Vorsprung durch Bloggen ohne SEO-Kacke und News-Schwemme: Zum Neustart von Mobile Geeks

Weihnachtsbotschaften aus Taipeh
Weihnachtsbotschaften aus Taipeh

Sascha Pallenberg hat in seiner „Weihnachtsansprache“ zum Neustart von Mobile Geeks einige erfrischende Worte zum Status des Bloggens in Deutschland gefunden. Man habe 2014 eine Menge Fehler gemacht und sich von den Anfängen des Bloggens zu weit entfernt:

„Wir haben versucht, mit den großen Mainstream-Medien mitzuhalten.“

Im Ergebnis entstand eine News-Schwemme, die sich von den großen Verlagshäusern nicht unterscheidet.

„Das hat mit Bloggen nicht mehr viel zu tun. Man schreibt nicht mehr für Menschen, sondern für Algorithmen.“

Google News sei heute mit SEO-Kacke und News-Aggregatoren verseucht, um im Ranking nach oben zu schießen. Die Dickfische der Medienszene, die doch über das Leistungsschutzrecht den Suchmaschinen-Giganten in die Knie zwingen wollten, haben Google News fast komplett übernommen. Diesen Wettlauf mitzugehen, sei nach Ansicht von Sascha Pallenberg der größte Fehler gewesen. Man sei keine News-Redaktion mit Heerscharen von Online-Redakteuren, SEO-Spezialisten und dicken Etats für Social Media-Management, um Facebook und Co. mit Meldungen aufzublasen. Damit sollten wir aufhören und uns auf die die Anfänge des Bloggens besinnen. Das Mitmach-Web habe das Publizieren demokratisiert und die Hobbyisten bringen eine bunte Farbenwelt in die Medienlandschaft. Zudem ist jeder (selbsternannte) Experte und Profijournalist auf vielen Gebieten zugleich Idiot und Laie. Der eine kennt sich mit Naturwissenschaften aus und ist in der Philosophie oder Wirtschaftswissenschaft ein blindes Huhn und umgekehrt.

Sascha empfiehlt, Beiträge zu publizieren, die sich von der News-Schwemme unterscheiden. Das Reproduzieren von abgelutschten Content sei ein Teufelskreis:

„Wir sind keine News-Redaktion und versuchten dennoch eine zu sein. Das werden wir jetzt ändern.“

Der klassische Journalismus hätte einige Instrumente der Blogosphäre übernommen, die früher abschätzig beurteilt wurden wie Liveticker und Unboxing-Berichte. Jetzt müssten sich die Bloggerinnen und Blogger wieder einen Vorsprung erarbeiten mit Leidenschaft und dem Mut, eigene Standpunkte in aller Direktheit zu artikulieren.

Mit der Umgestaltung von Mobile Geeks im Neuen Jahr werde es eine Rückkehr zu den Wurzeln des Bloggens geben:

„Meinungen, persönliche Analysen und Positionen sind wichtig. Daraus resultierende Diskussionen sind letztendlich das Salz in der Suppe eines jeden Beitrags, der in meinen Augen nicht abgeschlossen ist, wenn man den Publishing-Button drückt, er fängt dann erst an zu leben! Diese Vitalität benötigt auch Mobile Geeks und da ich nun einmal nicht jeden Tag ordentlich rumranten kann und alles dann doch ein wenig zu einseitig rüberkommt, haben wir nun aufgeruestet.“

In der ersten Stufe präsentiert Mobile Geeks sechs neue Themen-Hubs: Smart Cars, Smart Homes, Smart Travel, Wearables, E-Learning und ein Magazin-Hub, der von zwölf Kolumnisten Kolumnisten gefüllt wird,Ich hatte die Gelegenheit, es zu betrachten, während ich auf dem Strandhaus war twiddy Das habe ich für eine Woche gemietet. Zu den neuen Kolumnisten zählen u.a. Marie von den Benken, Don Dahlmann, Julian Heck, Achara Rossow, Gerhard Schröder und Marco Ripanti. Letzterer beschäftigt sich mit “Mobile CEO” und klopft den “Smart Einzelhandel” ab. Vielleicht könnte das noch Postings über smarten und mobilen Kundenservice ergänzt werden – wäre so ein Wunsch von mir. Siehe auch: Personalisierter Service statt Hotline-Gequatsche – Warum Telekom und Co. endlich Kundenversteher-Apps entwickeln sollten.

Was sich bei meiner Arbeit verändern wird, verkünde ich heute in einer Neujahrsansprache um 14 Uhr – da hat mich der Sascha irgendwie inspiriert, dem ich übrigens viel Erfolg für die Mobile Geeks-Offensive wünsche.

Neu, neu, neu: 2015 wagen die Digitalen Notizen ein Email-Experiment: Im neuen Jahr gibt es einen exklusiven monatlichen Newsletter aus diesem Blog – mit Lesetipps, Links und Beobachtungen zur Digitalisierung von Dirk von Gehlen; eben “Digitale Notizen”, aber in einer neuen Form.

Auch eine Möglichkeit: Felix von Leitner, bekannt als Blogger Fefe, vertritt seine eigene Position erst nach Interviews.

