Kommt alle rum @republica#rp19 06.-08. Mai 2019 "Bauen wir doch die re:publica zur deutschlandweiten Dialogplattform für die digitale Gesellschaft aus – in allen Facetten und mit zentralen und dezentralen Dialogformaten." @gsohnhttps://t.co/ERbzyl2WKu
#CeBIT: Der unrühmliche Abschied von einer Marke & der immer noch mehr #Industrienation Deutschland von einem Zukunftsthema, die Welt blickt zukünftig nach Barcelona oder Las Vegas #KI#Innovation
Die #Cebit ist Geschichte und hinterlässt ein großes Loch in der Messe-Landschaft. @gsohn sieht unter anderem in der #Republica Potential als Dialogplattform. https://t.co/XlFybtVrCw
„Gut geschrieben, Gunnar. Es ist wirklich ein Trauerspiel. Noch nicht bewertet wurde das politische Versagen in diesem Spiel. Die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen haben als Eigner der Deutsche Messe AG ein mächtigs Mitspracherecht. Der eher ungeschickt agierende Wirtschaftsminister Althusmann wird auch sein Teil an dieser aktuellen Entwicklung haben und sich dafür in Kürze vor dem niedersächsischen Landtag rechtfertigen müssen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Mit Freese verliert die Deutsche Messe AG zudem genau den Vorstand, der den Wandel maßgeblich mit vorangetrieben hat – wie clever das ist, wird sich noch zeigen.“
Die niedersächsische Landesregierung, die Bundesregierung und auch Spitzenverbände wie Bitkom sollten sich fragen, ob das Ziehen des Steckers nicht einer falschen und alten Messelogik entspricht.
Das Geld würde die Messegesellschaft nur in der Fläche verdienen und da verzeichneten die Macher erhebliche Rückgänge, die das Gesamtprojekt deutlich ins Minus gezogen hätten. Selbst für 2020 gab es keine Perspektive mehr, um die Schieflache zu beseitigen. Das wäre nur durch erheblichen Flächenzuwachs gelungen. Beton und Fläche sind wichtiger als eine durchdachte Strategie für die Positionierung von Digitalthemen. Hausgemachte und künstlich geschaffene Probleme nach dem Diktat des Controllings. Kennzahlen, die ein Fossil aus dem 20. Jahrhundert sind. Kleine Insider-Info.
Man sollte digitale Volksfeste für Bürger/innn dezentral organisieren, da wir mehr Wissen und Digitalkompetenz brauchen. Und es stellt sich die Frage, ob es eine IT-Themen übergreifende Veranstaltung für alle IT-Maschinisten in den Rechenzentren, in der Cloud und in Unternehmen braucht? Eure Meinung?
Mehr Digitalökonomie wagen – Die CIO-Kuratoren Stefan Pfeiffer und Gunnar Sohn im Gespräch mit Andreas Gebhard, Geschäftsführer der re:publica, über das Ende der Cebit
Mehr Digitalökonomie wagen – Die CIO-Kuratoren Stefan Pfeiffer und Gunnar Sohn im Gespräch mit Andreas Gebhard, Geschäftsführer der re:publica, über das Ende der Cebit:
Cebit auf IT-Vertriebsniveau, so beschrieb ich die ehemals weltgrößte Computermesse vor zwei Jahren. Auf der Cebit waren eine Menge IT-Heizdecken-Verkäufer unterwegs, die ihre Hardware und Software mit hohlen Sprüchen unters Volk brachten. Das trieb mich schon vor zehn oder fünfzehn Jahren auf die Palme: Da wurden Prozesse optimiert, CRM-Kanäle strukturiert, Effizienzpotenziale aufpoliert und die IT-Sicherheit fokussiert. Immer stand der Kunde im Mittelpunkt als König, Kaiser oder Papst.
