Dissonanzen beim Beethoven-Festspielhaus in Bonn: Planerischer Blindflug führt zum Absturz

Fachurteil zur Beethovenhalle bevor sie von der Stadt heruntergewirtschaftet wurde: Von Exper­ten wird vor allem die raum­akus­ti­sche Pla­nung des neuen Kon­zert­saa­les geprie­sen. So ist alle wis­sen­schaft­li­che Sorg­falt auf­ge­wen­det wor­den, die einem sol­chen weit wir­ken­den Zen­trum der Musik­pflege zukommt. Ent­stan­den ist einer der moderns­ten und akus­tisch ein­wand­freis­ten Kon­zert­säle, von dem sich die Beet­ho­ven­stadt Bonn im deut­schen Musik­le­ben eine beträcht­li­che Ran­ger­hö­hung ver­spricht. Die ers­ten Akus­tik­pro­ben brach­ten glän­zende Ergeb­nisse. Jeder der 1420 Plätze, im Par­kett wie auf den Rän­gen, ist mit­ten im Schall­ge­sche­hen: die dyna­mi­schen Schwan­kun­gen sind, wel­chen Stand­ort man im Raum auch immer ein­nimmt, kaum merk­lich. Ande­rer­seits ist aber auch dafür gesorgt, dass die Akus­tik nicht nur für eine bestimmte Art von Musik, etwa für roman­ti­sche Klang-Massen, vor­züg­lich ist, son­dern ebenso der kla­ren Linea­ri­tät eines baro­cken oder auch moder­nen Wer­kes gerecht wird.
Fachurteil zur Beethovenhalle bevor sie von der Stadt heruntergewirtschaftet wurde: Von Exper­ten wird vor allem die raum­akus­ti­sche Pla­nung des neuen Kon­zert­saa­les geprie­sen. So ist alle wis­sen­schaft­li­che Sorg­falt auf­ge­wen­det wor­den, die einem sol­chen weit wir­ken­den Zen­trum der Musik­pflege zukommt. Ent­stan­den ist einer der moderns­ten und akus­tisch ein­wand­freis­ten Kon­zert­säle, von dem sich die Beet­ho­ven­stadt Bonn im deut­schen Musik­le­ben eine beträcht­li­che Ran­ger­hö­hung ver­spricht. Die ers­ten Akus­tik­pro­ben brach­ten glän­zende Ergeb­nisse. Jeder der 1420 Plätze, im Par­kett wie auf den Rän­gen, ist mit­ten im Schall­ge­sche­hen: die dyna­mi­schen Schwan­kun­gen sind, wel­chen Stand­ort man im Raum auch immer ein­nimmt, kaum merk­lich. Ande­rer­seits ist aber auch dafür gesorgt, dass die Akus­tik nicht nur für eine bestimmte Art von Musik, etwa für roman­ti­sche Klang-Massen, vor­züg­lich ist, son­dern ebenso der kla­ren Linea­ri­tät eines baro­cken oder auch moder­nen Wer­kes gerecht wird.

2020 soll der 250. Geburtstag des großen Bonner Sohnes gebührend gefeiert werden. Es geht natürlich um Beethoven und er soll einen neuen Musen-Tempel erhalten – ein Festspielhaus mit Bilbao-Effekt, Weltgeltung, touristischer Anziehungskraft und sonstigen phantastischen Wirkungen. So versprechen es zumindest die Festspielhaus-Freunde. Was aus den planerischen Peinlichkeiten nun geworden ist, habe ich gestern thematisiert und mich dafür ausgesprochen, wenigstens die Beethovenhalle wieder im alten Glanz herzurichten inklusive Konzertsaal-Anbei, was man bei den Festspielhaus-Freunden abschätzig als Wurmfortsatz bezeichnet. Wenn die so weiter machen, ist noch nicht mal ein Wurmfortsatz drin.

