Energiemix der Zukunft – Es geht ohne Atomstrom #zdfumwelt

Das Umweltmagazin des ZDF hat in einem sehr informativen Beitrag dokumentiert, wie wir zum 100 Prozent auf erneuerbare Energien umstellen können. „Das technische Potential der Erneuerbaren Energien ist enorm. Der Strombedarf der ganzen Welt ließe sich allein durch Windenergie decken, doch genutzt wird nur ein Bruchteil. Wissenschaftler untersuchen, mit welchen Techniken wir künftig unseren Strombedarf decken können“, so ZDF Umwelt. Dabei geht es aber nicht nur um Windenergie. Zu Wort kommt Professor Jürgen Schmid vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel, der die AKWs als veraltete und überholte Technik bezeichnet.

Erneuerbare Energien gehörten heute zur modernsten Form der Energiegewinnung und des Transports. „Sie sind wesentlich umweltfreundlicher, wesentlich risikoärmer und das Interessanteste: Sie sind nicht teurer.“ Er ist davon überzeugt, dass Deutschland langfristig weder Atomstrom noch Grundlastkraftwerke benötigt. Bundesregierung, Bundesländer und Industrie seien gut beraten, den Umbau jetzt zügig voranzutreiben. „Es wird sich später herausstellen, dass das die Industrie der Zukunft ist, mit einer ganzen Menge an neuen Arbeitsplätzen. Am Ende dieser Transformationsphase werden wir ein beispielhaftes, gutes und umweltfreundliches Energiesystem haben, um das uns die anderen Länder mit ihren vielleicht noch bestehenden Kernkraftwerken beneiden werden“, so Schmid im ZDF-Interview. Das Stirnrunzeln über den angeblichen deutschen Sonderweg wird dann umschlagen in die Nachahmung der Energiewende – sie wird ein Exportschlager für die nächsten Jahrzehnte. Biomasse und Wind werden dabei eine herausragende Rolle spielen, gefolgt Solarenergie. Trotz steigenden Strombedarfs könnte sich bis zum Jahr 2028 unsere gesamte Versorgung aus erneuerbaren Quellen speisen. Das Kasseler Modell heißt „Kombikraftwerke“. Entscheidend sind dabei Speichertechnologien und internationale Netze. Großes Potential sehen die Wissenschaftler in Kassel in der Intelligenz der Netze. Stromnetz und Datennetz werden kombiniert. So könnten Geräte in den Privathaushalten sowie Maschinen und Produktionsanlagen in Unternehmen ferngesteuert werden. Die Partizipation der Bevölkerung ist dabei der Schlüssel für den Erfolg der Energiewende.

Das habe ich ja heute auch in meiner The European-Kolumne aufgegriffen. Wer Nein zur Atomenergie sagt, darf nicht gleichzeitig technische Innovationen behindern, die als Kompensation unverzichtbar sind. Wenn wir den Atomausstieg wollen und die alten Energieträger in den Ruhestand verabschieden, brauchen wir eine neue Infrastruktur.

Reaktionäre Atomfreunde

Es reicht mir. Man hört immer wieder dieselbe Leier von den Lobbyisten der Energiekonzerne und den Status quo-Denkern der verknöcherten Deutschland AG. Da musste ich heute in meiner The European-Kolumne mal Dampf ablassen: Die Romantiker des alten und überkommenen Industriekapitalismus zählen zur reaktionären Fraktion im Lande. Sie halten an einer Großtechnologie von vorgestern fest, um die liebgewonnenen Pfründe ihrer oligopolistischen Macht zu bewahren. Mit einer zentralistischen Energieversorgung lassen sich sattere Renditen einfahren. Wo käme man denn hin, wenn Städte und Kommunen auf dezentrale und hocheffiziente Konzepte setzen würden, sich abkoppeln von den Stromkonzernen und damit unabhängiger das Energiemanagement regeln. Das stinkt nach mehr Wettbewerb, schwächt die Möglichkeiten für politische Muskelspiele und verringert das Spielfeld für die Lobbyisten der zerbröselnden Deutschland AG. Wer von den Preisrisiken eines Atomausstiegs redet, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomenergie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man die Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen – Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte – müssten wir schon längst weitaus mehr für eine Kilowattstunde berappen. Die Atomenergie bindet gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konserviert unwirtschaftliche Großorganisationen der Energiewirtschaft. Wenn wir eine Energiewende erreichen wollen, brauchen wir allerdings mehr als nur Anti-Atom-Demos.

Wir benötigen Technikoptimismus, Hochleistungen der Ingenieure, Investitionen in moderne Infrastrukturen und Offenheit für neue Verfahren, Kraftwerke und Leitungen, auch wenn sie in der eigenen Nachbarschaft errichtet werden. Wer Nein zur Atomenergie sagt, darf nicht gleichzeitig technische Innovationen behindern, die als Kompensation unverzichtbar sind.

Retweets, Liken/Teilen, Kommentare unter: Innovationsbremse Atomstrom.

Siehe auch:
Intelligentes Netz für die Energiewende.

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Auch für die Energiewende braucht man Internetkompetenz, liebwerteste Gichtlinge der Politik

Die Bürger haben ein feines Gespür bei der Wahrnehmung der Kompetenzen des politischen Personals. Darauf gehe ich in meiner Kolumne für The European ein: Wenn es um das Internet geht, trauen sie den Volksvertretern nicht sehr viel zu. Fast jeder zweit Wahlberechtigte denkt so – das ist desaströs. Gerade jetzt müssten wir alle Ressourcen bündeln, um bei den neuen Hochtechnologien in der ersten Liga mitzuspielen. Hier geht es ja nicht nur um die Notwendigkeit eines schnelleren Internets für Unterhaltung, Spaß und Spiel. Es geht um die Zukunftsfähigkeit einer informations- und wissensbasierten Ökonomie.

So ist eine Energiewende in Deutschland nur möglich mit einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur. Stromfressenden Endgeräte in Unternehmen und privaten Haushalten bekommen nur dann Öko-Intelligenz, wenn sie über das Internet mit den Stromerzeugern und Netzbetreibern gekoppelt werden. Verlängerte Laufzeiten machen Atomkraft nicht mehr zum Zukunftsmarkt, sondern sorgen eher für ein quälendes Ende. Auch für die Energieversorgung braucht man Internetkompetenz, liebwerteste Gichtlinge der Politik. Siehe auch: Energiemarkt 2.0: Wie man mit Netzintelligenz die Öko-Wende schafft.

Das hat der Mathematiker Gerd Antes in einem Gastbeitrag für die FAZ sehr schön zusammengefasst. Für Deutschland als rohstoffarmes Land sei eine überlebenswichtige Frage, ob uns der Umgang mit einem unbegrenzten Rohstoff gelingt: Wissen. Im Informationszeitalter seien wir noch nicht angekommen. „Wie weit wir davon tatsächlich entfernt sind, zeigt sich daran, dass es einer apokalyptischen Katastrophe bedarf, um von der Kanzlerin zu hören, dass auch für Deutschland Umdenken angesagt ist“, so Antes.

Siehe auch:
Intelligentes Netz für die Energiewende.