Der etwas andere Bilbao-Effekt: Prunkbauten, Großmannssucht und leere Kassen #Elbphilharmonie #Festspielhaus

Liquide Demokratie in der Stadtplanung wagen

Wieder 200 Millionen Euro teurer, wieder ein Jahr Verzögerung – warum wollen die Hamburger ihre Elbphilharmonie eigentlich fertig bauen, fragt sich Spiegel-Kommentator Christoph Twickel.

Bei einem endgültigen Baustopp wäre die Stadt wieder flüssig und hätte zudem das weltweite erste Mahnmal gegen Image-Idiotie und politische Geltungssucht.

Die Elbphilharmonie sollte eine Ruine bleiben, so Twickel:

„Als unvollendetes Symbol für gescheiterte urbane Großmannssucht könnte sie um so vieles nützlicher und lehrreicher sein. Zumal das Konzept des ‚Landmark Building‘ ohnehin von gestern ist. Jede mittlere Kleinstadt leistet sich mittlerweile ihr Stararchitekten-Ufo, weil das angeblich ihre Internationalität befördert.“

Im Sommer 2016 soll das Honoratioren-Abo-Publikum-Prestigeobjekt in der Hansestadt fertig sein. In den Prognosen für die Baukosten liegt man jetzt bei 575 Millionen Euro und das dürfte wohl nicht die letzte Hiobsbotschaft sein. Zu Beginn der Planungen vor sieben Jahren ging Hamburg von mickrigen 77 Millionen Euro aus – ja, Ihr habt richtig gehört, liebe Festspielhausfreunde in Bonn. Da klingeln jetzt zu recht Eure Ohren. Denn der neue Beethoven-Tempel wird auch nur mit schlappen 80 Millionen Euro projektiert. Und auch die Argumente für das musische Millionen-Grab dürften den Bonnerinnen und Bonnern bekannt vorkommen. Da war von „Leuchtturmarchitektur“, von wirtschaftlichen Impulsen, neuen Arbeitsplätzen sowie von dem vielzitierten und vielbeschworenen „Bilbao-Effekt“ die Rede.

In seinem Buch ‚Triumph of the City‘ rechnet der US-Ökonom Edward Glaeser vor, dass der durch den Bau des Guggenheim Museums in Bilbao erhoffte ökonomische Boom weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist – und die geschaffenen 900 Arbeitsplätze die Investitionssumme von 250 Millionen Euro in keiner Weise rechtfertigen“, erläutert Twickel.

Und was sagt der selbst ernannte Beethoven-Kulturförderer Grießl zum Bau des Festspielhauses in Bonn (der Herr Grießl engagiert sich ja nur privat als Vorsitzender des Festspielhaus-Fördervereins für den Bau eines neuen Konzertsaales – mit seiner Funktion als IHK-Chef habe das Ganze nichts zu tun, bestätigte mir ein IHK-Mitarbeiter):

„Schauen Sie zum Beispiel nach Bilbao. Bis vor einigen Jahren stand die nordspanische Industriestadt nicht auf dem Reiseplan internationaler Städtetouristen. Seit dort das von dem berühmten Architekten Frank O. Gehry konzipierte, Aufsehen erregende Guggenheim-Museum entstanden ist, kommen immer mehr Besucher in die Stadt. Das spricht sich herum, immer mehr Leute werden darauf aufmerksam und reisen dorthin. Die Entwicklung hat die gesamte Stadt aufgewertet.“ In Bonn wäre er mit einem aufregenden, qualitätsvollem Festspielhaus genauso zu spüren, glaubt der Herr Grießl.

Aber selbst die kühnsten Optimisten gehen in der Elb-Metropole nicht mehr davon aus, dass die Investitionssumme von 575 Millionen wieder eingespielt werden kann. Der Hamburger Bürgermeister wäre schon froh, wenn die Vermietung der Konzertsäle die Betriebskosten deckt. Auch da gibt es wieder schöne Parallelen zur rheinischen Beethoven-Stadt.

Igitt, dieses schnöde Wort Betriebskosten möchte in Bonn niemand ernsthaft diskutieren: Was beim Betrieb des Festspielhauses jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, schreibt der General Anzeiger. Klingt irgendwie nach „Hauptmann von Köpenick“.

Aber selbst der Mythos „Landmark Buildings“ zerbröselt in Hamburg. So sollte die Elbphilharmonie als Monument der Stärke auf das globale Anlagekapital ausstrahlen und Investoren in die HafenCity anlocken.

„Die Rücksichtslosigkeit, mit der eine Stadt ihr Gemeinwesen für solche Protzbauten in Haftung nehmen kann, wird zur vertrauensbildenden Maßnahme für den Standort. Längst ist die HafenCity, in deren Mitte sich die Elbphilharmonie erhebt, für Hamburg ein massives Zuschussgeschäft geworden – wie sich Ende November einmal mehr gezeigt hat, als der Entwickler des südlichen Überseequartiers in der HafenCity in eine Finanzierungsklemme kam und absprang. Will heißen: Das Konzept ‚Hauptsache es wird teuer, sieht auch so aus und wir bauen es zu Ende‘ ist mit der anhaltenden Finanzkrise – die ja auch eine Krise der Baufinanzierung ist – noch ein bisschen abstruser geworden“, führt Twickel in seinem Spiegel-Kommentar weiter aus.