Leads generieren und Lieder singen – würg
Am Ende des Messetages wurden dann noch die Lead-Champions in Corporate-wir-sind-die-Größten-Songs abgefeiert, um danach dem Fachpublikum wieder dümmliche IT-Weisheiten aus den 1990er Jahren an den Kopf zu feuern. Alles natürlich in disruptiv-digital-transformatischer Verpackung, schließlich sah man sich als Avantgarde der kommenden Gigabit-Gesellschaft, die durch den schleppenden Breitbandausbau allerdings erst in einigen hundert Jahren zum Vorschein kommen wird.
Es reicht nicht aus, von Wandel, Disruption, Uber, Airbnb oder digitaler Transformation zu faseln, ohne in seinem eigenen Arbeitsleben einen Hauch von digitaler Expertise zu bieten. In Wahrheit verweigern sich die meisten IT-Mänäscher, sich auf Neues einzulassen.
Noobs an den Messeständen
„Es ist ein Widerstreben, etwas zu erreichen, was mit den herkömmlichen Methoden nicht erreichbar ist (wenn es überhaupt anerkannt wird, dass dies so sein muss). Es ist die Angst, dort anzupacken, wo man als Noob anfangen muss, ohne mit hundert Jahren Erfahrung protzen zu können. Wer glaubt, das Digitalisieren mal eben so als Projekt abfackeln zu können, ist ein Noob (schnell googeln: a person who is inexperienced in a particular sphere or activity, especially computing or the use of the internet)“, so der frühere IBMer Günter Dueck.
IT-Technokraten mit Abschreckungspotenzial
Die IT-Branche operiert nach Ansicht des Marketingexperten Wolf Hirschmann immer noch nach dem Motto „Fachidiot schlägt Kunde tot“:
„Man geht mit technokratischen Botschaften nach draußen, ohne einen Wissenstransfer zu leisten.“
Man verharrt mit einem digitalen Anstrich auf dem Level von Blech, Steckern, Servern, Bits und Bytes.
„Die IT-Industrie denkt nicht weit genug“, kritisiert Hirschmann in einem Fachgespräch beim Campus Mittelstand.
Sie denkt schon gar nicht in neuen digitalen Ökosystemen oder Geschäftsmodellen. Die Referenzqualität des IT-Vertriebs ist eher bescheiden.
Für Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius, war der Cebit-Besuch entsprechend ernüchternd. Nicht verbundene Inseln (Besipiel: Chinesen bleiben unter Chinesen), wenig echte Innovationen und Nutzeroberflächen, die auf 4K-Bildschirmen im Stil der 1980er Jahr daherkommen:
„Die Cebit erzählt als Ganzes keine Geschichten und für Kunden fehlt der rote Faden.“
Digitale Spielplätze schaffen
Wie man Unternehmern Zugänge zur Digitalisierung verschafft, demonstrierte auf der Cebit Christoph Krause vom Kompetenzzentrum digitales Handwerk, in dem Spielplätze zum Experimentieren entstehen, bei denen etwa Zahnärzte mit den Daten aus den Mündern ihrer Patienten direkt auf eigenen 3D-Druckern die notwendigen Implantate produzieren:
„Man muss in den Unternehmen die Welt bunter machen und die Rebellen in der eigenen Organisation unterstützen“, so das Credo von Krause.
Ähnliches gilt für die Cebit. Bunter, offener, kontroverser und digitaler muss es zugehen – ohne IT-Prozess-Schwafelei. In diesem Jahr beim Cebit Business-Festival sah man einen radikalen Wechsel in die richtige Richtung. Jetzt den Stecker zu ziehen, ist peinlich und falsch. Oder in den Worten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier:
„Wo wir überall reden über die größte Herausforderung unserer Generation wäre es eine Dummheit sondergleichen, wenn wir die Cebit nicht bewahren.“
Die Digitalthemen in Fachmessen aufgehen zu lassen, ist Rechtfertigungsgesäusel. Nicht sehr glaubwürdig. Die re:publica sollte das übernehmen.
