Der Kreml und die Pressearbeit von Facebook – Reaktionen zum Vorgehen gegen Domian

Facebook-Zensursula

Zur offiziellen Beschwichtigungserklärung von Facebook über das Vorgehen gegen den Fernsehjournalisten Jürgen Domian habe ich der Dame von Facebook noch ein paar Fragen gepostet:

Wer schwingt sich denn bei Facebook zur richterlichen Instanz auf, um zu entscheiden, was gelöscht werden muss oder was nicht? Etwa bei dem Punkt Hass-Reden und Mobbing. Aus welchem Grund wurden denn die Postings von Domian überprüft. Gab es eine Intervention/Beschwerde aus Kreisen der katholischen Kirche. Warum geht man nicht den rechtsstaatlichen Weg, um Gerichte entscheiden zu lassen, ob etwas strafrechtlich relevant ist oder nicht. Was hier abläuft ist Willkür. Wie kann man Sie telefonisch erreichen, Frau Tina Kulow? Habe noch einige Fragen. Die möchte ich als Journalist am Telefon klären.

Dann bekomme ich wohl nach Copy and Paste-Verfahren folgende Antwort von Tina Kulow.

„Hallo Gunnar Sohn hier nochmal „ein Pfund“ Infos zum Thema: Facebook ist eine globale Plattform, auf der sich Millionen von Menschen austauschen, sich untereinander verbinden und Dinge, die ihnen wichtig sind, mit anderen Menschen teilen. Dabei sind Authentizität und Sicherheit von höchster Priorität. Auf Facebook sind echte Menschen aktiv, die ihre echten Freunde finden und echte Geschichten erzählen. Dadurch entstehen echte, authentische Beziehungen, wie auch im realen Leben.

Die Gespräche auf Facebook, und die darin vertretenen Meinungen, sind ein Spiegelbild der Menschen, die Facebook nutzen in ihrer ganzen Verschiedenheit. Um den Bedürfnissen und Interessen einer globalen Bevölkerung gerecht zu werden, schützt Facebook Ausdrucksformen, die den auf dieser Seite angegebenen Standards der Gemeinschaft entsprechen. Informationen dazu finden Sie u.a. in den Standards der Facebook-Gemeinschaft unter: https://www.facebook.com/communitystandards.

Für Facebook ist die Sicherheit der Menschen auf Facebook von höchster Priorität. Grundsätzlich ist es so, dass alle Inhalte, die gegen die Richtlinien verstoßen, umgehend gelöscht werden. Solche Inhalte werden aus einer Kombination von technischen Vorkehrungen, den Nutzern selbst und einem Team ausfindig gemacht.

Nutzer können jegliche Inhalte, die gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen, melden. Dies kann jederzeit und überall gemacht werden, d.h. es können z.B. Seiten, Personen, Gruppen, Fotos oder Kommentare gemeldet werden. Nachdem eine Meldung bei Facebook eingegangen ist, wird diese von einem Team überprüft und anschließend eine passende Maßnahme ergriffen.

Weiterhin hat Facebook komplexe Systeme entwickelt, die die Erstellung von Inhalten, die gegen die Richtlinien verstoßen, entweder verhindern oder dies markieren, damit das Team so schnell wie möglich darauf aufmerksam wird. Seit seiner Gründung arbeitet Facebook kontinuierlich daran, die technischen Systeme und Techniken zu optimieren, um proaktiv Missbrauch auf der Plattform zu identifizieren und dagegen passende Maßnahmen zu ergreifen.

Möglicherweise hilft Ihnen diesbezüglich die Erklärung, was passiert, wenn man „Melden“ geklickt hat, noch weiter. Hierzu finden Sie eine Information unter: https://www.facebook.com/notes/facebook-deutschland/was-passiert-nach-anklicken-von-melden/452825074730336.

Weiterhin bietet Facebook einen extra Sicherheitsbereich für Familien. Mit ihm bietet Facebook eine weitere Anlaufstelle für Strafverfolgungsbehörden, Eltern, Lehrer und Organisationen. Diesen finden Sie unter: http://www.facebook.com/safety.“

Daraufhin postete ich: Sie haben meine Fragen nicht beantwortet Tina Kulow. Wer entscheidet, wann etwas als Missbrauch eingestuft wird in Sachverhalten, die den Regeln des Rechtsstaates unterliegen wie beispielsweise üble Nachrede. Wer spielt also bei Facebook eine Rolle, die in einem Rechtsstaat der Judikative obliegt? Auf die AGBs können Sie sich nicht zurückziehen. Facebook ist ein essentieller Teil der Netzöffentlichkeit. Warum wurden die Postings von Jürgen Domian „bearbeitet“? Gab es eine „Beschwerde“? Wer hat da von außen interveniert? Wer hat die Löschung der Postings von Domian veranlasst? Warum war das „nur“ ein Versehen? Und wie kann ich die Pressestelle von Facebook für ein Interview erreichen? Das ist doch alles nicht so schwer zu beantworten. Die Pressestelle des Kreml erreiche ich leichter.