Solche Erfahrungen sind uns ja in Bonn bislang erspart geblieben – kicher. Ja, das ist natürlich nur ein Scherz, denn sonst würden ja im Verfahren um den Bau des World Conference Center Bonn (WCCB) nicht so viele Protagonisten auf der Anklagebank sitzen.

Die Elbphilharmonie ist nach Auffassung von Twickel ein Lehrstück für eine Kostenermittlung, die einzig von politischen Interessen geleitet ist (ja, ja, die 80 Millionen Euro für das Festspielhaus sind wohl ähnlich zustände gekommen – einfache Logik: Festspielhaus günstig, Sanierung der Beethovenhalle teuer – also ein neues Spielzeug kaufen).

„Hamburgs Politiker – der schwarz-grüne Senat übrigens gemeinsam mit der seinerzeit oppositionellen SPD – haben 2006 ein offensichtlich nicht mal halbfertig geplantes Gebäude in Auftrag gegeben. Diese Täuschungsoperation hat bis heute Erfolg – und wird ihn weiterhin haben, wenn die Elbphilharmonie so zu Ende gebaut wird, wie es die Vereinbarung zwischen dem Scholz-Senat und Hochtief derzeit vorsieht.“

Jetzt werden die Festspielhaus-Ultras im Fanclub von Herrn Grießl sofort „Ja aber“ rufen. Die 80 Millionen Euro kommen doch von Privatinvestoren – ähnlich wie beim WCBB – kicher…..Vor kurzem hat ja wieder eine tolle Aktion stattgefunden, die die Geld-Sammelaktion von Herrn Grießl entscheidend beflügelt: Wein-Saufen für Beethoven. Bildungsbürgerlich wird das natürlich anders umschrieben:

„Vom 1998er Château Trotanoy (Pomerol, Bordeaux) und einem Château Margaux aus dem Médoc über den 1996er Supertoskaner Sassicaia aus Bolgheri bis zum australischen Kultwein Grange von Penfolds der Jahrgänge 1995 und 1996 (97 Parker-Punkte)“ kam am 11. Dezember „wahre Schätze aus dem Weinkeller eines ungenannten Beethoven-Freundes und weiteren Privatspendern zu Gunsten des Beethoven-Festspielhauses unter den Hammer.“

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass die Festspielhaus-Ultras in ihrer Fankurve noch einige Beethoven-Taler zusammenkratzen:

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Und noch viel wichtiger. Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten deutlich erhöhen? Haftet dann der Herr Grießl mit seinen Festspielhaus-Ultras? Haftet die Post, die 30 Millionen Euro „in Aussicht stellt“? Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich? Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich?

Das gesamte Verfahren könnte doch in einem Beethoven 2.0-Projekt von der Bonner Bürgerschaft beurteilt werden. Herr Grießl und sein Verein sind nicht repräsentativ für die Stadt – ich natürlich auch nicht. Also liquide Demokratie zulassen und die Menschen einbeziehen.

Der arme Revolutionär Beethoven hätte zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2020 eine Beteiligung 2.0 verdient. Eine Beteiligungslogik, die nicht von oben aus dem Hinterstübchen der Festspielhaus-Ultras und des Oberbürgermeisters gedacht wird, sondern von unten erfolgt. Wie das geht, demonstrierte eine Gesprächsrunde vom Haus der Architektur. Natürlich live übertragen via Hangout On Air – also schön social!

Update: Die rot-grüne Ratsmehrheit hat übrigens in Bonn durchgesetzt, für die überfällige Sanierung der Beethovenhalle Geld freizuschaufeln. Sehr löblich. Entsprechend positiv reagierte die Werkstatt Baukultur Bonn:

„Die Werkstatt Baukultur Bonn begrüßt zwei wichtige Entscheidungen des Bonner Stadtrates: Das Stadthaus soll als städtische Verwaltungszentrale beibehalten und schrittweise renoviert werden, die denkmalgeschützte Beethovenhalle wird als Konzerthalle und Veranstaltungsort denkmalgerecht saniert. Beide Beschlüsse sind Bekenntnisse zu Gebäuden, die bedeutende Vertreter der Nachkriegsarchitektur sind, untrennbar mit der Bonner Stadtgeschichte verbunden sind und für das Bonner Stadtbild einen hohen Identitäts- und Wiedererkennungswert besitzen. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist der Beschluss des Stadtrates als überaus positiv zu werten. Die 1959 eingeweihte Beethovenhalle ist eines der Hauptwerke des organischen Bauens, einer wichtigen Architekturströmung der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Mit ihren Außenanlagen stellt sie ein wichtiges Denkmal für den offenen Geist der jungen Bonner Republik dar.

Büroarchitekten ignorieren Faktoren für Wohlfühlarbeit #ccw12

Im meinem Beitrag „Über Lichtsuppen, schrumpfende Büros und Lärmstress: Moderne Büros vernachlässigen den Faktor Mensch“ habe ich mich ja schon über die planerischen Mängel beim Bau von Bürogebäuden ausgelassen.