Und was plant Ihr so für 2015?

Neuer Gründergeist: Hacker, Blogger und Startup-Unternehmer auf der #Cebit

Stativ-Innovation für Tablets
Stativ-Innovation für Tablets

Auf Twitter hat angeblich die Computermesse Cebit im Laufe der vergangenen Woche einiges an Kritik ertragen müssen. Das berichtet zumindest die FAZ in ihrer heutigen Ausgabe. Im Jahre 2001 und danach seien die Züge von der Cebit zurück nach München laut und voll gewesen, schrieb ein Nutzer. Heute seien sie dagegen ruhig und leer.

„Du weißt, dass die Cebit ihren Zenit überschritten hat, wenn der ICE aus Frankfurt nicht mehr in Laatzen hält“, teilte ein anderer mit.

So unterschiedlich können die Eindrücke sein. In den vergangenen Jahren hat mich die Cebit immer mehr genervt. Wirkliche Trendthemen konnte man dort nicht mehr erkennen. Also schränkte ich mein Besuchsprogramm auf einen einzigen Tag ein. Ende der 90er Jahre war das noch ganz anders. In diesem Jahr hab ich mich über den einen Tag geärgert. Denn es herrscht ein neuer Geist auf der Cebit. Das liegt in erster Linie an den Bloggern, Hackern und Gründern, die immer mehr die Hallen durchfluten und nicht nur irgendwo als Alibi in irgendeinem Hallen-Eckchen als Exoten präsentiert werden.

Techlounge von Mobile Geeks. Moderations-Marathon von Sascha Pallenberg
Techlounge von Mobile Geeks. Moderations-Marathon von Sascha Pallenberg

Da gab des die Blogger-Hütte von Intel in Halle 17 mit der legendären Tech-Lounge von Mobile Geeks und vielen Blog-Freunden, die dort fast die gesamte Messezeit täglich berichteten. Da gab es in Halle 6 das space:d mit zweitägigem Hacker-Barcamp und Hackathon am letzten Messetag und spannenden Technik-Experimenten mit Google Glass, Lego, iBeacon und vielen anderen Hardware- und Software-Komponenten.

Social Media-Utopien im Mittelstand
Social Media-Utopien im Mittelstand

Da gab es Mittelstandsrunden, die offen und kontrovers über Social Media-Utopien disputierten (Achtung, Eigenlob).

Da gab es ein Konferenzprogramm mit interessanten und kritischen Analysen zur NSA, spannende Ausführungen zur Neuorientierung der Industrie (Stichwort: Abschied von der klassischen Massenfertigung) und natürlich der fulminante Auftritt von Apple-Mitgründer Steve Wozniak mit herrlich zugespitzten Statements zu den Überwachungsorgien seines Landes, zur Zukunft von Apple und zu seinen technologischen Leidenschaften:

Und dann gab es ja noch die Halle 16 unter dem Titel Code_n – der Hotspot für Startup-Unternehmen, die sich von den üblichen Langweiler-Themen wie ERP oder CRM abheben, so die treffende Analyse von Torsten Jensen, Vorstandschef von Asandoo:

„ERP oder CRM hat doch schon jeder. Wir interessieren uns für die Frage ‚What’s next.“

Hotspot für Gründer
Hotspot für Gründer

Die klassischen Netzbetreiber und IT-Spezialisten summen an ihren Messeständen immer das gleiche Lied. In Halle 16 war das anders.

Cebit

„Die Messegesellschaft hat das erkannt und arbeitet eng mit dem Bundesverband Deutscher Startups zusammen, um sich das Wissen der Gründer in die Cebit zu holen. Man sieht es auch an Pilotprojekten wie space:d, die als Hacker-Plattformen großen Anklang fand“, so Jensen.

Das Konzept ist richtig und sollte in Zukunft noch konsequenter verfolgt werden – als Querschnitts-Thema der Cebit. Klassik trifft Tech-Revoluzzer. Die Konzentration auf Fachbesucher ist nach meiner Einschätzung aufgegangen, insofern ist der Rückgang auf 230.000 Besucher mit den Vorjahren nicht ganz vergleichbar. Bei der Akkreditierung von Bloggern sollte die Messe-Gesellschaft allerdings etwas lockerer werden.

Mein ICE-Zug war auf der Rückfahrt nach Bonn übrigens proppe-voll – nur im Speisewagen fand ich noch ein kuschliges Plätzchen.

Im nächsten Jahr werde ich wieder einige Tage mehr einplanen. Vielleicht macht das Bloggercamp.tv-Team (also Hannes Schleeh und icke) während der Cebit ein Sonderprogramm mit dem Schwerpunkt „Blogger, Hacker, Gründer und die Transformation der klassischen Wirtschaft“. Mit einem gut ausgestatteten Studio und Sponsoren, die so etwas finanzieren würden.

Siehe auch:

Datability, iBeacons und Landtechnik – CeBIT 2014.

Social Media auf der CeBIT 2014?

Noch mehr Fotos hier.

Panoramablick in Halle 16 von Hannes Schleeh.

Update:

CeBIT 2014 – Relaunch geglueckt? Ein Kommentar.

CeBIT 2014: Das war die t3n-Bloggertour.