also 97 Prozent haben uns gesagt, sie halten sich für eine gute Führungskraft. Wenn man das Fremdbild dagegen setzt, passt das überhaupt nicht zur Realität. Sieben von zehn Beschäftigten geben zu Protokoll, in ihrer beruflichen Karriere auf schlechte Führungskräfte gestoßen zu sein. Ein Fünftel denkt zur Zeit darüber nach, wegen des direkten Vorgesetzten das Unternehmen zu verlassen“, sagt der Gallup-Forscher.

Humankapital als Kostenfaktor

Es reicht wohl nicht aus, in hübschen Schaubildern und abstrakten Abhandlungen über die Veränderungen der Organisation zu fabulieren. Man muss grundlegender denken. Was macht gute Führung aus? Fast alle Vorgesetzten sind nach Erfahrungen von Nink fachlich hervorragend ausgebildet. In MBA-Programmen, in der BWL oder in Business-Schools geht es in erster Linie um Kennzahlen, das Verwalten und um „Humankapital“ als Kostenfaktor.

Der menschliche Umgang mit Mitarbeitern steht nicht auf der Agenda.

„Wir müssen die Ausbildung verändern und die Beförderungslogik in Unternehmen durchbrechen. In Deutschland macht jemand Karriere, wenn er lange dabei ist oder etwas besonders gut in seinen fachlichen Aufgaben kann. Das sind keine belastbaren Indikatoren. In vielen Fällen befördern Unternehmen ihre qualifizierten Mitarbeiter zu einer ganz schlechten Führungskraft“, kritisiert Nink in Berlin.

Fehlanzeige bei digitaler Medienkompetenz

Besonders mangelhaft seien die digitalen Medienkompetenzen. Es gehe nicht mehr nur um Face-To-Face-Gespräche, sondern auch um virtuelle Teams, um Interaktion und um Matrix-Organisationen.

„Man schaut auf Kennzahlen und missachtet dabei die weichen Faktoren, was wiederum zu Lasten der Kennzahlen geht“, moniert Nink.

Ein Teufelskreis, der den Druck im Unternehmen weiter erhöht. Dabei haben Teams mit emotionaler Bindung 50 Prozent weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation, weniger Arbeitsunfälle und weniger Schwund in der Produktion. Sie kommen auch bei Kundenbewertungen besser weg. Wer sich um die qualitativen Kriterien der Arbeit nicht kümmert, versagt auch bei den quantitativen Kriterien. So einfach ist das. Seit einigen Wochen gibt es dazu einen sehr kritischen New Work-Diskurs: „Grundtenor der Diskussion ist, dass das, was ‚oberflächlich nach Emanzipation aussieht, in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln’ sein könnte, wie es die englische Philosophin Nina Power in Bezug auf das Neue Arbeiten schrieb“, so die DigiTreff-Moderatorin Inga Ketels.“>Ausführlich bei den Netzpiloten nachzulesen.

Darüber wollen wir debattieren beim zweiten Digitreff in Bonn. 18. Mai, ab 18 Uhr.

Kommt vorbei. Kostenlos hier anmelden.

Man hört, sieht und streamt sich.

Siehe auch:

Workshops und Open Space Roundtable in der Watson Work Lounge #rp17 #IBM

Auf zur re:publica nach Berlin vom 8. bis 10. Mai 🙂

Hier nun das komplette Programm in Halle 8 in der Watson Work Lounge von IBM auf der re:publica.
Die Roundtable werde ich über Hangout on Air live übertragen (auf YouTube schon vorgeplant) und die Workshops sowie die Einzelinterviews im Format „Auf einen Cappucino“ mit dem Programm Ecamm Live via Facebook.

Workshops/Roundtable in der Watson Work Lounge, Montag, 8. Mai 2017
Moderation: Gunnar Sohn, Wirtschaftsblogger

10:00 Uhr: Reden wir Tacheles – Die traurige Realitätsferne von digitalen ArbeitsweltenOpen Space-Roundtable mit Mike Schnoor von der Agentur Guts & Glory und Gunnar Sohn

Alles bleibt, wie es ist, nur mit Internetanschluss? Die immer noch vorherrschende Fabriklogik zieht mit digitalen Mitteln auch in die Büroarbeit ein, berichtet brandeins in der März-Ausgabe und bezieht sich auf eine Studie des Soziologen Andreas Boes: „Die Arbeit im Büro ähnele immer mehr der Arbeit in der Fabrik: Kleine, standardisierte Arbeitsschritte würden unter Zeitdruck wie an einem ‚digitalen Fließband‘ am Computer abgearbeitet und von Software protokolliert.“ Wie kann man es besser machen?