Wenn Architekten und Designer sich in der Bürowelt austoben, bleibt häufig die individuelle Note auf der Strecke: Glasfassade mit Lichtkonzept, Glastische, Glaswände – fehlt eigentlich nur noch das gläserne Klo. Aseptische Arbeitsplätze, die kaum Raum für persönliche Vorlieben lassen. „Denkt immer an die Menschen! Das muss man heute mehr denn je allen zurufen, die Büros planen und einrichten“, fordert Dominic Giesel, Sprecher der Initiative Wohlfühlarbeit. Ruhe, Entspannung, gesunde Atemluft, Wohlbefinden und der Schutz der Gesundheit seien Grundbedürfnisse, die befriedigt werden müssen. „Design und Funktionalität sind bedeutungsloses Beiwerk, wenn Architekten ihre Hausaufgaben nicht machen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, sagt Giesel im Gespräch mit Service Insiders.

Das gilt für Raumgestaltung, Lärmpegel, Luftqualität, Beleuchtung, Büromöbel, individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes und Bepflanzung. In der Regel achten Bauherren und Architekten wenig auf Kriterien, die für Büro-Mitarbeiter wichtig sind. Dabei müsste man schon bei der Planung entsprechende Expertisen einholen und in das Baukonzept integrieren, statt nachträglich mühsam Schwachstellen zu beseitigen. Unter dem Strich wird das nämlich teurer, wie mir zwei Vertreter der Initiative „Wohlfühlarbeit“ im Interview auf der Call Center World in Berlin bestätigten:

Aseptische Büros oder individuelle Note: Über Arbeitsplätze von morgen oder so….Meinung gefragt

Update: Das erste Foto bildet ja nur den „Rückraum“ meines Schreibtisches ab. Die Vorderansicht dürfte aber bereits bekannt sein aus diversen Beiträgen. Aber dennoch zur Vervollständigung hier noch die Vorderansicht.

Und hier noch die Seitenansicht:

Mein Büro ist mit Sicherheit keine Oase der Ordnung. Aber das war schon immer so, wie frühere Kollegen aus meiner Zeit als Leibeigener Angestellter sicherlich bestätigen können. Das ist halt meine persönliche Note. Ich arbeite mit dem Material und wenn ich es wegstelle und die Unterlagen aus meinem Blickwinkel verschwinden, dann verschwindet das Ganze auch aus meinem Hirn. Jeder hat da so seine Macken. Wäre aber mein Chaos erträglich für ein Büro im Post-Tower? Glaspaläste, die einen aseptischen Schreibtisch erfordern, mit Glastüren und einer Fassade, die von außen die Farbe des Strumpfes erkennen lässt? Fehlt nur noch, dass auch die Klo-Räume verglast sind und der Abteilungsleiter erkennt, wie lange ich für einen Stuhlgang benötige. Feine Räume, die dem Gestaltungsdiktat des Architekten unterliegen bis zum Lichtkonzept der Hausbeleuchtung? Faktisch bleibt die Individualität und die persönliche Note auf der Strecke. Die Wirtschaftswoche stellt seit Jahren irgendwelche Führungskräfte in ihren Büros vor. Meistens ist man peinlich berührt ob der gekünstelten Szenerie. Hier mal drei Beispiele aus den wenigen Printausgaben, die ich von der Wiwo noch habe:

Jetzt kommt mein Favorit. Diese entschlossene PossePose:

Statt um Zeitlosigkeit, geht es um immer schnellere Trends, statt um Funktionalität, um immer stärker spezialisierte Nischenprodukte, meint Mateo Kries, Chefkurator des Vitra Design Museums in Weil am Rhein. Die Heilsversprechen der Gestalter, unser Leben einfacher, schöner und praktischer zu machen, seien nicht in Erfüllung gegangen. Wie muss also ein Büro als Gesamtkunstwerk ausschauen? Wie sollte das Büro der Zukunft ausschauen in Zeiten der Mobilität, der digitalen Arbeit und den Anforderungen an flexible Arbeitszeiten (Desk-Sharing und solche Späße)? Wie sollten also die Arbeitsplätze idealerweise aussehen? Mir ist es ja eigentlich völlig wurscht. Wo mein Laptop ist, da ist auch mein Arbeitsplatz – könnte auch ein gläsernes Klo sein. Aber was habt Ihr für Ideen und Gedanken? Mal schauen, ob ich daraus eine Geschichte mache für die nächste Woche. Statements oder Kritik an aseptischen Bürokonzepten bitte bis Sonntagabend hier als Kommentar posten oder per E-Mail an: gunnareriksohn@googlemail.com.

Recherche Bonner Festspielhaus – Warum wurde die Beethovenhalle nicht miteinbezogen?

Wie kann man denn eigentlich die Post-Spende eines ganzen Festspielhauses einordnen und planerisch bewerten, wenn als Konsequenz ein städtisches Gebäude wie die Beethovenhalle abgerissen werden soll?