Update 18,30 Uhr: Eine Antwort auf meine Zusatzfrage habe ich bislang von der Facebook-Vertreterin nicht bekommen.

Siehe auch:

Wie die Pressearbeit von Facebook „funktioniert“.

Facebooks Geschichte politischer „Zensur“.

Facebook und die Zensur – Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg!

Facebook-Zensur gegen Domian: Beiträge zum Papst gelöscht – Verfassungsklage!

AGB-Diktatoren

Jetzt hat Facebook den Limes überschritten. Mit der Löschaktion gegen den WDR-Fernsehrjournalisten Jürgen Domian wegen seiner Äußerungen zu dem bigotten und selbstgerechten katholischen Propagandisten Publizisten Martin Lohmann und seinen Ausführungen zum neuen Papst erweist sich der Zuckerberg-Konzern als übler Zensor. Auf die fragwürdigen AGBs der Infrastruktur-Betreiber, die einen massiven Einfluss auf die Netzöffentlichkeit haben, bin ich an dieser Stelle ja schon mehrfach eingegangen. Hier nur ein Beispiel: Wie frei ist die privatisierte und kommerzialisierte Netzöffentlichkeit?

Und der übliche Spruch, dass ja niemand gezwungen sei, bei Facebook und Co. mitzumachen, öffnet der Diskurs-Hausmeisterei Tür und Tor.

Die großen Social Networks repräsentieren mittlerweile den größten Teil der Netzöffentlichkeit und wer dort nicht präsent ist, existiert virtuell kaum noch. Wie gehen wir also mit dieser privatisierten Netzöffentlichkeit um, die von Konzernen bestimmt wird, auf die wir keinen Einfluss haben? Wir erleben jetzt hautnah die Demontage der Meinungsfreiheit im Netz. Deshalb sollte dieser Fall zum Anlass genommen werden, Facebook vor dem Bundesverfassungsgericht zu verklagen!

Hier noch das Posting von Domian:

„Ihr Lieben, ich bin äußerst verärgert und fassungslos:

Facebook hat meine Beiträge und ebenso eure Kommentare gelöscht. Stein des Anstoßes ist wohl mein kritischer Beitrag zu dem Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Diesen Beitrag haben immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen. Auch mein völlig harmloser (und durchaus wohlwollender) Text zum neuen Papst entspricht nicht den Richtlinien von Facebook (so wurde es mir heute mitgeteilt). Das ist ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können. Alle Grundbedingungen waren gefüllt.

Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden. Aber wen wundert das nun noch?

Mein Text zum neuen Papst endete (nach ein paar kritischen Fragestellungen) mit den Sätzen:

‚Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr.‘

So etwas darf man nicht mehr schreiben? Hier schon übt Facebook Zensur aus? Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein.

Ich werde in der nächsten Zeit nichts posten, um die Dinge zu klären. Auch um zu vermeiden, dass meine Texte wieder gelöscht werden. Dennoch versuche ich euch auf dem Laufenden zu halten.

Ich bitte euch, diesen Text hier zu teilen. Euer Domian.“

Siehe auch:

Facebook löscht papstkritischen Beitrag von WDR-Moderator Jürgen Domian.

Jürgen Domian wirft Facebook Zensur vor.

Es ist lachhaft, wie Facebook auf diesen Fall reagiert: Einen „bedauernswerten Fehler“ nennt Facebook die Löschung mehrerer Beiträge auf Jürgen Domians Facebook-Seite – und sogar „frustrierend“ und „doof“, wie Sprecherin Tina Kulow erklärt.

Domian erhebt Zensurvorwürfe gegen Facebook.

Hier geht es zur offiziellen „Erklärung“ des Facebook-Konzerns.

Flattr Now Monetizes The Like Economy By Connecting Social Accounts With Payments

Webmontag in Bonn diskutiert heute über Crowdfunding

Crowdfunding gefällt mir

Dennis Schenkel befasst sich schon seit über zwei Jahren beruflich und privat mit Crowdfunding und Online-Fundraising und veranstaltet in Köln und Berlin den Crowdfunding & Fundraising Roundtable. Durch seine Tätigkeiten bei einem der weltgrößten Crowdfunding-Plattformen, Rally.org, konnte er einen tiefen Einblick in die Industrie erlangen. Heute Abend ist er zu Gast beim Webmontag in Bonn. Um 19,30 Uhr im Waschsalon Innovationspoint in der Kaiserstrasse 1b – nicht weit entfernt vom Hauptbahnhof.