11:00 Uhr: Design Thinking Workshop auf der re:publica
mit Stéphane Rodet, Marion Brülls & Felix Herrmann, IBM Design Studios

Was ist IBM Design Thinking? IBM Design Thinking umfasst Prinzipien, die helfen Bedürfnisse von Kunden und Nutzern zu erkennen, zu verstehen und auf große Teams und Projekte moderner digitaler Unternehmen zu skalieren. Kundenerlebnisse werden verbessert und Produkte und Dienstleistungen nutzerorientiert entwickelt. In einem interaktiven Workshop erhalten Sie Einblicke in IBM Design Thinking und erleben Methoden, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit praktizieren können.

11:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Sven Semet, HR Thought Leader, IBM
zum Thema: Brauchen wir noch Chefs in Unternehmen?

12:00 Uhr: New Work-Initiativen ohne Wirkung? Über die Arbeitszufriedenheit in Deutschland – Gespräch mit dem Gallup-Studienleiter Marco Nink und Gunnar Sohn

In Zeiten guter Konjunktur und fehlender Fachkräfte unternehmen viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen und dementsprechend mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit sind, bei 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Das sind die zentralen Ergebnisse des Engagement Index 2016, den das Beratungsunternehmen Gallup vorgestellt hat.

12.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

13:00 Uhr: Sind Bots die besseren Kundenberater?Open Space-Roundtable mit dem Digital-Berater Christian Bartels

Was wäre wohl Sherlock Holmes ohne seinen treuen Freund und Berater Dr. John H. Watson? Nichts. Der Meisterdetektiv empfindet Watsons Pragmatismus als Bereicherung und Ergänzung seines eigenen, etwas exzentrischen Charakters und schätzt ihn als Rezipienten seiner deduktiven Schlüsse. Ein unverzichtbarer Sparringspartner, der die hellsichtigen Einfälle von Holmes beflügelt. Was würde die Service-Branche machen, wenn ein virtueller Assistent ähnliches leistet? Keine skriptgesteuerte Hotline-Fließband-Beratung, Abschied von der Warteschleife und personalisierte Beratung auf Profiniveau mit Gedächtnis. Könnten Bots das leisten?

13:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Michael O. Schmutzer, CEO, Design Offices
zum Thema: Wie New Work und Digitalisierung unsere Art zu Arbeiten verändern

14:00 Uhr: Wie sieht eine agile Organisation aus und kann das funktionieren?
Miriam Kamal-Specht (ms@yellow-frog.de), Dorothee Töreki (toereki@de.ibm.com), Arnd Layer (arnd.layer@de.ibm.com)

Klassische Formen der Unternehmensorganisation werden immer mehr als problematisch angesehen. Sie gelten als zu langsam, kostspielig und unfähig, sich schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Auf der anderen Seite stellen sie ein Korsett dar, das Stabilität und Haltung gibt. Agile Organisationen werden als Alternative gesehen. Ideen wie flache Hierarchien, iterative Ansätze, Design Thinking, DevOps und Holokratie sollen Unternehmen in Schwung bringen. In diesem Workshop wollen wir diesen Ideen auf den Grund gehen und herausfinden, ob und wie sie funktionieren. Gibt es Best Practices und wo liegen die Fallstricke? Beteiligen Sie sich an der Diskussion mit Ihren Fragen, Erfahrungen und Meinungen.

15:00 Uhr: Kollege Watson in der Personalabteilung – Praxisworkshop
Roger Haenggi, Karin Fuhry, Sven Semet (IBM)

Mit Analytics und künstlicher Intelligenz werden HR-Abteilungen zukünftig verstärkt Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen und das Top-Management zielsicher unterstützen. Holen Sie die Zukunft in die Gegenwart und erfahren Sie, welche neuen methodischen und technologischen Möglichkeiten Ihnen mit IBM Watson Talent im HR Alltag offenstehen. Wir befassen uns u.a. mit der Frage wie „ready“ Unternehmen für z.Bsp. People Analytics sind und wie HR Abteilungen in drei bis fünf Jahren aussehen werden.