Der Abriss-Fan von der Bonner CDU, Herr Stephan Eisel, hat das in seiner Kommentarlaune ja schon gepostet: „Der Deutsche Bundestag hat im Herbst 2007 das Projekt einer ‚Stiftung Festspielhaus Beethoven‘ in Bonn in die Liste für ’national bedeutsame Kulturinvestitionen‘ aufgenommen und dafür eine Bundesförderung in Höhe von 39 Mio Euro beschlossen. Das Geld ist nicht für kommunale Kulturpolitik nutzbar. Die Bonner DAX-Unternehmen Post AG und Postbank wollen in Bonn ein neues Festspielhaus Beethoven bauen, dafür 75-100 Mio Euro ausgeben und es spielfertig einer Stiftung für den Betrieb übergeben. Vorschläge von zehn internationalen Spitzenarchitekten für ein Haus mit einem Konzertsaal mit weltweit anerkannter Spitzenakustik und -architektur liegen vor. Die Entwürfe von Zaha Hadid und Hermann & Valentiny wurden von einem Expertenkreis in die engere Wahl genommen….Für das Stiftungskapital hat der Bund bereits 39 Mio Euro zugesagt. Außerdem liegt bereits die Zusage des Rhein-Sieg-Kreises über 3 Mio Euro und der Sparkasse Köln-Bonn über 5 Mio Euro vor. Das Land hat eine Million Euro jährlich zugesagt. Auch die Telekom AG ist bereit, zur Finanzierung des Betriebes beizutragen. Offen ist noch die Höhe der Beteiligung der Stadt. Da das neue Festspielhaus die Beethovenhalle ersetzt, spart die Stadt Geld: Ca. 1,5 Mio Euro an jährlichen Betriebskosten für die jetzige Halle und die absehbaren Grundsanierungskosten von mindestens 20 Mio Euro. Für die alte Beethovenhalle gibt es keinen Nutzungsbedarf, wenn die klassische Musik in einem Festspielhaus gespielt wird. Die Stadt sollte zum Stiftungskapital beisteuern, was sie durch den Wegfall der Beethovenhalle spart. Da das Festspielhaus kein kommunales Kulturprojekt ist, kann seine Finanzierung auch nicht zu Lasten des kommunalen Kulturhaushaltes gehen“, soweit ein kleiner Ausschnitt der Blog-Kommentare des Herrn Eisel.

Aber wo liegt jetzt die politische Verantwortung für das Projekt? Wer ist vergaberechtlich zuständig? Wer bewertet die Vorauswahl der Architekten? Warum wurde eigentlich für das Festspielhaus kein Entwurf genommen, der die Einbeziehung der Beethovenhalle vorzieht? Wer zahl die Zeche für die Unterhalt des Hauses? So schreibt Doro Schmitz in einem Leserbrief an den General Anzeiger: „Auch bei einem ‚Geschenk‘ der nunmehr noch zwei verbliebenen DAX-Unternehmen (Post und Postbank), die den Bau sponsern, verbleibt als ‚Geschenk für den Bonner Steuerzahler‘ die enorme Zeche des Festspielhausbetriebs zu zahlen. Schätzungen des von den Sponsoren mit einem Konzept beauftragten Karsten Witt zufolge sind jährliche Betriebskostenzuschüsse seitens der Stadt in Höhe von 4,7 Millionen Euro zu erwarten“, so Doro Schmitz. Offiziell ging man doch von 3,8 Millionen Euro Betriebskosten für die Stadt aus. Sind die Kosten nun doch höher?

Was ist mit den Kosten für den Abriss der Beethovenhalle? Ein Experte sagte mir, dass das bei rund 5 Millionen Euro liegen könnte.

Der Bonner Architekt Peter Baumgärtner stört sich an der Arroganz des Festspielhaus-Architekten Valentiny: „Wenn Herr Valentiny glaubt, daß ihm die Entscheidungsstrukturen in China besser gefielen, dann möge er bitteschön da bauen, ich rate ihm aber seine Zunge zu hüten, das freie Wort liegt dort in Ketten. Die Öffentlichkeit soll nicht darüber entscheiden, welcher Entwurf umgesetzt wird, aber sie muß darüber befinden dürfen, wofür ihr Geld eingesetzt wird und man muß ihr vor der Entscheidung verlässliche Zahlen vorlegen. Die finanziellen Vorzüge des Schnäppchens Kongreßzentrum haben wir schon genug genossen. Wenn die Befürworter des Festspielhauses einem solchen Redner applaudieren, diskreditieren sie sich selbst.“

Warum wurde die Beethovenhalle in die Planungen nicht miteinbezogen? „Fest steht, dass es im Ausschreibungstext für den Architekten-Wettbewerb die Vorgabe gab, das Gebäude im wesentlichen zu erhalten, da es unter Denkmalschutz steht“, so Peter Finger von den Grünen. Die Beethovenhalle sei Teil der Geschichte der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt und Regierungssitz. „Die meisten Entwürfe zum Beethoven-Festspielhaus haben diese Vorgabe des Denkmalschutzes nicht berücksichtigt. Ich bin der Überzeugung, dass es – ungeachtet der vielen anderen offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Festspielhaus – gelungene architektonische Lösungen gibt, bei denen die wesentlichen Gestaltungsmerkmale der Beethovenhalle (Erscheinungsbild des Hallenkörpers, das Foyer mit den Wandmalereien von Joseph Fassbender) im Sinne des Denkmalschutzes erhalten werden können“, erklärt Finger.