Rheinauenschreiber Sebastian Eckert sieht das noch pessimistischer und schreibt von einem Blindflug in den Abgrund:

„In sechs Jahren soll die Halle stehen. Noch gibt es allerdings weder einen Entwurf, noch einen Architekturwettbewerb, noch einen Bauplatz, noch einen Bauplan, noch eine Ausschreibung. Es gibt keine Vorlagen, aber es soll fix gehen. Bedenkt man, dass es Rat und Verwaltung in fünf Jahren nicht geschafft haben, das Planschbecken im Römerbad zu erneuern, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Bedenkt man, dass die Koalition in Bonn derzeit lieber zulässt, dass der Kämmerer durch Haushaltssperre spart, anstatt einen Nachtragshaushalt zu verabschieden, kann man nur noch nach Luft japsen. Wer weiß, ob nicht jeder Ratsbeschluss, sei es nur zum Umbau einer Straße an der Halle, sofort durch den Kämmerer gekippt wird? Von privaten juristischen Einsprüchen ganz zu schweigen. Denn ein Anwohner wird sicher klagen. Nicht nur wegen Lärmbelästigung durch Konzerte in der Halle. Und dass man sich da als Stadt nicht hinweg setzen kann, zeigt ein Bau an der Friedrich-Breuer Straße. Baustopps sind da vorprogrammiert.“

Christian Wendling vom Haus der Architektur in Köln sieht noch Chancen für eine Realisierung – allerdings müsste jetzt der gesamte Prozess ohne weitere Reibungsverluste ablaufen:

Das A und O sei eine optimale Vorbereitung des Wettbewerbs.

„Leider müssen zu viele Wettbewerbe Fragen klären statt Antworten zu geben; die Zielvorgabe sollte aber vorher schon klar sein, und zwar nicht in etwa, sondern konkret. Das bedeutet im kulturellen und politischen Raum eine sachliche Diskussion, ggf. auch in Rückkopplung mit der Öffentlichkeit und den üblichen Beteiligungsprozessen. Je mehr im Vorfeld geklärt ist, desto passender werden die im Wettbewerb gezeigten Lösungen sein können, desto breiter wird die Zustimmung sein, die man insbesondere bei öffentlichen Gebäuden benötigt, um Projekte zügig abzuwickeln und an ihnen nicht im Nachhinein wieder dogmatische Grundsatzdiskussionen zu führen oder Überraschungen zu erleben.“

Man sollte die kleine Lösung anstreben und die Beethovenhalle sanieren sowie modernisieren.

Plädoyer für die Beethovenhalle

Luftschlösser hat Beethoven nicht verdient
Luftschlösser hat Beethoven nicht verdient

Für das neue Bonn-Portal namens „Bundesstadt.com“ habe ich mich für die Sanierung der Beethovenhalle ins Zeug gelegt. Die „Beethoven-Freunde“ kontern diese Position regelmäßig mit dem Argument der hohen Kosten von rund 40 Millionen Euro, die angeblich für die Modernisierung ausgegeben werden müsse.

Die Kosten für das neue Festspielhaus sollen dagegen aus „privaten“ Mitteln finanziert werden. Merkwürdig klingen die Formulierungen der Finanzzusagen mit „in Aussicht“ gestellt, man will dieses und jenes an Geld zusammenkratzen, selbst eventuelle Mehrkosten sollen abgedeckt sein. Im gleichen Atemzug stellen die selbst ernannten Beethoven-Freunde alle Anstrengungen in Frage, die Beethovenhalle wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Kommt mir irgendwie kindisch vor. Verliert das alte Spielzeug seine Attraktivität , schmeißt man es in die Ecke und nervt die Öffentlich so lange, bis ein neuer Prunkbau für das Abo-Publikum aus der Taufe gehoben wird.

Dabei klangen die Lobeshymnen des Fachpublikums bei der Einweihung der Beethovenhalle so vielversprechend. Kleine Kostprobe aus meiner Anthologie, die ich heute bei Bundesstadt.com veröffentlich habe:

„Bonn als illus­trer Fest­spiel­ort! Wird die Geburts­stadt Beet­ho­vens in der Lage sein, gleich Bay­reuth und Salz­burg musi­sche Atmo­sphäre inter­na­tio­na­ler Pro­ve­ni­enz, fas­zi­nie­ren­des Flui­dum einen Mythos bil­den? Dann hätte die pro­vi­so­ri­sche Metro­pole einen gro­ßen Wurf auf End­gül­ti­ges getan. Sie würde ihrer unbe­strit­te­nen Würde als tra­di­ti­ons­rei­che Uni­ver­si­täts­stadt den Glanz der Kunst­stadt hinzufügen.“

Das ist keine aktuelle Meldung der Festspielhaus-Apologeten, sondern ein Artikel aus dem Jahr 1958.