Groß waren die Erwartungen an die diesjährige CeBIT in Hannover, schreibt das prmagazin in seiner aktuellen Ausgabe:
„Neues Konzept, neues Design, neues Datum. Ein Befreiungsschlag das Ziel. Und nun? Statt 200.000 Besuchern wie 2017 kamen 120.000. Klingt nach Niederlage. Und dennoch finden sich auf der CeBIT, die zwischen klassischer Messe und Erlebnisfestival wandelt, einige richtige Entwicklungen, welche den Veranstaltungsmarkt insgesamt verändern. Auch bei B2B-Events findet seit Jahren ein Umdenken statt. Viele Aufgaben, die früher physische Präsenz erforderten, haben sich mit der Digitalisierung erledigt. Vertrieb geht auch digital, einen Überblick über die Produkte und Dienstleistungen findet man auch online, Broschüren weichen digitalen Katalogen oder Magazinen.“
Franziska von Lewinski formuliert vier Empfehlungen, um Messeauftritte erfolgreich zu gestalten:
Vom Messestand zum Erlebnis: Besucher seien anspruchsvoller.
„Was kann ich hier machen? Kann ich das Unternehmen auch jenseits von einem Termin erleben? Gefragt sind Standkonzepte, welche eine Mischung aus zum Beispiel einem Café, Interaktion mit Exponaten und Rückzugsräumen bieten. Einladend für alle, wertschätzend für die besonders wichtigen Kontakte.“
Der nach meinem Dafürhalten wichtigste Punkt in dem Vorschlagskatalog. Vom One-Shot zur Content-Plattform:
„Zwei Monate vor dem Event die Kommunikation anwerfen? Das war einmal. Heute sind starke Veranstaltungsmarken auch Medienmarken. Die OMR, ISPO oder bald auch die dmexco machen es vor und bedienen ihr Publikum ganzjährig mit News und Geschichten. Das gilt auch für Aussteller“, so Lewinski.
Bunte Welten statt farblosem Einheitsbrei:
„Drei Roll-ups, ein Laptop und der Tresen im Standardmessepauschalangebot? Gott bewahre. Visuelle Impulse sind gefragt, ungewöhnliche Motive und ein Hingucker, der auch als Fotomotiv funktioniert. Auch B2B-Besucher machen gerne Selfies.“
Gut vorbereitet statt „Wir gucken mal“:
Aussteller beschweren sich gern, dass die Qualität der Kontakte nicht stimmen würde. Aber könne man heute noch erwarten, dass aus Laufpublikum ein Millionenauftrag wird? Erfolgreich sei, wer sich gut vorbereitet. Klingt wie eine Binsenweisheit, werde aber noch zu oft vernachlässigt. Einladungsmanagement für Termine und Lead-Generierung über Performance Marketing seien Pflicht für jedes Event:
„Auf der CeBIT finden sich einige richtige Entwicklungen, die den Veranstaltungsmarkt insgesamt verändern“, resümiert Franziska von Lewinski.
Weitere Stimmen:
Oliver Frese von der Hannover Messe und Matthias Hartmann, Vorsitzender der Geschäftsführung IBM Deutschland GmbH, im Gespräch zum Abschluss der CEBIT:
Ansgar Heise vom Heise-Verlag zum neuen Konzept der Cebit – ab der 13. Sendeminute:
Als sich am 31. Januar das Transferfenster der Bundesliga schloss, hatte IBM Watson zum ersten Mal einen Verein bei der Auswahl passender Spieler unterstützt. Das KI-System ist nahtlos in die Scouting Lösung „JAAI Scout“ von JUST ADD AI integriert und unterstützt das Scouting Team eines Bundesliga Vereins beim Entdecken und Analysieren von Spielern. So können mehrere zehntausend Scouting Reports automatisch analysiert und zusammen gefaßt werden. Mit Watson Personality Insights werden Persönlichkeitsprofile von Spielern erstellt und mit Watson Analytics für Social Media relevante Informationen aus sozialen Netzwerken, Foren und News-Seiten extrahiert.