Fragen über Fragen, die die Festspielhausfreunde noch nicht so richtig beantwortet haben. Zum Vergaberecht wollte ich es etwas genauer wissen und schickte folgende Mail an die Pressestelle der Stadt Bonn:

Sehr geehrte Frau Dr. Hörig,

ich recherchiere zum Thema Bonner Festspielhaus (auch wenn das Projekt zur Zeit auf Eis liegt) und möchte Sie bitten, mir den seinerzeit veröffentlichten öffentlichen Ausschreibungstext zum Neubau des Festspielhauses zu übersenden.

Desweiteren bitte ich um Beantwortung folgender Fragen:
1) Wieviele Angebote wurden eingereicht, die den formalen Kriterien entsprachen?
2) Wieviele nicht berücksichtigte Bieter haben ein Konzept eingereicht, das den Erhalt der Beethovenhalle im Gesamtkonzept berücksichtigt?
3) Bitte übersenden Sie mir auch die Preisfolgeliste der Angebotsauswertung. Um das Geschäftsgeheimnis nicht zu verletzten bin ich damit einverstanden, die Namen der Bieter zu schwärzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Gunnar Sohn

Da bekomme ich von der Stadt Bonn folgende Antwort:

Hallo Herr Sohn,
bitte wenden Sie sich an die Deutsche Post AG, die den Architekturprozess damals organisiert hat.

Schöne Grüße
Monika Hörig

Dr. Monika Hörig
Bundesstadt Bonn
Stellvertretende Pressesprecherin
Presseamt
Stadthaus, Berliner Platz 2, 53111 Bonn
Telefon +49(0)2 28.77 2112
Telefax +49(0)2 28.77 2468
E-Mail monika.hoerig@bonn.de
Internet http://www.bonn.de

Merkwürdig, wie dieser Prozess abläuft. Dagegen ist Stuttgart 21 ja noch richtig gut durchschaubar. Ich werde meine Fragen also an den DAX-Konzern richten. Bin gespannt, ob ich von dort wieder an die Stadt verwiesen werde, oder an die Stiftung oder an die Festspielhausfreunde. So macht die Recherche richtig Spaß.

WDR-Magazin west.art: Beethovenhalle als Zeichen für den politischen Neuanfang der Bundesrepublik

http://twitter.com/#!/gsohn/status/2306030616711168

Schöner Fernsehbeitrag über den Denkmalschutzpreis 2010 für Bonner Kunstgeschichtsstudenten.

Siehe auch:
Meilensteine der Demokratie.

Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik. Auszug:
Selten erfahren Bauwerke einer gerade zurückliegenden Epoche eine große Wertschätzung. Derzeit ergeht es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so. 50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht. Deshalb sei es wichtig, so Professor Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur, über diese Themen in der Öffentlichkeit vehementer zu streiten, wie es derzeit bei Stuttgart 21 der Fall ist. „Baukultur muss wehtun“, so Braum beim Netzwerktreffen mit Architekten und Publizisten im Kölner „Kulturzentrum am Neumarkt“, das in Kooperation mit dem Haus der Architektur veranstaltet wurde.
Von einer Baukultur als Gesamtkunstwerk sei man noch weit entfernt.

Das zeige die Baukultur des Alltags: „Sind es die eingezäunten Straßenbahntrassen, die miserablen Brücken, die unsäglichen, dem ordnungsrechtlichen Überregulierungswahn entsprechenden Schilderwälder, die Lärmschutzwände, die wärmegedämmte Fassaden, unsere photovoltaischen Dachlandschaften oder einfach nur unsere Bahnhöfe und Bahnhofsvorplätze, um nur einige ganz offensichtlichen baukulturellen Desaster zu nennen“, sagte Braum in seiner Eröffnungsrede.

Man müsse bessere Wege finden, die Öffentlichkeit, die Baukultur alltäglich nutzt, mitzunehmen. „Die Möglichkeiten reichen dabei von einer transparenten und frühzeitigen Kommunikation bis zur begleitenden aktiven Beteiligung. Wir müssen eine Akzeptanz dafür schaffen, Neues zu bauen, Altes zu bewahren und Vorhandenes zu pflegen“, so das Plädoyer des Stiftungspräsidenten. Man müsse die Nachkriegsmoderne weiterdenken und nicht verdrängen, forderte Jörg Jung von der Initiative „Mut zur Kultur“ in seinem Vortrag. Man benötige den öffentlichen Diskurs über die Zukunft von Bauten, die zur Identität der Bundesrepublik Deutschland gehören. Dazu zähle das Schauspielhaus in Köln und die Beethovenhalle in Bonn.

Höchste Auszeichnung für Denkmalschutz geht an die Initiative Beethovenhalle

Gerade hat es auch die Tagesschau berichtet: Im Kieler Schloss sind zehn ehrenamtliche Einrichtungen und engagierte Bürger mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet worden. Der Preis – eine silberne Halbkugel – ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in Deutschland. Er wird an Persönlichkeiten und Gruppen vergeben, die sich ehrenamtlich dem Schutz, der Pflege und der dauerhaften Erhaltung des baukulturellen und archäologischen Erbes widmen.

