Als Korrespondenten noch Erstquelle waren

Der frühere Spiegel-Auslandskorrespondent Walter Tauber
Der frühere Spiegel-Auslandskorrespondent Walter Tauber

Moderne Redaktionen sind im Echtzeitstress: Technisch am Newsdesk perfekt ausgestattet als Koordinations- und Produktionszentrale. Der Newsroom ist heute in der Regel ein Großraumbüro, das architektonisch neue redaktionelle Konzepte des ressort- und medienübergreifenden Planens und Arbeitens unterstützt.

Was früher ehrfürchtig als ‚Agentur-Geschwindigkeit‘ galt, ist heutzutage der Normalzustand. Ende der 1970er Jahre war das noch ganz anders. Etwa beim Spiegel: „Man hat am Montag seine Themen angeboten und intensiv darüber gesprochen. Mit dem Ressortleiter konnte ich mich sehr ausgiebig streiten, ohne nachteilige Auswirkungen befürchten zu müssen“, so der ehemalige Spiegel-Redakteur Walter Tauber.

„Der Mensch….ist eine Sau“

Die Arbeit in der Zentralredaktion habe ihm Spaß gemacht.

„Wir hatten kleine Einzelbüros und ließen die Tür offen. Ein Kollege brüllte immer ‚Der Mensch’ und wir antworteten ‚…ist eine Sau.’ Ein deftiges und liebevolles Ritual. Wenn ich konzentriert schreiben musste, schloss ich die Tür und wurde von den Kollegen in Ruhe gelassen. Technisch waren wir sehr einfach ausgestattet. Olympia-Schreibmaschine, Papier und Telefon. Wenn ich den Artikel fertig hatte, wurde das im Sekretariat mit Durchschlägen abgeschrieben und vom Ressortleiter redigiert. Eine kleine Marotte hatte mein Chef. Wenn ich telefonierte, benutzte er die Gegensprech-Anlage, um mir mitzuteilen, dass ich in sein Büro kommen solle. Generell war die Atmosphäre sehr angenehm“, betont Tauber.

Redaktionsbüro mit Panoramablick

Noch angenehmer war es in seiner Zeit als Auslandskorrespondent in Brasilien.

„Ich mietete in Rio de Janeiro einen Büroraum in einer Villa, die auch von Newsweek, BBC und Los Angeles Times genutzt wurde. Ich hatte ein Panoramafenster mit einem wunderbaren Blick auf die Bucht von Guanabara. Traumhaft. Ab und zu ging ich mit den internationalen Kollegen zum Mittagessen. Wenn ich dann die zweite Runde Caipirinha bestellte, mussten die Vertreter von Newsweek und der Los Angeles Times passen. Sie könnten noch Arbeitsaufträge bekommen. Ich schaute auf die Uhr und sagte, in Hamburg sind schon alle im Feierabend. Die Zeitverschiebung kann bei Abstimmungsfragen lästig sein, in diesem Fall hatte sie auch Vorteile“, sagt Tauber.

Als Auslandskorrespondent hatte man 40 Jahren den Vorteil, als Erstquelle zu fungieren, wenn wichtige Nachrichten aufkamen.

„Wenn ich in der Zentralredaktion angerufen und eine Story angeboten habe, gab es nicht viele Vergleichsmöglichkeiten bei meinen Hamburger Ressortkollegen. Was ich sagte, hatte Gewicht. Heutzutage existieren direkt 1000 Onlinequellen, die bei den Kollegen in der Heimat zu einem gefestigten Meinungsbild beitragen. Man ist als Korrespondent nicht mehr der wichtigste Vermittler von Nachrichten“, erläutert Tauber.

Ausführlich bei journalist.de nachzulesen.

WM-Titel macht Deutsche beliebter: Ätsch!

WM-Titel

Die Welt liebt Gewinner, das zeigt eine neue Studie des Reise-App Anbieters Ulmon.com. Deutschland hat WM-Geschichte geschrieben – im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien und als erste europäische Mannschaft, die in Südamerika den Weltpokal gewonnen hat. Positiv wirkt sich das auch auf das Image aus. Befragt wurden 1.141 Personen in 10 Ländern. Rund vier Fünftel sind sich einig: Deutschland hat den Weltmeistertitel verdient gewonnen. Weltweit sind die Sympathiewerte der Deutschen gestiegen! Überaschenderweise stechen besonders die Brasilianer hervor. Trotz der 1:7 Schlappe ihrer Mannschaft geben mehr als die Hälfte der WM-Gastgeber zu Protokoll, Deutschland nun mehr zu mögen.

Auch die Reaktion der Argentinier ist überraschend positiv. Sie sind zwar naturgemäß nicht begeistert über die Finalniederlage, immerhin 50 Prozent halten uns für verdiente Weltmeister. Und sieben Prozent finden die Deutschen sogar sympathischer als vor der WM. Allerdings sind auch 19 Prozent der Meinung, dass Deutsche unfreundlich sind. Damit stehen sie aber alleine auf weiter Flur. Insgesamt ordneten uns nur sieben Prozent diese Eigenschaft zu.

Die Niederländer haben vor allem die Befürchtung, dass sich Deutsche nach dem Gewinn der Trophäe arroganter als zuvor verhalten werden (31 Prozent). Unser Imagegewinn, aber auch der Imageverlust, hält sich bei unseren Lieblingsnachbarn aber in Grenzen. Deutschland ist übrigens mit den Niederlanden mit jeweils 14 Prozent das beliebteste Team der Weltmeisterschaft. Dicht darauf folgt mit 12 Prozent das Überraschungsteam Costa Rica. Die Los Ticos gewannen mit ihrem kämpferischen Auftreten und dem daraus resultierenden historischen Viertelfinaleinzug viel Anerkennung.

Und wer weiter bei derben Jubelfeier-Witzchen in kulturkritisches Wehklagen verfällt, kann ja die Sportart wechseln und sich dort mit sozialkritischen Diskursen austoben. Ansonsten biete ich an, mal beim Training einer C- oder B-Jugendmannschaft mitzuwirken.