15.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

Kleiner Eindruck vorab:

16:00 Uhr: Patientenorientierung in Digital HealthOpen Space-Roundtable mit Gerlinde Bendzuck von Deutsche Rheuma-Liga und Bart de Witte, IBM Director Digital Health DACH.

Digitale Gesundheitsanwendungen, ob Medizinprodukt oder Wellness und Lifestyle, digitale Hilfsmittel und digitale Krankheits-Managementprozesse werden sich nicht von selbst und über die Nachfrage in Richtung inklusiver und für viele zugänglicher und nutzbarer Produkte entwickeln. Daher brauchen wir unter systematischer Einbeziehung der Nutzerinnen und Nutzer einen neuen Usability-Diskurs.

Workshops/Roundtable in der Watson Work Lounge, Mittwoch, 10. Mai 2017
Moderation: Gunnar Sohn, Wirtschaftsblogger

11:00 Uhr: Achtsamkeit im digitalen Zeitalter
K. Helena Ernst & Anja Schlenk Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

So etwas wie die „10 Gebote der achtsamen Selbstführung im digitalen Zeitalter“ gibt es nicht! Wie aber lässt sich mit der Digitalisierung umgehen, ohne dass die als sehr individuell empfundene Lebensqualität leidet? Viele Menschen fürchten in der Informationsflut unterzugehen, wenn alle und jeder alles teilen. Es hilft, sich auf sich selbst, seine Stärken, seine Erfolge und nicht zuletzt auf die eigenen Werte zu besinnen, und diese als eine Art Geländer für das tägliche Handeln zu nutzen.

11:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Sven Semet, HR Thought Leader, IBM
zum Thema: Brauchen wir noch HR im Rahmen der Digitalisierung?

12:00 Uhr: Interaktive Session: Die Big Bang Content Show – Intuition gegen Verstand
Ralf Junge, Lead Content Strategy bei Aperto – An IBM Company & Dominik Multhaupt, Strategy Director bei Aperto – An IBM Company

Früher wollte jeder was mit Medien machen, heute macht jeder was mit Content. Die Praxis zeigt jedoch: nicht jeder ist dabei erfolgreich. Denn nicht jeder versteht Content als Service und damit als einen zentralen Teil der User Experience. Ob automatisiert oder mithilfe künstlicher Intelligenz oder für Plattformen – es braucht als Grundlage immer verlässliche Daten, strukturierte Analysen und einen Service-Design-Ansatz, der sich am Nutzer orientiert. Eben eine gute und fundierte Content Strategie. Man sollte meinen, in Zeiten von Big Data kein Problem, doch scheuen sich viele Unternehmen vor dem Einsatz von Daten – und verlassen sich lieber auf die Intuition. Die Session startet mit einer interaktiven Gameshow mit Beispielen für gute und schlechte strategische Ansätze. Im Anschluss werden Kriterien und Vorgehensweisen für eine Content Strategie – heute und auch in Zukunft – vorgestellt.

Infos zu Ralf Junge.

12.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

13:00 Uhr: Roundtable: Wie Maschinen mit hochentwickelten Kompetenzen die Wissensarbeit verändernOpen Space-Roundtable mit dem KI-Experten Stefan Holtel von Brightone und Gunnar Sohn.

James Watt erfand die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert. Sie übertraf die menschliche Muskelkraft um ein Vielfaches. Niemand stellte sich vor, dass diese Erfindung massive Konsequenzen bringen würde: Die Dampfmaschine erhöhte die industrielle Produktion, führte zu gesellschaftlichen Umwälzungen und veränderte die politische Landschaft. Es gab keine historische Parallele über die Wirkung einer speziellen technischen Erfindung auf die Menschheit in so kurzer Zeit. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts könnten wir mit der Künstlichen Intelligenz eine ähnliche Dynamik erleben.

14:00 Uhr: Design Thinking Workshop auf der re:publica
Stéphane Rodet, Marion Brülls & Felix Herrmann, IBM

Was ist IBM Design Thinking? IBM Design Thinking umfasst Prinzipien, die helfen Bedürfnisse von Kunden und Nutzern zu erkennen, zu verstehen und auf große Teams und Projekte moderner digitaler Unternehmen zu skalieren. Kundenerlebnisse werden verbessert und Produkte und Dienstleistungen nutzerorientiert entwickelt. In einem interaktiven Workshop erhalten Sie Einblicke in IBM Design Thinking und erleben Methoden, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit praktizieren können.