Warum soll das, was man in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf die Reihe bekommen hat, mit einem neuen Musentempel gelingen?

Erst die Programmatik auf Vordermann bringen, statt weiter Luftschlösser zu bauen. Wie wäre es mal mit einer Bürgerbefragung in Bonn zu diesem Thema – initiiert vom Rat der Stadt und nicht von den Festspielhaus-Honoratioren?

Bonn bekommt wohl doch keine Elbphilharmonie: Puh, noch mal Glück gehabt

Konzertsaal der Beethovenhalle im alten Glanz

Kleiner Scherz. Gemeint ist natürlich der von Honoratioren ersehnte Musentempel namens „Festspielhaus“, der die Herzen des Abo-Publikums förmlich zur Raserei bringen soll. Zum 250. Geburtstag von Beethoven sollte das Prachtstück fertig werden – mit privater Finanzierung.

Nun hat die Bonner Kulturverwaltung einen niederschmetternden Sachstandsbericht vorgelegt, der die Freunde des Festspielhauses überhaupt nicht erfreut.

Für mich ist das keine Überraschung. Es reicht halt nicht aus, nette PR-Kampagnen zu starten – ohne die Bonner Bürgerschaft im Ganzen einzubeziehen.

Es sind Ehrgeizlinge wie IHK-Präsident Wolfgang Grießl, die sich wohl ein Denkmal setzen wollen. Magere fünf Millionen Euro sind bislang durch die Grießl-Initiative „5000×5000“ zusammengekommen. Die IHK betont übrigens, dass dieses Unterfangen das Privatvergnügen von Herrn Grießl ist. Warum wird er dann im Zusammenhang mit der Initiative stets als IHK-Präsident tituliert?

Mitte Juni wollen sich die unter dem Dach des Verbandes Dehoga organisierten Bonner Hoteliers und Gastwirte zu Details über einen geplanten „Beethoventaler“ äußern, berichtet der General Anzeiger.

Sie wollen sich „äußern“ – aha.

Die Baukosten sind also noch nicht einmal in Ansätzen gedeckt. Und was passiert eigentlich, wenn wir in der Beethovenstadt ein ähnliches Debakel wie mit der Elbphilharmonie erleben? Zahlt das dann Herr Grießl aus seiner Privatkasse oder lassen die Festspielhausfreunde in ihren Reihen eine Kollekte kreisen?

Zu Beginn der Planungen vor sieben Jahren ging Hamburg von mickrigen 77 Millionen Euro aus – ja, Ihr habt richtig gehört, liebe Festspielhausfreunde in Bonn. Da klingeln jetzt zu recht Eure Ohren. Denn der neue Beethoven-Tempel wird auch nur mit schlappen 80 Millionen Euro projektiert. Und auch die Argumente für das musische Millionen-Grab dürften den Bonnerinnen und Bonnern bekannt vorkommen. Da war von “Leuchtturmarchitektur”, von wirtschaftlichen Impulsen, neuen Arbeitsplätzen sowie von dem vielzitierten und vielbeschworenen “Bilbao-Effekt” die Rede.

Nachzulesen in meinem Blogpost: Der etwas andere Bilbao-Effekt: Prunkbauten, Großmannssucht und leere Kassen #Elbphilharmonie #Festspielhaus.

Man sollte sich also schleunigst von den Wolkenkuckucksheim-Planungen der Festspielhausfreunde verabschieden und sich auf die Sanierung der Beethovenhalle konzentrieren. Aber auch da hat man wertvolle Zeit verplempern lassen. Zudem: Selbst ein neues Festspielhaus macht aus Bonn noch kein Bayreuth oder Salzburg. Da fehlt es der Stadt an Programmatik. Siehe: Bonn und Beethoven: Kulturpolitischer Provinzialismus.

Alles schön dokumentiert im Sachstandsbericht der Kulturverwaltung.