Ausgezeichnet wurde die Initiative Beethovenhalle aus Bonn – darüber habe ich ja bereits berichtet. Seit mehr als einem Jahr engagieren sich drei Kunstgeschichtsstudenten für den Erhalt des Gebäudes aus der Nachkriegszeit. WDR interviewte Constanze Moneke, die zu den Mitinitiatoren zählt: „Die Nachkriegsarchitektur war als Kunsthistoriker kein Neuland für uns, aber die Beethovenhalle kannten wir nicht im Detail. Mit den Einzelheiten, wie beispielsweise Fußbodenmaterial und Stützenverkleidung, haben wir uns erst dann beschäftigt. Ich habe dann auch im Hamburgischen Architekturarchiv im Nachlass von dem Architekten Sigfried Wolske geforscht und manches herausgefunden, was uns in Bonn noch nicht so bekannt war. Zum Beispiel bezüglich des Farbkonzepts der Beethovenhalle. Im Eingangsbereich gibt es eine mitternachtsblaue Decke. Wir hatten immer vermutet, dass diese Farbe erst später angebracht wurde, aber tatsächlich ist es so, dass schon 1959, mit Einweihung der Beethovenhalle, diese Farbgebung vorhanden war“, so Moneke im Gespräch mit dem WDR.

Die Initiative sei bei den Befürwortern des Festspielhauses auf Gegenwind gestoßen. Das sei allerdings nicht sachgerecht. „Wir sind durchaus auch für ein neues Festspielhaus, nur eben nicht auf dem Baugrund der Beethovenhalle. Darüber hinaus wollten wir die Menschen lediglich für die Bauten der fünfziger Jahre sensibilisieren. Ansonsten haben wir in unseren Fachkreisen deutschlandweit nur positive Resonanz bekommen“, sagte die Studentin.

Die Zukunft der Beethovenhalle sei noch nicht gesichert. „Die Diskussion um den Abriss gibt es ja noch. Deshalb wollen wir die Aufmerksamkeit für die Beethovenhalle weiter aufrecht erhalten und uns nach Möglichkeiten für eine Sanierung der Beethovenhalle umzuschauen. Dafür werden in Zukunft arbeiten“, erklärte Moneke.

Ich werde weiter über dieses Thema recherchieren und berichten, auch über die Planungen des Festspielhauses (was ich herausgefunden habe, verrate ich noch nicht).

Siehe auch:
Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Bonner Festspielhausfreunde in Abrisslaune – Wo bleibt der republikanische Geist?

Das nennt man Timing. Die Festspielhausfreunde suchen nach weiteren Argumenten, um die Bonner Politik zu animieren, die Beethovenhalle mit der Abrissbirne ins Jenseits zu befördern und gleichzeitig wird der „Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn“ der Deutsche Preis für Denkmalschutz 2010 verliehen.

Die Fans des Festspielhauses sollten sich einmal die Mühe machen und die Begründung für die Preisverleihung lesen: „Nachdem Bundespräsident Theodor Heuss im März 1956 den Grundstein zur Bonner Beethovenhalle gelegt hatte, entwickelte sich dieser Bau alsbald nicht nur zum neuen kulturellen Zentrum der Stadt Bonn, sondern auch zum Inbegriff einer sich in modernen Gebäuden darstellenden jungen demokratischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Bis in die jüngste Zeit behielt die Beethovenhalle sowohl durch ihre architektonische Qualität als auch durch die mit ihr verbundenen politischen Ereignisse ihre weit über die Stadtgrenzen hinauswirkende Bedeutung. Die Öffentlichkeit war überrascht, als die Stadt Bonn im Jahre 2009 erwog, diese einzigartige und nach wie vor beliebte Ikone der Moderne ausgerechnet im 50. Jahr ihrer Existenz der Idee eines neuen Festspielhauses durch Abbruch zu opfern und dafür auch die Denkmaleigenschaft des Hauses zur Disposition zu stellen.….Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz würdigt durch die Auszeichnung der ‚Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn‘ mit der Silbernen Halbkugel ihren beispielgebenden und phantasievollen Einsatz zur Rettung eines Baus von zweifelsfrei überregionaler Bedeutung. Die Initiative ist Vorbild für einen bürgerschaftlich getragenen verantwortungsbewussten Denkmalschutz zur Erhaltung eines der derzeit gefährdeten Baudenkmale der Nachkriegsmoderne.“

Leider erfahren Bauwerke wie die Beethovenhalle nur eine geringe Wertschätzung, so der Tenor eines Netzwerktreffens der Bundesstiftung Baukultur in Köln. Derzeit ergehe es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so: „50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht.“ Da ist es doch nicht ganz seriös, den baulichen Zustand der Beethovenhalle als Argument zu verwenden, um das Niederwalzen dieses Gebäudes zu erreichen, wie es die Festspielhausfreunde derzeitig tun: In einem Appell an die Bonner Ratsmitglieder instrumentalisieren sie die Kritik der Beethovenfest-Intendantin am Zustand der Beethovenhalle, um in den Genuss eines Neubaus zu kommen. „Bonn steht vor der Frage, ob die Stadt eine umfassende Sanierung der Beethovenhalle in Millionenhöhe aus eigener Kraft finanzieren kann, oder ob nicht jetzt alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um das Angebot eines privat ,schlüsselfertig‘ gebauten und finanzierten Festspielhauses endlich engagiert aufzugreifen.“

Bonn würde weltweit mit der Marke „Beethoven“ werben – aber wenn die Stadt im Jahr 2011 keine Entscheidung für das Beethoven Festspielhaus trifft, wird der 250. Geburtstag Beethovens in Bonn zu einem kulturellen Niedergang, der auch Oper, Theater und Museen schaden wird. Das klingt nach Alarmismus. Etwas mehr republikanische Gelassenheit wäre vielleicht hilfreicher. Warum wollen die Apologeten des Klassiktempels ein Denkmal wegradieren, das wichtig ist für die Identität der Bundesrepublik?