14.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

15:00 Uhr: Roundtable: KI, Big Data, Nudging und Verhaltenssteuerung durch Algorithmen: Brauchen wir eine Maschinen-Ethik? Netzökonomischer DiskursOpen Space-Roundtable mit dem Wirtschaftsblogger Gunnar Sohn

Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, ruft dazu auf, dem Credo des Philosophen Kant zu folgen: Aufklärung ist der Ausweg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und die Unmündigkeit besteht bei vielen Menschen darin, sich nicht seines eigenen Verstandes und Wollens zu bedienen. Gefordert sei eine aufklärerische Algorithmen-Kompetenz.

Komplette Programm IBM HR Festival 2017 auf der re:publica am Dienstag, den 9. Mai (kostenlose Anmeldung).

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin 🙂

Über den Modell-Platonismus von Beratern und Wissenschaftlern #NewWork ##NewWork17 #Dorfcamp

Winfried Felser startet eine Blogparade unter dem Hashtag #NewWork17

Im Gefolge des Werturteilstreits Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Mehrheit der Ökonomen der Ansicht angeschlossen, die Wirtschaftswissenschaften hätten nicht über die Ziele des Wirtschaftens zu befinden, sondern dienten allein einer Aufklärung über den intelligentesten Gebrauch knapper Mittel. Aber schon diese Reduktion ist ein Werturteil. Etwa die Anwendung des Ökonomismus auf alle Lebensbereiche, von Schule bis Medizin. Wir werden ausschließlich als Kunden betrachtet, als Objekt der Begierden. Man merkt es an der Unternehmenskommunikation, die darauf ausgelegt ist, uns mit weltweit führenden Wortblähungen an der Nase herumzuführen. Wir werden mit wohlklingenden Versprechungen umworben, also mit Angeberei und haltlosen Behauptungen. Und das führt zu einer fatalen Schieflage:

„In einer Gesellschaft, in der alle öffentlichen Räume von Botschaften überflutet werden, die im Konsumieren die Antwort auf alle Lebensfragen versprechen, hat es ein an Wahrhaftigkeit ausgerichteter Diskurs um das gute Leben schwer. Dies untergräbt die kulturellen Voraussetzungen moralischer und politischer Autonomie“, kritisiert Professor Claus Dierksmeier vom Weltethos-Institut.

Dierksmeier plädiert für einen qualitativen Liberalismus in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen. Pseudo-Liberale, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheiten ausbreiten, demontieren die Freiheit- und Bürgerrechte. Wer anderen vorschreibt, Freiheit sei allein quantitativ zu verstehen, also als Maximierung von Erträgen, Nutzen, Profiten und Einkommen, der verstößt selber gegen jene von Liberalen hochgehaltene Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung.

Das Bekenntnis zu einer normativ und qualitativ ausgerichteten Ökonomik bedeutet allerdings nicht, sich von einer empirischen Sozialforschung zu verabschieden. Wir sollten Indikatoren in den Blick nehmen, die als belastbarer Maßstab für das gute Leben in Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert werden können. Ohne Empirie ersticken wir in einem Meinungsbrei.

Das gilt für Wissenschaftler, für Politiker, Organisationsberater und auch für jene, die sich als New Work-Vordenker verdingen. Im „Traktat über kritische Vernunft“ beschreibt der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert die Grundlagen für eine empirisch begründete Wissenschaft. Aussagen über eine noch so komplexe Ökonomik – ob nun auf dem Niveau einer einzelnen Organisation oder einer ganzen Volkswirtschaft – dürfen sich nicht einer Prüfung durch die Wirklichkeit entziehen. Alles andere sei Modell-Platonismus. Es werden schlichtweg logische Strukturen konstruiert. Theorien, Modelle oder Gesetze, die weder vorläufig noch endgültig an der Erfahrung scheitern können, haben keinen Erklärungswert und damit auch keine prognostische Bedeutung.

„Es sind hypothesenlose Theorien, auch wenn ihre Formulierung geeignet ist, ihre empirische Gehaltlosigkeit zu verschleiern“, schreibt Albert.