Der etwas andere Bilbao-Effekt: Prunkbauten, Großmannssucht und leere Kassen #Elbphilharmonie #Festspielhaus

Liquide Demokratie in der Stadtplanung wagen

Wieder 200 Millionen Euro teurer, wieder ein Jahr Verzögerung – warum wollen die Hamburger ihre Elbphilharmonie eigentlich fertig bauen, fragt sich Spiegel-Kommentator Christoph Twickel.

Bei einem endgültigen Baustopp wäre die Stadt wieder flüssig und hätte zudem das weltweite erste Mahnmal gegen Image-Idiotie und politische Geltungssucht.

Die Elbphilharmonie sollte eine Ruine bleiben, so Twickel:

„Als unvollendetes Symbol für gescheiterte urbane Großmannssucht könnte sie um so vieles nützlicher und lehrreicher sein. Zumal das Konzept des ‚Landmark Building‘ ohnehin von gestern ist. Jede mittlere Kleinstadt leistet sich mittlerweile ihr Stararchitekten-Ufo, weil das angeblich ihre Internationalität befördert.“

Im Sommer 2016 soll das Honoratioren-Abo-Publikum-Prestigeobjekt in der Hansestadt fertig sein. In den Prognosen für die Baukosten liegt man jetzt bei 575 Millionen Euro und das dürfte wohl nicht die letzte Hiobsbotschaft sein. Zu Beginn der Planungen vor sieben Jahren ging Hamburg von mickrigen 77 Millionen Euro aus – ja, Ihr habt richtig gehört, liebe Festspielhausfreunde in Bonn. Da klingeln jetzt zu recht Eure Ohren. Denn der neue Beethoven-Tempel wird auch nur mit schlappen 80 Millionen Euro projektiert. Und auch die Argumente für das musische Millionen-Grab dürften den Bonnerinnen und Bonnern bekannt vorkommen. Da war von „Leuchtturmarchitektur“, von wirtschaftlichen Impulsen, neuen Arbeitsplätzen sowie von dem vielzitierten und vielbeschworenen „Bilbao-Effekt“ die Rede.

In seinem Buch ‚Triumph of the City‘ rechnet der US-Ökonom Edward Glaeser vor, dass der durch den Bau des Guggenheim Museums in Bilbao erhoffte ökonomische Boom weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist – und die geschaffenen 900 Arbeitsplätze die Investitionssumme von 250 Millionen Euro in keiner Weise rechtfertigen“, erläutert Twickel.

Und was sagt der selbst ernannte Beethoven-Kulturförderer Grießl zum Bau des Festspielhauses in Bonn (der Herr Grießl engagiert sich ja nur privat als Vorsitzender des Festspielhaus-Fördervereins für den Bau eines neuen Konzertsaales – mit seiner Funktion als IHK-Chef habe das Ganze nichts zu tun, bestätigte mir ein IHK-Mitarbeiter):

„Schauen Sie zum Beispiel nach Bilbao. Bis vor einigen Jahren stand die nordspanische Industriestadt nicht auf dem Reiseplan internationaler Städtetouristen. Seit dort das von dem berühmten Architekten Frank O. Gehry konzipierte, Aufsehen erregende Guggenheim-Museum entstanden ist, kommen immer mehr Besucher in die Stadt. Das spricht sich herum, immer mehr Leute werden darauf aufmerksam und reisen dorthin. Die Entwicklung hat die gesamte Stadt aufgewertet.“ In Bonn wäre er mit einem aufregenden, qualitätsvollem Festspielhaus genauso zu spüren, glaubt der Herr Grießl.

Aber selbst die kühnsten Optimisten gehen in der Elb-Metropole nicht mehr davon aus, dass die Investitionssumme von 575 Millionen wieder eingespielt werden kann. Der Hamburger Bürgermeister wäre schon froh, wenn die Vermietung der Konzertsäle die Betriebskosten deckt. Auch da gibt es wieder schöne Parallelen zur rheinischen Beethoven-Stadt.

Igitt, dieses schnöde Wort Betriebskosten möchte in Bonn niemand ernsthaft diskutieren: Was beim Betrieb des Festspielhauses jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, schreibt der General Anzeiger. Klingt irgendwie nach „Hauptmann von Köpenick“.