Die Beethovenhalle ist von den zuständigen Fachbehörden unter Denkmalschutz gestellt worden – an ihrer Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse. Es ist daher kritikwürdig, wie leichtfertig die „Festspielhausfreunde“ die Halle einfach wegplanen und in Kauf nehmen, dass die Bauherren das Gleiche praktizieren. Die Architekten der Festspielhausentwürfe müssen ausführlich begründen, wenn sie die Beethovenhalle nicht integrieren. Solche Begründungen sind bislang nicht veröffentlicht worden. Der Raum der Beethovenhalle habe bei Valentiny „positive Schwingungen“ ausgelöst, die Anforderungen an eine zeitgemäße Akustik und verschiedene Nutzungsmöglichkeiten könne der „historische Altbau“ aber nicht erfüllen. Wenn man solchen Aussagen liest, zweifelt man an einer gebührenden Beschäftigung mit der Beethovenhalle.

Fakt bleibt, dass ein bedeutendes Baudenkmal systematisch schlechtgeredet wird. Damit verlieren die Festspielhausfreunde an Glaubwürdigkeit und am Ende des Tages auch weitere Freunde!

Hier die Verabschiedung der Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann:

Siehe auch:
Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Die Bonner Beethovenhalle und der Gründergeist der Bundesrepublik

Selten erfahren Bauwerke einer gerade zurückliegenden Epoche eine große Wertschätzung. Derzeit ergeht es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so. 50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht. Deshalb sei es wichtig, so Professor Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur, über dieses Desaster in der Öffentlichkeit vehementer zu streiten, wie es derzeit bei Stuttgart 21 der Fall ist. „Baukultur muss wehtun“, so Braum beim Netzwerktreffen mit Architekten und Publizisten im Kölner „Kulturzentrum am Neumarkt“, das in Kooperation mit dem Haus der Architektur veranstaltet wurde. Man müsse die Nachkriegsmoderne weiterdenken und nicht verdrängen. Man benötige den öffentlichen Diskurs über die Zukunft von Bauten, die zur Identität der Bundesrepublik Deutschland gehören, betonte Jörg Jung von der Initiative „Mut zur Kultur“ in seinem Vortrag. Dazu zähle das Schauspielhaus in Köln und die Beethovenhalle in Bonn.

Die Rede von Jung habe ich aufgezeichnet:
Jörg Jung final

Reimar Molitor sprach über die Regionale:
Reimar Molitor

Auf NeueNachricht erscheint dann noch ein längerer Artikel über das Netzwerktreffen.

Wer mehr über die Beethovenhalle erfahren möchte, sollte die Website der Initiative Beethovenhalle besuchen. Diese studentische Initiative bekommt übrigens den Deutschen Preis für Denkmalschutz 2010. Er wird am 8. November in Kiel verliehen! Hier die Facebook-Präsenz.

Schulklassen und interessierten Bürgern bietet die Initiative auch kunsthistorische Führungen durch die Beethovenhalle an. Anmeldungen unter: fuehrungen@initiative-beethovenhalle.de

Nachtrag:
Hier der NeueNachricht-Artikel: Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Stadtmuseum: Der Kölsche Klüngel lebt! Wie sich ein Geschenk zum Sprengsatz für Steuerzahler entwickeln kann

Allein in der Filterblase – Foto von Gerhard Schröder beim StreamCamp-Aufbautag in Kölle

Im Streit um den Anbau des Kölners Stadtmuseums hat der Bund deutscher Architekten (BDA) dem Stifterehepaar einen Erpressungsversuch vorgeworfen. Das berichtet der WDR. Das Ehepaar Hans und Marlies Stock hat eine Frist bis Montag (also heute) gesetzt. Bis dahin müsse der von ihnen favorisierte Architekturentwurf vom Rat akzeptiert werden, so die Bedingung für die Stiftung in Millionenhöhe.

„Nach BDA-Ansicht verstößt die im Schenkungsvertrag formulierte Vorgehensweise gegen das europäische Vergaberecht. Auch andere Details des Vertrages bergen aus Sicht des BDA erhebliche Risiken“, berichtet die Kölnische Rundschau.

Der Schenkungsvertrag sehe vor, dass Planung, Bauleistung sowie Projektsteuerung und -leitung von der Stiftung in Auftrag gegeben werden. „Obwohl also die Stiftung und nicht die Stadt als Bauherr auftritt, handelt es sich nach Ansicht des BDA um ein öffentliches Bauvorhaben, das ausschreibungspflichtig ist. Gestützt wird die Auffassung durch Fachanwalt Dr. Stefan Deckers: Auch wenn die öffentliche Aufgabe auf eine private Organisation übertragen werde, sei eine europaweite Ausschreibung notwendig“, so die KR.