JUST ADD AI verwendet außerdem eigene neuronale Netze zur Vorhersage des Potentials und der Marktwert-Entwicklung von Spielern. Gladbach-Fan Stefan Pfeiffer stellte das Souting-System im #Cebit18#Livestudio Gespräch mit JUST ADD AI-CEO Roland Becker vor:
Cebit sucht den Austin-Geist – cool, locker und mehr Netzszene
Im vergangenen Jahr haben wir schon sehr kontrovers über die Zukunft der Cebit debattiert. Meine Erfahrungen habe ich zum Start der diesjährigen Computermesse mit den IT-Prozessmanagement-Verkäufern-im-dunklen-Anzug noch deutlich zum Ausdruck gebracht: IT-Fachidiot schlägt Kunde tot – Gedanken zur #Cebit17.
Mit dieser kritischen Einschätzung habe ich wohl ins Schwarze getroffen, wie Reaktionen auf Twitter zeigen:
Den Digisauriern hab ich das auch in aller Deutlichkeit im März 2016 gesagt.
Tim Cole sah das ähnlich und auch Guido Bosbach in einer Debatte, die ich direkt nach der Cebit im vergangenen Jahr organisierte:
Schön, dass wir uns die Konserve noch einmal anschauen können. Konzepte, die also in den USA erfolgreich laufen, könne man nicht so ohne Weiteres auf die Cebit übertragen. Das war so eine Stellungnahme, die ich im Gedächtnis gespeichert habe.
Und dann kommt vom Chef der Deutschen Messe AG nun folgende Erklärung:
„Wir werden die CeBIT zu Europas führender Eventplattform und zum Festival für digitale Technologie, digitale Innovation und Geschäftsanbahnung der digitalen Wirtschaft umbauen. Wir bringen die CeBIT in den Juni, weil wir im Sommer Technologie noch emotionaler inszenieren und eine coole Campus-Atmosphäre schaffen können“, so Oliver Frese.
Die nächste CeBIT findet vom 11. bis 15. Juni 2018 in Hannover rund um das Holzdach auf dem Messegelände in Hannover statt. Das Freigelände in der Mitte wird zum großen Digital-Campus.
Thomas Kuhn von der Wirtschaftswoche liefert noch mehr Futter, die die Entscheidung der Messe-Leitung erklären:
„Die Anleihen die Frese, der das Konzept seit Mitte vergangenen Jahres in verschiedenen Etappen mit Industrievertretern entwickelt hatte, mit seinen Plänen nimmt, sind offensichtlich. ‚Wir bringen Austin in den Sommer‘, sagt eine Industrievertreterin, die in den Prozess involviert war, und meint das Tech-Festival SXSW in Austin/Texas, das sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Impulsgeber und Szene-Event für die Digitalbranche entwickelt hat. Das Kürzel steht dabei für den Ursprungsnamen der US-Veranstaltung: South by Southwest.“
Gehe es nach den Vorstellung der Hannoverschen Messemacher, soll die Cebit also, um eine geographische Parallele zu ziehen, so etwas werden wie die North by Northeast der europäischen IT-Szene – und vielleicht auch etwas mehr.
„Das traditionelle Messegeschäft soll (wie auch immer in das Event eingebettet) unter dem inzwischen wiederholt genutzten Claim d!conomy weiterleben. Daneben treten – rund um den zentralen d!campus – weitere Formate: das New-Tech-Festival d!tec, und das Konferenzformat d!talk“, schreibt Thomas Kuhn.
Tja. Das schreit eigentlich nach einer Wiederholung unserer Debatten-Runde vom vergangenen Jahr.
In den vergangenen Tagen haben sich schon einige Protagonisten zu Wort gemeldet mit ihrer Analyse zur diesjährigen Cebit. Die Beiträge sind ein belastbarer Indikator für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in der Netzökonomie.