Bin auf seinen Vortrag gespannt. Denn wir laufen ja jetzt beim Projekt über die Streaming Revolution Hangout on Air in eine entscheidende Finanzierungs- und Konzeptionsphase.

Unterstützer können wir noch gut gebrauchen.

Zur Zeit läuft ja noch bis Sonntag unsere Umfrage, in welcher Form wir das Un-Buch rausbringen sollen. Bitte beteiligt Euch auch hier fleißig an der Online-Befragung.

Hier noch mein Wort zum Montag:

Siehe auch:

Die TV-Autonomen kommen.

Krautökonomie mit Beethoven.

Big Data-Zaubertricks hinterfragen

Geniestreich Big Data - im Verkauf

Daten bleiben scheu und grausam, sagt Nikolas Bissantz, Gründer und Mehrheitsgesellschafter von Bissantz & Company, im Interview mit der Zeitschrift GDI-Impuls.

„Es ist schwierig, aus ihnen zu lernen und noch schwieriger, das Gelernte umzusetzen.“

Gute Manager müssten in der Lage sein, das Modell zu hinterfragen, das der Analyse zugrunde liegt.

„Zaubertricks, die wir nicht durchschauen, sind sympathisch – im Varieté. Im Business nicht“, erklärt Bissantz.

Big Data sei ein Sammelbegriff für mehrere Phänomene und gleichzeitig ein verkäuferischer Geniestreich. Im Moment werde mehr Zeit in die Speicherung als in die Analyse von Daten gesteckt.

Derzeitig dehnen fast alle Business Intelligence-Unternehmen ihr Angebot auf das Thema Big Data aus, um damit ein Schlagwort mit hoher Aufmerksamkeit zu bedienen, weiß der IT-Personalexperte Karsten Berge von SearchConsult in Düsseldorf.

„Viele Kandidaten auf dem Personalmarkt, die aus dem Vertrieb oder der Beratung kommen, positionieren sich für Big Data-Stellenangebote, ohne genau zu wissen, was sie dabei erwartet. Ein Manager aus dem Verkauf, der in ein Unternehmen gewechselt ist, um Big Data abzudecken, stellte fest, dass er etwas zu euphorisch war und die internen Voraussetzungen beim neuen Arbeitgeber alles andere als positiv waren. Es gab noch keine Kunden und man arbeitete hoch defizitär“, so Berge.

Mehr zu dem verkäuferischen Geniestreich namens Big Data in meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin „The European“. Statements zum Thema wie immer gefragt. Bis morgen so gegen 14 Uhr.

Wichtiges Thema.

Smart Data statt Big Data – Frühjahrsausgabe von GDI Impuls

Frühjahrsausgabe 2013

So heißt zumindest mein kleiner Beitrag zur Frühjahrsausgabe der Schweizer Zeitschrift GDI-Impuls mit dem Schwerpunkt Big Data. Ankündigung des Verlags:

„Die immensen Datenmengen, die Menschen, Maschinen und Geräte ständig produzieren, lassen die einen von einem Himmelreich der Planbarkeit träumen, die anderen vom Ende des selbstbestimmten Lebens alpträumen – doch wo bleiben die brauchbaren Produkten? GDI Impuls fühlt den Daten auf den Zahn und analysiert, wo sich aus dem scheinbar unüberschaubaren Input ein brauchbarer Output generieren lässt; und wo eben nicht.“

Big Data und die Priesterin in Delphi

Mein Beitrag eröffnet den Artikel-Reigen über Big Data. Dann folgt Alexander Ross mit „DIE DATEN BLEIBEN SCHEU UND GRAUSAM – Datamining-Veteran Nicolas Bissantz über die Differenz zwischen Goldgrube und Grubenunglück“. Anja Dilk und Heike Littger setzen sich mit „DATENVERKEHR“ auseinander. „Ob Auto, Bahn, Taxi oder Rad – aus Bewegungsdaten lassen sich faszinierende Services erstellen. Wenn man sie kombinieren kann. Und da beginnt das Problem.“

Aber Schluss mit der Aufzählung. Schaut Euch einfach das Inhaltsverzeichnis des Heftes an.

Pragmatismus gefragt

Lasst Euch nicht vom Preis einer Ausgabe abschrecken. 27 Euro sind für eine Vierteljahresschrift mit 120 Seiten sicherlich kein Pappenstiel. Aber wer sich zu Big Data umfassend informieren will, kommt auf seine Kosten… Man kann sich ja das Opus zu Ostern wünschen 🙂 An Hauptbahnhöfen und Flughäfen müsste die Zeitschrift erhältlich sein. Der Bonner Hauptbahnhof hat das jedenfalls im Sortiment. Ansonsten eben direkt über die Website ordern.

Eine Heftbesprechung folgt noch.

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