Aber selbst der Mythos „Landmark Buildings“ zerbröselt in Hamburg. So sollte die Elbphilharmonie als Monument der Stärke auf das globale Anlagekapital ausstrahlen und Investoren in die HafenCity anlocken.

„Die Rücksichtslosigkeit, mit der eine Stadt ihr Gemeinwesen für solche Protzbauten in Haftung nehmen kann, wird zur vertrauensbildenden Maßnahme für den Standort. Längst ist die HafenCity, in deren Mitte sich die Elbphilharmonie erhebt, für Hamburg ein massives Zuschussgeschäft geworden – wie sich Ende November einmal mehr gezeigt hat, als der Entwickler des südlichen Überseequartiers in der HafenCity in eine Finanzierungsklemme kam und absprang. Will heißen: Das Konzept ‚Hauptsache es wird teuer, sieht auch so aus und wir bauen es zu Ende‘ ist mit der anhaltenden Finanzkrise – die ja auch eine Krise der Baufinanzierung ist – noch ein bisschen abstruser geworden“, führt Twickel in seinem Spiegel-Kommentar weiter aus.

Solche Erfahrungen sind uns ja in Bonn bislang erspart geblieben – kicher. Ja, das ist natürlich nur ein Scherz, denn sonst würden ja im Verfahren um den Bau des World Conference Center Bonn (WCCB) nicht so viele Protagonisten auf der Anklagebank sitzen.

Die Elbphilharmonie ist nach Auffassung von Twickel ein Lehrstück für eine Kostenermittlung, die einzig von politischen Interessen geleitet ist (ja, ja, die 80 Millionen Euro für das Festspielhaus sind wohl ähnlich zustände gekommen – einfache Logik: Festspielhaus günstig, Sanierung der Beethovenhalle teuer – also ein neues Spielzeug kaufen).

„Hamburgs Politiker – der schwarz-grüne Senat übrigens gemeinsam mit der seinerzeit oppositionellen SPD – haben 2006 ein offensichtlich nicht mal halbfertig geplantes Gebäude in Auftrag gegeben. Diese Täuschungsoperation hat bis heute Erfolg – und wird ihn weiterhin haben, wenn die Elbphilharmonie so zu Ende gebaut wird, wie es die Vereinbarung zwischen dem Scholz-Senat und Hochtief derzeit vorsieht.“

Jetzt werden die Festspielhaus-Ultras im Fanclub von Herrn Grießl sofort „Ja aber“ rufen. Die 80 Millionen Euro kommen doch von Privatinvestoren – ähnlich wie beim WCBB – kicher…..Vor kurzem hat ja wieder eine tolle Aktion stattgefunden, die die Geld-Sammelaktion von Herrn Grießl entscheidend beflügelt: Wein-Saufen für Beethoven. Bildungsbürgerlich wird das natürlich anders umschrieben:

„Vom 1998er Château Trotanoy (Pomerol, Bordeaux) und einem Château Margaux aus dem Médoc über den 1996er Supertoskaner Sassicaia aus Bolgheri bis zum australischen Kultwein Grange von Penfolds der Jahrgänge 1995 und 1996 (97 Parker-Punkte)“ kam am 11. Dezember „wahre Schätze aus dem Weinkeller eines ungenannten Beethoven-Freundes und weiteren Privatspendern zu Gunsten des Beethoven-Festspielhauses unter den Hammer.“

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass die Festspielhaus-Ultras in ihrer Fankurve noch einige Beethoven-Taler zusammenkratzen:

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Und noch viel wichtiger. Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten deutlich erhöhen? Haftet dann der Herr Grießl mit seinen Festspielhaus-Ultras? Haftet die Post, die 30 Millionen Euro „in Aussicht stellt“? Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich? Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich?

Das gesamte Verfahren könnte doch in einem Beethoven 2.0-Projekt von der Bonner Bürgerschaft beurteilt werden. Herr Grießl und sein Verein sind nicht repräsentativ für die Stadt – ich natürlich auch nicht. Also liquide Demokratie zulassen und die Menschen einbeziehen.

Der arme Revolutionär Beethoven hätte zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2020 eine Beteiligung 2.0 verdient. Eine Beteiligungslogik, die nicht von oben aus dem Hinterstübchen der Festspielhaus-Ultras und des Oberbürgermeisters gedacht wird, sondern von unten erfolgt. Wie das geht, demonstrierte eine Gesprächsrunde vom Haus der Architektur. Natürlich live übertragen via Hangout On Air – also schön social!