Ob es nun um eine eindeutige Widerlegung geht oder die Wahrscheinlichkeit als Kriterium für die Gültigkeit einer These herangezogen wird, ist dabei zweitrangig. Wichtig im kritischen Diskurs ist es, sich von der Immunisierungsstrategie gegen empirische Einsichten nicht in die Irre führen zu lassen. Das gilt für die Ökonomik und auch für politische Debatten über New Work, Digitalisierung und sonstige Mode-Themen, die uns auf Kongressen, Seminaren, Workshops und Facebook-Seiten präsentiert werden. Am Beispiel der New Work-Bewegung habe ich das in meiner aktuellen Netzpiloten-Kolumne durchleuchtet.

So unternehmen angeblich viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen bei mageren 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Rechnet man die 85 Prozent Unzufriedenen auf die erwerbstätige Bevölkerung hoch, sind das rund 30 Millionen Menschen. Und dieser Wert hat sich seit dem Start des Index vor 17 Jahren kaum verändert. Der Anteil der Zufriedenen lag damals bei 16 Prozent.

Beim deutschlandweit ersten Dorfcamp ist das intensiv mit Ute Schulze, Mike Schnoor, Tim Ebner und Christian Bartels in einer Session unter dem Thema „New Work – Mehr Schein als Sein“ diskutiert worden.

Resümee: Menschen müssen sich in der Dienstleistungs- und Netzökonomie besser organisieren. In der industriellen Revolution ist das durch Arbeitervereine und Gewerkschaften geschehen. Und durch Unternehmer wie Ernst Abbé (1840-1905), die sich als mutige Reformer in Szene setzten. Abbé brachte Ende des 19. Jahrhunderts (!) betriebliche Sozialleistungen auf den Weg, die der staatlichen Sozialgesetzgebung um Jahrzehnte voraus waren: darunter feste Mindesteinkommen, Neunstundentag, Urlaubsanspruch, Krankengeld, Invaliditäts- und Altersversorgung, Arbeitervertretungen und Beteiligung der Belegschaft am Unternehmenserfolg (nachzulesen im Opus „Heranführung an die Betriebswirtschaftslehre“ von Professor Reinhard Pfriem).

Die zersplitterte und hoch moderne Arbeitswelt unserer Tage hat den Organisationsgrad der Beschäftigten dramatisch reduziert. An die Stelle von wirklichen Reformen in der Arbeitswelt treten Placebo-Maßnahmen wie kollektives Duzen im Unternehmen, krawattenlose CEOs, Obstkörbe, Kicker-Tische und Carrera-Bahnen. Mike Schnoor verwies auf die schlechten Bedingungen in der Startup-Szene und in Agenturen. Als Indikator für diese These könnte die Zahl der Betriebsräte in solchen Unternehmen herangezogen werden. Sie wird wohl erschütternd niedrig ausfallen. Bei den sogenannten Leiharbeitern und den Beschäftigten auf Abruf werden die Ergebnisse auch nicht besser abschneiden. Über diese Indikatoren sollten wir reden und nicht über nette Absichten, Kuschel-Wuschel-Postings im Social Web und nicht überprüfbare Behauptungen.

Dieser Beitrag ist doch vielleicht ein geeigneter Start zur Blogparade #NewWork17, die von Winfried Felser angeregt wurde mit Blick auf seine Veröffentlichung in der Huffington Post.

Siehe auch:

Noch 50 Jahre Macho-Management #SowjetischesControlling

Regeln ohne Visionen und Utopien: Visionsarmes Weißbuch Arbeiten 4.0 – Plädiere für #NullEmission #NEO16x

Guido Bosbach von ZUKUNFTheute im #NEO16x Gespräch mit Frank Eilers, Frank Widmayer, Kerstin Schinck, Heiko Fischer und Lars Hahn.
Guido Bosbach von ZUKUNFTheute im #NEO16x Gespräch mit Frank Eilers, Frank Widmayer, Kerstin Schinck, Heiko Fischer und Lars Hahn.

