
Mojo Thunder: Southern Rock-Revival mit modernem Twist
Als die ersten Akkorde erklangen, war klar, dass Mojo Thunder nicht gekommen sind, um sich zurückzulehnen. Die Band aus Lexington, Kentucky, eröffnete das Crossroads Festival in der Harmonie in Bonn mit einer Energie, die sofort den Raum erfasste.
Ihre musikalischen Wurzeln sind unverkennbar: Sie tragen die raue Seele des Southern Rock in sich, gepaart mit der Spielfreude des klassischen Americana. Kings Of Leon und die Black Crowes blitzen immer wieder durch, doch es sind die Einflüsse von Lynyrd Skynyrd und Led Zeppelin, die den Sound untermauern – ein Fundament, auf das die Band stolz steht.

Das Classic Rock Magazine bringt es auf den Punkt: „Ein sonnendurchflutetes Potpourri aus allem Guten und Wahren des amerikanischen Rock’n’Roll, von knirschendem Hardrock bis hin zu gefühlvollem Blues, von luftiger, kosmischer Americana bis hin zu atemberaubenden Sommer-Arena-Rock-Hymnen.“ Genauso fühlt es sich an, wenn man der Band lauscht: Ein Mix aus emotionaler Tiefe und rockiger Leichtigkeit, der das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute fesselt.
Mojo Thunder verstehen sich als „Southern-Alternative“ – eine selbstbewusste Mischung aus den klassischen Elementen des Südstaatenrocks und modernen, alternativen Einflüssen. „Es geht um mehr als Musik“, sagen sie selbstbewusst. „Es ist eine Bewegung.“ Mit dieser bodenständigen Haltung eroberten sie die Bühne, jeden Song mit einer gewissen Unberechenbarkeit im Gepäck.
Kein Konzert ist wie das andere – und genau das lieben ihre Fans an ihnen. Wer bei diesem Auftritt dabei war, erlebte eine Band, die genau weiß, wie sie ihre Einflüsse in die Gegenwart transportiert und dabei das Publikum an jedem Abend aufs Neue überrascht.
Eine Reise durch das amerikanische Rock-Erbe, die einem nur zu gerne im Ohr bleibt. Mojo Thunder – eine Band, die man im Auge behalten sollte.

Mike Zito: Blues als Lebenselixier und kathartische Erfahrung
Wenn Mike Zito auf die Bühne tritt, bringt er nicht nur seine Gitarre mit – er bringt seine ganze Geschichte. Der Blues-Gitarrist, Sänger und Songwriter aus St. Louis, Missouri, öffnete am Eröffnungsabend des Crossroads Festivals in Bonn ein Kapitel aus seinem eigenen Leben. Seine Töne sind rau, tief und ehrlich, und sie erzählen von einem Mann, der den Abgrund aus nächster Nähe gesehen hat. Zito, ein Name, der in der Blues-Szene weltweit Respekt genießt, hat sich seinen Platz hart erarbeitet, und das spürt man in jedem Riff, in jedem Lick, das über seine Finger fließt.
Als Mitbegründer der Supergroup Royal Southern Brotherhood hat Zito bereits in den höchsten Kreisen musiziert – mit Größen wie Cyril Neville und Devon Allman. Doch seit 2014 steht er wieder im Zentrum seiner eigenen Karriere und hat sich längst als Solokünstler etabliert. Fast jedes seiner Alben wurde für Blues Music Awards nominiert oder ausgezeichnet, was ihn zu einem der angesehensten Namen im Blues macht.
Doch Zitos Weg war alles andere als geradlinig. Zwischenzeitlich obdachlos und drogensüchtig, kämpfte er sich buchstäblich aus den Fängen seiner eigenen Dämonen. Texas wurde schließlich sein Anker, und es war die Musik, die ihn durch diese düsteren Zeiten brachte. Seine Lieder spiegeln diese Kämpfe wider – nichts bleibt verborgen, keine Note klingt leichtfertig. Zito weiß, wovon er spricht, wenn er über Schmerz und Überwindung singt. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagte er einmal gegenüber dem Vintage Guitar Magazin. „Meine Ehrlichkeit scheint das zu sein, was die Leute am meisten anzieht.“
Musikalisch steht Zito auf den Schultern von Giganten, aber sein Gitarrenspiel ist ebenso explosiv wie traditionell. Es reicht von atemberaubenden, eruptiven Soli bis hin zu tief verwurzelten, groovenden Licks. Joe Bonamassa, einer der größten Namen der modernen Blues-Szene, zollte ihm nicht nur Respekt, sondern stand ihm auch als Produzent zur Seite. Gemeinsam haben sie Musik geschaffen, die eine seltene Tiefe und emotionale Schärfe besitzt.

Wenn Zito spielt, geht es um mehr als den Blues – es ist eine Katharsis, ein Ventil für all die Lasten, die er in sich trägt. Jeder Song, jede Zeile ist durchdrungen von seiner Erfahrung. „Wenn du nicht daran glaubst, was du singst, wirst du niemals ein guter Sänger sein“, sagt er. Und genau diese Überzeugung macht ihn zu einem der authentischsten Künstler, die der Blues heute zu bieten hat.