Update: Die rot-grüne Ratsmehrheit hat übrigens in Bonn durchgesetzt, für die überfällige Sanierung der Beethovenhalle Geld freizuschaufeln. Sehr löblich. Entsprechend positiv reagierte die Werkstatt Baukultur Bonn:

„Die Werkstatt Baukultur Bonn begrüßt zwei wichtige Entscheidungen des Bonner Stadtrates: Das Stadthaus soll als städtische Verwaltungszentrale beibehalten und schrittweise renoviert werden, die denkmalgeschützte Beethovenhalle wird als Konzerthalle und Veranstaltungsort denkmalgerecht saniert. Beide Beschlüsse sind Bekenntnisse zu Gebäuden, die bedeutende Vertreter der Nachkriegsarchitektur sind, untrennbar mit der Bonner Stadtgeschichte verbunden sind und für das Bonner Stadtbild einen hohen Identitäts- und Wiedererkennungswert besitzen. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist der Beschluss des Stadtrates als überaus positiv zu werten. Die 1959 eingeweihte Beethovenhalle ist eines der Hauptwerke des organischen Bauens, einer wichtigen Architekturströmung der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Mit ihren Außenanlagen stellt sie ein wichtiges Denkmal für den offenen Geist der jungen Bonner Republik dar.

Beethoven und die Frage der ePartizipation in der Stadtplanung

Bekommt Beethoven 2020 im Jahr seines 250. Geburtstages in Bonn noch eine würdige Spielstätte oder nicht? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Und die Pläne für den Neubau eines Festspielhauses, das angeblich nur 80 Millionen Euro kosten soll, sind mehr als wacklig. Wann sind solche Schätzungen eigentlich eingehalten worden? Beispiel Elbphilharmonie: Statt den geplanten 100 Millionen Euro, die anfänglich der Öffentlichkeit als Beruhigungspille präsentiert wurden, pendelt man sich mittlerweile bei satten 350 Millionen Euro ein. Soweit entfernt liegt der ursprüngliche Preis des Hamburger Konzerthauses von der Schätzung für den Bonner Wundertempel gar nicht. Und Fehlplanungen sind bei solchen Vorhaben wohl eher die Regel.

Und selbst die Baufinanzierung in Höhe von 80 Millionen Euro ist nach wie vor ungeklärt. Der Förderkreis von Herrn Grießl (da es ja auf einem privaten Engagement des Bonner IHK-Chefs beruht, braucht man in der Berichterstattung nicht ständig seine Funktion kommunizieren, dass macht der doch als Privatmann, wie mir Michael Pieck von der IHK bestätigte) kommt auf 2,7 Millionen Euro.

„Die Deutsche Post DHL hat 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt“, wie es der General Anzeiger sibyllinisch ausdrückt.

So richtig entschieden haben sich die Postler wohl noch nicht. Dann sollen noch zwei Unternehmer bereit sein, jeweils eine Million Euro zu geben. Sie wollen anonym bleiben, sagt der Herr Grießl. Die Suche der Stadtverwaltung nach weiteren Sponsoren bei großen Unternehmen blieb bislang erfolglos. Ganz anders als bei der Investitionsruine WCCB, wo man mit dem Investor SMI Hyundai Corporation sofort auf eine Goldader stieß…..

Also steht ja die Baufinanzierung des Festspielhauses, die nicht die Kasse der Stadt belasten soll, auf einem wirklich soliden Sockel. Was beim Betrieb des Honoratiorenbaus jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, so der GA.

Klingt irgendwie nach einer neuen Köpenickiade. Nach einem Gutachten der Stadtverwaltung soll übrigens die Sanierung und der Umbau der Beethovenhalle zu einem hochwertigen Konzertsaal rund 43 Millionen Euro kosten. Ob diese Summe nun künstlich aufgebläht wurde und der Preis für das Festspielhaus nach unten gedrückt wird, kann ich nicht beurteilen. Das Gutachten für die Beethovenhalle sollten sich neutrale Experten noch einmal anschauen.