Mal unabhängig vom Schwachsinn des 4.0-Gequatsches, das seit einiger Zeit auch in der Arbeitswelt Anwendung findet und niemand etwas zu 1.0, 2.0 und 3.0 sagen kann, hat Lars Hahn einen lesenswerten Beitrag zum Weißbuch Arbeiten 4.0 geschrieben. Zwei Jahre ist darüber diskutiert worden und heraus kam ein Werk der Regeln, der Gesetze, der Sicherung, des Schutzes und des Rahmens: Arbeitsversicherung, Arbeitsschutz 4.0, Beschäftigtendatenschutz, Rentenversicherung, Arbeitszeitregelungen, Sicherungssysteme.

„Damit mich keiner falsch versteht. Regeln für die digitalisierte Arbeitswelt sind wichtig: Datenschutz und Arbeitsschutz erhalten im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung gar eine noch höhere Bedeutung, als sie ohnehin schon haben. Allerdings: Beim Lesen des Weißbuches kann der Eindruck entstehen: Außer Regeln nichts gewesen“, kritisiert Hahn.

Wo aber bleiben die Zielen, Visionen und Utopien? Was will man ändern? Wann gibt es Initiativen für mehr dezentrale Arbeit jenseits der Berufspendler Republik Deutschland? Welche Arbeitskultur wollen wir?

„Wenn wir nur regeln und versichern, reißt das keinen vom Hocker. Wir brauchen nahrhafte, leckere Ziele. Setzen wir die Chancen, die die Digitalisierung bietet gezielt ein, um Themen zu bearbeiten, etwas zu erreichen, eine Mission zu erfüllen, so etwas wie damals: ‚Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen‘. Und nutzen dafür die Chancen, die uns die Digitalisierung bietet, würde man heute ergänzen.“

Lars Hahn bringt einen Vorschlag, der auch in der von Guido Bosbach organisierten und moderierten #NEO16x-Diskussionsrunde unter seiner Beteiligung eine große Rolle spielte:

„Wir haben uns entschlossen, bis 2030 in Deutschland die Arche Noah des globalen Klimawandels zu bauen. Wir Deutschen schaffen die Technologien und Methoden, die den weltweiten Klimawandel stoppen! Arche Noah 4.0. Wir können das! Dafür investieren wir in Bildung, schaffen die Rahmenbedingungen für Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen.“

Die Diskussionen über die neue Arbeitswelt bleibt nach Ansicht von Hahn zu oft im Wie stecken.

„Das Wohin und Weswegen, darüber lohnt es sich zu sprechen, gar zu streiten.“

Er fragt nach Visionen. Meine lautet #NullEmission mit einer fundamentalen #Mobilitätswende.

Das stellt nicht nur die Arbeitswelt auf den Kopf, sondern auch die Industrie, die Art und Weise der Produktion, die Stadtplanung, die Lebenswelt im Kiez, die Energiepolitik und sogar die Außenpolitik durch stärkere Autarkie bei der Energieversorgung.

Der Unternehmer Jörg Heynkes nennt das Schwarm-Mobilität.

„Während die Politik wertvolle Zeit verplempert, die schwerfällige Autoindustrie zu nähren, verschlafen wir die wirklich große Wende in der Neugestaltung unseres Landes.“

Am Beispiel der Stadt Wuppertal skizziert Heynkes eindrucksvoll, warum wir die Zukunft nicht mehr durch einen Blick in den Rückspiegel gestalten sollten. Wuppertal hat 350.000 Einwohner und 200.000 PKW:

„Die Autos fahren aber nicht ständig durch die Gegend, sondern stehen im Schnitt 23,6 Stunden am Straßenrand, blockieren permanent Flächen und kosten aber 24 Stunden am Tag Geld. Das ist das absolute Gegenteil von Effizienz. Jetzt kommt ein neuer Anbieter und sagt: ‚Liebe Wuppertaler, die Mobilität, die ihr zur Zeit mit 200.000 PKW bewerkstelligt, können wir Euch problemlos mit 25.000 Schwarm-Mobilen besser erledigen‘.“

Solche ‚Fahrzeuge’ haben kein Gaspedal, keine Bremse, kein Lenkrad. Sie sorgen einfach nur für den Transport von A nach B. Man nimmt nur noch solche Dienste via App über eine Flatrate in Anspruch, ohne überhaupt noch eigene Autos zu besitzen. Keine KFZ-Steuer, keine Versicherung, keine Inspektion, kein Kauf von Sommer- und Winterreifen, keine nervige Parkplatzsuche, keine horrenden Gebühren im Parkhaus und keine teure Benzinbetankung in Abhängigkeit vom Ölkartell. Die Schwarm-Mobile sind lautlos, sauber, umweltfreundlich, dezentral verfügbar und sicher.