Einige Stimmen, die sicherlich heute Nachmittag in unsere Live-Hangout-Debatte einfließen werden, dokumentiere ich hier mal:
„Das Problem der CeBIT ist, dass sie verarmt. Die Aussteller bleiben weg, Zuschauer kommen alle mit einer kostenlosen Messekarte rein. Die Folgen sind deutlich zu spüren: WLAN war früher natürlich überall auf der CeBIT umsonst. Jetzt müssen wir dafür bezahlen. Der Presse-Shuttle, der uns Journalisten wirklich das Leben leichter gemacht hat, ist nach 29 Jahren abgeschafft worden, genau wie das Presserestaurant, wo man sich früher ungestört mit Informanten und Kollegen treffen konnte. Überall wird/muss gespart werden, und so baut man sich schrittweise selbst ab. Meine Prognose: Die CeBIT wird es, zumindest als eigenständige Messe, höchsten noch 3-4 Jahre geben.“
Professor Lutz Becker:
„Habe heute noch im Gespräch mit Kollegen gesagt, dass ich denke, dass die Industriemesse und CeBIT wohl wieder zusammengelegt werden. Es war sehr wenig los, nicht verbundene Inseln (z. B. Chinesen bleiben unter Chinesen), wenig echte Innovation (es ist schon peinlich, Nutzeroberflächen im Stil der 80er auf dem großen 4K Schirm zu zeigen). Die CeBIT erzählt als Ganzes keine Geschichten … für Kunden fehlt der rote Faden…..“
„…in Barcelona habe ich auch nicht das Innovationsfeuerwerk entdeckt. Oder auf der re:publica. Oder was auch immer als Beispiel zitiert wird. Hört euch die Vorträge an. Die sind gut – aber ganz erheblich nur eine Weiter-Entwicklung von Projekten, Konzepten oder Gedanken aus den Jahren vorher. Meist das völlig korrekte Adaptieren bekannter Dinge auf neue Möglichkeiten und Technologien.“
„Bitte verschiebt den Fokus dahin, wo er hingehört. Es ist kein Messeproblem. Es ist ein Branchenproblem. Denn die Messe ist ein Spiegel derjenigen die ausstellen. War sie immer schon. Und ich denke solange wir Medien und Macher dermaßen Buzzword-Getrieben und IT-Sensationsgeil auftreten und mit dem Mittelstand reden wie Ärzte mit einem schwerkranken Patienten, werden wir uns schwer tun, Menschen zu erreichen, die auch noch andere Hobbys haben. Oder gar Firmen leiten müssen.“
Bin ich nicht ganz einverstanden. Es ist AUCH ein Problem der Messe-Leitung. Und vor allem: Es ist AUCH ein Problem des Mitveranstalters Bitkom – ältere Herren in dunklen Anzügen, die auf den IT-Gipfeln der Bundesregierung der Kanzlerin auf dem Schoß sitzen….
„Ich glaube, dass es noch fünf Jahre werden – doch das Ende der Cebit ist absehbar. Und vermutlich wird die Deutsche Messe versuchen, sie in die Hannover Messe einzugliedern. Folge: Alle Themen außerhalb von SAP und Industrial Internet würden marginalisiert. Während das Internet sich in der Realität über alle Felder legt, müsste es sich in Hannover der produzierenden Industrie unterordnen – das kann und wird nicht gutgehen. Die Cebit hat nicht begriffen, dass es Zirkus und Rummel braucht, um Menschen anzuziehen. Natürlich klagten Unternehmen über die Taschenabgreifer, die Standausrüstungsdiebe, die Rentner und Schüler. Doch als die weg waren, wurde es leer. Fühlt man sich in einer leeren Messehalle inspiriert? Hat man die Power, um mit anreisenden Geschäftspartnern Deals zu machen? Nein. Vielmehr gibt es kaum etwas Deprimierenderes als eine stille Messehalle. Im Gegensatz dazu ist die SXSW auf einem guten Weg, eine globale Leitkonferenz für das Digitale Zeitalter zu werden – die noch dazu Spaß macht.“
Hier liegt das Bitkom-Problem – Industrie-Vier-Null-Denke.