Aber unabhängig von der Notwendigkeit, die Beethovenhalle wieder im alten Glanz erscheinen zu lassen: Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass die Beethovenhalle so herunter gewirtschaftet wurde? Schließlich wurde nicht nur die Architektur des Hamburgers Siegfried Wolske international bejubelt, sondern auch das Akustik-Konzept des Göttingers Erwin Meyer. Wer garantiert eigentlich, dass das beim Festspielhaus anders läuft, wenn nicht ausreichende Finanzmittel für den Unterhalt des Gebäudes zur Verfügung stehen – wo Bonn doch finanziell aus den Vollen schöpfen kann? Zitat aus dem GA:

„Bei den Bädern (die man schließen will, gs) geht es nach GA-Informationen weniger um das Einsparen von Betriebskosten, sondern um Millionen, die für eine überfällige Sanierung dieser Bäder benötigt würden – Millionen, die die Stadt nicht hat. Folgt man den Hunderten Seiten zum Haushaltsentwurf 2013/14, so zittert das Rathaus inzwischen bereits vor einigen 100.000 Euro, die die Stadt vom Haushaltssicherungsgesetz oder gar dem Nothaushalt trennen.“

Der Stadtkämmerer ist echt zu beneiden. Irgendwie logisch, dass er für das Festspielhaus keinen Businessplan auf den Tisch legt. Könnte ja Badebegeisterte, Sportler und Rheinkultur-Fans etwas aus der Fassung bringen.

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten verdoppeln oder verdreifachen?

Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich?
Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich? Fragen über Fragen, die mich mir als Bonner Bürger stelle. Und Antworten möchte ich nicht nur von irgendwelchen ehrgeizigen Privatleuten, die sich lautstark für einen neuen Prachtbau ins Zeug legen. Die Antworten erwarte ich von der Stadtverwaltung, die hier politisch die Verantwortung trägt.

Und ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich diese Fragen stellt. Deshalb wäre es doch höchst spannend, etwas mehr ePartizipation und liquide Demokratie zu wagen. Wie das funktionieren kann, wurde bei einer Veranstaltung vom Haus der Architektur in Köln vorgestellt. Hannes Schleeh und meine Wenigkeit sorgten für die Liveübertragung im Internet via Hangout On Air.

Die beiden Hauptredner Sally Below und Julian Petrin sprachen von den Möglichkeiten der kollaborativen Wende für die Planungskultur in Städten, die das Netz bietet. Das Desaster mit Stuttgart 21 sei so etwas wie der Turning Point, so Petrin. Es gebe auch in Hamburg eine aufgeheizte Stimmung mit vielen kritischen Initiativen, die es fast unmöglich machen, nach der alten Top Down-Devise zu handeln.

Crowdsourcing the City sei ein guter Hebel, um eine neue Kultur der Beteiligung zu ermöglichen.

„Die Menschen wollen mitreden und verlangen Transparenz“, erklärt Below, die das Beispiel „Dresdner Debatte“ vorstellte.

Petrin verwies auf das Projekt nexthamburg, mit dem man neue Wege in der Planungskommunkation geht. Das Social Web biete dafür die besten Voraussetzungen, weil jeder sowohl Sender als auch Empfänger sein könne. Im Gegensatz zur üblichen Gesprächskultur von Stadtverwaltungen, politischen Gremien, Verbänden, Förderkreisen und Stiftungen.

Gleiches sollte auch in Bonn praktiziert werden. Diktate von Honoratioren gibt es genug. Bislang kommen mir die Festspielhaus-Freunde wie Kleinkinder vor. Bekommt das Lieblingsspielzeug einige Kratzer, landet es in der Ecke und man malträtiert Mutti und Vati solange, bis ein neues funkelndes Spielzeug angeschafft wird. Könnte für die Bürgerinnen und Bürger in Bonn ein teurer Spaß werden. Man sollte sie einfach mal fragen, ob sie das wirklich wollen. Die Lautsprecher Grießl und Co. sind mir einfach nicht repräsentativ genug.

Aber vielleicht wollen diese „Freunde“ auch nur eine neue faustische Sonate inszenieren.

Siehe auch:
Jeder kann ein Sender werden.

Kulturpolitischer Provinzialismus.