Schwarm-Mobile werden alles verändern

Der Zuwachs an Komfort und Lebensqualität durch Schwarm-Mobilität wird alles verändern. 90 Prozent weniger Unfälle, 90 Prozent weniger Werkstätten für Reparaturen, 90 Prozent weniger Taxifahrer, 90 Prozent weniger ADAC-Mitglieder.

„Durch eine vernetzte Technologie zur Verbesserung unserer Mobilität ändern sich unfassbar viele Parameter – mit negativen und positiven Folgen, die die Politik jetzt durchdenken muss“, fordert Heynkes.

Was bedeutet das für die Stadtentwicklung und für die Verkehrsplanung? Stadt muss und darf komplett neu gedacht werden. In Wuppertal gibt es rund 630.000 PKW-Stellplätze, die jeweils rund 12,5 Quadratmeter beanspruchen. Fallen die weg, gewinnt man Flächen, um beispielsweise in Kombination von digitaler Technologie, Hightech-Landwirtschaft und Manufaktur Stadtfarmen mit kleinen Kraftwerken aufzubauen.

Die Menschen in den Wohnquartieren bekommen gesunde Nahrungsmittel direkt aus der Nachbarschaft – gestern gewachsen, heute geerntet und morgen gegessen. Und das ohne Transportwege und Belastungen mit Emissionen. Obst und Gemüse können zu hochwertigen Produkten veredelt werden in dezentralen und gemeinwohlorientierten Organisationsformen. All das steckt in der Mobilitätswende, aber nicht in den Köpfen der Industriepolitiker und Lobbyisten. Das steckt auch nicht im Kopf von Andreas Nahles.

Lieber Lars, das wäre doch ein zukunftsträchtiges und revolutionäres Moonshot-Projekt? So schaffen wir das Ziel #NullEmission

Siehe auch: Was wäre eigentlich, wenn alle Autos morgen elektrisch fahren würden?

Übrigens: Schon das Nachdenken und Aussprechen von Utopien verändert die Gegenwart, auch wenn sich nicht alles realisieren lässt – das wäre ja auch anmaßend.

Eure Utopien würden wir gerne in unserem Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland vorstellen.

Meldet Euch bei mir oder bei Professor Lutz Becker.

Professor Kruse, die nicht vorhandene Generation Y und einige Hausaufgaben fürs Management

Reformbedarf für die Arbeitswelt
Reformbedarf für die Arbeitswelt

Viele Top-Manager führen ihre Mitarbeiter nach Prinzipien, die Innovationen behindern, so die Erfahrungen von Cridon-Geschäftsführer Jürgen Stäudtner. Vor allem die Planungs- und Regelungsfanatiker, die der mechanistischen Managementlehre von Henry Fayol hinterlaufen. Er stellte vor rund 100 Jahren das Dogma auf, das Unternehmen alles planen, organisieren und kontrollieren zu können. Die Systemarchitektur der digitalen Netzwerke hat aber die Spielregeln der Wirtschaft schon längst verändert, bemerkt Professor Peter Kruse in einem sehr klugen Vortrag über den Wandel der Arbeitswelt.

Der Organisationswissenschaftler spricht von einer nicht mehr überschaubaren Vernetzung vieler Teilnehmer, die zu hohen Spontanaktivitäten und Auffschaukelungseffekten führt. Neue Geschäftsmodelle wie WhatsApp können etablierte Geschäftsmodelle in kürzester Zeit pulverisieren. Ablesbar an den sinkenden SMS-Umsätzen der Netzbetreiber. Vorhersagen kann man solche Entwicklungen nicht. Die zunehmende Vernetzung führe zu einer nichtlinearen Systemdynamik, die sich nicht prognostizieren lässt, sagt Kruse. Entsprechende Konsequenzen müssen für das Management von Innovationen gezogen werden.