„Zu wenig Brücken, die gebaut werden. Das war eine bedeutende und klare Erkenntnis der Marketinghalle der CeBIT. Wir brauchen weniger Experten, die für Experten sprechen, als viel mehr klar gestaffelten Transfer vom Vordenker in die unteren Schichten der Wertschöpfung. Das fängt mit dem Sprachduktus an und hört mit deutlich nachvollziehbaren Wegen auf. Wir brauchen Mentoren, Trainer und Pädagogen. Menschen, die diese spezielle Eigentümerstruktur des klassischen Mittelstandes nicht als lästig und mühsam betrachten, sondern als Aufgabe für eine starke Wirtschaft in Deutschland.“
Auf der CeBIT sind eine Menge IT-Heizdecken-Verkäufer unterwegs, die ihre Hardware und Software mit hohlen Sprüchen unters Volk bringen, die mich schon vor zehn oder fünfzehn Jahren auf die Palme gebracht haben: Da werden Prozesse optimiert, CRM-Kanäle strukturiert, Effizienzpotenziale aufpoliert und die IT-Sicherheit fokussiert. Immer steht der Kunde im Mittelpunkt als König, Kaiser oder Papst. Am Ende des Messetages werden dann noch die Lead-Champions in Corporate-wir-sind-die-Größten-Songs abgefeiert, um danach dem Fachpublikum wieder dümmliche IT-Weisheiten aus den 1990er Jahren an den Kopf zu feuern.
Alles natürlich in disruptiv-digital-transformatischer Verpackung, schließlich sieht man sich als Avantgarde der kommenden Gigabit-Gesellschaft, die durch den schleppenden Breitbandausbau allerdings erst in einigen hundert Jahren zum Vorschein kommen wird. Es reicht nicht aus, von Wandel, Disruption, Uber, Airbnb oder digitaler Transformation zu faseln, ohne in seinem eigenen Arbeitsleben einen Hauch von digitaler Expertise zu bieten. In Wahrheit verweigern sich die meisten IT-Manager, sich auf Neues einzulassen.
Die IT-Branche operiert nach Ansicht des Marketingexperten Wolf Hirschmann immer noch nach dem Motto “Fachidiot schlägt Kunde tot”:
“Man geht mit technokratischen Botschaften nach draußen, ohne einen Wissenstransfer zu leisten.”
Man verharrt mit einem digitalen Anstrich auf dem Level von Blech, Steckern, Servern, Bits und Bytes.
“Die IT-Industrie denkt nicht weit genug”, kritisiert Hirschmann in einem Fachgespräch beim Campus Mittelstand.
Sie denkt schon gar nicht in neuen digitalen Ökosystemen oder Geschäftsmodellen. Die Referenzqualität des IT-Vertriebs ist eher bescheiden. Höflich ausgedrückt.
Wie man Unternehmern Zugänge zur Digitalisierung verschafft, demonstrierte auf der Cebit Christoph Krause vom Kompetenzzentrum digitales Handwerk, in dem Spielplätze zum Experimentieren entstehen, bei denen etwa Zahnärzte mit den Daten aus den Mündern ihrer Patienten direkt auf eigenen 3D-Druckern die notwendigen Implantate produzieren:
“Man muss in den Unternehmen die Welt bunter machen und die Rebellen in der eigenen Organisation unterstützen”, so das Credo von Krause.
Ähnliches gilt für die CeBIT: Bunter, offener, kontroverser und digitaler muss es zugehen, ohne IT-Prozess-Schwafelei. Nur dann sieht das Notiz-Amt eine Existenzberechtigung für das Messespektakel im März.