Die Schenkung in Höhe von fünf Millionen Euro sei an zahlreiche Bedingungen geknüpft, die der Stadt Köln noch schwer im Magen liegen könnten, berichten Insider in Köln. Der Schenkungsbetrag decke nicht in Ansätzen die Kosten, die mit dem Umbau, der Sanierung und dem Betrieb des Museums verbunden sind. Hier werde dann wieder der Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Bedenklich erscheint dem BDA, dass den Stiftern ein weit reichendes Mitspracherecht hinsichtlich der Museumskonzeption eingeräumt werden solle. Bei Verstößen könnten die Stifter (und natürlich auch die Erbengemeinschaft) vom Vertrag zurücktreten und die investierte Summe einklagen. Das „Gestaltungsrecht“ verjähre nicht, sondern vererbe sich. Das heiße, dass selbst ein Ururenkel der Stifter den Betrag zurückfordern könne, wenn er das Konzept für nicht zukunftsfähig halte.

Das Ganze erinnert ein wenig an das Versprechen der Kommunalpolitiker beim Bau der Köln-Arena. Das sollte ja die Stadt keinen Cent kosten und wurde gekoppelt mit dem Bau und der Anmietung des Technischen Rathauses. Hier wurde ein Mietvertrag für 30 Jahre abgeschlossen. „Insgesamt hat die Stadt Köln für die 120.000 Quadratmeter Bürofläche während der Laufzeit des Mietvertrag rund eine halbe Milliarde Euro zu zahlen“, so der Hinweis des inzwischen verstorbenen Soziologen Erwin K. Scheuch.

Welche Rolle damals der Verleger Alfred Neven DuMont spielte, kann man dem Scheuch-Buch „Parteien außer Kontrolle“ entnehmen. Welche Rolle der Verleger beim Stifter-Ehepaar spielt, dürfte den Kölnern ja auch bekannt sein…….Da braucht man nur den Kölner Stadt Anzeiger lesen…..Zitat: „Die Stifter des Anbaus für das Kölnische Stadtmuseum haben ihre Frist verlängert. Ehrenbürger Alfred Neven DuMont hat sich persönlich bei den Mäzenen für einen Aufschub des Ultimatums eingesetzt.“…..“Einmütig stellten die Stifter und Neven DuMont fest, dass sich der Umgang mit Mäzenen dringend ändern müsse. Das sei im Sinne der Stadt. Im Sinne ihrer Bürger.“…..Hm, ja, äh, sehr objektiv berichtet……

Unverzichtbare Lektüre: Werner Rügemer, Colonia Corrupta: Globalisierung, Privatisierung und Korruption im Schatten des Kölner Klüngel.

Auf den Spuren der Romantik: Route Transromanica

gewoelbeDie Zusammenarbeit, die Einsparung von Kosten und eine schlagkräftigere Vermarktung führte 24 europäische Tourismusmanager in Berlin zusammen. Auf Einladung des sachsen-anhaltischen Verkehrsministeriums besprachen die Experten in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt Strategien für touristische und gleichzeitig kulturell wertvolle Standorte. Die betreffenden Regionen arbeiten im Projekt CrossCulTour und bei der Vermarktung der Route Transromanica zusammen, zu der auch die deutsche Straße der Romanik gehört. Es geht um die Förderung des europäischen Erbes der Romantik, die sich in der Zeit von 950 bis 1250 stilprägend in Kunst und Architektur niederschlug.

Kulturtouristen, die man ansprechen möchte, brächten handfeste ökonomische Argumente mit, erläuterte Dr. Manfred Zeiner vom Beratungsinstitut dwif. Kulturtouristen seien nicht nur an Kunst und Kultur interessiert. Sie würden auch lieber auf Einkaufen gehen, sie schätzen ein attraktives Nachtleben und geben dabei mehr Geld aus.

Matthias Poeschel skizzierte, wie Cross-Marketing auch mit geringen Mitteln funktioniert. Zehn Städte in Deutschland, die teils zum UNESCO-Welterbe gehören und alle einen mittelalterlichen Bezug haben, arbeiten hier zusammen, so der für die Tourismus- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt arbeitende Experte.

„Das Beispiel der Tourismusroute Transromanica zeigt sehr schön, wie sich unterschiedlichste Interessensgruppen zusammenfinden, um ein Ziel zu verfolgen. Man nehme regionale Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Ländern die thematisch zusammenpassen, ergänzt sie um spezielle Kulturprogramme und Shopping-Angebote und lässt sie über exklusive Global Player vermarkten“, so die Erfahrung von Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity. Alle Beteiligte würden davon profitieren. „Der Tourismus steigt in den einzelnen Ländern – und zwar um die Klientel, die sich genau für diese Angebote interessieren. Die regionale Wirtschaft wird gestärkt – teilweise über Landesgrenzen hinweg. Und die Touristen erleben die Reise in einem unvergesslichem Ambiente. Aus meiner Sicht werden solche pauschale Angebote immer stärker umsetzen“, ist sich der Triptivity-Chef sicher.