Wer sein Unternehmen mit starren Instrumenten führt, scheitert an dem Unvorhersehbaren. Der Nutzen eines Werkzeugs kann nur darin liegen, dass es auf Phänomene anwendbar ist, die in der Vergangenheit stabil waren. In Phasen vollkommener Stabilität muss man lediglich wissen, wie man die Werkzeuge richtig einsetzt. Doch in Zeiten, die von raschem Wandel geprägt sind, darf man ihnen nicht mehr vertrauen. Die Wirkung von Zufällen und spontanen Veränderungen sollte niemand mehr unterschätzen.

In Tiefeninterviews mit 400 Führungskräften, die von der Kruse-Firma nextpractice durchgeführt wurden, ergibt sich ein ähnliches Bild.

Die große Mehrheit der Befragten sieht die Notwendigkeit eines Wandels ihrer Organisationen. Kollaboration, Dezentralität, kooperative Teamarbeit, dynamische Vernetzung, Selbstbestimmung und Partizipation stehen ganz oben auf der Wunschliste, wenn es um neue Konzepte für gute Führung geht. Wobei auch Skepsis durchschimmert. Etwa die Angst vor zu viel Chaos über basisdemokratische Spielereien. Allerdings klaffen Wunsch und Wirklichkeit weiter auseinander. Über 77 Prozent der befragten Führungskräfte halten einen Wandel in der Führungskultur ihrer Organisationen für dringend erforderlich.

Es gibt keine Generation X,Y,Z
Es gibt keine Generation X,Y,Z

Und dann kommt noch ein Befund aus dem qualitativen Verfahren, was meine Thesen zur Nichtexistenz einer Generation X,Y,Z bestätigt. Bei der Clusterung einer Untergruppe von jungen Führungskräften setzt die Hälfte eher auf klassische Karrieren über Festanstellung, Hierarchien und Bindung. Die andere Hälfte will genau das Gegenteil. „Was die einen anstreben, lehnen die anderen ab“, sagt Kruse. Man sollte also das Gerede über die Generation Y endgültig beerdigen. Die gibt es schlichtweg nicht.

Soweit so gut.

Was ich nicht so ganz verstehe, ist die Abgrenzung von quantitativen Befragungsmethoden der Demoskopie, die Professor Kruse im ersten Teil seiner Rede vornimmt.

„Standardisierte Fragebögen setzen voraus, dass die Richtung, in der sich etwas entwickelt, bereits bekannt ist. Fragebögen sind immer nur so intelligent wie der, der die Fragen stellt“, bemerkt Kruse.

Er meint wohl, dass die Güte der Erhebung nur so gut sein kann, wie die Qualität des Fragebogens. Kruse spricht vom Dilemma der Deduktion, wenn also vom Allgemeinen zum Speziellen abgeleitet wird. Sollte das umgedreht werden, wie zu Zeiten des Positivismus? Also Ableitungen vom Speziellen zum Allgemeinen. Dann läuft man Gefahr, nur nach Bestätigungen seiner eigenen Thesen zu suchen, wie es die Psychoanalytiker getan haben – Stichwort: Popper und seine Wissenschaftstheorie.

In seiner Rede bezieht sich Kruse dann auch noch auf die Theorie der Schweigespirale von Allensbach-Chefin Elisabeth Noelle-Neumann, die aus quantitativen Verfahren die These ableitete, dass Menschen über ein quasi-statistisches Wahrnehmungsorgan verfügen für gesellschaftliche Tabus. Also die Frage, ob man als Individuum auf der Gewinner- oder Verlierer-Seite steht, wenn man eine bestimmte Meinung äußert. Das wiederum könne zu Konformitätsdruck führen.

Ist das jetzt ein Argument gegen die quantitative Empirie? Mitnichten. Entscheidend sind die Fragebatterien, die Kombination von offenen und geschlossenen Fragen, experimentelle Verfahren wie Spielkarten und, und, und. Nur so konnte Noelle-Neumann die Theorie der Schweigespirale ableiten.

Auch Kruse muss in seinem qualitativen Verfahren bei der „kollektiven Musterbildung“ mit Annahmen und Ableitungen bei der Messung seiner „kulturellen Kraftfelder“ arbeiten. Man sollte die quantitativen und qualitativen Methoden nicht als gegeneinander ausspielen. Sie haben beide Stärken und Schwächen. Siehe auch: Qualitative Analysen haben nichts mit “Qualität” zu tun.

Siehe auch:

Auch Unternehmen können ausbrennen.