
In München zeigte Oliver Ewinger, KI-Experte, LinkedIn Top Voice und Mitglied im Kernteam der Corporate Learning Community, was Digitalisierung in der Personalentwicklung tatsächlich bedeutet: nicht neue Tools, sondern neues Denken. Auf der Personalmesse München präsentierte er das erste Modul der neuen HR-Roundtable-Academy – den KI-Führerschein. Eine Initiative, die nicht nur auf den EU AI Act reagiert, sondern eine größere Bewegung einleitet: die Professionalisierung des Lernens über KI in der Arbeitswelt.
Vom „Nice-to-have“ zur Notwendigkeit
Die Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Infrastruktur. Der EU AI Act zwingt Unternehmen dazu, Kompetenzen aufzubauen – nicht aus Neugier, sondern aus Verantwortung. Wer KI-gestützte Systeme einsetzt, muss deren Risiken kennen, deren Nutzen verstehen und deren Einsatz dokumentieren. Ewinger bringt es auf den Punkt: „Es geht nicht um Technikschulung, sondern um Mündigkeit im digitalen Zeitalter.“
Der KI-Führerschein ist dabei mehr als ein Zertifikat. Er vermittelt die Fähigkeit, KI-Systeme kritisch zu bewerten, ethisch zu reflektieren und praktisch anzuwenden. In modularen Lerneinheiten – von Grundlagen bis zu Experimentierphasen – lernen Teilnehmende, wie Prompts, Modelle und regulatorische Anforderungen zusammenspielen. Vier bis sechs Stunden genügen, um ein Grundverständnis aufzubauen – der Startpunkt für eine neue Lernkultur.
Lernen wird vernetzt
Das Konzept folgt einer klaren Philosophie: Learning by doing – vergleichbar mit Lernen durch Lehren. Ewinger und Sven Semet, die die Ausbildung begleiten, setzen auf ein hybrides Format mit Videos, Podcasts und interaktiven Aufgaben. Entscheidend ist dabei der Austausch – über Foren, Peer-Learning und Praxisfälle.
Diese Vernetzung wird durch die neue HR-Roundtable-Academy institutionalisiert. Hier entsteht ein Ökosystem aus Kursen, Experten und Communities – verbunden mit dem neuen HR-Roundtable-Club, in dem HR-Professionals, Arbeitsrechtler, KI-Fachleute und Führungskräfte Wissen teilen. Es ist die logische Weiterentwicklung klassischer HR-Netzwerke hin zu einem Lernnetzwerk mit operativem Nutzen.
Vom Wissen zur Handlungskompetenz
Deutschland diskutiert oft über Regulierung – Ewinger denkt weiter. Für ihn ist der KI-Führerschein ein Instrument zur Kompetenzsicherung in einer Übergangsphase, in der Technologie schneller lernt als Organisationen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen skalierbare Formate, die Orientierung bieten, bevor Pflichten greifen.
Der Clou: Die Teilnahme kostet weniger als ein Beratungsgespräch – 200 Euro. Im Vergleich zu Angeboten anderer Anbieter, die für ähnliche Inhalte vierstellige Beträge verlangen, ist das Modell bewusst niedrigschwellig gehalten. Wissen soll kein Privileg sein, sondern eine Basisfähigkeit.
Eine Rückkehr zur aktiven Lernkultur
Ewinger steht für eine neue Haltung: KI nicht als Bedrohung, sondern als Einladung zum Lernen zu verstehen. Er sieht die Transformation als zyklische Bewegung – zurück in die Zukunft der Arbeit. Denn erst wenn Unternehmen wieder lernen, systematisch zu lernen, können sie Zukunft gestalten statt ihr hinterherzulaufen.
Der KI-Führerschein ist damit ein Symbol: für Verantwortung, für Kompetenz und für die Wiederentdeckung des Lernens als Führungsaufgabe.
Wer heute mit KI umzugehen lernt, lernt im Grunde wieder, wie Fortschritt entsteht – nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen in die Lernfähigkeit der Menschen.